Ausgabe 
(28.3.1935) Nr. 87
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klas amtliche Organ -es Senats

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ns.-wauverrag 4veser.Ems G. m. V. H„ Bremen, Am Eeeren 8-8 , Fernsprecher: Roland 628.

Nr. 87 / 3. Jahrgang

Zeitung

-er Freien Hansestadt öre men

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Donnerstag, 28. März

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Hunderttaufende protestieren in der Reichshauptstadt

Gegen das Blutgericht von Kowno

Dr. Gteinacher: Die litauischen Gewalthaber gehören auf die Anklagebank

DorpmMer wiedergewählt

zum Generaldirektor der Reichsbahn

Berlin, 27. März.

Am 26. und 27. März trat der Verwaltungsrat der Deutschen Reichsbahn zu einer ordentlichen Tagung zusammen. Er wählte den seit 1926 im Amt befindlichen Generaldirektor Dr.-Jng. e. h. Dorpmüller zum vierten Male einstimmig auf weitere drei Jahre zum Generaldirektor der Deutschen Reichsbahn. Der Führer und Reichs­kanzler hat die Wahl bestätigt.

Bei den Veratungen über die Finanzen der Deutschen Reichsbahn wurde festgestellt, daß die Einnahmen im Januar und Februar im Per­sonen- und Eepäckverkehr eine Zunahme vom 8,7 v. H. und im Güterverkehr eine Vermehrung um 6,6 v. H. gegenüber dem Vorjahre erfahren haben. Um rechtzeitig Vorkehrungen für den Ver­kehr der Winter-Olympiade 1936 zu treffen, gab der Verwaltungsrat seine Zustimmung zu Er- weiterungs- und Ergänzungsbauten an der Strecke München—Earmisch-Partenkirchen.

Hauskonzert beim Führer

Berlin, 27. März.

Nach dem Abschluß der Besprechungen mit dem englischen Außenminister Sir John Simon und dem Lordsie^elbewahrer Mister A. Eden hatte der Führer und Reichskanzler Dienstag abend die englischen Gäste und einen kleinen Kreis führen­der politischer Persönlichkeiten zu sich zu einem Abendessen eingeladen, an dem auch mehrere be­kannte Künstler teilnahmen. Nach dem Essen fand ein Hauskonzert statt, bei dem Kammersängerin Ursuleac, begleitet von Dr. Richard Strauß, sowie die Herren Professor Backhaus, Pro­fessor Trümmer, die Kammersänger Schlus- nus, Bockelmann, Patzak und Michael Raucheisen mitwirkten. Die genannten Künst­ler brachten deutsche und englische Musik in voll­endeter Form zum Vortrag, und ernteten, insbesondere auch seitens der englischen Gäste, begeisterten Beifall.

Kabinettsumbildung in Volen?

Warschau, 27. März.

In polnischen politischen Kreisen hält man nach Abschluß der jetzigen Sejm-Session eine Umbildung des polnischen Kabinetts für möglich. Da die Hauptaufgabe der Regierung die Durchführung der Neuwahlen auf Grund der neuen Verfassung ist, wird der Staatspräsident die Autoren der neuen Verfassung ins Kabinett berufen. Dabei wird voraussichtlich der Präsident des parlamentarischen Regierungsblocks Oberst Slawek zum Ministerpräsidenten ernannt werden.

Amerika rüstet weiter

Washington, 27. März.

Das Repräsentantenhaus nahm eine Vorlage für die sofortige Erhöhung des Marineoffiziers­korps um 1660 Offiziere an. Ferner wurde eine Vorlage zwecks Schaffung einer Fliegerschule für Marinekadetten angenommen, um angesichts der Verdoppelung der Zahl der MarineflugzeuHe den gegenwärtigen Mangel an Flugzeugführern aus­zugleichen.

Berlin, 27. März.

In der Reichshauptstadt hatten der Volksbund für das Deutschtum im Auslande und der Bund deutscher Osten für Mittwoch abend zu vier Pro­testkundgebungen gegen das Kownoer Mordurteil aufgefordert.

2m Lustgarten standen Hunderttausende von Menschen Kopf an Kopf. Von der Rampe des Schlosses herab sprach der Führer des VDA., Dr. Stein ach er. Es ist, so erklärte er, nicht Schuld der Memelländer, die so gut wie die übrigen Ostpreußen ihre Pflicht im Kriege er­füllt haben, daß sie fremder Gewalt überantwor­tet blieben.

Ist es ein Wunder, wenn auch im Memelland das Gesetz von Blut, Art und Sprache zur Er­neuerung drängte und sich mit dem Geiste des neuen Deutschland traf? Die Begeisterung der Memelländer hatte nichts zu tun mit staatspoli- tischen Zielen. Am wenigsten dachten die Memel-

Leipzig, 27. März.

Der zweite Tag der Reichstagung der Deut­schen Arbeitsfront begann mit einer feierlichen Protesterklärung gegen das Kownoer Bluturteil. Im weiteren Verlauf sprach Reichsinnenminister Dr. Frick über das Thema: „Das Dritte Reich und die Verwirklichung der deutschen Volksge­meinschaft". Er führte aus: „Das Dritte Reich hat sich das große Ziel gesteckt, alle Kräfte nicht nur äußerlich, sondern auch innerlich einzig und allein zum Wohl des deutschen Volkes, seiner Größe und Ehre zusammenzuschließen. Diese Ziel­setzung ist erstmalig in der deutschen Geschichte.

Der nationalsozialistischen Revolution von 1933 blieb es vorbehalten, zum erstenmal in der Ge­schichte des deutschen Volkes den Bau eines deutschen Einheitsstaates einzulei­ten.

Auf wirtschaftlichem Gebiet hat es sich die Deutsche Arbeitsfront zum Ziel gesetzt, Unterneh­mer und Arbeiter unter dem nationalsozialisti­schen Grundsatz „Gemeinnutz vor Eigen­nutz" in einer Einheit aller Schaffenden der Faust und der Stirn zum gemeinsamen Wohl zu­sammenzuschließen. Ucoer allem, was wir tun, steht das eherne Gesetz, alle Handlungen so ein­zurichten, daß sie der Stärkung der Lebenskräfte des ganzen Volkes dienen.

Das Gesetz zur Ordnung der nationalen Arbeit, das die Sozialverfassung des Dritten Reiches ein­

ander an bewaffneten Aufstand. Die litauischen Machthaber aber erkannten in ihrem schlechten Gewissen unter dem Eindruck des deutschen Auf­bruchs den letzten Zeitpunkt, um deutschen Heimatssinn und deutsches Volkstum niederzubrechen.

Gedungene Spitzel, anonyme Polizeiberichte, eine lächerliche Waffensammlung von Revolvern und Jagdbllchsen waren die Unterlagen dieser blamablenGerichtskomödie. Das ganze Gerichtsverfahren genügte schon allein, um die litauische Verwaltung vor allen zivilisierten Staaten zu disqualifizieren und die Verantwort­lichen aufzurütteln.

Wir fordern heut« Recht und Gerechtigkeit für das Leben und das Dasein wertvoller Men­schen, deren ganze Schuld darin besteht, daß sie ihr Volk lieben und ihrer Heimat treu bleiben! Nicht unsere Volksgenossen aus dem Memelland gchören auf die Anklagebank, sondern die litaui­schen Gewalthaber, die alle bestehenden Rechts­

leitete, geht davon aus, daß so wie im Ver­hältnis von Volk und Staat, auch im Verhältnis des Unternehmers gegenüber seinen Mitarbeitern, der Gedanke der Schicksalsverbunden­heit entscheidend ist. Ihren Ausdruck findet sie in der Betriebsgemeinschaft. Betriebs­führer und Gefolgschaft sollen die tragenden Kräfte der nationalsozialistischen Sozialver­fassung sein. Sie müssen in einem wahrhaften Treueverhältnis zueinander stehen. Der national­sozialistische Staat aber wacht als der Hüter der nationalsozialistischen Volksgemeinschaft darüber, daß in den Betrieben die Grundsätze der Ge­rechtigkeit und der Standesehre herr­schen.

Wir alle wissen, daß der nationalsozialistische Gedanke im öffentlichen Leben und in der Wirt­schaft noch lange nicht restlos durchgesetzt ist, so wie ja auch die Verfassung des Reiches noch nicht den letzten Forderungen der NSDAP. entspricht. Aber jeder deutsche Volksgenosse, der nicht blind oder böswillig ist, muß zugeben, daß das bisher Erreichte selbst die weitgehendsten Erwartungen übertrifft. Die gewerbliche Erzeugung ist von 79 v. H. auf 89 v. H. des Konjunkturhöchst­standes gestiegen und die Menge der hergestellten Ware, die 1932 nur 38 Milliarden betrug, ist im Jahre 1931 auf 83 Milliarden, also um mehr als 20 v. H. gestiegen. Das Arbeitseinkommen des deutschen Volkes, das 1932 auf 86 Milliarden ge­sunken war, ist im Jahre 1934 auf 62 Milliarden

gründ lagen den Gar anti emächten zum Spott und Hohn mit Füßen treten und den Frieden ge­fährden!

Zum ersten Male in dem bitteren Kampf der Nachkriegszeit wagt es ein Staat, bloße Erhaltung der Volkstumsbeziehungen unter das Vlutgericht zu stellen. Nicht um zu jammern und zu klagen sind wir hier, nein, um anzuklagen. Und unseren leidenden Volksgenossen an der Me.nel, insbesondere den Opfem der verbrecherischen Ju­stiz von Kowno, rufen wir zu:

Ihr seid nicht mehr allein! Deutscher starker Geist, lebendiges leidenschaftliches Empfinden, ein neues Deutschland von 166 Millionen ist mit Euch, stolz auf Euer Dulden und Bewähren. Mehr denn je senken sich Eure Leiden in die Herzen des deutschen Volkes, und wenn heute in spontanen Kundgebungen deutsches Volk aus den Straßen zusammentritt, so ist es Ausdruck dieser Gemeinschaft über die Grenzen hinweg.

(Siehe auch Seite 2)

gestiegen. Demgegenüber sank die Zahl der Er­werbslosen von* mehr als sechs Millionen auf etwas über 2 Millionen, was wiederum ein Ab­sinken der öffentlichen Ausgaben für die Erwerbs- losenfllrsorge von rund 3 Milliarden auf etwa 1,4 Milliarden im Jahre 1934 ergab. Gleichzeitig ist das Steueraufkommen bei allgemein gleichblei­benden Steuersätzen im letzten Jahre um fast eine Milliarde höher als dies im Voranschläge vorgesehen war.

Heute darf auch der deutsche Arbeiter wieder, frei von Minderwertigkeitsgefühlen, stolz sein Haupt erheben und sich als deutscher Volksgenosse bekennen. Er dars wieder zur Verteidigung des Vaterlandes die Waffe tragen, was von je nach germanischer Auffassung das Kennzeichen sür den freien deutschen Mann von Ehre war. Noch ringt jedoch unser Volk schwer um Arbeit und Brot, um die Freiheit der deutschen Arbeit und um seine politische Gleichberechtigung in der Welt. Gefolgschaft und Betriebssichrer müssen miteinander fühlen, daß sie im Werk nicht los­gelöst von der Allgemeinheit arbeiten und leben und darum nicht unabhängig von ihr handeln können, sondern daß sie die Glieder einer größeren Gemeinschaft bilden, der wir alle mit Leib und Seele verpflichtet sind, der wir dienen, und für die wir arbeiten und kämpfen, von deren Größe und Macht unser aller Zukunft, Glück und Schutz abhängt: „Die deutsche Volksgemeinschaft".

Die Ausgaben bee Reichswirlfchaftskammer

Die Reichswirtschaftskammer ist dadurch, daß sie gegründet ist, allein noch nicht leben­dig. Jede Einrichtung ist in dem Umfange bedeutend, in dem sie sich bewähr t. Im nationalsozialistischen Staate gilt das be­sonders, wo die eigene Leistung nicht durch den Erwerb von Abgeordnetenmandaten für die Syndici ersetzt werden kann. Und ferner besteht die Bewährung einer Einrichtung nicht darin, daß sie sich Ausgaben sucht, son­dern daß sie Aufgaben erfüllt.

Der Gedanke der Reichswirtschaftskammer ist außerordentlich gesund. In der Reichs­wirtschaftskammer sind zusammengefaßt die Handelskammern mit den Berufsgruppen der gewerblichen Wirtschaft. Sowohl die vertikale Gliederung der gewerb­lichen Wirtschaft, jetzt dargestellt in den Be­rufsgruppen Industrie, Handel, Handwerk, Banken, Versicherung und Energiewirt­schaft, als auch ihre horizontalen Gliederungen, die Industrie- und Handelskammern, sind geschichtlich geworden. Diese beiden Organisationen arbeiteten im verflossenen Staate aneinander vorbei, und weil sie getrennt waren, blieben ihre volks­wirtschaftlichen Aufgabenbereiche unsichtbar. Durch die Zusammenfassung der gesamten ge­werblichen Wirtschaft in der Reichswirt­schaftskammer ist sie auf das allgemeine Wohl ausgerichtet.

Jetzt kommt es darauf an, aus dieser Aus­richtung die praktischen Nutzeffekte heraus­zuholen. Und da fängt man am besten von unten an» in den Wirtschaftsbezir­ke n, die ja in der Wirtschaftspraxis verwur­zelt sind. Nicht von oben» der Reichswirt­schaftskammer, kann den Bezirkskammern Leben zufließen, sondern umgekehrt: von den Wirtschaftsbezirken aus kommt Leben in die Reichswirtschaftskammer. Solange die Bezirkskammern nicht praktische Aufgaben erfüllen, steht die Reichskammer mit dem praktischen Leben eben nicht in Beziehung und ist deshalb in die Theorie gedrängt. Ihre jetzige Aufgabe ist daher, die Bezirkskam­mern in die praktische Arbeit zu stoßen. Die Wirtschaftspolitik macht ja auch das Reichs­wirtschaftsministerium. Die Reichswirt­schaftskammer soll nur Werkzeug des nationalsozialistischen Staates sein, gleichsam die Brücke, die den Staat mit der Wirtschaftspraxis auf lebendige Weise verbindet. Da der nationalsozialistische Staat im Volke wurzelt, muß er auch in sei­ner Wirtschaft wurzeln. So kann er Wirt­schaftspolitik treiben, während der liberali- stische Staat in Wirtschaftstheorien ge­macht hat.

Die Aufgabe der nationalsozialistischen Wirtschaftspolitik ist Arbeitsbeschaf­fung uno Arbeitserhaltung. Die ganze gewerbliche Wirtschaft ist in diese Ar­beitsbeschaffungspolitik eingespannt. Die grundsätzlichen Maßnahmen trifft der Staat. An der Wirtschaft ist es, den Erfolg dieser Maßnahmen mit ihrer eigenen Energie aus­zuweiten. Staat und Wirtschaft können

„Alles für -ie Volksgemeinschaft!"

Reichsinnenminister Dr. Frick aus der Leipziger Tagung der DAF.

Die Wunder des Lebens

Berliner Brief von der großartigen Schau in den Ausstellungshallen am Laijerüsmm

Wunder des Lebens heißt die gewaltige Schau, die am Sonnabend in den fünf großen Ausstel­lungshallen am Kaiserdamm in Berlin ihre Pforten eröffnet hat. Und das Wunder dessen, was wir Leben nennen, den lebendigen, atmen­den Menschen vor allem, will man uns auf dieser Ausstellung mit einer noch nie dagewesenen Prä­zision und technischen Kunstfertigkeit nahebringen. Aber die technische Kunstfertigkeit vermag nichts gegen die Wucht der Erkenntnis, die man behält, wenn man alle Hallen durchwandert hat, daß zwar Mediziner und Wissenschaftler das Irdische unseres menschlichen Körpers jedes Geheimnisses entkleiden können, daß aber das alles nicht das Geheimnis um Leben und Seele zu erklären ver­mag. Die Schöpfung bleibt ein Wunder für uns, das Wunder, daß wir leben.

Im verdunkelten Raum auf leuchtender Schale erhebt sich der „gläserne M-nsch" in der Gestalt des „Betenden Knaben". Die Eellophan-Hülle des Körpers läßt den Knochenbau, die Gelenke und schließlich das Netz der Adern und Blutkreis­läufe im Scheinwerferlicht geheimnisvoll auf­leuchten. Wer weiß von dem Eleichgewichtssystem in den Wänden unseres Ohrganges? Wir sehen ein Ohr in riesenhafter Vergrößerung und eine blaue Flüssigkeit, die im gläsernen Ohrgang jede Pendelbewegung mitmacht, — ein präpariertes Ochsenherz angeschlossen an ein genau nachgebil­detes Röhrensystem, durch das das Wäger pulst, zeigt das atmende Herz, wie es ebenso bei dem Menschen arbeitet. Sechzehn verschiedene Augen­farben gibt es und an einem großen Modell unseres Auges erfahren wir genau, woher die Tränen ihren Weg nehmen und wie geschützt unser Auge in seiner Hülle liegt. Wo entsteht Aufmerksamkeit, Nachdenken, Schreck, Furcht in unserem Gehirn? Es wird so einfach erklärt. Man

drückt auf einen der vielen roten Knöpfe des großen Gehirnmodells und schon zeigt die neben­stehende Bildtafel, welche Gehirnzelle von den Empfindlichkeiten des Lebens getroffen worden ist. Wir erfahren, daß die Menschen heute doppelt so alt werden, wie vor hundert Jahren, daß das Durchschnittsalter von 29 Jahren um 1800 auf 38 Jahre 1934 gerückt ist, daß der Klang unserer Stimme durch Luftschwingungen gebildet wird, deren Zahl zwischen 80 und 10 000 in der Sekunde liegen, daß unsere linke Zungenhälfte mehr „Ee- schmacksknospen" besitzt, als die rechte und daß es Vormittags- und Nachmittagsmenschen gibt, mit verschiedenen Schlafbedürfnissen. Und dann wieder stehen wir ein wenig im Innersten ange­rührt vor den Präparaten, die uns die Entwick­lung vom Embrio zu dem kleinen Menschenkind zeigen, das mit allen guten und bösen Erban­lagen versehen im Schoße der Mutter wächst, bis sie es unter Schmerzen gebiert.

Die Familie ist die Keimzelle des Staates. Die in ihren Trieben und Leidenschaften, in ihrem Willen und Wollen beherrschte, bewußt auf gesun­der Grundlage aufgebaute Familie allein führt ein Volk vorwärts. Als Beispiel führt man immer wieder die Nachkommenschaft von Martin Kallikak an. Er zeugte in den amerikanischen Freiheitskriegen mit einer Schwachsinnigen einen unehelichen Sohn und heiratete später dann ein gesundes, bürgerliches Mädchen. Aus der direk­ten Nachkommenschaft der Schwachsinnigen waren von 480 Menschen nur 46 normal, alle anderen waren Trinker, Epileptiker, Verbrecher, Dirnen und Mörder. Die'496 Nachkommen aus der Ehe mit der gesunden Frau zeigen nur drei Miß­ratene, aber 493 erbgesunde, angesehene und wert­volle Glieder der Menschheit. Es ist erschütternd, das leider so reiche Material zu sehen, das aus

Krankenhäusern, Anstalten und vom Rassepoliti- schen Amt der NSDAP. zur Verfügung gestellt ist. Es ist besonders für eine „Frau unerträglich zu sehen, was für furchtbar verstümmelte, elende, erbkranke Kinder leben müssen, weil sie Gewissen­losigkeit und Gleichgültigkeit gezeugt hat und sie zu einem Leben verdammt, daß diesen Namen nicht verdient. Die Ehe war in den vergangenen Jahren Selbstzweck geworden, man vergaß Auf­gabe und Pflicht, die die Menschen mit dem Land, das sie ernährte, verbanden. Auf je 10 Frauen entfielen um 1900 3 Geburten, 1930 aber nur noch 1 Geburt, auf je 100 Frauen kamen ehelich Lebendgeborene 1880 --- 307 Kinder, 1933 aber nur noch 99 Kinder, obwohl die Anzahl der Frauen im fortpflanzungsfähigen Alter von 6 Millionen im Jahre 1900 auf 8,6 Millionen im Jahr 1933 gestiegen war und man begreift nicht mehr, daß man die Achtlosigkeit vor Leben, Frau und Vaterland ertragen hat, die uns die „mo­derne Malerei und moderne Literatur", von den wir Proben auf dieser Ausstellung sehen, ein­impfte, wir begreifen nicht mehr, daß wir nicht gesehen haben, wie unsere Jugendlichen ver­kamen und bar jedes Ziels und jeder Verant­wortlichkeit lebten.

Das neue Reich hat eingegriffen. Wir sehen in Tabellen und Bildern und in plastischen Dar­stellungen wie alles das, was die Familie als Keimzelle des neuen Deutschland brauchte, ge­schaffen und in Angriff genommen wurde: Die Wohnungs- und Siedlungsfrage, die Pflege der Frau, die Arbeitslosigkeit des Mannes, die Für­sorge für das Kind und für die Alten. Der Müt- terhilfsdienst wurde geschaffen und 100 000 Frauen lernten zum erstenmal erkennen, welche Aufgaben sie in der Ehe auf sich nahm. Der Reichsmütterdienst begann am Muttertag 1933 seine Arbeit. Die Lehrgänge in Stadt und Land begannen im Herbst 1933. Die Zahl der durch­geführten Lehrgänge betrug bis 1. 1 1938 4200 und die Voranmeldungen für weiter einzurich­tende Kurse 6800, überall in Deutschland, in Schlesien, in Norddeutschland, in Ost und West.

Die Mütterverschickung brachte insgesamt 46 481 Frauen in die Erholung und die NSV. beispiels­weise entlastete die Landfrauen in der Erntezeit und betreute 1934 in 600 Erntekindergärten 20 000 Landkinder. 33 090 Saarkinder betreut das Reich, davon Schlesien allein 3274 und die Jungen und Mädel lernten im Landjahr, im Frauenarbeitsdienst, im Arbeitslager, im VDM. und in der Hitler-Jugend-Führung, Gefolgschaft und Mütterlichkeit, drei unerläßliche Grund­pfeiler für die weitere Aufbauarbeit.

Wozu diese einzelnen Arbeitsvorgänge unserer Aufbauarbeit auf dieser Schau „Wunder des Leben"? Warum tönt im großen Lichthof alle fünf Minuten die große Glocke, um zu sagen, daß alle fünf Minuten neun Kinder in Deutschland geboren werden, warum spielen die weißen Por­zellanglocken ihre schwingenden Glockenlieder da­zu, warum zeigt uns das große Stundenglas, daß alle fünf Minuten mit dem verrinnenden Sand sieben Menschen in Deutschland ins Grab sinken. Warum künden uqs Tabellen und Bilder, daß die Eheschließungen in Deutschland von 862 000 im Jahre 1930 auf 740 000 1934 gestiegen sind

Fon Llug -

und die Geburtenziffern von 100 000 1930 auf 1200 000 1934 stiegen, nachdem sie 1933 bis auf 957 000 gesunken war. Wir erfahren, daß zwei Drittel aller Neugeborenen von der Wochenhilfe betreut werden und erkennen, wie mühselige Kleinarbeit die Mutter zu leisten hat, die — nach angestellten Beobachtungen, nicht weniger als 700 Versuche machen muß, ehe das Baby zur Sau­berkeit erzogen ist, etwa 37 Versuche gehören zur Gewöhnung an das Nehmen des Kinderbreis, zwanzigmal in der Stunde muß das Krabbelkind zur Achtsamkeit angehalten werden, während 300 Fragen an einem Tage die wißbegierige kleine Seele kaum befriedigen. Die geistigsee­lische Entwicklung des Kindes, die Gefahr vor Ernährungs- und Pflegeschäden, dann später der berufliche Gesundheitsschutz und dort einschaltend das riesige Hebelwerk der städtischen und staat­lichen Organisationen — dies alles gehört mit dazu. Dies alles, scheinbar so weit abliegend, muß ineinandergreifen und sich organisch auf- wärtsentwickeln, damit wir Menschen eines Volkes und des Wunders unseres Lebens bewußt werden können. ülllz- ilVittsobsvsk^

Die überzeugende Kraftprobe

Es war vor Abgang des D.-Zuges nach Paris. Auf dem Bahnsteige hasteten Passagiere, Träger und Eisenbahnbeamte. Dazwischen Zeitungs­und Vierverkäufer. Waggontllren wurden auf­gerissen und zugeschlagen. Endlich legte sich der Lärm: der Trubel flaute ab.

„Alles einsteigen!" rief der Zugführer und näherte sich einem Herren, der vor einem I.-Klasse- wagen im Gespräch mit einem zweiten stand. Höflich grüßend schritt er aus den Reisenden im kostbaren Zobelpelz, der von einem prächtigen Fischotterkragen umrahmt war, zu und sagte:

„Es ist höchste Zeit, mein Herr, wollen Sie bitte einsteigen!"

Der Ansprochene brüllte aus dem ihn um­schlingenden Seidenshawl heraus:

„Ich einsteigen, wann ich will! — Wissen Sie, wer ich bin?"

„Vedaure sehr, mein Herr, aber. . ."

„Was aber, ich bin Caruso!"

„Schön! — Nun werde ich Ihnen zeigen, wer ich bin!" antwortete der Zugführer, gab das Abfahrtszeichen und sprang in den Wagen. Der Zug fuhr aus der Halle. Ohne den berühmten Sänger.