Ausgabe 
(16.3.1935) Nr. 75
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Nr. 75 / 3. Jahrgang

Sonnabend, is. März

Einzelpreis 15 Rps.

Die große Variier Kammersitzung

Frankreich sabotiert die Abrüstung

Ministerpräsident Flandin begründet die Dienstzeiterhöhung

Fünf Zeitungen verboten

Berlin, 15. März.

Das Eeheime Staatspolizeiamt hat die Zeitun­gen:Berliner Herold", Berlin,Die Wahrheit", Berlin,Das Kleine Journal", Berlin,Bunte Wochenschau", Berlin,Echo Germania", Erfurt, auf unbestimmte Zeit verboten. Im Schriftleitergesetz wird als die ausdrückliche Auf­gabe eines jeden deutschen Schriftleiters bestimmt, daß er verpflichtet ist, aus den Zeitungen alles fernzuhalten, was gegen dieEhreundWürde eines Deutschen verstößt, oder was die Ehre oder das Wohl eines anderen widerrechtlich verletzt. Die verbotenen Zeitungen haben sich an diese Erundbestimmung des Schriftleitergesetzes nie­mals gehalten. Sie haben ein Geschäft daraus gemacht, andere Volksgenossen in der Öffentlich­keit herabzusetzen und damit Klatschsucht und übelster Sensationshascherei Nahrung gegeben..

*

Ein Exempel mußte wieder einmal statuiert werden an Zeitungen, die diszi­plinlos die Pressefreiheit im national­sozialistischen Staat mißbrauchten. Sie ver­wechselten Pressefreiheit mit Skandal- fr e i h e i t, um mit dem Appell an niedrigste Instinkte Geschäfte machen zu können. Was der nationalsozialistische Staat von der deutschen Presse fordert und erwartet, ist in den verbotenen Blättern leider nie zu ver­spüren gewesen.

Rudolf Hetz in Kiel

Kiel, 15. März.

Reichsminister Rudolf Hetz traf am Freitag­mittag in Begleitung seines Adjutanten Leit- gen zu einem zweitägigem Besuch der Reichs­marine auf dem Flugplatz in Holtenau ein. Der Reichsminister wurde von dem Kommandanten von Kiel, Kapitän z. D. Mewis herzlich be­grüßt und begab sich mit dem Chef des Stabes beim Flottenkommando, Kapitän z. S. Schnie- wind an Bord des FlottenflaggschiffsSchles­wig-Holstein", wo er vom Flottenchef, Vizeadmiral Förster, begrüßt wurde.

Beslaggung am 18. März

Berlin, 15. März.

Aus Anlaß des Beginns des Reichs- berufswettkampfes werden sämtliche Be­triebe, deren Jugendliche am Reichsberufswett- kampf teilnehmen, nach einer Anordnung des Pro­pagandaamtes der Teutschen Arbeitsfront und im Einvernehmen mit dem Reichsministerium für Voltsaufklärung und Propaganda am 18. März Flaggenschmuck tragen und für den Eemeinschafts- empfang ihrer Jugendlichen Sorge tragen. Eine Million Wettkämpfer werden am Montag in ihren Betrieben den Berliner Jungarbeiterappell mit­erleben.

Regierungsrücklrilt in Norwegen

Oslo, 15. März.

Die liberale Regierung Mowinckel ist am Frei­tag, wie erwartet, zurückgetreten.

Saar-Emigranten von Frankreich abgewiesen. Etwa 12 00V Saar-Emigranten ist die Einreise nach Frankreich verwehrt worden, weil ihre An­wesenheit in Frankreich als unerwünscht ange­sehen wird.

Paris, 15. März.

In der französischen Kammer herrschte am Freitagnachmittag schon vor Beginn der großen Sitzung eine sehr lebhafte Stimmung. Die Tri­bünen und die Diplomatenlogen waren bis auf den letzten Platz gefüllt. Auch die Abgeordneten waren fast vollzählig erschienen. Flandin verlas die Erklärung der Regierung über die Frage der Militärdienstzeiterhöhung. Die Zahl der Einbe­rufenen, die gewöhnlich 230 000 Mann beträgt, wird von 1936 bis 1910 auf einen Durchschnitt von 118 000 Mann fallen. Es handelt sich für Frankreich darum, die Verringerung des Kontin­gentes durch eine vorübergehende Verlängerung der Dienstzeit auszugleichen. Frankreich könne es ohne Gefahr für die Landesverteidigung nicht zu­lassen, daß die Effektiven seiner Armee geringer werden, als durch das Gesetz vom 31. März 1928 vorgesehen war, zu einer Zeit, als die deutsche Aufrüstung offiziell in den von dem Friedens­vertrag bestimmten Grenzen geblieben war.

Den kasernierten und sofort verfügbaren 180 000 Mann in Deutschland, zu denen zahlreiche vormilitärische oder militärähnliche Abteilungen hinzutreten, die von dem Effektivkomitee in Gens als unvereinbar mit einer gerechten Beschränkung der Rüstungen erklärt worden sind, können wir zu Beginn des Jahres 1935 nur 278 000 Mann ent-

Moskau, 15. März.

Der sowjetrussische Außenkommissar Litwi­now äußerte sich Vertretern der japanischen Presse gegenüber zu der Lage im Fernen Osten: Mit dem Verkauf der chinesischen Ostbahn dürfte eines der wichtigsten Probleme gelöst wor­den sein. Im Jahre 1931 entstanden durch die Bildung des mandschurischen Kaiserreiches zahl­reiche Konflikte zwischen Japan und der Sowjetunion, die den Frieden zu gefährden im­stande waren. Die Verhandlungen über den Ver­kauf der chinesischen Ostbahn haben etwa zwei Jahre gedauert und wurden unter größten Schwie­rigkeiten durchgeführt. Der Abschluß dieser Ver­handlungen beweist, daß es möglich ist, alle Strei­tigkeiten zwischen Japan und der Sowjetunion in friedlichem Sinne zu lösen.

Außenkommissar Litwinow machte sodann da­rauf aufmerksam, daß die abgeschlossene sowjet- russisch-japanische Fischerei-Konvention gezeigt habe, daß die Möglichkeit für eine normale wirt­schaftliche Zusammenarbeit der beiden Länder be­stehe. Was die Frage der Entmilitari- sierung des Fernen Ostens anbelangt, so erklärte Litwinow, daß im allgemeinen eine solche Entmilitarisierung zunächst am häufigsten nach einem Krieg zwischen zwei Ländern eingerichtet zu werden pflege. Zwischen der Sowjetunion und

gegenstellen, die jederzeit auf dem Gebiete des Mutterlandes verfügbar sind. Nach all den be­kannten Plänen wird Deutschland im Jahre 1938 mindestens über 600 000 Mann verfügen und wir werden gleichzeitig infolge des rekrutenarmen Zeitabschnittes auf 208 000 Mann sinken. Ein derartiger Unterschied ist unzulässig, selbst wenn man zu diesen 208 000 Mann die 72 000 der im Mutterlands stehenden aber als Reserve für un­sere Ueberseestreitkräfte zum Schuhe und zur Ver­teidigung unseres großen Reiches bestimmten mo­bilen Streitkräfte zählt. Unter diesen Bedingun­gen hat die Regierung beschlossen, die Rekruten, die im April und im Oktober ds. Js. eingezogen werden, noch länger unter den Fahnen zu behal­ten. Derselbe Beschluß findet auf die Kontingente bis einschließlich 1939 Anwendung. Die zeitliche Jndienstbehaltung wird für die Rekruten, die im April 1936 12 Monate gedient haben, weitere sechs Monate betragen und für die späteren Klassen auf weitere 12 Monate ausgedehnt wer­den. Die Regierung setzt die Kammern von die­sem Beschluß, den der Ministerrat gefaßt hat, in Kenntnis.

Außerdem hat der Kriegsminister heute im Büro der Kammer einen Eesetzesvorschlag ein­gebracht, der ihn ermächtigen soll, das augen­blickliche Militärdienstpflichtige Alter allmählich

Japan bestand jedoch kein Krieg und ich hoffe daß es keinen Krieg geben wird. Ueber die Er­richtung einer entmilitarisierten Zone könne man verhandeln, man könne alle Einzelheiten bespre­chen und versuchen, gewisse Truppenteile von bei­den Seiten in beiderseitigem Einverständnis von der Grenze zurückzuziehen.

Litwinow erklärte weiter, daß es seiner Meinung nach besser wäre, wenn Japan einen Nichtangriffspakt mit der Sowjetunion abgeschlossen hätte. Das ablehnende Verhalten der japanischen Regierung gegenüber einem Nichtangriffspakt, der von Sowjetrußland vorge­schlagen war, hat in sowjetrussischen politischen Kreise» ein gewisses Befremden hervorgerufen. Ich hoffe, daß nach dem Verkauf der chinesischen Ostbahn eine gesunde Atmosphäre ge­schaffen wird zwischen Japan und der Sowjetunion.

Tokio, 15. März.

Die Erklärungen Litwinows, über die Möglich­keiten einer weiteren Verbesserung der Be­ziehungen zu Japan sind hier mit Genug­tuung aufgenommen worden. In Kreisen des Auswärtigen Amts betont man die Ueberein­stimmung zwischen Hirota und Litwinow in der grundsätzlichen Friedenspolitik. Japan habe den

bis auf 20 Jahre herabzusetzen und die getrennte Einziehung der Rekruten (April und Oktober) aufzuheben. Derselbe Eesetzesvorschlag steht in einem noch durch das Finanzgesetz festzulegenden Rahmen eine Erhöhung der Zahl der Be­rufssoldaten vor. Das gesetzliche Höchstmaß von 117 000 Berufssoldaten ist fast erreicht. Die Regierung hat niemals die Lösung der Frage der Effektivbestände mit der sehr viel weitergehenden Frage der Landesverteidigung verwechselt und wird sie auch nicht verwechseln. Sie appelliert an die vaterländische Mitarbeit des Parlaments, Frankreich die Mittel für seine Sicherheit zu geben. Sie erklärt noch einmal den friedlichen Willen einesin einem Jahrhundert viermal überfallenen Landes" und sie ist sich bewußt, der Repräsentant eines Landes zu sein, das seine Rüstungen nur in dem Maße aufrechterhält, wie sie für die Verteidigung des Friedens, die Aufrechterhaltung der Sicherheit und die Entmutigung des Angriffs notwendig sind.

Die Ausführungen des Ministerpräsidenten wurden von der Rechten und der Mitte mit Bei­fall ausgenommen, während auf der Linken eisiges Schweigen herrschte, das bis in die Reihen der Radikalsozialisten si nd. (Forts, auf S. 2)

Nichtangriff grundsätzlich bisher nicht abgelehnt, sondern erklärt, daß ein formaler Vertrag ohne Wert sei, wenn nicht zunächst die praktischen Vor­aussetzungen dafür gegeben seien. Die Zeit sei jetzt gekommen und Japan sei dazu bereit.

Anschlag aus Äbn Gaud

London, 15. März.

Einer Reuter-Meldung aus Mekka zufolge, wurde heute morgen auf König Jbn Saud ein Anschlag verübt, als er sich auf dem Wege zur großen Moschee in Mekka befand. Drei bewaffnet« Anhänger der Seidisten, einer religiösen Sekt« aus dem Pemen, stürzten sich auf den König, konn­ten jedoch von der Leibwache des Königs an ihrem Vorhaben gehindert werden. Die drei Attentäter wurden von der Leibwache erschossen.

Wieder Ruhe in La Vlata

Buenos Aires, 15. März.

Der abgesetzte Gouverneur der Provinz Buenos Aires, Ma rzinezdeHoz.hatLa Plata ver­lassen und ist nach Buenos Aires abgereist. Seine Legionäre haben sich aufgelöst. Damit ist vor­läufig die Ruhe in La Plata gesichert.

Wille zum Deutschtum

Ein Sieg des nationalsozialistischen Erneuerungswillens

* Bremen, 16. März.

Mit großer Genugtuung nahm Deutschland zur Kenntnis, daß bei den Kreistagwahlen in Nordschleswig in den Kreisen Ton- dern, Apenrade und Sonderburg sich die Zahl der deutschen Mandate von zwei auf sechs vermehrt hat. Es ist dies vielleicht an sich eine bescheidene Zahl; aber die Verdreifachung der deutschen Stimmen in den deutschen Kreisen Noroschleswigs be­deutet mehr, als auf den ersten Bück er­scheinen möchte.

Einmal geht daraus hervor, daß das deutsche Volkstum Nordschleswigs sich trotz langjähriger dänischer Herrschaft als unbe­dingt treu seinem Blute erweist. Dann, daß es sich mehr und mehr bereits dessen bewußt wird, daß das nationalsozialistische Deutsch­land, das Dritte Reich, Träger der dem deut­schen Menschen einzig gemäßen Weltanschau­ung ist. Ohne sich einer Untreue gegen die dänische Staatsregierung schuldig zu machen, bleiben die durch den Persailler Vertrag unter dänische Staatshoheit geratenen Ge­biete Nordschleswigs deutsch, nicht trotz, son­dern weil das neue Reich nationalsozialistisch ist und als nationalsozialistisches Reich immer mehr zum Staatsideal aller Ausländsdeut­schen wird. Wenn es noch eines Beweises bedurft hätte, daß unbeschadet vorhandener weltanschaulicher Gegensätze unter den Deut­schen Nordschleswios sich der Wille zum Deutschtum seit 1918 nicht nur erhalten, sondern vor allem in den letzten zwei Jahren erneuert hat, so hätten es die erfreulichen Erfolge bei den dänischen Kreistagswahlen zeigen können.

Das nämlich, was ängstliche Gemüter im deutschen Lager, Nordschleswigs vor den Wahlen befürchteten, daß der sieghaft vor­dringende nationalsozialistische Erneuerungs­wille, der naturgemäß mit der alten Führung der deutschen Partei Nordschleswigs in welt­anschaulichen Gegensätzen steht, zu einer Schwächung der deutschen Front Nordschles­wigs führen müßte, ist ganz und gar nicht eingetreten. Im Gegenteil hat sich erwiesen, daß die der nationalsozialistischen Welt­anschauung innewohnende Erneuerungskraft wie überall, wo sich die nationalsoziali­stische Weltanschauung geltend macht, das deutsche Volksgewissen aufrütteln, und er­folgreich an Blut und Ehre appellierend, mehr deutsche Menschen um sich sammeln konnte, als es je die alte Führung der deut­schen Partei Nordschleswigs vermochte. Die notwendig gewesenen Auseinandersetzungen zwischen dem der nationalsozialistischen Welt­anschauung zugeschworenen Teil der Be­völkerung und den alten Führerkreisen der deutschen Partei Nordschleswigs hat beiden Seiten nicht nur nichts geschadet, sondern vielmehr geuntzt, weil sie überall, wo deut­sches Volkstum lebt, das Gefühl der inneren Verpflichtung zu diesem Volkstum schärften.

Und so hat sich mit der Verdreifachung der deutschen Stimmen in den deutschen Kreisen Nordschleswigs die aufbauende Wirkung des Nationalsozialismus über die Grenzen des Reiches hinweg wieder einmal glänzend be-

Entmilitarisierung im Kernen Osten?

Bedeutsame Ausführungen Litwinows vor der japanischen Aresse

Theater und Kunst in Dresden

Mit Shakespeares erstem großen Charakter- dramaKönig Richard III." seht das Staat­liche Schauspielhaus die Tradition seiner Klassiker-Neueinstudierungen erfolgreich fort. Erich Ponto ist dieser Richard in. in Einzelzügen klug, beherrscht und fast peinooll überlegend auf­gebaut. Dadurch wird zwar die Tragik einer un­geheuerlichen Dämonie abgeschwächt, das Mensch­liche dieser beinahe schon unmenschlichen Figur je­doch wirkungsvoll schattiert. Eine Welt steht hier gegen einen Mann. lind diese Welt seelisch und szenisch zu ersassen, gelingt Schauspieldirektor Ru­dolf Schröder durch bildhaft geglückte Gegen­überstellung in einem Rembrandt'schen Schwarz- Weiß. Wohl der Bühne, die so viel Fleiß und künstlerischen Willen an eine so schwere Ausgabe zu setzen vermag. Denn vorerst entscheidet noch das Kassenstück, das mit der von Kurt Goetz bearbeite­ten Deval'schen KomödieTowarisch" gefunden zu sein scheint. Luis Rainer und Alice Verden sind die beiden Kameraden, in Stil und Auffassung nicht so beschwingt und gelüst wie ihre Berliner Kollegen, eher deutsch als russisch gesehen. Diese Grundhaltung unterstreicht auch Georg Kiesaus Regie, entscheidend beeinflußt von Willy Klei- noscheggs sinnvollem Typ eines bolschewistischen Gegenspielers.

Im Komödienhaus vermittelte ein Gast­spiel Carola Toelles das Wiedersehen mit Wildes alter KomödieLady Windermeres Fä­cher". Schlicht und unpathetisch erscheint Li« Mrs. Erlynne, wie Carola Toelle sie sieht, rundherum ein Mensch, von Direktor Heinz P a b st als Re­gisseur des Abends wirkungsvoll und unaufdring­lich in den Mittelpunkt der Szene gestellt. Im

gleichen Hause und unter gleicher Regie errang sich das nette Lustspielchen von Möller und Lo­ren;Christa, ich erwarte dich!" auch in Dresden einen nachhaltigen Publikumserfolg. Es schadet nichts, daß auf solche Weise ein wenigLandluft" n den sonst so städtischen Bühnenspielplan gelan­gen mag. Das Vauernmädchen, das Aerztin wird, um dann doch wieder auf den Hof zurückzukehren, behält immerhin so viel Geschmack, daß dabei ihr kleines Liebesintermezzo nicht ins Schwankhafte umkippt. Ein sauberes Spiel in einem hübschen Bühnenbild Kurt Kirchners bestätigte das durchaus.

Der gerade Weg, den ein festgefügtes Ensemble im Komödienhaus schon zu gehen gelernt hat, will dem Albert-Theater noch nicht gelingen. Die Nichtigkeit eines LustspielsDie Erste die Beste" von einem sagenhaften, vermutlich getarn­ten R. Walfried, wurde, abgelöst durch die Urauf­führung einer KomödieNelly und die Kaiserin", die sich Leo Lenz und C. H. Klubertanz als Autoren für Lil Dagover ausgedacht haben Man entsinnt sich der schönen Dagover aus ihrem Film der so tragisch endenden Wittelsbacherin Elisabeth von Oesterreich". Um die gleiche schöne Elisabeth geht es auch in diesem Bühnenstück. Nur daß die Kaiserin zugleich eine Kunstreiterin darzustellen hat, die ihr zum Verwechseln ähnlich sieht und die einer Schauspielerin von den Quali­täten Lil Dagovers reizvolle Aufgaben zu lösen stellt Für Gastspielreisen mit eigenem Ensemble immer eine erfolgreiche Angelegenheit, sofern man Lil Dagover heißt

Entschieden verdienstlicher im künstlerischen Sinne blieb eine Aufführung von Max Wells

dichterischemApostelspiel", dem der prächtige Albert Willi mit seiner Innigkeit und wunder­vollen Schlichtheit als Ansager und Großvater das charakteristische Gepräge gab.

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Zum 30. Todestag Adolf Menzels zeigt das Staat l. Kupfer st ichkabinett seinen großen Schatz an Blättern des graphischen Werkes Wenzels, die beginnen bei denRadierer- Versuchen" aus dem Jahre 1811 und Proben aus allen Hauptwerken des Meisters zeigen bis zu den Holzschnitten desPeter Schlemihls" und des Zerbrochenen Krugs". Dazwischen aber liegt eingefangen jene Welt derDenkwürdigkeiten aus der brandenburgisch-preußischen Geschichte", liegen die unvergeßlichen Illustrationen zu Frie­drich des Großen Werken. Und um solchen Reichtum noch zu vervollständigen, gelang es mit Hilfe des Dresdner Museumoereins zugleich Wenzels berühmtes GemäldeSommernachmittag im Tuileriengarten zu Paris" endgültig für die Staat l. Gemäldegalerie zu erwerben. Es ist jenes Bild, das nach Wenzels zweiter Reise zur Pariser Weltausstellung im Berliner Atelier entstand und das die letzte Meisterschaft des Gestalters großer Menschenmassen in vollendet abgestimmtem Farbenklang aufzeigt.

Gelegentlich des Polen-Besuches in Sachsens Hauptstadt, der auf des Dresdner Oberbürger­meisters Zörner Initiative zurückzuführen ist, wobei auch Alfred Rosenberg die Gäste mir seinem Besuch im Dresdner Rathaus ehrte, gab eine mustergültige Ausstellung im Jo­hann eum einen reichen Ueberblick über die vielseitigen künstlerischen Beziehungen zwischen Dresden und Warschau, angefangen von den Bauplänen Augusts des Starken bis zu den Waffen, Servicen, Pokalen und Bildnissen pol­nischer Könige und Magnaten.

Bleibt endlich noch zu erwähnen, daß die Arbeiten zum Ausbau des Königsufers an der Elbe erfreulich fortschreiten. Zwischen Augustus- und Carolabrücke soll vor dem Ministerialgebäude ein Forum für natio­nale Kundgebungen entstehen, wie es eine zweite Stadt in Deutschland in solch idealer und

landschaftlich reizvoller Lage wohl kaum auszu­weisen haben wird. Es handelt sich hierbei bekanntlich um eine Planung, die durch ihre Schönheit und Großzügigkeit des Führers beson­dere Zustimmung gefunden hat.

Ilsinriok 2srkg,ulsu.

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Eisernes Pflichtgefühl

Kein Wiewall, der Ladeaufseher von Pier IX unten am Hafen, ist ein gestrenger Vorgesetzter, und seine Untergebenen haben wahrhaftig nichts zu lachen. Er ist der Meinung, daß sie alle nur Faulpelze und Tagediebe sind, bloß darauf aus, sich von der Arbeit zu drücken, und deshalb ist ei unermüdlich hinter ihnen her. Unaufhörlich treibt er sie zur Arbeit an, stets steht er auf dem Sprunge, wieder mal einen zu erwischen. Los. los! Nich so fuul rumstahn! Mist woll maken, du oll Fullpelz! so geht das den lieben, langen Tag. Und wenn sie noch so sehr arbeiten: Hein Wiewall ist mit ihren Leistungen immer unzu­frieden.

Und doch mögen ihn die Arbeiter eigentlich gut leiden, denn sie wissen, daß er auch sich selber keine Ruhe gönnt, sondern tüchtig mit zupackt auch wo er's als Vorgesetzter gar nicht nötig hatte.

Vorigen Donnerstag macht er wieder die Runde. Da erspäht er auf dem LeichterEmma" einen von seinen Leuten, der allzu saumselig beim Sackabladen ist.

Na warte, mein Junge! Du sollst dein gehöriges Donnerwetter kriegen! denkt Hein Wiewall und

betritt eilig die Laufplanke, die zu dem Kahn hinüberführt.

Doch plötzlich kommt er auf dem glitschigen Holz zu Fall und stürzt kopfüber in das schmutzige Hafenwager zwischen Kaimauer und Schiffswand! Elendig ertrunken wäre er, der Herr Ladeauf­seher, wenn ihm nicht der Mann vom Leichter Emma" sofort zu Hilfe geeilt wäre und ihn unter eigener Lebensgefahr mit vieler Mühe dem nassen Element entrissen hätte.

Als Hein Wiewall endlich wieder auf dem Trockenen und einigermaßen zu sich gekommen war er hatte greulich Wasser schlucken müssen, der Bedauernswerte! da faßte er seinen Lebensretter scharf ins Auge, tat den Mund auf . . .

Um ihm überströmend zu danken, meint ihr?

Keine Spur.

... tat den Mund auf und sagte unwirsch:

Un wenn du orndlich bei deine Arbeit wesen wärst, wie stck dat jehört, dann hältst du mi gor nich int Mater fälln sehn, min Jung!"

So sprach Hein Wiewall.

Aber an einem lustigen Zwinkern seiner Augen merkte man, daß es diesmal nicht so ganz ernst gemeint war.