Ausgabe 
(18.4.1935) Nr. 108
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Üas amtliche Organ -es Semls

-er Freien LanfestM vremen

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Nr. 108 / 3. Jahrgang

Donnerstag, 18. April

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Unerhörte Diffamiemng DeuWlanöS

Genf stellt sich an den Vranger: Annahme der sranzösisch-enMch-ttalienischen Entschließung

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Der Völkerbundsrat hat die diffamierende Drei-Mächte-Entschliegung gegen Deutschland angenommen.

Bei den Provinzialwahlen in Holland erhielt die nationalsozialistische Liste einen erheb­lichen Zuwachs.

Die deutsch-ungarischen Wirtschaftsverhand­lungen haben ein günstiges Ergebnis gezeitigt. Im Memelländer Prozeß wurde Kassations­klage gegen das Kownoer Bluturteil erhoben. Die Vertrauensratswahlen im Reich haben nach den jetzt ziemlich vollständig vorliegen­den Ergebnissen 92,8 Prozent Ja-Stimmen ergeben. '

Zur Förderung der Landeskultur stellt die Deutsche Rentenbank-Kreditanstalt umfang­reiche Mittel zur Verfügung.

Gestern wurde die neue Bremer Jugend­herberge in der Soltauer Straße eingeweiht. Für die Osterseiertage sind namhafte Fuß­ballvereine aus dem Reich nach Vremen ver­pflichtet.

Am Karfreitag beginnt in Oldenburg der Schachkongreß Weser-Ems.

Französisch-russisches Abkommen

Genf, 17. April.

Mittwoch abend hatten Außenminister Lava! und der sowjetrussische Außenkommissar Litwi- now eine längere Unterredung. Am Ende der .Besprechungen wurde folgende Erklärung aus­gegeben: Wir haben die großen Linien unseres Abkommens festgelegt. Wir werden darüber un­seren Regierungen berichten und dann den end­gültigen Text fertigstellen.

Lieber alle deutschen Sender

Dr. Goebbels spricht zum Geburtstag des Führers

Berlin, 17. April.

Reichsminister Dr. Goebbels wird am kom­menden Sonnabend, mittags von 12.99 bis 12.19 Uhr über alle deutschen Sender zum Geburtstag des Führers sprechen. Die Rede wird abends von 29.99 bis 29.19 Uhr wiederholt.

92,2 ProzentZa"

Oldenburg, 17. April

Das Ergebnis der Vertraueusratswahlen im Tau Weser-Ems bis auf den Kreis Bremen liegt nunmehr vor. In insgesamt 718 Betrieben wur­den von 68199 Wahlberechtigten 59 363 Stimmen abgegeben. Von den abgegebenen gültigen Stimme» waren 51652 oder 92,5 Prozent v. H. Ja-Stimme» und 1211 oder 7,5 v. H. Nein- Stimmen.

Völkerbundsrat im Schlepptau Frankreichs

Gens, 17. April.

Der Völkerbundsrat beschäftigte sich am Mittwoch mit der französisch-englisch-italieni­schen Entschließung zum deutschen Wehrgesetz vom 18. März. Nach längerer Aussprache wurde die Entschließung bei Stimmenthal­tung Dänemarks angenommen.

Im Rahmen der vorangegangenen Debatte führte der sowjetrussische Außenkommissar Litwi- now u. a. aus: Wenn ein Staat, der durch ein Staatsoberhaupt regiert werde, das unbegrenzte Eroberungszie! als sein Programm bezeichnet habe und das >r"ter von dieser Politik nicht ab­gerückt sei, dann >ei eine besondere Lage geschaffen. Deutschland habe keinerlei Garantien dafür gege­ben, daß es an diesen Zielen nicht mehr fest­halte. Litwinow warf die Frage auf, ob man vor derartigen Tatsachen die Augen schließen könne. Er, der Außenkommissar, wäre froh, wenn Deutschland hier anwesend wäre und die Ge­legenheit ergreifen müßte, von seinemProgramm der Revanche und der Eroberungsgelüste"" abzu­rücken.

Nach Litwinow sprachen nacheinander die Vertreter Portugals, Australiens und Spaniens. Alle drei werden der Ent­schließung zustimmen. Der portugiesische Vertre­ter erklärte, daß er dem Beschluß von Sank­tionen sehr skeptisch gegenüberstehe. Besondere Maßnahmen wirtschaftlicher Art träfen oft beide Teile und verlören daher den Charakter einer Strafe.

Der spanische Vertreter Madariaga wies daraus hin, daß der Völkerbundsrat viel mehr eine politische Instanz als ein Gerichtshof sei und daß daher nicht lediglich nach dem Buch­staben vorgegangen werden könne, ohne den poli­tischen Notwendigkeiten Rechnung zu tragen. Aus diesem Grunde habe er der unterbreiteten Ent­schließung vorzuwerfen, daß sie nicht der geschicht­lichen Entwicklung Rechnung trage, die das Vor­gehen der deutschen Regierung zur Folge hatte. Wäre eine Abrüstungskonvention zustandegekom- men, so würde man sich heute in einer wesentlich anderen Lage befinden.

Der spanische Vertreter kam dann auf die Wirk­samkeit des Völkerbundspaktes zu sprechen. Er sprach die Auffassung aus, daß, wenn gewisse Paktartikel nicht mit der nötigen Ehrlichkeit an­gewendet würden, man sich auch nicht wundern müsse, daß auch andere Verpflichtungen nicht ein­gehalten werden.

Die Vertreter Mexikos, Argen­tiniens und Chiles brachten überein­stimmend ihre Loyalität gegenüber dem Völker­bund zum Ausdruck. Von allen drei Staaten werde der Entschließung zugestimmt werden.

Der dänische Außenminister Munch äußerte sich über die Einleitung der Entschließung, die auf die historische Entwicklung Bezug nehme und über das deutsche Vorgehen vom 16. März ein Urteil fälle. Ueber die Zweckmäßigkeit dieses Teiles habe er starke Zweifel.

Er befürchte, daß sein Inhalt aus die in Gang befindlichen internationalen Verhandlungen eine schlechte Einwirkung haben werde und daß die Schwierigkeiten, aus dem Engpaß herauszukom­men, in dem sich die internationale Politik augen­blicklich befinde, dadurch noch erhöht werden. Er bedaure sehr, daß die Entschließung diesen Teil enthalte, da man dadurch ans dem allgemeinen Rahmen herausgetreten sei, Deutschland nament­lich genannt und dem Rat somit die Rolle eines Gerichtshofes zuerteilt habe. Die Annahme die­ses Teiles würde die Versöhnungsaufgabe des Völkerbundsrates beeinträchtigen. Er könne daher seine Zustimmung zu der Entschließung nur dann geben, wenn dieser Teil eine entsprechende Aende­rung erfahre.

Der türkische Außenminister erklärte, daß internationale Verpflichtungen eingehalten werden müßten und daß er der Ratsentschließung zustimmen werde. Anspielungen des türkischen Außenministers aus militärische Wünsche der Tür­kei wurden jedoch sofort von den Vertretern der drei Großmächte Italien, England und Frankreich in aller Form zurückgewiesen, da sie mit dem ge­genwärtigen Verhandlungsthema der Ratssitzung nichts zu tun hätten.

Nach diesem Zwischenspiel stellte dann der tür­kische Außenminister als Ratspräsident den franzö­sisch-englisch-italienischen Entschließungsentwurf

zur Abstimmung. Hierbei meldete sich der dänische Außenminister Munch erneut zum Wort und brachte zum Ausdruck, daß ihn die Ablehnung der drei Großmächte, die von ihm vorgeschlagenen Aen­derungen an der Entschließung vorzunehmen, dazu bestimmen müßten, sich bei der Abstimmung seiner Stimme zu enthalten.

Vor der Abstimmung über den Entschließungs­entwurf ergriff Litwinow nochmals das Wort und erklärte, daß er der Beschränkung der Bestim­mung gegen Vertragsbruch auf Europa nicht zu­stimmen könne. Der englische Außenminister Sir JohnSimon erklärte dazu in ziemlich scharfem Ton, daß es nicht Sache der Ratsentschließung sei, die Aufgaben des einzusetzenden Ausschusses zu be­schränken. Es folgte dann die Abstimmung, die das oben mitgeteilte Ergebnis hatte.

Ganktionöausschuß ernannt

Genf, 17. April

Der Völkerbundsrat hat in geheimer Sitzung den Ausschuß ernannt, der sich mit der Prüfung der Frage der Sanktionen gegen zukünftige Ver­tragsbrüche befassen soll. Der Ausschuß wird aus Vertretern folgender 13 Staaten bestehen: Eng­land, Kanada, Chile, Spanien, Frankreich, !ln " gärn, Italien, Holland, Polen, Portugal, Türkei, Sowjetrußland und Slldslawien.

Der Ausschutz wird baldmöglichst seine Arbeiten aufnehmen und soll dem in Mai zu einer ordent­lichen Tagung zusammentretenden Völkerbunds­rat Bericht erstatten. 2m übrigen hat der Rat den Beginn der Tagung vom 13. Mai auf den 29. Mai verschoben.

Liiwinows Ltnverschämtheiten

Berlin, 17. April.

Zu der Rede, die der sowjetrussische Volkskom­missar des Aeutzeren, Litwinow, am Mittwoch vor dem Völkerbundsrat hielt, schreibt die Deutsche diplomatisch-politische Korrespondenz":

Die Aufdringlichkeit des sowjetrussischen Auf­tretens in Genf hat mit der heutigen Erklärung Litwinows den Gipfel erreicht. Man hat fast den Eindruck, daß der Sowjetkommissar sein Publikum verwechselt und in Genf eine Rede ge­halten hat, die er für den kürzlich veranstalteten Sowjetkongreß wahrscheinlich vorbereitet hatte. Was allenfalls für die in der Sowjetunion ver­einigten Völkerschaften geeignet gewesen wäre, wurde von ihm einem Gremium von Nationen vorgesetzt, das sich gern als die oberste Instanz der zivilisierten Welt betrachtet.

Litwinows kommunistische Agitationsrode gegen

das nationalsozialistische Deutschland steht in einer Reihe mit den sonstigen von Moskau aus geförder­ten Umtrieben in der Welt, die eine systema­tische Bedrohung der anderen Staaten dar­stellen. In Spanien, Südamerika, Indien, China, Japan und vielen anderen Ländern verrichten die Emissäre desjenigen Systems ihre unterirdische Ar­beit, das sich neuerdings in der Rolle eines Frie­densgaranten gefällt. In der ganzen Welt muß ein Heer von Geheimpolizisten unterhalten werden, um die Moskauer Friedensstörer zu bekämpfen;

Litwinow ironisiert ungewollt sich und seine Gesinnungsgenossen, wenn er den Vergleich ge­braucht, daß ein Individuum, das in einer Stadt die Absicht kund getan habe, die Häuser der Bür­ger zu zerstören, illegal- Waffen besorgt habe und dann beruhigende Zusicherungen gebe, zweifellos damit keinen Eindruck machen würde.

Blind wie Södur

Frankreichs Torpedo und die Mächte

* Bremen, 18. April.

Die Annahme des von dem französischen Außenminister Laval im Namen der Delega­tionen Frankreichs, Englands und Italiens dem Völkerbundsrat unterbreiteten Ent- fchlietzungsentwurss durch den Bölkerbunds- rat ist keinesfalls geeignet, dem ohnehin schon auf das Mindestmaß alles Denkbaren gesunkenen Ansehen der Völkerbundsinstitu­tion von Genf neuen Glanz zu verleihen. Da sich tatsächlich sämtliche Mitglieder des Völkerbundsrats mit Ausnahme Däne­marks, das sich aus besonderen Erwägungen der Abstimmung fernhielt dem Lavalfchen Entwurf anschlössen, ist nun wiederum der Welt und vor allem Deutschland klar ge­worden, wie sehr der Völkerbund immer noch unter dem alles beherrschenden Einfluß Frankreichs steht, und wie wenig gerade darum Deutschland Anlaß hat, zu den Din­gen in Genf Vertrauen zu fassen.

Erst vor wenigen Tagen, anläßlich des Ab­schlusses der Konferenz von Stresa, haben wir die Frage gestellt, ob aus den Ergeb­nissen dieser Konferenz nachdem Deutsch­land durch sein selbstloses, dem europäischen Frieden hundertprozenng zugetanes Verhal­ten in der Frage eines Paktes für den Osten, den europäischen Mächten geradezu beispiel­gebend vorangegangen war sich eine glück­liche Wende für Europa erhoffen lasse. Wir stellten diese Frage in der Erwägung, daß wohl Deutschlands guter Wille des guten Willens der anderen Mächte wert erscheinen müsse, und wenn man auch noch nicht daran denken durfte, daß sich gleich in Genf schon eine Wende für Europa durch eine klare Um­stellung und Einstellung der Mächte auf Recht und unbedingte Gerechtigkeit nun auch in allen Fragen, die Deutschland be­trafen, in hellstem Lichte zeigen würde, so konnte man auch nicht geradezu glauben, daß dort die Annahme eines Antrages voll solch brutaler und willkürlicher Behauptun­gen, wie sie der Antrag Laval enthält, ein Antrag voll von widerlichsten Komödianten­kniffen, ein Antrag voll von Scheinheilig­keit und Heuchelei, ein Antrag, der die Er­innerung an das Schand- und Schmachdoku­ment von Versailles für Deutschland neuer­dings in bitterste Erinnerung bringt, daß ein solcher Antrag überhaupt noch Aussicht auf Zustimmung der Mächte in Genf haben könnte.

Das Unerwartete ist geschehen, und Un­erhörtes ist Tatsache geworden. Das konnte nur geschehen, weil eine große Anzahl von Staaten im Völkerbund Frankreich völlig hörig sind. Viele von ihnen haben aus Angst

Hwei deutsche Feldherrenpsare

Glne geschichtliche Pararelle:Vlncher/Gneisenau - Hindenburg/Ludenüorff'

Maria Gleit

Dss Nebelhorn tönt

Reinhold Zickel von Jan, der Verfasser des SchauspielsEuropa brennt", das auf der vom K. bis 12. Juni in Düsseldorf stattfindenden diesjährigen Reichstagung der National-Sozialisti­schen Kulturgemeinde uraufgeführt wird, schreibt über die geschichtliche Grundlage seines Stückes.

Man hat das Verhältnis der großen Führer der Befreiungskriege, Blücher und Eneisenau, oft mit Hindenburg und Ludendorff verglichen. Mit Recht: denn der Volksheld und der geniale Stra­tege haben in einem persönlich und sachlich gleich fruchtbaren Bunde dort die Befreiung Deutsch­lands vom Joche Napoleons, hier die Großtaten des Weltkrieges vollbracht. In diesem Doppel­paar verkörpert sich zugleich Anfang und Ende einer der größten Epochen der Kriegsgeschichte. Was die Strategen Gneisenau und Ludendorff planten, befahlen und verantworteten die Führer Blücher und Hindenburg, beide in der einfachen Eröße ihres Charakters jedem Deutschen unmittel­bar begreiflich, beide nicht möglich ohne die strate­gischen Berater, die ihren Taten die Ziele wiesen.

2n der Gestalt Gneisenaus erhebt sich zum ersten Mal die Funktion des Generalquartiermeisters der Armee zur Schlüsselstellung der Strategie. Er war es, der die entscheidenden Schachzüge von 1813 bis 1815 im Kampfe mit Napoleon ersann: die Rllckzugsstrategie bis zum Sieg an der Katzbach, den berühmten Rechtsabmarsch über die Elbe, der Napoleon in den Kessel von Leipzig trieb und zu­letzt den genialen Rückzug auf Wavre, der zwei ^age nach der Niederlage von Ligny den Sieg von Waterloo erstritt. Von ihm rührt ein gerader Weg über die geistige Grundlage der modernen Strategie in Clausewitz' WerkVom Krieg , über Moltkes hohe strategische Rechenkunst und

Schliessens kühne Aufmarschpläne zu den groß­artigen Führertaten Ludendorffs, die in der Ver­nichtung des russischen Giganten gipfelten. Daß ihm das Gleiche nicht im Westen gelang, war nicht seine Schuld. Die Marne-Schlacht wurde zum Grab des deutschen Sieges, wie der Strategie, die in Eneisenau ihren Ahnen, in Ludendorff ihren letzten Vertreter sah. Wo Blücher und Gneisenau im Glanz des vollen Sieges von der kriegerischen Bühne abtreten durften, da standen Hindenburg und Ludendorff als die letzten Erben, verraten von einer ohnmächtigen Staatsführung, nach hun­dert siegreich durchfochtenen Kämpfen, vor den Trümmern des Reiches. Ihr Ruhm gleicht dem der Tragödienhelden, die durch die Katastrophe hindurch in die Unsterblichkeit eingehen; daß sie beide das Dritte Reich noch sahen, bedeutet ihre Rechtfertigung vor der Geschichte.

Allein Sieg und Niederlage, Anfang und Ende prägen bei aller Verwandschaft doch auch die Un­terschiede im Wesen der Epochen und Charaktere: In der Art Hindenburgs wie Ludendorffs tritt ein Zug strenger Sachlichkeit, fast Nüchternheit be­deutsam hervor. Die Strategie ist zum rechneri­schen Kalkül geworden, in dem die Elemente der Technik ihr Uebergewicht anmelden. Die geniale strategische Intuition geht unter im seelenlos ge­wordenen Apparat, im Trommelfeuer der Ma­terialschlacht. Der Feldherr räumt der Maschine das Feld, und ein sinnloser Friede zieht die trost­lose Blianz. Ludendorff hat dies Schicksal nicht zu wenden vermocht.

Eneisenau, der Feuerkops, der die schöne Mitte hält zwischen Besonnenheit und Wagemut, spricht das herrliche Wort von der Poesie, auf der die Throne wie jeder Sinn der Welt gegründet seien,

und erweist sich so als der echtbürtige Genosse der Grotzzeit unserer Dichtung. Die volkstüm­liche Rednergabe der elementar-dämonischen Tat­seele Blüchers verkörpert den Schwung der Be­freiungskriege; sein Vorwärts lieh dem Kriegs­gott die Flügel. Hindenburgs Größe scheint uns mehr in der Festigkeit und Lauterkeit seines im klaren Aufbau ganz einfachen heroischen Charak­ters zu liegen: dieser Mann war nicht umzu­werfen. Blücher ist lodernde Flamme, von einer Dämonie, die ihn bis an die Grenze des Wahn­sinns treiben konnte; er wußte nichts von Men­schenehrfurcht. Von einer schlechten patriotischen Legende oft zum Hurrah-Helden verflacht, von literatenhaftem Hochmut zum gehobenen Feld­webel degradiert, steht er heute vor uns als der echte Volksführer, gleich hinreißend im wilden Aufbruch seines Vorwärts, wie in der bildhaften Schlagkraft seiner Rede. Er ruhte nicht, bis er den Sieg in den Händen und den Korsen am Boden hatte. Er küßte im Scherzrätsel seinen eigenen Kopf, den Kopf Gneisenaus, er wußte, was er dem großen Strategen verdankte. Hindenburg hat dem deutschen Volke durch die Katastrophe hindurch den Glauben an seine unbesiegbare Naturkraft erhalten.

Blücher und Hindenburg, Eneisenau und Lu­dendorff reichen einander über ein Jahrhundert hin die Hände: der Glaube Deutschlands an seine Größe in Sieg wie Niederlage verkörpert sich für uns in diesen Namen.

Furtivängler dirigiert wieder

Staatsrat Wilhelm Furtwängler dirigiert am 25. April in Berlin das Konzert des Berliner Philharmonischen Orchesters und am 26. April in Hamburg das seinerzeit verschoben« zweite Ham­burger Konzert des Berliner Philharmonischen Orchesters.

lleberall, wo auf den Wassern die Nebel sind, tönt, den Fischer warnend, das Horn.

Noch liegt der Tag weit hinter dem Berg. Aber in der engen Stube des Fischerhauses ist keine Nacht. Der Unfriede wohnt da alle Tage. Hart greifen sie sich an: der Mann und das Weib, und jeder weiß sich im Rechte . . .

Mitten im Schlaf fährt er auf von wildem Traume, sieht, welche Stunde es ist. Sie aber liegt wach findet keine Ruhe, herrscht ihn an, daß er zu früh das Haus aufstöre. Ein Fluch, und er nimmt seine Sachen, schlägt die Tür zu und steht im Freien.

Dampfend liegt der Nebel über Ufer und See. Das Horn? Vergessen! Er zuckt nur die Achseln: ersöffe man, wäre es gut. Gibt doch keine Ruhe mehr früher . .

Er nimmt die Netze vom Gestänge, wirft sie über die Schulter und tappt zum Boot. ^

Wach liegt das Weib in der Kammer und starrt an die Decke. Langsam kriechen die ersten Schat­ten des Tages durch die Fensterluken herauf. Die Augen fallen ihr zu. Wenn sie ihm doch Unrecht täte? Plötzlich erwacht sie. Dämmerung erfüllt den Raum. An der Tür hängt das Nebelhorn. Schweiß überfällt ihre Stirn . . .

Sie stürzt ans Fenster, reißt die Läden auf. Naß steigt der dichte Nebel vom Boden. Sie schaut nach der Uhr: wenn er noch draußen ist? In fünf Minuten kommt das Dampfboot. Hastig reißt sie di« Kleider an den Leib, greift nach dem Horn, läuft durch den keuchten Morgen zum See

Das große Boot fehlt, schon stößt sie das kleine ins Wasser, springt nach, stolpert zum Sitz, wirft

das Horn hin, nimmt die Ruder. Die Arme schmerzen, der Tau brennt in das glühende Gesicht: rasend treibt sie das Boot hinaus. Hier muß es sein . . . Sie läßt die Ruder fallen. da tönt schon das Zeichen des Dampfers, sie faßt das Horn ein Ton. . . und krachend wirst sie der Zusammenstoß um.

Ein Schrei, sie fühlt die Glieder, der Schreck lähmt sekundenlang. , . Dann packt sie der Arm des Mannes und reißt sie hinüber in seinen Kahn.

Blas doch!", schreit er, hält sie mit der einen, zerrt das zersplitterte Boot mit der anderen. Das Nebelhorn tönt . . .

Ganz nah, es sind keine zehn Meter, antwortet das Schiff. Und wieder ihr Horn und wieder das Schiff ...

Und sie liegt im Bug, langgestreckt, das schmer­zende Bein abtastend, er horcht und navigiert.

Nochmal!", schreit er jetzt und wieder der Ton, und wieder die Antwort nun weiter, seitlich vorüber ist die Gefahr. Da schimmert das Dach schon!

Sie setzt sich auf, versucht das geprellte Bein, vreht sich nach dem kleinen Boot um, das arg zer» schunden ist und sieht ihm dann ins Gesicht.Gut heut'?" fragt sie.

Er freut sich, daß er die gewohnten Worte hört. Gut, gut!" sagt er. Schon landen sie, schon springt der graue Kater auf das Boot. Beide stehen auf.

Schlimm?" fragt er und blickt nach dem Bein. .Ach was!" lacht sie und greift nach dem Korb für die Fische.

Silbern blinkt es, als er der Katze das Fisch- cben als Beute zuwirft . . .

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