Ausgabe 
(6.4.1935) Nr. 96
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das amtliche arg an -es Senats

der Smen Hansestadt vremen

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Nr. / 3. Jahrgang

Sonnabend, 6. April

Einzelpreis 1 Z Rps.

Der Danziger Wahlkampf auf dem Höhepunkt

Gchmutzkanal -es Hohen Kommissars

Entlarvter Marxistenverrai am deutschen Volkstum

(Vraktberivbt äussrer. Lerlinor SebriktlvitunA)

Berlin, 5. April

Roch kurz vor dem Abschluß des Wahlkampfes in Danzig hat der Hohe Kommissar des Völker­bundes Leester dafür gesorgt, daß das Treiben der Marxisten in Danzig in das richtige Licht ge­setzt wird und daß die direkten Verbindungen der Marxisten zu denjenigen Stellen bewiesen werden, welche das Deutschtum in Danzig gewaltsam un­terdrücken wollen.

Der Hohe Kommissar des Völkerbundes Leester hat vor einigen Tagen in einer öffentlichen Er­klärung gesagt, daß die Behauptung unrichtig sei, er habe einen Bericht an den Generalsekretär des Völkerbundes über gewisse Auseinander­setzungen mit dem nationalsozialistischen Senats­präsident Greiser gerichtet. Schwedische und pol­nische Zeitungen veröffentlichen jetzt aber den Wortlaut dieses Berichtes von Leester an den Ge­neralsekretär des Völkerbundes Avenol. Der Be­richt enthält nur unerwiefene und unrichtige Be­

hauptungen. Er beschäftigt sich auch mit ganz be­langlosen Kleinigkeiten, vor allem mit der Frage, ob der Senatspräfident Greiser bei dem Herauswurf eines Kommunisten aus dem Dan- ziger Volkstag der Polizei Anordnung gegeben hat, die verfassungsmäßig in diesem Falle nur dem Präsidenten des Volkstages unterstand.

Der Inhalt des Berichts, der sich nur auf solche völlig gleichgültigen Dinge erstreckt, ist bei weitem nicht so interessant wie die Erklärung des Hohen Kommissars, daß er den marxistischen Redakteur der Danziger Volksstimme Brost alsKanal" zwi­schen sich und der Sozialdemokratie benutzte. Brost wurde nämlich aus dem Volkstage ausgewiesen, als sich herausstellte, daß er sich über den Zwischen- fall mit dem Kommunisten Notizen machte. Leester sagt in seinem Bericht völlig eindeutig, daß er Brost zu geheimen Berichten über Zwischenfälle im Danziger Volkstag deshalb benutzt habe, weil die Plätze der Presse für die stenographische Aufnahme solcher Zwischen­

rufe besser geeignet seien als die Plätze in der Tiplomatenloge.

Es steht also nun nach dem amtlichen Zeugnis des Hohen Kommissars des Völkerbundes in Dan­zig einwandfrei fest, daß die Danziger Marxisten in engster Verbindung mit dem Völkerbundskom­missar arbeiteten, und zwar gegen das Deutsch­tum in Danzig und gegen Deutschland. Offenbar stammt die ganze Weisheit des Völkerbundskom­missars über angeblichen Terror, der gar nicht vorhanden ist, von den Marxisten aus dem Kanal" Brost. Es ist auch sonst wohl beobachtet worden, daß die Danziger Marxisten an inter­nationale Organisationen herangetreten sind und ein internationales Eingreifen in Danzig ver­langt haben. Für den Wahlkampf in Danzig selbst können die Enthüllungen, die der Völkerbunds­kommissar freundlichst besorgt hat, nur noch das Ergebnis haben, daß die Zahl der Stimmen für den Nationalsozialismus sich weiter erhöht.

Gemeinschaft muß exerziert werden"

Begeisterter Dertrauensratsappell Dr. Legs in den

Essen, 5. April.

Am Freitagmittag erreichte der Versammlungs­feldzug der Deutschen Arbeitsfront zur Vertauensratswahl mit einer machtvollen Kund­gebung in den Essener Kruppwerken seinen Höhe­punkt. 2n der weiten Halle hatten Kopf an Kopf im blauen Werkmannskittel, im braunen Kleid der PO., der SA., der HJ., 6000 Werksangehörige Aufstellung genommen, während in allen Betrie­ben ganz Deutschlands das Arbeitsvolk sich zum Eemeinschaftsempfang versammelt hatte.

Die Klänge der Werkskapelle tönen auf, als Dr. Ley von dem Führer des Betriebes der Kruppwerke, Professor Dr. Eoerens, begrüßt, die Werkshalle betritt. Von hoher Empore richtet der Leiter der Deutschen Arbeitsfront seinen Ruf zu treuer Gefolgschaft an den deutschen Arbeits­menschen, nachdem das Arbeitsfrontlied des Werks-Gesangvereins und die aufrüttelnden Sprüche der Arbeit des Sprechchors Kruppscher Arbeiter verhallt sind.Es ist ein wundervolles Bild", so führt Dr. Ley aus, diese Riesenhalle, gefüllt mit Tausenden von Werkmännern, als ob es nie anders gewesen wäre! Und doch ist die Zeit noch nicht fern, wo diese Menschen getrennt waren in Klassen, Schichten und Stände, wo einer gegen den anderen stand. Oft fragt uns das Ausland: Welches Rezept habt ihr, daß ihr das fertiggebracht habt? Wir können immer wieder antworten: Unser Rezept heißt Adolf Hitler. Unser Rezept heißt die Rückkehr zur Vernunft, unser Rezept heißt die Einsicht, daß unser Leben nach einer göttlichen, organischen Gesetzmäßigkeit abläuft und nicht nach Willkür und nicht nach Zufall und nicht nach Abhängigkeit von Mehr­heiten, sondern allein abhängig von den Grund­begriffen, die das Leben des einzelnen ausmachen und darüber hinaus das Leben des gesamten Volkes.

Paris, 5. April.

Der französisch« Kriegsminister und der Lust­fahrtminister haben die ihnen zugeschriebenen Er­klärungen vor dem Unterausschuß für Landes­verteidigung dementiert, wonach zwischen Frankreich, der Tschcchoslowakai, Italien und Sowjetrußland militärische Luftabkommen be­ständen und wonach ferner mit der belgischen Re­gierung vereinbart sei den französischen Truppen im Falle eines Krieges freien Durchmarsch zu ge­währen. Es muß i«doch aus eine Erklärung des Ministerpräsidenten vor dem Finanzausschuß der Kammer hingewiesen werden, nach der sich der so­zialistische Abgeordnete Vincent Auriol und einige seiner Kollegen über die Indiskretio­nen des rechtsgerichteten Abgeordneten Taittinger beschwert haben. Ministerpräsident Flandin habe darauf geantwortet, daß er jede Zusammenarbeit mit den parlamentarischen Ausschüssen einstellen würde, wenn sich ähnliche Indiskretionen noch ein­mal wiederholten. Man spricht also nur von In­diskretionen und nicht von der Verbreitung falscher Berichte, wie man es nach dem Dementi der beteiligten beiden Minister hätte erwarten müssen.

Es ist ein Wunder, daß dieses Volk in letzter Sekunde von dem Abgrund hinweggerissen wurde, daß das Schicksal so gnädig war, diesem Volke noch einmal einen Mann zu schenken aus der Tiefe des Volkes, aus der breitesten Masse des Volkes, einen Arbeiter und Soldaten, der das Volk wieder auf den Pfad der Vernunft und der Erkenntnis zurückführte.

Meine Volksgenossen! Wenn Sie mich fragen: Wie wird denn eure Sozialordnung aussehen, was werdet ihr uns denn bringen?, so muß ich sagen: Wir werden die Begriffe wieder klarlegen, wir werden wieder eine Sprache miteinander sprechen, die jeder versteht. Wir werden Gedan­ken bringen, die nicht kompliziert sind. Kein marxistisches Manifest von einem schemenhaften Mehrwert und ähnliche Dinge werden wir euch geben, die keiner versteht.

Es genügt uns nicht, daß jeder einen Arbeits­platz hat, sondern jeder muß seinen Arbeits­platz haben. Wir müssen erreichen, daß die Men­schen eingeteilt werden in Bataillone des Kampfes für die Existenz der Na­tion. Wir müssen die Gemeinschaft nicht allein predigen, sondern wir müssen sie exerzieren.

Wo etwas geleistet werden soll, muß Gehorsam sein, muß Disziplin sein, und dann wird auch ein wahres Führertum kommen und eine wahre Ge­folgschaft. Hier ist uns Vorbild der Soldat. Der Soldat ist der beste Sozialist, den es in der Welt gibt. Er hat die größte Kameradschaft, die höchste Treue und den besten Gehorsam und damit auch die höchste Leistung. Es gibt keine größere Schande, als wenn man sagt: Du hast dich unsol- datisch benommen. Und so muß es auch bei uns werden in den Fabriken und Kontoren.

Will der Unternehmer ein wahrhafter Wirt- schastsführer sein, so genügt es nicht, daß er sein

DerPopulair" erklärt, daß wohl selten die Aeußerung eines Parlamentariers größeres Auf­sehen erregt habe, als die Taittingers. Minister­präsident Flandin sei wütend gewesen, denn er begreife nicht, warum der Abgeordnete ver­trauliche Mitteilungen des Ministers der Oeffentlichkeit preisgegeben habe.

Nach einem Bericht desPopulair" hat Mini­sterpräsident Flandin im Finanzausschuß der Kammer erklärt, das Programm für die Landes­verteidigung erfordere für die Luftfahrt 800 Millionen Franken (131 Millionen RM.) für 1935 und eine Milliarde (164 Million RM.) für 1936. Für die Materialbeschaffung seien jedoch viereinhalb Milliarden (738 Millionen Reichsmark) notwendig, die auf drei Jahre ver­teilt werden könnten. -Flandin habe ferner er­klärt, daß Frankreich seit 1920 für Heereszwecke 134 Milliarden Franken ausgegeben habe, wovon 15 Milliarden Franken für Neuanlagen ver­wendet worden seien. Bemerkenswert ist, daß es sich bei vorstehenden Angaben wieder um In­diskretionen aus den Verhandlungen des Finanzausschusses handelt, für die Flandin nach­drücklichst Stillschweigen erbeten hatte.

Essener Krupp-Werken

Werk sein säuberlich kaufmännisch oder technisch leitet, nein, wir Nationalsozialisten verlangen mehr. Wir verlangen, daß er sich um seine Ge­folgschaft sorgt und bekümmert.

Kürzlich in Lissabon fragte mich ein Journalist: Sagen Sie, in der Welt geht das Gerücht, die Ar­beitsfront ist eine militärische Organisation. Was ist daran wahr? Ich mußte ihm antworten und konnte ihm auch frei und offen antworten: Mein Herr, darüber kann ich nur lächeln. Das ist so absurd und so lächerlich, daß ich eine Antwort gar nicht geben kann. Und doch hat vielleicht dieser Mann im Grunde etwas getroffen, was die Welt aufhorchen läßt. Jawohl, nach kaum zwei Jahren hat der Führer die allgemeine Wehrpflicht wieder einführen können. Er hat sie nur einführen können, weil Ihr, die schaf­fenden deutschen Menschen, eine große Gemein­schaft geworden seid.

Deshalb, meine Freunde, meine Volksgenossen, zum Kampf sind wir angetreten, nicht zum Krieg. Wir wollen keinen Krieg. Wenn es je­mals ein Volk ehrlich mit diesem Wort meint oder gemeint hat, dann sind wir es.

Wir versprechen euch nichts, deutsche Arbeiter. Wir haben euch nie etwas versprochen. Das Para­dies können wir nicht geben, wir wissen nicht, wo es liegt. Aber eines wissen wir: Daß das Leben ein ewiger Kampf ist und daß alles, was erreicht werden soll, nur erreicht wird durch Kampf. Ohne Kampf ist kein Leben.

So richten wir die Gemeinschaft der Anständi­gen aus gegen die Front der Schieber und Gau­ner und der Unanständigen, und meistern die Sorgen. Wir wollen leben, wir wollen arbeiten. Die Arbeit ist uns keine Last mehr. Wir werden emporsteigen zum Licht, zur Freiheit, zu Arbeit und Brot. Wir wollen den Kampf um Deutsch­lands willen, um seines Glückes willen. Adolf Hitler, Deutschlands größter Sohn, wir danken dir, wir danken dir in tiefer Verehrung und Treue. Adolf Hitler Sieg Heil!

Neuer Memel-Gouverneur

Durch Verfügung des litauischen Staatspräsiden­ten ist der Reichskommissar von Litauen, Vladas Kurkauskas, der früher Präsident der Kow- noer Landwirtschaftskammer war, zum neuen Gou­verneur des Memel-Eebietes ernannt worden. Wie aus zuverlässiger Quelle verlautet, sind auch be­reits Verhandlungen über die Neubildung des Memel-Direktoriums im Gange. Diese Besprechun­gen führt der Schwiegervater von Kurkauskas, Subow.

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Der neue Gouverneur Vladas Kurkauskas, ent­stammt einer alten russischen Beamten- und'Offi­ziersfamilie. Er ist im Jahre 1895 in Taschkent ge­boren und wurde im russischen Kadettenkorps in Palock erzogen, kämpfte als russischer Ofsizier im Weltkriege, kam 1919 nach Litauen und beteiligte sich dort an den litauischen Freiheitskämpfen. 1921 wurde er Kommandant von Wilna. Nach seinem Ausscheiden aus der Armee war er längere Zeit Präsident der Landwirtschaftskammer in Kowno Im März d. I. wurde er zum Kreiskommissar für Litauen ernannt. Politisch ist Kurkauskas bisher nicht hervorgetreten.

Hat Belgien nichts hinzugelernt?

Ein bestätigendesDementi" / Neue Indiskretion über Frankreichs

riesenhafte Wehrausgaben

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Von unssrsm römiscstsn Rom, Anfang April.

An einem öer friedlichsten Gestade dieser Erde kommen Männer und Mächte zusam­men, um über den Unfrieden, um nicht zu sagen über den Krieg zu beraten, der angeb­lich vor 16 oder 17 Jahren aufhörte. 13 Jahre sind bereits seit der ersten großen internationalen Konferenz, auf der die Be­siegten mit gleichen Rechten erscheinen soll­ten, der Konferenz von Genua, ver­gangen. Auf die leuchtenden Frühlings­wochen am blauen Golf fiel nur allzubald der tödliche Reif, die großen Wortführer Barthou und Rathenau starben eines ge­waltsamen Todes, die lauteste politische Firma des damaligen Deutschlands, die sich allein befähigt hielt, die Geschäfte zu führen, Bernhard u. Wolfs, hat Bankrott gemacht, und Lloyd George, tbs man vbo vuv ills vor, ist reuig vom Versailler Vertrag ab­gerückt. Wo Nitti stand, regiert heute Musso­lini, und der Führer Deutschlands heißt auch nicht' mehr Wirth. Die Welt hat sich sichtbar gedreht.

Wer sich das alles vor Augen hält, wird die Skepsis verstehen, die unsere alte Jour­nalistengarde von Genua beschleicht, wenn wir nun hören, daß in Stresa die Welt endgültigverteilt" werden soll. Wir haben so das Gefühl, als ob in abermals 13 Jah­ren die Bühne Europas wieder ganz anders aussehen werde. Nur eines hat sich seither nicht geändert, ein Geist ist derselbe geblie­ben: der Geist Frankreichs, der von, sich behauptet, mit dem Geist von Versail­les und der Entente identisch zu sein. Es kommt nun alles dürauf an, ob sich diese Behauptung in Stresa als stichhaltig erweist, ob die Besiegten tatsächlich noch einmal ein­gekreist und ständig unter Druck gehalten werden sollen, oder ob man ihnen die schon in Genua versprochenen Menschenrechte ge­währen wird. Wobei niemand mehr darüber im Zweifel sein kann, daß das wehrlose Deutschland von Weimar der Geschichte an­gehört.

Auf der anderen Seite hat Frankreich einen ungeahnten Machtzuwachs erhalten: die 8 oder 10 Millionen Bajonette Musso­linis. Dazu unter Umständen die Riesen­heere, Rußlands. Sich neben der Freund­schaft Englands diese gewaltigen Kraftreser­ven zu sichern, das ist das einzige Ziel der französischen Politik in. Stresa. Ueber Ruß­land hat man in Rom seine eigenen An­sichten, die sich nicht ganz mit den Hoffnun­gen der lateinischen Schwester decken; hin­gegen scheint die italienisch-franzö­sische Freundschaft heute ebenso ge­sichert zu sein, wie sie damals in Genua brüchig war. Sie Tag für Tag zu vertiefen, unterlassen die beiden nichts; der italienische Frontwechsel, gemessen an den deutsch­italienischen Beziehungen vor ein oder zwei Jahren, hat an Schärfe und Plötzlichkeit selbst in unseren veränderlichen Zeiten kaum ein Beispiel. Ist es doch bereits so weit, daß die Pariser Zeitungen offen schreiben kön­nen: Ihr wollt Abessinien haben? Bitte, nehmt es euch! Und das, bevor nur Italien ein solches Begehren deutlich gezeigt hätte. Und weiter: geflissentlich wird aus Paris die Behauptung vertrieben, Deutschland un­terstütze Abessinien, liefere Waffen, Hunderte von Tanks, es stehe hinter dem König der Könige wie es hinter Abd el Krim gestan­den habe. Die italienischen Zeitungen neh­men alles auf, das Volk denkt natürlich nicht weiter nach und so braucht es wirklich

Or.-k.-Korrsrponclsntsn

nicht viel, nötigenfalls einen Ausbruch von Deutschfeindlichkeit zu erreichen, wie im ver­gangenen Sommer.

Die große Frage aber ist, ob und wie weit Mussolini das Spiel mitmacht. Schon jetzt läßt sich sagen, daß das Treffen von Stresa mehr politischen als militärischen Cha­rakter haben wird, das heißt, die deutsche Wehrpflicht, um die es anfangs gehen sollte, rückt in den Hintergrund. Mussolini müßte sich ja selber verleugnen, wenn er nun ab­schwören wollte, was er gestern schon ge­billigt hat. Er glaubt nach wie vor, daß ein Dauerfriede in Europa nicht gegen, sondern nur mit Deutschland zu erreichen ist, und daher hat auch Italien, den französischen Anklageschritt in Genf nicht mitgemacht.

Wenn nicht alle Zeichen trügen, wird Ita­lien in Stresa die Meinung vertreten, man solle den formellen Tadßl wegen des For- malverstoßes gegen die Paragraphen des Versailler Vertrages ruhig dem Völkerbund überlassen, im übrigen aber sich mit dem längst bekannten Zustand der Dinge abfin­den und versuchen, auf der Grundlage der Gleichberechtigung mitDeutsch- land zu verhandeln. Allerdings ist Musso­lini gegen persönliche Beeinflussung nicht kugelfest: auch bei ihm gilt zuweilen der Grundsatz, daß recht immer der Anwesende hat, nicht der Abwesende. Und bei seinem impulsiven Temperament folgt die Tat oft der Ueberzeugung auf dem Fuße. Man denke nur an die Beschießung Korfus, an die Verdammung Oesterreichs-vor einigen Jah­ren, an die Truppenaufgebote im vorigen Sommer, an. den. Konflikt mit Abessinien, an die Einberufung einer Iahresklasse. Wir halten Reden, schreibt bewundernd die fran­zösische Presse, Mussolini aber handelt.

Es muß also damit gerechnet werden, daß die italienisch-französische Verständigung in Stresa zu einem lateinischen Block wird, der wiederum die militärischen Maßnahmen Deutschlands bestimmen kann. Dann aber erhebt sich sofort die Frage: Wie wird sich Italien verhalten, wenn neben Oesterreich auch Ungarn die gleichen Wehrrechte ver­langt? Gegen eine Vermehrung der öster­reichischen Waffen hätte der lateinische Block nichts einzuwenden, sofern sie sich gegen den deutschen Nachbarn richten. Aber Ungarn? Und was sagt die Kleine Enteiste? Das sind Fragen, denen die italienische Presse lieber aus dem Wege geht. Ein Irrtum schwerster Art bleibt es, man könne in Stresa oder Genf über eine Großmacht zu Gericht sitzen, ohne den Rattenkönig aller übrigen Prob­leme zu wecken, ^mmer wird Mussolini zu dem von ihm selbst aufgestellten Grundsatz zurückkehren müssen: Ohne Deutsch­land geht es nicht!

Ein zweiter Gklarek-Vrozeß

Berlin, 5. April

Die beiden Brüder Leo und Willi Skla­re!, die wegen ihrer vielerörterten Schieberge­schäfte während der Systemzeit zu je vier Jahren Zuchthaus verurteilt worden sind und ihre Strafen gegenwärtig im Zuchthaus Brandenburg (Havel) absitzen, werden sich demnächst in einem neuen Strafverfahren zu verantworten haben. Es handelt sich dabei um Gewerbe- und Umsatz- steuerhinterziehungen im Gesamtbeträge von 60 000 Mark Nach dem Ergebnis der Vorunter­suchung sollen die beiden Angeklagten für ihre drei Gesellschaften in der Zeit von 1925 bis 1929 Steuern im genannten Betrag hinterzogen haben.