Ausgabe 
(17.4.1935) Nr. 107
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Nr. 107 / 3. Jahrgang

Mittwoch, 17 .

April

Einzelpreis 15 Rpf.

Stabschef Luhe über kommende Ausgaben

SA. bleibt in vorderster Hront

Durch das Wehrgesetz in keiner Weise ausgeschaltet" / Scharfe Durchsiebung bei allen Führerstetten / Än Zukunft nur noch Parteigenossen in der SA.

Vnssr Vagsssplsgsl

Aus der Tagung des »ölkervundsrats brachte Laval den Entwurf einer »nfiunige» Ent­schließung gegen Deutschland ein.

Der Memellandtag wnrde zum 8. Mal« beschlußunfähig gemacht.

Stabschef Lutze erklärte, daß die SA. durch das Wehrgesetz in keiner Weise ausgeschaltet werde.

Im März erfuhr die deutsche A « ss« hr eine kräftig« Steigerung.

Deutschland steht im Schiffbau der Welt an dritter Stelle.

Bei einem schweren Sturm fanden an der Westküste Australiens 18t Perlenfischer den Tod.

Der frenndschaftliche Besuch der Hambur­ger Regierung in Bremen betonte er­neut die engen Beziehungen zwischen den beiden Hansestädte».

Auf den Atlas-Werke» lief das Motorschiff Wesrrstolz" vom Stapel.

SpendeWehedank" beendet

Berlin, 18. April.

Aus Anlaß der Wiedereinführung der allge­meinen Wehrpflicht find dem Reichswehr- ministerium aus allen Volkskreisen Spenden zu­gegangen, die der Entwicklung der neuen Wehr­macht dienen sollten, und unter dem Namen .Mehrdank" zu einer Sammlung zusammen­geschlossen wurden. Generaloberst o. Blomberg spricht Älen Spendern hiermit seinen Dank aus, bittet jedoch, von wektere« Spenden oder gar Stmnnelaktienen Abfiand mk nehmen, da dtze Smmnknng inzwischen ab g e schl oss en worden Ht.

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Zum achten Male

Memel-Landtag wieder unfähig

Memel, 18. April.

Der memellSndisch« Lcnwtag war für Dienstag wieder zu einer Sitzung einberufen worden, um die Wahl des Landtagsprksidenten und des Präsidiums vorzunehmen. Bon den zugelasse­nen 2t Abgeordneten waren nur 18 erschienen. Die fünf Abgeordneten der litauischen Fraktion sabo­tierten wie üblich auch diesmal den Landtag, so daß die Sitzung wegen Befchlutzunfähigjkeit nicht stattfinden konnte. Der Schriftführer des Land­tages, Rieche rt, gab von einem Schriftstück Kenntnis, das an den neuen Gouverneur Kur- kauskas gerichtet werden soll und von den 18 an­wesenden Abgeordneten unterzeichnet ist. Der neue Gouverneur wird darin ersucht, die Grundlagen für eine ordnungsmäßige Arbeit des Landtages wiederherzustellen

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Deutsch« Zeitung j» Pole« beschlagnahmt. Die

Zeitung der deutschen Minderheit in Pomme- «llen, dasPommereller Tageblatt", wurde wegen einer Todesanzeige der Deutschen Vereini­gung für ihr« ermordeten Mitglieder Rieck und Groe» beMagnahmt.

Magdeburg, 16. April.

Der Dhef des Stabes der SA., Lutze, emp­fing während seiner Anwesenheit bei der Gruppe Mitte zwei Vertreter desMitteldeutschen" zu einer Unterredung, in der er grundlegende Aus­führungen über die kommenden Aufgaben der SA. machte.

Der Stabschef sagte: Die SA. wird in ihrer Grundidee und ihrer Existenz auch für die Zu­kunft durch das Wehrgesetz in keiner Weise aus­geschaltet. Es kann keine Rede von einem Ver­schwinden der SA. sein, da ihre Aufgaben anderer Art sind als die des Heeres, und der Führer für alle Zeiten auf seine SA. als den geschulten und kämpferischen Elaubensträger ünd Glaubens- künder der nationalsozialistischen Weltanschauung entscheidenden Wert legt. Um der SA. diese ihre ursprüngliche Aufgäbe zu ermöglichen, ist natürlich eine scharfe Durch- siebung in erster Linie bei allen Führerstellen Voraussetzung für den Weiterbestand einer auf Freiwilligkeit und kämpferisch-politischen Willen aufgebauten, in Gesinnung und Haltung nicht militärisch, aber doch soldatisch bedingten natio­nalsozialistischen Organisation. Die qualitative Hochstellung des Fllhrerkorps wird erreicht durch umfassende Prüfungen, die eine strenge Auswahl nach charakterlich«! Haltung, Beherr­schung nationalsozialistischer Weltanschau-

Senf, 16. April

Nach Vertagung seiner Vormittagsfitzung trat der Völkerbund am Nachmittag in öffentlicher Sitzung zur Behandlung des französischen An­trages gegen den deutschen Beschluß zur Einfüh­rung der allgemeinen Wehrpflicht zusammen. So­fort nach Eröffnung der Sitzung erteilte der Präsident des Rates, der türkische Außenminister Rüschtü Aras, dem französischen Außenminister Laval das Wort zu einer Erklärung, die die Unterbreitung eines Entschließungsentwurfes im Namen der drei Mächte Frankreich, England und Italien begleitete.

Laval erklärte u. a.: Das deutsche Vorgehen vom 16. März muß verurteilt werden. Es müssen Maßnahmen ins Auge gefaßt werden, um in der Zukunft den Mlkerbundspakt hinsichtlich der Or­ganisation der kollektiven Sicherheit wirksamer zu gestalten, l

Ich will hier nicht plädieren. Die Tatsachen sind zu bekannt. Die Denkschrift der französischen Re­publik zählt sie auf, analifiert sie und wertet sie. Die Ratsmitglieder haben sie beurteilen können.

«ng und soldatischem Lebensstil schaf­fen. Diese Prüfungen find im ganzen Reich bereits bis zu den Brigadeführern herab streng durchge­führt und werden systematisch fortgesetzt bis etwa zu den Sturmführern. In etwa fünf bis sechs Monaten ist dieser Prozeß, der bewußt ohne Rück­sicht auf das entstehende Zahlenverhältnis nur eine wirkliche Elite übrig läßt, im ganzen Reich durchgeführt.

Den Weg eines jungen Deutschen, vor allem aber eines kämpferischen Nationalsozialisten, stelle ich mir folgendermaßen vor: Zunächst die erste Erfassung im Jungvolk »nd der Hitler-Jugend, dann sofort Uebernahme in die SA., «nd zwar vor der Erfüllung der ArLeitsdienstpflicht. Nach dem Arbeitsdienst «nd der Ableistung der Wehr­pflicht werden diejenigen Nationalsozialisten, die in sich die Aufgabe eines kämpferischen Lebens für die Idee des Führers tragen, znr SA. zurück­kehren. Ich wünsche mir eine kleine, aber ge­schulte, glaubensstarke und dem Führer fanatisch ergebene Truppe als eine SA., die durch Masse zu imponiere« versucht.

Die Ereignisse des 3V. Juni und die s. Zt. von dem Verräter Röhm eingeschlagenen Wege haben klar bewiesen, daß der Geist und dieWeltan- schauung letzten Endes entscheidend sind und nicht irgendwelche Machtmittel. Der Zusammen-

Sie werden sich auch darüber aussprechen. Frank- reich hat durch seine Taten gezeigt, daß es den Frieden will. In London haben wir am 3. Fe, bruar zusammen mit der britischen Regierung ein Verhandlungsprogramm ins Auge gefaßt, das uns schnell zu einer haltbaren Organisation der Sicher­heit in Europa führen sollte. Unsere Vorkehrun­gen sind durch das deutsche Vorgehen zunichte ge­macht worden. Wer könnte Lestreiten, daß die Reichsregierung durch ihre Handlungsweise in der Welt Enttäuschung und Beunruhigung verursacht hat?

Die Ratsmächte müssen eine» Entschluß fasse». Ich bin sicher, daß sie es verstehen werden, ein ge­wisses Zaudern, falls es bestehe» sollte, zu über­winden, um die Regeln des internationale» Lebens achte» zu helfen. Wenn sie ihre Pflicht er­füllt haben, werde« wir der Zukunft ins Ange sehe».

Der von Laval im Namen der Delegationen Frankreichs, Englands und Italiens dem Völker­

bruch des deutschen Soldatengeistes durch die Unter­mini« rung im Jahre 1818 und der Sieg der natio­nalsozialistischen Revolution im Jahre 1933 sind entscheidende Beispiele für den ausschlaggebenden Einfluß der Idee. Mit Kanonen kann man wohl «in Volk schützen und erhalten, aufbauen kann man es nur mit einer gläubigen und kämpferischen Weltanschauung. Hierzu ist die SA. eines der ersten Instrumente. Auf Grund dieser Anschauungen wird sich nach einer Uebergangszeit auch die Frage Parteigenosse und Nichtparteigenosse" in der SA. von selbst lösen. Das Führerkorps besteht heute zum allergrößten Teil schon nur noch aus Partei­genossen und in Zukunft werden in der SA. über­haupt nur noch Parteigenossen zu finden sein.

Diejenigen Volksgenossen, die nach Ableistung des Wehrdienstes die Tradition ihrer Militärzeit weiterpslegen wollen, ohne indessen nationalsozia­listische Kämpfer zu sein, werden in einem großen Soldatenbnnde zusammengefaßt werden. Es ist kein Zweifel, daß es in Zukunft in Deutschland aber nur noch einen großen Soldatenbund geben wird, der alle umfaßt, die im Heere gedient haben und die nicht in einer Betiitignng in der SA. eine weitere, sich selbst gestellte Aufgabe sehen. Das Nebeneinanderstehen von Organisationen gleicher Zielsetzung ist im nationalsozialistischen Staat eine Unmöglichkeit, wenn auch im Augenblick erst noch ei« Uebergangsstadium durchschritten werden muß.

bundsrat unterbreitete Entschlietzungsentwurf lautet:

I.Der Völkerbund ist der Anficht, 1. daß die gewissenhafte Einhaltung aller Verpflichtungen aus den Verträgen eine Grundregel des internationalen Lebens und eine Vor­aussetzung der Aufrechterhaltung des Friedens ist,

2. daß es ein Hauptgrundsatz der Menschenrechte ist, daß keine Macht sich von den Verpflichtungen eines Vertrages loslösen kann, noch daß sie seine Bestimmungen ohne Uebereinstimmung mit den anderen vertragschließenden Parteien abändert,

3. daß die deutsche Einführung des Wehr­gesetzes vom 16. März 1935 im Wider­spruch mit diesen Grundsätzen steht, 1. daß durch diese einseitige Maßnahme kein Recht entstehen konnte, 5. daß diese einseitige Maßnahme, indem sie ein neues Störungselement in die inter­nationale Lage brachte, notwendigerweise als eine Drohung gegen die europäische Sicherheit erscheinen mußt«.

(Fortsetzung auf Seite r)

Der Machtkampf an der Donau

k. blü. Die noch ungeschriebene Nachkrieas- geschichte des Donauraumes könnte unter dem geflügelten Motto bearbeitet werden: Etwas geht vor, man weiß aber nicht recht, was." Obschon die Zerreißung wirtschaftlich­historischer Gebietsemheiten und die einseiti­gen Rüstungsbegrenzungen für Oesterreich, Ungarn und Bulgarien, wie sie vor 15 Jah­ren in den Verträgen von St. Germain, Tria- non und Neuilly diktiert wurden, ihre Sinn­losigkeit und Ungerechtigkeit längst erwiesen haben, hat man statt der radikalen Beseiti­gung des Uebels nur immer halbe Zwischen­lösungen angestrebt, die nicht einmal einen bescheidenen T eil der an sie geknüpften Er­wartungen erfüllten. Als im März vorigen Jahres nach der Konferenz der leitenden Staatsmänner Italiens, Oesterreichs und Ungarns die drei Protokolle von Rom unterzeichnet wurden, die im wesent­lichen die gegenseitige politisch-wirtschaftliche Unterstützung der drei genannten Staaten sowie besondere Wirtschaftsabkommen zwi­schen Italien und Oesterreich brachten, hatten wir im Gegensatz zu österreichischen und italienischen Pressestrmmen die Auffassung vertreten, daß mit dieser Festigung des römischen Einflusses im Donauraum die Kernfrage in keiner Weise gelöst sei. Die Entwicklung sowohl der politischen wie der wirtschaftlichen Verhältnisse im europäischen Südosten hat uns recht gegeben, und auch' die römischen Abmachungen zwi­schen dem französischen Außen­minister Laoäl und dem italieni­schen Staatsches vom Januar dieses Jahres blieben, soweit sie sich auf das Do- naubecken bezogen, graue Theorie: Die bei­den Regierungen bekundeten mit Bezug aus Oesterreich zwar ihre Uebereinstimmung, den interessierten Staaten den Abschluss eines Nlchteinmischungsvertrages zu empfehlen, ja, sie verabredeten für die Zeit bis zum In­krafttreten jenes umfassenden Abkommens ein gemeinsames Borgehen für den Fall einer Bedrohung der Unabhängigkeit Oester­reichs, aber über das Stadium der Pläne und der Erklärungen ist man bisher nicht hinausgekommen. Wobei wir die Spannun­gen zwischen der Kleinen Entente und Ita­lien, die gerade die Tonaupolitik Mussolinis hervorrief, gar nicht in Rechnung stellen wollen.

Nun soll, auf Grund der in Stresa gefaßten Beschlüsse, am 20. Mai unter dem Vorsitz Mussolinis in Rom eine große Donau- Konserenz stattfinden, zu der neben den anderen angrenzenden Staaten auch Deutsch­land geladen werden wird. Es ist das erste Mal, daß von vornherein d i e Macht in den Kreis der Beratenden miteinbezogen wird, ohne deren Mitwirkung jede Neuordnung an der Donau Stückwerk bleiben muß: das Deutsche Reich. E i n Berhandlungsthema der neuen Konferenz ist bereits im Schlußkom- muniquS von Stresa umrissen, und zwar ist in der amtlichen Erklärung von dem Wunsch Oesterreichs, Ungarns und Bulgariens die Rede, die Revision ihres in den drei ge­nannten Friedensverträgen festgesetzten-

Demonstrationen gegen Deutschland

Genfer Anklagerede Lavals / Unsinniger Entschliehungsentwurs / Einzelne Staaten gegen Frankreich

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Die häßliche Kruke

^ Don Äba WSst

g» «ufer« «rtikeifolge, die nur Originalbetträg« berühmter Künstler «nd Künstlerinnen bringt, plaudert Jda Wüst in humorvoller Weis« von der unfreiwilligen Komik, die fie in ihren ersten Rollen auslöst«.

Wie war das doch gleich mit meiner ersten Roll«? Frischgebacken der Schauspielschule in Frankfurt am Main entronnen, mutzte ich es war noch vor dem Kriege eine Jungenrolle übernehmen. Ich muß sagen, daß es damals wirk­lich nicht einfach war, aus einem Mädel mit zwei dicken Zöpfen einen Jungen zu machen. Das Biest von Perücke wollte und wollte nicht sitzen. Als «an sie endlich über den Kopf bekommen hatte, Iah ich zum Gotterbarmen aus. Ich hatte einen derartig dickenBouillon-Kopp". daß ich mich selbst nicht ansehen mochte. Dann begann die Vor­stellung.

Meine Mutter saß im Parkett und sah sich das Spiel ihres Töchterchens voller Unruhe an. Denn ich sprach ich war ja nun mal ein Mädchen natürlich mit hoher Stimme, was wiederum so komisch wirkte, daß das Publikum aus dem Lachen nicht herauskam, obwohl das Stückernst" war. In der Pause nach dem ersten Akt kam also meine liebe Mutter auf die Bühne gelaufen und gab mir den guten Rat, doch meine Rolle mit tie- str Stimme zu sprechen, das würde besser anzu­hören sein. Der zweite Akt begann. Mit künst­lichem Baß schleuderte ich meine Sätze heraus. Und der Erfolg? Das Publikum lachte noch mehr. Mieder kam in der Pause meine Mutter zu mir gelaufen und sagte:Liebes Kind, sprich ruhig Mieder hoch, wenn du so im Baß sprichst, müssen

die Leute nur noch mehr lachen!" Ich kann sagen, daß ich damals vom Theater trotz meiner an sich unbedeutenden Rolle schon so ziemlich genug

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hatte. Man soll eben nicht einen Jungen spielen, wenn man ein Mädchen ist!

Und nun meine erste Filmrolle: Im Jahre 1612 fand in Berlin eine AusstellungDie Frau in Haus und Beruf" statt. Für diese Ausstellung wurden auch Filme gedreht und in einem dieser Kunstwerke" hatte ich auch mitzuspielen, und zwar als eine von zwei Schwestern, die beide zum Theater gehen wollen. Meine Kollegin, die schönere von beiden, hatte laut Manuskript Glück und machte Karriere. Ich als ein häßliches Kind mußte von Stufe zu Stufesinken". Soviel sei nur gesagt, daß die ganze Angelegenheit mit einem Kind" und mit Schimpf und Schande auslief. Ich sah mir eines Tages auch den Film an und war erschüttert. Das Verheerendste an der gan­zen Sache war die Meinung des Publikums, das sich bei dentragischsten" Szenen vor Lachen bog. Neben mir saß eine treuherzige Sächsin, die mich natürlich nicht erkannte, und flüsterte mir am An­fang des Films fie hatte offenbar das Drama schon des öfteren gesehen ins Ohr:Nu paffen Se Lloßmal uff, wenn de Häßliche kommt, so eene Kruke, ach Eottchen nee, ich kann das Häufchen Unglück nun nicht mehr seh'n. Ich mutz tatsächlich weggucken, sonst wird's mer schlecht. Bussen Se mich man an, wenn se wieder wech ist von de Leinewand!"

Also, das war ich, Jda Wüst, in meiner ersten Filmrolle.

Umbau des Deutschen Opernhauses

Auf Wunsch des Führers wird das Deutsche Opernhaus auf Grund von Entwürfen des Ber­liner Architekten Professor Dr. Baumgarten architektonisch völlig umgestaltet. Das Deutsche Opernhaus beschließt seine Spielzeit am 15. Mai mit,Tristan und Isolde". Bereits am folgenden Tage soll mit der Räumung des Hauses begonnen werden, um ausgedehnte Umbauarbeiten einzu­leiten.

Das Vluttimwunder am Naiserdamm

400000 Blumen tn der deutschen Lrühjahrsdlumenschau

Nach einem langen Winter will man Frühling und nach verschneiten Tagen sucht man Blühen und Werden. In diesem Augenblick wird in Ber­lin am Kaiserdamm die größte Deutsche Früh­jahrsblumenschau feierlich eröffnet. Interessant nicht nur für die Berliner und für die zahllosen Insassen der Autos, Autobusse und Sonderzüge, die aus dem Reich dazu herkamen, sondern vor allem auch interessant und wichtig für den gesam­ten deutschen Gartenbaubetrieb, die Blumenzüch- tereien und Fachgeschäfte und die hunderttausend Menschen, die an Blumen ihre Freude haben.

Der große Hallenraum gleicht einem Früh­lingsbild. Birken stehen in lichtem Blattgrün, dunkle Tannen, blühende Sträucher und der Duft von Millionen Blüten fängt uns ein, so daß man erst das Gesamtbild in sich aufnehmen muß, ehe man die kostbaren Einzelheiten er­kennt. Biermalhunderttausend Blumen blühen, sie stehen in ihrer Farbenpracht um Goldfisch- teiche und werden überrieselt von dem zerstäu­benden Wasser aus 12 Springbrunnen. Um das große Wasserbecken aus grau-grünem Dolomit steht der Flieder in schweren Dolden und die Rhododendren, bereit, ihre reifen lila Dolden dem Blühen zu öffnen.

Nur deutsche Blumenzüchtereien haben die Aus­stellung beschickt und die Deutsche Gesellschaft für Eartenkultur ist die Veranstalterin. In schweren arbeitsreichen Tagen und Nächten haben die Gärtnereien und Blumenzüchtereien, deutsche Industrie und Fachgeschäfte und die nichtberufs- ständischen Liebhabervereinigungen unerhört Schönes und auch viel Neues geschaffen.

Ein Jahr lang braucht dasGoldtigerchen" »der die Calceolaria Hybride, Rasse Weile, um

in dieser Farbtönung zu werden, nur die geübte Eärtnerhand bringt so herrlich 109 Kamelien- bäume zum Blühen, wunderbar wachsen dunkel­rote Gloxinien vor blühenden Stauden. Wie im Traum steht ein Mandelbäumchen übersäet mit rosa Blütenperlen vor einer schönen Steinplastik.

Kakteen, wie unheimliche, wunderbare Wald- " geister, öffnen ihre seltenen Blüten dem Schein- werferlicht. Ein Echinocactus pilosus reckt seine starken Stacheln gegen einen unsichtbaren Feind. 159 Jahre hat diese Pflanze auf ihrem stachligen breiten Rücken und etliche 199 Mark müßte man ausgeben, sie zu erwerben. Dann gibt es solche, die breite Lederblätter treiben, an anderer Stelle stehen winzig kleine Kakteenköpfchen beieinander, die knallrote Blüten tragen und solche, deren Früchte sich wie riesige gelbe Bananen voller Stacheln abzweigen.

In der Mitte der Halle in wohltemperiertem Raum unter spiegelndem Glas blühen fremd­artig, bizarr auf dunklem Moos kostbare Orchi­deen. In herrlichen Farbenspielen, in graziösen wundervollen Formen sind sie nach sieben Jah­ren sorglich gehüteter Entwicklung zum Blühen gekommen. Es sind deutsche Erzeugnisse, aber ihr Züchter, einer der besten, die wir in Deutsch­land haben, hat 25 Jahre in Sumatra gelebt und in Jahrzehnten unermüdlicher Forschungs­arbeit diese Wunder in Farbe und Form ent­wickelt. Jede Blüte hat ihre Geschichte und be­hutsam stützt man ihre schweren Kelche vor der Berührung. Ein japanischer Zaubergarten ist aufgebaut und in ihm steht eine echte japanische Zwergkonifere. Fremd steht die schöne Silhouette des Baumes zwischen allen Blüten. Er ist 759 Jahre alt und der Schnelldampfer Tolumbus hat