Ausgabe 
(9.3.1935) Nr. 68
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Nr. 68 / 3. Jahrgang

Sonnabend, y. März

Einzelpreis is Rpf.

Litauischer Deutfchenhatz überschlägt sich:

Fünf Todesurteile beantragt

Trotz Haltlosigkeit der Anklage hemmungslose Gtrafanträge im Memel-Vrozeh

Kowno, 8. Mürz.

Im Memelländer-Prozetz stellten am Freitag Ge­neral Wiemer und Generalstaatsanwalt Monsta- »tcius die Strafanträge. Es wurde beantragt: Ge­gen die Hauptangeklagten aus der sogenannten Jesuttis-Gruppe (ein Fall, der bekanntlich durch die Verhandlung nicht geklärt ist, in dem aber die Anklage einen sogenannten Fememord erblickt hat) Prietz, Wannagat, Voll, Eottschalk und Lepa, die Todesstrafe durch Erschießen. Gegen den Mitange­klagten dieser Gruppe, Zakschtat, wurde lebens­längliches Zuchthaus beantragt.

Lebenslängliches Zuchthaus wurde ferner bean­tragt gegen die beiden Angeklagten der sogenann­ten Wallat-Gruppe. Es handelt sich hier um einen Bauernstreit, der von der Anklage als ein politischer Anschlag hingestellt wurde.

Gegen die Hauptangeklagten aus der sogenann­ten Neumann - Eruppe, d. h. die Mitglieder der Sovog, Neumann, Bertuleit, Rademacher und sechs weitere Hauptführer dieser Partei wurden je 13 Jahre Zuchthaus beantragt, gegen die sogenann-

Berlin, 8. März.

Am Freitag wurde im Prozeß gegen die acht männlichen und weiblichen Anhänger der Schwarzen Front" vom Volksgericht das Urteil gefällt. Die männlichen Angeklagten erhielten ausnahmslos Zuchthausstrafen, und zwar der 32- jährige Helmut Müller aus Zittau drei Jahre drei Monate; der 28jährige Walter Krämer aus Dresden, der 40jährige Emil Eepp aus Ortrand und der 28jährige Eitel-Fritz Kahlert aus Dres­den je drei Jahre und der 21jährige Johannes Cieslak aus Seifhennersdorf zwei Jahre acht Monate. Auf diese Strafen wird die Unter­suchungshaft in Höhe von sieben bzw. acht Monaten Gefängnis angerechnet. Bei den drei Mitangeklagte» Frauen hielt der Senat nur eine Fahrlässigkeit für vorliegend. Er stellte daher bei zwei von ihnen das Verfahren ein, während die dritte eine Gefängnisstrafe von sieben Monaten erhielt, die aber als durch die Untersuchungshaft verbüßt gilt.

In der Urteilsbegründung betonte der Vor­sitzende, für das Gericht stehe außer Zweifel, daß Otto Straffer als Leiter der Schwarzen Front das Ziel verfolge, die rechtmäßige Regierung Adolf Hitlers auf gewaltsamem Wege zu beseiti­gen und an ihre Stelle eine Regierung zu setzen, die die Verwirklichung der nation albolsche-

ten Gruppenführer je 12 Jahre und gegen alle übrigen Mitglieder der Neumann-Partei ein­schließlich des litauischen Spitzels Molinnus je acht Jahre Zuchthaus.

Gegen die Mitglieder der sogenannten Saß- Eruppe, d. h. die christlich-sozialistische Arbeits­gemeinschaft (CSA) wurden folgende Anträge ge­stellt: Gegen die Hauptangeklagten Saß und von der Noppe je 12 Jahre Zuchthaus, gegen die Kreis­leiter je zehn Jahre Zuchthaus, die Führer der so­genannten Stammeskreise je zehn Jahre Zuchthaus und die anderen sechs bis neun Jahren Zuchthaus.

*

Die Strafanträge gegen die Memeldent- schen müssen die Empörung aller gerecht den­kenden Kreise herausfordern. Der ganze Verlauf des Prozesses hat gezeigt, daß von Staatsverrat der Angeklagten nicht im ge­ringsten die Rede sein kann; sie haben sich bei allen ihren politischen Handlungen in durchaus legalen Formen bewegt. Für den objektiven Beobachter galt das litauische

wistischen Endziele Otto Strassers bedeuten würde. Ein Unternehmen aber, das in dieser Weise auf die gewaltsame Aenderung der derzeitigen durch den Nationalsozialismus ge­schaffenen verfassungsmäßigen Grundlagen hin­ziele, müsse als hochverräterisch ange­sprochen werden. Mit Rücksicht auf die außer­ordentliche Gefahr der rücksichtslosen Angriffe, die von Otto Straffer gegen das Staatswesen Adolf Hitlers gerichtet werden, seien für die Helfer und Anhänger der Schwarzen Front nachdrücklich« Strafen am Platze, die zugleich abschreckend wirken sollen. Für die männlichen Angeklagten seien daher Zuchthausstrafen in Frage gekommen. Das Gericht halte es nach der Beweisaufnahme für er­wiesen, daß die fünf männlichen Angeklagten in Kenntnis der hochverräterischen Ziele Otto Stras­sers Hetzschriften der Schwarzen Front, die sie bei Treffs" im Auslande erhalten haben, in Deutsch­land haben verbreiten helfen.

Düsseldorf, 8. März.

Nach zehntägiger Verhandlung wurde in einer in Düsseldorf gegen 71 Angeklagte verhandelten Hochverratssache das Urteil gefällt. Ein Angeklag­ter wurde zu lebenslänglichem Zuchthaus ver­urteilt, je ein weiterer Angeklagter erhielt 18 Jahre bzw. 10 Jahre Zuchthaus und 13 weitere Angeklagte wurden zu Zuchthausstrafen von 8 bis

»,Beweis"-Material längst, soweit es nicht glatt erfunden war, im Sinne eines sich über­schlagenden Deutschenhasses als tendenziös. Man kann nur lebhaft wünschen, daß das Gericht die Urteilsfindung wesentlich leiden­schaftsloser vornimmt und sich zur Wahrheit, nämlich zur Unschuld der Angeklagten, be­kennt.

GA.-GtandarteBremen"

Im Zuge der Neuorganisation der SA. werden die bisherigen SA.-S1andarten 78 und 266 vorläufig zur SA.-S1andarteBre­men" zusammengefaßt. Ihre endgültige Be­zeichnung steht noch aus. Die Sturmfahnen der aktiven Stürme der beiden bisherigen SA.-Standarten 75 und 266 werden zunächst auf der Standarten-Dienststelle der SA.- StandarteBremen", Domshof 1718, am morgigen Sonntag eingebracht werden. (Siehe erste Lokalseite.)

1 Jahren verurteilt. Die restlichen Verurteilten erhielten Strafen von 4 Jahren Zuchthaus bis zu 5 Monaten Gefängnis.

Die Hauptbeschuldigten waren als Funktionäre vom Ausland aus mit dem illegalen Aufbau der KPD. in Westdeutschland beauftragt worden. Sie mußten wegen schwerer Gefährdung des Staats­wohls und zur Abschreckung für ihre im Ausland sitzechsen Gesinnungsgenossen schwerste Freiheits­strafen erhalten. Der größte Teil der Verurteilten hat sich verleiten lassen, sich der illegalen KPD. anzuschließen.

Dp. Leu fährt mit nach Madeira

Berlin 8. März.

Wie der Informationsdienst der Deutschen Ar­beitsfront mitteilt, hat sich der Schöpfer der NSG. ,Kraft durch Freude", Reichsorganisationsleiter Dr. Ley, entschlossen, die erste große Atlantik- Fahrt deutscher Arbeiter nach Lissabon und Ma­deira mitzumachen. Er wird an Bord des Damp­fersDer Teutsche" an dieser sozialistischen Aktion der Deutschen Arbeitsfront teilnehmen.

Eine kommunistische Geheimdruckerek wurde in St. Polten (Niederösterreich) ausgehob'en. 21 Kommunisten wurden verhaftet.

Heute wird in Vayreuth der bei einem Flugzeugunfall tödlich verunglückte Gau­leiter der bayrischen Ostmark beigesetzt.

So mußtest du von uns gehen, Hans Schemm, Führer und Freund, unermüdlicher Weggenosse und allzeit brüderlicher Helfer, Bannerträger der nationalsozialistischen Idee, lebend und sterbend für deinen Führer, für Hitlers Idee und Reich, ihm zu jeder Se­kunde deines großen Lebens in wahrhaft kindlicher Liebe und Treue zugetan. Am großen Siegestag gingst du von uns und ließest uns allein, an deinem Freudentog, wo du vor zwei Jahren den Gau Bayerische Ostmark, eben erst gegründet, zum herr­lichsten Siege führtest.

Wir haben viele Kampfgefährten begraben in den letzten Jahren; wir mußten hart werden unter den Stürmen und Erforder­nissen unserer Zeit. Aber dieser Verlust scheint uns unfaßlich. Deine Freunde, die Nationalsozialisten des ganzen Reiches, stehen in tiefster Erschütterung an deiner Bahre. Du warst der Prediger der Liebe zu Volk, zu Nation, zum Führer. Die Liebe, die du gesät hast, wurzelt tief, unausreißbar tief.

Hans Schemm war immer ein Großer und ein Ganzer. Was er auch begann, begann er mit seiner ganzen Seele und mit einem fau­stischen, allesumspannenden Geist, für den die Pläne nicht groß genug sein konnten. Darum mußte er Nationalsozialist sein. AIs unbeachteter Volksschullehrer fing er an, droben in einem Dörfchen des rauhen Berg­bauernlandes des Fichtelgebirges. Das war der rechte Boden für seine Natur. Dann stand er in der Schule der Vorstadt vor armen Arbeiterkindern. Er hatte alles, was ein großer Lehrer und Erzieher haben muß: eine Seele mit überströmender Liebe. Sein rast­los arbeitender Geist machte den einfachen Volksschullehrer zum anerkannten For­scher auf chemischem Gebiet. Er ging wie­der in die Schulstube zu den Kleinen, die ihm wie einem Vater zugetan waren.

Wo konnte ein in Liebe und Begeisterung für Heimat, Volk und Vaterland erglühen­des Herz anders sein als bei dem Führer der Deutschen? Als sich das erste neue Leben regte, als Deutschland aus der Winternacht des Volksverrats zu erwachen begann, war Schemm bei der nationalsozialistischen Be­wegung. Wer möchte sie schildern, diese Kampfzeit des Kämpfers Hans Schemm? Es ist das Hohelied eines Helden, der sein Leben läßt für seine Brüder.

Heraus aus dem Dienst in der Schulstube, aus das ärmliche Motorrad und hinaus in die einsamen Gehöfte Oberfrankens. Um jeden einzelnen Volksgenossen wird gerun­gen mit einer Leidenschaft, mit einer Liebe und Wärme, als obes um besten Leben ginge. Tag und Nacht, Wochen und Mo­nate, Jahre. Kein Verharren, keine Aus- spannung, keine Erholung, keine Nachtruhe. Rastlos immer vorwärts, immer dem Ziel entgegen es geht um Deutschland..., auch wenn wir sterben müssen. AIs ob er ge­wußt hätte, daß ihm die Vorsehung nur eine kurze Spanne Zeit eingeräumt hätte. So blüht gerade in diesem armen Gau Ober­franken die Bewegung am schönsten gegen Haß, Verleumdung und wütende Feind­schaft. Der sieghafte Geist Schemms und seine liebende und alles Gute erfassende Seele wurde mit allem fertig. Im Januar 1933 überträgt der Führer oem Gauleiter von Oberfranken noch Niederbayern und die Oberpfalz. Hans Schemm ar­beitet mit stolzer Freude an diesem gefähr­deten Gebiet, zeitigt Erfolge, die nur einem ganz großen Glauben und Willen möglich sind. Sein Gau Bayerische Ostmark ist ein starker Schutzwall des nationalsozialistischen Deutschen Reiches im Osten geworden.

Das allein könnte wohl eine Lebensauf­gabe sein. Aber sein Erzieherherz will noch mehr. Eine Handvoll Lehrer ruft er 1927 zu sich, um den Nationalsozialisti­schen Lehrerbund zu gründen. Weite, weite Gedanken trägt er im Kopf. Die Volks­erziehung, die Volksschule im weitesten

Hochverräter gehören ins Zuchthaus

Verdiente Strafen für fünf Kuriere derSchwarzen Front"

Gustav Dieß! erwählt:

Mit der Filmkamera zum Dach der Welt

Gustav Dießl, der in zahlreichen Hochgebirgs- silmen einen völlig neuen Typ des deutschen Film­schauspielers schuf, erzählt hier von den unge­heuren Schwierigkeiten, die bei der Herstellung des ersten Himalaja-SpielfilmsDämon des Himalaja bewältigt werden mußten. Dieser Film, dessen Erstausführung in allernächster Zeit stattfindet, hat zum ersten Male in der Geschichte der Lein­wand ein menschliches Spiel in die ewig schnee­bedeckte Welt der Himalaja-Giganten gelegt.

Vor genau einem Fahr erhielt ich in München, wo ich mich zstr Erstaufführung eines meiner Filme aufhielt, ein dringendes Telegramm. Pro­fessor Dyhrenfurth, der weltbekannte Geo­loge und Leiter der Internationalen Himalaja- Expedition 1834, fragte an, ob ich die Hauptrolle in dem Spielfilm, der auf dieser Expedition ge­dreht werden sollte, übernehmen wolle. Ohne Zö­gern telegraphierte ich mein Ja zurück. Himalaja! Jeden Bergsteiger überfällt ein Schauern, wenn er diesen Namen hört. Fast kein Fahr vergeht, in dem nicht der Mensch versucht, ihn zu bezwingen. Vergebens! Trotz größter Opfer an Entsagungen und' Menschenleben' ragt sein Haupt, der Mount Evereft. noch unberührt in die Wolken. Bei den Tibetanern herrscht der unbeirrbare Glaube, daß auf den Gipfeln des Himalajamafsivs Dämonen wohnen, die die Menschen mit unwiderstehlicher Macht in ihren Bann ziehen, aber jeden vernich­ten, der sie zu bezwingen versucht. Dieser Mythos eines der ältesten und interessantesten Naturvöl­ker, jahrtausendealt und unwiderlegt, ist zu tief in den Herzen und Stirnen der Tibetaner ver­wurzelt, um ihn einfach als Aberglaube abzutun. Wer jemals im Geiste oder in Wirklichkeit zu Füßen des Himalaja stand, fühlt die magnetische Gewalt, die von demDach der Welt" ausgeht.

So entstand das Drehbuch zu dem Erotzfilm Dämon des Himalaja", den wir in vier Monaten voller Entbehrungen und Schwierig­keiten drehten.

Ich spiele in diesem Film einen jungen Gelehr­ten der Völkerkunde, dessen Leben von der frat­zenhaften Maske eines Bergdämons, die er von einer früheren Expedition nach Deutschland ge­bracht hat, schicksalhaft beeinflußt wird. Wenn man je von dem Erleben einer Rolle sprechen darf, dann hier. Alle Anstrengungen, Gefahren, Mühsale, die das Manuskript vorschreibt, haben wir in Wirklichkeit erlebt. Mit Fernobjektiv und Sauerstoffmosken haben wir Meter für Meter dem Himalaja-Riesen abgetrotzt, bis wir 6300 Meter und damit eine Höhe, in der noch nie ein Spielfilm gedreht wurde, erreicht hatten. Dabei mußten Temperaturunterschiede von 80 Grad aus­gehalten werden, die für Europäer unvorstellbare Strapazen bedeuteten. Nachts zeigte das Baro­meter oft 20 Grad Kälte an, und tagsüber stieg das Quecksilber dann wieder bis zu 70 Grad über Null. Nach dem Drehbuch erwachsen der'Expe­dition des Ethnologen durch eine Revolte der Kulis große Schwierigkeiten. Wir hoben diese Revolte tatsächlich gehabt. Die 400 Träger die wir angeheuert hatten waren eines Tages mit ihrem Lohn nicht mehr zufrieden. Mit der Höhe, die wir bezwängen, stiegen anscheinend auch ihre Forderungen. Wir lehnten ab und beriefen uns auf den Satz, den wir mit ihren Dorfältesten ver­einbart hatten. Umsonst. Ihre Haltung gegen uns wurde immer bedrohlicher. 8 Europäer gegen 400 Asiaten, ein« Gruppe gegen zwei Kompanien! Aussichtslos. Schließlich mußten wir ihre Tag­gelder verdoppeln, um weiterarbeiten zu können.

Der Filmautor läßt durch einen mit vehementer Gewalt einsetzenden Sturm einen Teil der Pro­viantkisten in die Tiefe stürzen, Wir haben in Wirklichkeit fast die ganzen Verpflegungsvorräte eines Zwischenlagers durch Felssturz verloren. Acht Tage lang mußten wir uns von übriggeblie­benen KonservenwUrstchen nähren. Bei ange­strengtester Arbeit, bei Sturm, Regen, W allen- brüchen, Hitze und Kälte. Nie wieder Würstchen!

Gewiß, es ist auch kein Vergnügen, zehn, zwölf Stunden am Tag in Nsubabelsberg zu filmen. Aber was bedeuten oll diesezivilisierten Stra­pazen" gegen die schier unmenschlichen Anstrengun­gen, denen wir im Himalaja ausgesetzt waren. Reißende Stromschnellen, für deren ungebändigte Wildheit wir in Deutschland kein. Beispiel haben, mußten wir auf primitivsten, zittrigen Flößen aus aufgeblasenen Ziegenbälgen überqueren. Klaf­fende, hunderimetertiefe Abgründe nahmen wir auf zerbrechlichen Hängebrücken, die nichts weiter waren als zusammengeflochtene Weidenruten. Ein Fehltritt, ein Schwindelanfall der Dämon des Himalaja hätte triumphiert. 56 Aufnahme­tage haben wir in vier Monaten mit den un­glaublichsten atmosphärischen, geographischen und klimatischen Widerständen gerungen. Nach dem Drehbuch befällt den jungen Wissenschaftler eine geheimnisvolle Krankheit, die ihn an den Rand des Todes bringt. War es das, was wir gedan­kenlos Zufall nennen, war es eine Laune des Schicksals oder die Macht der Himalajadämonen ich wurde krank. Wochenlang schwankte ich zwischen Leben und Tod. und geheimnisvoll, wie sie kam, schwand eines Tages die Krankheit wie­der, die unserem Expeditionsarzt Rätsel über Rätsel aufgab. 20 000 Meter Rohfilm waren schon belichtet. Da hätten wir sie auf dem Rück­weg bei Askole bald verloren. Das Maultier, das das wertvolle Material trug. brach in einer Gletscherspalte ein. Zwei Tage haben wir ge­braucht, bis wir es aus den Schneemassen wieder

herausschaufelten. Das Tier war verloren, aber der Film konnte gerettet werden.

Der.Dämon des Himalaja" wird den Menschen der Zivilisation von den geheimnisvollen Natur­kräften erzählen, die sich in der Meinung der Ti­betaner zu Lebewesen personifizieren. Wir haben sie kennengelernt, wir haben im Film und im Leben ihre unerklärliche Macht gespürt und den Glauben an ihre Unwiderstehlichkeit in un­seren nüchtern denkenden Erdteil herübergebracht.

Großer Erfolg Arthur Vednarzcyks in Antwerpen

Der Heldentenor unseres Staatstheaters, Ar­thur Vednarzcyk, der mit Ablauf dieser Spielzeit Bremen verläßt, um einem Rufe an die Deutsche Oper in Breslau zu folgen, hat mit größ­tem Erfolg bei der Vlaamschen Opera in Antwer­pen als Lohengrin und Bajazzo gastiert.

Heinrich Mohr

Kufen s>ie morgen an...

Wieder einmal saß ich mit meinem Freund Fritz, Handelsvertreter in allen möglichen Din­gen, zusammen im CafS Europa. Fritz zog öfter, als mir nötig schien, seine Taschenuhr, weshalb ich Veranlassung nahm, ihn zu fragen, ob und warum er es eilig habe. Hören Sie selbst, was er mir entgegnet:

Ich habe es weder eilig, noch ist die Sache von irgendwelchem Belang. Ich bin lediglich damit begriffen, den Beginn der Vürostunden von Luchs L Dachs abzuwarten, um mir einen Bescheid zu holen, über dessen Tenor ich nicht im mindesten im Zweifel bin. Ich werde durch den Bescheid, den ich erwarte, nicht ärmer noch reicher, und mein Befinden wird unverändert bleiben. Ich will nur den Anruf hinter mir haben, damit wir ungestört miteinander plaudern können.

Luchs L Dachs habe ich gestern besucht. Er­gebnis: Rufen Sie morgen an. Das war nichts weiter als ein Versteckenspielen hinter einer Scheibe aus Spiegelglas, ein unehrliches Nein ich habe mit keinem Erfolg meiner Offerte zu rechnen. Warum er mir nicht gleich negativen Bescheid gab? Sehr einfach!

Am Telephon läßt sich anders reden als beim Gegenüberstehen. Es zwingt zur Distanz, aber gerade durch sie fällt jede Hemmung. Man ist frei, man redet von der Leber weg, man kann sich selbst einen kleinen Schwindel leisten den roten Kopf, den man dabei bekommen könnte, sieht der andere nicht. Ebensowenig das Ver­legenheitslächeln, wenn man bekennt, daß man vor der Pleite steht. Man kann auch vorgeben, die Qualität der letztgelieferten Ware sei unter aller Kanone gewesen verwahrt sich der andere entrüstet dagegen, nun, so hängt man ein. Kurzum: Sich des Telephons bedienen, heißt

Vorteile einheimsen, vor allem: Sich Ruhe und eine gewisse Ueberlegenheit zu sichern."

Während Fritz sodann draußen war. um zu telephonieren, trat plötzlich er schien aus dem Boden gewachsen mein Schneider vor mich hin und fragte diskret, bis wann er mit der Ve- 'zahlung seines restlichen Guthabens rechnen könne, er habe demnächst selber einen Wechsel einzulösen. Ich sah ihm wohlwollend ins Auge und sprach:Rufen Sie morgen an . . ."