Ausgabe 
(21.4.1935) Nr. 110
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zjs.-Eauverla^Weser^Ems G. m. b. H., Bremen, Am Geeren 68 / Fernsprecher: Roland 823.

M. 110 / 3 . Jahrgang

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Dem Führer wurden an seinem Geburtstag begeisterte Huldigungen zuteil.

Dr. Goebbels sprach im Rundfunk über per­sönliche Erlebnisse mit dem Führer.

Deutschland hat an die Mitglieder des Bölker- bundsrats eine scharfe Protestnote gerichtet.

Bei den Paktverhandlungen zwischen Paris und Moskau geht es um die Preisgabe von Locarno.

Die Durchführungsbestimmungen sür die am 15. Mai in Kraft tretende Marktordnung in der deutsche» Fischwirtschaft sind erschienen.

Der nun veröffentliche Plan von Bremens gewaltigem Siedlungswerk sieht den Beginn der Landarbeiten anfangs Juni vor.

Bremens Bürgervereine geben ihre Oster- wünsche bekannt.

Regierung, Partei und Reichsbnnd für Lei­besübungen entboten zum Raufest der Turner und Sportler in Bremen ihre Glückwünsche.

Der BSV. unterlag gegen Hüften 09 ehren­voll 2:3.

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Ostern (21./22. April)

Zeitung

öer Freien Hansestadt

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84,5 Prozent Äa-Slimmen

Das vorläufige Gesamtergebnis der Vertrauens­ratswahlen

Berlin, 20. April

Nunmehr liegt das vorläufige Ergebnis der Vertrauensratswahlen vor. Es stellt den Durch­schnitt der von allen Gauen und in allen Be­trieben Deutschlands abgegebenen Stimmen dar. Am 12. und 13. April hat sich das rverktägige deutsche Volk aus Fabriken und Kontoren, aus den Kutsbetrieben und Staatsbetrieben mit über­wältigender Mehrheit zur Wirtschaft-- und Sozialpolitik des Führers bekannt. 84,5 v. H. Ja-Stimmen sind das Ergebnis der Vertrauens­ratswahlen 1935.

Der i. Mai im Mittelpunkt

Der Reichspropagandaleiter der NSDAP. hat solgende Anordnung erlassen: Im Einvernehmen mit dem Stellvertreter des Führers ordne ich an: llm die Bedeutung des 1. Mai herauszustellen, dürfen mit sofortiger Wirkung bis 15. Mai keine öffentlichen Veranstaltungen und Versammlungen von der NSDAP. und ihren Nebengliederungen durchgeführt werden.

Arbeitstagungen, welche der Vorbereitung des 1. Mai dienen, werden von dieser Anordnung ausgenommen. Die Eauleitungen der NSDAP. überwachen strenge Durchführung der Anordnung, (gez.): Dr. Goebbels, Reichspropagandaleiter der NSDAP.

Protestnote an die Mitglieder des Dölkerbundrates

Deutschland duldet kein Unrecht

Genfer Diskriminierung wird fchärfstens zurückgewiesen

lind. Berlin,. April.

Die Reichsregierung hat den am Beschluß des Völkerbundsrats vorn 17. d. M. betei­ligten Regierungen heute einen Protest ge­gen diesen Beschluß notifizieren lassen. In der Protestnote wird den Regierungen er­klärt, daß sie nicht das Recht haben, sich zum Richter über Deutschland auszuwerfen, daß der Beschluß des Völkerbundsrates den Versuch einer erneuten Diskriminierung Deutschlands darstellt und daß er deshalb aus das entschiedenste zurückgewiesen wird. Gleichzeitig hat die Reichsregierung den fremden Regierungen mitgeteilt, daß sie sich vorbehält, ihre Stellungnahme zu den in dem Ratsbefchlutz berührten Einzelsragen demnächst bekanntzugeben.

Das Deutschland von heute ist nicht mehr das Deutschland von gestern. Das weiß wohl jedermann, nicht nur in Europa, sondern in der ganzen Welt. Auch die an dem Deutsch­land diskriminierenden Beschlusse von Gens schuldigen Mächte konnten es wissen und haben es gewußt. Aber, indem sie vor der einfach nicht zu übersehenden Tatsache, daß Deutschland seit zwei Jahren wieder eine Nation von Ehre und Würde ist, den Kopf in den Sand steckten und teils aus Angst, teils aus Liebedienerei dem Antrag Lavals zustimmten, hofften sie wohl, daß Deutsch­land sich schließlich damit begnügen werde, die Mitteilung von dem Beschluß stillschwei­gend zu den Akten zu legen. Deutschland tat das aber nicht.

Das Deutschland von heute steckt keine ungerechten Beschuldigungen ein, und der Protest, den Staatssekretär von Bülow be­reits am Mittwoch dem Berliner britischen

Botschafter Sir Eric Phipps überbrachte, ist nun auch bei allen anderen an Gens be­teiligten Mächten notifiziert worden. Die Welt weiß nun, woran sie mit Deutschland ist. Sie weiß, Deutschland ist nicht gewillt, die Mächte des Völkerbundsrats über sich als ungerechte Richter zu dulden, und sie weih ferner, daß Deutschland sich zu den Entstellungen, Verleumdungen und Unwahr­heiten des Genfer Beschlusses im einzelnen noch weitere Stellungnahme vorbehält.

Die Mächte des Völkerbundsrates im Schlepptau Frankreichs aber mögen sich sagen, daß die Zeit vorbei ist, wo Deutsch­land die linke Wange hinhält, wenn man es auf die rechte schlug. Und sie mögen sich ferner sagen, daß es heute immerhin ein Risiko ist, Deutschland herauszufordern. Die solches Risiko eingingen, haben es nun zu tragen. Sie haben den Streit vom Zaune gebrochen, an ihnen ist es, jetzt auch einzu­lenken. ci.

IluggeschwaderHorst Wessel"

Das Geburtstagsgeschenk der SA sür den Führer

Schritt der Memelftgnatarmächte

Paris, 20. April.

Die Memelfignatarmächte haben durch ihren diplomatischen Bertreter dem litauischen Außen­minister eine Note überreicht, in der die litauische Regierung aufgefordert wird, das Memelstatut genau innezuhalten.

Berlin, 20. April

Zum 48. Geburtstage des Führers hatte die SA. eine besondere Gabe für den Führer vorbe­reitet: Ein Geschwader von Kampfmaschinen, das in mehreren Staffeln auf dem Flugplatz in Stanken aufgestellt war und hier dem Führer feierlichst übergeben wurde.

Bevor der Führer auf das Flugfeld kam, hatten sich die Gruppenführer der SA. bereits eingefunden, denen von Generalleutnant Staats­sekretär Milch die Maschinen gezeigt wurden. Eine Ehrenkompagnie der Reichsluftwaffe stand angetreten und dahinter in Reih und Glied die Maschinen des neuen Geschwaders, ihnen gegen­über die Führer der 21 SA.-Eruppen und die Amtschefs der obersten SA.-FLHrung, ein herr­liches Bild der Gemeinschaft des deutschen Volkes im soldatischen Geist. Mit dem Führer kam der Stabschef Lutze. 2hm folgte Ministerpräsident General Göring und der Stab des Führers. Der Führer begrüßte jeden einzelnen Gruppen­führer und drückte ihm die Hand. In seinen Zügen und in seinen Augen leuchtete die Freude über diese unerwartete Ueberraschung, die bis zum letzten Augenblick geheim gehalten werden konnte.

Dann begrüßte der Führer die Offiziere der Luftwaffe und schritt die Front der Ehrenkom­pagnie ab. Staawsekretär Generalleutnant Milch führte den Führer vor die Maschinen und erläu­terte Einzelheiten. Jede Maschine wird auf der

Außenseite, auf der linken und rechten, als äuße­res Zeichen das SA. -Abzeichen tragen. Be­sondere Freude zeigte der Führer, als ihm berich­tet wurde, daß das ganze Geschwader aus Spenden und Opfern aus den Reihender SA., SA.-R. und SA.-L. (Kyffhäuser) zustandegekommen sei.

In tiefer Ergriffenheit bestimmte der Führer aus Borschlag des Generals Eöring, daß dieses

Geschwader als Symbol den Namen unseres un- Perblichen SA.-Sturmfsihrers Horst Wessel, und außerdem jede Maschine den Namen eines für die Freiheit unseres Volkes gefallenen SA.-Kämpfers tragen soll. In diesen Namen werde dem Opfer­geist, der die SA. seit ihrem Bestehen beseelte, ein ewiges Denkmal gesetzt.

GeLvbms der Wehrmacht

Berlin, 20. April.

Roichswehrminister Generaloberst von B Iam­be rg veröffentlicht zum Geburtstag des Führers und Reichskanzlers folgendes Gelöbnis:

Mit dem persönlichen Eid, den der deutsche Sol­dat als Waffenträger der Nation beim Heimgänge des Reichspräsidenten Generalfeldmarschall von Hindenbnrg leistete, band er sich und das von ihm durch die Jahr« des Niederganges gerettete Werk unlösbar an den Führer. Mit der allgemeinen Wehrpflicht, die Deutschland seine Wehrhoheit wie­dergab, legte Adolf Hitler die Erziehung der ge­samten waffenfähigen Mannschaft vertrauensvoll in di« Hände der Wehrmacht und machte damit den Soldatendienst wieder wahrhaft zum Ehren­dienst des ganzen deutschen Volkes. Dank stattet man nicht mit Worten oder Wünschen ab, sondern durch Taten und Leistung.

Der Führer in München

München, 20. April

Im Flugzeug von Berlin kommend, ist der Führer auf dem Flugplatz Oberwiesenfeld bei München glatt gelandet, wo er von einer begei­sterten Menschenmenge empfangen wurde.

Feier der Michömarine

Wilhelmshaven. 20. April.

Die Reichsmarine der Nordseestation in Wil­helmshaven gedachte des Geburtstages des Füh­rers durch einen großen Standortappell auf dem Kasernenhof der Schifssstammdivision, an dem auch die Formationen sämtlicher national­sozialistischer Gliederungen teilnahmen und dem die Bevölkerung der Jadestädte zu Tausenden bei­wohnte. Der Stationschef, Vizeadmiral Schultze, würdigte in einer Ansprache die Bedeutung des Tages.

Oslergebanken

Auferstehung einer Nation

Unser deutsches Lebensgefühl sträubt sich gegen eine nur betrachtende Haltung. Wir sind Tätige, wenn wir auch nicht alle Täter" sein können. Wir stehen mitten in einem Tatleben, und alles in uns drängt nach Schaffen. Wir wollen im gegenwärtigen Zeitpunkt nichtNach-denken". wir haben nicht die Muße, einem betrachtenden Ge­dankennach" zu hängen . . . Das ist unser sinnfälligstes Merkmal vor aller Welt. Um so mehr denkt die Welt über uns nach . . .

Dennoch gibt es Haltepunkte und Feste, die uns veranlassen, einmal innezuhalten und uns zu sammeln. Und das Osterfest ist seinem ganzen Wesen und seiner Jahreszeit nach nicht nur dazu angetan, uns besinnlich zu sammeln es ist auch ein Anlaß, den allgemeinen Aufschwung und Anbruch fest­lich zu beschwingen, ihm eine Weihe aus kultisch-naturverbundenen Kraftquellen zu geben. Ostern das ist ja im deutschen Ge­fühlsleben ein Sinnbild des Aufbruchs, der Auferstehung des Heils.

Als das deutsche Volk im Jahre 1933 die Vielheit seiner Parteibekenntnisse in über­raschender Weise wegwarf, um sich einer Führung der Tat freiwillig zu unterwerfen, da vollzog sich etwas, das nur aus dem Vor­hergehen eines unvergleichbaren Zusammen- bruchs einer Lebensordnung zu verstehen ist. Eine Generation, die sich des Versagens ihrer bisherigen, damaligen Führer voll­kommen bewußt war, vollzog sinnbildlich und tathaft zugleich die Wandlung, auf die das ganze Volk innerlich vorbereitet war. Langsam war das alles herangereift. Aber mit unerbittlicher Sicherheit kam es zum Siege.

Und nun vollzieht sich eine organische Auferstehung der Nation, unabhängig von nur-zeitlichen Bedingungen. Der Sieg des Nationalsozialismus hatte eine innere Wandlungsbereitschast zur Voraussetzung, man kann auch sagen: ein Versagen aller anderen politischen Methoden und Parolen. Jetzt erweist sich, daß die Wandlungsbereit- schaft da war: denn jetzt folgt das deutsche Volk einem Führerwillen, der es umgestal­tend bewegt. Alle Reibungen und alle Schwierigkeiten, alle Mißverständnisse und alle Spannungen gehen auf in einem objek­tivenNeu-werden", vor dem es kein Ent­rinnen mehr gibt. Jetzt geschieht es einem manchmal beim Blättern in alten Papieren, Zeitungen, Zeitschriften, Theaterzetteln ista., daß man verwundert den Kopf schüttelt und sich fragt: Liegt denn dieses und jenes erst ein paar Jahre zurück? Die Wandlung ist ungeheuer! Aus dem chaotischen Zustande derRelativität" aller Werte ist die Aner­kennung und Unterwerfung unter einen Wert geworden, der sich noch nicht streng normieren läßt, der aber das spüren wir das ganze Volk bestimmend durch­drängt. Das Entscheidende: wir wollen gewisse weiche, genüßliche, bequeme und wählerische Zustände nicht mehr . . . Ja, wir empfinden einen Ekel vor ihnen . . .

Wir fühlen: das alles kommt nie wieder, was da hinter uns liegt.

Es ist gar nicht zu verkennen, daß ein

Lrkdrtch Schnack

Die Auferstehung der Schmetterlinge

Dem EisengraL des Winters entringt sich die lebendige Seele. Das Gras steht auf, und die Blätter entrollen ihre grünen Osterfahnen. In den Bäumen stürmen die Säfte wie in den Fässern des Herbstes der neue Wein. Die Erde jingt im Klang der Böge! und im Orgelton der befreiten Wasser die große Saga ihrer Leiden­schaft, der Zeugungsstunden und Geburten. Das bunte Falterjahr, zugleich das Jahr der Blüte, hat begonnen. Gepriesen sei das Licht, das uns vom Reich des Todes scheidet!

Bereits an frühesten warmen Tagen des März gaukelten erste vorwitzige Schmetterlinge, hoch­gelbe Zitronenfalter, durch ihre Ueberwin- terungswälder und an sonnenbeschienenen Wald­wegen, auf der Liebesfahrt nach dem Zitronen- salterweibchen. Flink durch die Gärten huschten andere Vorboten des nahenden Frühlings, die braunroten kleinen Füchse oder andere Licht­traumwandler, die pfauenaugengeschmückten samt- braunen Tagpfauenaugen. Diese verfrühten, sehr zeitigen Gäste find keine Neulinge. Sie find Überlebende aus dem alten,Jahr, Kinder von gestern. An ihren Lieblingsorten haben sie den Winter verbracht; die Zitronenfalter in gewissen Kiefernwäldern, die Tagpfauenaugen und der Kleine Fuchs unter Dächern, in Kirchen, der ihnen nah verwandte, vorsichtigere, daher meist später aufflatternde Trauermantel im Laubwald. 2n den Eisgrotten und Kristallburgen des Win­ters und in kalten Obdächern schliefen sie froster- starrt, wintergelähmt mit zusammengeklappten Flügeln, auf denen sie den Farbenglanz der ver­gangenen Sommerwelt aufbewahrten und oer- schlosfen, Erinnerungsbilder aus glücklicher Zec. lbrst die neu«, von der langen Weltraumreise zu­

rückkehrende Sonne (um eine alte Vorstellung zu erwecken, die so hübsch ist), erst das leuchtend einströmende Frühlingslicht, belebte die Schlaf- gebannten, das vereiste Falterblut. Nun sind sie da, und sie bleiben, wenn sie nicht neuer Frost tötet.

Als der hochgelbe Zitronenfalter seinen Wald verlassen hatte und durch die Dorfstratzen und Bauerngärten hintaumelte, einem' gelben, vom Wind getragenen Vlütenblatt gleich der Volksmund nennt ihn, da er fruchtgelb und fein wie ein Blatt geschnitten ist, Zitronenblatt, als er, fliegende Farbe des Lenzes, seine ersten größeren Ausflüge unternahm, blühten gerade in den Gärten, wie zu seiner Feier, die gelben Ear- tenzeichen (und auch die blauen): die goldgelben Goldruten, der gelbe Krokus, die gelben Trom- petennarzissen, der gelbe Märzenbecher und die gelben Primeln. Strahlendes Gelb ist an den Beginn der beiden Lebensläufe gesetzt: den der Schmetterlinge und den der Blumen. Man darf sich vorstellen, allerdings nicht im wissenschaftlich genauen Sinn, daß mit Gelb Falterjahr und Eartenjahr anfangen.

Wer kennt die Blumen und wer die Schmetter­linge? Vielleicht sind die Falter, fliegende Blü­ten, die gestaltgewordenen ruhelosen Sehnsüchte der' an den Boden gehefteten und nur im Luft­zug flatternden Blütenpflanzen. Innig sind sie mit den Blumen vertraut und befreundet: nar- zissisch blicken beide einander an. Und wie die Fülle der Blumen im wachsenden Jahr zunimmst so mehrt sich auch, Monat um Monat, der Reich­tum des Falterheeres, das im Juni, Juli und August seine größte Pracht entfaltet. Sein Leucht-

schweif spielt durch di« Lüfte über die Blumen hin.

Zur gelben Farbe fügt sich Rotgelb, Ocker, Rotbraun, Braun, Erdfarbe. Heftiger zittern die Schwingungen des Lichtes, die Tönungen gewin­nen an Tiefe. Gleichzeitig mit dem Zitronenvogel zecht der Kleine Fuchs Nektar im Wirtshaus zur köstlichen Weidenblüte. Der lustige Streuner ist weit verbreitet, jedes Kind, das die Augen in der Natur auftut, kennt ihn. Mag ihn auch seine Vielzahl entwerten, er ist ein feiner Tagsschmet­terling: das fuchsige Rot seines Flügelstoffs schimmert; kräftige schwarze Lackflecken schweben am Flügelvorderrand über brennendem Ocker­grund auf einer zimtgelben Spange. Eine Borte saphirblauer Mondsplitterchen säumt die Autzen- ränder der gezackten Schwingen. Ein leiden­schaftlicher Blumenfreund ist er, ein Kenner der Säfte und Obstmöste. Zu diesem indianerroten Gaukler gesellt sich das Tagpfauenauge mit sei­nen aufblinkenden, traumhaften Augenspiegeln, und Mitte Mai etwa erscheint der Trauermantel, der dunkelsamtene, gelbbesäumte Geist, der schwermutleisen Flugs über die Wiesen streicht und sich gern auf den Boden niederläßt, um ein Sonnenbad zu nehmen.

Safran und Ocker mischen sich im Schuppen­schmelz der Perlmutterfalter. Sie sind frisch, pa- radiesesneu, unberührt sie stammen aus dem neuen Jahr, aus der Puppe, ihrer Eeburtswiege, darin sie den kalten Winter geborgen und unreif Verlagen, bis der Strahlenstoß des Lichts ihre Entwicklung beschleunigte und sie, die schlüpfen­den Falter, überzogen mit dem Gelb der Pollen und dem Eelbrot der Erdfarbe, prächtig geziert ins Dasein sandte. Schattenlinien überzittern den Flügelschliff, wie sie der erstarkte Sonnenschein durch das Netz der Zweige wirft. Auf ihren Unterflügeln aber erglänzt Perlmutter, wie Feuer im Kristall des Tautropfens. Und wo Perlmutter «blinkt, schimmern auch Amethyste

und Saphire: das sind die Bläulinge, die blüten- blattkleinen Elfen der Fluren und Auen, wo die Bäche gleich flammendem Metall blitzen. Im auf­prallenden Licht funkeln die Flügel dieser Neu­geborenen blau, lila, juwelenhaft. Kleine Edel­steinfalter, schickte sie der Farbengott in die Wiesen und Gärten. Wie zierlich ist ihre Gestalt,

Osterlied

La, nun dürfen wir genesen, werden stark wie Baum und Stein.

Die noch gestern trüb gewesen, heute werden Blumen lesen, morgen glücklich sein.

Nun wir wehn in allen Winden, wiegen uns in jedem Klang.

Und wir streichet» Gras und Rinde». Vieles will sich zu uns finden

Wir entbehrten's lang!

Köstlich sind uns alle Dinge;

Acker, Wolke, Vogelruf, aus dem Tisch die Sonnenringe, ersten Falters goldne Schwinge jedes, was Gott schuf.

Und wir sind wie neu gegründet, atmen, lächeln wie besreit.

Ein Gefühl, in uns entzündet, jubelt selig, weiß verbündet sich dem Himmel. Osterzeit!

Biarl Lnrksyt.

wie leuchtkräftig ihre Tracht! Me wenn sie, aus Azur und Seide gesponnen und geschnitten wären, so schimmern ihre Membranen in allen Ab­stufungen von Himmelsbläue und Regenbogen- violett. Selig durchsprühen sie die Tage des Frühlings und des Sommers.

Neue Flügler erstehen. Die Schöpfung schwelgt in Farben und Formen. Bald reihen sich den Gelben, Braunen, Braunroten, Blauen, Feuer- goldenen die Weißen an, die leuchtenden Flug- staffeln der Weißlinge. Die meisten sind billige Schmetterlinge, schlicht, bäuerisch und mißachtet weil die Raupen des Kohlweißlings den Kohl­köpfen, dem Wirsing, dem Blaukraut schädlich sind. Sie wollen Leben. Aber der Kohlweißling ahnt nicht die Menschen- und Gärtnerwelt. Die Natur hat ihn erschaffen. Sein Gestöber Lber- flockt und überschneit die Felder und Raine, wo die stacheligen Ackerdisteln ihn mit Vlütenherzen voller Füße und Duft erwarten.

Alle Schmetterlinge eilen heran, die Wiesen-, Wald-, Berg- und Moorfalter. Der rasche Segel­falter reist zu uns, der entzückende Schwalben­schwanz, der fremdländische Admiral, den die breite Notbinde auszeichnet. Die Eisvogel und Schillerfalter fehlen nicht. Sie und andere noch wechseln mit den Monaten, mit den Jahreszeiten. Und unermüdlich schenken die Blüten ihre Ge­tränke aus_

Noch ist es Frühling. Düfte, Harzgerüche, Honigatem und Glashauch, gebraut in den wohl­riechenden Sonnenküchen des Landes, wölken empor, wie wenn heimliche Weihrauchfässer ge­schwungen würden. Die himmlischen Chöre der Böge! machen Musik, lleberwunden sind Schlaf und Schwäche. Die Schmetterlinge sind ihren Ge­fängnissen und Vorzeit-Panzern, den Puppen- pergamenten, entschlüpft. Der Geist des Lebens hat sie zu Tanz und Liebe in seinen Blumen« angÄ gelockt.

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