Ausgabe 
(19.3.1935) Nr. 78
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Nr. 78 / 3. Jahrgang

Dienstag, iy. März

Einzelpreis 15 Rpf.

Gemeinschaft studentischer Verbände

Berlin, 18. März.

Im Interesse der unbedingt notwendigen end­lichen Beruhigung des Korporationslebens an den Kochschulen ist zwischen der Reichsleitung der NZDAP. (durch Reichsleiter Dr. Wagner als Beauftragten des Stellvertreters des Führers) und dem Nationalsozialistischen Deutschen Studen­tenbund (durch dessen Führer Reichsamtsleiter Jerichsweiler)- einerseits und der Gemein­schaft studentischer Verbände (Staatssekretär und Chef der Reichskanzlei Dr. Lammers) anderer­seits eine Vereinbarung getroffen worden, deren Wesentlichste Stellen lauten:

„Nachdem die Gemeinschaft studentischer Ver­bände für die ihr angehörenden Verbände und Korporationen sich verpflichtet hat, einerseits für die Erhaltung und Stärkung der Werte des deut­schen Korporationsstudententums unablässig Sorge zu tragen, zum anderen durch stetige innere Erziehungsarbeit immer mehr in den national­sozialistischen Staat hineinzuwachsen und seinen Anforderungen gerecht zu werden, ist jede Un­stimmigkeit zwischen diesen Verbänden und Kor­porationen einerseits und dem NSDStV. ande­rerseits zu vermeiden.

Die NSDAP. und der Nationalsozialistische Deutsche Studentendund werden künftig die Ge­meinschaft studentischer Verbände als Gesamtoer- tretung der studentischen Korporationsverbände betrachten in der Erwartung, daß die Korporatio­nen und Verbände, die sich zu den gleichen Grund­sätzen wie die Gemeinschaft studentischer Verbände bekennen, dieser aber noch nicht angehören, den baldigen Anschluß finden. Die Verbände sind sich darin einig, daß die Vertretung aller waffen- studentischen und Ehren-Angelegenheiten aus­schließlich Sache des Allgemeine» Deutschen Waf- senringes ist.

Abzeichen der deutschen Zueilten

Um der geschlossenen Einheit des deutschen Rechtsstandes auch nach außen hin sichtbaren Aus­druck zu verleihen, hat der Reichsjuristeniührer, Reichsminister Dr. Frank, die Schaffung eines Mitgliederabzeichens für alle Mitglieder des Bundes Nationalsozialistischer deutscher Juristen und der Deutschen Rechtsfront angeordnet. Das Abzeichen stellt das Symbol des Bundes, Schwert­adler mit der Waage, dar.

Nach Wiedecherftellung der deutschen Wchrdoheit

England erhebt Einwendungen

Britische Note in Berlin überreicht / Variser Forderungen / ES bleibt beim Simon-Besuch

Berlin, 18. März.

Der englische Botschafter Sir Eric Phipps hat Montagnachmittag den Reichsminister des Auswärtigen aufgesucht und ihm eine Note überreicht, in der die Einwendungen der englischen Regierung gegenüber dem Reichsgesetz über den Aufbau der Wehrmacht vom 1K. März enthalten sind. Am Schlutz dieser Note ist die Frage wiederholt, ob die Reichsregierung bereit sei, anläßlich des Be­suches von Sir John Simon in Berlin die im Londoner Kommunique vom 3. Februar enthaltenen Punkte zu erörtern. Der Reichs­minister hat diese Anfrage in bejahendem Sinne beantwortet.

Zu der Lage nach der Verkündung des Gesetzes über den Aufbau der Wehrmacht und nach dem englischen Schritt in Berlin schreibt die deutsche diplomatisch-politische Korrespondenz u. a.: Deutschland lehnt nicht Verhandlungen über die

internationale Rüstungsregelung ab: es wünscht sie nach wie vor und will ihren Erfolg. Was es aber ablehnt, ist, noch zu verhandeln über ein Spezialregime für Deutschland oder gar über jenes Minimum an Sicherheit, das jeder souveräne Staat und erst recht jede Großmacht für sich in Anspruch nimmt. Irgendeine Kritik an Art und Zeitpunkt des deutschen Schrittes zum Wiederaufbau der Wehrmacht ist daher abwegig. Die Grundlagen, auf denen im Sinne des eng­lisch-französischen Kommuniques vom 3. Februar verhandelt werden soll, sind durch die deutschen Maßnahmen nicht umgestoßen, sondern geklärt worden.

Die vor der Tür stehenden Verhandlungen, die der englische Außenminister in Berlin mit der deut- schen Regierung führen wird, werden Gelegenheit geben, über die Frage einer internationa­len Regelung der Rüstungen wie auch über die anderen im Londoner Kommunique ent­haltenen Fragen zu sprechen.

Paris, 18. März.

Die Besprechungen, die zwischen der italienischen und der französischen Regierung auf diplomati­schem Wege stattgefunden haben, sollen nach An­sicht gut unterrichteter Kreise bereits zu einer Einigung darüber geführt haben, daß die Ant­wort, die auf den Beschluß der Reichsregierung zu erteilen sei, in einem Protestschritt der Bot­schafter Paris', Londons und Roms in Berlin bestehen müsse. Anschließend daran sollen die Be­sprechungen zwischen den drei Mächten auf diplo­matischem Wege fortgesetzt werden.

Man erklärt in gut unterrichteten Kreisen, daß man gerade die juristische Seite der Frage als sehr heikel betrachte, da der Versailler Vertrag eine Verletzung der Militärklauseln nicht vorge­sehen habe, sondern lediglich etwaige Maßnahmen im Falle einer Verletzung der Reparations­klauseln. Auch der Locarnovertrag habe diese Möglichkeit nicht berücksichtigt. Man werde sich aber mit der Möglichkeit eines Schrittes beim Völkerbund befassen.

Als souveräner Staat...

Der Führer über Deutschlands Verhandlungsbereitschaft /

München, 18. März.

Der Führer und Reichskanzler beantwortete nach seiner Ankunft in München dem bekannten englischen Journalisten der Rothermere-Presse, Ward Price, einige Fragen.

Auf die Frage, ob Deutschland auch in Zukunft genau so bereit sei, mit England und Frankreich zu verhandeln, wie es dies in seiner Note vom 15. Februar zum Ausdruck gebracht hat, ant­wortete der Kanzler: „Die Herstellung der deut­schen Wehrhoheit ist ein Akt der Wiederherstellung der verletzten Souveränität eines großen Staates. Anzunehmen, daß ein souverän gewordener Staat weniger geneigt sei zu einer Verhandlung als ein nichtsouveräner, würde absurd sein. Gerade weil wir ein souveräner Staat sind, sind wir auch bereit, mit anderen souveränen Staaten zu ver­handeln."

Ward Price fragte dann den Kanzler, ob nach wie vor Deutschland sich an die territoria­len Bestimmungen des Versailler Vertrages gebunden hielte, worauf der Kanz­ler erwiderte: „Durch den Akt der Wiederher­stellung der deutschen Wehrhoheit ist der Ver­sailler Vertrag nur in jenen Punkten berührt, die durch die Verweigerung der analogen Ab- rüstungsverpslichtungen der anderen Staaten tatsächlich ohnehin schon längst ihre Rechtskraft verloren haben. Die deutsche Regierung ist sich klar darüber, daß man eine Revision territorialer Bestimmungen internationaler Verträge nie durch einseitige Maßnahmen hervorrufen kann."

Zum Schluß fragte Ward Price den Führer, welchen Eindruck die Proklamation vom 16. März

auf das deutsche Volk gemacht hätte. Des Führers Antwort war: „Sie haben ja, Ward Price, im übrigen die Stimmung des deutschen Volkes in Berlin gesehen und sahen sie nun im Süden des Reiches, in München. Sie ist in keinem Ort in Deutschland anders. Dies mag Ihnen aber etwas zeigen: Das deutsche Volk empfindet den Akt der deutschen Regierung von gestern überhaupt nicht so sehr als einen militärischen, als vielmehr einen moralischen. Es hat fünfzehn Jahre lang ge­litten unter Bestimmungen, in denen es ein selbst­verständliches Eigenrecht jedes Volkes verletzt sah. Hätte die Welt eine internationale Abrüstung durchgeführt, das deutsche Volk wäre mehr als zufrieden gewesen. Datz die übrige Welt rüstet und Deutschland jedes Selbstverteidigungsrecht be- streitet, wurde als ungeheuerliche und entwürdi­gende Vergewaltigung empfunden. Daß diese wehrlose Stellung aber außerdem noch zu einer ununterbrochenen Folge von Demütigungen führte läßt erst das stolze Glück begreifen, das die Nation nunmehr nach der Wiederherstellung ihrer Ehre empfindet. Wenn Sie einen dieser. Millionen aber nun fragen würden, ob er denn nun an Frieden oder Krieg denke, dann würde er Sie vollkommen verständnislos ansehen. Denn alle diese jubelnden Menschen werden ja nicht bewegt von irgendeinem Gefühl des Hasses gegen irgend­eine andere Nation, sondern ausschließlich vom Gefühl des Glückes, datz das eigene Volk nun wieder freigeworden ist. Sie alle bewegt nur der eine Gedanke, daß sie sich nunmehr wieder ohne sich schämen zu müssen, einem großen Volk zurechnen dürfen. Sie verstehen dies nicht und

Interview mit Ward Vrice

können dies nicht verstehen. Würden Sie aber ähnliches durchlebt haben wie das deutsche Volk dann würden Sie vielleicht die Empfindungen begreifen, die einen Menschen ersassen, den man anderthalb Jahrzehnte lang in einer ehrlosen Stellung hielt und der sich nun seine Ehre selbst zurückgegeben hat.

Deshalb ist es mir auch möglich, in derselben Proklamation, in der ich die nationale Wehr­hoheit des Deutschen Reiches wiederherstelle, laut und deutlich für den Frieden zu plädieren und unsere Mitarbeit an der Sicherung des Friedens zur Verfügung zu stellen. Denn das deutsche Volk will keinen Krieg, sondern es will ausschließlich das gleiche Recht aller anderen. Das ist alles.

Sechs Wadworfchläge in Danzig

Danzig, 18. März

Zur Danziger Volkstagswahl find sechs Wahl­vorschläge eingereicht worden.

An der Spitze steht der Wahlvorschlag der NSDAP. Die weiteren Wahlvorschläge sind ein­gereicht worden vom Zentrum, den Sozialdemo- kraten, den Kommunisten, der sogenannten „Nationalen Front" und einem marxistisch ein­gestellten angeblichen „Frontkämpferbund". Zwi­schen den beiden letztgenannten Wahlvorschlägen besteht Listenverbindung. Diese Listenverbindunq ist um so eigenartiger, als die Nationale Front sich als Fortsetzung der früheren Deutschnatio­nalen Volkspartei ausgibt. Es ergibt sich, daß eine ernst zu nehmende Opposition gegen die NSDAP. nicht mehr besteht.

Klarheit und Logik

Von

Reichsminister Dr. Goebbels

Mit nachfolgenden Ausführungen nimmt Reichspropagandaminister Dr. Goebbels 'selbst das Wort zu der Auslandswirkung des Gesetzes für den Ausbau der Wehrmacht. 2n kristallklarer Folgerichtigkeit beweist er, daß durch dieses Gesetz und die Bekanntgabe der künftigen Wehrstärke Deutschlands keine Be­unruhigung Europas, sondern im Gegenteil eine Konsolidierung des Friedens bewirkt werde. Die Schriftleitung.

Die deutsche Öffentlichkeit verzeichnet mit einigem Erstaunen die Reaktion, die die Be­kanntgabe des Gesetzes zum Wiederaufbau der Wehrmacht in den zuständigen Kreisen der europäischen Hauptstädte hervorgerufen hat. Sie glaubte, vermuten zu dürfen, daß die Welt mit sichtlicher Erleichterung und einem Gefühl innerer Befriedigung diese Tatsache zur Kenntnis genommen hätte. Denn die offene und rückhaltlose Darlegung der deutschen Absichten stellt in Wahrheit ein Element der Beruhigung dar, das für die logische und fruchtbare Betrachtung der euro­päischen Situation erfreulich, wenn nicht geradezu unentbehrlich ist. Das Geheim­nis, das die deutsche Wehrfrage in den vergangenen Monaten und Jahren umgab, war gerade von offiziellen und nicht amt- jichen Stellen des Auslandes oft und leb­haft beklagt worden, vor allem im Hinblick darauf, daß ohne uneingeschränkte Kennt­nis der Absichten Deutschlands eine Konsoli­dierung des Friedens, wie man sagte, aus­geschlossen erschien. Mehr als einmal ist des­halb von diesen Stellen dem Wunsche Aus­druck gegeben worden, Deutschland möge der Geheimniskrämerei ein Ende machen und Klipp und klar dartun, wohin es steuere, was es wolle und welche Pläne es verfolge.

Die Erfüllung dieses Wunsches war um so dringender geboten, als die meisten auslän­dischen Zeitungen zum Teil maßgebenden Charakters sich in vagen und phantastischen Schätzungen ergingen, die in den tatsäch­lichen Verhältnissen keine Begründung fan­den, darüber hinaus aber nur geeignet er­schienen, die Völker in eine höchst gefährliche kriegerische Psychose zu versetzen. Kein an­deres Gebiet gilt so wenig, wie gerade das militärpolitische, als geeignet, übertriebenen und ausschweifenden Mutmaßungen Raum zu geben. Was hier not tut, ist Klarheit, denn nur aus der Klarheit läßt sich jene realistische Logik entwickeln, die allein die innere Kraft besitzt, eine verworrene Situa­tion aufzuhellen und aus ihr die entsprechen­den Elemente der Sicherheit und politischen Stabilität zu kristallisieren.

Wie sehr die Welt das Bedürfnis ver­spürte, über den deutschen Rüstungsbestand Klarheit zu erhalten, vermag man aus der Tatsache ersehen, daß sie sich selbst mit allen ihr zu Gebote stehenden Mitteln jene Unter­lagen zu verschaffen versuchte, die ihr von Deutschland vorenthalten wurden. Die histo­rische Tat des Führers am vergangenen Sonnabend hat diesem auf vage Vermutun­gen angewiesenen Verfahren ein Ende ge-

Spuren im Sand ...

Detektive der Wüste / Von Max Wünsch

Wenn in Europa ein Verbrechen begangen wurde und der Täter unbekannt ist, so tritt der Erkennungsdienst in Aktion und sucht mit Hilfe der seinsten Methoden (Fingerabdrücke) Aufschluß über die Person des Täters zu erhalten. An­ders ist es in Nordafrika, Aegypten, dem Sudan und allen Gebieten, die, von der unermeßlichen Wüste umgeben, dem Täter — sofern er unter den Eingeborenen zu suchen ist — eine erfolg­reiche Flucht ermöglichen.

Die englische Grenzpolizei, aus weihen Offi­zieren und sudanesischen Polizeisoldaten be­stehend, hat ständig eine Anzahl Beduinen in ihrem Dienst, die lediglich als Spurensucher be­schäftigt werden. Diese Leute, von frühester Kindheit geschult auf dem Sand der Wüste die kargen Spuren menschlichen und tierischen Lebens M deuten, entfalten Fähigkeiten, die an das Un­mögliche grenzen.

Einige Beispiele seien erzählt: In der Nähe »an Kairo, am Rande der Wüste, war in einer englischen Niederlassung eingebrochen und ver­sucht worden, den Kasfenschrank zu berauben. Alle llmstände deuteten darauf hin, daß entlassene eingeborene Soldaten oder Diener, die mit den Gepflogenheiten der Niederlassung vertraut wa­ren, die Tat begangen hatten.

Die benachrichtigte Grenzpolizei erschien, sofort und brachte zwei Beduinen als „tracker" mit. Diese beiden Leute besichtigten das Loch im Drahtzaun, durch das die Täter eingedrungen waren, und wanderten dann kreuz und quer scheinbar ziellos in der Umgebung umher Schließlich schlenderten sie langsamen Schritts hinaus in die Wüste und kehrten erst nach Stun­

den zurück. Ihr Bericht könnte von einem euro­päischen Meisterdetektiv, deren es ja in der Phan­tasie unserer Eroschen-Roman-Schreiber so viele gibt, nicht überboten werden: Die Bande — sag­ten sie — bestand aus zehn Mann, sieben in Schu­hen, zwei in Strümpfen und einem Barfüßigen. Alle waren bewaffnet durch das Loch im Zaun gekrochen. Ihre Mäntel oder Tücher hatten sie draußen niedergelegt und erst bei ihrer Rückkehr wieder an sich genommen. Augenscheinlich woll­ten sie ihren Raub darin tragen.

Obgleich die Diebe die Vorsicht gebraucht hat­ten, in der Nähe der Niederlassung Zehen und Ballen zusammenzuziehen, um dadurch ihre Spur unkenntlich zu machen, nutzte ihnen das Manöver nicht viel, da sie in der Wüste doch wieder ihren freien Gang annahmen. Die Spuren wiesen nach einem zwanzig Kilometer entfernten Wüstendorfe. Hier wurden mehrere ehemalige Diener der Nie­derlassung zusammengerufen und veranlaßt, in einer Reihe über den vorher sauber eingeebneten Sand zu laufen. Schon nach den ersten Schritten bezeichneten die „trackers" einen der Verdäch­tigen mit Bestimmtheit als den barfüßigen Mann der Bande. Er wurde sofort festgesetzt, und schließlich konnte man die ganze Bande ermitteln.

Noch besser zeigt folgender Fall die Kunst der Beduinen im Spurenlesen: Zwei Männer waren von einer Räuberbande niedergeschlagen und mit­geschleppt worden. Ihre Spuren wurden tage­lang verfolgt. Die Beduinen waren über die Anzahl der Räuber genau im Bilde, wußten, daß sie einen toten Mann trugen und einen verwun­deten. Sie konnten durch Geruch und Gesicht mit untrüglicher Sicherheit feststellen, ob es sich

um Tier- oder Menschenblut handelte, ob das Blut aus einem lebenden oder toten Körper stammte. Nach einigen Tagen Verfolgung be­zeichneten sie eine Stelle im Wüstensand, wo der Toto begraben lag. Am andern Tag fanden sie eine zweite Stelle, wo der auf der Flucht hinder­lich gewordene Verwundete ermordet und be­graben worden war. Mit Hilfe der „trackers" gelang es der Polizeitruppe, die ganze Bande zu fassen und zu überführen.

Aber nicht nur die Spezialisten unter den Be­duinen, die angestellten „trackers", leisten Er­staunliches, sondern jeder Angehörige eines Wü- stenstammes versteht sich seit frühester Kindheit auf das Lesen im Sande. Es gehört gewisser­maßen zu seiner Ausrüstung im Kampf ums Da­sein. Als Baby lernt er zuerst die Fußspuren seiner Mutter von denen anderer Stammesange­höriger zu unterscheiden. Dann geht er mit seiner Mutter hinter der kleinen Ziegenherde her, und ehe er lernt, seine Finger zu zählen, kann er die Fußspuren der einzelnen Tiere unterscheiden. Später ist es sein Amt, verlaufene Tiere zu suchen. Ein Beduinenjunge ist oft tagelang hin­ter einem entlaufenen Kamel her, ehe er es überhaupt zu Gesicht bekommt.

Der Beduine registriert jede Spur, die er ein­mal gesehen hat, in seinem Gedächtnis, so wie sich der Stadtbewohner vielleicht auffallende Gesichter einprägt. Der Wüstenbewohner erkennt die Spur eines ausgewachsenen Kamels wieder, wenn er es als zweijähriges Tier gekannt hat. und das mit derselben Sicherheit, mit der wir einen Mann wiedererkennen, den wir als Knaben kannten.

Eine Veduinenfrau kam einst suchend an ei» Wasserloch, wo die Schaf- und Ziegenherden tran­ken. An diesem Tage waren fünf verschiedene Herden, jede rund hundert Kopf stark, an der

Tränke gewesen, und drei Tiere der Frau waren mit einer fremden Herde gelaufen. Den Boden um die Tränkestello bedeckten unzählige Fuß­spuren, doch ein Stück weiter draußen, wo die Herden in verschiedenen Richtungen abgezogen waren, fand die Frau ohne weiteres die Herde heraus, mit der ihre Ziegen gelaufen waren. Als sie am Abend mit den wiedergefundenen Tieren an der Tränkestelle vorbeikam, staunten die dort rastenden weißen Männer über ihre Leistung ebenso wie die schwarze Frau über die Blindheit der Weißen.

Der Beduine erkennt mit Sicherheit die Tages­zeit, wann der Fußeindruck gemacht wurde. Die von einem Nachtmarsch herrührenden Spuren sehen anders aus als die am Tage gemachten. Sie sind weniger gerade, führen über steinige Stellen und zeigen gelegentliches Stolpern und

Gleiten. Am frühen Morgen, wenn der Tau fällt, sind die Spuren tiefer, als wenn der Sand trocken ist. Am Morgen und vor Sonnen­untergang, wenn der Sand kühl wird, laufen die Beduinen barfuß.- Wird der Sand heiß, so zie­hen sie Sandalen an. Hat die Karawane Rast gemacht, so ist das in der Mittagszeit geschehen, und die Spuren davon sind lange und deutlich sichtbar. Aber nur für den, der Augen hat. Wen Allah mit Blindheit schlug, wie die weißen Un­gläubigen, der steht und staunt und murmelt: „Wunderbar" — und alles ist doch für den De­tektiv der Wüste die einfachste Sachs der Welt.

Berichtigung. In unserem Bericht über die „Märzausstellung in der Kunsthalle" muß es (statt Joachim Utesch) Joachim Utech heißen.

Eine Gedenkmünze zum Vach-Fubüäum

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