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N7.104 / 3. Zähmung
Sonntag, 14 . April
Einzelpreis is Rpf.
Die Neichöregiemng über den Ostpakt
Für Llnterzeichnung von Nichtangriffspakten, gegen das System der Kriegsbünöniffe
Unser lagesspisgel
Die Reichsregierung erklärt sich in einer Darlegung ihrer Ostpakt-Politik erneut zur Unter- zeichnung von Nichtangriffspakten bereit.
Die in Stresa vertretenen drei Mächte werden heute ein Schlußkommunique über das Ergebnis der Konferenz veröffentlichen.
In Stresa wurde beschlossen, am 20. Mai eine Donau-Konferenz nach Rom einzuberufen.
Der Führer und Reichskanzler hat dem Fliegergeschwader in Niedersachsen die Bezeichnung „Geschwader Boelcke" verliehen.
Auf der Jahresversammlung der Freunde des Jbero-amerikanischen Instituts in Hamburg äußerte sich Dr. Schacht über die erfreuliche Aufwärtsentwicklung des Außenhandels mit den lateinamerikanischen Ländern.
In Berlin wurde durch Reichsminister Darr« die deutsche Frühjahrsblumenschau eröffnet.
Im Amateur-Länderboxkampf besiegte Deutschland die ungarische Mannschaft überlege« 11 : 8 .
Die Landesstelle Weser-Ems gibt die Richtlinien für den bevorstehenden Rundfunksprecher-Wettbewerb bekannt.
Kreiswalter der DAF., Pg. Schwenk, erläßt einen Aufruf an alle Schassenden Bremens.
Gelöbnis der Vertrauensmänner
Berlin, 13. April.
In einer 13. Durchführungsverordnung zum Gesetz zur Ordnung der nationalen Arbeit wird festgestellt, daß die Ablegung des Gelöbnisses der Vertrauensmänner am 1. Mai im Betriebe selbst zu erfolgen hat. Das Gelöbnis kann an dem letzten vor dem 1. Mai liegenden Werktag oder an einem der beiden auf den 1. Mai folgenden Werktage abgelegt werden, wenn durch eine vorhergehende Betriebsversammlung die Teilnahme der Betriebsangehörigen an der gemeinsamen Feier der Bevölkerung wesentlich erschwert werden würde. Einer besonderen Genehmigung des Treuhänders der Arbeit bedarf es nicht.
Die Verordnung steht weiter eine Verpflichtung der Abstimmungsleiter vor, das Ergebnis der Abstimmung unverzüglich, spätestens innerhalb einer Woche nach Feststellung, der zuständigen Kreiswaltung der Deutschen Arbeitsfront mitzuteilen. Dabei ist die Zahl der im Betriebe abstimmungsberechtigten Eefolgschaftsmit- glieder und die Zahl der Stimmen, die auf die einzelnen als Vertrauensmänner oder Stellvertreter vorgeschlagenen Personen entfallen sind, anzugeben. Die Mitteilung hat auch zu. erfolgen, wenn die Abstimmung erfolgslos verlaufen ist.
Was -er Irie-ensplan enthalten müßte
Berlin, 13.. April.
Irreführende Auslegungen in verschiedenen Pressekommentarcn haben die Rcichsregierung veranlaßt, ihren Standpunkt in der Frage des Ostpaktes wie folgt zu präzisieren:
I. In den Berliner Besprechungen hat der Führer und Reichskanzler der britischen Delegation mitgeteilt, daß die deutsche Regierung zu ihrem Bedauern nicht in der Lage sei, zum Ostpakt in der vorgeschlagenen Form ihren Veitritt zu erklären. Die deutsche Reichsregierung sei demgegenüber aber bereit, einem solchen kollektiven Sicherheitspakte ihre Zustimmung zu geben dann, wenn er
erstens sich aufbaue auf gegenseitigen und allgemeinen Nichtangrisfsverpflichtun- gen und Schiedsgerichtsverfahren;
zweitens im Falle einer Friedensstörung ein konsultatives Verfahren vorsehe.
Drittens sei die deutsche Reichsregierung bereit, — unter Betonung der Schwierigkeiten der einwandfreien Feststellung eines Angreifers — sich allgemeinen Maßnahmen der Nichtunterstützung eines solchen anzuschließen.
Zu diesem Angebot steht die deutsche Reichsregierung auch heute.
II. Der Führer und Reichskanzler hat in dieser Besprechung weiter mitgeteilt, daß die deutsche Regierung nicht in der Lage sei, einem Paktvorschlag zuzustimmen, der, sei es für alle oder für einzelne, mehr oder weniger automatische militärische Bei st a n dsverpflichtun- gen enthalte. Diese sähe darin nicht ein Element
der Friedenserhaltung, sondern eher noch ein Element der Friedensbedrohung. Die deutsche Reichsregierung bekennt sich auch heute zu dieser Auffassung und zu der sich daraus ergebenden Haltung.
III. Die Reichsregierung hat sofort nach Uebernahme der Macht ihren Wunsch ausgedrückt, mit den umliegenden Staaten Nichtangriffspakte abzuschließen. Sie machte diesen Vorschlag, ohne eine eingehende Kenntnis bestehender zwei- oder mehrseitiger militärischer Abmachungen einzelner Staaten zu besitzen, und ohne jede Bezugnahme auf sie. Da sie selbst keine aggressiven Absichten hegt, fühlt sie sich von wirklichen ^ Defensivabkommen auch nicht betroffen. Auch zu dieser Auffassung bekennt sich die deutsche Regierung heute noch.
So wenig sie daher in der Lage ist, einem Pakt beizutrete», der solche militärischen Verpflichtungen als ein wesentliches Element seines Inhalts und damit seiner Existenz enthält, so wenig könne» solche außerhalb dieses Paktes liegenden Vereinbarungen die deutsche Reichsregiernng behindern, ihrerseits, Nichtangriffspakte auf der oben fixierten Basis abzuschließen.
Dies ist der Sinn der Antwort der deutschen Reichsregierung auf die Frage des Königlich Britischen Botschafters, ob Deutschland bereit sei, - einen Ostpakt -auf der von ihm selbst, angedeuteten Grundlage abzuschließen, auch für den Fall, daß andere Staaten unter sich noch besondere Abmachungen getroffen hätten oder treffen würden.
Die deutsche Reichsregierung will aber an dieser Stelle die folgenden Bemerkungen nicht unterdrücken: Die von verschiedenen Regierungen als
nötig erachtete Ergänzung von Nichtangriffs- und Gewaltausschließungspakten durch militärische Beistandsverpflichtungen beruht auf einem Widerspruch in sich. Entweder man glaubt an freiwillig übernommene Verpflichtungen oder man glaubt an sie nicht. Glaubt man an sie, dann ist die Notwendigkeit solcher militärischer Abmachungen nicht einzusehen. Zweifelt man aber an der aufrichtigen Einhaltung einer übernommenen Nichtangriffsverpflichtung, dann ist dieser Zweifel genau so berechtigt gegenüber der sinngemäßen Einhaltung der ergänzenden militärischen Verpflichtungen solcher Friedenspakte. Wenn es möglich ist, daß aus Nichtangriffspakten Kriege entstehen, ist es ebenso möglich, daß aus defensiven Beistandspakten offensive Angriffshandlungen kommen. Nur scheint der deutschen Reichsregierung der Weg vom Gewalt-, Ab- lehnungs- und Ausscheidungspakt zum gewalttätigen Friedensbruch ein weiterer zu sein, als der Weg von militärischen Verpflichtungen defensiver Natur zu einer militärischen Haltung offensiver Art.
Die deutsche Reichsregierung sieht aber nach wie vor in dieser Entwicklung militärischer Bündnisse in Europa kein Element einer kollektiven friedlichen Entwicklung oder gar eine Garantie des Friedens. Sie ist daher auch nicht in der Lage, Pakte zu unterzeichnen, in denen solche Verpflichtungen integrierender Bestandteil sind, gleichgültig, ob für alle oder einzelne Teilnehmer.
Der vorstehende Standpunkt ist dem britischen Staatssekretär des Aeutzeren durch Vermittlung der hiesigen Botschaft amtlich mitgeteilt worden.
Gtresa-Konserenz beendet
Heute Veröffentlichung eines Gchlußkommuniques / Am 20. Mai Donaukonferenz
Stresa, 13 . April.
Die Sonnabend-Sitzung auf der Jsola Bella war nach 19.30 Uhr beendet. Nach der Ankunft der Delegierten in Stresa wurde von englischer Seite erklärt, man habe am Sonnabend alle mit der Londoner Erklärung vom 3. Februar zusammenhängenden Fragen erörtert und außerdem noch eine oder zwei ander« Fragen. Praktisch seien die Beratungen beendet. Jetzt würde der Text des Schlußkommuniquös ausgearbeitet. Sonntag früh um 10 Uhr Müden die Vertreter nochmals zusammenkommen, um die Fassung der Schlutzver- lautbarung zu prüfen und einige kleinere Fragen, die noch übriggeblieben seien, zu besprechen. Sonntag mittag ' werde dann das Schlußkom-
muniquä in Stresa veröffentlicht werden. Alles sei bei vielem guten Willen in außerordentlich befriedigender Weise verlaufen. Die Schlußverlautbarung werde umfangreich sein und mit dem Londoner Kommunique vom 3. Februar eine gewisse Gleichheit ausweisen.
Ueber die Beschlüsse, die die drei Mächte hinsichtlich der D on au - K 0 nserenz am 20. Mai in Rom gefaßt haben, hört man, daß außer Frankreich und Italien die Kleine Entente, Polen und Oesterreich vertreten sein sollen. Eine Einladung an Deutschland soll beabsichtigt sein. England und die Schweiz sollen, wie man hört, nur Beobachter entsenden.
Am Sonnabendabend ist auch, wie man weiter hört, über die Frage einer Fortsetzung oder Liquidierung der Abrüstungskonferenz gesprochen worden. Dabei sei England dafür eingetreten, doch noch zu versuchen, ein Abkommen über den Rüstungsftand zustandezubringen. Frankreich soll sich für den Abschluß der Konferenz, sowie für. die Umwandlung in eine Sicherheitskonferenz eingesetzt haben. Ferner wird behauptet, Mussolini habe sich am Sonnabend besonders stark für die militärische Gleichberechtigung Ungarns eingesetzt. Hierbei soll Frankreich zugleich für die Kleine Entente erklärt haben,' daß diese Gleichberechtigung nur ins Auge gefaßt werden könnte, wenn gleichzeitig bestimmte Garantien gegeben würden.^
Wende für Europa?
Deutschlands Beispiel in Stresa
* Bremen, 14. April.
Die Konferenz von Stresa ist beendet. Ihr Verlauf war mit Spannungen geladen, die anfangs ein befriedigendes Ergebnis sehr in Frage stellten. Rückblickend muß man feststellen, daß es der ganzen Geschick- lichkeit englischer Vermittlungskunst bedurfte, um ein Festfahren der Beratungen zu vermeiden. Die — zumindest von der französischen Presse — gehegten Erwartungen und unter fast hysterischer Erregung gestellten Forderungen an die in Stresa verhandelnden Mächte, ein Gewalturteil gegen Deutschland zu formulieren, um es dann in Genf vom Völkerbund vollstrecken zu lassen, wurden in keiner Weise erfüllt. Gesiegt hat schließlich über das lärmende Verlangen Frankreichs, durch einen Gemeinschaftsbeschluß der Mächte Deutschland zu diskriminieren, derWilleEnglands und ItaliensVernunft, die dahin zielten, der verhängnisvollen europäischen Politik der letzten Jahre ein Ende zu machen.
Wahl Kam in Stresa ein Gemeinschasts- beschluß zustande. Aber nicht in dem Sinne, daß ihm' Deutschland unter keinen Umständen beitreten könnte. Ganz im-Gegenteil ist im Prinzip aus den französisch-russischen Vereinbarungen, die ihren Stachel zuerst eindeutig gegen Deutschland richteten nun ein Nichtangriffspakt in Stresa geworden, innerhalb dessen sich zwar Frankreich und Rußland für den Fall des Krieges aktive Hilfe gegenseitig zusagen, der aber doch gleichzeitig die strikte Nichtangrisss- verpflichtung auch für diese beiden Staaten enthält. Wenn Mussolini kurz vor der Konferenz sich im „Popolo Italia" oahin geäußert hat, daß der Friede — der Duce wollte wohl sagen der Erfolg der Konferenz, was vielleicht dasselbe ist — von einem abhängt, der nicht in Stresa anwesend sein werde, so hatte der Duce in staatsmännischer Scharfsicht den Kern der Sache erfaßt, und sein Land wie ganz Europa hat es nur dem nicht auf der Konferenz nicht anwesend Gewesenen, zu verdanken, daß der Erfolg zugunsten des europäischen Friedens sich nunmehr doch noch einstellen konnte.
Der nicht anwesend Gewesene, den Mussolini meinte, war nämlich Deutschland. Aufrichtig und ernst, wie die Führung des Dritten Reiches überhaupt ist, hat die deutsche Regierung jede Phase der Konferenz in Stresa mit höchster Anteilnahme verfolgt, und, so sehr die Gegensätze zwischen den drei in Stresa beratenden Mächte klafften, keinen
Das neue Ringen der Ozeanrenner
.Bremen" gegen „Lex", „Clueen Mary" und „Kormsndie - Waschinenkraft und Seemannjchast
Schlägt man eines der berühmtesten deutschen Wörterbücher auf und sucht man den Artikel „Vaterland", dann findet man darunter ein paar einfach lächerliche Angaben über Presseorgane dieses Namens, sogar über eines, das in der Schweiz erschienen war, lächerlich im Vergleich zu dem, was man zu finden hoffte, nämlich eine Angabe über das deutsche Schiff „Vaterland".
Schlägt man das führende englische Lexikon auf, dann findet man unter dem Artikel „Vaterland" den Hinweis „Schiff stehe Leviathan". Schöpft man Hoffnung daraus und wälzt noch einmal das deutsche Lexikon, um nachzuschauen, ob wenigstens unter „Leviathan" die begehrten Angaben über eine der gewaltigsten Leistungen der deutschen und der Technik der Welt zu finden sind, dann trifft man auf ein paar alttestamentarische Hinweise mit Hervorhebung der Fälle, in denen „Leviathan" als Ungeheuer der Sonnenfinsternis oder sonst etwas vorkommt. Aber nichts, kein einziges. Wort über das Schiff, das die Amerikaner den Deutschen raubten und das sie mit dem Namen „Leviathan" (Ungeheuer der Sonnenfinsternis) wieder auf die Meere schickten. Um über die Größe der deutschen Leistung etwas zu erfahren, muß man sich dann schon wohl oder übel den Aufzeichnungen der Briten anvertrauen.
Unter der Spitzmarke „Leviathan" finden sich in dem englischen Lexikon nicht weniger als drei Stellen mit Hinweisen zu Darlegungen über dieses deutsche Schiff und obendrein noch eine Abbildung. Dabei wird hervorgehoben, daß die Anstrengungen der Engländer um die Beherrschung des transatlantischen Schiffsverkehrs von den
Deutschen „mit den riesenhaftesten Dampfern der Welt" beantwortet würden. Der Erste der Reihe war der „Imperator", jetzt der englische Dampfer „Berengaria". Sie lief 1912 vom Stapel. Ihre Tonnage betrug 52 000 Tonnen. Der Zweite der Reihe war der „Vaterland", jetzt der „Leviathan" der amerikanischen Linie. Seine Matze betragen 49000 Tonnen. Das dritte Schiff war der „Bis- marck", jetzt der englische Dampfer „Majestic", ähnlich dem „Vaterland", aber mit 56 021 Br.- Reg.-To. das lange Zeit größte Schiff der Welt.
Viele deutsche Lexika haben offenbar immer noch Männer, die keine Ahnung davon haben, daß ihr Volk mit jedem anderen der Erde in Wettbewerb treten kann, daß es drei Jahrzehnte hindurch die Weltleistung der größten und schönsten drei Schiffe halten konnte und daß bis zu diesem Augenblick die fünf größten und die beiden schnellsten Schiffe der Erde immer noch als Zeugen überlegenen deutschen Könnens die Meere befahren.
Und nun kommt der neue Kampf um das Blaue Band des Ozeans. Es wird gegenwärtig immer noch von unserer „Bremen" gehalten, die nur wenig-schneller ist als das andere deutsche Schiff, die „Europa". Allerdings machen uns die Italiener unseren Rang mit ihrem „Rex" streitig. Aber das ist nur eine Rechenangelegenheit. Auf der schnellsten Reise fuhr die „Bremen" mit einer Durchschnittsgeschwindigkeit von 28,51 Knoten nach Amerika. Das geschah auf der klassischen Rennstrecke für das „Blaue Band des Ozeans" Lherbourg—Newyork. Der „Rex" fuhr seine Rekordfahrt aber zwischen Gibraltar und Newyork und erreichte dabei eine Durchschnittsgeschwindig.
keit von 28,72 Knoten. In der Welt der Seeleute zählt diese Leistung aber nicht; denn Vergleiche, find natürlich nur bei der gleichen Strecke möglich, und die italienischen Kapitäne werden sich hüten, deutsche oder englische Schiffe auf der Strecke Lherbourg—Newyork herauszufordern, weil es bei dieser nicht nur auf die stärksten Maschinen, sondern auch auf die tüchtigste Seemannschaft ankommt.
In. diesem Punkte gibt es aber nur zwei ernsthafte Wettbewerber: die Deutschen und die Engländer. Wir sind nicht der Ueberzeugung, daß die „Bremen" und auch die „Europa" schon ihre Bestleistungen herausgeholt haben. Der Kampf um die größte Schnelligkeit auf dem Weltmeer erscheint uns noch nicht entschieden durch die ungeheuerliche Maschinenkraft, welche die Engländer dem kürzlich vom Stapel gelassenen Riesendampfer „Queen Mary" und die Franzosen der schon länger auf dem Wasser liegenden „Normandie" mit auf den Weg geben werden. Mit 85 000 Tonnen und 79 000 Tonnen sind diese Schiffe allerdings größer als unser rund 49 000 Tonnen umfassender „Vaterland", der ja auch dafür um volle dreißig Jahre älter ist. Bei dem Bau der „Bremen" und der „Europa" hätten wir über diese Tonnenziffer natürlich ebenso weit wie die Engländer hinausgehen können. Wir ließen es aber bei rund 50 000 Tonnen, weil das nach unserer Erfahrung die Größe ist, mit der Hwei Schiffe — für den Transatlantikverkehr muß man immer zwei Schiffe der gleichen Klasse haben — auf dem Wege zwischen Europa und Amerika noch wirtschaftlich arbeiten können. „Queen Mary" und „Normandie" werden für eine Leistung um dreißig Knoten gebaut. Das heißt aber nicht, daß sie diese Geschwindigkeit, also rund 55,5 Kilometer in der Stunde, auf der ganzen Länge der Strecke zwischen Cherbourg und Newyork erreichen werden. Die Franzosen sagten
vorsichtshalber, daß sie an dreißig Knoten herankommen würden. Die.Engländer rechnen mit ihrer Überschreitung. Was sind Hoffnungen, was sind Entwürfe! Das Wort gilt auf keinem Gebiet so zutreffend wie auf dem der großen Schiffe. In wenigen Monaten werden wir darüber Klarheit
Donnerwetter, di
Es gibt drei Dinge, die man dem besten Freund nur ungern anvertraut: Eine junge hübsche Frau, eine Zahnbürste und ein Auto. Um so höher muß ich meinen Freund Ädolar aus Bremen einschätzen, der mir jetzt, wo mein eigenes Vehikel in Reparatur ist, seinen Wagen borgte. „Nimm dir Polly," sagte er, „ich verreise auf eine Woche, derweilen kannst du sie fahren." Als echter und langjähriger Autofahrer hatte er selbstverständlich seinem Ben- zintöchterchen einen Namen gegeben — Polly, wie gesagt — und unter diesem Kriegsnamen war das altersgraue Fortbewegungsinstrument mit dem komischen hohen Verdeck in halb Bremen bekannt.
Wenn ein Mädchen Polly heißt, so, denk ich mir, muß an dem Mädchen was dran sein. Mindestens verpflichtet der Name Polly zu vollschlank. Wer ein Mädchen namens Polly in seine Arme nimmt, der hat einen „ordentlichen Arm voll."
Am Morgen machte ich mich wohlgemut auf den Weg zur Garage Adolars und sprach leichtfertig die Absicht aus zu starten. Der Garagenwart maß Mich mit mitleidigem Blick: „Was, Sie wollen Polly fahren? Das ist kein Spaß, Verehrtester. Das ist Schwerarbeit, das ist Zirkuskunst. Und starten wollnse? Starten is nich. Die Batterie hat sich schon lange zur ewigen Ruhe begeben. Na kommse her, ich setze mich rein, und Sie schieben wie ein Großschieber an Polly herum."
gewinnen. Halten die Deutschen, das „Blaue Band" gegen die französischen und englischen Schiffe, dann platzen zwei Spekulationen, deren Umfang mit den Hunderten Millionen Mark der hineingesteckten Vaugelder nur erst angedeutet ist.
üsrwanv Lrisgsr.
rje Donnerbüchse!
Etwas ängstlich geworden durch diese Erklärung, nahm ich Polly genau unter die Lupe. Die Scheinwerfer sahen aus wie Petroleumfunzeln. Die Vorderräder waren o-beinig, die Decke war bis auf die Schwarte abgefahren. Die Haube hatte Adolar in sinnvoller Weise durch Bindfäden vor dem Wegfliegen geschützt. Der Podex — er war Pollys würdig — ragte hinten wie das Hinterteil eines 80-Talerpferdes hinaus und trug einen Refervestreifen, bei dem man die Leinwand sah. Ueber das Ganze zog sich ein Verdeck, unter dem man bequem mit einem Zylinder Platz hatte.
Polly schielte zu mir hin. „Menschenskind, mutz das sein?" schien sie zu fragen. Ja Polly, es mutz sein. Ich stemmte mich also gegen das Reserverad, zweimal .rollten wir über den Hof, ohne daß außer einem lauten Quietschen ein Geräusch vernehmbar wurde. Aber mit einem Male brüllte es aus Polly, ein Donnerschlag war das mit anschließendem wilden Geknatter, eine blauschwarze Oelwolke hüllte mich ein. Polly schüttelte sich gewaltig, sie war angesprungen.
Unter den Segenswünschen des vollzählig versammelten Earagenpersonals kletterte ich hinter das Steuerrad. Ein fabelhaftes Steuerrad war das. Gelb, groß und ganz dick wie bei einem Dampfer. Ich löste die Handbremse. „Hat keinen Zweck," sagte der Meister, „die is nich ange-