Ausgabe 
(12.3.1935) Nr. 71
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Bremer Zeitung erscheint täglich (auch Montags). Monatsbezua: RM. 2,30 einschl. 30 Rpf. Zustellungsgebühr: durch die Post RM. 2,3V einschl. Ueberweisungsgebühr, ausschl. Postbestellgeld. Der Bezugspreis ist im voraus zu entrichten. Postscheck Hamburg 172 72. Betriebsstörungen begründen keinen Anspruch aus Erstattung oder Ersatz. NS.-Gauverlag Weser-Ems G. m. v. H., Bremen. Am Geeren 68 / Fernsprecher: Roland 628.

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Nr. 71 / 3. Jahrgang

Dienstag, 12 . März

Einzelpreis 15 Nps.

Llnterhaus-Debatte über das Weißbuch

Gegen diePolitik -er alten Männer"

Baldwin begründet Englands WehrpoliM / ES bleibt beim Londoner Beschluß

GöringS Vermählung

MM

Wie bereits kurz berichtet, wird sich der Mini­sterpräsident und Reichsluftfahrtminister General Eöring am 11. April mit Frau Staatsschau­spielerin Emmy Sonnemann vermählen. Emmy Sonnemann wurde in Hamburg geboren, wo sie schon mit siebzehn Jahren Mitglied des Ham­burger Stadtheaters wurde. Von hier führte sie ihr Weg über das Münchener Volkstheater, über Wien, Stuttgart und Wiesbaden nach Weimar. Viermal hatte sie Gelegenheit, an Berliner The­ater zu kommen, aber alle Anträge schlug sie ab, einesteils aus Scheu vor der damals dort mit soviel Ränken belasteten Theateratmosphäre und andernteils wegen der Gefahr, monatelang dieselbe Rolle spielen zu müssen und dadurch ein­seitig zu werden. Erst im Jahre 1933 folgte sie einem Ruf an das Staatliche Schauspielhaus in Berlin und debütierte mit dem Trauerspiel Schlageter". Seitdem ist sie Mitglied dieses Theaters. Im Herbst 1934 wurde ihr vom Mini­sterpräsidenten Eöring der Titel einer preußischen Staatsschauspielerin verliehen. Emmy Sonne­mann ist auch schon im Film tätig gewesen. Am bekanntesten dürfte ihre Rolle als Frau Hedwig im Tell-Film geworden sein. (Unser Bild zeigt Hermann Eöring und Emmy Sonnemann beim Kiepura-Konzert in der Berliner Philharmonie.)

Aufnahme zur DAF.

Der Leiter des Schatzamtes der DAF., Vrinck- mann, gibt bekannt: Angehörige der HZ. und des BDM., die die Mitgliedschaft zur Deutschen Arbeitsfront erwerben, zahlen mit sofortiger Wir­kung keinerlei Aufnahmegebühr zur DAF., wenn sie eine gültige Mitgliedskarte oder einen provisorischen Ausweis einer dieser beiden Organisationen vorlegen können.

London, 11. März.

Nach Wochen eintöniger Aussprache über die Jndienvorlage steht das Unterhaus wieder ein­mal im Zeichen eines großen Tages.

Das Mißtrauen der Oppositionschwebt" über der Regierungsbank, auf der mit der üblichen Gelassenheit die Kabinettsmitglieder Platz ge­nommen haben. Hinter ihnen sitzt, von den Ein­peitschern der nationalen Regierung sorgfältig bewacht, das Heer der Regierungsanhänger, gut diszipliniert und trotz zahlreicher persönlicher Bedenken gegen die Zweckmäßigkeit der Ver­öffentlichung des Weißbuches jederzeit bereit, ihr Nein" gegen den Mißtrauensantrag der Ar­beiterpartei und ihrJa" für den die Regierung unterstützenden Abänderungsantrag Sir Austen Cha'mberlains abzugeben.

Auf den Bänken der Opposition herrscht, rein äußerlich gesehen, keine Kampfstimmung. Die üb­lichen Zwischenrufe während der Zeit der kleinen Anfragen zeugen nicht davon, daß sich die Oppo­sition auf den Kampf mit der Regierung freut.

Athen, 11. März.

Nachdem die griechischen Regierungstruppen die Städte Sidirokastron und Serres zurückerobert und Gefangene gemacht hatten, setzten sie im Laufe des Montags ihren siegreichen Vormarsch im maze­donischen Kampfgebiet fort. Die Stadt Drama und der bisher ebenfalls von den Aufständische« besetzte Hafen Kawala wurden von den Auf­rührern geräumt. In Drama haben sich etwa 8909 Aufrührer mit vielen Offizieren den Re­gierungstruppen ergeben.

Die aufständischen Offiziere verlassen ihre Trup­pen und versuchen mit allen Mitteln, die türkische oder bulgarische Grenze zu erreichen. Der Führer der Aufständischen in Mazedonien, General Ka- menos, hat seine Soldaten ebenfalls im Stich gelassen. Nach dem günstigen Verlauf des An­griffs am Montag rechnet man in Regierungs­kreisen damit, daß ganz Ostmazedonien und Thrazien am Dienstag wieder fest in den Händen der Regierung sein werden.

General Eiali st ras hat Dedeagatsch und Komoniti eingenommen und verfolgt die fliehenden Aufständischen. Im Grenzgebiet der südbulgarischen Stadt Kardschali ist am Montag­nachmittag eine Gruppe von 16 griechischen Sol­daten auf bulgarisches Gebiet übergetreten. Unter ihnen befanden sich ein General und mehrere Offi­ziere. Nach den bisher vorliegenden Nachrichten soll es sich um Aufständische handeln. Von einer Anzahl bulgarischer Grenzposten wird gemeldet.

Auf den Tribünen herrscht fieberhafte Spannung. Von der deutschen Botschaft ist der Militärattache Freiherr Geyr von Schweppenburg erschienen.

Die Fragezeit ist zu Ende. Es erhebt sich der Vxrtreter der Opposition, Major Attlee, um seihen Mißtrauensantrag einzubringen. Er be­ginnt nicht mit einem scharfen Angriff gegen die Regierung, sondern mit Worten des Bedauerns wegen der Unpäßlichkeit des Ministerpräsidenten MacDonald.

Attlee befaßte sich sodann mit dem übrigen Inhalt des Weißbuches, das niemand eine sorg­fältige Darlegung der geschichtlichen Entwicklung der Versuche nennen könne, Sicherheit und Ab­rüstung herbeizuführen. In dem ersten Teil des Weißbuches, der praktisch den Völkerbundsge­danken aufgebe, werde in keiner Weise auf Schiedsgerichtsbarkeit und Kriegsverzicht als einem Mittel der Politik Bezug genommen.

Zu dem auf Deutschland Bezug nehmenden Teil des Weißbuches sagte Major Attlee, die Arbeiterpartei sei gegen das heutige System in

daß in der Nähe der Grenze zahlreiche bewaffnete Zivilpersonen gesichtet worden sind.

Der gesamte Generalstab der griechischen Auf­ständischen in Thrazien-Mazedonien mit General Kamenos an der Spitze hat sich Montag nach­mittag beim bulgarischen Grenzposten Magasa den bulgarischen Grenzbehörde» ergeben. Zu­sammen mit General Kamenos ergaben sich zwei Obersten, vier Oberstleutnants, sechs Hauptleute, sechs Leutnants und der Gouverneur von Grie- chisch-Thrazien.

Nach Meldungen aus Kawala haben sich an Bord des AufrührerkreuzersHelli" drama­tische Szenen abgespielt. Die an Bord be- findlichen regierungstreuen Matrosen erhoben sich gegen die aufrührerischen Offiziere, die das Kommando des Kreuzers innehatten, und warfen sie ins Meer. Später übernahm ein regierungs­treuer Schiffsleutnant das Kommando und stellte Schiff und Besatzung der Regierung zur Ver­fügung. KreuzerHelli" ist später in Saloniki eingetroffen.

Offiziere der Aufständischen haben die Na- tionalbank in Kawala geplündert und Werte von über einer Million Mark mit sich genommen.

General Kondylis wird sich nach Kawala be­geben.

Ministerpräsident Tsaldaris erklärte dem Vertreter des DNB. die traurigen Ereignisse, die jedes Gewissen ergreifend bewegen, geben Griechenland Gelegenheit, die Lage des Landes

Deutschland, aber es sei nur fair zu sagen, daß es auch andere Länder gebe, die ihre Jugend nach militärischen Grundsätzen erzögen. Ab­rüstung müsse eine Angelegenheit sein, die alle Länder gleichzeitig angehe.

Zu den Rüstungen meinte Attler, man könne den Teufel nicht mit Beelzebub vertreiben. Der Oppositionsredner gab seiner Ueberzeugung Aus­druck, daß es gegen Luftangriffe kein Verteidi­gungsmittel gebe.

Das Weißbuch kennzeichne einen völligen Wechsel in der Politik. Es werfe England in die Borkriegsatmosphäre, in ein System von Bünd­nissen und Revalitäten und in ein Rüstungs- wettrennen zurück; aber die Arbeiterpartei sei nicht gewillt, die alten Methoden mitzumachen und er glaube, daß die junge Generation der ganzen Welt diese Politik der alten Männer zurückweisen werde.

(Fortsetzung Seite 2)

innen- und außenpolitisch zu bereinigen. Venizelos hat oft die Gelegenheit benutzt, der Regierung, die das Vertrauen des Volkes genießt, internationale Schwierigkeiten zu bereiten. Wenn wir die inneren Schwierigkeiten endgültig über­wunden haben, werden wir ohne Zaudern unsere Außenpolitik entwerfen und sichern, die klar und einfach ist.

Wir wissen genau, welcher ungeheureScha- den unserem Kredit im Ausland durch diese Ka­tastrophe zugefügt worden ist, aber ich bin sicher, daß Griechenland die gleiche Politik der Befrie­dung und Annäherung, die es bisher geführt hat, fortsetzen wird, ohne sich durch innere Jntrigen beeinflussen zu lassen. Zu der Frage der Entwick­lung der Innenpolitik nach dem Ende des Putsches meinte Tsaldaris: Ueber die Form, die unsere Innenpolitik nach der Niederwerfung des Aufstandes und der Ueberwindung der Krise an­nehmen wird, ist es noch verfrüht zu sprechen. Wir werden mit unseren Ministern die Lage prüfen und uns bemühen, dem politischen Leben des Lan­des eine solide, feste Basis zu geben.

Kurz vor Redaktionsschluß geht uns von Athen folgende Meldung zu: Man kann die militärischen Operationen im allgemeinen als beendet an­sehen. Es dürften lediglich örtliche Maßnahmen zur endgültigen Wiederherstellung der Ordnung notwendig sein.

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k. IM. Es zeigt sich immer mehr, daß der Tag der Herausgabe des Londoner Weiß­buches in der britischen Politik die Rolle eines schwarzen Tages spielt. Besonders nach der freimütigen Unterredung zwischen dem Beauftragten des Führers, v. Ribben- trop, und dem englischen Journalisten Ward Price mißbilligt die öffentliche Meinung des Inselreiches sowohl den Zeitpunkt für die Veröffentlichung der Rüstungsdenkschrift wie die in ihr enthaltenen Unfreundlichkeiten gegenüber Deutschland. Ein großes Londoner Sonntagsblatt fordert sogar temperament­voll:Verbrennt das englische Weißbuch!' und nicht minder eindringlich ist die Mah­nung des seinerzeit vom Führer empfange­nen Lord Lothian. im Interesse des euro­päischen Friedens auf die Versailler Diktat- Methoden zu verzichten. Jedenfalls können wir mit Genugtuung feststellen, daß die klare rüstungspolitische Stellungnahme Rib- bentrops gegen den Rückfall der britischen Regierung in die Diplomatie des geistigen, moralischen und materiellen Zwanges ihre überzeugende Wirkung auf das englische Volk nicht verfehlt hat.

Um so verwunderlicher ist eine Aeußerung des französischen Ministerpräsidenten Flan- din, die im Rahmen einer Rede zur Eröff­nung der Lyoner Messe siel. Der Pariser Kabinettschef meinte, jetzt werde es von dem guten Willen Deutschlands abhängen, ob der große europäische Friede auf einer unbestreit­baren Grundlage der Gleichberechtimrng ver­wirklicht werde. Wenn in dieser Wendung der Versuch zum Ausdruck kommen sollte, für den vorübergehenden politischen Kälte­einbruch der vergangenen Woche Deutschland verantwortlich zu machen, so muß er als miß­lungen bezeichnet werden. Nein, nicht von Deutschlands gutem Willen hängt die weitere friedenspolitische Entwicklung ab, sondern vom Verhalten derer, die in der Anzweiflung jenes guten Willens sozusagen einen festen Programmpunkt ihrer Rüstungsdiplomatie sehen. Man stelle die Dinge nicht auf den Kopf! Wer hat die im Versailler Vertrag ver­ankerten Abrüstungsverpflichtungen erfüllt? Von allen beteiligten Staaten allein Deutsch­land, und zwar, wie es der Führer einmal sagte, weit über die Grenzen jeder Billigkeit hinaus! Damals fehlte es am guten Ab- rüstungs-Willen gerade der Staaten, die heute um ihre Sicherheit besorgt sind und vergeblich nach überzeugenden Moti­ven für ihre uferlose Aufrüstung suchen. Mutz man auch immer wieder daran erinnern, daß Deutschland im vorigen Jahr trotz der steigenden Heeresausgaben seiner Nachbarn bereit war, die viel erörterten Vorschlüge der englischen Regierung anzunehmen? Nun, mit grundlosen Verdächtigungen und sinnwidri­gen Anspielungen läßt sich die Atmosphäre des Vertrauens für die kommenden Ver­handlungen bestimmt nicht herstellen!

Wir glauben auch nicht, daß der französische Ministerpräsident mit seiner Bemerkung den britischen Staatsmännern einen guten Dienst erwiesen hat. Denn alles, was die so hoff­nungsvoll begonnene europäische Politik der Annäherung ourchkreuzt, muß die Lage der englischen Regierung auch rein innenpolitisch außerordentlich erschweren. Darüber hinaus

Griechische Aufständische ergeben sich

Siegreicher Vormarsch der Regierungstruppen / Nalionalbank von Kawala geplündert

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Hundert Tricks, hundert Erfahrungen

T-er Zug nachBasel S. B. V." ist vom Bübi­schen Bahnhof an, diesem deutschen Erenzbahnhof, nur noch schwach besetzt. Der Beamte hat daher offenbar genügend Zeit und fordert den einzigen Reisenden im Abteil auf:

Bitte, öffnen Sie nun noch den Stockschirm."

Willig streift der Reifende die feste Hülle des Schirmstockes herunter und zieht die Seidenhülls ab. Der Beamte öffnet den-Schirm und hält ihn im Abteil hoch.

Manchmal regnet es Geld," gibt er dann auf die Frage des Reisenden bereitwillig, immerhin zurückhaltend, zu. Inzwischen hat er den Hut er­griffen und walkt ihn. Auch dort ist kein Geld ver­borgen. Es gibt Hüte dieser ist auch auffallend schwer! die verraten sich durch ihr Gewicht, sagt sein Gesicht. L, es wird erstaunlich vielseitig zu schmuggeln versucht!

Er tastet inzwischen den Mantel, der am Haken * im Abteil hängt, ab. Sorgfältig und kundig und tastet nach Kravatte und Brusttaschentuch.

Aber der Koffer, der mit vielen bunten Bild­chen beklebt ist, zeigt ihm wohl, daß ein wirk­licher Reisender über die Grenze fährt.

*

Eine alte Dame sitzt im Abteil, die nur, wie sie erklärt, von Konstanz hinüber nach Winterthur, zur Tochter, fahren will. Sie muß ihre Handtasche entleeren. Der Beamte leert sie pflichtgemäß weiter bis auf den Grund und findet ein altes deutsches Goldstück.

Schmerz der alten Dame. Altes Erinnerungs­stück. Die Tochter soll es haben.

Die Bestimmungen sagen: nein.

an der Grenze

der Grenzbeamten / Von Larl LÄtge

Weinen. Beschwörungen. Der Beamte bedau­ert. Er weiß, was er zu tun verpflichtet ist. Eine harte Zeit schuf harte Gesetze. Und deren Durch­führung ist für alle Betroffenen hart-

Die Dame hat nun außer dem Verlust des Gold­stückes noch eine Geldstrafe, die von ihr nachträg­lich gefordert werden wird, hinzunehmen-

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Harmlose Ausflugslinien führen über die Grenze, zumal nach der Tschechoslowakei. Da ist die von Warmbrunner Kurgästen oder Schreiber­hauer Wintersportlern mitunter gern benutzte Linie über den Gebirgskamm nach Polaur.

Kleinigkeit," erklärt ein Warmbrunner Kur­gast, der angeblich schwer an Rheuma leidet und aus reinem Erlebnisdrang die Fahrt über die nahe Grenze, über den Riesengebirgskamm hin­weg, unternimmt.Es gibt Geldverstecke, die fin­det kein Geldjäger! Ich wohne an der Grenze, im Sächsischen, drüben. Na, wie es da gemacht wird!"

'Wie denn?" fragt begierig der Mitreisende.

Je harmloser, umso sicherer! . Nehmen Sie einen Hundertmarkschein und schieben Sie ihn in die Krawatte hinein"

Die Absicht habe ich nicht," wehrt der andere kühl ab: immerhin ist er voll Spannung.

Ich ja auch nicht Aber so wird es gemacht! Zwar wissen das nun alle Beamten. Ebenso wie mit dem Ziertaschentuch, in das hinein ein Schein gesteckt werden kann. Sie können Scheine auch in üie Manschetten, wenn Sie umgeschlagene, weiche Manschetten zu Ihrem Vorhemd tragen, als Ver­steck benutzen. Aber auch das wird meist nachge­sehen. Oder in den Aufschlägen unten an den

Hosenbeinen, im Schuh, im Strumpf, in der Unter­hose. Oder in den Stehumlegkragen-- Na,

diese Verstecke sind alle bekannt."

Und die Leibesvisitation?"

Tja wer damit betroffen wird, ist natür­lich dran! Nicht zu knapp! Täglich werden so­undsoviel geklappt. Und ab und zu gibt es dabei noch immer ein Versteck, Las bisher den Beamten nicht bekannt gewesen ist. Die ganz Raffinierten, die aber meist irgendwie zu erkennen sind oder sich selbst verraten, hängen sich zum Beispiel ein Geldpäckchen auf den bloßen Körper in den Schritt. Bei der Leibesdurchsuchung werden sie natürlich damit auch erwischt! Die Eeheimtaschen in den Anzügen, zum Beispiel im Rückenfutter der Weste, oder in der Hose als versteckte Uhrtasche, werden meist vorher schon gefunden und haben überhaupt keinen praktischen Zweck mehr."

Der Herr greift zur Zeitung. Die Grenze wird oberhalb von Schreiberhau, nach der Riesenkehrs, die der elektrisch gefahrene Zug durch das packende große Eebirgslandschaftsbereich durchlaufen hat, erreicht.

In den anderen Abteilen wurde unterdessen kontrolliert. Im Nebenabteil wird gerade ein Herr geklappt, der einen Fllnfzigmarkschein unter dem Rockkragen mit einer Sicherheitsnadel be­festigt hatte. Der Beamte sah den Kniff der ver­räterischen Nadel auf dem tadellos gebügelten Rockkragen. Er griff ohne zu fragen als erstes zur Hinteren Rockkragenklappe und angelte dort den Schein hervor.

So einfach ist es doch nicht." äußerte der Mit­reisende des kundigen Herrn.

Mit einem kleinen Lächeln antwortet der Herr gegenüber:

Wirklich nicht! Ich wollte vorhin nur mal

hören, ob Sie nicht auch-? Mancher verrät

sich ja manchmal selber in vertraulichem Gespräch.

Ich hätte, wenn ich daheim bin, gern ein paar neue Tricks zu einem gewissen Zweck erfahren"

Der Blick des Herrn ist plötzlich ein Jm-Dienst- Blick.

Am besten ist jedenfalls der dran," entgegnet

aufatmend der Mitreisende-der wirklich

nicht mehr hat, als er angibt auf die leider not­wendige Frage:Wieviel Geld haben Sie bei sich

Christoph Walter Drey

Der eisei

Höher und höher wuchs der Eisenbau des neuen Funkturms, er überragte mit seinen achtzig Me­tern schon alle Häuser und Türme in weitem Umkreise und sollte noch höher, viel höher werden, erschien aus der Ferne wie ein zierliches, fein- gliederiges Spielzeug, das ein Windstoß umwer­fen konnte, und war doch aus mächtigen Trägern und Spanten zusammengefügt und fest im Boden verankert.

Aber freilich, er schwankte. Wer hinaufblickte, bemerkte es deutlich, dies Pendeln. Ausschläger, der Spitze, und dennoch bestand keine Gefahr, daß er das Gleichgewicht verlieren, sich zu sehr aus eine Seite neigen und, umstürzen könnte, das verhin­derten auch die armdicken Stahltrossen, die ihn strahlenförmig mit der Erde verbanden, ihn hielten.

Und in dem Netzwerk hoch oben bewegten sich winzige Gestalten, die man kaum noch als Men- scheu erkennen konnte. Es waren die Arbeiter, die dort die Nippen des Eisenriesen vernieteten, verschweißten und neue daraufsetzten in immer kühnerem Aufbau. Gedämpft schallten die Ham­merschläge herab.

Nur Schwindelfreie konnten hinaufsteigen und in jener Höhe arbeiten. Mancher, der es sich zu-

Änternationaler Äutoren-Rongreß

Mit der Vorbereitung der endgültigen Revision des Verner Abkommens wird sich der inter­nationale Autoren-Kongreß beschäftigen, der vom 6. bis 11. Mai in Sevilla stattfinden wird. Die in Brüssel für 1936 angesetzte Konferenz soll das veraltete Berner Abkommen dann endgültig abändern.

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getraut, war nach dem ersten Versuch, trotz des besseren Lohnes, nicht wieder dazu zu bewegen ge­wesen. Und nun wollte auch einer nicht mehr, der es wochenlang ausgehalten hatte. Es ginge nicht, er fühle sich unsicher, fürchte abzustürzen.

Doch schon hatte sich ein neuer für ihn gemeldet.

Der -?" sagte der Monteur Schlipphacke,

als der Ersatzmann ihm und seinen Arbeitskol­legen von dem Ingenieur als Dritter in der ober­sten Turmkolonne zugewiesen wurde, und machte ein böses GesichtMit dem? Du. Emil, wollen wir denn mit dem-?"

Emil Valtzer paffte aus seiner kurzen Pfeife Und brummte Unverständliches,

Der Ingenieur merkte, daß da etwas nicht stimmte.Steffen wird sich unter Ihrer Anlei­tung schon mit Ihnen einarbeiten," meinte er und sah auf die Uhr. Das bedeutete: Vertrödelt keine Zeit. fangt an!

Da gingen sie an die Arbeit, Schlipphacke und Baltzer voran, Steffen hinter ihnen.

Sie kannten ihn. hatten mit ihm in einer Fa­brik gestanden. Er war immer seine eigenen Wege gegangen, so ein Stiller. Heimlicher, aus dem man nicht recht klug werden konnte.

Es hatte Streit gegeben, beinahe wäre eine Schlägerei daraus geworden, aber der Kerl hatte