Ausgabe 
(30.5.1935) Nr. 148
Seite
1
 
Einzelbild herunterladen

7 »

Üas amtliche Organ -es SenM

6 -

Lch°di?P°st^M!^ö'eiN^^ emschU 3« Rpf, Zustellungsg-bühr-,

entrichten. Postscheck Hamburg 172 72. Betriebsstörungen bearü^ im voraus zu

-er Freien Hansestadt vremen

Nr. 148 / 3. Jahrgang

19 3 5

Anzeigen-Grundpreise: Die L2-mm-Zeile im Anzeigenteil 12 Rpf.. bis 7l>-mm.ZeiIe im Tertteil 7b Rpf. Ermäßigte Erundprelse (für kleine Anzeigen, Famllienanzekgen u. a.) sowie sonstige Bedingungen laut Preisliste 4. (Nachlaßstaffel 0.) Für Anzeigen durch Fernsprecher keine Gewähr. Annahmeschluß 1« Uhr. Sprechzeit: Verlag werktäglich von 1213 Uhr; Schriftleitung Dienstag bis Freitag von 12'/»13'/- Uhr.

Donnerstag, (Himmelfahrt) zo. Mai

Einzelpreis is Rps.

Großschieber und Volksschädling unter dem Ordenskleid

Zuchthaus für Franziskaner-Vater

Wettere Devlfenverbrechen zugunsten katholischer Orden

Berlin, 29. Mai.

Vor dem Berliner Schnellschösfengericht begann Mittwoch die Verhandlung gegen den 41 Jahre alten Franziskanerpater Otto Goertler aus Waldbreitbach, Kreis Nsuwied am Rhein, wegen fortgesetzten Devisenverbrechens in sechs Fällen. Nach dem Ergebnis der Ermittlungen der Zoll­behörden und der Staatsanwaltschaft bildet die Grundlage des Verfahrens auch in diesem Falle wieder ein Kredit, den das Franziskanerkloster in den Jahren 1928/26 bei einer holländischen Bank in Höhe von insgesamt 960 009 Gulden, also rund 1,6 Mill. Mark, aufgenommen hatte. Der Angeklagte hatte einen Teil der Obligationen, die sich ausnahmslos in ausländischem Besitz be­fanden, zurückgekauft. Da eine behördliche Ge­nehmigung zum Rückkauf der Obligationen natür­lich nicht erteilt worden wäre, wurde der Rückkauf illegal vorgenommen.

Vom Juni 1932 ab erledigte der Angeklagte die Obligationenrückkäufe direkt in Holland. Er hat bis Ende des vergangenen Jahres systematisch

Reichsmarkbeträge über die deutsche Grenze nach Holland gebracht. Auf die Gesamtsumme will er sich jetzt nicht mehr besinnen können, schätzt sie jedoch selbst auf mehrere 100 000 Mark. Weiter hat der Angeklagte auch andere Wertpapiere in Holland gekauft, die zur Ablösung eines bei der Landesbank der Rheinprovinz aufgenommenen Hypothekendarlehens von 400 000 Eoldmark, zur Abdeckung inländischer Verbindlichkeiten des Ordens sowie zur Bestreitung der Kosten für Bauten in Waldbreitbach und Darmstadt dienen. Den Behörden gegenüber hat der Angeklagte wissentlich unwahr behauptet, die Wertpapiere seien ein Geschenk von ausländischen Nieder­lassungen.

In der Verhandlung stellte der Vorsitzende fest, daß der Orden durch die Geschäfte des Angeklag­ten einen Gewinn von rund 5KV 000 RM. erzielt habe, wobei noch nicht der Verdienst aus den Rück­käufen der eigenen Obligationen berücksichtigt worden sei.

Am Schluß seines Plädoyers beantragte der Staatsanwalt gegen Goertler auf eine Gesamt­

strafe von 10 Jahren Zuchthaus, 5 Jahren Ehr­verlust und 400 000 Mark Geldstrafe bzw. weiteren 40 Monaten Zuchthaus zu erkennen. Außerdem beantragte der Staatsanwalt die Einziehung von 44000 Mark I. G. Farben-Aktien und eines wei­teren Betrages von 600 000 Mark. Für die Geld­strafe und die Einziehung des Wertersatzes soll die Charitas GmbH. die Mithaftung übernehmen.

Das Urteil lautete auf 10 Jahre Zuchthaus, fünf Jahre Ehrverlust und 350 000 RM. Geldstrafe bzw. weitere 27 Monate Zuchthaus. Außerdem wurde die Einziehung von 44 JG.-Farbenaltien und einer halben Million Wertersatz angeordnet. Für die Geldbeträge hastet die Charitas G. m. b. H.

Vor der Urteilsverkündung hatte der Verteidi­ger des Angeklagten in seinem Plädoyer u. a. er­klärt, daß die deutschen Bischöfe mit aller Schärfe von diesen Devisenschiebern abrücken. Sie betrach­ten diese Leute, die ihr deutsches Vaterland und ihre Kirche so schwer geschädigt haben, keinesfalls als Märtyrer.

KammerausschuH gegen Ilandin

Finanz-Vollmachten verweigert / Vadikaisozialisten und Kommunisten Hand in Hand

Unser lagvsspisgel

Im Rahmen der Prozesse wegen der Devifen- vergehen katholischer Orden wurde ei» Fran­ziskanerpater zu 10 Jahren Zuchthans ver­urteilt.

Am zweite» Tag des Deutschlandfluges wurde die Etappe bis Königsberg zurückgelegt.

DieNormandie" wird heute, vollbelade» mit französischem Fluchtgold, ihre Jungfern­fahrt nach Newyork antreten.

Der Finanzausschuß der französischen Kam­mer hat der Regierung die Erteilung von Vollmachten verweigert.

Der österreichische Bundeskanzler antwortete in einer Rede aus die Reichsragserklärunge» Adolf Hitlers.

Gestern abend vollzog sich der letzte Akt in der Neugliederung der Bremer SA., wobei Gruppenführer Bbhmcker eine Ansprache hielt.

Standartenführer Christensen wurde zum Standartenführer in Bremen ernannt.

Für den kaufmännischen Nachwuchs Bremens soll demnächst eine koloniale Schulungsstätte hier eingerichtet werden.

Die Atlas-Werke habe» sich aus das Schweiß- versahren im Schiffbau eingestellt.

Werder besiegt im Abendspiel Eintracht- Braunschweig 1:0.

WUD

Memel-Anlworl unbefriedigend

Maßnahmen gegen Litauen in Vorbereitung London, 29. Mai.

Außenminister Simon teilte am Mittwoch im Unterhaus in Beantwortung einer Anfrage des Oberleutnants Moore mit, daß die Antwort der ^litauischen Regierung auf die gemeinsamen Vor­stellungen Englands, Frankreichs und Italiens wegen der Wiederherstellung normaler Regie­rungsverhältnisse im Memelgebiet von der briti­schen Regierung als unbesriedigend angesehen werde. England habe sich mit den Regierungen Frankreichs und Italiens in Verbindung gesetzt, nm eine Entscheidung über weitere angemessene Maßnahmen herbeizuführen.

So ehrt Berlin die Helden

Berlin, 29. Mai.

Aus Anlaß des Jahrestages der Seeschlacht am Skagerrak hat der Polizeipräsident von Berlin die Umbenennung zweier Straßen und einer Brücke vorgenommen, um das Andenken der drei Groß­admirale und Flottenführer der ehemaligen kaiserlichen Marine von Köster, Prinz Heinrich von Preußen und von Holtzendorfs sichtbar in der Reichshauptstadt fortleben zu lassen. Umbenannt sind: Das Schöneberger Ufer inGroßadmiral - von Köfter-Ufer", die Regentenstraße inGroß­admiral Prinz Heinrich-Straße", die von der Heydt-Brücke inGroßadmiral von Holtzendorff- Brücke". Gleichzeitig hat der Polizeipräsident zu Ehren zweier hochverdienter Armeeführer des Weltkrkieges, die Magdeburgerstratze inKluck- Straße" und die Gentinerstraße inWoyrsch- Stratze" umbenannt.

Paris,"29. Mai.

Der Finanzausschuß der Kammer sprach sich, nachdem er die Erklärungen des Finauzministers über die Lage der Staatssinanzen und die Voll- machts-Pläne der Regierung entgegengenommen hatte, mit 25 gegen 15 Stimmen bei einer Enthal­tung gegen die Erteilung von Vollmachten an die Regierung aus. Dieser Beschluß hat in den Wan­delgängen der Kammer einen ungeheuren Eindruck hinterlassen, weil man darin eine Verurteilung der Regierung erblickt. Der Eindruck war um so größer, als sich unter den Gegnern der Regierung viele Radikalsozialisten befinden.

Die radikalsozialistische Kammergruppe hat grundsätzlich beschlossen, sich zu einer Sitzung sämt­licher Linksfraktionen zu begeben, die auf An­regung der Kommunisten am Donnerstag zusam­mentritt, um über die gemeinsame Haltung zu be­raten. Die radikalsozialistische Gruppe hat sich be­reit erklärt, den Zusammenschluß aller aufrichtigen Republikaner ohne Unterschied der Partei zu för­dern, soweit sie gewillt sind, die öffentlichen Fi­nanzen und die demokratischen Freiheiten zu schützen.

Ministerpräsident Flandin erklärte, er werde am Donnerstag auf der Regierungsbank in der Kammer 'zu finden sein, um seinen Vorschlag zu verteidigen. Diese sehr entschieden vorgebrachte

Erklärung könnte als Widerlegung der Gerüchte angesehen werden, die von einem möglichen Rück­tritt des Kabinetts sprachen.

*

Die englische Presse meldet, daß Dienstag eine panikartige Gold flucht von Frankreich nach England stattgefunden habe. Im Laufe des Tages seien 5 Tonnen Barrengold im Werte von 1250 000 Pfund Sterling auf dem Luftwege von Le Vourget nach Croydon befördert worden. Selbst private Fahrgäste hätten Goldmünzen und goldene Schmucksachen in ihrem Gepäck mit sich geführt. Der Postdampfer von Boulogne nach Folkestone habe eine Eoldladung im Werte von Vs Million Pfund gebracht. An Bord hätten sich Hunderte von Franzosen befunden, die eigens

Folgen des Nira-Endes

Newyork, 29. Mai

Soweit sich bisher die unmittelbaren Folgen des Nira-Endes übersehen lassen, werden die Be­schränkungen der Arbeitszeit und die Lohnfest- setzungen freiwillig fortgesetzt, oder durch einzelstaatliche Gesetzgebung gesichert. Da­gegen wird das Nachgeben der Preise, wenigstens bei einigen Industriezweigen, erwartet. Die Zigaretten- und Spirituosenpreise sind bereits gesenkt worden. Ein Mitte Juni zu befürchten­der Massenstreik von 450000 Arbeitern im

blick besann er sich. Dann schlug er den Holz­riegel zurück, trat ein. Zu denken: der Stall war leer. Doch roch es da wenigstens wieder einmal nach Mist und Hafer; eine Häckselkiste war da, noch zur Hälfte gefüllt, und an einem Holzdorn hing ein Stück Sielzeug.

Der Fähnrich griff danach. Nachdenklich ließ er die trockene Trense durch die Finger gleiten. Auf seiner Stirne hob sich eine Quersalte. Seit man in die Gräben steigen mußte, war's mit dem Reiten vorbei. Und doch, wie viel war man schon in diesem Krieg geritten. Und noch viel mehr hätte man reiten mögen. Lieber um die ganze Erde reiten, statt als Schütze in diesen Drecklöchern liegen. Aber es schien, mit den Hu­saren war's nun ewig zu Ende.Traab!" machte er. Dann ließ er den Zügel aus der Hand gleiten, wartete noch, bis er wieder ruhig hing, und dann schritt er hinüber nach dem Haus.

In der Wohnstube hatte eine Granate gewirt- schaftet. Wütend war sie hereingesprungen, hatte den Frieden gefressen. Nun Trümmer über Trüm­mer. Und dazwischen lag, wie die Unschuld, ein Püppchen. Wie der letzte Akt einer hanebüchenen Ehetragödie war die Schlafkammer anzusehen. Aber dann war eine Stiege da, eine schmale, tännichte Stieg«, die war noch leidlich in Ord­nung. Sie führte auf die Bühne.

Durch das zerrissene Dach brachen Licht und Himmel und man konnte deutlich sehen, was es da gab. Reisigwellen, Steinkrllge und Weidengerten lagen umher, und auf einer altväterlichen Truhe, die ganz von der Spinne überwoben war, lag ein mürbes, verschollenes Büchlein. Ein Staubwölk­chen entwallte, als es der Fähnrich aufschlug. Heylwürdigste Seelenartzenei für.jed betrübetes Christenmentsche. 1620." So stand auf dem Vor- blatt zu lesen.

Seelenarzenei! Herrgott, das konnte man brauchen. Nichts notwendiger als dies. Der Fähn­rich saß sogleich nieder auf die Truhe, wollte mit

nach England gefahren seien, um ihre Franken in Sterling umzutauschen.

Barrikaden in Ononnax

Paris, 29. Mai.

Zu ernsten Unruhen kam es in Oyonnax (De­partement Ainj, wo die Menge dagegen prote­stierte, daß die Handwerker-Eenossenschaftskasse seit zwei Monaten die fälligen Arbeitslosen­unter st ützungen in Höhe von 80 000 Francs nicht mehr zahlt. Angesichts der drohenden Hal­tung der Menge wurde Gendarmerie aus Nan- tua herangezogen. Diese Maßnahme wirkte wie Oel aufs Feuer. Durch Barrikaden versuch­ten die aufgebrachten Kundgeber, der Polizei den Weg ins Ortsinnere zu verlegen. Bei den Zu­sammenstößen wurden einige Gendarmen verletzt.

Kohlenbergbau scheint weniger eine Folge der Beendigung der Nira-Eesetze zu sein, als die in dieser Zeit infolge der Besserung der Wirtschafts­lage zunehmende Streiklust.

Am Irlands Llnabhängigkeit

Ministerpräsident de Valera erklärte im irischen Landtag, daß die Regierung die Absicht habe, das Amt des Eeneralgouverneurs völlig ab­zuschaffen. Sollte diese Absicht verwirklicht wer­den, dann müßten gewisse Teile der irischen Ver­fassung abgeändert werden.

Lesen anfangen, aber erst mußte er ein bißchen blättern. Sachte, schier ehrfürchtig, wendete er Seite um Seite. Ein modriger Hauch wehte ihm entgegen. Und dann plötzlich ein loses Blatt.

Ein schon ganz vergilbter Bries. An eine Jung­fer Klara, Tochter des Prädikanten Josua Güth- lin, war er gerichtet. Ein« zierliche, wunderlich verschnörkelte Schrift. Ein Abschied war es. Von Treue und Wiederkehr war die Rede, und sodann, schon gegen den Schluß zu, von einem Regiment Miglao.

Jetzt wußte der Fähnrich Bescheid. Jawohl, die Schweden! Die zogen damals durch diese Gegend. Nach dem Rhein, zur Belagerung der festen Stadt

Als ich eines Morgens talwärts zum Städtchen hin wandere und um eine Wegecke biege, gerate ich in die größte Verlegenheit; denn es ist schon zu spät, umzukehren vor dem Hindernis, das sich da so vertraulich verstrickt vor mir aufbaut, an­dererseits möchte ich auch nicht gern an diesem Hindernis allzunahe vorbeigehen. Anhalten darf ich keinesfalls; das wäre noch schlimmer.

Was tun? Die Amseln dicke, dunkle Freu- denpunkte in fernen und nahen Tannenwipfeln läuten jubelnd und wehmütig durch die Stille. Fünfzig Schritt unter mir, an einem zart durch­leuchteten Laubwäldchen, steht eine durch Jahre und Regen ergraute Bank, auf der, von linden Lüften umspielt, zwei einsam glückliche Menschen sitzen. Die rechte Hand des jungen Mannes liegt treu um die Hüfte des jungen Mädchens; die linke Hand des Mädchens streichelt den Nacken des Mannes und zupft ihm leise am Haar.

Unerbittlich und immer näher krachen meine Schritte durch die Stille. Ich kann mich, wie ge-

Vernichtete Vläne

Das deutsche Ostasien-Frachtgeschäft

Die Konferenz hat auch keine Kampfmaß­nahmen ergriffen, sondern höchstens eine Ab- wehrmaßnahms. Es besteht aber ein sehr großer Unterschied zwischen Abwehr und Kampf." (Aus einem Briefe.)

8.6. Bremen, 29. Mai.

Gleichwohl hat dieStraits, China L Ia^ pan Conference" alle Kampfhandlungen ge­gen die Rickmers-Linie uno/oder Verlader mit sofortiger Wirkung eingestellt. Diese deutsche Reederei, deren starkes Unabhängig­keitsgefühl auch durch den monatelangen Kampf nicht erschüttert wurde, wird kein Arbeitnehmer der Londoner Konferenz. Die Verlader, die in einer in der Geschichte der Seeschiffahrt bis dahin nicht gekannten denk­würdigenVolksabstimmung" ein so ge­schlossenes Treuebekenntnis für die Rick­mers-Linie abgegeben haben, sind wieder frei von einem Druck, den die Ostasien-Konfe­renz infolge ihrer wirtschaftlichen Macht­stellung auf sie ausgeübt hat. Mit Recht hat bei Nennung der deutschen Mitglieder der Konferenz die Hamburg-Amerika Linie den Vortritt, denn ihr früheres Vorstandsmit­glied stellte im vorigen Jahre namens der Konferenz der freien und selbständigen Rick­mers-Linie jenes berüchtigte Ultimatum, ihren Beitritt zu erklären, und hat in die darauf folgenden Verhandlungen einen sach­lich nicht begründeten Ton und eine maßlose persönliche Schärfe hineingetragen, die der hohen, mehr als hundert Jahre alten Tra­dition des Hauses Rickmers nicht würdig war.

Die jetzt abgeschlossene Vereinbarung zieht ünter diese unerquicklichen Verhältnisse den Schlußstrich. Alle Monopolpläne um die in Deutschland anfallende Ladung für Ostasien sind zunichte geworden. Die Ge­genseite wird inzwischen eingesehen haben, daß P. R., der ein ganzer Mann ist, und sich durch Drohungen nicht einschüchtern läßt, schon andere Kämpfe erfolgreich bestanden hat. Paul Rickmers zerschmetterte, um Bei­spiele anzuführen, in dersorgenvollsten Zeit" seines Lebens nicht nur die parlamen­tarischeNebenregierung" seiner Gesellschaft, er eröffnete auch trotz widrigster Umstände und erbitterter Gegner, die aus demselben Lager stammten, wie jetzt, die Rickmers- Sibirien-Linie und gab den beiden Neubau­ten, die aus Grund des Versailler Diktates abgeliefert werden mußten, die für seine aufrechte Gesinnung kennzeichnenden Namen Paria" undUltor". Ist es bekannt, daß dieSophie Rickmers" unter Kapitän Hülse­busch als erster deutscher Dampfer nach dem Kriege in Newyork eintraf, und die Rick­mers-Linie lange vor den deutschen Grotz- reedereien die Ostasien-Fahrt wieder auf­nahm? Aus eigener Kraft gesund und le­bensfähig, hat die Rickmers-Linie den ihr nicht erwünschten, aufgezwungenen Kampf mit der Uebermacht der Konferenz- Reedereien aufnehmen müssen, und das Er­gebnis? Die Rickmers-Linie bleibt nach wie vor frei!

Um die Zeit, als die Wirtschaftsgruppen in Deutschland aufgefordert wurden, ihrer Spitzenorganisation Mitteilung zu machen über die Kostengestaltung der Mitglieder

Vreisach. Auch ein Vorck war dabei. Friedrich hieß er. Bei Lützen dann erlitt er den Reitertod.

Der Fähnrich sann: Wie wenig man doch von seinen Ahnen wußte! Meist nicht viel mehr, als der Stein vermeldete, der ihre Grust schloß. Was wußte man von ihrem Leben, ihrer Liebe?

Fast ein wenig bekümmert wandte er das Blatt, um mit dem Brief zu Ende zu kommen. Und da stand nun:

Dieses hat in Eil geschrieben auf einer Trom­mel. am Auffahrtstag 1631,

Fridericus von Borck, Fähndrich in der schwedischen Armada.

sagt. nicht mehr anhalten, da ich mich schon in der Wegecke im Merkbereich der Glücklichen be­finde. Da! Die jungen Arme und Hände über der verwitterten Bank befreien sich voneinander, die selige Verstrickung reißt an allen Enden. Links, steif wie Holz, sitzt nun der Mann, als wäre er allein und wüßte von nichts, rechts rückt das Mädchen und bückt sich nach ihrem Schuh, als hätte sie sich hier niedergelassen, um ihre Schuhbänder in Ordnung zu bringen.

Mit abgewandtem Blick gehe ich an ihnen vor­über, pfeifend, stockschwingend und in die übrige Natur vertieft. Das Wetter ist heute unsagbar mild und schön; solch ein Himmelblau gibt es in Träumen, und die still ziehenden Wolken kommen wie Grüße aus fernen Ländern. Es singt und säuselt in den Lüften, und das Herz ist kein ge­fangener Vogel mehr.

Noch gestern kämpfte die Natur mit orkan­artiger Wucht um das neue Leben; da zerbarst das Alte, da brachen tausend Widerstände, und

Karl Burkert

Der eine und der andere Reiter

Die Waldstellung lag noch unter leichten Mor- nfchleiern; aber die Sonne stand schon stark »er den Bergen, sog sie zusehends hinweg. Kein achtreif versilberte mehr die Schützengräben, wie >ch die vorige Woche. Es war ja auch nun Früh- rg, voller Frühling. Himmelfahrtstag war gar. Wie viele köstliche Himmelfahrtstage itte man nicht schon erlebt! An diesem Tag wartete man doch stets etwas Besonderes, ceilich, nun hier draußen? Was sollte einem schon begegnen? Aber vielleicht bekam man von Hause einen Brief.

Der junge Hufarenfähnrich, an diesen Brief nkend, lehnte, Zigarette zwischen den Lippen, an ner Föhre, nahe dem Waldrand, blickte hinein eine kleine Talmulde. Diese Mulde lag zwar nter der deutschen Stellung, aber die gegen- »erliegenden feindlichen Berge konnten in sie ie in eine Stube hineinsehen. Bei Tage durfte an sich da nicht wohl Hinwagen. Die franzo- Hen Richtkanoniere verstanden keinen Spaß. Man lag nun viele Wochen in diesem Vogesen- ald, und der Fähnrich hatte die Mulde schon mdertmal vor Augen gehabt. Im fahlen, lau­gen Spätherbst, im schneeglitzernden Tiefwinter, i grauen Regentagen, im schweren, sackdicken ebel, und eigentlich noch keinmal hatte er ein erlangen in sich verspürt, sich den halbzer- «offenen Bauernhof, da drunten bei den alten irschbäumen, einmal aus der Nähe anzusehen, ber nun die schimmernde Baumblüte und das achtende Löwenzahngold, welche die ganze kulde randvoll füllten, griffen ihm wie eine rwiderstehliche Macht in die Seele.

Und da hebt sich nun plötzlich ein Wun,ch. Ein- al diesen Hang hinunter, bloß lumpige achtzig

Schritte. Und zwar jetzt. Jetzt am hellen, lichten Tag. Mitten durch eine farbige Himmelfahrts­wiese laufen, ganz so, als ob man zu Hause wäre. Unter einem blühenden Baum stehen, die Bienen orgeln hören und den süßen Duft in sich ziehen. Kostbar müßte das sein, kostbar!

Und nun fängt er auch schon an, sich diese tolle Sache zurecht zu legen. Drei Sprünge waren es eigentlich nur. Zuerst bis zur Brunnenstube, wo die hohen Brennesseln wuchsen. Sodann bis zum Wacholderbusch. Hier wie dort konnte man in Deckung gehen, ein bißchen verschnaufen. Mildem dritten Sprung befand man sich bereits im Sicht­schutz der Kirschbäume.

So dachte der junge Freiherr von Borck, und eine Viertelstunde hernach hatte er es wirklich geschafft, war er. da, wo er sein wollte, stand er mit glitzernden Augen auf dem sonnigen, stillen Hof. Alles besah er sich genau. Den moosigen Brunnentrog. Die sauber geschreinerte Haustür. Die Donnerwurz auf dem zerfetzten Dach. Die rostige Sense, noch an der Scheunenwand han­gend. Unter dem WirÄbrett des Schuppens das Rotschwanznest, aus dem wahrhaftig eine Brüt schrillte, als gäbe es keinen Krieg. Das Hennen- loch. Den Schleifstein. Und noch hundert von diesen kleinen ewigen Dingen.

Seine blauen Augen wurden zusehends Heller. Nun konnte man sehen, daß es Bauernaugen waren Oder hatten die Borck nicht seit Menschen- aedenken den Acker gepflügt? Freilich, sie waren auch immer Soldaten gewesen; waren, die meisten, flotte Reiter. Um ein gutes Pferd ritten sie, wenn es sein mußte, bis ins Heidenland.

Der Fähnrich war aus seinem Gang durch den Hof vor dem Stall angekommen. Einen Augen­

Nii Klinisch

Kommando: Achwärmen!