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Nr. 79 / 3. Jahrgang
Mittwoch, 20. März
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General von Lettow-Vorbeck
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General Paul von Lettow-Vorbeck kann heute seinen 65. Geburtstag begehen. 2« Saarlouis als Sohn eines späteren preußischen Etnerals im Jahre 187V geboren, machte er im Ostasiatischen Expeditionskorps den Feldzug in China mit und wurde zur südwestafrikanischen Schutztruppe versetzt, wo er sich im Herero-Aufstand 1904 bis 1906 auszeichnete, in dem er schwer verwundet wurde. Unter Beförderung zum Major schied er aus der Schutztruppe aus und tat wieder Dienst in der Armee. Am 1. Oktober 191V erfolgte seine Beförderung zum Oberstleutnant. Er wurde zur Schutztruppe versetzt und kam nach Kamerun. Dort erhielt er am 20. April 1914 seine Ernen
nung zum Kommandeur der Schutztruppe in Deutsch-Ostafrika, bei der er sich während des Krieges unverwelklichen' Ruhm erworben hat. Als er schließlich der llebermacht weichen mußte, brach er kämpfend in Portugie- sisch-Ostafrika ein und schlug sich 1918 bis Britisch- Rhodesien durch. Erst auf Grund der Nachricht von dem in Europa abgeschlossenen Waffenstillstand erklärte er sich zur Abgabe der Waffen bereit. In Anerkennung ihrer Tapferkeit beließ General Edwards den Deutschen ihre Waffen. Am 2. März 1919 konnte von Lettow-Vorbeck mit seinen Afrikanern in Berlin einziehen und bildete dort alsbald ein Freikorps, mit dem er am 1. Juli 1919 Hamburg besetzte und vor drohender Spartakistenherrschaft rettete. (Wir verweisen auf den Aufsatz im Innern des Blattes).
Aus Anlaß des 85. Geburtstages des Generals v. Lettow-Vorbeck ist dessen Bildnis am Deutschen Kolonial-Ehrenmal von der Deutsche» Kolouialgesellschaft Abteilung Bremen mit einem Lorbeerkranz geschmückt worden.
„Wir haben unsere Armee wieder!"
Deutschlands Wehrsreudigkeii
Unzählige Meldungen aus allen Schichten des Volkes zum freiwilligen Heeresdienst
Berlin, 19. März
Wie das Reichswehrministerium mitteilt, zeigt die Fülle von Zuschriften und Glückwunschtelegrammen die es in diesen Tagen erhielt, die Anteilnahme des ganzen deutschen Volkes an der Wiederauferstehung seiner Wehrmacht. Von den vielen Beweisen dieser engen Verbundenheit der Wehrmacht mit dem Volke und der ehrlichen Opferbereitschaft aller Schichten seien einige angeführt.
Ein alter, Lerufsunfähig gewordener' Künstler sendet mit einem an den Reichswehrminister gerichteten Schreiben ein Zehnmarkstück von 1888 „sein und seiner Ehefrau heiligstes Erinnerungsstück" mit der Bitte, es als Beitrag zur Wiedcr- aufrichtung der Wehrmacht stiften zu dürfen. Kranke und gelähmte Volksgenossen sprechen ihr Bedauern aus, nicht mit der Waffe ihrer Dienst- pflicht genügen zu können, und bitten, ihre Kraft dem Vaterlande anderweitig Hur Verfügung stellen zu dürfen. Männer eines Arbeitsdienstlagers senden 200 RM als Mithilfe zum Aufbau
Berlin, ,10. März
Die Note, die der englische Botschafter am Montagnachmittag.denvReichsaußenminister Freiherr» v. Neurath überreichte, hat folgenden Wortlaut:
1. Ich beehre mich, Ihnen im Auftrage des königlichen Staatssekretärs für auswärtige Angelegenheiten mitzuteilen, daß sich die königliche Regierung in dem Vereinigten Königreich genötigt sieht, der deutschen Regierung ihren Protest gegen die von ihr am 16. März verkündete Entscheidung zu übermitteln, die allgemeine Wehrpflicht einzuführen und den Friedensrahmen des deutschen Heeres auf 36 Divisionen zu erhöhen. Nach der Bekanntgabe einer deutschen Luftmacht ist eine solche Erklärung ein weiteres Beispiel für eine einseitige Aktion, die, ganz abgesehen von der grundsätzlichen Seite der Frage, geeignet ist. die Unruhe in Europa in ernster Weise zu erhöhen. Der Vorschlag einer englisch-deutschen Zusammenkunft, die in einer Woche stattfinden sollte, ergab sich aus dem Inhalt des englisch-französischen Kommuniques vom 3. Februar und der deutschen Antwort vom 14. Februar, die durch weitere Besprechungen zwischen der königlichen Regierung und der deutschen Regierung ergänzt worden sind. Die königliche Regierung hält es für notwendig, auf den Inhalt dieses Dokumentes besonders hinzuweisen.
2. Das Londoner Kommunique vom 3. Februar stellte ihrerseits fest, daß vertraglich begrenzte
des deutschen Volksheeres. Telegraphisch melden, sich junge Menschen freiwillig zum Heeresdienst unter Angabe des Jahrganges. Ein Stettiner verpflichtet sich drahtlich, auf zwei Jahre die Löhnung für einen Soldaten zu übernehmen. Ein SA-Sturm meldet sich geschlossen zum freiwilligen Eintritt ins Heer. Zahlreiche Meldungen ehemaliger Kriegsfreiwilliger des Weltkrieges trafen ein; darunter befindet sich auch die Meldung eines in Jstambul lebenden Ausländsdeutschen, der in seinem Telegramm sagt: „Melde mich freiwillig für drei Monate. — Für meine vier Kinder ist gesorgt."
Rührend ist die Zuschrift einer Mutter, die drei Söhne im großen Kriege hingeben mußte: Jetzt erst wisse sie, daß ihr Leid einen Sinn gehabt habe und daß sie nun auch ruhig sterben könne. Und ein alter Mann, geschmückt mit dem Frontkämpfer- Ehrenkreuz, stand am Montag früh vor dem Eingang des Reichswehrministeriums und konnte seine Begeisterung nicht zügeln. Jedem Eintretenden mußte er die Hand schütteln, mußte er leuchtenden
Rüstungen nicht durch^einfeitige Aktionen abgeändert werden können, erklärte aber andererseits, -daß die. britische und die französische Regierung zu einer allgemeinen Regelung geneigt seien, über die zwischen Deutschland und den anderen Mächten frei verhandelt werden solle. Diese allgemeine Regelung sollte über die Organisation der Sicherheit in Europa nach den in dem Kommunique angegebenen Richtlinien Bestimmungen treffen und gleichzeitig RUstungsvereinbarungen festlegen, die für Deutschland die einschlägigen Bestimmungen des Teiles V des Versailler Vertrages ersetzen sollten. Das Kommunique führte weiter aus, es sei als Teil der ins Auge gefaßten allgemeinen Regelung anzusehen, daß Deutschland seine aktive Mitgliedschaft im Völkerbund wieder aufnehme und skizzierte schließlich den Inhalt eines Luftpaktes zwischen den Locarnomächten, der als Abschreckungsmittel gegen Angriffe wirken und Sicherheit vor plötzlichen Luftüberfällen gewährleisten sollte.
3. Die Antwort der deutschen Regierung zehn Tage später begrüßte den Geist freundschaftlichen Vertrauens, den das englisch-französische Kommunique zum Ausdruck brachte, und stellte in Aussicht, daß die deutsche Regierung die in dem ersten Teil des LondonerKommuniquös enthaltenen Fragen einer eingehenden Prüfung unterziehen werde. Sie bemerkte zustimmend, daß der in dem Kommunique zum Ausdruck gebrachte Geist freier Verhandlungen zwischen souveränen Staaten allein zu dauerhaften internationalen
Auges zurufen: „Wir haben unsere Armee wieder". Diese und ähnliche Kundgebungen, die alle Schichten unseres Volkes, alle Berufsgruppen und Lebensalter umfassen und die in ihrer Gesamtheit wiederzugeben hier nicht möglich ist, sind «in erhebendes Zeugnis für die Wehrbereitschaft des deutschen Volkes, das nach jahrzehntelanger Unterdrückung und Nichtachtung seines Rechtes die Möglichkeiten und den Weg zur Verteidigung des Va- terlandes wieder vor sich sieht.
Der Reichswehrminister gibt bekannt: Anläßlich der durch die Reichsregierung beschlossenen Wiedereinführung der allgemeinen Wehrpflicht sind mir aus allen Teilen des Reiches, von Dienststellen und Verbänden, aus Wirtschafts- und Privatkreisen sowie aus dem Auslande begeisterte Zuschriften und Glückwünsche in so hoher Zahl zugegangen, daß es mir nicht möglich ist, allen Einsendern persönlich zu antworten. Ich bitte daher, auf diesem Wege meinen herzlichen Dank entgegenzunehmen.
(gez.) von Blomberg, Generaloberst
Regelungen auf dem Gebiete der Rüstungen führen könne. Im besonderen begrüßte sie den Vorschlag über einen Luftpakt! Die deutsche Antwort endete mit der Erklärung, daß die deutsche Regierung es vor Eingehen auf die vorgeschlagenen'Verhandlungen für erwünscht halte, in besonderen Besprechungen mit den in Frage kommenden Regierungen eine Anzahl von grundsätzlichen Vorfragen zu klären. Zu diesem Zweck lud sie die königliche Regierung ein, mit der deutschen Regierungin einen unmittelbaren Gedankenaustausch einzutreten.
4. Da die königliche Regierung sich vergewissern wollte, daß hinsichtlich des Umfanges und des Zweckes der vorgeschlagenen englisch-deutschen Unterhaltung kein Mißverständnis bestehe, richtete sie am 21. Februar an die deutsche Regierung eine weitere Anfrage, auf die diese am folgenden Tage antwortete. Das Ergebnis war eine endgültige Uebereinstimmung zwischen den beiden Regierungen, daß der Zweck der beabsichtigten Zusammenkunft sein sollte, die Unterhaltung über alle in dem englisch-französischen Kommunique behandelten Fragen ein Stück weiterzuführen. Auf dieser Basis hat sich die königliche Regierung darauf vorbereitet, den von der deutschen Regierung vorgeschlagenen Besuch in Berlin auszuführen.
(Fortsetzung auf Seite 2)
Keine Aufregung!
u. Kill. Wenn wir heute, eine halbe Woche nach der Wiederherstellung der deutschen Wehrhoheit, die außenpolitische Wirkung der staatsmännischen Tat Adolf Hitlers einer kritischen Betrachtung unterziehen, so heben sich zwei Momente besonders klar hervor: In psychologischer Hinsicht hat die Weltöffentlichkeit die Selbstbesinnung des deutschen Volkes auf seine eigene militärische Kraft trotz einzelner Verdächtigungen berufsmäßiger Hetzer mehr oder weniger als eine nationale Selb st ver st Südlichste it angesehen. Sodann: Die Diplomaten sehen sich außerstande, wirklich st i ch- haltige juristische Einwände gegen den Schritt des Führers und Reichskanzlers vorzubringen. Mit anderen Worten: Die in der Proklamation der Reichsregierung dargelegten Argumente haben sich im Zusammenhang mit der britischen Aufrüstung und der Einführung der zweijährigen Dienstzeit in Frankreich als so stark und unwiderlegbar erwiesen, daß gewisse aufgeregte Journalisten und Politiker an der Seine mit ihrem zügellosen Haß nicht durchgingen konnten. Vor allem in London hat man sich nicht von der kopflosen Haltung jenes französischen Generals beeinflussen lassen, der den bezeichnenden Rat gibt, dem „Ungeheuer Deutschland" zur Abwehr die „geschärften Hauer" Frankreichs zu zeigen. Indem die Berliner Reise des britischen Außenministers Simon weder abgesagt noch vertagt worden ist, wird man wohl über alle mißmutigen und entstellenden Pariser Stimmen zur Tagesordnung übergehen können.
Die britische Note an Deutschland, die wir an anderer Stelle im Wortlaut wiedergeben, versucht, die rüstungspolitischeEnt- wicklungseit dem 3. Februar, dem Tage der Bekanntgabe des englisch-französischen Kommuniques, in ihren einzelnen Phasen aüfzudecken. Bei diesen Bemühungen ist weniger das, was ausgesprochen, als das, was verschwiegen wird, interessant. Wenn schon von einer Verletzung der militärischen Bestimmungen des Versailler Vertrages die Rede sein soll, so darf man nicht, wie es die englische Note tut, darüber hinweggehen, daß die in Deutschland gewissenhaft durchgeführte Abrüstung ausdrücklich als Einleitung einer allgemeinen Entwaffnung zu gelten hatte. Da aber, bei gleichzeitiger Aufrüstung der anderen, die Abrüstung lediglich Deutschland zugemutet wurde, dürfte die Vertragsverletzung nur auf feiten der fieberhaft rüstenden sogenannten Siegerstaaten erfolgt sein. Weiter verschweigt die Londoner Note die Veröffentlichung des englischen Weißbuches, das mit seinen überraschenden Unfreundlichkeiten gegenüber Deutschland nicht gerade als Grundlage für die kommenden Berliner Verhandlungen gelten konnte, während* das deutsche Wehrgesetz die gewünschte Klarheit über die Absichten des Führers geschaffen hat.
Es wäre überhaupt ratsam, den Versailler Vertrag in diesem Zusammenhang endlich aus dem Spiele zu lassen. Arnold I. Toyn- bee, Professor der Geschichte an der Universität London, bemerkt in einem Aufsatz über
England und das Wehrgesetz
Der Wortlaut der britischen Note / Wer hat den Versailler Vertrag verletzt?
Geschichten um
Pferdestehlen
Die Mitarbeiter Lettow-Vorbecks, vor allem Hauptmann Ruckteschell, mutzten sich die Ausrüstung für ihren Stab, einschließlich des Pferdematerials, vom Feind „besorgen". Lettow verfolgte mit diebischer Freude ihre fortgesetzten Versuche, möglichst gute Pferde für den Kommandostab und für die Stabsschwadron zu-
- stehlen. Eines Tages gelang Hauptmann Ruckteschell ein großer Coup. Er überfiel mit zwei Ordonnanzen einen britischen Pferdewärter, der 67 Pferde, die eben bei der Tränke waren, beaufsichtigte. Man holte sich das „Seitpferd" heraus, setzte den Tommy darauf und jagte nach der deutschen Front zurück. Der Engländer erklärte Lettow-Vorbeck: „Ich möchte wohl das dumme Gesicht meines Captein sehen, wenn er zu Fuß nach Haus gehen mutz."
„kasi ulava"
Als die ersten feindlichen Flieger über Ostafrika erschienen, benahmen sich die deutschen eingeborenen Soldaten, die Askaris, verhältnismäßig gesatzt und fielen nicht in den panischen Schrecken, den Flugzeuge bei anderen Naturvölkern erzeugen. Die Askaris waren der Meinung, daß die Europäer alles fertig brachten, auch das Fliegen, lind so nannten sie die Flugzeuge einfach „lca/.i ulazm", das heißt „europäische Sache". Als Let- tow-Vorbeck davon hörte, sagte er zu seinem schwarzen Diener' „Wir werden nächstens auch eine deutsche „kam ulaz,a" zu sehen bekommen, nämlich einen „Zeppelin!"
„Sakkarani!"
Als Lettow-Vorbeck seine Truppen zur Schlacht non Tanga formierte, rief er einen seiner besten Offiziere, Tom von Prince, den
Lettow-Vorbeck
Sohn eines englischen Vaters und einer-deutschen Mutter, herbei, eine etwas abenteuerliche Persönlichkeit, die sich schon ein halbes Menschenalter im afrikanischen Busch herumgeschlagen hatte. Als die Askaris im Begriff waren, unter dem englischen Artillerieseuer zurückzufluten, erkannten sie plötzlich Tom von Prince, den in Ostafrika förmlich berühmt gewordenen Buschjäger und stießen ihren Kampf- und Siegesruf aus: „Sakkarani!" Von diesem Moment ab kam die deutsche Front zum Stehen und die Askaris gingen hinter Tom von Prince zum siegreichen Angriff vor. Dre Engländer flohen zu ihren Schiffen zurück und Lettow-Vorbeck drang mit den Seinen unter dem Siegesruf: „Sakkarani!" bis an die Landungsbrücken nach. Leider fiel Tom von Prince bei dieser Attacke und Lettow hielt ihm eine ergreifende Abschiedsrede.
„Der Tag der alten Gewehre"
AIs Lettow-Vorbeck mit seiner Schutztruppe von Deutsch-Ostafrika nach Portugiesisch-Afrika hinüberwechselte, fiel den deutschen Kolonialsoldaten vor allem auf, daß der Klang der portugiesischen Gewehre viel Heller als der englischen Karabiner und der veralteten deutschen Feuerbüchsen, Modell 1871, war. Beim ersten Angriff-auf die Portugiesen stürmten die Schutztruppler gegen die feindliche Stellung vor mit dem Ruf: „Heut rst der Tag der alten Gewehre!"' und warfen den Feind.
146 Generale
Einen Weltkriegrekord hatte Lettow-Vorbeck am Schluß des ostafrikanischen. Feldzugs zu verzeichnen. Es wurde ihm von den Engländern erzählt, daß er gegen - 148 englische und portugiesische Generale gekämpft habe. Der Rekord wurde dadurch erreicht, daß Vordeck durch die Mi
litärbezirke der britischen und portugiesischen Kolonien gezogen war, die alle einem General unterstanden.
„Wo ist Lettow?"
In London verkaufte man gegen Ende des Weltkrieges einen Scherzartikel, nämlich einen zusammenlegbaren Brief, auf dem stand: „Wo ist Lettow?" Oeffnete man ihn, dann stand aus der letzten Seite: „Er ist gerade wieder entwischt!"
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Hans Achwsr;: „Prinz von Preußen"
Erstaufführung km Staatstheater Verltn / Gmmy Sonnemsnn verabschiedet sich
Am Heldenqedenktag wartete das Staatliche Schauspielhaus mit einem stilvollen, repräsentativen Abend auf. Als viertes Werk der Reihe brandenburgisch-preutzischer Dramatik gelangte Hans Schwarz, der in diesem Hause schon mit seinem „Rebell in England" sich als vielversprechender Dramatiker erwies, mit seinem neuesten Werk zur Berliner Uraufführung, dem „Prinzen von Preußen", der gewissermaßen als ein Gegenstück zu dem Vorgänger anzusprechen ist. Sein Held ist der Rebell in Preußen, Prinz Louis Ferdinand.
In sieben Bildern, denen ein die Größe Preußens versinnbildlichendes Vorspiel vorangeht, zeigt der Autor Weg und Schicksal des genialen Prinzen auf und erweist an ihm das Preußische schlecht-^ hin. d. h. in diesem Falle die Rebellion und die Einordnung unter die Zucht'des inneren Ge- ietzes. Die preußische Idee wird erfüllt durch die ' Preisgabe des Ichs im Menschen und durch die Opferung des Lebens, damit „die revolutionärste Tat: die Pflicht" zum
i Siege gelange. In einer Periode, da Preußens , Stern zu verbleichen drohte, sieht Schwarz seinen ! Helden als die Verkörperung alles. Herrlichen.
! Kühnen Heldenmütigen, das in der preußischen > Tradition fortlebt, und' "er spricht:die Ueberzeu- ! gung aus, daß der Prinz, an den rechten Ort.gestellt und auch nur im mindesten von den'.Zd-it- verhältnissen begünstigt, Taten vollbracht haben würd« die Preußens Namen zu ewigem Ruhme gereicht hätten. Doch Zeit und Umstände sind chm entgegen. Durch ein kraftloses Regiment zur! Untätigkeit verdammt, muß sein brausendes" Tech: perament- von gewaltigen Körperkräften befeuert, in einem ungeregelten und stürmischen Privatleben sich austoben, das ihm den Ruf eines Wüst
lings, Trinkers und leichtsinnigen Schuldsn- macherz einbringt.
Als er sich in glühendster Liebesleidenschaft der leichtsinnigen Pauline Wiesel hingibt, erstirbt nie in ihm der Wunsch, „die Reliquien von Paulinens schöner Natur zu retten, die Ideen des Guten und Schönen zu beleben" — kurz, in ihr verwildertes Herz die Funken edlerer Empfindungen zu werfen. Das ist bezeichnend für des Prinzen Innenleben. Und Schwarz geht es darum, den inneren Zwiespalt Louis Ferdinands mit dieser leidenschaftlichen Schöngeisterei aufzuzeigen, er stellt sie dar als eine gesuchte Betäubung, die von glühendem Patriotismus erfüllten Temperamentsnus- briiche zu beschwichtigen, denn wo sein Prinz geht und steht, brechen Schmerz und Ingrimm über die preußische Zauderpolitik in den bittersten und dreistesten Reden aus. Der Gedanke, den Fall seines Landes nicht zu überleben, ist das Ressort seines Seins. Nur wenige verstehen ihn: Kleist Stein, Blücher. Gneisenau und über ihnen allen in schwesterlichem Gleichgang der Gefühle die. Königin Luise. Das sechste Bild — Abschied von der Kö- nigin — ist die dramatisch entscheidendste Szene. Mi( der pessimistischen Betrachtung, daß alles Schöne und Gute verschwindet, das Schlechfe erhaben sei, aber auch mit dem Gelübde, nicht'in blinder Kampflust sondern mit dem edlen' Entschluß, sich für das Wohl des Ganzen aufzuopfern, sucht und findet er den Tod auf blutiger Walstatt bei Saalfeld ...
- -Die sieben Szenen zeigen Schwarz auf dem Wege zu'einer dramatischen Entwicklung, die für das heutige Bühnenschasfen sehr aufschlußreich ist Noch ist ihm die Erfüllung des dichterische , Anspruchs auf Gültigkeit nicht restlos geglückt, denn das