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M. 135 / 3. Jahrgang
Freitag, 17. Mai
Einzelpreis 13 Npf.
Willkommen in Bremen!
Lur Reichsverbanöstagung der Gemischten Lhöre Deutschlands
Die alte deutsche Hansestadt Bremen steht im Zeichen eines hohen Festes, das das neue, singende Deutschland während der nächsten Tage in ihren Mauern feiern will. Der Reichsverband der Gemischten Chöre hält seine erste Reichsverbandstagung in Bremen ab. In allen deutschen Zeitungen und Musikzeitschriften, dann aber auch in vielen Zeitungen des Auslandes hat die Propagandastelle der Reichsmusikkammer auf diese bedeutungsvolle Veranstaltung hingewiesen. Sie hat besonders auf die reichhaltige und gehaltvolle Folge der öffentlichen Konzerte aufmerksam gemacht, mit denen Bremens große Chorvereinigungen und Orchester das Werk der deutschen Meister der Vergangenheit — Bach, Händel und Schütz in erster Linie! — ehren und das Werk der zeitgenössischen Komponisten zur Aufführung bringen. Daß im neuen deutschen Vaterland auch den gemischten Chören ihre Stellung zugewiesen ist, von der aus sie mitzuwirken haben und mithelfen sollen am Aufbau des Reiches unseres Führers Adolf Hitler, das bestätigt uns der Glückwunsch, den Reichsminister Dr. Goebbels der Tagung entboten hat.
Unter der Schirmherrschaft des Regierenden Bürgermeisters Heider stehen die großen Tagungsveranstaltungen. Mit dem ersten
Bürger Bremens begrüßt die Bevölkerung der Hansestadt, die immer ihren Stolz daran gesetzt hat, das Erbe der Väter zu pflegen und das heilige Herdseuer der deutschen Gastfreundschaft zu hüten, die Gäste der Stadt aus Nah und Fern und die Ehrengäste der Tagung: den Präsidialrat der Reichsmusikkammer, den Leiter des Amtes für Chorwesen in der Reichsmusikkammer, die Vertreter der vierzehn deutschen Chorgaue, die Komponisten Arnim Knab und Walter Rein, insbesondere auch Kurt Thomas, der sein in Bremen zur reichsdeutschen Uraufführung gelangendes Auferstehungsoratorium dem Bremer Domchor gewidmet hat. Bremen grüßt alle lieben deutschen Sänger! Willkommen die zweitausend Sangesfreunde. die die Organisation „Kraft durch Freude" zum Sonntag mit zwei Sonderzügen aus Hannover und Braunschweig nach Bremen bringt! Willkommen die SVO Sänger, die die Fahrt des Sonderzuges aus dem Unterwefergebiet nach Bremen mitmachen! Bremen entbietet ihnen allen den schönen Sänger-Gaugrutz:
„Grüß Gott mit Hellem Klang! Heil deutschem Wort und Sang!"
Pakt Prag-Moskau unterzeichnet
Das sowjetfussisch-slanzösische MMämbkommen in zweiter Auflage
Prag, 18. Mai.
Nach Lavals Moskauer Besuch rechnet man mit weiteren sranzSsisch-sowjetrussischen Vereinbarungen.
In Prag wurde der militärische Beistandspakt zwischen Sowjetrußland und der Tschechoslowakei unterzeichnet.
Eden sprach sich in einer Londoner Rede für ein kollektives Friedenssystem aus.
Generalfeldmarschall v. Mackensen wurde vom ungarischen Reichsoerweser v. Horthq empfangen.
In Breslau wurde die große Süd-Ost-Aus- stellunq eröffnet.
In der französischen Handelsschiffahrt ist ein ernster Streik ausgebrochen, der bereits die Besatzung des neuen Schnelldampfers „Nor- mandie" ersaht hat.
In der Verflüssigung der Steinkohle hat die Firma Krupp ihren Grohversuch zum Abschlug gebracht.
Auf der AE. Weser läuft heute, gegen 11 Uhr, der Ostasiendampfer des Nordd. Lloyd „Enei- senau" vom Stapel.
Als Auftakt zum Tag der deutschen Seefahrt sprach Pg. Teerten über das Thema „Der Typ des neuen Seemanns".
Die Einzelausnahmen in die NGDAV.
fvralitberielit unserer Lerliiier 8vliriktleitnng) Xr. Berlin, 16. Mai.
Zur Klärung von Zweifelsfragen teilt das Eaupresseamt Croh-Berlin der NSDAP. mit: „Trotz der wiederholten eindeutigen Erklärungen der zuständigen Parteistellen taucht immer wieder die Meinung auf, daß allgemein Neuaufnahmen in die NSDAP. möglich würden. Die Ansicht, dah die Partei nochmals auf der ganzen Linie geöffnet msrd,' ist nicht zutreffend. Auf der letzten Sitzung der Berliner Ortsgruppenleiter wurde eindeutig mitgeteilt, dah lediglich eine Lockerung für verhältnismäßig wenig Einzelaufnahmen vorgesehen ist, um die laufenden Abgänge durch Ausschluß, Todesfall, Fortzug usw. auszugleichen. Hierbei werden selbstverständlich die alten, verdienten Parteikämpfer aus SA., SS., N2KK. und den Gliederungen der Partei, in erster Linie der NSBO. usw., bevorzugt, also solche Männer und Frauen, die bereits vor der Machtübernahme für die Bewegung aktiv tätig waren. Es erscheint weiter nötig, darauf hinzuweisen, dah für die Aufnahme nicht die Höhe des angebotenen Eintrittsgeldes oder freiwilliger Beiträge maßgebend ist. Entscheidend sind vielmehr allein die charak- terlichen Eigenschaften der Antragsteller und ihre Bereitschaft und Brauchbarkeit für ihre tätige Mitarbeit im Dienste der Bewegung."
Maßregelung in Portugal
Lissabon, 16. Mai.
Die Zeitungen veröffentlichen heute amtlich die Liste von 33 höheren Beamten und Militärs, die auf Beschluß des Ministerrats vom 14. Mai auf Grund des Gesetzes zum Schutze des Staates amts- enthoben worden sind, zum Teil sogar ohne Pension. Unter ihnen befinden sich zwei Generale und einige Universitätsprofessoren, die sich propagandistisch gegen das Regime betätigt hatten.
Am Donnerstag wurde im Präger Außen- ministerium der tschechoslowakisch-sowjetrussische Hilfeleistungspakt unterzeichnet. Für die Tschechoslowakei unterzeichnete der Minister des Aeutzeren Dr. Venesch, für die Sowjet-Union der sowjet- russische Gesandte Alexandrowski den Vertrag.
Der Pakt stimmt mit den ersten drei Artikeln des französisch - sowjetrussischen Beistandspaktes vollkommen überein. Artikel 4 des Vertrages besagt: Ohne Beeinträchtigung der vorhergehenden Bestimmungen dieses Vertrages wird festgesetzt, daß sich, wenn eine der hohen vertragschließenden Parteien von einem Staat oder mehreren dritten Staaten unter Bedingungen angegriffen würde, die keine Grundlage zur Leistung von Hilfe und Unterstützung nach diesem Vertrage bieten, die zweite hohe Vertragspartei verpflichtet, während der Dauer des Konflikts weder direkt noch indirekt dem Angreifer oder den Angreifern Hilfe oder Unterstützung zu gewähren, wobei jede der Parteien erklärt, daß sie durch keinerlei Hilfeleistungsabkommen gebunden ist, das mit dieser Verpflichtung im Widerspruch stünde.
Artikel S besagt: Die oben angeführten Verpflichtungen stehen in Uebereinstimmung mit den Verpflichtungen der hohen Vertragsparteien als Mitglieder des Völkerbundes; deshalb wird auch keiner Bestimmung dieses Vertrages eine Auslegung gegeben werden, die die Mission des Völ
kerbundes beschränken würde, soweit es sich um geeignete Maßnahmen zur wirksamen Sicherung des Weltfriedens handelt oder die die Verpflichtungen beschränken würde, die sich für die hohen Vertragsparteien aus dem Völkerbundspakt ergeben.
Im Artikel 6 heißt es, daß der Vertrag nach Austausch der Ratifikationsurkunden, der in Moskau erfolgen wird, sofort in Kraft tritt und fünf Jahre in Geltung bleibt.
Lord Secil wamt Italien
London, 16. Mai
In einem Brief an die „Times" zeigt sich Lord Cecil sehr beunruhigt über die Vorbereitungen zu einem Kriege in Abessinien und meint, ein abessinischer Angriff auf Italien würde Wahnsinn sein und ein italienischer Einmarsch in Aethi- opien sollte angesichts der Beschlüsse von Stresa als unmöglich betrachtet werden. In dieser Entschließung hätten die drei Stresa-Mächte als ihr Ziel die kollektive Aufrechterhaltung des Friedens im Rahmen des Völkerbundes bezeichnet und sich gegen.eine einseitige Verleugnung der Verträge ausgesprochen. Diese Grundsätze müßten im Streit zwischen Italien und Abessinien dieselbe Gültigkeit haben wie in dem unlängst gegen Deutschland verhandelten Fall.
Den Blättern zufolge ist der britische Bot
schafter in Rom, Sir Eric Drummond, nach London berufen worden. Der diplomatische Korrespondent des „Daily Telegraph" schreibt: Das Kabinett wünscht einen persönlichen Bericht des Botschafters über die Lage und den voraussichtlichen Gang der Ereignisse im italienisch-abes- sinischen Streit zu haben.
Mackensen bei Horthy
Budapest, 16. Mai
Generalfeldmarschall von Mackensen hat Donnerstag vormittag auf dem deutschen Heldenfriedhof vor den Gräbern der dort ruhenden Helden des Weltkrieges einen Kranz niedergelegt. Die kurze eindrucksvolle Feier nahm einen würdigen Verlauf. Die Ortsgruppe der NSDAP. und die HJ. hatten im Heldenfriedhof Aufstellung genommen. Der Eeneralfeldmarschall schritt die Front der Abordnungen ab, wobei er sich mehrfach mit den alten Frontkämpfern unterhielt. Der Eeneralfeldmarschall besichtigte eingehend die zahlreichen deutschen Heldengräber auf dem liebevoll gepflegten Friedhof und begab sich anschließend zu dem ungarischen Heldendenkmal, wo er ebenfalls einen Kranz niederlegte. Um die Mittagszeit stattete der Eeneralfeldmarschall dem Reichsverweser von Horthy seinen ersten Besuch ab.
2n russischen Netzen
Frankreich Werkzeug ver Sowjets
* Bremen, 17. Mai.
Die Reise Lavals nach Moskau scheint in Paris als ein Erfolg verbucht zu werden. Wenigstens theoretisch und aus dem Papier. Denn der vorliegende amtliche Bericht enthüllt eine Stelle, die, wenn man ihr Wahrhaftigkeit der Urheber unterstellt, zweifellos alle Sorgen Frankreichs vor bolschewistischen Wühlereien in der französischen Armee zu beheben vermag. Nicht mehr und nicht weniger verspricht Sowjet-Rußland seinem französischen Verbündeten, als auf die bolschewistische Propaganda in Frankreich fortan zu verzichten, damit das französische Heer von der Gefahr antimilitaristischer und bolschewistischer Durchseuchung befreit, schlagkräftig und zuverlässig bleiben kann, um im Kriegsfall dem russischen Verbündeten eine vollwertige Hilfe zu sein.
Nicht nur wir in Deutschland, die wir nun einmal skeptisch allen Versprechungen Moskaus gegenüberstehen, auch ein gut Teil der französischen Presse — und gerade die sonst als urteilsfähig bekannten Blätter — bezweifeln mit Recht, daß es die Komintern jemals wirklich über sich zu bringen vermöchte, auch nur in einem Lande West- europas die bolschewistische Propaganda einzustellen und wenn es selbst Frankreich wäre, das sich zurzeit so gefügig allen mos- kowitischen Plänen zeigt; Plänen, die zwar verschleiert, aber nichtsdestoweniger zielbewußt dahin gehen, Europa in Brand zustecken. Es hieße ja auch soviel, als wie wenn Moskau sich selbst aufgeben wollte, wenn es den Gedanken der Lä>ens- bejahung Europas aufzugeben sich entschlossen hätte. Und die französische Bevölkerung, die seit langem schon in großer Sorge we- en der mehr und mehr um sich greifenden ommunistischen Agitation im französischen Heere ist, sieht jedenfalls klarer, als die heute in Frankreich Regierenden sehen oder wenigstens sehen wollen, wenn diese Bevölkerung an das Moskauer Versprechen nicht glaubt. Es hat diese Bevölkerung um so mehr Grund, dem sowjetrussischen Versprechen zu mißtrauen, als der Schiffsstreik in Frankreich, der selbst vor dem Stolz des französischen Volkes, vor der „Normandie", nicht haltmacht, zweifellos ein Werk des gleichen Rußlands ist, mit dem sich soeben das leidtragende Frankreich innig verbündete.
Es ist und bleibt einmal Anfang und Ende aller bolschewistischen Staatsweisheit, dadurch über Europa Herr werden zu wollen, daß man die Völker Europas untereinander und gegeneinander hetzt, daß man sie sich selbst zerfleischen läßt, um den dann zuletzt verbleibenden Trümmerhaufen als leichte Beute Sowjetrußlands einzuheimsen. Wenn dies die französischen Staatslenker wirklich nicht erkennen sollten, müssen wir das bedauern. Daß mit den Franzosen aber wohl oder übel einmal die übrigen Völker Europas die Folgen der heutigen französischen Politik zu tragen haben werden, ist das Verhängnisvolle bei der französischen Russenfreundschaft, die — es muß einmal frei heraus gesagt werden — keinen ande-
Die Muberin unserer Heit
tzum Gastspiel Vermine Körners im Bremer Schauspielhaus
„Eines Morgens erwacht« ich und war berühmt," schreibt der englisch« Dichter Lord Byron lakonisch. Wieviel Schauspielerinnen haben das im Zeitalter des Films auch von sich sagen können! Und wie leicht wäre es, ein Dutzend solcher Berühmtheiten aufzuzählen, die vielleicht gestern sehr berühmt waren, während heute kein Mensch mehr von ihnen spricht! So eine Berühmtheit unserer Zeit ist Staatsschauspielerin Hermine Körner nicht, die am Mittwoch nach Bremen gekommen ist, um heute abend zum ersten Male im Bremer Schauspielhaus als „erste Frau Selby" aufzutreten. Sie ist nicht eine der am meisten genannten, wohl aber die verdienstvollste deutsche Schauspielerin unserer Zeit. Der nationalsozialistische Staat, der sie zur Staatsschauspielerin ernannte, sie an das Staatstheater Berlin verpflichtet« und für die staatliche Schauspielschule als Lehrerin gewann, hat mit dieser Ernennung und Berufung eine Persönlichkeit geehrt, die die deutsche Schauspielkunst entscheidend beeinflußt hat.
In jedem deutschen Lexikon steht Hermine Körners Name verzeichnet. Da kann man auch nachlesen, daß sie ihre Laufbahn als Schauspielerin am Burgtheater in Wien begann, 1866 bis 1869 im Düsseldorfer Schauspielhaus wirkte, bis 1916 zum Ensemble des Hoftheaters Dresden gehörte und von 1916 bis 1918 zu dem des deutschen Theaters in Berlin. Von 1818 bis 1928 war Hermine Körner Direktor des Münchener Schauspielhauses und von 1826 an Leiterin des Albert-Theaters in Dresden. Sie ist berühmt als Lady Macbeth, Phädra, Mariamne und Hedda Gabler. Ihre berühmteste Rolle, die Elisabeth in Schillers „Maria Stuart", hat sie in Bremen als Gast des Stadt
theaters gespielt. Zuletzt sahen wir sie Ende Januar im Bremer Schauspielhaus als Herzogin von Marlborough zusammen mit Gustaf Eründgens in Jürgen Fehlings Inszenierung von Scribes Jn- trigenstück „Glas Wasser". Was nicht im Lexikon steht, aber bedeutsam ist zu erfahren und zu wissen, das erzählte Frau Staatsschauspielerin Hermine Körner gelegentlich der Unterredung mit einem Mitarbeiter der „Bremer Zeitung". Es wird die vielen Musikfreunde und Konzertsaalbesucher Bremens besonders interessieren.
Hermine Körner begann ihr« ruhmreiche Lausbahn gar nicht auf der Bühne. Sie, die man die Neuberin unserer Zeit nennen darf, weil sie in Dresden das Albert-Theater und in München zeitweise gleichzeitig drei Theater leitete, Bühnen, aus denen sie künstlerisch hoch stehende Institute gemacht hat, in denen eine ganz genüge „Richtung" eine „Schule", ihre vorbildlich« und für den Schauspieler nachwuchs bedeutsame Stätte hotte, sie fand den Weg zur Kunst der dramatische» Darstellung von der Musik her! Sie ist, bevor sie sich für die Schauspielkunst entschied, Musikerin gewesen und noch dazu eine Schülerin Max Negers, den seine Freunde den großen Anreger genannt haben . . .
Aber hat denn nicht Hermin« Körner mit zu ihrem Teil das Realistische, das wirklichkeitsnahe Spiel, in die Darstellung klassisch-idealistischer Frauengestalten gebracht? Ist sie es nicht gewesen, die den Dialogen auf der Bühne ein ganz eigentümlich scharfes Tempo gab, dergestalt, daß wie im Leben die Partner des Gespräches sich gegenseitig die Sätze aus den Mündern reißen? Ist sie nicht ein« der Mitbegründerinnen der Technik des so
genannten „unter den Tisch gesprochenen Worts"? And ist sie als solche nicht eine Vertreterin des Naturalismus in der Schauspielkunst? Eine Schülerin des Musikanten Reger?
„Der Anfang aller Schauspielkunst", sagte Frau Körner im Gespräch, „ist und bleibt immer das Wort." Damit bekennt sie sich als Hüterin und Wahrerin einer ganz großen Ueberlieferung, die gar nicht einmal so selbstverständlich ist, weil auch andere Auffassungen gut begründet und leidenschaftlich groß vertreten werden. Und dann ist die Sprächkunst, wie sie Hermine Körner kultiviert hat, nur eine Seite ihrer Kunst! Mit Worten kann sie Musik machen. Aber ihr „stummes Spiel" ist in noch weit böberem Made Musik al« ihre Sprache.
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JA?"
Sie drückt aus, was man mit Worten nicht ei.nfan- gen kann. Die Frauen, in deren Gestalten sie auftritt, macht sie von innen her deutlich, durchsichtig, transparent. Schillers Elisabeth, Hebbels Ma- riamne, Ibsens Hedda Gabler sind Beispiele, an denen die Körner das Schicksal Frau überhaupt darstellt und erfüllt. Der Dichter Kotthold Ephraim Lessing, der, bevor er ein großer deutscher Dichter wurde und dem deutschen Volk das schönste Soldaten-Lustspiel schrieb, mit Karoline
Ä. W. frey
Die kalt
Die alte Dienstmagd aus dem Gebirge erzählt:
Was die Maikäfer nicht fressen, schlägt der Hagel herunter. Was der Hagel nicht schlägt, bringen die drei Eisheiligen um. Am gefährlichsten ist sie aber, die auf die Eisheiligen folgt am vierten Tag: Die kalte Sophie. Als wärs wie heute, so kann ich mich erinnern an einen Mai bei uns daheim. Da sind die eisheiligen Tag' gekommen und hübsch frisch waren sie. Die frostigste Nacht aber ist gewesen von der kalten Sophie. Da ist das Thermometer auf Null gesunken schon um neun Uhr abends. Und weil der Vater unsere ganz aufgeblühten Obstbäume - wie schön waren sie, völlig weiß war alles — hat retten wollen, hat er im Garten ein Feuer anzünden lassen. Auf die Windrichtung hat er acht gegeben, daß der warme Rauch durch die Baumkronen gezogen ist.
War schon recht, aber denken 'S einmal, um acht haben wir schon angefangen und so eine Nacht ist lang. Der Vater hat aufgepaßt, daß die Feuer net ausgehen und der Knecht und ich - siebzehn Jahr bin ich damals gewesen wir haben Holz und Stroh zusammengeholt und schließlich, damit net gar so viel gutes Sach' ver-
Neuber, der ersten deutschen Theater-Direktorin, im Thespiskarren durch die Lande zog, hat einmal jene Kunst der Versinnbildlichung des Einmaligen durch das Allgemeine mit folgenden Versen „in eines Schauspielers Stammbuch" gekennzeichnet: Kunst und Natur Sei auf der Bühne Eines nur;
Wenn Kunst sich in Natur verwandelt,
Dann hat Natur mit Kunst gehandelt.
—sss— .
swphie
brennt, haben wir uns nach trockenem Reisig umgeschaut.
Wie endlos doch so eine Nacht sein kann, das glauben Sie gar nicht. Und gefroren hat's uns immer erbärmlicher, sowie wir ein bißl weg sind vom Feuer. Aber das Feuer hat uns ja auch nur auf einer Seite angewärmt, die andere war immer kalt.
Der Vater — jung war er nimmer, er hat spät geheirat; mein älterer Bruder, der war damals grad beim Militär — der Vater ist so müd geworden, daß ich gesehen hab. wie er beim Holzstoß einschlaft und beinah' in die Glut einfallt.
Es ist schon nach Mitternacht gewesen und ich hab g'sagt: „Geh nur ins Bett, Vater, wir schas- fens schon, ich und der Knecht."
Da hat er zuerst nicht wollen, aber dann ist er doch gegangen, ermähnt hat er uns nur, die Glut gewiß ne ausgehen zu lasten, gegen morgen käm ja erst die erste Kälte,
Haben wir also weiter gemacht, der Knecht and ich. Nun ist das so gewesen, daß der Knecht ab und zu verschwunden ist, weil er eingeheizt hat, innerlich. Er hat einen getrunken und noch