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Nr. 101 / 3. Jahrgang
Donnerstag. 11 . April
Einzelpreis is Npf.
Ovationen in der Reichshauptstabt
Hermann Görings Hochzeit
Der Führer und Reichsminifter Kerri als Trauzeugen
Horst Wessel gesühnt
Berlin, 10. April.
Mittwoch morgen sind im Staatsgefängnis Berlin-Plötzensee der am 3. Januar 1907 geborens Sally Epstein und der am 18. Juni 1901 geborene HansZiegler hingerichtet worden, die vom Schwurgericht in Berlin als Mittäter bei der Ermordung des SA.-Sturmführers Horst Messet zum Tode und zum dauernden Verlust der bürgerlichen Ehrenrechte verurteilt worden sind. In dem neuen Verfahren war es möglich, eine weitere Aufklärung über die Hintergründe und die Einzelheiten der Tat zu erzielen. Danach stellte sich das Verbrechen an Horst Messe! einwandfrei als ein aus politischem Haß verübter, sorgfältig vorbereiteter und heimtückisch mit großer Uebermacht durchgeführter Mord dar.
Reform des Mttitärrechts
Berlin, 10. April.
Unter dem Vorsitz von Vizepräsident Grau im Reichsjustizministerium tagte in Berlin der Arbeitsausschuß für Wehrstrasrecht bei der Akademie für Deutsches Recht. Oberkriegsgerichtsrat Rit- tau-ViesIau berichtete über die Grundzüge der Neugestaltung eines allgemeinen Teiles des Militärstrafgesetzbuches. Der Ausschuß ging davon aus, daß das Militärstrafgesetzbuch wesentlich zu vereinfachen und den Grundsätzen neuzeitlicher Militärverhältnisse anzupassen sei. Dabei sei unter Beachtung der Erfordernisse der Manneszucht eine Ungleichung an das zukünftige Reichsstrafgesetzbuch anzustreben.
Beflaggung am 20. April
Berlin, 10. April.
Der Reichs- und preußische Minister des Innern erläßt folgende Anordnung: „Am 20. April, dem Geburtstage des Führers und Reichskanzlers, flaggen die Gebäude des Reiches, der Länder, der Gemeinden, . der Körperschaften des öffentlichen Rechts und der öffentlichen Schulen. Diese Anordnung wird hiermit amtlich mit dem Hinzufügen bekanntgegeben, daß eine schriftliche Benachrichtigung der Behörden nicht erfolgt.
Wegen Greueimeidung verboten
Danzig, 10. März.
Der Polizeipräsident von Danzig hat die sozialdemokratische „Danziger Volks- st i m m e" auf Grund der Rechtsverordnung zur Erhöhung der öffentlichen Sicherheit und Ordnung vom 30. Juni 1933 wegen Ereuelmeldungen auf fünf Monate verboten.
Gegen die Freimaurerpest
Paris, 10. April.
Die Liga zur Bekämpfung der Freimaurerei in Frankreich hat in Paris eine öffentliche Kundgebung veranstaltet. Ein Abgeordneter sprach gegen die „Freimaurerpest, die das Werk der katholischen Misstonare in den Kolonien zerstören wolle", und ein anderer erklärte, die schlimmste Gefahr für Frankreich seien die Entnationalisierungsversuche in der französischen Jugend. Diese gingen von den Freimaurerlogen aus. die den Vaterlandsgedanken schon bei den Kindern zerstören wollten.
Prag, 10. April.
Die Abendblätter geben eine Meldung des tschechoslowakischen Pressebüros aus Paris wieder, in der es heißt: Außenminister Laval traf bei einem Essen auch mit dem Gesandten der Kleinen Entente und der Staaten des Balkan-Paktes zusammen. Er legte ihnen die Hauptgrundzüge des srauzSfisch-sowjetrussischen Abkommens dar, das in der allernächsten Zeit, höchstwahrscheinlich bei dem Besuch Dr. Beneschs in Moskau, durch ein ähnliches russisch-tschechoslowakisches Abkommen ergänzt werden soll. Die letzten technischen Modalitäten des französtsch-sowjetrussischen Abkommens werden in der nächsten Woche in Gens zwischen Litwinow und Laval abschließend beraten werden. Der Pakt wird noch vor dem 1. Mai in Moskau unterzeichnet werden.
Paris, 10. April.
Die bisherigen Veröffentlichungen über die Erundzüge des französisch-sowjetrussischen Abkommens, das in Genf seine endgültige Form erhalten und in Moskau unterzeichnet werden soll, waren ziemlich unklar. Selbst in französischen Kreisen war der Eindruck entstanden, daß sich hier eine regelrechte Allianz anbahne. Dieser Eindruck wird auch durch die nunmehr bekannten Einzelheiten nicht behoben, so daß ein Blatt wie „La Preß" sein Urteil, es handele sich um ein Bündnis und ein Bündnis mit Sowjetrußland bedeute den Krieg, voll ausrecht erhält. Sehr bezeichnend ist auch, daß das „Journal des Debats" seine grundsätzlichen Bedenken gegen den Bolsche-
Berlin, 10. April.
Der Tag der feierlichen Trauung des Preußischen Ministerpräsidenten General Göring mit der Staatsschauspiolerin Emmy Sonnemann wurde mit einem großen Morgenständchen der vereinigten Kapellen der Reichswehr, des Regiments Göring, der Landespolizei, der Leibstandarte Adolf Hitler, des Luftsportverbandes, des Feldjägerkorps, des Arbeitsdienstes und der SA. und SS. ini Garten des Ministerpräsidentenpalais eingeleitet. Für diese Ehrung dankte Ministerpräsident Göring mit einer Ansprache. Ueber der Wohnung des Ministerpräsidenten kreuzten Flieger.
Schon früh begann man in der Umgebung des Rathauses mit umfangreichen Absperrungen und mit der Spalierbildung. Vor dem Rathaus hatten ein SA.-Sturmbann der SA.- Eruppe Berlin-Brandenburg sowie Ehrenbereit- schaften der Berliner Schutzpolizei und des Feldjägerkorps Aufstellung genommen. Im Rathaus, dessen Treppen mit Samt belegt und mit Blumen
Fast eine halbe Million weniger
Berlin, 10. April.
Nach dem Bericht der Reichsanstalt für Arbeitsvermittlung und Arbeitslosenversicherung brachte der März dieses Jahres einen erheblichen Anstieg der Veschiiftigungszisfer und damit einen starken Rückgang der Areitslofigkeit. Die Zahl der bei den Arbeitsämtern im Reich eingetragenen Arbeitslosen, zu denen die Arbeitslosen im Saar- land mit rund 82 760 erstmals hinzugerechnet sind, betrug — nach dem Bericht der Reichsanstalt — Ende März 2100 000 und ist gegenüber dem Vormonat um rund 118 000 zurückgegangen.
Dieser Rückgang kam mehr oder weniger allen Verufsgruppen zugute. Die Jahreszeit ermöglichte die Fortführung der unterbrochenen und die Aufnahme neuer Außenatbeiten und bewirkte damit ein Absinken der Arbeitslosenzahl der Außenberufe um fast Million. Daß neben diesem Rückgang in den Außenberufen auch die im wesentlichen nicht saisonbedingten Berufsgruppen eine beachtliche Abnahme, und zwar um fast 170 000, auszuweisen hatten, ist für die Beurteilung der gesamten Beschäftigungslage in der deutschen Wirtschaft richtig zu werten.
Mit dem Sinken der Arbeitslosenzahl haben auch die Unterstützungseinrichtungen eine wesentliche Entlastung erfahren. Die Zahl der Unterstützten in der Arbeitslosenversicherung ging auf 138 000, in der Krisenfürsorge auf 815 000 zurück. Erheblich war auch in diesem Monat wieder der Rückgang der arbeitslosen anerkannten
wismus zurückstellt und im Hinblick auf die angebliche deutsche Gefahr erklärt, bei der jetzigen Lage Europas könne dieses Abkommen eine Notwendigkeit werden.
In den zuständigen französischen Kreisen bemüht man sich eifrig, den Eindruck, als wolle man ein Bündnis mit Sowjetrußland eingehen, zu vertuschen. Man betont, daß das grundsätzliche französisch-sowjetrussische Einvernehmen lediglich auf den Völkerbundspakt Bezug nehmende rechtliche Fragen kläre und daß dieser „rechtliche Rahmen" erst später mit einem genauen Inhalt ausgefüllt werden soll«. Gewiß könne der zweiseitige Charakter des Abkommens in seiner jetzigen Form auffallen, aber seine Verwirklichung -würde wahrscheinlich ein gleiches Abkommen zwischen der Tschechoslowakei und Sowjetrußland nach sich ziehen. Außerdem könne die Formel auch von anderen Staaten angenommen werden, was zur Verallgemeinerung des gegenseitigen Beistandes in Europa führen könnte. Die Angaben aus unterrichteten französischen Kreisen gestatten jedenfalls, sich heute ein klareres Bild von dem sogenannten grundsätzlichen Abkommen zu machen.
Der erste Artikel des Abkommens ist eine Art Präambel, die aus folgende Artikel des Völkerbundsvertrages Bezug nimmt: Artikel 10 (gebietsmäßige Unversehrtheit und politische Unabhängigkeit der Mitgliedsstaaten), Artikel 16 (Sanktionsverfahren), Artikel 17 (Anwendung dieses Verfahrens aus ein Nichtmitglied des Völkerbundes).
eingefaßt waren, standen Herolde in mittelalterlicher Tracht. Als der Ministerpräsident seine Braut aus ihrer Wohnung abholte, kreisten die Flugzeuge des Richthofengeschwaders und anderer Geschwader in dichten Ketten über dem Haus. 2n der Reichskanzlei wurde der Führer abgeholt, der sich mit seinem Wagen an die Spitze des Zuges setzte. Unter Ovationen wurden der Führer und Ministerpräsident Göring vor dem Rathaus empfangen. Nach einer Begrüßung durch Staatskommissar Dr. Lippert nahm Oberbürgermeister Dr. Sahm die standesamtliche Trauung vor, Lei der der Führer und Reichsminister Kerrl als Trauzeugen zugegen waren.
An der Freitreppe des geschmückten Domes hatten die Feldzeichen der'18 Berliner und Brandenburger Standarten Aufstellung genommen, während hinter ihnen ein Meer von Fahnen und Standarten leuchtete. Im Lustgarten standen Ehrenformationen der SA., der SS. und des NSKK., und vor einem Nebenportal des Domes waren zwei Kompanien der Fliegertruppe und des Regiments „General Göring" mit aufge-
Wohlfahrtserwerbslosen mit 80000. 567 000 anerkannte Wohlfahrtserwerbslose standen Ende März in öffentlicher Fürsorge. Mit der verstärkten Wiederaufnahme der unterbrochenen Außen- avbeiten ist die Zahl der Notstandsarbeiter gestiegen.
Der stärkste saisonmäßige Auftrieb ist im März vom Baugewerbe und seinen Nebengewerben ausgegangen. Aber auch die Landwirtschaft meldete im Zeichen der Erzeugungsschlacht einen anhaltend großen Bedarf an Arbeitskräften an. Bei der Befriedigung dieses Bedarfes treten vor allem die industriellen Bezirke des Westens und Eroß-Verlins wieder als Arbeitskraftreserve für die landwirtschaftlichen Bezirke des Ostens und Nordostens des Reiches in Erscheinung.
General Ludendorffs Dank
Telegramm an Adolf Hitler
Tutzing, 10. April.
General Ludendorff richtete an den Reichskanzler und Führer Adolf Hitler folgendes Telegramm: Dem Führer und Reichskanzler des deutschen Volkes, Herrn Adolf Hitler, danke ich für die Wünsche und die angeordneten Ehrungen. Es war mir eine große Freude, die Vertreter der Wehrmacht und eine Ehrenkompanie des jungen Heeres, das durch Sie die allgemeine Wehrpflicht wiedergewonnen hat, und die Fahnen meines alten Regiments hier zu sehen. Meine heißen Wünsche gelten Volk und Wehrmacht.
Die Präambel bezieht sich ferner auf 8 2 des Artikels 18 des Völkerbundspaktes. (Dieser Paragraph zieht, falls ein Staat znm Kriege schreitet, die militärischen Maßnahmen in Betracht, durch die man die Achtung vor den Völkerbundsverpslich- tnngen erzwingen könnte).
Artikel 2 des neuen Abkommens betrifft solche Streitfälle, die kein sofortiges Eingreifen der Mit- unterzeichner erfordern. Dieser Artikel greift zurück aus 8 7 von Artikel 15 des Völkerbundspaktes, auf Grund besten die Völkerbundsmitglieder, falls der Völkerbundsrat seinen Standpunkt nicht durchsetzen kann, „sich Handlungsfreiheit für die Wahrung des Rechtes und der Gerechtigkeit vorbehalten."
In hiesigen politischen Kreisen glaubt man darauf hinweisen zu sollen, daß auf diese Bestimmung auch das französisch-polnische Abkommen und das französisch-tschechoslowakische Abkommen, die dem Locarno-Vertrag angehängt sind, Bezug nehmen.
Artikel 3 des neuen Abkommens endlich befaßt sich mit einem „flagranten Angriff". Er zieht 8 1 des Artikels 16 des Völkerbundsvertrages heran, in dem gesagt wird, daß ein Mitgliedsstaat des Völkerbundes, wenn er sich zum Kriege entschließt ixso kaoto so angesehen wird, als ob er eine kriegerische Handlung gegen alle übrigen Mitgliedsstaaten begeht. Unter diesen besonderen Umständen könnten also, so wird in französischen Kreisen erläutert, die Verteidigungs- maßnahmen in einem gewissen Rahmen selbsttätig in Wirksamkeit treten.
pflanzten: Bajonett angetreten, deren Front Ministerpräsident Göring nach seinem Erscheinen abschritt.
Schon lange vor Beginn der feierlichen Handlung war der Dom vollbesetzt. In Gegenwart des Führers, der Reichsminister, Reichsleiter, Staatssekretäre, Reichsstatthalter, der Generale der alten und der jungen Wehrmacht, der Reichsluftwaffe und der Polizei fand dann die kirchliche Trauung statt, die der Reichsbischos Müller vornahm. Er legte seiner Traurede die Bibel- worte zugrunde: „Sei getreu bis in den Tod, so will ich dir die Krone des Lebens geben." Musikalische Darbietungen bildeten den Beschluß der Hochzeitsfeier. Als das Brautpaar mit dem Führer den Dom verließ, bildeten am Eingang Generale der Luftfahrt mit gekreuzten Degen Spalier. Ungeheurer Jubel brach los, als die Neuvermählten auf der Treppe des Domes sichtbar wurden. (Einen ausführlichen Bericht über die Hochzeitsfeierlichkeiten finden unsere Leser im Innern des Blattes.)
Ferner veröffentlicht General Ludendorff folgende Danksagung: „Zu meinem Geburtstage sind mir überaus zahlreiche Glückwünsche, Vlumenspenden und sonstige Darbietungen tn solch reicher Fülle zugegangen, daß ich nicht dem einzelnen zu danken in der Lage bin. Ich statte hiermit meinen Dank ab. Ebenso danke ich den Deutschen, die sich an den Ehrungen für mich beteiligt haben. Ich bitte alle Deutschen, mein Streben, das deutsche Volk nach seinem rassischen Erwachen in deutscher Weltanschauung geschlossen hinter seine Wehrmacht zu stellen, zu fördern. Erst dann erhalten Gedenken und Ehrungen anläßlich meines 70. Geburtstages für mich den tiefen Sinn."
Gömbös NegierungSfieg
Budapest, 10. April.
Jetzt liegt das endgültige Ergebnis der ungarischen Parlamentswahlen vor, die vom 30. März bis zum 7. April stattfanden. Die Wahlen haben die erwartete große Mehrheit für die Regierung Gömbös gebracht. Von 215 gewählten Abgeordneten haben erhalten die Partei der nationalen Einheit (Regierungspartei) 169, Unabhängige Kleinlandwirtepartei (Tibor Eckhardt) 21, Christliche Wirtschafts-- partei (Wolff-Partei) 11, Parteilose 12, Sozial- demokraten 11, Liberale Opposition 6, Reformgeneration 2, Nationalsozialistische Pfeilkreuzler- bewegung 2, Legitimistisch-Nationale Volks- partei (Krieger) 1, Demokratische Opposition 1, Agrar-Opposttionspartei 1, Christliche Oppositionspartei (Friedrich) 1, National-radikale Oppositionspartei 1. Im neuen Parlament hat somit die Partei der nationalen Einheit allein die Zweidrittelmehrheit.
Unzuverlässige Gesandte?
Athen, 10. April.
Die Folgen des griechischen Märzausstandes ziehen immer weitere Kreise. Auch griechische Diplomaten scheinen mit den Absichten Venizelos' sympathisiert zu haben, wie aus einer Meldung von der Abberufung griechischer Diplomaten von ihren Auslandsposten hervorgeht. Der Außenminister hat die Gesandten Politis in Warschau, Kallas in Sofia und Polychroniades in Moskau mit dem Auftrag abberufen, sofort ihre Posten zu verlassen und nach Athen zurückzukehren.
Amerikas Neutralität
Washington, 10. April.
Präsident Roosevelt verfolgt, wie von feiten des Weißen Hauses am Mittwoch angedeutet wurde, die Konferenz in Stresa und die allgemeine politische Lage in Europa auf das sorgfältigste. Er habe jedoch nicht die Absicht, sich irgendwie einzumischen. Immerhin steht man im Weißen Haus auf dem Standpunkt, daß dis Kriegsvorbereitungen gewisser Nationen in Europa die Notwendigkeit klargemacht Haben, bald die Stellung der Vereinigten Staaten von Amerika festzulegen, die sie gegebenenfalls zur Wahrung ihrer Neutralitätsrechte einnehmen müssen.
Was sagt der Norden?
(Von äussrem Ll.-lZ.-Mtarböitsr)
Kopenhagen, 10. April.
Die Ereignisse in der europäischen Groß- politik in der letzten Zeit haben natürlich auch im Norden außerordentlich starken Eindruck gemacht. Bedeutsame Ereignisse in der skandinavischen Innenpolitik, wie beispielsweise der Regierungswechsel in Norwegen und die Niederlage der schwedischen Sozral- demokratie bei den Stockholmer Stadtratwahlen, wurden ganz in den Hintergrund gedrängt. Die Kommentare der Presse sind aber auf einen ruhigen, sachlichen Ton gestimmt, der von der früheren, manchmal vorlauten Aufdringlichkeit des AÜesbesser- wissens auffallend abweicht. Selbst sonst ausgesprochen deutschfeindliche Zeitungen sind offensichtlich bestrebt, sich bei der Beurteilung der letzten außenpolitischen Geschehnisse eine gewisse Zurückhaltung aufzuerlegen.
Die Nachricht von der Wiedereinführung der allgemeinen Wehrpflicht in Deutschland wurde jedenfalls nicht mit einem Aufschrei der Presse oder Versuchen, Deutschland als Störenfried hinzustellen, aufgenommen, sondern man nahm sie sachlich zur Kenntnis. Die Kommentare, die dann erschienen, stellten im allgemeinen fest, daß der Schritt Deutschlands an und für sich nur zu verständlich wäre. Einige konservative Zeitungen Schwedens erklärten sogar, daß dieser Schritt Deutschlands viel zur Klärung der tatsächlichen Lage beitragen und die Einleitung zu einer wirklichen Verständigung der Mächte werden könnte. Deutschlands Friedenswille wurde nur von rein marxistischen Zeitungen bezweifelt. Die Entrüstung in Frankreich nahm man nicht ganz ernst. „Frankreich gebärdet sich wie ein Junge", schrieb eine schwedische Zeitung, ,cher einen dummen Streich begangen hat, und nun er die unerquicklichen Folgen sieht, entsetzt ausruft: Mama!"
Die Nachricht, daß Frankreich Deutschlands Wiedereinführung oer allgemeinen Wehrpflicht vor den Völkerbund gebracht hat, wurde mit sehr gemischten Gefühlen aufgenommen, denn gerade hierin witterte man in Schweden die drohende Möglichkeit, aus der Geborgenheit der Neutralität herausgezogen zu werden. Der größte Teil der Presse wies darauf hin, daß der unsinnige Versailler Vertrag bereits von den Ententemächten gebrochen wurde, als sie ihre Verpflichtung für eine Abrüstung nicht erfüllten. Eine Stellungnahme des Vdlkerbunoes gegen Deutschland sei zwecklos und könnte nicht rechtlich begründet, nur gewaltsam durchgedrückt werden.
Dagegen begrüßte man den Entschluß Englands, an den Berliner Besprechungen festzuhalten. Auch die Reise des Lord- siegelbewahrersEden nach Moskau, Warschau und Prag wurde von der nordischen Presse mit großer Aufmerksamkeit verfolgt. Der übertrieben freundliche Empfang Edens durch die Sowjetregierung wurde als unehrlich bezeichnet und die über Nacht entstandene Sympathie für England und seinen König, der bekanntlich ein Verwandter des ermordeten Zaren ist, wurde in ironischen Kommentaren heuchlerisch genannt.
Was hier über die Haltung der schwedischen Presse gesagt worden ist, gilt im großen und ganzen auch von der norwegischen. Die dänische Presse nimmt dagegen eine etwas sonderbare Stellung ein. Sie fühlt sich anscheinend bemüßigt, die Rolle eines allerdings nicht berufenen Anwalts der Ententemächte u spielen. Es ist ziemlich bezeichnend, daß ie führende konservative Zeitung Dänemarks, „Berlingske Tidende , den gesamten politischen Nachrichtendienst der englischen Zeitung „Times" übernommen hat und als eigenen wiedergibt. Sollte man glauben, was in dieser Zeit in der dänischen Presse unter dem Schein erhabener Sachlichkeit gesagt worden ist, so steht Europa dicht vor einem neuen Weltkriege. Der Zweck der Verbreitung dieser Panikstimmung ist nicht recht er-
Unser lagesspiegsl
Die französische Presse äußert in scharfen Worten ihre Enttäuschung über die Ausführungen Simons.
Unter herzlichster Anteilnahme des ganzen deutschen Volkes fanden die Feierlichkeiten zu GöringsHochzeit gestern ihren Abschluß. Reichsstatthalter Rover erläßt das Gesetz über das Landjahr in Bremen.
Das Deutsche Kolonial- und Ueberseemuseum in Bremen erwirbt kostbare Bronzen aus Benin.
Die Unterweser-Reederei schließt mit Gewinn ab und erhöht ihr Grundkapital.
Die DFV.-Auswahlelf schlägt Brandenburg 1:2 (2:0).
Der SV. Höntrop besucht den Bremer Fuß- ball-Eauligisten Komet am 27. April.
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Regelrechte Allianz Paris-Prag-Moskau
Ergänzungsabkommen zum neuen franzöfisch-sowjetruMchen Pakt
Starker Rückgang der Arbeitslosigkeit
- Größere Nachfrage im Baugewerbe und in der Landwirtschaft