Ausgabe 
(20.3.1935) Nr. 79
Seite
1
 
Einzelbild herunterladen

vremer.

Üas amUiche Organ Ses Senats

IcUmg

-er Freien LnnfestM öremen

RM. 2.Z0 einschl. M Rps. Zustellungsgebühr: durch du RM'ausschl. Postbestellgeld. Der Bezugspreis ist im voraus zu

entrichten. Postscheck Hamburg t72 72. Betriebsstörungen begründen keinen Anspruch aus Erstattung oder Ersatz.

-IS.-Eauverlag Weser-Ems E. m. b. H., Bremen, Am Eeercn 68 / Fernsprecher: Roland 625.

1

9

3

5

Anzelgen-Grundpreise: Die 22-mm.ZeiIe im Anzeigenteil 12 Rps.. die 7g-mm<geile im Tertteil ,S Rps. Ermäßigte Grundpreise (für kleine Anzeigen. Familienanzeigen u. a., sowie sonstige Bedingungen laut Preisliste «. (Nachlatzstassel v.> Für Anzeigen durch Fernsprecher keine Gewähr. Annahmeschlutz lk Uhr. Sprechzeit: Verlag werktäglich von 1213 Uhr; Schriftleitung Dienstag bis Freitag von 12'/»13'/, Uhr.

Nr. 79 / 3. Jahrgang

Mittwoch, 20. März

Einzelpreis is Rps.

General von Lettow-Vorbeck

< -

General Paul von Lettow-Vorbeck kann heute seinen 65. Geburtstag begehen. 2« Saarlouis als Sohn eines späteren preußischen Etnerals im Jahre 187V geboren, machte er im Ostasiatischen Expeditionskorps den Feldzug in China mit und wurde zur südwestafrikanischen Schutztruppe versetzt, wo er sich im Herero-Aufstand 1904 bis 1906 auszeichnete, in dem er schwer verwundet wurde. Unter Beförderung zum Major schied er aus der Schutztruppe aus und tat wieder Dienst in der Armee. Am 1. Oktober 191V erfolgte seine Beförderung zum Oberstleutnant. Er wurde zur Schutztruppe versetzt und kam nach Kamerun. Dort erhielt er am 20. April 1914 seine Ernen­

nung zum Kommandeur der Schutz­truppe in Deutsch-Ostafrika, bei der er sich während des Krieges unverwelklichen' Ruhm erworben hat. Als er schließlich der llebermacht weichen mußte, brach er kämpfend in Portugie- sisch-Ostafrika ein und schlug sich 1918 bis Britisch- Rhodesien durch. Erst auf Grund der Nachricht von dem in Europa abgeschlossenen Waffenstill­stand erklärte er sich zur Abgabe der Waffen bereit. In Anerkennung ihrer Tapferkeit beließ General Edwards den Deutschen ihre Waffen. Am 2. März 1919 konnte von Lettow-Vor­beck mit seinen Afrikanern in Berlin ein­ziehen und bildete dort alsbald ein Frei­korps, mit dem er am 1. Juli 1919 Hamburg besetzte und vor drohender Spartakistenherrschaft rettete. (Wir verweisen auf den Aufsatz im In­nern des Blattes).

Aus Anlaß des 85. Geburtstages des Generals v. Lettow-Vorbeck ist dessen Bildnis am Deutschen Kolonial-Ehrenmal von der Deutsche» Kolouialgesellschaft Abteilung Bremen mit einem Lorbeerkranz geschmückt worden.

Wir haben unsere Armee wieder!"

Deutschlands Wehrsreudigkeii

Unzählige Meldungen aus allen Schichten des Volkes zum freiwilligen Heeresdienst

Berlin, 19. März

Wie das Reichswehrministerium mitteilt, zeigt die Fülle von Zuschriften und Glückwunschtele­grammen die es in diesen Tagen erhielt, die Anteilnahme des ganzen deutschen Volkes an der Wiederauferstehung seiner Wehrmacht. Von den vielen Beweisen dieser engen Verbundenheit der Wehrmacht mit dem Volke und der ehrlichen Opferbereitschaft aller Schichten seien einige an­geführt.

Ein alter, Lerufsunfähig gewordener' Künstler sendet mit einem an den Reichswehrminister ge­richteten Schreiben ein Zehnmarkstück von 1888 sein und seiner Ehefrau heiligstes Erinnerungs­stück" mit der Bitte, es als Beitrag zur Wiedcr- aufrichtung der Wehrmacht stiften zu dürfen. Kranke und gelähmte Volksgenossen sprechen ihr Bedauern aus, nicht mit der Waffe ihrer Dienst- pflicht genügen zu können, und bitten, ihre Kraft dem Vaterlande anderweitig Hur Verfügung stellen zu dürfen. Männer eines Arbeitsdienst­lagers senden 200 RM als Mithilfe zum Aufbau

Berlin, ,10. März

Die Note, die der englische Botschafter am Montagnachmittag.denvReichsaußenminister Frei­herr» v. Neurath überreichte, hat folgenden Wortlaut:

1. Ich beehre mich, Ihnen im Auftrage des kö­niglichen Staatssekretärs für auswärtige Ange­legenheiten mitzuteilen, daß sich die königliche Regierung in dem Vereinigten Königreich genö­tigt sieht, der deutschen Regierung ihren Protest gegen die von ihr am 16. März verkündete Ent­scheidung zu übermitteln, die allgemeine Wehr­pflicht einzuführen und den Friedensrahmen des deutschen Heeres auf 36 Divisionen zu erhöhen. Nach der Bekanntgabe einer deutschen Luftmacht ist eine solche Erklärung ein weiteres Beispiel für eine einseitige Aktion, die, ganz abgesehen von der grundsätzlichen Seite der Frage, geeignet ist. die Unruhe in Europa in ernster Weise zu er­höhen. Der Vorschlag einer englisch-deut­schen Zusammenkunft, die in einer Woche stattfinden sollte, ergab sich aus dem Inhalt des englisch-französischen Kommuniques vom 3. Fe­bruar und der deutschen Antwort vom 14. Fe­bruar, die durch weitere Besprechungen zwischen der königlichen Regierung und der deutschen Re­gierung ergänzt worden sind. Die königliche Re­gierung hält es für notwendig, auf den Inhalt dieses Dokumentes besonders hinzuweisen.

2. Das Londoner Kommunique vom 3. Februar stellte ihrerseits fest, daß vertraglich begrenzte

des deutschen Volksheeres. Telegraphisch melden, sich junge Menschen freiwillig zum Heeresdienst unter Angabe des Jahrganges. Ein Stettiner verpflichtet sich drahtlich, auf zwei Jahre die Löh­nung für einen Soldaten zu übernehmen. Ein SA-Sturm meldet sich geschlossen zum freiwilligen Eintritt ins Heer. Zahlreiche Meldungen ehe­maliger Kriegsfreiwilliger des Weltkrieges trafen ein; darunter befindet sich auch die Meldung eines in Jstambul lebenden Ausländsdeutschen, der in seinem Telegramm sagt:Melde mich frei­willig für drei Monate. Für meine vier Kinder ist gesorgt."

Rührend ist die Zuschrift einer Mutter, die drei Söhne im großen Kriege hingeben mußte: Jetzt erst wisse sie, daß ihr Leid einen Sinn gehabt habe und daß sie nun auch ruhig sterben könne. Und ein alter Mann, geschmückt mit dem Frontkämpfer- Ehrenkreuz, stand am Montag früh vor dem Ein­gang des Reichswehrministeriums und konnte seine Begeisterung nicht zügeln. Jedem Eintretenden mußte er die Hand schütteln, mußte er leuchtenden

Rüstungen nicht durch^einfeitige Aktionen abge­ändert werden können, erklärte aber andererseits, -daß die. britische und die französische Regierung zu einer allgemeinen Regelung geneigt seien, über die zwischen Deutschland und den anderen Mächten frei verhandelt werden solle. Diese allgemeine Regelung sollte über die Organisation der Sicher­heit in Europa nach den in dem Kommunique an­gegebenen Richtlinien Bestimmungen treffen und gleichzeitig RUstungsvereinbarungen festlegen, die für Deutschland die einschlägigen Bestimmungen des Teiles V des Versailler Ver­trages ersetzen sollten. Das Kommunique führte weiter aus, es sei als Teil der ins Auge gefaßten allgemeinen Regelung anzusehen, daß Deutschland seine aktive Mitgliedschaft im Völkerbund wieder aufnehme und skizzierte schließlich den Inhalt eines Luftpaktes zwischen den Locarnomächten, der als Abschreckungsmittel gegen Angriffe wirken und Sicherheit vor plötz­lichen Luftüberfällen gewährleisten sollte.

3. Die Antwort der deutschen Regierung zehn Tage später begrüßte den Geist freundschaftlichen Vertrauens, den das englisch-französische Kommu­nique zum Ausdruck brachte, und stellte in Aus­sicht, daß die deutsche Regierung die in dem ersten Teil des LondonerKommuniquös enthaltenen Fra­gen einer eingehenden Prüfung unterziehen werde. Sie bemerkte zustimmend, daß der in dem Kommu­nique zum Ausdruck gebrachte Geist freier Verhandlungen zwischen souveränen Staaten allein zu dauerhaften internationalen

Auges zurufen:Wir haben unsere Armee wie­der". Diese und ähnliche Kundgebungen, die alle Schichten unseres Volkes, alle Berufsgruppen und Lebensalter umfassen und die in ihrer Gesamtheit wiederzugeben hier nicht möglich ist, sind «in er­hebendes Zeugnis für die Wehrbereitschaft des deutschen Volkes, das nach jahrzehntelanger Unter­drückung und Nichtachtung seines Rechtes die Mög­lichkeiten und den Weg zur Verteidigung des Va- terlandes wieder vor sich sieht.

Der Reichswehrminister gibt bekannt: Anläßlich der durch die Reichsregierung beschlossenen Wiedereinführung der allgemeinen Wehrpflicht sind mir aus allen Teilen des Reiches, von Dienst­stellen und Verbänden, aus Wirtschafts- und Privatkreisen sowie aus dem Auslande begeisterte Zuschriften und Glückwünsche in so hoher Zahl zugegangen, daß es mir nicht möglich ist, allen Einsendern persönlich zu antworten. Ich bitte daher, auf diesem Wege meinen herzlichen Dank entgegenzunehmen.

(gez.) von Blomberg, Generaloberst

Regelungen auf dem Gebiete der Rüstungen führen könne. Im besonderen begrüßte sie den Vorschlag über einen Luftpakt! Die deutsche Antwort endete mit der Erklärung, daß die deutsche Regierung es vor Eingehen auf die vorgeschlagenen'Verhandlun­gen für erwünscht halte, in besonderen Besprechun­gen mit den in Frage kommenden Regierungen eine Anzahl von grundsätzlichen Vorfragen zu klä­ren. Zu diesem Zweck lud sie die königliche Regie­rung ein, mit der deutschen Regierungin einen un­mittelbaren Gedankenaustausch einzutreten.

4. Da die königliche Regierung sich vergewissern wollte, daß hinsichtlich des Umfanges und des Zweckes der vorgeschlagenen englisch-deutschen Unterhaltung kein Mißverständnis bestehe, rich­tete sie am 21. Februar an die deutsche Regie­rung eine weitere Anfrage, auf die diese am fol­genden Tage antwortete. Das Ergebnis war eine endgültige Uebereinstimmung zwischen den beiden Regierungen, daß der Zweck der beabsich­tigten Zusammenkunft sein sollte, die Unterhaltung über alle in dem englisch-französi­schen Kommunique behandelten Fragen ein Stück weiterzuführen. Auf dieser Basis hat sich die königliche Regierung darauf vorbereitet, den von der deutschen Regierung vorgeschlagenen Besuch in Berlin auszuführen.

(Fortsetzung auf Seite 2)

Keine Aufregung!

u. Kill. Wenn wir heute, eine halbe Woche nach der Wiederherstellung der deutschen Wehrhoheit, die außenpolitische Wirkung der staatsmännischen Tat Adolf Hitlers einer kritischen Betrachtung unterziehen, so heben sich zwei Momente besonders klar hervor: In psychologischer Hinsicht hat die Weltöffentlichkeit die Selbstbesinnung des deutschen Volkes auf seine eigene militä­rische Kraft trotz einzelner Verdächtigungen berufsmäßiger Hetzer mehr oder weniger als eine nationale Selb st ver st Süd­lichste it angesehen. Sodann: Die Diplo­maten sehen sich außerstande, wirklich st i ch- haltige juristische Einwände gegen den Schritt des Führers und Reichskanzlers vor­zubringen. Mit anderen Worten: Die in der Proklamation der Reichsregierung dargeleg­ten Argumente haben sich im Zusammen­hang mit der britischen Aufrüstung und der Einführung der zweijährigen Dienstzeit in Frankreich als so stark und unwiderlegbar erwiesen, daß gewisse aufgeregte Journa­listen und Politiker an der Seine mit ihrem zügellosen Haß nicht durchgingen konnten. Vor allem in London hat man sich nicht von der kopflosen Haltung jenes französischen Generals beeinflussen lassen, der den be­zeichnenden Rat gibt, demUngeheuer Deutschland" zur Abwehr diegeschärften Hauer" Frankreichs zu zeigen. Indem die Berliner Reise des britischen Außenministers Simon weder abgesagt noch vertagt worden ist, wird man wohl über alle mißmutigen und entstellenden Pariser Stimmen zur Tagesordnung übergehen können.

Die britische Note an Deutschland, die wir an anderer Stelle im Wortlaut wiedergeben, versucht, die rüstungspolitischeEnt- wicklungseit dem 3. Februar, dem Tage der Bekanntgabe des englisch-franzö­sischen Kommuniques, in ihren einzelnen Phasen aüfzudecken. Bei diesen Bemühun­gen ist weniger das, was ausgesprochen, als das, was verschwiegen wird, interessant. Wenn schon von einer Verletzung der mili­tärischen Bestimmungen des Versailler Ver­trages die Rede sein soll, so darf man nicht, wie es die englische Note tut, darüber hin­weggehen, daß die in Deutschland gewissen­haft durchgeführte Abrüstung ausdrücklich als Einleitung einer allgemeinen Ent­waffnung zu gelten hatte. Da aber, bei gleichzeitiger Aufrüstung der anderen, die Abrüstung lediglich Deutschland zugemutet wurde, dürfte die Vertragsverletzung nur auf feiten der fieberhaft rüstenden soge­nannten Siegerstaaten erfolgt sein. Weiter verschweigt die Londoner Note die Ver­öffentlichung des englischen Weißbuches, das mit seinen überraschenden Unfreundlichkeiten gegenüber Deutschland nicht gerade als Grundlage für die kommenden Berliner Verhandlungen gelten konnte, während* das deutsche Wehrgesetz die gewünschte Klarheit über die Absichten des Führers geschaffen hat.

Es wäre überhaupt ratsam, den Versailler Vertrag in diesem Zusammenhang endlich aus dem Spiele zu lassen. Arnold I. Toyn- bee, Professor der Geschichte an der Univer­sität London, bemerkt in einem Aufsatz über

England und das Wehrgesetz

Der Wortlaut der britischen Note / Wer hat den Versailler Vertrag verletzt?

Geschichten um

Pferdestehlen

Die Mitarbeiter Lettow-Vorbecks, vor allem Hauptmann Ruckteschell, mutzten sich die Ausrüstung für ihren Stab, einschließlich des Pferdematerials, vom Feindbesorgen". Lettow verfolgte mit diebischer Freude ihre fortgesetzten Versuche, möglichst gute Pferde für den Kom­mandostab und für die Stabsschwadron zu-

- stehlen. Eines Tages gelang Hauptmann Ruck­teschell ein großer Coup. Er überfiel mit zwei Ordonnanzen einen britischen Pferdewärter, der 67 Pferde, die eben bei der Tränke waren, be­aufsichtigte. Man holte sich dasSeitpferd" her­aus, setzte den Tommy darauf und jagte nach der deutschen Front zurück. Der Engländer erklärte Lettow-Vorbeck:Ich möchte wohl das dumme Gesicht meines Captein sehen, wenn er zu Fuß nach Haus gehen mutz."

kasi ulava"

Als die ersten feindlichen Flieger über Ostafrika erschienen, benahmen sich die deutschen eingebo­renen Soldaten, die Askaris, verhältnismäßig gesatzt und fielen nicht in den panischen Schrecken, den Flugzeuge bei anderen Naturvölkern erzeu­gen. Die Askaris waren der Meinung, daß die Europäer alles fertig brachten, auch das Fliegen, lind so nannten sie die Flugzeuge einfachlca/.i ulazm", das heißteuropäische Sache". Als Let- tow-Vorbeck davon hörte, sagte er zu seinem schwarzen Diener'Wir werden nächstens auch eine deutschekam ulaz,a" zu sehen bekommen, nämlich einenZeppelin!"

Sakkarani!"

Als Lettow-Vorbeck seine Truppen zur Schlacht non Tanga formierte, rief er einen seiner besten Offiziere, Tom von Prince, den

Lettow-Vorbeck

Sohn eines englischen Vaters und einer-deutschen Mutter, herbei, eine etwas abenteuerliche Per­sönlichkeit, die sich schon ein halbes Menschenalter im afrikanischen Busch herumgeschlagen hatte. Als die Askaris im Begriff waren, unter dem eng­lischen Artillerieseuer zurückzufluten, erkannten sie plötzlich Tom von Prince, den in Ostafrika förmlich berühmt gewordenen Buschjäger und stießen ihren Kampf- und Siegesruf aus:Sak­karani!" Von diesem Moment ab kam die deutsche Front zum Stehen und die Askaris gingen hinter Tom von Prince zum siegreichen Angriff vor. Dre Engländer flohen zu ihren Schiffen zurück und Lettow-Vorbeck drang mit den Seinen unter dem Siegesruf:Sakkarani!" bis an die Landungs­brücken nach. Leider fiel Tom von Prince bei dieser Attacke und Lettow hielt ihm eine ergrei­fende Abschiedsrede.

Der Tag der alten Gewehre"

AIs Lettow-Vorbeck mit seiner Schutztruppe von Deutsch-Ostafrika nach Portugiesisch-Afrika hin­überwechselte, fiel den deutschen Kolonialsoldaten vor allem auf, daß der Klang der portugiesischen Gewehre viel Heller als der englischen Karabiner und der veralteten deutschen Feuerbüchsen, Modell 1871, war. Beim ersten Angriff-auf die Portu­giesen stürmten die Schutztruppler gegen die feindliche Stellung vor mit dem Ruf:Heut rst der Tag der alten Gewehre!"' und warfen den Feind.

146 Generale

Einen Weltkriegrekord hatte Lettow-Vorbeck am Schluß des ostafrikanischen. Feldzugs zu ver­zeichnen. Es wurde ihm von den Engländern erzählt, daß er gegen - 148 englische und portu­giesische Generale gekämpft habe. Der Rekord wurde dadurch erreicht, daß Vordeck durch die Mi­

litärbezirke der britischen und portugiesischen Kolonien gezogen war, die alle einem General unterstanden.

Wo ist Lettow?"

In London verkaufte man gegen Ende des Weltkrieges einen Scherzartikel, nämlich einen zu­sammenlegbaren Brief, auf dem stand:Wo ist Lettow?" Oeffnete man ihn, dann stand aus der letzten Seite:Er ist gerade wieder entwischt!"

ülwmz- Lovnswavv IN ilirsr Kdsokiscksroltg

^ -

-. --

Hans Achwsr;:Prinz von Preußen"

Erstaufführung km Staatstheater Verltn / Gmmy Sonnemsnn verabschiedet sich

Am Heldenqedenktag wartete das Staatliche Schauspielhaus mit einem stilvollen, repräsen­tativen Abend auf. Als viertes Werk der Reihe brandenburgisch-preutzischer Dramatik gelangte Hans Schwarz, der in diesem Hause schon mit sei­nemRebell in England" sich als vielversprechen­der Dramatiker erwies, mit seinem neuesten Werk zur Berliner Uraufführung, demPrinzen von Preußen", der gewissermaßen als ein Gegenstück zu dem Vorgänger anzusprechen ist. Sein Held ist der Rebell in Preußen, Prinz Louis Ferdinand.

In sieben Bildern, denen ein die Größe Preu­ßens versinnbildlichendes Vorspiel vorangeht, zeigt der Autor Weg und Schicksal des genialen Prin­zen auf und erweist an ihm das Preußische schlecht-^ hin. d. h. in diesem Falle die Rebellion und die Einordnung unter die Zucht'des inneren Ge- ietzes. Die preußische Idee wird erfüllt durch die ' Preisgabe des Ichs im Menschen und durch die Opferung des Lebens, damitdie revo­lutionärste Tat: die Pflicht" zum

i Siege gelange. In einer Periode, da Preußens , Stern zu verbleichen drohte, sieht Schwarz seinen ! Helden als die Verkörperung alles. Herrlichen.

! Kühnen Heldenmütigen, das in der preußischen > Tradition fortlebt, und' "er spricht:die Ueberzeu- ! gung aus, daß der Prinz, an den rechten Ort.ge­stellt und auch nur im mindesten von den'.Zd-it- verhältnissen begünstigt, Taten vollbracht haben würd« die Preußens Namen zu ewigem Ruhme gereicht hätten. Doch Zeit und Umstände sind chm entgegen. Durch ein kraftloses Regiment zur! Un­tätigkeit verdammt, muß sein brausendes" Tech: perament- von gewaltigen Körperkräften befeu­ert, in einem ungeregelten und stürmischen Privat­leben sich austoben, das ihm den Ruf eines Wüst­

lings, Trinkers und leichtsinnigen Schuldsn- macherz einbringt.

Als er sich in glühendster Liebesleidenschaft der leichtsinnigen Pauline Wiesel hingibt, erstirbt nie in ihm der Wunsch,die Reliquien von Paulinens schöner Natur zu retten, die Ideen des Guten und Schönen zu beleben" kurz, in ihr verwildertes Herz die Funken edlerer Empfindungen zu wer­fen. Das ist bezeichnend für des Prinzen Innen­leben. Und Schwarz geht es darum, den inneren Zwiespalt Louis Ferdinands mit dieser leiden­schaftlichen Schöngeisterei aufzuzeigen, er stellt sie dar als eine gesuchte Betäubung, die von glühen­dem Patriotismus erfüllten Temperamentsnus- briiche zu beschwichtigen, denn wo sein Prinz geht und steht, brechen Schmerz und Ingrimm über die preußische Zauderpolitik in den bittersten und drei­stesten Reden aus. Der Gedanke, den Fall seines Landes nicht zu überleben, ist das Ressort seines Seins. Nur wenige verstehen ihn: Kleist Stein, Blücher. Gneisenau und über ihnen allen in schwe­sterlichem Gleichgang der Gefühle die. Königin Luise. Das sechste Bild Abschied von der- nigin ist die dramatisch entscheidendste Szene. Mi( der pessimistischen Betrachtung, daß alles Schöne und Gute verschwindet, das Schlechfe er­haben sei, aber auch mit dem Gelübde, nicht'in blinder Kampflust sondern mit dem edlen' Ent­schluß, sich für das Wohl des Ganzen aufzuopfern, sucht und findet er den Tod auf blutiger Walstatt bei Saalfeld ...

- -Die sieben Szenen zeigen Schwarz auf dem Wege zu'einer dramatischen Entwicklung, die für das heutige Bühnenschasfen sehr aufschlußreich ist Noch ist ihm die Erfüllung des dichterische , Anspruchs auf Gültigkeit nicht restlos geglückt, denn das