Ausgabe 
(24.3.1935) Nr. 83
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Rr. 83 / 3. Jahrgang

Sonntag, 24. März

Einzelpreis is Rps.

Benito Mussolini zieht Jahrgang 1911 ein

Im April ssoviw Mann im Waffenrock Rom, 23. März.

Der italienische Regierungschef hat in seiner Eigenschaft als Minister der italienischen Wehr- macht die schriftliche Einberufung der ganzen Jahresklasse 1911 angeordnet. Die Einberufung wird in der amtlichen Mitteilung als Vor­sichtsmaßregel bezeichnet.

Die römische Presse bringt die Einberufung der Jahresklasse mit der Unsicherheit der gegenwärti­gen Lage in Zusammenhang. Die halbamtliche Eiornale d'Jtalia" erklärt:Zurzeit stehen rund 160 006 Mann unter Waffen. Anfang April treten die neuen Rekruten der Jahresklasse 1914 mit 240 OOO Mann in Dienst. Die Einberufung der Jahresklasse 1811 wird insgesamt zu einem wei­teren Effektivbestand von 160 000 Mann führen.

-In der ersten Hälfte des Aprils wird also das italienische Heer über mehr als 860 000 Mann verfügen."

MehrBemsSmilitäi'in Frankreich

Paris, 23. März

Der französische Kriegsminister hat einen Ge­setzesvorschlag eingebracht, der es den Reserve­offizieren erlaubt, erneut in den aktiven Dienst einzutreten. Die Mindestverpflichtung beträgt sechs Monate und die Höchstgrenze acht Jahre. Außerdem soll die Zahl der Berufssoldaten und sogenannten Spezialisten, die bisher auf 117 000 Mann festgesetzt war, erhöht werden.

Wir mobilisieren, wenn..

London, 23. März.

Nach einer Reutermeldung aus Bukarest ist der rumänische Außenminister Titulescu am Sonnabend zu einer Zusammenkunft der Ver­treter der Kleinen Entente und des Balkanbun- des nach Belgrad gereist. Es soll bei dieser Be­sprechung die Mobilisierung der Armeen der be­teiligten Länder für den Fall beschlossen werden, daß die alten feindlichen Länder entsprechend dem deutschen Beschluß ebenfalls die allgemeine Wehrpflicht einführen würden.

Äus dem Inhalt

der heutigen Ausgabe unserer Zeitung

Fesitag für Bremens Arbeitsdienst. Ein neues Lager wurde eingerichtet.

Jm^ Zeichen der Sportplatzweihe. Stan­dartenführer Köwing übergibt den BSV.-Platz.

Die neue Wache mit der Elückszahl, Po­lizeiwache 13 ihrer Bestimmung über­geben.

DerSchwarze Tod" in Bremen, Kamps gegen die Pestilenz im Mittel alter.

Triumph des Willens". Wie der zweite Reichsparteitag-Film entstand.

Das Ergebnis der Varifer Dreierbesprechungen:

Nach Berlin Konferenz in Stresa

England plant eine europäische lrouncl-isbis-Beratung

Paris, 23. März

In Paris fanden am Sonnabend, wie vorge­sehen, die Dreierbesprechungen zwischen den di­plomatischen Vertretern Frankreich, Englands und Italiens über die allgemeine politische Lage statt, wie sie sich nach Verkiindung des deutschen Wehrgesetzes ergeben hat. Am Schluß der Be­sprechungen wurde folgendes Kommunique be­kanntgegeben:

Außenminister Laval, Lordsiegelbewahrer Eden und llnterstaatssekretär Suvich sind am Sonnabend am Quai d'Orsay zusammengetroffen und habe» einen Meinungsaustausch über die allgemeine Lage vorgenommen. Im Lause der Aussprache ist daran erinnert worden, daß der Besuch der englischen Minister in Berlin einen Jnformationscharakter hat und daß der Rahmen und der Gegenstand ihrer Besprechungen dem entspricht, was in der Londoner Verlautbarung vom 3. Februar ausgemacht worden ist, auf der sich die Einheit der Ansichten der Regierungen in London, Paris und Rom begründet. Es ist be­schlossen worden, daß die Außenminister Eng­lands, Frankreichs und Italiens sich nach dem

Berlin, 23. März.

Reichserziehungsminister Rüst hat einen Erlaß über die Schülerauslese an den höheren Schulen herausgegeben, in dem es heißt: Bei der Aus­lese an den höheren Schulen hat die liüeralistische Grundhaltung der vergangenen Zeit zu einer ein­seitigen Bevorzugung der rein verstandesmäßigen Anlagen geführt und die für die volksführenden Berufe nicht minder wichtigen körperlichen und charakterlich«» Kräfte sowie die rassischen Werte vernachlässigt. Durch diese Art der Auslese wurde der einseitig intellektuelle und frühreife Schüler im Uebermaß gefördert, während rassenbiologisch wertvollere und volksgebundenere Teile der deut­schen Jugend oft zurückblieben. Der Führer und Reichskanzler hat demgegenüber immer wieder eine Auslese gleichmäßig nach körperlichen, charak- terlichen und geistigen Gesichtspunkten gefordert. Diesem Ziel tragen die vom Reichserziehungs­minister Rüst geschaffenen grundlegende« Be­stimmungen über die Schülerauslese an den höhe­ren Schulen Rechnung.

In diesen Bestimmungen wird als Aufgabe der höheren Schule bezeichnet, den körperlich, charak­terlich und geistig besonders gut veranlagten Teil der deutschen Jugend so zu erziehen, daß er fähig wird, später in gehobenen oder führenden Stellen unser politisches, kulturelles'und wirtschaftliches Volksleben maßgebend mitzugestalten. Die höhere Schule hat daher die Pflicht, unter den zu ihr

Berliner Besuch und den anderen englischen Be­suche» in Moskau, Warscha« und Prag, bei denen die französische und italienische Regierung die Engländer mit ihren Wünsche» begleiten, am 11. April in Stresa zusammentreffen werden. Außen­minister Laval, Lordfiegelbewahrer Eden und Unterstaatssekretär Suvich haben mit Befriedi­gung die völlige Solidarität ihrer Regierungen festgestellt.«

In französischen politischen Kreisen glaubt man, daß die Sitzung des Völkerbundsrates voraussicht­lich nach der Dreierbesprechung in Stresa stattfin­den wird.

London, 23. März.

Der diplomatische Mitarbeiter der Zeitung Daily Mail" meldet, daß die englische Regierung die Einberufung einer europäischen Mächtekon- ferenz einschließlich Deutschlands nach London plane, falls die Berliner Besprechungen erfolgreich ausfallen. Die britischen Minister sehen dem Er­gebnis des Berliner Besuches hoffnungsvoll ent­gegen. Man sei der Ansicht, daß ein direkter und I offener Meinungsaustausch zwischen dem Führer und dem englischen Außenminister viele Fragen I

kommenden Jugendlichen eine Auslese zu tref­fen, welche die Ungeeigneten und Unwürdigen aus­scheidet, um die Geeigneten und Würdigen umso- mehr fördern zu können. Die ständige Prüfung muß sich auf die körperliche, charakterliche, geistige und völkische Gesamteignung erstrecken. In dem Ab­schnitt über die körperliche Auslese wird be- stimmt, daß Jugendliche mit schweren Leiden, durch die die Lebenskraft stark herabgesetzt ist und deren Behebung nicht zu erwarten ist, sowie Träger von Erbkrankheiten nicht geeignet sind, und daher nicht in die höhere Schule aufgenommen werden. Ju­gendliche, die eine dauernde Scheu vor Körper­pflege zeigen/ werden von der höheren Schule ver­wiesen. Ebenso führt ein dauerndes V/rsagen bei den Leibesübungen zur Verweisung. Hinsichtlich der charakterlichen Auslese wird bestimmt, daß von der Schule zu verweisen ist, wer durch sein allgemeines Verhalten in und außer der Schule gröblich gegen Anstand und Sitte verstößt oder fortgesetzt gegen Kameradschaftlichkeit und Ee- meinschaftssinn verstößt.

Von Interesse sind dann noch folgende Bestim­mungen: Entscheidend für die geistige Auslese ist nicht die Summe angelernten Wissensstoffes, son­dern die geistige Gesamtreise. Ueber die völkische Auslese heißt es: Arische Schüler dürfen hinter nichtarischen nicht zurückgesetzt wer­den. Es ist daher nicht angängig, an Nichtarier irgendwelche Vergünstigungen zu geben, solange sie

lösen könne. Auch wenn Deutschland weitere For­derungen für die deutsche Rüstungsgleichberechti­gung stellen sollte, werde dies Sir John Simon wahrscheinlich nicht abhalten, die deutsche Re­gierung zur Teilnahme an einerRound-Table"- Konferenz einzuladen. Auf ihr solle die Zukunft Europas ruhig erwogen werden. Der englische Vorschlag für die baldige Einberufung dieser Kon­ferenz werde voraussichtlich auf der geplanten Dreier-Zusammenkunft zwischen England, Frank­reich und Italien nach dem Berliner Besuch er­folgen.

Newyork, 23. März

Die NewyorkerHerald Tribune" hebt aus einem Kabelbericht ihres Londoner Bericht­erstatters hervor, daß die öffentliche Meinung Englands die demAntinaziblock" erteilte Zu­rückweisung durchaus billige und daß Simons ehrliche Maklerrolle die Zustimmung aller Schich­ten des englischen Volkes findet. Der Londoner Berichterstatter führt aus, daß angesichts der französischen Beschuldigungen England die ge­meinsame Front verlasse. (Siehe auf S. 2)

arischen Schülern versagt werden. Schüler, die die Volksgemeinschaft oder den Staat wiederholt schädigen, sind von der Schule zu verweisen. Die Aufnahm« in die Sexta findet auf Grund eines Gutachtens der Grundschule und einer schriftlichen, mündlichen und körperlichen Eignungsprüfung an der höheren Schule statt. Wer in der Sexta das Klassenziel nicht erreicht, hat die höhere Schule zu verlassen, wenn der Anstaltsleiter ihn für unge­eignet hält. Die Entlassenen können sich frühestens nach drei Jahren für die Untertertia oder für die erste Klasse einer Aufbauschule melden. Wer das Klassenziel der Untersekunda in einem Jahre.nicht erreicht, darf in der Regel nicht zum Besuch der Oberstufe zugelassen werden.

Die Zeugnisse haben in Zukunft zu enthalten: eine allgemeine Beurteilung des körperlichen, charakterlichen und geistigen Strebens und Ge- samterfolges, die nicht in Noten auszudrücken ist, und eine Wertung der Leistungen '

Diese Bestimmungen wurden vom Reichs- erziehnngsminister Rüst in hervorragender Zu­sammenarbeit mit dem Rassepolitischen Amt der NSDAP. geschaffen. Sie stellen eine sorgfältig abgewogene grundlegende Maßnahme dar, die geistig Unzulänglichen oder charakterlich Wert­losen von der höheren Schule fernzuhalten und gleichzeitig den rassisch und charakterlich Wert­vollen, langsamer Reifenden den Zugang zu den volksführenden Berufen zu ermöglichen.

Der englische Besuch

Gegenseitiges Verstehen

* Bremen, 24. März.

Der englische Besuch steht vor der Tür. Mit ungeheurer Spannung schaut die ganze Welt nach Berlin. Die politische Ausgabe, die den Gästen wie den Gastgebern gestellt ist, erscheint so groß, daß jedermann sich heute fragt, ob die Aufgabe gelöst werden kann. Geht es doch um nichts mehr und nichts weniger als um die Grundlage einer wahr­haften Friedensorganisation Europas.

Nur unbedingtes gegenseitiges Verstehen, um nicht zu sagen Einfühlen des einen Teils in die Lage des anderen vermag den Erfolg zu sichern. Untersuchen wir, wie die Dinge stehen.

Am guten Willen der Reichsregierung, zu einer Verständigung zu kommen, kann nicht gezweifelt werden.Mit Interesse und Be­friedigung sieht die Reichsregierung einer deutsch - englischen Aussprache entgegen", sagte der Reichsaußenminister Freiherr von Neurath in dem vorgestrigen Interview. Aber eine offene deutsch-englische Aussprache ist es ja, was auch die englische Regierung mit dem Besuch des englischen Außenmini­sters und seines Begleiters in Berlin beabsich­tigt. Deutschland versteht, daß England gern Rücksicht auf die Wünsche von Paris nehmen möchte, nachdem nun einmal Eng­land und Frankreich solange in engster Weg­gemeinschaft verbunden nebeneinander gin­gen. Und Deutschland ist der britischen Re­gierung nicht gram darum, daß noch, bevor Sir Simon, der englische Außenminister» in Berlin eintrifft, Lord Eden in Paris an den Besprechungen teilnahm, die dort zusammen mit dem italienischen Unterstaatssekretär Suvich noch rasch vor dem Berliner Besuch veranstaltet worden sind. Aber Deutschland ist sich auch dessen völlig bewußt, daß der französische Wunsch nach Sicherheit, den die Pariser Regierung immer und immer wieder in London vorbrachte und dem begreiflicher­weise London nicht aus dem Wege gehen will, längst gegenstandslos geworden ist. Das wiederum mutz England verstehen.

Frankreichs Sicherheit ist gewährleistet durch den Loearno-Pakt, durch den Kellogg- Pakt, durch den Berliner Vertrag, und wenn man will, auch durch das deutsch-polnische Abkommen, vor allem aber durch das Wort des Führers selbst, der es klar und deutlich ablehnte, territoriale For­derungen an Frankreich zu stellen. Wenn in London und Paris noch immer nicht bekannt sein sollte, daß es an diesem Wort nichts zu drehen und zu deuteln gibt, so sei es hier nochmals ausgesprochen: oas Wort des Füh­rers ist unter allen Umständen heilig.

Lediglich über Tatbestände und nicht über Redensarten will sich Deutschland nun mit den englischen Ministern unterhalten. Und wenn der Wunsch, eine klare Friedens­organisation auf dem Boden der Gleich­heit zu besprechen, bei den Herren aus England ebenso lebendig ist, wie in Berlin, dann wird bei diesen Besprechungen die Phrase von der Bedrohung der europäischen Sicherheit durch Deutschland keine besondere Rolle spielen können. Denn, dessen ist man sich ja nun in London zweifelsfrei bewußt, daß seitens Deutschlands nicht einmal der

Schülerauslese nach neuen Grundsätzen

Ein wichtiger Erlaß des Reichserziehungsminifters Ruft

Chinesische Siückssymbole aus Fade

Im Deutschen Kolonial- und Uebersee-Museum in Bremen ist in letzter Zeit der Inhalt einer Glasvitrine wieder aufgestellt worden, die von jeher das Interesse vieler Besucher gefesselt hat, wie aus öfters danach gerichteten Fragen zu er­sehen war. Sie enthält chinesische Steinarbeiten aus einem Material, das in Europa unter dem Namen Jade (chinesisch:) zusammengefaßt wird.

Wer hätte nicht schon etwas von der großen Be­deutung, die Jade im Leben der Chinesen seit altersher spielt, gehört? Manche feinsinnigen chinesischen Gedichte, die uns in Uebersetzungen nähergebracht wurden, sprechen vomGlücksstein", der Jade. Und wenn wir sehen, welche Mühe und künstlerische Arbeit auf die Herstellung dieser Kleinkunstwerke" im wahrsten Sinne des Wortes verwendet worden ist, so läßt uns das ihre Be­deutung nicht nur als Schmuckstücke schlechthin,

, sondern als solche von einer tieferen Sinngebung erkennen.

Jadeit und Nephrit heißen die Edel- gesteine nicht zu verwechseln mitEdel­steinen", die das Material zu unseren chinesi- . schen Ladearbeiten liefern. Beide sind im Gegen­satz zu dem ebenfalls in China, wenn auch weit seltener, verarbeiteten Speck st ein, der sich leicht bearbeiten läßt, von außerordentlicher Härte, und das ist es gerade, was uns solche Bewunderung für die Art,' in der diese Kleinplastiken und Orna­mente hergestellt sind, abnötigt Gibt es doch darin nicht nur Blumen und Ranken oder merk­würdige Gebilde von ineinander verschlungenen Tiergruppen, sondern sogar ganz feine durch­brochene Schnitzereien. Dabei müssen wir uns immer vor Augen halten, daß die Technik der Ausführung ja nicht die unseres modernen Ma­schinenzeitalters ist, sondern auf Jahrhunderte, man möchte fast sagen, auf Jahrtausende zurück­blicken kann.

In China selbst kommt kein Nephrit vor. Aber der Import aus Chotan in Ostturkistan ist schon sehr alt; er wird in chinesischen Schriften zum erstenmal um 100 vor Chr. G. unter dem König Wuti erwähnt. Seit der Zeit erfreuten sich Nephrit und Jadeit der größten Wertschätzung nicht nur am Kaiserhofe, sondern auch im übrigen China.

Während Nephrit grün oder grünlich-grau ist und sich etwas fettglänzend anfühlt, ist Jadeit grünlich-weiß mit geringem Eiasglanz. Sowohl in Asien wie auch sonst in der Welt ist die Ver­breitung dieser beiden Edelgesteine beschränkt. Am bekanntesten sind noch die Nephritvorkommen in Mexiko, überhaupt Zentralamerika, und in Neuseeland. In Europa nennen wir die auch schon unseren Vorfahren in urgefchichtlicher Zeit bekannten Vorkommen in Jordansmühl (Schlesien) und in den Ligurischen Alpen sowie schließlich in dem .zu Oldenburg gehörenden BirkenfelderLändchen" im Moselgebiet. Es darf hier eingeflochten werden, daß die Bir- kenfelder Nephritindustrie sogar kurze Schlagkeu­len nach Neuseeland exportiert, die den Reisenden dort alsechte" alte Maori-Keulen angeboten werden. Die randliche Verbreiterung der mittels Vollbohrung am Eriffende angebrachten Loches bei der wirklich echten Keule läßt aber den Kenner die Nachahmung, bei der das maschinell hergestellte Loch senkrechte Ränder ausweist leicht erkennen.

Doch zurück nach China. Die Technik der Be­arbeitung dieser harten Edelgesteine war den Europäern lange Zeit ein Rätsel In Europa sind niemals gleich kunstvolle Arbeiten in so zähem Material hergestellt worden. Die Haupt­werkzeuge des Chinesen sind Bohrer und Schleifer in Kreisscheibensorm, die an die uns allen be­

kannten Schleifinstrumemte der Zahnärzte er­innern. Sie sind an einer kleinen, waagerechten Achse angebracht, die durch eine Schnur mittels einfachem Fußbrett in Drehung versetzt wird. Zunächst wird der rohe Nephritblock, der in seinem Ursprungsland für China, wie gesagt, Ost­turkistan in den Flußbetten gesammelt oder aber auch im Bergbau gewonnen war, zersägt und in kleine Stücke zerschnitten, bis der Künstler mit den eben genannten Handwerkszeugen an das feinere Modellieren gehen kann. Bei offenen,

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durchbrochenen (L-jour-) Arbeiten bedient er sich eines Drillbohrers und einer Vogensägb in Art unserer Laubsäge.

Mannigfacher Art sind die Jadeschmuck­stücke. Sie verdienen unsere Aufmerksamkeit nicht nut wegen ihrer, bei der Schwierigkeit der Herstellung doppelt auffälligen, Zierlichkeit, son­dern auch ihres Alters wegen. Haben sich doch manche Formen, wie z. V. die der glatten runden, aus einem Stück geschnittenen Armreifen vom Ende der Hanzeit (rund 200 v. Chr. bis 200 n. Chr.) bis heute, also über zwei Jahrtausende hinweg, erhalten! Fingerringe, seit uralter Zeit bekannt, sind aus Nephrit, oder mit ein­gefaßten Nephritsteinen versehen, etwa seit Be­ginn unserer Zeitrechnung in Gebrauch. Gürtel- haken mit Tier- und anders gestalteten Köpfen zieren den Gürtel, der ein noch heute feierlich' übergebenes Symbol der Männlichkeit darstellt. In gewisser Weise ähnelt ihnen der Form nach das Zepter (Jui) oder der Elücksstab mit seinem langen Stiel und umgebogener verzierter Kopf­platte. Als Glückssymbol zeigt er am auf­fälligsten im chinesischen Hause die tiefere Sinn­gebung, die sich mit dergrünen Jade" verbindet. Das gleiche zeigen Elücksornamente in Form von kleinen > Tafeln und Scheiben, die sich in ihrer durchbrochenen Schnitzerei auf kleinen, ver­schlungenen Wurzelholzständern dem Auge dar­bieten und uns ehrliche Bewunderung abnötigen

Aber auch alltäglichere Dinge, Haarpfeile. Schmucksteine für Kleider, Toilettengegenstände die das Interesse unserer Frauenwelt finden, sind neben wundervoll geformten Schalen, Trinkbechern und Flaschen vertreten Damit auch das In­teresse der Männerwelt nicht zu kurz kommt, sei schließlich noch erwähnt, daß auf die künstlerische Ausgestaltung von Schnupftabaksdosen nicht nur in Europa etwa zur Zeit des großen Friedrich sondern auch im Fernen Osten, demKathai" (China) des venezianischen Reisenden Marco

Uelchsarbeitsgememschaft für Deutsche Vuchwerbung

Die Reichsschrifttumskammer hat in Verbindung mit dem Werberat der deutschen Wirtschaft, dem Reichsausschutz für Volkswirtschaftliche Aufklä­rung, dem Börsenverein der Deutschen Buchhänd­ler, dem Bunde reichsdeutscher Buchhändler, der Reichsschrifttumsstelle beim Reichsministerium für Volksaufklärung und Propaganda und der Reichs­stelle zur Förderung des deutschen Schrifttums eine Reichsarbeitsgemeinschaft für Deutsche Buchwerbung gegründet, deren Leitung in den Händen des Vizepräsidenten der Reichsschrifttumskammsr Dr. Heinz Wismann liegt.

Polo (13. Jahrhundert), viel liebevoller Eifer verwendet worden ist.

Alle diese Zierstücke und Eebrauchsgegenstände, die nicht zuletzt ihres Alters wegen einen hohen Wert darstellen, geben uns Einblick in ein Ge­biet der Kleinkunst Chinas, dessen alte Kultur die europäische in so manchem befruchtet hat, war dochChina" im 17. und 18. Jahrhundert ge­radezu Mode in Europa, die aber auch an­dererseits nicht ohne Anregung vom Westen ge­blieben ist. Zierliche Steinarbeiten aus Jade: Sie regen uns an, die hohe Kunst eines der ältesten Kulturvölker zu bewundern, das kleinsten Dingen aus schwer zu bearbeitendem Werkstoff solche künstlerische Ausgestaltung zuwandte, weil es dem Material symbolische Bedeutung beilegte: Unzerstörbar und unwandelbar wie die himm­lischen Kräfte, unter denen alle in der Welt wir­kenden Naturkräfte zu verstehen sind, ist dem Chinesen der Jadestein, die grüne Jade.

Dr. Dunvonckabl.