Ausgabe 
(10.4.1935) Nr. 100
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Nr. loo / 3. Jahrgang

Mittwoch, io. April

Einzelpreis is Rpf.

Bremischkl' Außenhandel geht in Front

Präses BoNmeuei-, Senator Bernhard und Gauwirtschastsberater Fromm Ober Ausgaben des Kaufmannes

Frankreich baut Schlachtschiffe

London, 8. April.

Der Marinekorrespondent des „Daily Tele­graph" schreibt, in der französischen Flottenpolitik sei ein grundlegender Wechsel eingetre­ten. Der oberste Marinerat habe die Entschei­dung getroffen, daß künftig die Eroßkampf- schiffe das Rückgrat der französischen Marine bilden müßten.

Diese Aenderung bedeute, daß die französische Marine nicht mehr wie bisher ihr Hauptinteresse den U-Booten und leichten Ueberwasserfahrzeugen zuwende, von denen sie nach Kriegsende eine große Anzahl gebaut habe. Unter Einschluß der im Bau befindlichen und der vom Parlament bewilligten Fahrzeuge werde die französische Schlachtflotte nach den jetzigen Plänen bestehen aus zwei Schlachtschiffen von 33800 Tonnen, zwei Schlacht­kreuzern von 26 300 Tonnen, drei Schlachtschiffen von 23 000 Tonnen und drei Schlachtschiffen von 22 500 Tonnen. Abgesehen davon würden noch drei ältere 18 OOO-Tonnen-Schiffe der Danton- Klasse in Reserve gehalten.

Gowjetdirektoi' druckt Notgeld

Moskau, 9. April.

Der Direktor eines der größten Werke in Pensa ist verhaftet und, dem, Gericht übergeben: worden. Da er wegen finanzieller Schwierigkeiten den Produktionsplan der Regierung nicht durch­führen, aber auch keine Regierungshilfe erhalten konnte, war er dazu übergegangen, auf eigene Verantwortung Notgeld drucken zu lassen, das er in Umlauf setzte.

Weniger Mietskasernen

Berlin, 9. April.

In Gegenwart des Reichsarbeitsministers Seldte fand am Dienstag im Langenbeck-Mr- chow-Haus in Berlin eine Kundgebung des Deut- eschen Vereins für Wohnungsreform statt, bei der der Reichsarbeitsminister richtung­gebende Ausführungen über die Wohnungspolitik M Reichsregierung machte und Kommerzienrat Röchling über das Thema: „Die Lehren des Saarkampfes — Seßhaftmachung des deutschen Volkes" sprach. Reichsarbeitsminister Seldte stellte fest, daß 1933 die Herstellung von Wohnungen um 93 v. H. höher gewesen sei als 1932, und daß im Jahre 1931 wiederum die Bautätigkeit des Jahres 1933 um fast 50 v. H. habe gesteigert werden kön­nen. Die Reichsregierung habe nicht nur mengen­mäßig das Ergebnis der Herstellung von Wohnun­gen beeinflußt, sondern auch auf die Art des Woh­nungsbaues entscheidenden und ändernden Einfluß ausgeübt. Der Bau von Mietkasernen sei zurückge­treten, und das Eigenheim und die Klein­siedlung hätten das Feld behauptet. °

Berlin, 9. April.

Der Reichsorganisationsleiter der NSDAP. und Leiter der Deutschen Arbeitsfront, Dr. Robert Ley, hat zu den Vertrauensratswahlen folgenden Aufruf erlassen:

Männer und Frauen des schaffenden Deutsch­land! Am 12. April dieses Jahres tretet Ihr an zur Bertrauensratswahl in den Werkstätten, Fabriken und Kontoren. In diesem Augenblick ist ein Vergleich mit den früheren Be- triebsratswahlen aufschlußreich und nützlich. Parteien und Gewerkschaften warben um Eure Stimmen. Sie huldigten alle — ganz gleich, ob christlich, national oder marxistisch — nicht nur dem Klassenkampfgedanken, sie zerrissen auch noch die Arbeitnehmerschaft untereinander.

Das haltet Euch vor Augen: Wäre der Klassen- kampfgedanke für sie ein Glaubensbekenntnis gewesen, und hätten sie es in ihrer marxistischen Weltanschauung mit dem Arbeiter und dem Angestellten ehrlich gemeint, so hätten sie zuerst und vor allem die Einheit der Arbeitnehmer­schaft herstellen müssen. Daß sie es nicht taten, zeigt die Erbärmlichkeit und das Ausmaß des von ihnen an der gesamten deutschen Arbeitnehmer­schaft verübten Betruges.

Schassende des neuen Deutschland! Denkt an die Vergangenheit! Seht und erlebt die Gegenwart! Wir rufen Euch aus zur Ver­trauensratswahl, sür die Wahl von Männer» und Frauen, die Euer Vertrauen haben sollen.

Bremen, 9. April.

Daß die Förderung der deutschen Ausfuhr eine Angelegenheit ist, für die sich in Bremen weiteste Kreise einsetzen, zeigte sich von neuem anläßlich einer Veranstaltung im großen Saal des Atlantis-Hauses, der sich noch zu klein erwies, obwohl ursprünglich geplant war, die von Gauwirtschastsberater, Pg. Fromm, ein­berufene Tagung in der Handelskammer statt­finden zu lassen. Vertreten waren neben den Industrie- und Handelskammern Bremen, Weser- mllnde, Oldenburg und Osnabrück die Eewerbe- und Kleinhandelskammer Bremen, die Deutsche Arbeitsfront, die Dienstgemeinschaft National­sozialistischer Wirtschaftsfachleute Gau Weser- Ems, die Behörde für Schiffahrt, Handel, Ge­werbe und für Verkehr, der Präsident des Lan­desfinanzamts und die Devisenstelle Weser-Ems, die Ileberwachungsstelle für Tabak und Baum­wolle, sowie die Außenhandelsstelle für das Weser-Ems-Gebiet, schließlich, nicht zuletzt, bre­mische und auswärtige Jndustriefirmen, der

: Tutzing, 9. April.

Tützing stand' am. Dienstag ganz im Zeichen des 70. Geburtstages des großen Feldherrn des Weltkrieges, General Ludendorffs. Kraft- wagen aus Kraftwagen strebte Tutzing zu, dessen Häuser zu Ehren des Tages reichen Flaggen- schmuck angelegt hatten. Zwei Sonderzllge brach­ten an 1700 Personen heran. Das Haus Luden­dorffs war schon vom frühen Morgen an von dichten Menschenmengen umlagert.. Um 8 Uhr morgens zog der Doppelposten des Reichsheeres vor dem Hause des Generals auf. Dann folgte eine Abordnung nach der anderen, Alle wurden von dem General, der an seinem Ehrentage große Eeneralsuniform mit allen Orden und Auszeich­nungen angelegt hatte, herzlich empfangen. 30 Mitglieder des Brigadeführer-Kurses der Reichs- fllhrerschule der SA. traten im Garten an. Ge­neral Ludendorff schritt ihre Front an, gab jedem der Erschienenen die Hand und wechselte kameradschaftliche Worte mit den Kriegsteil­nehmern.

Um 10 Uhr traf die Ehrenkompanie des Reichsheeres ein, die vom Infanterie-Regi­ment Münchsn gestellt war. Sie trug die Fahnen des ehemaligen Füsilier-Regiments „General Ludendorff" (Niederrheinisches) Nr. 39. Um 11 Uhr fuhr Reichswehrminister Generaloberst von Blomberg mit dem Chef der Heereslei­tung General der Artillerie Freiherr von Fritsch vor. Generaloberst Reichswehrminister

Natürlich wissen wir, daß die Versuchung be­steht, die Wahl dieser Vertrauensräte von man­cherlei persönlichen Dingen bestimmen zu lassen. Wir wissen, daß durch diese Wahlen auch dem Unternehmer und dem verantwortlichen Betriebs­führer das Vertrauen ausgesprochen wird. Wir witzen, daß dies alles von dem unendlich vielen Geschehen des Alltags abhängt. Und doch wollen wir diese Wahl.

Wir wollen sehen, wie weit die Gemein­schaft von Unternehmern und Arbeit­nehmern in den Betrieben Fortschritte ge­macht hat. Wir wollen auch, daß der verantwort­liche Betriebsführer durch diese Wahl an die Not­wendigkeit erinnert wird, stets um das Vertrauen der Gefolgschaft bemüht zu sein. Und wir wollen mit dieser Wahl schließlich den Vertretern der Gefolgschaft zum Bewußtsein bringen, daß auch sie sich immer wieder von neuem das Vertrauen ihrer Arbeitskameraden erwerben müssen.

Männer und Frauen des schaffenden Deutsch­land! Diese Wahl ist die freieste, die die Welt kenntz Sie ist geheim und direkt. Deshalb ver­langt sie von Euch Arbeitern und Arbeiterinnen, Angestellten und Unternehmern die höchste Ver­antwortung. Adolf Hitler, die NSDAP., das ge­samte neue Deutschland ringen schwer und hart, zäh und unermüdlich um die Anerkennung und um die iung der Welt.

Denk' immer daran: Deine Ehre ist es, deut­scher Volksgenosse und deutsche Volksgenossin, die der Führer zurückgewinnt. Denk' immer daran: Auch den Schutz Deiner Arbeit sichert der Führer!

Exporthandel, Schiffahrt, Spedition und Banken, Vereine und Verbände, die mit dem Außenhandel in unmittelbarer Beziehung stehen.

So konnte der stellvertretende Eauwirtschafts- berater, Pg. Schmidt, der die Tagung mit Be- grllßungsworten eröffnete, auf die erfreuliche Tat­sache hinweisen, daß die Gestaltung unse­rer Ausfuhr allen Anwesenden am Herzen liege, um damit an den Hauptaufgaben des Ratio nalsozialismus, für alle Volksgenossen Arbeit und Brot zu schaffen, mitzuarbeiten. Pg. Boll- meyer betonte die dringend notwendige Auf­klärung von Mensch zu Mensch. Er begrüßte die Zusammenarbeit mit der Industrie und schloß mit einer beifällig aufgenommenen sarkastischen Be­merkung über gewisse Reden und Vorschriften zum Außenhandel, die keine Spur von Sachkenntnis verrieten.

Mit einem historischen Rückblick auf die beson­dere Entwicklung Bremens und feiner Uebersee- vorbindungen, die es aus eigener Kraft geschaffen und ausgebaut hat, stellte Senator

von Blomberg übermittelte dem Jubilar die Glückwünsche der deutschen Wehrmacht. Er führte- aus: Herr General! Als Vertreter der deut­schen Wehrmacht bitte ich Ew. Exzellenz, die herzlichen Glückwünsche zum 70. Geburtstag aus- sprechen zu dürfen. Nach der Einführung der Wehrpflicht nähert sich die neue deutsche Wehr­macht in ihrer Konstruktion wieder mehr der Wehrmacht der Vor- und Kriegszeit. Diese Wehrmacht war vor und während des großen Ringens durch den Soldaten Ludendorff ent­scheidend stark beeinflußt und geführt. Auch auf die neue Wehrmacht wird dieser Geist ausstrahlen.

Inzwischen waren zwei Staffeln der Reichs­luftwaffe herangeflogen und bereiteten in einem Vorbeiflug mit tadelloser militärischer Ausrichtung dem General eine Ehrung. Das letzte der Flugzeuge warf einen Rosenstrauß mit einer Huldigungsadresse für den General ab. Kurz nach 1.15 Uhr betrat General Ludendorff, geleitet von GeneralobeAt von Blomberg und General der Artillerie von Fritsch, den Platz, wo die Ehren­kompanie Aufstellung genommen hatte. Er be­grüßte die Versammelten und schritt dann die Front der Ehrenkompanie ab. Ergriffen grüßte er die Fahnen seines alten Regiments. Den Sol­daten entbot er ein kraftvolles „Heil Kameraden". Nach dem Abschreiten der Front unterhielt sich der General längere Zeit mit den Führern des Reichs­heeres und begab sich hierauf zum Platz gegenüber seinem Haus, wo er an der Seite des General-

Hammer und Schwert gehören zusammen, soll die Arbeit nicht zum Spielball internationalen Kapitals werden. Und Arbeiter und Soldat ge­hören zusammen! Drum: Führer, wir danken I)ir, daß Du uns die Wehrhoheit zurückgeholt hast.

Dankbarkeit und Treue zu Adolf Hitler sollen auch bei den Vertrauensratswahlen Eure Ent­scheidung lenken. Arbeiter, Angestellte und Unter­nehmer, erhebt Euch über den Alltag, laßt Eure große Entscheidung nie und nimmer von kleinen Bedenken diktieren. Ihr wählt nicht eine Partei, Ihr wählt nicht eine Gruppe, Ihr wählt Deutsch­land und damit Euch selbst und Euer Schicksal! Denkt stets daran: Die Welt hat so viel Achtung vor Deutschland, wie wir gewillt sind, uns selbst Achtung und Stolz zu geben. Denkt stets daran: Das neue Deutschland sendet als Repräsentanten seines Voll/s Arbeiter und Arbeiterinnen hinaus in die Welt. Die Tage von Lissabon und Ma­deira werden unvergeßlich bleiben.

Zeigt auch Ihr durch diese Wahlen der Welt, daß aus dem kleinlichen und selbstsüchtigen Prole­tarier ein stolzer freier Mann geworden ist. Zeigt, daß hinter der von Adols Hitler zurück­eroberten Wehrhoheit das gesamte schaffende Deutschland als jene Einheit von Tat und Wille steht, die unserem Führer Adols Hitler das restlose Gelingen seines großen Werkes garantiert und sicherstellt.

(gez.) Dr. Robert Ley.

Bernhard fest, daß Bremens Stärke auf seinen Wagemut zurückgehe und den Einsatz der Persön­lichkeit. Bremens Aufgabe sei, dem Export zu dienen, den ausländischen Ablader auf die beson­dere, gewissenhafte Behandlung seiner Güter auf bremischen Schiffen und in bremischen Häfen immer wieder hinzuweisen und damit „Bremens Willen zur See" zu dokumentieren.

'Gauwirtschastsberater Pg. Fromm fetzte sich für eine Auslese des wirklich Tüchtigen ein. Sei die Ausfuhr beschwerlich, so müsse ein um so größerer Energieaufwand einsetzen. Auf die Dauer sei es eine kurzsichtige Politik der Kartelle, dem Exporteur die Ausgleichsmöglich­keiten zu beschneiden.

Die Kommission für Wirtschaftspolitik der NSDAP. in München arbeite mit dem Einver­ständnis von Dr. Schacht an der Beseitigung exporthemmender Vorschriften. Sache des Kauf­manns sei es, durch Vorschläge aus der Praxis diese Aufgabe zu erleichtern.

(Ausführlicher Bericht im Innern des Blattes)

obersten von Blomberg den V o r b e i m a r sch der Truppe abnahm.

Ludendorff trat nach der Abnahme des Vorbei­marsches auf die Terrasse seines Hauses und hielt zu der großen Menschenmenge eine Ansprache, in der er sich besonders für die Ehrungen bedankte. Er erklärte, daß er mit großer Freude das alte Soldatenkleid wieder angelegt habe, um in ihm der alten Helden und Verwundeten zu gedenken, die für Deutschland ihr Blut vergossen haben. General Ludendorff gedachte dann des alten Heeres, seiner Hingabe, seiner Tapferkeit und seines Heldengeistes, er wandte sich dann noch an die junge Wehrmacht und erklärte, die alten Fah­nen, die von jungen Soldaten getragen würden, zeigten die enge Verbundenheit zwischen der alten und der nezzen Wehrmacht. Die Einführung der allgemeinen Wehrpflicht habe das wahrhafte Sein des deutschen Volkes begründet. Mit dem Liede: „Ich hab mich ergeben" und dem Deutschlandlied schloß die Kundgebung vor, dem Hause des Generals.

Der Vundesführer des Kyffhäuser- bundes, Oberst a. D. Reinhard, richtete an General Ludendorff folgendes Glückwunschtele­gramm: „Euerer Exzellenx, dem großen Feldherrn des Weltkrieges, namens der im Deutschen Reichs­kriegerbund „Kyffhäuser" vereinigten 3 Millio­nen Soldaten ehrerbietigste und treukameradschaft- liche Glückwünsche zum 70. Geburtstage auszuspre- chen, gereicht mir zu ganz besonderer Ehre und Freude. Die Taten der deutschen Armee im Welt­kriege bleiben für alle Zeiten mit dem Namen Eurer Exzellenz untrennbar verbunden. — Mit Stolz erfüllt es uns alte Soldaten, in einer Armee gedient und gekämpft zu haben, die einen solchen Feldherrn zu den Ihren nennt. — In Verehrung und Dankbarkeit gez. Reinhard, Oberst a. D."

Weitere Glückwunschtelegramme erhielt General Ludendorff von Reichsminister General der Flie­ger Hermann Göring, von Reichsbauernführer R. Walther Darrs, von Gauleiter Streicher- Franken und von dem Gauleiter und Oberpräsi- Lenten von Ostpreußen, Koch, der Ludendorff im Namen seiner Provinz Dank sagt für die Rettung Ostpreußens.

Amt sür Ausstellungs- unö Messewesen

Der Reichspropagandaleiter erläßt folgende Anordnung: Das Ausstellungs- und Messewesen ist eines der wichtigsten Fachgebiete der Propa­ganda. Zur Wahrung nationalsozialistischer Ge­staltung und Durchführung von Ausstellungen und Messen erlasse ich daher im Einvernehmen mit dem Stellvertreter des Führers folgende Anordnung: 1. Als Abteilung der Reichspropa­gandaleitung wird das Amt für Aus­stellungs- und Messewesen gebildet. 2. Zum Leiter der Abteilung Ausstellungs- und Messewesen ernenne ich den Leiter des Institutes sür Deutsche Wirtschaftspropaganda, Pg. Walde- mar Steinecker, Berlin. 3. Die Ausfüh- rungsbestimmungen werden von der Abteilung Ausstellungs- und Messeckesen erlassen. 4. Alle eventuell bestehenden Abteilungen, der NSDAP., ihrer Gliederungen und angeschlossenen Organi­sationen, die sich mit dem Ausstellungs- und Messewesen befassen, unterstehen der Abteilung in der Reichspropagandaleitung, gez. Dr. Goeb­bels, Reichspropagandaleiter der NSDAP.

Rätselraten um Gtresa

(Orsbtbsriodt uussrsr ösriinsr LoiiriktlsituvZ)

kr. Berlin, 9. April.

Es ist eine Erfahrung, die man bei einer langjährigen Konferenzpraxis gewonnen hat, daß sich in den Tagen unmittelbar vor dem Beginn einer wichtigen internationalen Zusammenkunft die Mitteilungen über be­stehende Auffassungen und beabsichtigte Bei­träge der verschiedenen beteiligten Regierun­gen zu einem schwer übersehbaren Durch­einander von Vermutungen und Behauptungen verdichten. So ist es auch heute, gut 24 Stunden vor dem Beginn der Konferenz von Stresa. Das englische Ka­binett hat sich bereits Montag in mehr als vierstündigen Beratungen nnt dem Pro­gramm für Stresa beschäftigt. Bei der Ver­traulichkeit dieser Kabinettssitzung sind die englischen Zeitungen im wesentlichen auf Vermutungen und Kombinationen ange­wiesen. Sie geben deshalb Mitteilungen aus, die sich vielfach widersprechen, die aber doch in einigen Punkten ziemlich weitgehend übereinstimmen. England wird danach weiterhin bemüht sein, eine aktive und un­verdrossene Vermittlertätigkeit zu entfalten. Es wird sich stark für die kon­tinentalen Fragen interessieren — vielleicht in einem mehr oder weniger engen Einver­nehmen mit den vom deutschen Reichskanzler dem englischen Außenminister gemachten Vorschlägen, z. B. dem eines zehnjährigen politischen Waffenstillstandes. Allerdings solle» die deutschen Vorschläge, soweit sie sich auf die Nichtunterstützung eines Angreifers beziehen, abgelehnt worden sein. Man be­hauptet, daß der deutsche Botschafter Herr von Hoesch gestern im Unterhaus in diesem Sinne durch den Außenminister persönlich unterrichtet wurde. Schließlich ist der Plan einer sogenannten Deklaration aufgetaucht, die die Unoerletzlichkeit aller europäischen Grenzen festlegen soll. Wieweit die englische Regierung sich auf diesen Gedanken festge­legt hat, ist allerdings völlig ungewiß.

Der stellvertretende Ministerpräsident Baldwin hat in einer größeren Rede von dem „Tollhaus Europa" gesprochen. Simon hat sich im Unterhaus eingehend mit den Standpunkten der auf der großen Rund­reise berührten Staaten beschäftigt — von der englischen Politik hat keinSr von ihnen etwas näheres gesagt. Das Wahrscheinlichste ist, daß London einen allgemeinen eu r opäischenTerritorialpakt an­strebt, wobei man über die Einzelheiten noch durchaus im Unklaren ist und auch darüber, wie der Völkerbund bei einer solchen Lösung berücksichtigt werden soll.

Die französische Haltung wird durch die immer deutlicher werdenden Differen­zen zwischen dem Ministerpräsi­den t en FI an d i n u n d d em Außen­minister Laval besonders unklar. Laval besteht auf einer völlig gemeinsamen Politik mit Italien, das sich auch der Kleinen En­tente gegenüber in der letzten Zeit nach­giebig gezeigt hat, während Flandin eine Teilnahme Englands an allen zur Verhand­lung kommenden Abmachungen unbedingt durchsetzen will, da er der Ansicht ist, jeder Pakt sei unzulänglich, wenn London nicht aktiv daran teilnimmt. Laval soll sich sogar in seiner letzten Unterredung mit dem Präsi­denten der Republik, Lebrun, Sicherheiten dagegen haben geben lassen, daß sich Flandin, wie seinerzeit aus der Londoner Konferenz Anfang Februar, gewisse Uebergriffe und Selbständigkeiten gegenüber seinem Kolle­gen zuschulden kommen läßt. Der Grund­gedanke des französischen Planes ist be­kanntlich der, daß Frankreich ein General­abkommen im Rahmen der Völkerbunds­satzung abzuschließen bereit ist, vorausge­setzt, daß es daneben zweiseitige oder mehr­seitige Hilfsverträge abschließen kann. Ita­lien schließlich hält sich nach einer Zwischen- periode betonter Aktivität stark zurück, da es die Aussichten von Stresa immer skep­tischer beurteilt und bei einem Fiasko nicht allzusehr Im Vordergrund stehen will. ,

Im übrigen ist vom d e u t s ch e n S ta n d- punkt grundsätzlich folgendes zu beachten: Wenn die Vertreter der drei Großmächte dazr übergehen sollten, eine Formel vorzu­bereiten, die sodann in Genf dem Völker­bundsrat zur Beschlußfassung unterbreitet wird, so würde sich damit ein' Spiel wieder­holen, das Deutschland stets abgelehnt hat. Es handelt sich um das Verfahren, daß wich­tige Entscheidungen des Völkerbundes von

„Das Schwert sichert die Arbeit"

Aufruf Dr. Leys zu den Vertraumsratswahlen

Dem großen Feldherrn -es Weltkrieges

Die Wehrmacht ehrt General Luöenöo?ff an feinem 70 Geburtstag