Ausgabe 
(7.3.1935) Nr. 66
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v reiner

das amttiche Srgan -es Senats

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-er Smen Lansestadt vremen

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Nr. 6S / 3. Jahrgang

Donnerstag, 7.

März

Einzelpreis is Rpf.

Eine folgenschwere Vresfefehde in Südamerika

Spannung Argentinien - Chile

Streitpunkte: Shacofrage und chilenisch-peruanischer Handelsvertrag

Buenos Air es, 8. März.

Das argentinische Autzenministerium gibt eine Erklärung als Antwort aus heftige Angriffe des chilenischen BlattesEl Mercurio" gegen den argentinischen Außenminister heraus, die in offi­ziellen argentinischen Kreisen lebhaftes Befrem­den und Erregung ausgelöst haben.

El Mercurio" in Valparaiso, der der chile­nischen Regierung als Sprachrohr dient, brachte einen Bericht über eine Unterredung seines Ver­treters mit dem früheren chilenischen Außen­minister Augustin Edwards. In der Unterredung wirft Edwards in unhöflicher, verletzender Form dem argentinischen AußenministerMachiavel- lismus" vor und behauptete, dieser habe in der Chaco-Frage einen unklaren und Chile ge­genüber unaufrichtigen Kurs gesteuert. Edwards sieht darin den Hauptgrund, daß der Chaco-Krieg

noch nicht beendet ist. Auch wirft Edwards dem argentinischen Minister eine Störung des chi­lenisch - peruanischen Handelsver­trages vor.

Die Angriffe verfolgten offenbar die Absicht, die eventuell in Aussicht genommenen Zusammen­kunft dos argentinischen Präsidenten mit dem chilenischen Präsidenten zu verhindern, da nach chilenischer Auffassung verschiedene Punkte zwi­schen Argentinien und Chile noch immer nicht bereinigt sind.

Der argentinische Botschafter in Chile, der zur­zeit auf Erholungsurlaub ist, erhielt die Anwei­sung zu sofortiger Rückkehr nach Santiago. Das Kommunique des argentinischen Außenmini- skriums weist in vornehmer Form die Angriffe als völlig unberechtigt zurück und stellt sie sachlich richtig, indem es ausführt, wie Argentinien stets

ehrlich um die Sache des Friedens zwischen Para­guay und Bolivien bemüht gewesen sei.

Hinsichtlich des Handelsvertrages zwischen Chile und Peru sagt das CommuniquS, daß die argen­tinische Regierung pflichtgemäß bei beiden Regie­rungen Vorstellungen erhoben habe, weil der Handelsvertrag die argentinischen Weizenexport­interessen schädige. Die anschließenden diploma­tischen Verhandlungen, sagt das CommuniquS, hätten sich in herzlicher Fdrm auf ordnungsmäßi­gen Wegen und mit günstigen Aussichten ent­wickelt.

Aus Santiago traf um 23 Uhr die Nachricht ein, daß der chilenische Präsident aus Vina del Mar, wo er zur Erholung geweilt hat, nach Santiago zurückgekehrt ist und den Ministerrat zusammengerufen hat. Die Radikalen Chiles ver­langen die Einberufung des Kongresses.

Griechische Rebellen fliehen

General Kondylis garanNert den Sieg der Regierungstruppen

Athen, 6. März

In Athen und in Piräus sind im Zusammen­hang mit den Aufständischen etwa 1000 Personen in Schutzhaft genommen worden, darunter die Parteiführer Papanastasiu und Mylo- nas. Alle Offiziere des griechischen Heeres, die nicht das völlige Vertrauen der Regierung ge­nossen, wurden durch Vertrauensleute ersetzt. Durch die einberufenen Reservisten ist die Armee wieder aufgefüllt worden. Im Arsenal wird fie­berhaft an der Ausbesserung der von den Re­bellen unbrauchbar gemachten Schiffe gearbeitet. Auf die Meuterer werden vorläufig keine wei­teren Luftangriffe unternommen werden, weil die Schiffe der Aufständischen planlos umherma- növrieren und keinerlei Kampfhandlungen unter­nehmen.

In Peloponnes, in Thessalien und in Epirus sowie auf den Inseln sind Heer und Bevölkerung regierungstreu geblieben. In Saloniki, wo Ge­neral Kondylis mit-regierungstreuen Regi­mentern eintraf, herrscht völlige Ruhe. Der Ge­neral trifft hier seine weiteren Vorbereitungen. Luftangriffe sowie Aufklärungsmanöver der Rei­terei führten bereits zu den ersten Gefechten. Von dem Ausgang der Kämpfe am Strymon-Fluß hängt jede weitere Beurteilung über Sieg oder Niederlage der Aufstandsbewegung ab.

Die Regierung hat nunmehr das Gesetz zur Be­schlagnahme des Vermögens der Aufständischen und ihrer Angehörigen unterzeichnet. Allen grie­chischen Schiffen ist das Auslaufen aus den grie­chischen Häfen verboten worden. Ausländische Schiffe werden einer strengen Kontrolle unter­zogen. General Kondylis hat eine Erklärung ab­gegeben, daß für die Rebellen nicht die geringste

Siegesaussicht bestehe. Er garantiere für einen Sieg der Regierungstruppen. Bor dem Kriegs­gericht haben die ersten Verhandlungen gegen verhaftete Aufständische begonnen.

Die griechische Regierung hat der griechischen Gesandtschaft in Alexandria mitgeteilt, es sei möglich, daß die Schiffe der Aufständischen nach Alexandria zu fliehen versuchen. Der Ge­sandte hat darauf den ägyptischen Ministerpräsi­denten aufgefordert, für diesen Fall das inter­nationale Gesetz zu befolgen und die Aufstän­dischen zu entwaffnen. Aus Paris wird mitge­teilt, daß die Abreise des griechischen Generals Plastiras aus Cannes und sein Aufenthalt in Italien jetzt bestätigt seien. General Plastiras soll gegenwärtig in Brindisi den Gang der Ereignisse in Griechenland abwarten und sich zur Rückkehr nach dort bereithalten.

Halbmast

am Tage der Beisetzung Gchemms

Berlin, 6. März.

Wie die NSK. mitteilt, hat der Führer folgende Anordnung erlassen: Am Samstag, dem 8. März, dem Tage der Beisetzung meines tödlich ver­unglückten Gauleiters Hans Schemm haben die Gebäude sämtlicher Dienststellen und Gliederungen der NSDAP. und ihrer Nebenorganisationen die Flaggen aus halbmast zu setzen!

gez.: Adolf Hitler.

(Mitteilungen über die Trauerfeierlichkeiten für den tödlich verunglückten Gauleiter im Innern ->es Blattes.)

Achtung OrtögeuppenMrer!

München, 6. März.

Der Leiter der Hilfskasse der NSDAP. gibt Lekünnt: Nach wie vor ereignen sich unzählige Anfälle und Todesfälle im ehrenamtlichen Par­teidienst, es wird daher auf die Pflicht zur vor­schriftsmäßigen Meldung und Beitragsüberwei- süng nachdrücklich hingewiesen. Bis zum 22. März 1835 müssen sämtliche Hilfskassenbeiträge für den Monat April 1S3S auf das Spargirokonto Nr. 5000 der Hilfskasse der Nationalsozialistischen Deutschen Arbeiterpartei München, bei der Bayerischen Eemeindebank (Girozentrale), Mün­chen, überwiesen werden. In Ausnahmefällen kann die Beitragszahlung auf das Postscheckkonto München 8817, Hilfskasse der Nationalsozialisti­schen Deutschen Arbeiterpartei, erfolgen.

Die Ortsgruppenleiter werden dringend er­sucht, für rechtzeitige und vollständige Einziehung der Beiträge von allen denjenigen, die der Hilfskasse zu melden sind (sämtliche Par­teimitglieder, SA.-Männer, SS.-Männer, NS.- KK.-Männer, einschließlich aller Anwärter) zu sorgen, ebenso wie die sorgfältige Nachzahlung aller etwaiger Rückstände vorzunehmen ist. Die Beitragszahlung zur Hilfskasse ist laut mehrfach ergangener Anordnung Adolf Hitlers Pflicht aller Mitglieder. gez.: Geitzelbrecht.

Wir protestieren . ..

Zwischenfall im Osloer Theater

Oslo, 6. März

Studenten und andere Mitglieder einer patrio­tischen Jugendorganisation veranstalteten im Os­loer Nationaltheater große Demonstrationen gegen das SchauspielDer Henker" von dem schwedischen Verfasser Paer Lagerkvist. Die demonstrierenden Studenten waren der Meinung, daß das Schauspielhaus eine gewisse Tendenz gegen die nationalsozialistische Bewegung hätte. Dreimal gab es große Pfeifkonzerte, und die De­monstranten riefen:Wir protestieren gegen die Beschimpfung eines fremden Staates." Der Ver­fasser hat erklärt, das Schauspiel habe nur eine allgemeine Tendenz gegen Gewalt und Terror und sei nicht gegen ein einzelnes Land gerichtet.

Neue Gebietsführer der HJ. Oberbannfiihrer Kohlmeyer wurde zum Gebietsführer des Gebie­tes 6 (Nordmark) und Oberbannführer Eotthard Ilrban zum Gebietsführer z. b. V. im Stab der Reichsjugendführung befördert.

Arbettsschlacht im Saarland

Saarbrücken, 6. März.

Unmittelbar nach der Uebergabe des Saar­gebietes an die deutsche Regierung begannen am Sonntag in Saarbrücken die Besprechungen über beschleunigte Einleitung von Maßnahmen der Reichsregierung zur Bekämpfung der Arbeits­losigkeit im Saargebiet. Die Besprechungen wur­den in Fühlung mit dem Beauftragten des Reichskommissars für die Rückgliederung des Saargebietes vom Präsidenten der Reichsanstalt für Arbeitsbeschaffung und Arbeitslosenversiche­

rung, Dr. Syrup, persönlich geführt. Ausgegan­gen wurde hierbei von umfangreichen Vorarbei­ten, die bereits in den vergangenen Monaten von den deutschen Dienststellen im Saargebiet geleistet worden waren.

Zweck der Besprechungen war, durch unmittel­bare Aussprache mit den Beteiligten unter Ver­meidung jeder bürokratischen Hemmungen die Durchführung und Finanzierung größerer öffent­licher Notstandsarbeiten an Ort und Stelle so festzulegen, daß der Beginn sofort er­folgen kann. 2n den Besprechungen waren zu­gegen der Präsident des Landesarbeitsamtes Rheinland, Dr. Beisiegel-Köln, Vertreter der

sten Straßenpflasters der Welt, nämlich der Mar­morplatten, die man in einer respektlosen Zeit von der Akropolis in diese Straße heruntergeholt hat. Ein wunderbarer Kontrast: Das Menschengewühl der Stadionstraße und dort drüben am Berg in seiner weißen Schönheit die Silhouette von Aero- pag und Akropolis.

Militär

Das griechische Militär spielt im Straßenleben der Stadt absolut nicht die pompöse Rolle wie im alten Griechenland. So halten vor dem Grabmal des unbekannten Soldaten zwei Po­sten die Ehrenwache, die unter je einem Sonnen­schirm postiert sind. Die griechischen Vaterlands­verteidiger scheinen recht sonnenempfindlich zu sein.

Aus Ersparnisgründen steht ja nicht das ge­samte Volkunter den Waffen", sondern man macht von der allgemeinen Wehrpflicht nur einen recht beschränkten Gebrauch, um vier Korps mit 11 Divisionen, 33 Infanterie-, 11 Artillerie- und 5 Kavallerie-Regimenter unter der Fahne zu hal­ten. Die Kriegsflotte besteht lediglich aus einem modernen Panzerkreuzer, aus einem Geschützten Kreuzer, 11 Zerstörern, 10 Torpedobooten und 10 U-Booten.

Sehr gut sieht die Fliegertruppe aus, die eine schmucke stahlblaue Uniform trägt und offenbar aus den besten Elementen zusammengesetzt wird. Die drei Flieger-Regimenter verfügen über etwa 100 englische und französische Kriegsflugzeuge modernster Konstruktion, Avro-Doppeldecker, Mo- rane-Jagdeinsitzer,Fairy Dill'" Küstenauf- klärer und Hawker-Horsley-Bomber als Torpedo- Flugzeuge.

Tatst

Durch die Entwicklung des Weltluftverkehrs ist der Athener Flugplatz Tatoi einer der wichtigsten internationalen Flüghäfen geworden. Ueber

Zweigstelle und die Vorsitzenden der im Saar­gebiet neu gebildeten vier Arbeitsämter. Auch Vorstandsmitglieder der Deutschen Gesellschaft für öffentliche Arbeiten, Berlin, waren anwesend.

Die ersten Besprechungen hatten bereits ein erfreuliches Ergebnis. Dank des verständnis­vollen Zusammenarbeitens aller Beteiligten ist es gelungen, eine große Anzahl öffentlicher Ar­beiten in Gang zu bringen. Sie werden es er­möglichen, in kurzer Zeit über 5808 arbeitslose Volksgenossen im Saargebiet wieder in Arbeit und Brot zu bringen. Die Auswirkungen, die die Arbeiten auf die saarländische Wirtschaft haben werden, sind hierbei noch nicht eingerechnet.

Athen greifen als den letzten europäischen Lan­dungsplatz vor lleberquerung des Mittelmeeres und vor dem Absprung nach Asien die englischen, holländischen und französischen Welt-Routen nach Vorderasien, Indien und Australien auf der einen Seite und nach Nord- und Südafrika nach der an­deren Seite aus. So ist Tatoi in den letzten Jahren eine ArtLuftkreuz Südosteuropas" gewor­den, wenngleich der Lufthafen an sich nicht gerade sehr günstig zur Hauptstadt Athen gelegen ist. Er liegt zu weit vom Athener Verkehrs- und Frem­denviertel entfernt und hat einige flugtechnische Tücken". Gefährliche Abwinde der benachbarten Uferberge gefährden mit mathematischer Genauig­keit beim Einsetzen einer gewissen Windstärke den Flugverkehr. Den Militärfliegern macht das we­nig aus. Sie können sich im letzten Augenblick noch durch einen kühnen Absprung mit Hilfe des stets am Rücken mitgefühlten Fallschirms retten.

Interview am

Berlin ist bestimmt eine gesellige Stadt. Wer das in Abrede stellt, beweist, daß er es nicht kennt. Trotz der nur allzuviel beschworenen Hetze" und des sagenhaftenTempos" können die vielen Berliner und die noch zahlreicheren Nichtberliner sehr wohl auch mal die Lust und die Muße zum Feiern aufbringen, und von die­sen Feiern ist zu sagen, daß sie durchweg gut auf­gezogen sind und ihre Gäste ausgezeichnet unter­halten. Bekannt sind ja die großen Pressefeste und Filmbälle, die immer einige tausend Besucher für ein paar frohe Stunden vereinigen, weniger bekannt dagegen die intimeren kleineren Fest­lichkeiten, die straßauf, straßab in der mehr oder wenigerguten Stube" ausgerichtet werden, und über solch ein kleines Fest oder besser sein Nach­spiel, das Aufräumen, wollen wir einmal einen

Atktlettcies

K. KIü. Es ist nicht nur der seltsame Me- melländer-Prozeß vor dem Kriegsgericht in Kowno, der uns seit Wochen mit zunehmen­der Sorge und tiefem Mitgefühl den Kampf der Memeldeutschen gegen die litauische Willkürherrschaft verfolgen läßt. Die Li- tauisierungsmatznahmen haben in jenem urdeutschen Gebietsstreifen an der Ostsee auf der ganzen Linie eine derart kulturvernichtende Schärfe angenommen, daß dem unerträglichen Leid unserer Volks­genossen endlich eine Grenze gesetzt werden muß. Was haben die Bewohner an der Me­ine! trotz ihrer staatspolitischen Loyalität ge­genüber Litauen alles über sich ergehen lassen müssen! Die ihnen feierlich verbrieften Rechte der Selbstverwaltung wurden mit Füßen getreten, indem ein Regierungsdirektorium nach dem anderen entgegen der überwiegend deutschen Zusammensetzung des Landtages mit Großlitauern besetzt wurde. Verdienst­volle Beamte wurden mit ihren Familien ausgewiesen, nur, weil sie sich der Pflege des im Autonomie-Statut ausdrücklich ge­schützten deutschen Kulturgutes widmeten. Völlig unbegründete Verdächtigungen staats- verräterischer Tendenz genügten, um fried­liche Bauern und Arbeiter hinter Schloß und Riegel zu bringen, ja, unglaublichen Folter­qualen auszusetzen. Der Kampf gegen die festwurzelnde deutsche Sprache wurde. Recht und Gesetz zum Hohn, soweit getrieben, daß in Zukunft zum Landtag nur Kandida­ten mit bestem litauischen Sprachkönnen zu­gelassen werden sollen. Das Parlament schließlich wurde durch Mandatsaberkennun­gen und gewaltsames Fernhalten einzelner Abgeordneter arbeitsunfähig gemacht. Dies sind nur ganz wenige Beispiele aus der un­übersehbaren Reihe litauischer Rechtsver­letzungen.

Dabei erfolgte die Abtrennung des Me° melgebietes vom Reich vor eineinhalb Jahr­zehnten ohne Befragung der betroffenen Be­völkerung. DasSelbstbestimmungsrecht der Völker" sollte eben nur da seine Anwen­dung finden, wo man nach Meinung der Volksbeglücker" nicht mit einem Bekennt­nis zum Deutschtum zu rechnen hatte. An der Memel aber stand der deutsche Charakter der Bevölkerung ganz außer Zweifel. Findet man doch sogar im Bericht der Völkerbundskommission von 1923 die Feststellung:Memel, die älteste deutsche Stadt in Ostpreußen, hat niemals zu Litauen gehört. In der Stadt wohnen fast nur Deutsche. Anders kann es ja auch nicht sein, da die deutsche Grenze seit 600 Jahren unverändert geblieben ist." Anders wirdes auch niemals sein so möchten wir unsererseits hinzufügen, und wenn die Kownoer Stellen ihre Gewaltmethoden und ihre Politik der «chikanen noch inten­siver gestalten sollten!

Die litauischen Behörden pflegen das Me- melland mit dem Namen Klaipeda zu be­zeichnen. Welch fataler Irrtum ist den Deutschenhassern hier unterlaufen! Wie das ganze Gebiet nicht litauisch ist, kann nämlich auch jener Name kein litauisches Geburts­recht für sich in Anspruch nehmen. Er ist, was die sprachwissenschaftliche Forschung be-

Anders liegen jedoch die Dinge bei einer schwe­ren, geschlossenen und vollbesetzten Kabinenver- kehrsmaschine. Hier geht eben so manches Flug­zeug vor seiner Zeit zu Bruch. So hat man denn also die Errichtung eines neuen Verkehrsflug­hafens in Neu Phaleron, in der Nähe des See­flughafens in Aussicht genommen, der bedeutend näher an der Stadt gelegen ist und vom Militär­flugplatz vollkommen getrennt werden soll. Es ist nicht jedermanns Sache, sich nach der Landung von der Flugpolizei bis zum Besteigen des Autos zur Stadt mit Argusaugen bewachen zu lassen, da­mit ja keines derKriegsgeheimnisse" des Mili­tärflughafens verraten wird.

Dazu sind die griechischen Flieger und Flug­polizisten viel weniger romantisch .aufgezäumt" wie ihre Kameraden von denEvzones", die mit ihrem Wickelröckchen das idyllische Eriechenvolk repräsentieren.

Aschermittwoch

Hausherrn hören. Wir schalten um auf die Atelierwohnung!

Die letzten Gäste sind schon seit ein paar Stun­den fort. Dann hat die Belegschaft des Hauses noch eine kleine Weile zusammengehockt und ist dann doch noch schlafen gegangen. Das Kostüm­fest ist aus. Es will schon Nachmittag werden, da der Hausherr sich erhebt. Die schrägen Strah­len dervormärzlichen" Sonne beleuchten ein Trümmerfeld, einen Schlachtplatz, eine Walstatt. Seufzend rafft der glückliche Wohnungsbesitzer die Zipfel seines Morgenmantels zusammen und stol­pert durch die Luftfchlangenballen. Besen und Schaufel bekommen zu tun: schließlich ist sich jeder selbst die nächste Hausfrau, wo eine fehlt, und ein Chaos verlangt eine starke Hand. Die Wände starren mit frostig-strengem Alltagsgesicht

William Wsrren

Griechischer Bilderbogen

Äthen eine bayrische Gründung

Als die Völkerwanderung ihren Menschenstrom über die nördlichen Ufer des Mittelmeeres ergossen hatte, versank auch das älteste Kulturzentrum Europas, Athen, mit seiner jahrtausendealten Ge­schichte im Wirbel der germanischen und früh­byzantinischen Epoche. Kaiser Justinian I. schloß im Jahre 529 nach Christus die Universität, womit Athen mit seiner Akropolis und seinem Parthenon in der Enge einer bedeutungslosen Provinzstadt versank. Die Türkenflut des 14. und 15. Jahr­hunderts erlöschte die letzten Ueberreste der strahlenden Kulturmetropole Athen und unter den Minaretts, die am Berghang der Pallas Athene entstanden, wurde die berühmteste Stadt des klassischen Altertums ein unbedeutendes Dorf.

Als dergriechische Befreiungskampf" neues Interesse für die Stätten altgriechischer Kultur er­weckte und der König Ludwig von Bayern seinen Sohn Otto nach Griechenland entsandte, um ihm auf altgeweihtem Boden eine Königsaufgabe zu über­tragen, sah man sich erst einige Jahre lang um eine neue Hauptstadt um. Der Quartiermacher Ottos, Hauptmann von Predl, der mit einem bayrischen Bataillon dem neu gewählten König der Griechen vorausritt, berichtete am 31. März 1834 über das damalige Athen:Was ich im Schein des Mondes für große Gebäude hielt, stellte sich als nacktes, ausgebranntes und ge­stürztes Gemäuer dar. Darüber wölbten sich die breiten Kuppeln der Moscheen und der Sperber umkreiste die schlanken Minaretts." Athen hatte damals kaum 5000 Einwohner und wurde erst durch dieEriechenliebe" seines bayrischen Kö­nigs rund um die Bergkuppe Akropolis die Stadt,

die heute mit ihren beinahe eine Million be­tragenden Einwohnern eine geistige und wirt­schaftliche Zentrale Südosteuropas geworden ist.

Die Staüionstraße

Das heutige Athen, das durch den Schloßbau König Ottos, unterhalb der Akropolis, amVer­fassungsplatz", eine neue Kraftquelle der Städte- bildung erhalten hat, wird durch dieStadion­straße", die den im nördlichen Stadtteil liegenden Eintrachtsplatz" (denOmonia") mit dem Schloß verbindet, in zwei Hälften geteilt. Im Süden die Altstadt mit der Akropolis, dem Aeropag, dem Theater des Dionysos und dem Odeion des Herodes. 2m Nordosten, jenseits der Stadionstraße, das moderne Viertel rund um den Waldberg des Lyka- bettos, mit seinen viereckigen Straßenzllgen, mo­dernen Häusern und weitangelegten Parks.

Eine Untergrundbahn verbindet den dicht nörd­lich der Akropolis gelegenen Bahnhof Theseion mit dem unterirdischen Piräus-Bahnhof am Ein­trachtsplatz. Der Athener liebt diesen Haupt­platz Athens, denOmonia", mit seinen zahllosen Kaffeehäusern, vor deren Fensterscheiben sich die Regimenter der Marmortischchen zu Bataillonen gruppieren. Man fühlt ordentlich auf dieser Omonia", daß man sich in einer südlichen Stadt befindet, in der es nicht für unschicklich gilt, sich stundenlang auf einem Sessel oder auf mehreren dieser unentbehrlichen Requisiten des Athener Kaffeehauslebensauszubreiten" und die Zeit totzuschlagen. Der eigentliche AthenerBummel" aber brandet am Eintrachtsplatz vorbei durch die Stadionstraße mit ihren eleganten Läden und großen Kaufhäusern, rechts und links des kostbar-