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Nr. 67 / 3. Jahrgang
Freitag, 8. März
Einzelpreis 15 Rps.
Eden begründet die Londoner Wehrpolttik
Neuer Schritt Englands in Berlin
Britischer Ministerbesuch in Warschau und Moskau nur noch eineFrage derzeit
Treuhänder der Arbeit
für das WirtschaftSgebietNiedersachsen
Bremen, 7. März.
Der Reichsarbeitsminister hat dem Treuhänder der Arbeit für das Wirtschaftsgebiet Südwestdeutschland, Dr. Kimmich, beauftragt, die Geschäfte des Treuhänders der Arbeit für das Wirtschaftsgebiet Niedersachsen vertretungsweise zu übernehmen. Dr. Kimmich hat seine Tätigkeit in Hannover bereits aufgenommen.
Lächerliche Anklage
Kowno, 7. März
Am Donnerstag begann der letzte Abschnitt des großen Memelländer-Prozesses. Der Staatsanwalt, General Wiemer, ging in seinem Plädoyer zunächst auf die Vorgänge vor der Gründung der Leiden Parteien ein und hielt sich dabei im wesentlichen an die Argumente der Anklage. Die Angeklagten hätten sich alle zu dem Zweck vereint, das Memelland von Litauen abzutrennen. Der erste Teil des Plädoyers hatte die Anklage gegen die Saß-Anhänger zur Grundlage.
General Wiemer ckam zu der für die Anklage niederschmetternden Feststellung, daß das Waffen- material durchaus nicht zur Durchführung eines bewaffneten Aüfstandes ausreiche. Man mutz hierbei in Betracht ziehen, daß nach dem Urteil der Sachverständigen noch nicht ISO gebrauchsfähige Militärwaffen, darunter 140 Pistolen, vorhanden waren. Dabei handelt es sich zum großen Teil um Kriegsandenken und Dienstwasfen von Förstern und Beamten, die sämtlich im Besitze von ordnungsmäßigen litauischen Waffenscheinen waren. *
Der objektive Beobachter fragt sich verwundert, wie man nach diesen Feststellungen überhaupt noch die Anklage aufrechterhalten kann und weshalb man noch immer nicht die Wahrheit gelten lassen will, daß die Memelländer zu Unrecht angeklagt sind.
Abesfinien wünscht Frieden
Presseerklärungen des Kaisers
Paris, 7. März.
Der Kaiser von Abesfinien gewährte einem Sonderberichterstatter des „Paris Midi" eine Unter- redung über den italienisch-abesfinischen Streitfall. Kaiser Haile Selassie I, erklärte: Abesfinien wünscht aufrichtig den Frieden. Es wird die Leistung einer Wiedergutmachung nicht ablehnen, wenn sie berechtigt sei. Abesfinien ist aber entschlossen, den Streit anders zu regeln als dadurch, daß es sich stillschweigend die Verantwortung für die Zwischenfälle von Ualual aufbürden läßt. Abessi- nien will auch keine Vergewaltigung seiner südöst- lichen Grenze zulassen. Nur wegen der Starrköpfig- keit der Italiener habe sich Abesfinien an den Völkerbund wenden müssen. Der Kaiser stellte alle Behauptungen und Gerüchte von einer Mobilmachung der abessinischen Streitkräfte in Abrede und erklärte weiter:
„Abesfinien wünscht nur eins: Die Gebiete zu behalten, die ihm gehören, und die wieder zu erlangen, auf die es laut den früheren mit Italien abgeschlossenen Verträgen Anspruch hat. Diese Gebiete find ihm allmählich durch die Uebergrifse seiner Nachbarn genommen worden."
London, 7. März.
Der diplomatische Berichterstatter des „Daily Telegraph" meldet, daß der britische Botschafter in Berlin beauftragt worden ist, sich zu erkundigen, wann der Führer in der Lage sein dürfte, ein neues Datum für die deutsch-englischen Besprechungen festzulegen.
Weiter habe die britische Regierung am Mittwoch Schritte zur Feststellung getan, ob Sowjetrußland und Polen noch Besprechungen in Warschau bzw. Moskau wünschten. Die Botschafter beider Mächte hätten versichert, daß, soweit ihre eigenen Regierungen in Frage kämen, die Lage sich nicht geändert habe.
„Daily Mail" erklärt sich in einem Leitaufsatz mit dem Inhalt des Weißbuches einverstanden, fragt aber, warum das Weißbuch eine so tadelnde Ermahnung an Deutschland enthalte, und warum Deutschland unter allen anderen Ländern wegen der Ausbildung seiner Jugend im Waffendienst erwähnt sei, während doch alle Länder Europas mit Ausnahme Englands, Frankreichs und Belgiens ihre Jugend in dieser Weise erzögen.
Athen, 7. März.
Ueber die Lage in Griechenland wird berichtet:
Der griechische General Kondylis, der den Oberbefehl über die Regierungstruppen führt, hat große Bedenken, die Entscheidungsschlacht gegen die Aufständischen zu eröffnen und damit das Blutvergießen zu beginnen. Das Kräfteverhältnis zwischen Regierung und Venizelos ist gleichwertig. Die Aufständischen haben in Nordgriechenland ebenso mit der Mobilisierung begonnen wie die Regierung im Zentrum des Landes. Sie verfügen auch über genug Waffen und Munition, da sie reichhaltige Lager erbeutet haben. Die Regierung schickt zahlreiche Reservisten wieder in die Heimat zurück, weil sie als uwverläßlich gelten. Die griechischen Flüchtlinge aus Kleinasien werden in die Armee überhaupt nicht aufgenommen.
Venizelos hat gegen die Regierung eine lebhafte Werbetätigkeit entfaltet. Er ließ über Athen Flugzettel abwerfen, in denen er das Volk zur Stellungnahme gegen das Kabinett auffordert. Obwohl von amtlicher Athener Seite erklärt wird, daß die Flotte der Aufständischen aktions- unfähig sei, weil die Schiffe nicht schnell genug manövrieren können und es ihnen außerdem an Kohlen mangelt, erwartet man einen General- Angriff auf Saloniki. Ein Torpedoboot hat bereits Saloniki beschossen. Die Flotte der Aufständischen führt mehrere Passagierdampfer mit sich, die sie unterwegs gekapert hat. Der meuternde Kreuzer „Awerofs" hat vor der Stadt Myti-
Außenminister Simon bestätigte am Donnerstagnachmittag dem Unterhaus, daß Lordsiegelbewahrer Eden sich im Anschluß an die Reise nach Berlin nach Warschau und Moskau begeben werde.
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Lordsiegelbewahrer Eden hielt am Donnerstag in Swindon eine Rede, in der er die Wehrpolitik der englischen Regierung verteidigte und den Vorwurf zurückwies, daß die in dem Weißbuch der Regierung aufgestellten Grundsätze ein Abweichen von der Politik des Völkerbundes darstellten. Eden führte im einzelnen u. a. aus:
Ich bedauere außerordentlich, daß die Krankheit des deutschen Kanzlers unseren Besuch nach Berlin aufgeschoben hat. In den letzten Tagen hat die Regierung in einem Weißbuch eine Erklärung über ihre Wehrpolitik veröffentlicht. Die Außenpolitik der englischen Regierung gründet sich unveränderlich auf dem Völkerbund als dem wirksamsten Mechanismus, der bisher für ein solches System gefunden werden konnte.
lene auf Lesbos Anker geworfen. Er landete mehrere Abteilungen Marinesoldaten, die sich der Stadt bemächtigten. Weiter besetzten die Aufrührer die Inseln Kios und Samos.
Im Straßenleben Athens macht sich der Ausnahmezustand, besonders abends, stark bemerkbar. Von 21 Uhr ab dürfen keine Kraftwagen mehr verkehren. Nur wenige Passanten, die mit einem Sonderausweis versehen sind, sind auf den Straßen zu sehen. Alle Augenblicke ertönt durch die nächtliche Stille der „Halt!"-Ruf eines Postens.
Petritsch (Bulgarisch-Mazedonien), 7. März.
Nachrichten von der bulgarisch-griechischen Grenze zufolge sind die Kämpfe zwischen den griechischen Regierungstruppen und den Aufständischen bereits in eine Entfernung von etwa 23 Kilometer von der bulgarischen Grenze herangerückt. Besonders heftige Gefechte spielen sich in der Gegend von Poroi ab. Man erwartet hier in den nächsten Tagen den Uebertritt zahlreicher Flüchtlinge aus Griechenland. Die griechischen Erenztruppen haben sich teils für die Regierung, teils für die Aufrührer erklärt. Zwischen einigen griechischen Grenzwachen im Belasitza-Ee- birge an der bulgarischen Grenze kam es im Laufs des Mittwoch nachmittag zu heftigen Auseinandersetzungen. Ein Offizier aus dem Regierungslager, der an aufständische Soldaten eine Ansprache richtete, wurde blutiggeschlagen.
Unsere Ergebenheit gegenüber dem Völkerbund und dem Kollektivfriedenssystem ist in der jüngsten Geschichte oft unter Beweis gestellt worden. Nach meiner Dafürhalten kann der Friede aus Erden nicht*völlig gesichert werden, solange nicht alle Nationen nicht nur Mitglieder des Völkerbundes sind, sondern auch in ihrer nationalen Politik von dem Geist der Völkerbundspakte beeinflußt werden. .
Die Wahrheit ist, daß sich das Kollektivsystem zurzeit in einem Zustand der Evolution befindet. Wir werden mit allen uns zu Gebote stehenden Mitteln fortfahren, das Ansehen des Völkerbundes zu mehren. Wir dürfen nicht die Augen vor der Tatsache verschließen, daß in Europa im Laufe der letzten Jahre eine wachsende Nervosität um sich gegriffen hat. Um dieser Nervosität zu begegnen, bemüht sich die Regierung in diesem Augenblick, eine europäische Regelung zustandezu- bringen, die schließlich dahin führen wird, daß alle Länder aktive Mitglieder des Völkerbundes werden.
Der Eisenbahnverkehr auf der Linie Saloniki—Demirhissar, die sich zum größten Teil in den Händen der Aufständischen befindet, ist noch immer unterbrochen. Der einzige Uebergangspunkt an der bulgarisch-griechischen Grenze, Kula, ist von griechischer Seite geschlossen.
London, 7. März
Das britische Linienschiff „Royal Covers i g n" ist zum Schutz der britischen Interessen in der Bucht von Phaleron bei Athen eingelaufen.
Vertrauensvotum in Brüssel
Die Kammer hat am Donnerstagabend die Aussprache über das Verbot des Flamenaufmarsches beendet. Die von dem flämischen Fron- tisten Borginon und dem flämischen Katholiken Vindevogel gegen das Verbot des Brüsseler Oberbürgermeisters und gegen die Haltung des Innenministers eingebrachte Entschließung wurde mit 90 gegen 83 Stimmen bei einer Stimmenthaltung abgelehnt. Die drohende Regierungskrise ist damit also abgewendet worden. Das Ergebnis der Abstimmung ist dadurch zustandegekommen, daß in letzter Stunde die flämischen Abgeordneten der katholischen Regierungspartei in ihrer Mehrzahl beschlossen hatten, sich bei der Abstimmung von den flämischen Nationalisten zu trennen und mit der Regierungsmehrheit gegen die Entschließung zu stimmen.
Llmö Reich der deutschen Seele
Von
vr. Oroü, I-sitsr äss Lassspolitisolisn .4mies
Der Kampf um den geistigen und seelischen Gehalt dessen, was uns eines Tages zum Rebellen gegen ein artfremdes System gemacht hat, diese eigentlich geistige und seelische Umwälzung, ist nicht eher beendet, als bis eines Tages das letzte Stücklein alter Werte und alter Formen des Geistes zerbrochen und gestorben ist.
Wenn wir unsere Bevölkerungspolitik allmählich der Meinung der Welt gegenüber durchpauken, dann steht in dem großen Ideenkampf, in dem Kampf des rassischen Denkens als Prinzip gegenüber dem anti- rassischen Denken von gestern die Entscheidung vorläufig selbst in Deutschland noch aus; denn wir wissen sehr wohl, daß unzählige Menschen noch Zweifel und Zurückhaltung haben, und daß unzählige Gruppen hier und da und dort immer noch versuchen, an der Folgerichtigkeit rassischen Denkens in Deutschland selbst uns etwas abzuhandeln.
Gehandelt aber kann an dieser Stelle nicht werden. Wir brechen mit dem Gedanken der Zeit, Menschen und Völker durch direkte Einwirkung auf das Einzelwesen oder auf die Generation unmittelbar anders und besser mächen zu können. Wir erkennen wieder, daß ein menschliches Eingreifen in den Wertbestand und das Wertgefüge und damit in den Anlagenbestand und das Anlagegefüge eines Volkes bloß möglich ist auf dem Weg über eine dauernde Auslese oder Ausmer- zuntz. Das aber ist nicht mehr bloß eine medizinische Angelegenheit, sondern ist ein grundsätzlicher Gedanke einer neuen Weltanschauung, aus der sich Folgerungen nach allen Seiten ergeben von manchmal noch gar nicht überschaubarer Tragweite.
Man sage mir nicht: Gut, wenn diese Fol- erungen noch nicht zu übersehen sind, be- ellige mich nicht damit! Du bist nicht dazst da, das auswendig zu lernen, was man vor vielen hundert Jahren erkannt, gemeint und seitdem nicht erschüttert hat, sondern wenn du ein Soldat des Geistes sein willst, bist du dazu da, neu aufgetauchte Gedanken mit durchzudsnken, eines Tages das Wahre vom Falschen zu sondern und das Richtige durchzusetzen. Dazu bist du da!
Da steht von gestern her das starre Dogma von der Einheit oes Menschengeschlechts, in der es außer dem Sozialen und Finanziellen keine Unterschiede geben dürfe. Die Folgerung daraus war die Forderung der Verwirklichung einer solchen Einheit, d. h. der Internationale, nicht nur der Politik, der Wirtschaft, sondern erst recht des Geistes, der Kultur und des Glaubens, und dagegen stehen die revolutionären völkischen Kräfte, die heute im Nationalsozialismus zum Durchbruch gekommen sind. Diese Kräfte, die nichts weiter verlangen, als daß wir dasselbe Recht haben, das jeder vernünftige und denkende Mensch jeder Pflanze einräumt, daß sie wächstnach dem Gesetz ihrer Eigenart, nach dem Ziel, das ihr traumhaft vorschwebt, weil Gott selbst in dem Augenblick, da er die Pflanze schuf, ihr ir-
Schwere Kämpfe in Mazedonien
Flugzettel der Aufständischen über Athen / Vor Generalangriff aus Saloniki
Aeltssme Wissenschaft von uns selbst
Leue Forschungsergebnisse über die Leistungen unseres Körpers / Von Dr. W. Steuert
Die Wissenschaft braucht wahrhaftig keine langweilige Sache zu sein: In allen Gebieten der
Forschung werden fortwährend neue Tatsachen festgestellt, die interessant und manchmal auch seltsam genug find.. Ganz besonders gilt das aber für diejenigen Forschungsarbeiten, die sich mit den Geschehnissen im menschlichen Körper beschäftigen. Wir greifen einige besonders „kuriose" Forschungsergebnisse dieser Art aus der letzten Zeit heraus.
Wie laut spricht der Mensch?
Wie schlecht wir unseren Körper in Wirklichkeit kennen, hat soeben wieder eine exakte — mit elektrischem Mikrophon und Verstärkerröhre durchgeführte — Messung der Lautstärke unserer Stimme bewiesen. Gewöhnlich nimmt man doch an, daß ein brüllender oder lange Zeit laut sprechender Mensch immerhin bemerkenswerte „Schallenergien" produziert. Aber die modernen Wissenschaftler sind anderer Meinung — man hat mit Hilfe der elektrischen Meßmethode festgestellt, daß die von uns erzeugte „akustische Energie" außerordentlich geringfügig ist. Alle die vier Millionen Einwohner unserer Reichshauptstadt müßten gleichzeitig laut und vernehmlich reden, um nur eine Energiemenge zu produzieren, die gerade ausreichen würde, eine mittlere Glühlampe aufleuchten zu lassen! Man kann es auch anders ausdrücken: Ein Mensch müßte ISO Jahre hintereinander ohne Pause reden, um so viel Energie zu erzeugen, daß man damit gerade eine Tasse Kaffee kochen könnte.
Unser Gehirn - ein elektrischer Sender Auf anderen Gebieten hat sich der menschliche Organismus als „produktiver" erwiesen. Lange Zeit stritt man sich in der Eelehrtenwelt um die wichtige Frage, ob unser Gehirn bei der „Denk
arbeit" nachweisbare Energiemengen erzeugt. Das Herz, die Muskeln, Drüsen, Nerven und viele andere Organe senden bei ihrer Arbeit dauernd feine elektrische Signale aus. Es schien doch zu seltsam, daß das Gehirn, unser wertvollstes und stolzestes Organ, dessen Leistungen uns zum Beherrscher der Erde gemacht haben, keinerlei meßbare „Lebenszeichen" von sich geben sollte? Diese Frage wurde nun vor kurzem von deutschen Forschern entschieden. Es stellte sich heraus, daß auch die Erohhirnzentren bei der Arbeit feinste elektrische Ströme produzieren; jedes Zentrum, das gerade „eingeschaltet" wird, gibt wie ein kleiner Radiosender elektrische Zeichen von sich, die man mit feinen Meßmethoden auffangen und registrieren kann.- Ob das Seh- oder Hörzentrum in Aktion tritt, ob das Zentrum für alte Erinnerungsbilder, die „Kartothek" des Gehirns, oder die Zentralstation für Muskelbewegungen eingeschaltet wird, immer entsteht an einer entsprechenden Stelle des Schädels ein kurzer elektrischer Strom, der von der angestrengten Arbeit unseres Großhirns Zeugnis gibt.
Der Mensch als „Äquarium"
Die chemische Analyse des menschlichen Körpers zeigt, daß wir stolzen Erdbeherrscher zum größten Teil — aus Wasser zusammengesetzt sind. Ein moderner Wissenschaftler hat einmal scherzhafterweise den menschlichen Körper als ein Aquarium bezeichnet, dessen wesentlicher Inhalt eine ein- prozentige Kochsalzlösung ist. In der Tat erreicht der Wassergehalt des Menschen merkwürdig hohe Werte; er schwankt zwischen 94 und 58 Prozent. Sozusagen am feuchtesten sind wir in frühester Jugend, um dann im Laufe des Lebens
einen langsamen, aber unaufhaltsamen „Ver- trocknungsprozetz" durchzumachen. Das Kind im Mutterleib enthält 94 Prozent Wasser, das Neugeborene 69 Prozent. In den folgenden Lebensjahren bleiben wir noch relativ „saftig"; man rechnet durchschnittlich, daß ein Zehnjähriger noch > zu 62 Prozent und ein rüstiger Siebziger aus 58 Prozent Wasser besteht. Im Ereisenalter macht dann der Austrocknungsprozeß rasche Fortschritte, wir sehen dies äußerlich am schnellen Verwelken der Haut, an der Schlaffheit und starken Falten- und Runzelbildung.
15 Tonnen Bier und 10 Tonnen Wasser
Wissen Sie schon, daß der durchschnittliche Europäer in 70 Jahren genau 1400mal soviel ißt, als sein Körpergewicht heträgt? In dem gleichen Zeitraum trinkt der Durchschnittsmensch in Europa 10 Tonnen Wasser und 15 Tonnen Bier! Bei diesem erstaunlichen Nahrungskonsum müssen wir der Natur besonders dankbar dafür sein, daß sie uns mit einem entsprechenden Verdauungsapparat ausgerüstet hat. Selbst der schlankeste und dünnste Mensch trägt in seinem Leib ein kunstvoll zusammengelegtes Verdauungsrohr, das seine Körpergröße um das Neunfache übertrifft.
Dieser Mensch, der 1400mal sein Körpergewicht verschlingt und ein Drittel seines Lebens — etwa 25 Jahre — verschläft, vollbringt trotzdem Kraftleistungen, die geradezu unwahrscheinlich anmuten. Selbst der größte Faulpelz ist,, ohne es zu wissen, ein unermüdlicher Schwerarbeiter, der hartnäckigste Langschläfer leistet im Schlafe erhebliche Arbeit. Nur wenige Beispiele sollen dies beweisen. Unser Herzmuskel befördert bei einer ununterbrochenen siebzigjährigen Arbeit 250 Millionen Liter Blut. Diese ungeheure Flllssig- keitsmenge, mit der man einen riesigen Gaso- > meter bis oben hinauf füllen könnte, wird von,
dem kleinen Herzmotor durch die Blutgefäße des ganzen Körpers hindurchgepumpt. In jeder Stunde sind es 400 Liter, an jedem Tag 10 Tonnen, die unser Herz — ohne Arbeitspause — bewältigt. Man hat dies mit anderen mechanischen Arbeitsleistungen verglichen und dabei festgestellt, daß die Leistungen unseres kleinen Herzens ausreichen würden, um einen erwachsenen Menschen
M. Ä. von Lütgendorss
Hivei i
„Unser Leben ist gewiß oft eine Kette von Richtigkeiten, aber wenn es schließlich auch durch eine Nichtigkeit endet, ist es ganz besonders jämmerlich, finde ich", sagte der alte Jäger, den wir den „Argentino" nannten, weil er sich lange Jahre unten in Südamerika herumgetrieben hatte. „Ich habe solche Fälle drüben oft genug miterlebt, denn die Kerle dort werfen ihr Leben, weiß Gott, für nichts und wieder nichts hin. Einmal aber erlebte ich's besonders typisch.
Ich hatte auf Jaguare gejagt in der Zentral- Pampa, der riesigen Sumpfebene, die der Rio Eolorade ausströmt. Ein Gaucho, Diego hieß er, war mein Begleiter. Aeutzerlich der richtige argentinische Gaucho, in der Lederjacke und der tuchenen Ehiripa um die Schenkel. Auf dem Pferde saß er tannengerade, und ein Reiter war er, wie ich keinen zweiten gesehen. Wir waren von der Dunkelheit überrascht worden, aber Diego wußte irgendwo in der Nähe eine Pulperia, ein Land-Wirtshaus, in dem wir allenfalls übernachten konnten. Mir war es zwar ^ nicht besonders darum zu tun, eine Nacht in einer solchen Mord- und Totschlagshöhle, wie diese einsamen Pulperias ja immer sind, zuzubringen, aber ich wußte, daß Diego für die Tochter des
in einer Stunde vom Keller bis zum Dachgeschoß eines mittleren Hauses emporzuheben. Ebenso erstaunliche Leistungen vollbringt unser Brustkorb, der sich von der Geburt bis zum Tode rhythmisch erweitert und zusammenzieht. Die Arbeit, die der atmende Brustkorb in einer Nacht leistet, genügt, um fünf Zentner Kohle eine Etage hinauszubefördern.
Volichero, die schöne Jsabel, etwas übrig hatte, und gab deshalb nach.
Also wir ritten auf die Hütte zu und von weitem schon sahen wir das Licht aus der offenen Tür Herausleuchten. Da, auf einmal, wir mochten ungefähr hundert Schritte von dem Hause entfernt sein, hielt Diego mit jähem Ruck sein Pferd an. Ich natürlich auch. Aber was los war, merkte ich erst an dem wilden Fluchen des Gaucho: „Verdammt, Sennor, „raunte er, „sehen Sie hin!"
2ch ritz mein Glas vor die Augen und sah dann, daß im Gastraum unter der Petroleumhängelampe ein .paar Gauchos saßen und tranken, und zwischen ihnen, ganz dicht an einen der Kerle geschmiegt, die schöne Jsabel.
Was nun kommt, ging innerhalb ein paar Sekunden vor sich. Ich hörte einen scharfen Knall, und im selben Augenblick erlöschte drüben die Lampe.
„Denen hab' ichs versalzen!" lachte der Gaucho, „denn eine zweite Lampe haben sie nicht! — Gehen wir weiter!"
„Nein! Nicht weiter!" befahl ich. „Sofort zurück! Wir übernachten im Freien. Wenn wir jetzt hinkommen, weiß man doch gleich, wer den