Ausgabe 
(14.3.1935) Nr. 73
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Nr. 7 Z / 3. Jahrgang

Donnerstag, 14. März

Einzelpreis is Rps.

Bürgerkriegsstimmung in der Provinz Buenos Aires

Kampf um einen Gouvemeur

Legionäre besetzen den Regierungspalast in La Vlata / Mtion der Rationalbemokraten

Simon und Eben

am 2S. und 26 . März in Berlin

Berlin, 13. März.

Nachdem der Reichsminister des Auswär­tigen letzten Sonnabend dem englischen Bot­schafter Sir Eric Phipps mitgeteilt hatte, daß der Besuch des englischen Ministers in ungefähr vierzehn Tagen erfolgen könnte, hat der englische Botschafter der deutschen Regierung hierfür den 25. und 26. März vorgeschlagen. Der englische Botschafter wurde dahin unterrichtet, daß die englischen Gäste der Reichsregierung zu diesem Zeit­punkt willkommen sein werden.

Heldengedenktag im Rundfunk

Berlin, 13. März.

Die Reichssendeleitung teilt mit: Der Reichs­sender Berlin überträgt am Sonntag, 17. März, um 12 Uhr für alle deutschen Sender die Helden­gedenkfeier der Reichsregierung aus der Staats­oper in Berlin. Nach dem Trauermarsch aus der dritten Sinfonie (Eroica) von Beethoven hält Reichswehrminister Generaloberst von Blomberg die Gedenkrede. Nach dem LiedIch hatt' einen Kameraden" beschließen die Nationalhymnen die Feier.

Im Anschluß an die Gedenkfeier in der Staats­oper übernehmen alle deutschen Sender vom Reichssender Berlin ein Konzert des Kleinen Funkorchesters unter Leitung von Willi Steiner. Dieses Konzert wird durch Hörberichte und Re­portagen etwa zu folgenden Zeiten unterbrochen werden: Gegen 12.45 Uhr Marsch der Fahnen- kompagnie zum Schloß, 13 Uhr Paradeaufstellung vor dem Schloß, Verleihung der Lhrenkreuze, 18.30 Uhr Kranzniederlegung am Ehrenmal, 13.33 Uhr Beginn des Vorbeimarsches. Gegen 14 Uhr ist mit dem Ende der Kundgebung zu rechnen.

Die Reichsmarlne am 17. März

Kiel, 13. März.

Am Heldengedenktag, 17. März, sind im Standort Kiel folgende Veranstaltungen vorge­sehen: Um 8 Uhr vormittags wird der Chef der Marinestation der Ostsee, Vizeadmiral Albrecht, im Anschluß an eine Rundfunksendung, die über alle deutschen Sender geht und in deren Mittel­punkt das Marineehrenmal in Laboe steht, einen Kranz in der Ehrenhalle des Marineehrenmals niederlegen. Dazu wird eine Ehrenkapelle der Marineschule Friedrichsort und die Flottenkapelle gestellt. Bei dem um 10.30 Uhr in der Nordostsee­halle stattfindenden Feldgottesdienst wird der Chef der Marinestation der Ostsee das Ehrenkreuz für Frontkämpfer an der Fahne des 1. See­bataillons anbringen.

Werklarise Weiler in Kraft

Da der Sondertreuhänder für den öffentlichen Dienst die von ihm begonnene lleberprüfung der Arbeitsverhältnisse bei Reich, Ländern und Ge­meinden noch nicht abgeschlossen hat, sollen nach einer Anordnung des Reichsarbeitsministers die sür den Bereich der öffentlichen Hand als Tarif­ordnungen noch geltenden früheren Werk-(Be- triebs-)Tarife vorläufig weiter in Kraft bleiben.

Buenos Aires, 13. März.

Eine erbitterte innerpolitische Fehde, die schon seit längerer Zeit in der Provinz Buenos Aires tobt, hat jetzt eine krisenhafte Zuspitzung erfahren, die schwere Beunruhigung in ganz Argentinien auslöst, schon deshalb, weil der Bnndesstaat Buenos Aires einen der reichsten und bedeutendsten Bezirke von Argentinien darstellt.

Der Gouverneur der Provinz Martinez de Hoz geriet schon vor geraumer Zeit mit dem linken Flügel seiner Partei, den Nationaldemokraten, in Streit. Zwischen dem rechten und linken Flügel kam es zu offenem Bruch. Die linken National­demokraten verstanden es, die Volksmenge aufzu­wiegeln. Mit bewaffneter Hand wurde Anfang Februar in der Provinzhauptstadt La Plata der Regierungspalast genommen und der Gouverneur zum Rücktritt gezwungen. Erst am Tage darauf wurde er durch Truppen der Zentralregierung wieder in sein rechtmäßiges Amt eingesetzt. Die

Folge dieser Vorgänge war eine Umbildung des Provinzialkabinetts, bei der die Minister aus den Reihen der äußersten Rechten entnommen wurden, was neue Erbitterung schuf. Die Nationaldemokraten beantragten darauf gemeinsam mit dem sozialistischen Block beim Provinzialparlament die Absetzung des Gou­verneurs.

Wie ein Auftakt zu kommenden Ereignissen wirkte es jedoch, als der Regierungspalast in La Plata von Oberst Kinkelin mit 500 Legionären besetzt wurde. Kinkelin hat seinerzeit dem verstorbenen General llriburu nahegestan­den; er gilt heute sogar als einer der Führer der extremen Nationalisten. Wie er erklärte, erfolgte die Besetzung des Regierungspalastes zum Schutze des Gouverneurs.

Die ganze argentinische Öffentlichkeit zeigt sich sehr erregt über die Vorgänge, die allmählich über den Rahmen einer reinen Provinzial-

angelegenheit weit hinausgewachsen sind; ernste innere Konflikte gelten als nicht aus­geschlossen.

Der Provinzialsenat von La Plata hat be­schlossen, den Gouverneur seines Amtes zu ent­heben. Die brennende Frage ist nun, wie der Gouverneur darauf antworten wird.

Dem Gouverneur Martinez de Hoz wird von den Nationaldemokraten schlechte Ver­waltung, Unterschlagung und Versassungs- verrat vorgeworfen. Andererseits galt der Gouverneur bisher in ganz Argentinien als musterhafter Beamter und durchaus sauberer Charakter, so daß es den Anschein hat, als ob die Angriffe gegen ihn aus rein politischen Gründen erhoben sind. Die Legionäre ge­hören sämtlich faschistischen Gruppen an.

Wo steht die Vaktfrage?

Deutschland erwartet Vorschläge

* Bremen, 14. März.

Die Unterhausdebatte ist verklungen. Wie nicht anders zu erwarten war, hat die bri­tische Regierung ihr Vertrauensvotum mit großer Mehrheit erhalten. Trotz des Weiß­buches oder wegen des Weißbuches? Das bleibe unerörtert.

Was zum Weißbuch zu sagen war, haben wir und mit uns die ganze deutsche Presse bereits gesagt und obgleich wir nach wie vor die in dem Weißbuch enthaltene Diskrimi­nierung Deutschlands als unerhört empfin­den, wollen wir uns mit dem nun zu den Akten gelegten Schriftstück nicht mehr weiter befassen, zumal Baldwin, vermut­lich der kommende Mann in England in seiner Unterhausrede offensichtlich bemüht war, den schlechten Eindruck des Weißbuches auf Deutschland dadurch etwas auszugleichen, daß er die darin einseitig gegen Deutschland gerichteten Beschuldigungen durch Aus­zählung der Rüstungen der anderen Groß­mächte abmilderte.

Wenn wir auch nicht der Meinung des englischen Rundfunks sind, daß die deutsche Presse aus Baldwins Rede eine Ehren­erklärung für Deutschland herzuleiten vermöchte, wollen wir dennoch die Sache fortan aus sich selbst beruhen lassen, ange­sichts dessen, daß wir nach wie vor zu persön­lichen Verhandlungen mit Englands Außen­minister Simon auf der Grundlage bereit sind, die wir nach den Londoner Besprechun­gen und gemäß dem Londoner Kommunique tragfähig für einen Pakt der westeuro­päischen Mächte halten. Richtig ist es ja übrigens auch, das England Anlaß hatte, sich beschwert zu fühlen über die ringsum erfolgten Rüstungserhöhungen, während es selbst seit 1919 von dem Gedanken der Ab­rüstung beherrscht, nur wenig gerüstet hat und seine Bemühungen, den anderen Mäch­ten mit gutem Beispiel voranzugehen, den bedauerlichen Erfolg zeitigten, daß es selber mit seinen Rüstungen in die Hinterhand ge­riet. Deutschland freilich die Schuld daran zu geben, war nicht allein falsch, sondern auch recht wenig mannhaft, weil damit der Ein­druck entstehen mußte, daß es in London an der richtigen Entschlossenheit mangle, gerade eraus zu bekennen, daß an der Unfähig - eit der Abrüstungskonferenz und an ihrer unrichtigen Problem­stellung die tiefste Ursache des Scheiterns des englischen Abrüstungswillens liegt. AIs Deutschland um seines Lebens und seiner Sicherheit willen endlich dazu überging aus­zurüsten, tat es das dem Grundsätze gemäß, den Eden auf seiner Rundreise vertrat, näm­lich jedem Land das seinen beson­deren Erfordernissen gemäße Verteidigungssystem zuzugestehen.

Schutz der eigenen Grenze", heißt ja nunmehr die auch von England ver­tretene These und wir Deutsche haben keinen Grund sie abzulehnen oder zu bekämpfen, zumal sie uns richtiger erscheint als alle bis­her im Völkerbund und vom Völkerbund vertretenen Abrüstungsforderungen, die doch

von wem immer sie vorgebracht wurden

regelmäßig nur so gemeint waren, daß

Arbeitermangel in -er Lan-wirtschast

Erweiterung der Rohstoffgrundlage stir Industrie und Gewerbe

Berlin, 13. März.

Der Reichs-' und preußische Minister für Er­nährung und Landwirtschaft weist in einem Schreiben mit allem Ernst auf den Arbeiter­mangel in der Landwirtschaft hin. In diesem Schreiben heißt es: Die außenpolitische Lage und die damit verbundene Devisenknappheit zwingt zur Sicherung der Ernährung aus eigenem Boden und zur Erweiterung der eigenen Rohstoffgrundlage für Gewerbe und In­dustrie. Diese Aufgabe ist aber nur zu lösen, wenn der Landwirtschaft die erforderlichen Arbeits­kräfte zur Verfügung stehen. Das ist nicht der Fall. Durch die Maßnahmen der Reichsregie­rung haben Gewerbe und Industrie eine starke Förderung erfahren, die nicht nur die Zahl der Erwerbslosen vermindert, sondern gleichzeitig zur Abwanderung von Landarbeitern und -arbeitermnen in Gewerbe und Industrie geführt haben. Als Ersatz werden der.Landwirtschaft Erwerbslose aus den Städten angeboten, die aber den Verlust nicht ausgleichen können, da sie kör­perlich nicht leistungsfähig genug sind oder aus anderen Gründen für die landwirtschaftliche Be­schäftigung nicht geeignet erscheinen..

Der Reichsernährungsminister geht ferner auf die in enger Fühlungnahme mit dem Reichs­arbeitsminister und dem Präsidenten der Reichs­anstalt für Arbeitsvermittlung und Arbeitslosen-. Versicherung getroffene gesetzliche Regelung ein und bemerkt hierzu, daß der für die Landwirtschaft und für die Ernährung gefahrvollen Entwicklung nur dann mit Erfolg entgegengetreten worden

kann, wenn alle Behörden und alle privaten und öffentlich-rechtlichen Organisationen, die irgend­welche gewerbliche Aufträge vergeben oder aus­führen, tätig mitarbeiten.

Erste Voraussetzung ist, daß alle Arbeiter aus­schließlich durch die zuständigen Landes- bzw. Arbeitsämter vermittelt werden, die allein in der Lage sind, nach volkswirtschaftlichen Ge­sichtspunkten die Arbeitskräfte planvoll einzusetzen. Deshalb ist es auch erforderlich, daß den mit der Vermittlung betrauten Beamten der Arbeits­ämter jederzeit Zutritt zu den Arbeitsstellen ge­währt wird, damit sie sich an Ort und Stelle von

der Zusammensetzung der Belegschaft überzeugen können. Es mutz davon ausgegangen werden, daß vom Lande stammende Arbeitskräfte grundsätzlich nicht mehr eingestellt werden. Arbeitskräfte, die in den letzten drei Jahren eingestellt wurden und aus der Landwirtschaft stammen, müssen den Ar­beitsämtern gemeldet werden, damit so die Mög­lichkeit gegebn wird, diese Arbeitskräfte wieder in die Landwirtschaft zurückzuvermitteln. Bei der Vergebung von Aufträgen an private Firmen müssen diese verpflichtet werden, keine vom Lande stammenden männlichen oder weiblichen Arbeits­kräfte neu einzustellen.

Oldenburgs Verwaltungsreform

Besichtigungsfahrt des Reichsministers Kerrl

Wie dieOldenburgische Staatszeitung" mit­teilt, befindet sich in diesen Tagen Reichsminister Kerrl mit Beauftragen des Ministerpräsidenten Göring in Oldenburg, um die Verwaltungsreform an Ort und Stelle zu studieren. Zu diesem Zwecke fand am Dienstag die erste Besichtigungsfahrt in das Amt Ummerland statt, und zwar wurde dabei die finanz- und verwaltungstechnische Seite einzelner Gemeinden und deren Struktur einer genauen Prüfung unterzogen. An der Fahrt nahmen teil: Reichsminister Kerrl mit seinem Adjutanten, Ministerialdirektor Staatsrat Neumann-Berlin, Ministerialrat Dr. Kraut- Hausen-Berlin, Oberregierungsrat Marotzke- Berlin, Oberbürgermeister Dr. Weidemann-Halle,

Regierungspräsident Refarth-Aurich und Land­rat Dr. Conring-Leer. Das Oldenburgische Staats­ministerium wurde vertreten durch Minister­präsident Joel und Staatsminister Pauly. Außer diesen waren vom Staatsministerium anwesend: Ministerialrat Ross, Amtshauptmann Theilen und Oberregierungsrat Carstens.

Die Fahrt führte nach den Gemeinden Wiefel- stede, Rastede und Westerstede, wo den Herren ein umfassender Einblick in die gesamten Gemeinde- verhältnisse gewährt werden konnte. Diese Orientierung über das Eemeindewesen des Olden- burger Landes hat an Ort und Stelle einen außerordentlich günstigen Eindruck hinterlassen, womit das große Reformwerk der ersten national­sozialistischen Länderregierung im Deutschen Reiche unter Führung des Gauleiters Carl Röver immer größere Anerkennung finden wird.

Emmy sxmnemsmr

Der Weg einer deutschen Künstlerin / Von Dr. Hans Weißbuch

Hamburg der Vorkriegszeit: Eine kraft­strotzende, unermeßlich reiche Stadt, 4>eren Wirt­schaft Weltgeltung hat. Gerade ist der deutsche Außenhandel im Begriff, nach einer Periode beispiellosen Aufschwunges den weltbeherrschen- den Handel Großbritanniens zu überflügeln. Und Hamburg ist hauptsächlich Exponent dieses ge­fährlich großen deutschen Handels.

Mit der ungeheuren Lebenskraft dieser Stadt wächst das Kunstleben. Namen wie der des Ba­rons von Verger, der damals das Deutsche Schauspielhaus in Hamburg leitete, geben Ham­burg den Ruf einer aufsteigenden deutschen Kunst­stadt.

Ein anderes Bild: Gegenüber dem Hotel Atlantik, im Angesicht der Alster, dieses märchen­haft schönen Wasserbeckens im Herzen der zweit­größten Stadt Deutschlands, ein blitzsauberer kleiner Konsitürenladen. Ab und zu haben die Kunden die Freude, von einem großen blonden Mädel bedient zu werden, dessen blitzender Blick in besonderer Leuchtkraft strahlt. Dieses Mäd­chen ist eine der beiden Töchter des Geschäfts­inhabers und heißt Emmy. Der Geschäftsinhaber heißt Sonnemann.

Der strahlende Blick bleibt keineswegs aus ge­legentliche Pflichterfüllungen im elterlichen Ge­schäft beschränkt. Das große Hamburg, der Strom eines gewaltig pulsierenden Lebens, der Glanz der Kunst und vor allem der Bühnenkunst nimmt das Herz der jungen Emmy Sonnemann gefangen. Ganz nahe dem elterlichen Hause liegt ja das traditionsreiche Deutsche Schauspielhaus, das heute die Ehre hat, Staatliches Schauspiel­haus zu heißen. Die junge Kraft dieser weib­

lichen Persönlichkeit fühlt mit unbedingter Ge­wißheit, daß eine Erfüllung ihres Lebens nur in der Kunst liegen kann. Bestärkt wird sie in ihrem energischen Trieb zu lernen durch die Schwester, die in Bewunderung zu der angehenden Schau­spielerin aufblickt und das große Vorhaben der Jüngeren nach Kräften fördert.

Emmy Sonnemann genießt ihre künstlerische Ausbildung in Hamburg und wird schon im Jahre 1913 als Anfängerin im Stadttheater in Aussig beschäftigt. Die folgenden drei Jahre, die in die Zeit des großen Krieges fallen, sehen Emmy Sonnemann am Münchener Volkstheater, wo ihre künstlerische Persönlichkeit bereits beginnt, Ge­stalt zu gewinnen. Während des Ausganges kes Weltkrieges und im ersten Jahr der November- Republik sucht der junge Mensch, der gerade hoff­nungsvoll die Flügel breitete, wieder Schutz im elterlichen Haus vor den Wirren und Widrig­keiten einer verlogenen und verrotteten Revolte, die nicht nur polnisch, vielmehr gerade kulturell und seelisch zerstörend und entnervend auf das künstlerisch zarte Gemüt der jungen Schauspielerin wirken mußte.

Der Trieb zur Menschen-Darstellung ist in Emmy Sonnemann so stark, daß sie 1920 wieder ein Engagements-Angebot annimmt; sie geht an das Deutsche Theater in Stuttgart. Nach kurzer Tätigkeit am Staatstheater in Wiesbaden folgen dann drei Jahre stärkster künstlerischer Entwick­lung beim WUrttembergischen Landestk.eater in Stuttgart. Einen vorläufigen Abschluß und Höhenstand findet diese gradlinige Entwicklung einer jungen künstlerischen Begabung in einer viele Jahre währenden, gesegneten und frucht­

baren Arbeit am Deutschen Nationaltheater in Weimar. Eine Fülle klassischer und moderner Rollen wird von Emmy Sonnemann verkörpert. Die Künstlerin entwickelt sich zur vollen Reife ihrer starken Persönlichkeit und wurzelt tief in den Herzen einer großen und seit je kunstver­ständigen Theatergemeinde.

Es kann wohl nur noch eine Steigerung der künstlerischen Wirksamkeit geben: die Arbeit in der Reichshauptstadt an einem ganz großen Theater. Die Berufung erfolgt 1933, alsbald nach der Machtübernahme und der beginnenden Neuordnung der Dinge auch im Künstlerischen. Mitte April 1933 debütierte Emmy Sonnemann bei der Uraufführung von Hanns Johsts Tragö­dieSchlageter" im Staatlichen Schauspielhaus als Alexandra Thiemann. Die reife Kunst der Schauspielerin und die starke Menschlichkeit ihrer Gestaltungskraft schlägt sofort durch. Die Presse stellt bei der eben aus Weimar gekommenen KünstlerinInnerlichkeit und tiefe Gläubigkeit" fest,die den Fond einer beseelten Menschen- darstellerin ahnen lassen". Seither wirkt die Künstlerin am ersten Schauspieltheater des Reiches. Sie hatte Gelegenheit, in großen Rollen immer wieder ihre auf Fraulichkeit und stiller Klugheit, auf Güte und liebenswürdigem Humor ruhende Darstellungskunst zur Freude des Theater­publikums zu beweisen. Die Natürlichkeit ihrer Gesten, ihr warmes und sympathisches Organ und die sichere Ruhe ihrer Darstellungsweise ließen sie auch für den Film geeignet erscheinen. Ihr erster großer Filmerfolg war die Frau Hedwig imTell-Film".

1934 wurde die Künstlerin wegen ihrer Ver­dienste um die deutsche Schauspielkunst zur preu­ßische» Staatsschauspielerin ernannt und empfing damit den äußerlich sichtbaren Dank einer Re­präsentation des Volkes, dem sie durch ihre Kunst unendlich viel Freude bereitet hat. Die Kurve eines steilen künstlerischen Aufstiegs zeigt ihr Le­

ben, der begründet liegt in der starken, großen Eigenpersönlichkett dieser Schauspielerin.

Im vorigen Jahr spielte Emmy Sonnemann mit dem Ensemble des Preußischen Staatstheaters als Gast im Thalia-Theater in Hamburg. Ihre Marie in Hermann BahrsKonzert" bestätigte auch den Hamburgern den Ruf, der dieser blon­den, aufrechten Erscheinung vorausgeht, den Ruf einer echten deutschen Frau. Emmy Sonne­mann, Hamburgerin, dramatische Schülerin in Hamburg, erklärte anläßlich dieses Gastspiels in einem Interview, das sie gewahrte:Sie glauben

Wie lange reicht

Während gegenwärtig in aller Welt die Frage diskutiert wird. ob die Währungen der Länder noch auf Gold aufgebaut sein sollen, wird ein anderes Problem immer wichtiger, nämlich die Frage, wie lange die Goldschätze, die im In­nern unserer Erde ruhen, überhaupt noch abge­baut werden können. In den letzten Jahrzehn­ten ist ein wahrer Raubbau am Gold getrieben worden. Von den 33 350 Millionen Gramm Fein­gold, die zwischen 1492, dem Jahr der Entdeckung Amerikas, und dem Jahre 1934 gefördert wurden, sind 55 Prozent erst seit dem Jahre 1900 dem Schoß der Erde entrissen worden! Zur Zeit werden jährlich rund 600 Millionen Gramm Gold gewonnen. Aber das kostbare Metall wird immer seltener. Konnte es früher einfach aus dem Flutzsand ausgewaschen werden, so sind heute Bergwerke nötig, in denen das Gold aus großen Tiefen heraufgeholt werden mutz. In den 26 Eoldländern, in denen gegenwärtig G-std ge­funden wird, schätzen die Geologen die noch al ^ baufähigen Lager auf 12181 Millionen Gramm. Neue Goldländer, die über so reiche Vorräte ver­fügen, daß sie einen Einfluß auf den Weltgold­bestand ausüben können, werden kaum noch ent-

gar nicht, wie ich mich freue, endlich einmal hier in Hamburg spielen zu können, noch dazu, wo mein Vater mich überhaupt noch nie auf der Bühne gesehen hat."

Vielfache Bilder in den illustrierten Zeitungen der letzten Zeit, auf denen die Künstlerin in Be­gleitung des Ministerpräsidenten und Reichsluft­fahrtministers General Göring zu sehen war. ließen die Vermutung einer künftigen engeren Bindung des populären Staatsmannes mit der beliebten Künstlerin auftauchen.

das Gold noch?

deckt werden. Infolgedessen rechnet man damit, daß in spätestens 20 Jahren, also um 1954, alle Goldlager der Erde erschöpft sein werden. Tann wird also die Welt mit ihrem Geldvorrat haus­halten müssen, falls es bis dahin nicht gelingt. Gold auf künstlichem Wege zu gewinnen. Uebri- gens wird das Gold zum größten Teil als Münz- gold verwendet. Der Goldverbrauch für gewerb­liche Zwecke spielt eine ganz untergeordnete Rolle, denn nicht weniger als 86 Prozent des bisher geförderten Goldes diente derVergoldung" der Währungen.

DerWerivolf" im film

Einer der stärksten Rufer im Kampf um die Er- Neuerung des deutschen Bauerntums war Hermann Löns. Einen tiefen Einblick in die geschichtliche Be­deutung des Bauerntums der Lüneburger Heide bietet vor allem sein dramatisch reicherWerwols". Dieses Buch, dessen Handlung im 30jährigen Kriege spielt, soll nunmehr durch die Terra-Film- gesellschast unter dem jungen tatkräftigen Spiel- leiter Wysbar verfilmt werden.