Ausgabe 
(24.4.1935) Nr. 112
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Nr. 112 / 3. Jahrgang

Mittwoch, 24. April

Einzelpreis 15 Rpf.

Varls verschreibt sich Moskau aus Prestigegründen

Laval Schrittmacher der Kommune

Russische Xruppenzusammenziehung und Anlage von Forts an der polnischen Grenze

Unser lagvsspivgel

Wie es scheint, will man in Paris aus reinen Prestigegründen doch noch znm Vertrags­abschluß mit Sowjetrußland kommen.

Die diplomatische Erklärung der Garantie­mächte des Memelstatuts in Kowno befriedigt in Berlin nicht.

Im Zuge der Vervollständigung der national­sozialistischen Marktordnung ist nun im Reiche auch ein weitgehender Zusammenschluß der Kartoffelwirtschaft durchgeführt.

, Die Feierlichkeiten am Tag der Nationalen Arbeit in Vremen sind in ihren Grundformen

^ die gleichen wie im Vorjahr.

, Kurpjuhn-Bremen wurde Landesmeister im Schachturnier des Schachverbandes Weser-Ems in Oldenburg.

Das im Rokokostil erbaute Schloß Schwarzen- graven bei Lppstadt wurde von einem Eroß- seuer zerstört.

Für das erste Galopprennen in der Bahr ist die Ausschreibung erschienen.

Dank des Führers

Berlin, 23. April.

Dem Führer und Reichskanzler sind auch in die­sem Jahre zu seinem Geburtstag aus allen Teilen des Reiches und allen Kreisen der Bevölke­rung, besonders auch von Deutschen im Ausland, zahllose briefliche und telegraphische Glück­wünsche zugegangen, deren Einzelbeantwortung nicht möglich ist. Der Führer läßt daher auf die­sem Wege allen, die seiner in Treue und Anhäng­lichkeit gedacht haben, seinen herzlichen Dank Übermitteln.

StaffelKyffhäufer"

Berlin, 28. April.

Als Eeburtstagsspende der im Kyffhäuserbund zusammengeschlossenen ehemaligen Soldaten hat der Vundesführer des Kyffhäuserbundes Oberst a. D. Reinhardt dem Führer eine Staffel von 14 Jagdflugzeugen zum Geschenk gemacht. In einem Begleitschreiben wird dem Führer der Dank dafür ausgesprochen, daß er eine zerrissene Nation zur Einheit geführt und dem deutschen Volke Ehre, Ansehen und Wehrkraft wieder­gegeben habe.

London prüft

London» 28. April.

Die deutsche Note, in der gegen die Ent­schließung der Genfer Ratsmächte Einspruch erhoben wird, wird von den zuständigen Stellen in London zurzeit noch geprüft. In politischen Kreisen betont man entgegen anders lautenden Meldungen, daß die englische Regierung noch nicht entschieden habe welches Verfahren bei der etwaigen Absenkung einer Antwort auf die deutsche Note eingeschlagen werden soll. Die in Paris verbreitete Behauptung, wonach in Lon­doner Regierungskreisen eine Fühlungnahme der Hauptmitgliedstaaten des Völkerbundes erwogen werde, bevor diese Staaten einzeln auf die deutsche Protestnote antworten würden, wird hier weder bestätigt noch in Abrede gestellt.

(Oraktberivkt unserer br. Berlin, 23. April.

Die diplomatischen Verhandlungen zwischen Frankreich und Sowjet-Rußland, die wahrschein­lich am Mittwoch oder Donnerstag wieder aufge­nommen werden, sollen nach Auffassung maßgeben­der Stellen noch etwa eine Woche in Anspruch nehmen. Im Gegensatz zu den ziemlich eindeutigen ablehnenden Meldungen aus Moskau und den auf­geregten Berichten der Pariser Presse nimmt man in unterrichteten Kreisen an, daß die Verhand­lungen zu einem Abschluß führen werden, weil aus Prestigegründen weder Sowjet-Rußland noch Frankreich im Augenblick ein Scheitern der Ver­handlungen sich leisten können.

Inwieweit der dann vereinbarte Vertrag militärische Eeheimklauseln enthalten wird, werden beide Staaten der Öffentlichkeit so weitgehend vorenthalten, daß darüber Vermutun-

Kowno, 23. April.

Die litauische Telegraphenagentur veröffentlicht über den Schritt der Signatarmächte bei der li­tauischen Regierung wegen der Nichteinhaltung des Memelstatuts folgende Mitteilung:Die Kow- noer Vertreter Englands, Italiens und Frank­reichs überreichten am 19. April der litauische», Regierung eine Note, in der die Besorgnisse ihrer Regierungen über die Lage im Memelgebiet zum Ausdruck gebracht wurden. In der Note wird an­erkannt, daß die litauische Regierung bei der Bildung des Direktoriums im Memelgebiet zwei­felsohne auf Schwierigkeiten gestoßen sei und ebenso, daß die Voraussetzung für ein reibungs­loses Funktionieren des Memelstatuts der Geist einsichtsvoller Loyalität sei. Schließlich wird die litauische Regierung in der Note auf die Notwen­digkeit einer Regelung der Beziehungen zwischen Direktorium und Landtag aufmerksam gemacht."

Wie verlautet, enthält die Rote der Signatar­mächte diesmal u. a. auch in entschiedener Form den Hinweis, daß sich die Signatarmächte bei Nichtbeachtung ihres Schrittes veranlaßt sehe» würden, die Angelegenheit aus Grund des Ar, tikels 17 des Memelabkommens dem Bölkerbunds- rat zur Entscheidung zu unterbreiten.

*

Wenn nach der litauischen Darstellung in der Note der Signatarmächte von Schwierig­keiten die Rede ist, aus die die Kownoer Re­gierung bei der Bildung des Memeldirek- toriums gestoßen sei, so ist dazu festzustellen, daß die Schwierigkeiten lediglich von Litauen selbst geschaffen worden sind. Der über­wiegend deutsche Charakter der Memel- bevölkerung, der sich auch in der Zusammen­

Lvrlioer Svbrik.tloitunx)

gen kaum Zweck haben. Es ist anzunehmen, Laß der Vertragstext selbst stärker an die Völker­bundssatzung angelehnt sein wird, als es ursprünglich in der Absicht Sowjet-Rußlands lag. Das wäre dann ein äußerer Erfolg derjenigen politischen Kreise in Frankreich, die eine gewisse Sicherung gegenüber Sowjet-Rußland für not­wendig halten. Diese Sicherung wird aber auf innerpolitischem Gebiet mit größter Wahrschein­lichkeit nicht erreicht werden. Es besteht sogar die Vermutung, daß die Sowjet-Russen unentwegt die kommunistische Agitation in Frankreich verschärfen und auf Laval insofern einen Druck ausüben werden, als sie eine besondere Agitation unter den Kommunisten in dem Pariser Vorort betreiben werden, in dem Laval bei den kommunalen Wahlen am 5. Mai wieder als Bürgermeister kandidiert.

Daß dre Russen im übrigen schon Vorbereitun­gen für eine stärkere Zusammenziehung von Truppen an ihrer Westgrenze getroffen haben, ergibt sich aus dem Bericht einiger engli­scher Zeitungen über eine .sehr merkwürdige Schil­derung seitens des sowjetrusstschen Dramendichters Kircon. Dieser Dichter beschreibt die Anlagen von Forts im russischen Sumpf- und Waldgebiet. Er teilt im einzelnen mit, wie diese Forts äußerlich als harmlose Grabhügel gestaltet sind, und wie ein Tankmanöver auf diesem Gelände durchge­führt wird. Nach dieser Schilderung ist die ganze westliche Verteidigungslinie Rußlands, besonders gegenüber Polen, mit Forts versehen, die mit Maschinengewehren, Schnellfeuerkanonen und be­sonderen Sprengapparaten arbeiten. Die Regie­rung Sowjet-Rußlands scheint sich also an der pol­nischen Grenze für eine besonders gute Verteidi­gung aber auch für den Angriff gesichert zu haben.

Das Arbeitsbuch

Seine Aufgaben und fein Wert

Mit dem großen Erfolg der Arbeits­beschaffung durch öffentliche Mittel und den Anregungen, welche die private Wirtschaft durch zahlreiche Maßnahmen der Regierung erhalten hat, war nur ein Teil der Aufgaben gelöst, die nicht allein die Wirtschaftskrise, sondern auch die neuen wirtschafts- und volkspolitischen Zielsetzungen gestellt hatten. Im Gefüge der Volkswirtschaft haben sich große Veränderungen vollzogen, die noch keineswegs abgeschlossen sind, und auch die Wirtschaftsbelebung vollzieht sich in anderen Formen als früher. Es ist nicht so, daß die einzelnen Betriebe nach einer mehr oder weniger langen Arbeitspause allmählich ihrer Gefolgschaft die Tore öffnen. In den Jahren des Niederganges sind Tausende von Betrieben ausgelöst worden, und ebensoviele haben sich andere Betätigungsgebiete er­schlossen. Das bedeutet für zahlreiche Arbei­ter die Notwendigkeit, sich nach einer neuen Betätigung umzusehen. Es liegt nicht im Sinne der Wirtschaftssteuerung, die das große Ganze im Auge behalten muß und die allgemeine Entwicklung besser über­blicken kann, diese Massen sich selbst zu überlassen. So starke Volks- und Wirt­schaftskräfte, wie sie in diesen von früheren Berufsstandorten losgelösten Volksgenossen verkörpert sind, müssen heute nach volks­wirtschaftlichen Gesichtspunkten gelenkt und betreut werden.

Die ersten Ansatzpunkte für die Lenkung der Arbeitskräfte gab das Arbeitsein­satz g e s e tz vom 15. Mai 1934, das die Ab­wanderung landwirtschaftlicher Arbeits­kräfte in andere Berufe und Betriebe er­schwerte. Jetzt konnte ein Schritt weiter zur planmäßigen Regelung des Einsatzes der Arbeitskräfte getan werden mit der Ein­führung des Arbeitsbuches. Die verwaltungsmäßige Mitwirkung, des Staa­tes bei der Durchführung eines Volkswirt^ schaftlich zweckmäßigen Arbeitseinsatzes setzt die Aufstellung eines Registers voraus; seine Bausteine bilden die Arbeitsbücher, die nach und nach an etwa 17,5 Millionen Volksge­nossen ausgehändigt werden. Mit dem Ar­beitsbuch gewinnt die Reichsarbeitsverwal­tung noch stärkeren Einfluß auf den Ar­beitsmarkt als bisher; sie übernimmt zu­gleich eine nicht geringe Verantwortung, die tragbar sein wird, wenn es gelingt, den Ar­beitseinsatz so elastisch zu lenken, wie es der Elastizität des Wirtschaftslebens entspricht.

Infolge der günstigen Auswirkungen der Arbeitsbeschaffung war es im Laufe des vergangenen Jahres an einzelnen Stellen für die Landwirtschaft schwierig ge­worden, die notwendigen Arbeitskräfte zu erhalten. Diese Schwierigkeit wird in den nächsten Jahren das Arbeitsbuch verhin­dern; es ermöglicht auch darüber hinaus, schon in andere Berufe abgewanderte Ar­beiter und Angestellte, die mit der Landwirt­schaft vertraut sind, dieser wieder zuzufüh­ren. soweit es die Verhältnisse erfordern. Die Reichsarbeitsverwaltung kann mit Hilfe des Arbeitsbuches, ohne anderweitige gesetz­liche Regelungen vorzunehmen, bestimmte

Letzte Warnung an Kowno

Ist der Schritt der Memel-EignatarmSchte wirklich ernst gemeint?

setzung des Landtages widerspiegelt, kann bei einigermaßen gutem Willen Litauens zur Erfüllung der ihm auferlegten Pflichten die Bildung des Direktoriums aus Vertretern des Deutschtums gar nicht als ein Problem erscheinen lassen.

Auch sonst kann die diplomatische Erklä­rung der Garantiemächte des Memelstatuts vom deutschen Standpunkt aus nicht befrie­digen. Entscheidungen des Völkerbunds gegen Litauen sind mehrfach ergangen. Die litauische Regierung hat dann stets die Fol­gerung daraus gezogen, einzelne Persönlich Kelten aus dem Memelgebiet abzuberufen, entsprechende Erklärungen in Genf abzuge­ben und darauf von neuem durch Beauf­tragte die Gewaltpolitik im Memelgebiet

Gtufmzentmm Europa

Eine Rede des Präsidenten der Abrüstungs­konferenz

London, 23. April.

Aus einer Versammlung des VNkervnnds- vereins in Scarborough hielt der Präsident der Abrüstungskonferenz, Henderson, eine Rede, in der er sagte, die Ereignisse im Fernen Osten seien znm großen Teil schuld an dem Beginn des neuen Wettrüstens. Es dürfe auch nicht ver­gessen werden, daß man versäumt habe, das in den Friedensverträge» eingetretene Versprechen gegenüber Dentschland zu allgemeiner Ver-

durchsetzen zu lassen. Mehrfach hat die litau­ische Regierung auch eine Vertagung von Verhandlungen des Völkerbundes dadurch erreicht, daß sie eine Abänderung der bean­standeten Mangel im Memelgebiet zugesagt hat und später an den wirklichen Zustanden nichts änderte. Es kommt Deutschland und allen am Frieden interessierten Staaten nicht darauf an, daß gegenüber der litau­ischen Regierung diplomatische Schritte un­ternommen werden. Entscheidend ist viel­mehr, ob die Garantiemächte die Wieder­herstellung des durch das Memelstatut ga­rantierten Zustandes ernstlich erreichen wollen, oder ob sie es bei diplomatischen Ak­tionen ohne praktisches Ergebnis bewenden lassen.

Minderung und Begrenzung der Rüstungen auf der Grundlage eines starken Kollektivsystems rechtzeitig einzulösen.

Heute "gebe es zwei Sturmzentren, eines im Fernen Osten und eines in Europa. Der Frieden sei unteilbar und jeder Versuch, die Verantwortung für die Aufrechter­haltung des Friedens zu teilen, sei eine Auf­forderung, die Völkerbundssatzung zu verleugnen und die Tür für einen Krieg in Europa zu öffnen. In einen solchen Krieg würde England bestimmt hineingezogen werden. Die Engländer hätten also ein überwältigendes Interesse an dem Erfolg des Versuchs, die Gleichberechtigung Deutschlands innerhalb des Rahmens eines allge­meinen Sicherheitssystems zustande zu bringen.

Der deutsche ^

Ein Neberblick zum tnternstkonalen Mmkongreß

Wir verlangen es von uns, daß der deutsche Film in erster Linie Kunstwerk sein soll. Wer wir wollen uNd müssen einen verständigen Idealismus haben. Der künstlerisch und in diesem Falle auch volkser- zicherisch arbeitende Mensch kann nicht leben von seiner Schönheitsliebe und von seiner Freude am Kunstschaffen allein. Auch gehören zur Vollendung und zur Verbreitung seines Werkes, des Films, viele Menschen, Lei denen er den reinen Idealis­mus nicht voraussetzen darf, Menschen, die ihre nur handwerkliche oder kaufmännische Kraft seinem Werk zur Verfügung stellen und dafür als Kauf­leute oder Handwerker bezahlt werden müßen. Und drittens: in der ganzen Welt wird mit Filmen ge­handelt, der deutsche Filmschaffende also kann> darf seinem Volke die Möglichkeit nicht entziehen, mit Filmen Geld zu verdienen und am Weltibe- triebe, am Welthandel teilzunehmen. Kurzum: der Film ist nicht nur Kunstwerk, sondern er ist auch Ware. Er erleidet durch diese Feststellung keine Erniedrigung. Uns beschäftigt aber die Frage, ob die Organisation des deutschen Filmbetriebes, die ja sehr stark ins Kaufmännische hinüberspielen muß, sich gesund entwickelt.

Wieviel Filme werden in Deutschland gedreht?

Im Jahre 1934 haben 68 deutsche Herstellungs­firmen insgesamt 122 große Spielfilme hergestellt, außerdem sind 286 Beiprogrammsilme, 89 Kultur­filme gedreht worden. Es ist ein schwieriges, weit verzweigtes Unternehmen, diese Filme nun an dre vielen Filmtheater zu verleihen. Eine Großstadt, eine Weltstadt, bietet hierfür wohl das bemer­kenswerteste Bild. Hamburg hat rund 70 Film­theater, Berlin sogar 390 (übrigens mit insge­samt 190 600 Sitzplätzen). Nur wenig» dreier Ber-

üm als Ware

vom 25. Äprii bis 1. Mai / Von Dr. Ä. Günther

liner Kinos sind Uraufführungstheater, auch nur eine verhältnismäßig kleine Zahl der Berliner Kinos kann es sichleisten", Filme, gleich nachdem sie uraufgeführt worden sind, zu spielen. Schon in größerer Zahl sind diejenigen vorhanden, die alsdritte" an die Reihe kommen, und so stufen sich denn die Filmtheater immer weiter ab in ihren Möglichkeiten, die jeweiligen Filme ihrem Stammpublikum zu zeigen. Uebrigens geht der Weg über die Stufen doch verhältnismäßig schnell, besonders dann, wenn der betreffende Filmganz oben", also in dem Uraufführungstheater oder in den Theatern, die. danach in erster Linie in Frage kommen, nicht allzu lange festgehalten wird. Ob er dort langefestgehalten" wird, das richtet sich danach, wie lange der Filmausverkaufte Häuser" erzielt.

Wer darf Filme vorführen?

Der Stand der deutschen Filmtheaterbesitzer hat sich früher zusammengesetzt aus Menschen der verschiedensten Stände und Berufe. In den letzten Jahren aber trägt die Organisation der deutschen Filmtheaterbesitzer zur Hebung des Standes, zur Sichtung und Klärung seiner Mitglieder bei. Zunächst ist die Zahl der Filmtheater gesperrt worden. FilmtheaterbesUer darf in Deutschland nur derjenige werden, der die technische Vor­bildung besitzt, also Filmvorführer ist. Weiterhin wird durch Kurse und aufklärende Schriften alles nur Mögliche dafür getan, daß der Filmtheater- besitzer (auch derjenige und gerade derjenige, der nur eine kleines Kino in Mein kleinen Orte hat), eine gute technische und künstlerische Vorbildung besitzt, z. B. auch was die Reklame angeht. An- yHtrrckt wird sogar ein« ganz bestimmte Lehrzeit.

Ebenso werden die Reihen der deutschen Film­schaffenden, also der Regisseure und Darsteller, gesichtet und gefestigt. Die etwa 6800 deutschen Filmschaffenden bilden die deutsche Filmfachschaft. Nur wer zu ihr gehört, darf in einem Film mit, wirken. Unter ihnen sind 1600 Statisten. Aber auch diese werden neuerdings einer Eignungs­prüfung unterzogen. Damit Ungeeignete aus diesem für sie verfehlten Berufe wieder ausge­schieden werden können! Einer natürlich noch strengeren Prüfung sie findet zwei Mal im Jahre, im April und im Oktober, statt haben sich diejenigen zu unterziehen, die Filmrollen dar­stellen. Letzthin meldeten sich zur Prüfung für den Filmschauspielerberuf nicht weniger als 400 Damen und Herren.

Was bedeutet das Auslandsgeschäft für den deutschen Film?

Günstige Absatzgebiete für den deutschen Film im Ausland sind Oesterreich, die Tschechoslowakei, Holland, die Schweiz, Skandinavien, Dänemark. Nicht ungünstig sind ferner Jugoslawien, Italien, Spanien, Frankreich Frankreich nimmt dadurch sogar noch eine Sonderstellung ein, daß große deutsche Produktionsfirmen von ihren Filmen eigens für Frankreich französische Versionen her­stellen, während die anderen genannten Länder die aus Deutschland eingeführten Filme deutsch mit dolmetschenden Zwischentiteln vorführen. Eine auffällige Abneigung haben England und Nordamerika gegen den deutschen Film, aller­dings überhaupt gegen kontinentale Filme. 2n England und in Nordamerika wird ein deutscher Film in höchstens vier Kinos gespielt und auch da nur jedesmal wenige Tage. Wenn dort ein deutscher Film wochenlang läuft, wie etwa der FilmMaskerade", so erregt das Aussehen. In Südamerika liegen die Verhältnisse für den deut­schen Film günstiger. Wenn man allerdings das

Weltgeschäft betrachtet, so macht man doch die günstige Feststellung, daß ein deutscher Film zu 60 Prozent in Deutschland, zu 40 Prozent im Ausland abgesetzt wird.

DerInternationale Filmkongreß", zu welchem Deutschland die Filmschaffenden aller Länder für die Zeit vom 25. April bis zum 1. Mai 1935 nach Berlin einlädt, dient nun auch der Klärung all der Fragen, die wir in diesen Zeilen berührt haben. Daß man sich nicht in Theorien ergeht, dafür sorgt die begrüßenswerte Betonung einer

Großer tzerr -

Herren, die viel zu tun haben, kriegen es in diesen Tagen plötzlich mit Veilchen zu tun. Sie bleiben vor den Blumenläden stehen und erwerben sich Veilchen, wobei st« immer erst fragen, ob sie auch riechen, die Veilchen. Später in der Straßen- bahn, die Aktentasche unterm Arm, halten sie ver­schämt ein kleines Seidenpapiertütchen in der Hand, darin sind die Veilchen. Ab und zu führen sie das Seidenpapiertütchen an die Nase, um fest­zustellen ob sie auch noch riechen. Die anderen Fahrgäste blicken milde drein. Wenn Herren in der Bahn sitzen, mit Aktentaschen, Sorgenfalten und mit Veilchen . . . dann muß es Frühling werden. Richtiger, ausgewachsener Frühling..

Gerade blinzelte die Sonne wieder ein bißchen durch das graue Geschiebe der Aprilwolken. Die Verkehrsampel kniff vergnügt' bald das grüne, bald das rote und zwischendurch ein gelbes Auge zu. Da kam ein baumlanger Herr mit Akten­tasche ins Cafe, steuerte auf einen freien Tisch zu. setzte sich und sagte:Fräulein, erstmal ein Glas Wasser!" Worauf er, als es gebracht war aus einem Seidenpapiertütchen ein Veilchensträußchen schält«, dies in das Glas Wasser und das Ganze

großen kinotechnischen Ausstellung, die Urauf­führung einiger großer Filme, die also sozusagen zur internationalen Diskussion gestellt werden, und die rege Arbeit, die für besondere Kom­missionen angesetzt wird: So werden sich die be­sonderen Kommissionen mit der Schaffung eines einheitlichen internationalen Filmrechts be­fassen, mit Theaterkonzessionen, mit der Be­seitigung von Sonderbesteuerung, mit der Eagen- regulierung, mit der Errichtung von Film­archiven.

Kleine Veilchen

auf den Marmortisch stellt«. 200 Augen im Eafs sahen ihm zu. Denn wozu ist man im CafS? Man ist zum Gucken im Cafe. 200 Augen lächelten voll Verständnis:Aha . . ."

Baumlanger Herr hinter kleinem Veilchen­sträußchen am Marmortisch und an einem sonnigen Lofsfenster. Also entweder erstes Stelldichein mit der schönen Unbekannten: Erkennungszeichen

Veilchen im Glase. Oder nein, der aristokratisch« große Herr sah nicht danach aus, daß er sich mit einer Unbekannten per Veilchensträußchen traf. Er erwartete sicher die geliebt Frau, die Eine, den Frühling persönlich; die Frau, für die man Veilchen kauft'und wenn man noch so viel zu tun hat. Eine ganz entzückende Frau mutzte das sein. Bestimmt.

Und dann kam die entzückende Frau: ein« alte, weißhaarige kleine Dame. Keiner sah nach ihr hin. Aber der baumlange, aristokratische Herr stand im Nu auf, eilte ihr entgegen, führte sie an sein Marmortischchen, reichte ihr die Veilchen und küßte ihr die Hand. 200 Augen blickten auf. und während es einen Augenblick ganz still war. hörte man leise das Wort, das goldenschwere Wort . . . Mutter!" n-lio.

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