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Nr. 84 / 3. Jahrgang
Montag, 25. März
Einzelpreis 15 Rpf.
„Für Frieden auf Erden und guten Willen"
Die englischen Minister in Berlin
Der Empfang aus dem Tempeihofer Feld / Herzliche Begrüßung Llnter den Linden
Dölkerbundsrat tritt am 15 April zusammen
Ankara, 24. März
Lt. Mitteilung der anatolischen Telegrafenagentur hat der derzeitige Ratspräsident T « w - fik Rüschtü Aras dem Genfer Generalsekretariat seine Entscheidung mitgeteilt, den Völker- bundsrat auf den 15. April einzuberufen, also nach der Konferenz von Stresa und den anderen geplanten Besprechungen.
Verkauf von Madagaskar?
London, 24. März.
Sunday Expreß meldet in großer Aufmachung, daß Frankreich im Rahmen der franchsisch-italieni- schen Verständigung bereit sei, die Insel Madagaskar für 75 Millionen Pfund an Italien zu verkaufen. -
Japan will Sachalin kaufen
Tokio, 24. März.
Außenminister Hirota erklärte im Reichstag, daß Japan den Nordteil von Sachalin zu kaufen wünsche. Ueber diese Angelegenheit sei schon früher mit der Sowjetregierung gesprochen worden. Hi- rota äußerte sich erneut zuversichtlich über die Aussichten einer Verständigung mit Sowjetrußland über die Grenzfragen. Politische Kreise messen den Erklärungen größte Bedeutung bei, da sie erkennen ließen, daß Sowjetrußland eine weitgehende Verständigung mit Japan wünsche. Sachalin sei mit seinem Oelvorkommen wichtig für die japanische Landesverteidigung.
Dr. Leu wieder in Berlin
Berlin, 24. März.
Reichsorganisationsleiter Dr. Ley ist Sonntag nachmittag um 17.30 Uhr in einem Sonderflugzeug von München kommend auf dem Flughafen Tempelhof wieder eingetroffen, wo ihm ein überaus herzlicher Empfang bereitet wurde.
Spende der Beamtenschaft
Auf Anordnung des Reichsstatthalters Jakob Sprenger war im Jahre 1933 durch die damalige nationalsozialistische Veamtenabteilung eine Sammlung für die Opfer der Arbeit in die Wege geleitet worden. Nachdem die nationalsozialistische Beamtenabteilung in der letzten Hälfte des Jahres 1933 750 000 Mark für die Op^^der Arbeit und im Jahre 1934 156 000 MaMtgespendet hat, hat das Hauptamt für Beamte der Reichsleitung der NSDAP. als Spende der deutschen Beamtenschaft am 22. März der Reichskreditgesellschaft AG. einen weiteren Betrag von 118 000 Mark überwiesen. Insgesamt sind der „Stiftung für Opfer der Arbeit" bisher 1024 000 Mark an größeren Spenden zugegangen. Nicht einbegriffen sind in diesem Betrag die allmonatlichen namhaften Ileberweisungen der Beamtenschaft, die allein im vergangenen Jahre einen Betrag von 210 500 Mark ausgemacht haben. Mit diesen Spenden beweist die deutsche Beamtenschaft, daß der Gedanke der Volksgemeinschaft und der Opferwilligkeit in ihr stets lebendig ist.
Berlin, 24. März.
Der englische Außenminister Sir John Simon und Lordsiegelbewahrer E d e n sind am Sonntag- nachmittag um 17.30 Uhr in einem Sonderflugzeug der Jmperial Airways auf dem Berliner Zentrul- flughafen Tempelhof gelandet.
In der Umgebung des Flughafens hatte sich am Sonntagnachmittag eine nach vielen Tausenden zählende Menge angesammelt. Das Flughafen- gelände selbst war fast bis auf den letzten Platz von Zuschauern gefüllt. Bald nach 17 Uhr fanden sich die amtlichen Persönlichkeiten ein: Der englische Botschafter Sir Eric Phipps mit den Herren der Botschaft, Reichsaußenminister Freiherr von Neurath, der Staatssekretär in der Präsidialkanzlei Dr. Meißner als persönlicher Vertreter des Führers und Reichskanzlers, der Staatssekretär des Auswärtigen Amtes, von Bülvw, der Chef des Protokolls Graf Basse- wi.tz, Ministerialdirektor Dyckhoff vorn Auswärtigen Amt, der Berliner Polizeipräsident von Levetzow, Ministerialrat Dahlmann aus
London, 24. März
Ganz England richtet die Augen nach Berlin und sicht der historischen Zusammenkunft zwischen dem Führer Deutschlands und dem englischen Außenminister voll Spannung und Hoffnung entgegen. Die Sonntagspresse spricht in fettgedruckten Schlagzeilen von der „großen Mission" Sir John Simons und gibt dem Außenminister in langen Leitartikeln die besten Glückwünsche mit auf den Weg. llnter der Überschrift „Gute Aussichten für die Berliner Besprechungen" schreibt die bekannte Sonntagszeitung Sunday Times: Sie hoffe selbst, daß die deutschenglische Konferenz in Berlin Ergebnisse von beträchtlichem Wert zeitigen wird. Die Reise Simons und Edens nach Berlin ist einer der bedeutendsten Besuche, die von irgendeinem Staatsmanne in unserer Geschichte durchgeführt wurden. Die BesprechuckgLn werden von allergrößter Bedeutung für die Zmunft Europas und für die Friedenshoffnungen sein. Wir stehen buchstäblich am Scheidewege.
Wenn die Berliner Besprechungen vorüber sind, dann werden wir endgültig wissen, ob die Sicherheit Europas in Zukunft aus einem kollektiven Sicherheitssystem oder auf dem alten System der
dem Reichsluftfahrtministerium sowie der Flug- Hafen-Kommandant Major Earganico.
Die inländische und ausländische, insbesondere die englische Presse, war ebenfalls zahlreich vertreten. Auf dem Rollfeld war der erste Sturm der Leibstandarte Mols Hitler als Ehrenbereitschaft angetreten. 17.28 Uhr wurde das englische Sonderflugzeug gesichtet. Die Ehrenbereitschaft tra: unter Gewehr.
Pünktlich um 17.30 Uhr setzte das Flugzeug zur Landung an. Die offiziellen Persönlichkeiten traten auf das Rollfeld. Als erster verließ Außenminister Sir John Simon das Flugzeug und begrüßte den Reichsaußenminister Freiherrn von Neurath. Nach Simon verließ Lordsiegelbewahrer Eden das Flugzeug.
Der englische Außenminister Sir John Simon und Lordsiegelbewahrer Eden begaben sich nach ihrem Eintreffen auf dem Flugplatz Tempelhof in Begleitung von Reichsaußenminister Freiherrn von Neurath, Staatssekretär Dr. Meißner, Staatssekretär v. Bülow und des Chefs des Proto-
Mächtegruppen und Kombinationen gegründet wird. Es kann kein Kollektivsystem für Europa geben ohne Deutschland mit seiner zentralen Lage, seiner großen Bevölkerung und seiner potentiellen Militärstärke.
Wenn Hitler, so fährt das Blatt fort, seinen Friedensäußerungen jetzt einen greifbaren Ausdruck gebe, sein Land „bei vollen Sicherungen und auf der Grundlage einer echten Gleichberechtigung" zur Teilnahme an einem Pakt zur Sicherung des Ostens und des Westens und zu einer baldigen Rückkehr nach Genf zu verpflichten, dann werde er die gesamten internationalen Aussichten verbessern. England selbst habe die Aufgabe, in kühler und nüchterner Weise das Gleichgewicht zwischen den widerstrebenden Forderungen und Ansprüchen der verschiedenen Parteien zu halten und selbst einen angemessenen Teil der Verantwortung zu übernehmen.
, Scrutator schreibt im selben Blatt, man solle nicht von Deutschland erwarten, daß es sich an Garantien des Status quc> beteilige, ohne Gegenleistungen dafür zu erhalten. England sei der einzige und ideale Vermittler bei den jetzigen Verhandlungen, zum Teil deshalb, weil es sich seiner verwandtschaftlichen Beziehungen zu Deutschland bewußt sei. Der Verfasser befürwortet den baldigen Abschluß des westlichen Luft-
kolls, Graf von Bassewitz, zunächst zur englischen Botschaft, wo sie gemeinsam den Tee einnahmen. Als die Minister in der Wilhelmstraße eintrafen, hatte sich hier, wie auch vor dem Hotel Adlon und in der Straße llnter den Linden, eine große Menschenmenge angesammelt, die den Ministern einen herzlichen Empfang bereitete. Die Polizeimannschaften hatten alle Hände voll zu tun, um die Fahrbahnen der Wilhelmstraße und der Linden für die Anfahrt der Minister freizuhalten. '
London, 24. März
Außenminister. Sir John Simon, der von Croy- don aus im Flugzeug seine Reise nach Berlin angetreten hat, erklärte auf dem Flugplatz in einer Unterredung:
„Ich erwarte keine plötzlichen Ergebnisse; dazu sind die Probleme zu umfangreich und zu schwierig. Wir werden aber mit dem Einsatz aller Kräfte um unser Ziel kämpfen. Unser aller Ziel ist: Friede auf Erden und guter Wille unter den Menschen."
Paktes, der die gleiche Anziehungskraft für Deutschland wie für England besitze.
Der „Observer" meldet aus Berlin: „Deutschland hat jetzt zwischen „Isolierung" und „kollektiver Sicherheit" zu wählen. Es ist klar, daß Deutschland vorzieht, der Meister seiner eigenen Außenpolitik zu sein. Man darf nicht vergessen, daß Deutschland jetzt nimmt und verlangt. Es bettelt nicht um Zugeständnisse. Deutschland fühlt sich stark. Sein Vorgehen vom vergangenen Sonnabend hat jede Gefahr eines diplomatischen Kuhhandels, der von Hitler verabscheut wird, beseitigt." Deutschland werde in den Besprechungen der „sowjetrusstschen Gefahr" einen großen Platz einräumen, denn es sei der Ansicht, daß England die deutschen Befürchtungen in Lezug auf Räterußland nicht völlig erfaßt hat.
„Es kann kein gesünderes System eines vereinbarten Friedens in Europa geben ohne die Anerkennung der absoluten Gleichberechtigung Deutschlands unter den Großmächten. Daraus folgt, daß die allgemeine Wehrpflicht ebenso b e - rechtigt und unvermeidlich im Dritten Reich ist wie in Frankreich, Italien, Rußland oder Japan, um nicht noch ein Dutzend anderer Länder zu erwähnen."
Dertrauensratswahlen
„Die Wahl der Vertrauensräte bedeutet einen Schritt weiter im Kampf deS Nationalsozialismus gegen Aasten- und Klassengeist."
vr. Noodbsls.
Wer immer in den Jahren, als der Nationalsozialismus in Deutschland um die Macht rang, den schaffenden deutschen Menschen von den Fahnen der Bewegung fernzuhalten wünschte, wer immer ein Interesse daran hatte, daß der deutsche Arbeiter in Kampfstellung gegen AdolfHitler ging, der argumentierte zu allererst damit, daß mit dem Siege des Nationalsozialismus eine völlige Entrechtung der Schaffenden in unserem Vaterlande einsetzen würde.
Schreckliche Prophezeiungen waren es, mit denen man arbeitete, und wenn auch nur ein Hundertstel dessen, was geschäftstüchtige Bonzen, die um ihre Pfründe bangten, hier an Verdächtigungen des Nationalsozialismus in die Welt setzten, wider ihr besseres Wissen verbreiteten, wahr geworden wäre, dann müßte der deutsche Arbeiter h.eute, mit Ketten beladen, den Aufseher mit der Peitsche hinter sich, in den Betrieben stehen und die Stunde verfluchen, die die Herrschaft des Nationalsozialismus gebar.
In Wirklichkeit ist nichts von alledem, was man damals zusammenlog, eingetreten. Im Gegenteil, zum erstenmal in der Geschichte der deutschen Nation ist dem schaffenden Menschen der Platz eingeräumt worden, der ihm zukommt.
Und wenn früher das Betriebsrätegesetz und die Durchführung der in ihm vorgesehenen Wahlen die Gemüter bis zur Siedehitze erregte, leidenschaftliche politische Diskussionen auslöste, die Betriebe und damit die Volksgemeinschaft in verschiedene, sich heftigst befehdende Lager spaltete, weil das Wesen dieses Gesetzes fremden Einflüssen entsprang, dann Kann niemand behaupten, daß dem deutschen schaffenden Menschen mit der Beseitigung dieses Klassenkampsgesetzes etwas genommen worden wäre.
Freilich jene, die ihre und ihrer Parteien Existenz aus dem Geiste der Zwietracht der Nation nährten, würden heute nicht mehr auf ihre Kosten kommen. Denn ihnen konnte ja an einer vertrauensvollen Zusammenarbeit zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer nichts gelegen sein. Die große Masse der schaffenden deutschen Menschen aber begrüßte die Beseitigung jenes Zustandes des Beharrens im ewigen Mißtrauen zueinander, aus wieder gewecktem gesunden Instinkt aber auch deswegen, weil sich inzwischen in der Praxis gezeigt hat, daß die greifbaren Auswirkungen der nationalsozialistischen Betriebspolitik durchaus gesunde und den Interessen von Gefolgschaft und Betriebsführung in gerechtem Ausgleich dienende sind.
Der Nationalsozialismus erkennt es als seine vornehmste Aufgabe, die Klassen- und Kastengegensätze zu beseitigen, und wenn Dr. Goebbels die Wahl der Vertrauens-
„Die große Mission Gir Lohn Simons"
England zu der historischen Zusammenkunft der britischen Minister mit Adolf Hitler
Der Uanonengrsf
Der Vater der allgemeinen Wehrpflicht war ein Ltederjachse
Die Wiedereinführung der allgemeinen Wehrpflicht, dieses unübertrefflichen Erziehungsmittels zur Wehrhaftigkeit eines Volkes, ruft die Erinnerung wach an ihren unsterblichen Schöpfer und Organisator Scharnhorst — und an einen Vorläufer von ihm, der unverdient in Vergeßen-
it geraten ist.
Wer das Steinhuder Meer kennt, kennt auch a Wilhelm st ein, jene Miniaturfestung f einer kleinen Insel. Mancher wird nur ssen daß dieser Bau in den letzten Jahrzehnten - Gefängnis diente. Von wem stammt dreser m? Vom Grafen Wilhelm von Schaum- irg-Lippe, dem ersten Gründer der allge- >inen Wehrpflicht innerhalb Deutschlands. Schaumburg-Lippe, dieses kleine Ländchen mit r paar Tausend Einwohnern und — allgemeine ehrpflicht? Wie paßt das zusammen? Der Leser nkt vielleicht an einen Serenissimus, der gern ildat spielte, an einen Stab von ordens- schmückten Offizieren, deren Obliegenheit Erlegung von Etikettefragen war. Nein, Graf Wil- lm war alles andere, er war ein ernsthafter lldat- Eneisenau war ein eifriger Bewunderer iner 'kriegswissenschaftlichen Schriften, Scharn- »rst war sein Schüler, Carlyle nannte ihn den sten Artillerieoffizier seiner Zeit, Friedrich der roße war sein Freund. Graf Wilhelms Los ar, ein großer Fürst eines kleinen Landes zu in, seine Tragik, daß das Geschick ihn nicht auf nen größeren Platz gestellt hatte.
Als er im Jahre 1748 die Regierung seines einen Ländchens übernahm, sahen seine Unterinen ihm mit großer Sorge entgegen. Seine Vor- chren hatten böse gewirtschaftet, und vom neuen errn, der in England erzogen war, wußte man ar, daß er ein großer Reiter, Boxer, Fechter und änzer sei. Würde er in die Fußstapfen !einer ioraänger treten? Nun. man hatte sich grund- ch in ihm geirrt. Der Boxer und Fechter führte i Schaumburg-Lippe die allgemeine Wehrpflicht
ein. Jeder gesunde Schaumburg-Lipper war vom 17. bis zum 50. Jahre dienstpflichtig. Ein Teil diente aktiv, der andere wurde als Reserve ausgebildet und bildete hinterher den Landsturm. Alle finanziellen Militärlasten bestritt der Gras aus eigenen Mitteln. Sein Oberförster klagte: „Hätte der Graf noch länger gelebt, wäre von den großen Schaumburger Waldungen nichts übrig geblieben." Wer den väterlichen Bauernhof übernahm, wurde von der Dienstpflicht befreit, ebenfalls der, auf dessen Einkünfte die Familie unbedingt angewiesen war. Aus anständige Behandlung seiner Truppe legte der Graf Wilhelm das größte Gewicht; jede Schinderei und entehrende Behandlung war bei strengster Bestrafung verboten. Die Oberleitung in der Ausbildung der Truppe übernahm er selber.
Im Steinhuder Meer wurde eine Festung und Artillerieschule eingerichtet. Ein Zögling dieser Anstalt war Scharnhorst; der Gedanke liegt nahe, daß die Ideen des Grafen befruchtend auf seinen großen Schüler wirkten.
Hat Graf Wilhelm auch Gelegenheit gehabt, seine militärischen Fähigkeiten unter Beweis zu stellen? Jawohl, durch seine Beteiligung am Siebenjährigen Kriege auf der Seite Friedrichs des Großen und Englands. Selbstverständlich konnte er mit seiner kleinen Truppe von rund 1500 Mann nicht entscheidend eingreifen. Bei verschiedenen Treffen auf dem hannovrischen Kriegsschauplatze zeichnete er sich so aus, daß er zum Eeneralfeldzeugmeister ernannt wurde; und seine vorzüglich ausgebildeten Soldaten schlugen sich so hervorragend, daß die Franzosen sie „Die Teufel von Vückeburg" nannten.
Bald sollte Graf Wilhelm ein größerer Wirkungskreis beschieden sein. AIs 1762 ein Krieg zwischen Portugal und Spanien ausbrach, wußte der König von England der portugiesischen Regierung keinen besseren Oberbefehlshaber vorzu
schlagen als Graf Wilhelm. „Zum Teufel! Befehligt der wiedererstandene Don Quichote die Vortugiesen?" lachten die spanischen Offiziere, als e durch ihre Ferngläser die lange Gestalt des Grafen in den gegnerischen Reihen erblickten. Das Lachen verging ihnen bald; der lange Graf führte das kleine portugiesische Heer so vortrefflich, daß es bald daraus zu einem günstigen Frieden kam. Mit Ehren und Geschenken reich bedacht, kehrte der „Kanonengraf" in seine Heimat zurück.
Wir wollen das Bild des trefflichen Mannes noch durch einige Züge ergänzen. Er führte persönlich einen einfachen Haushalt nach preußischem
Hans Ermann
Automobil m
Wozu die Pllppchen im Wagenfenster?
Mit wissenschaftlichem Ernst antwortet die Volkskunde, daß es sich hier um eine Art von „Abwehrzauber" handelt. Die Maskotten sind die Nachfolger jener herrlichen Dämonenmasken unserer Vorväter. Im alten Volksglauben hatte diese Schreckpuppe einen bedeutsamen Platz: sie versprach Schutz vor dem Unwetter, vor bösen Geistern und Gespenstern. Je schrecklicher man sich den Unhold dachte, um so grausiger mußte auch die Abwehrmaske sein . . .
Wir jedoch haben den Dämonenglauben der Vorfahren verloren, und aus den furchterregenden Masken wurden winzige, verniedlichte Püppchen, die gewiß keinen Nachtmahr und keinen Teufel zu schrecken vermögen. Teddi, Renette, Vibi, Rin- tintin, Ogopogo heißen diese Maskottchen in den verschiedenen Kulturnationen, die sich des Automobils und des neuen Aberglaubens erfreuen dürfen. Und wenn das ganz gewiß auch magische Namen sind, die sich, wie z. V. Ogopogo, auch rückwärts lesen lassen, so werden doch wohl nur sehr kindliche Gemüter Vertrauen haben zu der Prophezeiung. die vom Fabrikanten jeder Maskotte beigelegt wird:
Diese Elückspuppe wird Sie schützen vor Unfall, Panne und Polizei.
Muster. Er teilte die großen Domänen und verpachtete sie in kleinen Stücken, um mehr Menschen eine Existenz zu verschaffen. Er ließ Ziegeleien, Eisengießereien, Papiermühlen, Webereien und Spinnereien einrichten. Er gründete Vorschuß- kassen für das Handwerk und rief sogar eine Feuerversicherung ins Leben. Er gründete Volksschulen und sorgte dafür, daß sie für das praktische Leben vorbereiteten. An seinem Hof in Bückeburg berief er Herder und den „Vückeburger Bach". — Ein großer Fürst eines kleinen Landes. Sein Denkmal ist die allgemeine Wehrpflicht.
u.
d Aberglaube
Und der uralte Zahlenzauber?
Jeder Automobilist freut sich über die Zahl 7 in seiner Zulassungsnummer. Und andererseits weiß die Polizei, daß kein Fahrer am Ende dieser Nummer gern eine 13 oder gar eine 0 führt.
Gegen die Zahl 13 ist man auch sonst im Automobilsport stark eingenommen. In den Vereinigten Staaten von Nordamerika wird bei den Rennen die Startnummer nicht ausgegeben. Französische Klubs geben auch keine Nummer 17 aus, weil in einigen südeuropäischen Ländern auch diese Zahl als sogenannte Unglllckszahl gilt Andere Rennversinigungen beschränken sich überhaupt auf die geraden Zahlen; denn bei der Verschiedenheit der Meinungen aus diesem Gebiet gelten schließlich sämtliche ungeraden Zahlen als verdächtig. Und in der französischen Zeitschrift „l'Automobil" hat ein angeblich Sachkundiger auch den wissenschaftlichen Nachweis erbracht, daß bei fast allen Unfällen eine 0, 1 oder 3 in der Zulassungsnummer enthalten war.
Doch scheint der Gelehrte übersehen zu haben, daß es im ganzen nicht mehr als zehn Ziffern gibt; wenn er davon ein Drittel für Unglücksfälle reserviert, so hat er eben immer — auch ohne besondere Zufälle und auch abgesehen davon, daß sich bei mehrstelligen Zahlen die Ziffer wieder
holen — 33 Prozent Wahrscheinlichkeit für seine Theorie . . .
Was bedeutet aber die schwarze Katze auf dem Wege?
„Kreuzt Ihre Fahrbahn ein schwarzer Kater, so wird Ihre Fahrt vom Schicksal begünstigt. Sie werden Ihre Geschäfte erfolgreich zu Ende bringen". — So heißt es in einem Handbuch der okkulten Wissenschaften, das man für eine Reichsmark und fünfzig Pfennige überall erstehen kann . . .
Die Sache mit der schwarzen Katze kennen wir ja schon seit langem. Einst bedeutete sie dem Fußgänger Unglück. Für den Besitzer eines Automobils soll sie nun plötzlich ein Bote des Glückes sein! Sie verspricht uns sogar treffliche Geschäfte!
Aber wenn ich nun keine Geschäfte zu erledigen habe und nur zum Vergnügen reise?
Und woher weiß ich, daß es wirklich ein Kater gewesen ist? Da scheint eine andere Prophezeiung doch eher zu Recht zu bestehen: Hat man nämlich eine Reifenpanne, so bedeutet dies „die baldige Entscheidung in einer wichtigen Lebensangelegenheit".
Wem jemals bei achtzig Kilometern ein Reifen geplatzt ist, der muß diese Prophetengabe des „Handbuchs für okkulte Wissenschaften" ungemein bewundern. .
Schließlich läßt sich auch nichts dagegen einwenden, daß „plötzliches Versagen des Motors den Beginn neuer Bekanntschaften bedeutet". Aus meiner immerhin reichen eigenen Erfahrung kann ich hinzufügen, daß eine solche Panne des Motors sogar „Geldverlust" bedeutet — denn in den meisten Fällen muß man das unerwartete Zusammentreffen mit dem Autoschlosser auch bezahlen
Vielleicht kommt noch die Zeit, wo um das wunderbare Automobil sich eine echte Mythe bildet. Auch der Aberglaube muß geistig und religiös gebunden sein, und aus den Maschinen lassen sich keine Göttersprüche Herauszaubern, wenn wir nicht erst einmal die Götter hineingezaubert haben. Mit Püppchen und schwarzen Katern geht's nicht!