Ausgabe 
(12.4.1935) Nr. 102
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Nr. 102 / 3. Jahrgang

Unser Vagssspiegsl

Am Abend des ersten Tages von Stresa ist eine englische Solidaritätserklärung er­schienen.

Das französisch-sowjetrussische Abkommen hat die Pariser Presse zu einer gewissenlosen Hetze gegen Deutschland ermutigt.

Der belgische Kriegsminister Devöze erklärte, daß keiner fremden Armee ein Durchmarsch­recht durch Belgien zustehe.

In Alexandrien hat der Kairoer Judenprozeß begonnen.

Mit dem Ablauf desJreg"-Vertrages wird die Ostasienfahrt von drückendem Zwang befreit.

In Bremen boxt heute die Westfalen­mannschaft.

Im Emsgebiet werden 40 000 bis 5VVV6 Hektar Moor- und Oedland kultiviert.

Freitag, 12 . April

Einzelpreis is Rpf.

10 Zahre NSD 2 IP. Oldenburg

Oldenburg, 11 . April.

Die alte Garde der Nationalsozialisten Olden- ^ Lnrgs feierte das zehnjährige Bestehen ihrer Orts- gruppe. In alter kameradschaftlicher Vevbunden- : heit saßen die alten Kämpfer beisammen und tauschten Erinnerungen aus. Der stellvertretende Gauleiter, Pg, Georg I 0 el, hieß seine Kamera­den herzlich willkommen. Der Gauleiter, Carl Rover, der später erschien, hielt eine mit star­kem Beifall aufgenommene Ansprache. Im Laufe . der Zusammenkunft wurde folgendes Telegramm an den Führer gesandt:

Die alte Garde entbietet von der zehnjährigen .. Gründungsfeier der Ortsgruppe Oldenburg ihrem geliebten Führer ein Treuegelöbnis.

Carl Rover, Gauleiter."

Diplomaten ehren Humboldt

Berlin, 11. April.

Der Oberbürgermeister von Berlin, Dr. Sahm, hatte das diplomatische Korps zu einem Tee­empfang in die Humboldt-Gedächtnisausstellung, die anläßlich des 100. Todestages Wilhelm von Humboldts im Märkischen Museum stattfindet, eingeladgn. Dr. Sahn betonte in seiner Rede die vielfältigen Beziehungen, die Berlin und seine Universität von jeher mit den geistigen Kräften des Auslandes verbunden habe. Wilhelm von Humboldt, der die Berliner Universität gegründet habe, habe ein Wort geprägt, das für die Gegen­wart von besonderer Bedeutung sei. Er habe von der wohltätigen Stelle gesprochen, die Deutschland in der Mitte der europäischen Nationen einnehme. Staatskommissar Dr. Lippert wies darauf hin, daß Wilhelm von Humboldt ein wahrhafter Brückenbauer zwischen Deutschland und anderen Nationen gewesen sei. Staatsminister a. D. von Humboldt dankte im Namen seiner Familie für die Ehrung des Andenkens ihrer Vorfahren.

Der König von Schweden, der sich seit einigen / Tagen in Parts aufhält, war am Donnerstag­mittag Gast des Präsidenten der Republik, der ihm zu Ehren ein Essen gab. .

Beginn der Konferenz m Stresa

En gli s che Golidantätserkiärung

Leitmotiv Simons: ein kollektives Abkommen unter Einschluß Deutschlands

Stresa, 11. April.

In Stresa begannen am Donnerstag die Ver­handlungen der Ministerpräsidenten und Außen­minister Englands, Frankreichs und Italiens. Von unterrichteter englischer Seite wurde folgende Darstellung über den Verlauf des ersten Verhand­lungstages gegeben:

Die Besprechungen waren vom freundschaft­lichsten Geist getragen. Der Standpunkt der britischen Delegation zu allen wesentlichen Fragen wurde vollkommen klar dargelegt. Es wurde vor allem von britischer Seite festgestellt, daß man! alles tu» werde, um die Solidarität unter den drei Mächten zu stärken. Es sei klar, daß England, Frankreich und Italien nicht getrennt werden könnten. Sie müßten zusammenhalten, um den Frieden zu sichern. Diese Solidarität wurde von britischer Seite sehr ausdrücklich unterstrichen.

Weiter gab John Simon einen genauen Bezicht über seine und Edens Reisen

nach Berlin, Moskau, Warschau und Prag. Hierbei wurde vor allem klar gemacht, daß die leitende Idee dieser Besuche nicht die war, Deutschland glauben zu machen, daß seine Handlungsweise vom 16. März von der englischen Regierung nicht unwidersprochen bleibe, sondern festzustellen, ob noch irgendeine Hoffnung dafür vorhanden sei, daß Deutschland in ein g e.m ein­sames System zurückkehren werde. Die Lcit- idee Englands sei, ein kollektives Abkom­men zur Sicherung des Friedens zu er­reichen. England glaube, daß der Völkerbund ein geeignetes Instrument sei, um den Frieden zu organisieren. Die kollektive Sicherheit müsse in jedem Falle erreicht werden. Hierbei wolle England mithelfen, soweit es dies könne.

Als weiteres englisches Ziel wurde bezeichnet, ein Abkommen über den Stand der Rüstungen zu erreichen nicht über Ab­rüstung und zwar durch ein bindendes inter­nationales Dokument. England ist im übrigen

auch mit der Kontrolle völlig einverstanden. England will weiter das gegenseitige Vertrauen. zwischen den Völkern wiederherstellen.

Es wurde weiter von englischer Seite betont, daß die drei Staaten vollkommen im Ziel und iw Prinzip übereinstimmten, obgleich noch Meinungs­verschiedenheiten hinsichtlich der anzuwendenden Methoden und andere Fragen bestünden. Diese Gegensätze erstreckten sich jedoch nicht auf das Endziel.

Am Nachmittag legte die französische Delegation die Gründe für ihr Memorandum an den Völkerbund wegen des deutschen Vorgehens vom 16. März dar. Im Zusammenhang hiermit prüften die drei Delegationen das Verfahren, das für Genf in Frage kommt. Dies wurde sehr eingehend erörtert. Ergänzend hört man weiter, daß heute nachmittag auch sehr ausführlich über den Ostpakt gesprochen worden ist.

(Weitere Meldungen über die Dreierkonferenz zu Stresa im Innern des Blattes.)

Unerhörte Hetze gegen Deutschland

Tollyäuslerische Symptome in der Varifer presse

(vraktbortobt unseres kariser Uitarbeiteri

K. 3. Paris, 12. April.

Seit der Erklärung Simons vor dem englischen Unterhaus, wo der englische Außenminister scharf von den auf eine Einkreisung Deutschlands in Stresa hinzielenden Plänen Frankreichs abgerückt ist, befindet sich die von einer scharfmacherischen Presse geschirrte öffentliche Meinung von Paris in geradezu tollhäuslerischer Stimmung.

Während die französischen amtlichen Stellen nach außen hin das Wesen des rätebündig-fran- zösischen Gentlemen-Agreements als unverdächtig hinzustellen bemüht sind, hat die ganze Pariser Presse gerade aus der Tatsache dieses Ab­kommens den traurigen Mut geschöpft» in uner­hörter Weise eine Greuelhetze gegen Deutschland zu beginnen, wobei sie nicht nur Deutschland ver­leumderisch bezichtigt, de» Krieg zu wolle«, sondern ganz offen selbst den Krieg verlangt mit der Begründung, daß es die letzte Gelegen­heit sei, den einzigen gefürchtet«« Angreifer unschädlich zu machen.

So verlangtParis Soir", daß Frankreich die Führung übernähme mit Italien, Sowjetrußland, der Kleinen Entente und der Balkan-Entente, um die Sicherheit" durch gegenseitigen Beistand zu organisieren. DieLiierte" schreibt, Frankreich könne nicht länger warten, die neu errungene Freundschaft Italiens erfordere energische Be­schlüsse.Temps" aber sagt, man muffe sich an den

Kopf fassen, wenn die französische Regierung angesichts der deutschen Gefahr sich darauf be­schränken wolle, statt sofort gemeinsame Abweh- rungsmaßnahmen zu ergreifen, bloß ihrer Ent­täuschung Ausdruck zu verleihen.

Nun ist es zwar klar, daß diese unerhörten Aus­fälle einer hysterisch gewordenen Presse nicht ohne weiteres die Meinung des amtlichen Frankreichs ausdrücken aber ebenso sicher ist es» daß sie den Pariser verantwortlichen Staats­

männer» sehr gelegen kommen zur Einschüch­terung Englands, das man mit allen Mitteln noch im letzten Augenblick dazu bringen möchte, in Stresa gemeinsame Sache mit Frank­reich und Italien gegen Deutschland zu machen.

Es bleibt dem oftmals in den letzten zwei Jahr­zehnten auf den Plan gerufenen problematischen Weltgewissen" überlassen, zu entscheiden, ob durch derlei gewissenlose und unverantwortliche Hetze gegen ein Land wie Deutschland, das nichts als den Frieden in Ehren will dem Weltfrieden gedient werden kann.

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Die Vorgeschichte des Kairoer Prozesses

Tagen findet Alexandrien

vor

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dem

Be-

Gtarhembergs Wehrtheorie

(Oi-alitboriobt unserer Berliner Lebrlktlsitung) ür. Berlin, 11. April.

Bei dem jüngsten Führerappell des österreichi­schen Heimatschutzes hielt nach einer Wiener Mel­dung des Berliner Tageblattes Fürst Starhem- berg eine Rede, in der er sich sehr bemerkenswert gegen die Klerikalen wandte. Die Heimwehr habe bisher, so sagte Starhemberg, gegen zwei Fronten gekämpft; er meinte damit den Sozialismus und den Nationalsozialismus. Jetzt gelte es, die dritte Front zu besiegen, das sei die Front des Klerikalismus. Freilich wolle er damit nicht sagen, daß alle christlichen Politiker richtige Klerikale seien. Zur Wehrfrage über­gehend, gab Starhemberg eine ganz neue, äußerst freimütige Begründung, weshalb er gegen die allgemeine Wehrpflicht sei:Diese wird und kann

jetzt nicht eingeführt werden", erklärte er,weil man damit gerade den Jahrgängen der öster­reichischen Jugend, nämlich den 18- bis 26jährigen, Waffen in die Hand gäbe, die politisch nicht zu­verlässig seien. Es sei ein anerkannter Grundsatz, daß das Waffentragen ein Privileg der vater- landstreuen wehrhaften Oesterreicher sein müsse, Major Fey fügte hinzu, der Wiener Heimatschutz stehe mit zwei Divisionen kampfbereit und habe noch Zehntausende Wiener in den Betriebs- kameradschasten.

Das Wahlergebnis in Ungarn. Am Donners­tag hat die letzte Stichwahl für die ungarischen Parlamentswahlen stattgefunden. Dabei hat sich die Zahl der Mandate für die Regierungspartei um eins erhöht, so daß sie jetzt 170 Mandate innehat.

k. Miü. In diesen Appellationshof in rufungsverhandlung im Kairoer Iuden- prozeh statt. Die Welt wird wiederum Ge­legenheit haben, die Methoden der jüdischen Hetze gepen das national­sozialistische Deutschland m ihrer ganzen Skrupellosigkeit zu beurteilen und die arische Gesetzgebung des Tritten Reiches aus ihrer aneren Notwendigkeit heraus zu begreifen.

ie Vorgeschichte des Prozesses reicht bis in >en Februar 1933 zurück. Zu jener Zeit ei­chten in einer jüdischen Zeitung Aegyptens ein an den stellvertretenden ägyptischen Ministerpräsidenten gerichteter Offener Brief, der von Greuelmärchen über den National­sozialismus strotzte und als Signal zu einer hemmungslosen Hetze der 80 000 Juden des Landes gegen die ihnen gegenüberstehenden 500 Deutschen aufgefaßt werden mußte. Es setzte bald darauf eine von den jüdischen Drahtziehern organisierte Versammlungs­welle gegen dieGefahr des neuen Deutsch­land" ein, die ihren Abschluß mit einem Boykott-Aufruf des berüchtigten Präsidenten derAegyptischen Liga zur Be­kämpfung des Antisemitismus", des Rechts­anwalts Leon Castro, fand.Ihr müßt mit diesen Deutschen alle geschäftlichen, geistigen, gesellschaftlichen und weltlichen Verbindun­gen abbrechen", so hieß es in jenem Schand- dokument, das eine energische und uner­schrockene deutsche Abwehr geradezu heraus­forderte.

Mit welchen Fälschungen und dreisten Lügen die Juden bei ihremAusklärungs- seldzug" arbeiteten, mögen hier nur zwei Beispiele beweisen: Die ägyptische Zeitung Jüdische Stimme" brachte am 13. April 1933 unter der UeberschriftDer braune Schatten" eineMomentaufnahme", die angeblich zwei Nationalsozialisten bei der Mißhandlung eines Juden zeigte. Das Bild spreche, so hieß es im Begleittext, eine beredtere Sprache über denNaziterror" als irgend­ein Artikel. In Wirklichkeit war die Fest­nahme eines im Newyorker Gefängnis Auburne meuternden Gefangenen photo­graphiert worden: die Polrzeibeamten hatte man auf dem Bild unter Verlegung des Ortes der Handlung einfach zu National­sozialisten gestempelt. Und eine Woche später versicherte der jüdische Rechtsanwalt Ha- maour in einer Rede vor den kaufmännischen Angestellten Kairos, in Deutschland würden die Juden schlechter als die Tiere behandelt; Tag für Tag würde man in Wohnungen der Juden eindringen, die Einrichtungen demo­lieren und die Besitzer zu Tode mißhandeln.

Wenn. der Deutsche Verein während der Durchführung des Boykotts in einer außer­ordentlich sachlichen und maßvollen Schrift die wahren Gründe der national­sozialistischen Regierung zur Ariergesetzgebung darlegte, im be­sonderen den bisherigen zersetzenden Einfluß der Juden auf das politische, wirtschaftliche und geistige Leben Deutschlands sowie die Degenerationserscheinungen der jüdischen Rasse statistisch belegte, so genügten die

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Pros. Dr. Lieinhempel, Bremen

Worpswede um der Nunst willen

Als Auftakt zu den beiden Ausstellungen »Jüns Jahrzehnte Worpswe­der und Fischerhuder Kunst in der Kunsthalle und in der Böttcher- straß« findet am Sonnabend, 13. April, in der Kunsthalle einWorpsweder Abend' statt. Zu diesem Abend, an dem bremische Dichter ihr Bekenntnis zu Worps- >e ablegen werden, dürsten auch die nachstehenden Darlegungen eines bremi­schen Kunstlchrers lebendige Beziehung haben.

Nach Worpswede geht man um der Kunst willen. Auch die Bremer. Es wurde ja von den Künstlern erst entdeckt. Bon ihnen erst zu dem gemacht, was es ist. Wäre es zu der Zeit der eigentlichen Radlerherrlichkeit von Spazier- und Entdeckungsradlern entdeckt worden, wäre es vielleicht nur Sommerfrische geworden. Nur? 2a, man suche sich mal eine solche, die auch gleichzeitig Künstlerkolonie ist! Und Sommerfrische alleine man schwach; der Konkurrenz wegen. Worps­wede ist nun beides: Sommerfrische (auch Herbst- und Frühjahrsfrische und, iibers Block­landeis weg, auch Winterfrische), außerdem auch Künstlerkolonie. Von dem, was die Künstler vor etwa fünfzig Jahren daran entdeckten, ist nicht alles heil geblieben. Dadurch, das manches hin­zukam, ist manches auch beschattet oder in seinem Anblick bedrängt worden. Die Aufpfropfung ge­wisser Architektur-Eigentümlichkeiten hat nicht zu Bodenständigkeit geführt. Da gibts bei uns, so auch im Walde aus dem Weyerberge, ein recht vertrautes Gewächs, den Hülsenstrauch (Stech­palme, Jlex), ganz stachlich, es ist nicht durch­aus bodenständig hier, kommt wohl mehr aus Südeuropa, auch aus Amerika, wir ersennen es aber trotz aller Stachlichkeit als uns zugehörig

an jene Architektureigentümlichkeit hat auch etwas Stachliches an sich, andrer Art, und daß sie nicht bodenständig wurde, dankt mancher viel­leicht seinem lieben Gott.

Was sonst im Eesamtraum Worpswedes an baulicher Anordnung, räumlicher Erweiterung, Anlage und Kultur zugewachsen ist, nimmt man hin, ist vielleicht erträglich, vielleicht willkommen, fällt niemand auf. Es steht eigentlich alles recht gut und verträglich nebeneinander. Klinkerbord­kante neben Sandpfädchen; Torfkate neben Bauernhof und ländlichem Wohnhaus; Kultur­acker neben Bruch, Moor, Heiderücken: Sanddüne neben Autostraße; Torfgraben neben Wümme- Hammeregulierung.

Und wenn unsere Worpsweder Künstler, die Aelteren, d. h. so jung sie auch sein mögen, die, die vor 50 Jahren Worpswede entdeckten, wenn sie uns auch beteuern möchten, daß es früher viel, viel worpswedischer gewesen sei da draußen im Moor na, wir Jüngeren glauben an unser heutiges Worpswede.

Dabei ist dem Niederdeutschen und dem Zuge­wanderten, der sich eben die Tiefebene aussuchte aus stiller Begeisterung sür ihren großen Zug, ihre hohe Luft, ihren tiefen, weiten, wundervoll run­den Horizont, ihre verschlossenen helläugigen Men­schen, ist dem hier Beheimateten und dem ins Niedersächsische Verwachsenen sehr wohl bekannt, was eine ganz unversehrte.Torf- oder Geest- oder Heidegegend in sich hat.

Schon Fischerhude, das zu Worpswede freund­nachbarliche Künstlerdorf, ist in seiner inselhaften Rundheit innerhalb der verkehrsfernen Weiden, Heidestriche, Wafferläufe anscheinend ursprüng­licher als Worpswede. Und daß es hier mit Er­

wähnung findet, hat seine Richtigkeit: Es ist auch Kllnstlerdorf und demnächst wird man in der Ausstellung der Worpsweder und Fischerhuder, die teils in der Kunsthalle, teils in der Kunstschau der Vöttcherstraße aufgetan wird, die enge Verbunden­heit beider Kolonien wieder erkennen.

Und so künstlerisch dem Laien unser Worpswede auch erscheinen mag, und so wenig die Allgemein­heit den geographischen Namen seiner besonderen Glorie nicht entkleiden mag, sie müssen sich doch mit der Tatsache befreunden, daß die unlösliche Verbundenheit, die man als bestehend wähnt, ganz woanders zu suchen ist. Der Künstler hat nie eigentlich Vedute malen wollen, nie örtlich gefärbte Kunstbegriffe, nicht Worpsweder und Fischerhuder Lokalaufschnitt oder -ausschnitt, nicht Spiegelung lokaler Heimatsbegeisterung, nicht spekulative Auswertung der Worpswede- Vegeisterung Hiesiger und Fremder.

Der Künstler Worpswedes und Fischerhudes lebt dort seiner Kunst. Wieweit sie von Lust und Farbe, Schollegeruch und Menschenwesen beeinflußt wird, ist Sache der Persönlichkeit, des Zugehörigkeitsgefühls, der Einfllhlungsfreude und -Möglichkeit, jedenfalls steht die Künstlerschaft obenan und verarbeitet das, was sie um sich sieht und fühlt um ihrer selbst willen. Nicht aber steht zuerst die Landschaft und ihr Zubehör da und will porträtiert sein. Das muß gesagt sein, denn viel Besprechungen Worpswedes trieften von Gefühl, Verzauberung, Phantasie und auch ernstere Federn schrieben etwas sehr mit Märchen­tinte.

Was man an den künstlerischen Arbeiten der Worpsweder-Fischerhuder Kolonie zu bewundern hat, messe man nicht mit zu billigem Maßstab veräußerlichter Heimatsliebe! Umgekehrt! Man lerne seine Heimat wohl auch durch die Augen anderer kennen und wenn das Künstler sind, glaube man recht treu an sie, aber man lerne damit vor allen Dingen die Künstler der Heimat

selbst kennen. Ob diese deutsche Hand, dieser deutsche Geist, dieses Gefühl in unserer benach­barten Künstlergruppe nun Heide malt, oder Torfkanal, oder mit denselben Augen und Aus­drucksmitteln irgend etwas anderes, was nicht geographisch ist... Hauptsache ist, daß wir hier unsere Künstler haben, daß wir hier welche haben, die um unseres Landes willen hier sitzen und arbeiten, aber arbeiten, ganz und gar nach ihrer gottgewollten Verschiedenheit, was sie mögen, und wären es Dinge, Geschehnisse und Gesichte,

Eberhard von Lentzell

die nach der und jener Meinung eben nicht worps- wedisch wären.

Was uns die nächste Doppelausstellung bringt, haben wir als worpswedische Kunst zu erkennen, die durch den Filter der kunsteigenen Persönlich­keit ging.

Nach Worpswede geht man um der Kunst willen von Worpswede spricht man um der Kunst willen unser Worpswede haben wir nun um der Kunst, nicht um der Anficht, um der Reklame willen!

Eine Siedlung entsteht

Es kam ein Tag, da war es nun so weit, da zogen Männer mit Picken, Spaten und Hacken über den Acker, die machten eine breite Bahn den Hang entlang. Das Wild äugte erst verwundert, um dann in langen Flüchten im nahen Wald zu verschwinden. Die Erde wurde zerrissen, die Maus und der Hamster aus ihren Verstecken ge­jagt. Sie beschlossen, weiterzuziehen, denn in der Nähe so vieler Menschen wurde es doch un­gemütlich. Die scharfen Spaten warfen die Erde um. Die Stoppeln verschwanden, und das Gras mutzte sich erdrücken lassen. Die Weiden, der Rot­dorn und die anderen Sträucher am Knick dach­ten: Nun kommen wir an die Reihe, aber die Männer gingen vorüber und beschränkten sich auf den Acker. Die schweren Lastwagen kamen an­gekeucht, sie brachten Holz, aber auch Schienen und kleine Loren. Die Männer erbauten eine ge­räumige Baracke, damit der Arbeitsdienst hier eine Stätte und e>n Gehäuse hatte.

Es wuchs die Arbeit, und der Lärm, den sie mit sich brachte, verscheuchte die Lebewesen. Es kamen Baugerät, Steine und Kalk, Mörtel und Zement. Es kamen der Baumeister und der Oberfeld­meister, prüften die Arbeit und fanden sie gut.

So ging es nicht nur Tage und Wochen, sonde Monate. Plötzlich wuchsen aus der Ackerer kleine Häuschen. Der Ackerboden brauchte m nicht mehr Getreide oder Kartoffeln zu tragen, wuchsen auf ihm nicht mehr der bunte Teppich d Klees oder die rote Blüte der Mohnblume. T Bienen, die sich sonst am Klee gesättigt hatte mußten ein gut Stück weiter wandern, aber wußten, daß sie wiederkehren würden, wenn hi erst ein emsiges Blühen war. Hoch über dem Bi der emsig schassenden Arbeit erhob sich die Lerc in die Luft, ihr Lied emsig schmetternd. Der Ack trug nun Wohnungen sür die Menschen, die kam aus der Stadt und wurden seßhaft. Es kam di Heer der Tischler, der Töpfer, der Schlosser m Dachdecker, aber auch der Anstreicher fehlte nick und jedes Häuschen bekam sein buntes Mäntelchi umgehängt.

Ein kleines Dorf, eine kleine Siedlung war en standen mit etwas Land und Garten um jedl Haus. Mit Hühnern, Enten, Kaninchen, m Ziege im Stall und Bienen im Schuppen.

Als alles fertig war, zogen die Bewohner ei Auf Karren schleppten sie unter Scherzen ihr« Hausrat in die neuen Stuben. Abends flammt«