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Nr. 63 / 3. Jahrgang
Montag, 4. März
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Veränderungen in der Athener Regierung
Revolte in Griechenland verschärft
Der frühere Ministerpräsident Venizelos schließt sich den Aufständischen an
Athen, 3. März.
Der Ausstand in Griechenland hat entgegen den beruhigenden Erklärungen der Regierung eine Verschärfung ersahren. Ein alter Gegner der jetzigen griechischen Regierung, der frühere Ministerpräsident Venizelos, der sich zurzeit in Kreta aufhält, ist offen zu den Aufständischen übergegangen und hat bei einer großen Kundgebung eine aufrührerische Rede gehalten. Die Verhandlungen, die Admiral Typaldos im Austrage der Regierung mit den bei der Insel Milos ankernden Aufständischen eingeleitet hatte, sind gescheitert. Die Regierung hat am Sonntag beschlossen, die Schiffe der Aufrührer durch Flugzeuge mit schwersten Bomben zu belegen, falls keine bedingungslose Uebergabe erfolgt. Ein Bombengeschwader ist bereits am Sonntagmorgen in Richtung nach Milos gestartet. In den Kretischen Gewässern konnten sie den Panzerkreuzer „Georgios Aweross" auftreiben und mit Bomben belegen. Eine der abgeworfenen Bomben traf den Panzerkreuzer, über den sich kurze Zeit daraus eine riesige Qualmwolke erhob. Die Flieger hatten den Eindruck, daß das Schiff schwer beschädigt worden ist. Die Regierung ist fest ent
schlossen, den Aufstand mit bewaffneter Hand unbarmherzig zu unterdrücken.
In Saloniki verhaftete man fast sämtliche Abgeordnete und Senatoren der Opposition. In Athen sucht man die Führer der Oppositionspartei sowie den Senatspräsidenten, die anscheinend geflüchtet sind.
Um die Ruhe schnellstens wieder herzustellen, hat die Regierung zwei Jahresklassen der Marine zu den Fahnen gerufen. Auch zwei Jahresklassen der Heeresreserve in Altgriechenland sollen wahrscheinlich einberufen werden, um Heeresabteilungen, deren Gesinnung zweifelhaft ist, mit zuverlässigen Reservisten durchsetzen zu können.
Die Regierung hat einen Aufruf an das Volk ergehen lassen, in dem die Hintergründe des Aufstandes dargelegt werden und die Bevölkerung ausgefordert wird, sich an die Seite der Regierung zu stellen. Die Regierung ist entschlossen, die Meuterer ohne Ansehen der'Person abzuurteilen und durch strenge Maßnahmen den Rechtsstaat schnellstens wieder herzustellen.
In der Zusammensetzung der Regierung wurden angesichts der Lage einige Veränderungen
vorgenommen, durch die die Schlagkraft des Kabinetts verstärkt und sein Ansehen im Volke erhöht werden soll. Der Ministerrat beschloß, den Führer der Regierungspartei, General Metaxas, als Minister ohne Geschäftsbereich in das Kabinett aufzunehmen und Metaxas hat dieses Angebot bereits angenommen.
Ferner hat die Regierung das Rücktrittsgesuch des Außenministers Maximos angenommen. Ueber die Neubesetzung des Außenministeriums ist jedoch noch nichts bekanntgeworden. Der bisherige Marineminister Hadschikyriakos ist zurückgetreten. An seiner Stelle übernahm Admiral Dusmanis das Marineministerium. Für das Luftfahrtministerium wurde Schinas zum Minister bestellt, der bisher llnterstaatssekretär in diesem Ministerium war.
In der Athener Wohnung von Venizelos wurde eine Haussuchung vorgenommen. Man fand mehrere Gewehre, 200 Schuß Munition und viele Handgranaten. Außerdem fielen den Behörden zahlreiche wichtige Briefe und andere belastende Dokumente in die Hände.
Eröffnung -er Leipziger Messe
Zahlreiche ausländische Besucher / Guter Geschäftsgang / Gonderfchauen
Leipzig, 3. März.
Die Leipziger FrLhjahrsmes.se 1935 wurde am Sonntag eröffnet. In den Messehäusern ^ und draußen auf der großen Technischen Messe war fast jeder Stand besetzt. Der Messe-Sonntag brachte bereits auf vielen Gebieten ganz beträchtliche Abschlüsse. Im einzelnen ist festzustellen, daß gute Reise- und Kraftwagenkoffer viel gefragt sind. Auch Spielwaren in guter Ausstattung wurden bereits in ganz ansehnlichen Mengen bestellt. Geräte und Gegenstände für den Hausbedarf sind sehr viel gefragt.
Das deutscheEasfachhat eine Sonderschau in Halle 2V eingerichtet. Holz hat ebenfalls eine Sonderschau, bei der aller Verwendungsmöglich-. keilen des Holzes gedacht ist und bei der eine Bon
bonniere mit Konfekt aus Holz besonders auffällt. Bei manchen dieser Sonder-Ausstellungen tritt deutlich der E e s a mt ant rieb verdeutschen Wirtschaft durch die Maßnahmen der Reichsregierung in Erscheinung. Im städtischen Kaufhaus hat der deutsche Großhandel eine Aufklärungsstelle eingerichtet, in der jeder Besucher durch eindringliche Bilder und Aufzeichnungen über die Aufgaben und die wirtschaftliche Notwendigkeit des Großhandels zur zweckmäßigen Verteilung der Erzeugnisse unterrichtet wird. Im Ringmetzhaus befindet sich die Werbestelle der Deutschen Arbeitsfront mit ihren weitläufigen Einrichtungen, hauptsächlich Lei der Stellenvermittlung in den Berufen der kaufmännischen und technischen Angestellten Einen großen Rahmen hat die Technische Nothilfe für sich belegt, der von allen
Gruppen der Technischen Nothilfe aus ganz Deutschland mit Schaustücken beschickt worden ist.
Aus dem Auslande waren zahlreiche Interessenten erschienen. Es befinden sich darunter Vertreter großer Konzerne, die teilweise Probe- bestellungen aufgeben. Die Aussteller sind jedenfalls mit dieser Entwicklung sehr zufrieden. Auf der großen Technischen Messe und Vaumesse erreichte der Besucherstrom eine fast beängstigende Größe. Bis 13 llhr hatten 46900 Besucher allein das Ausstellungsgelände der Technischen Messe betreten. Man kam oftmals nur mit Mühe an die Stände heran. In Halle 12 der Technischen Messe waren in den Hauptverkehrsstunden die Besucher genötigt, sich, bevor sie Zulaß fanden, am Eingang anzustellen.
Lavals Friedenswille
Eine Rede des französischen Außenministers
Paris, 3. März.
Den von Mussolini und Laval in Rom unterzeichneten Abkommen folgte am Sonntag in Paris ein Festesten, an dem neben dem französischen Außenminister Laval der italienische Botschafter und der italienische General Sizio Eari- baldi teilnahmen. Laval feierte in einer längeren Ansprache die Bedeutung der römischen Abkommen und die Waffentaten der Garibal- diner in Frankreich. Er erinnerte daran, wie er als Nachfolger Barthous die französisch-italienische Freundschaft wiederhergestellt habe, die nach einer Erklärung Mussolinis auch von europäischer Tragweite sei.
Hinsichtlich des Saarproblems dürfte nichts zwischen den beiden großen Völkern, die sich so oft im Laufe der Jahrhunderte gemessen hätten, vorfallen. Ebensowenig dürfte in Mitteleuropa Unordnung eintreten, denn eine Gefahr auf irgendeinem Punkte Europas bedeute eine allgemeine Gefahr.
Der Friede ist noch nicht fest begründet. Noch gibt es zuviel Mißtrauen, aber die Völker wollen den Frieden, sie wollen nicht, daß man die Leiden eines Krieges zu ihrer gegenwärtigen Not hinzufüge. Man mutz den Frieden in Europa organisieren. Zwei Pakte sind in diesem Sinne geplant: Der Mitteleuropäische Pakt und her
Ostpakt. Die Verhandlungen um diese Pakte werden wahrscheinlich schwierig sein. Aber seit Rom und seit London besteht größere Hoffnung auf ihre Verwirklichung. Ich hoffe, so schloß Laval, daß das Jahr 1935 ein großes Jahr für den Frieden sein wird.
Dle Richtlinien für Simon
London, 3. März.
Das englische Kabinett wird in seiner Sitzung am Mittwoch die Richtlinien für den Besuch Simons in Berlin festlegen. Es werde dann auch die Entscheidung über einen britischen Ministerbssuch in Moskau, Warschau und Prag fallen. Die kurzen Besprechungen Simons in Paris haben gewisse Zweifel über den Umfang der kommenden Unterhaltungen mit Reichskanzler Hitler beseitigt. Frankreich hat nicht versucht, dem britischen Außenminister irgendwelche Beschränkungen aufzuerlegen. Simon seinerseits scheint mit Laval darin einig zu sein, daß es nicht möglich sein werde, die Dinge schon in diesem Stadium seiner Berliner Besprechungen zu greifbaren Ergebnissen zu führen.
Beamtenfchub in Moskau
Moskau, 3. März.
Der sowjetrusfische Zentralvollzugsausschuß hat den Sekretär des Vollzugsausschusses Jenukidse auf eigenen Wunsch seines Postens enthoben. Jenukidse wird demnächst zum Vorsitzenden des Vollzugsausschusses der kaukasischen Bundes-, republiken ernannt werden. Zu seinem Nachfolger wurde der oberste Staatsanwalt der Sowjetunion Akulow ernannt. Zum obersten Staatsanwalt der Sowjetunion ernannte man den öffentlichen Ankläger Wischinski.
Diese Veränderungen in der Regierung der Sowjetunion haben allgemein große Aufmerksamkeit erregt, nicht nur, weil Jenukidse über zehn Jahre seinen Posten bekleidete, sondern auch, weil Personen weiter aufrücken, die schon in den letzten zwei Jahren eine bedeutsame Rolle in der Sowjetunion spielten.
Für Preissenkung
Aufgaben des Reichskommissars Goerdeler
Leipzig, 3. März.
Bei einem Presseabend sprach in, Leipzig der Reichskommissar für die Preisüberwachung, Oberbürgermeister Dr. Goerdeler, über seinen Auf- gabenkreis. Sein erstes Ziel, so führte er aus, konnte nur sein, zunächst alle weiteren Preissteigerungen abzustoppen. Wenn es nämlich gelänge, die Preise nicht nur zu halten, sondern durch verständige Maßnahmen zu senken, so wäre das ein doppelter Vorteil. Von besonderer Bedeutung würde eine solche Bewegung der Preise für die Wettbewerbsfähigkeit Deutschlands auf dem Weltmärkte sein, dessen Waren in der Welt, der teuren Erzeugung wegen, schwer abgesetzt werden können.
Die Bedeutung der DBF.
Dr. Sey spricht in Leipzig
Leipzig, 3. März.
Dr. Ley sprach am Sonntagabend im Saale des Leipziger Rathauses vor geladenen Wirtschaftsund Vetriebsführern sowie vor den zahlreich erschienenen in- und ausländischen Pressevertretern über die Ziele und Leistungen, den Aufbau und die Bedeutung der Deutschen Arbeitsfront. Dr. Ley ging dabei davon aus, daß für den neuen deutschen Menschen das Leben nur Sinn und Zweck habe, wenn es sich in die Gemeinschaft einordne. Der deutsche Arbeiter habe den Gedanken der Gemeinschaft voll in sich aufgenommen und werde den Klassenkampf niemals mehr mitmachen. Jedoch auch der Arbeitgeber reihe sich voll und ganz in die Arbeitsfront ein. Dann fuhr Dr. Ley fort: Im Betriebe gehören Gefolgschaft und Betriebssichrer zusammen. Nun sind weit über 90 Prozent aller schaffenden Deutschen in der Deutschen Arbeitsfront zusammengeschlossen. Heute wagt es kein deutscher Unternehmer mehr, sein Geld über die Menschen zu setzen. Er ist überzeugt, daß das wertvollste Kapital in seinem Unternehmen die Menschen sind. Die Deutsche Arbeitsfront soll in Zukunft die Selbstverwaltung der schaffenden Menschen werden. Jeder Deutsche will seinen Arbeitsplatz haben. Sozialismus ist ausgerichtete Gefolgschaft, ein nationalsozialistisches Bataillon, in dem jeder nur soviel fordern darf, wie er bereit ist, für die Gemeinschaft zu geben. Vor der Forderung steht aber das Opfern, um eine zufriedene, glückliche Nation zu schaffen.
Abschluß der Auto-Ausstellung
Berlin, 3. März.
Die Internationale Automobil- und Motorrad- Ausstellung hat heute um 20 Uhr mit dem traditionellen „Hupenkonzert" ihren Abschluß gefunden. Insgesamt haben rund 880 000 Personen die Ausstellung besucht. Auch am gestrigen Sonntag war die Ausstellung wieder überfüllt; nicht weniger als 80 000 Besucher haben am letzten Tage der Ausstellung die Drehkreuze am Eingang passiert.
17 Todesurteile in Salzburg. Vor dem Schwurgericht in Salzburg fand ein Sprengstoff-Prozeß gegen 20 Angeklagte aus dem Pinzgau statt. 17 Angeklagte wurden für schuldig befunden und zum Tode verurteilt.
Lutze: Wir kämpfen Wetter!
SA.-Aufmarsch in Schlesien
Breslau, 3. März
Im Breslauer Stadion fand am Sonntag ein Appell von 25 000 schlesischen SA.-Führern und SA.-Männern vor ihrem Stabschef statt. Fünf von den 13 Sonderzügen, die die auswärtigen Teilnehmer am Sonntagmorgen nach Breslau brachten, erlitten infolge der Schneeverwehungen Verspätungen bis zu einer Stunde. Trotzdem hatten 5000 SA.-Männer aus Breslau und 20 000 aus dem übrigen Schlesien auf der Friesenwiese des Stadions mit 18 Standarten und Hunderten von Sturmfahnen Aufstellung genommen. SS. und Feldjäger waren durch Ehrenabteilungen vertreten.
Nachdem der Chef des Stabes unter den Klängen des Präsentiermarsches die Front der Formationen abgefahren hatte, sprach der Führer der schlesischen SA., Gruppenführer Herzog. Er dankte dem Stabschef für sein Erscheinen und fuhr fort: Die Reorganisation hat die SA. gefestigt und entschlossen gemacht in ihrem Willen, nichts anderes zu sein als Träger der nationalsozialistischen Idee.
Dann ergriff Schlesiens Gauleiter und Ober- präsident Wagner das Wort. Er führte aus, heute sei die große Aufgabe der SA. noch ausgesprochen politischer denn je. Mit dem Aufruf, zu leben, zu kämpfen und zu sterben für das junge ewige Deutschland beendeie der Gauleiter seine Rede, der sich das von Tausenden gesungene Deutschlandlied anschloß.
Dann sprach der Chef des Stabes, Lutze. Der Kampf der Bewegung sei nur durch die Eigenschaften Glaube und Beharrlichkeit siegreich gewesen.
Wir haben früher als SA.-Männer in vorderster Front mitgekämpft und wir wollen auch jetzt, wenn auch jetzt die Art des Kampfes eine andere geworden ist, mit demselben heißen Herzen und demselben stahlharten Wollen wie früher am Aufbau unseres deutschen Vaterlandes mithelfen. Wir stellen uns auch jetzt wie ein Block vor unseren Führer und wir werden dafür sorgen, daß alles das. was sich gegen das neue Deutschland stellt und Sabotage betreibt, genau wie früher unseren Arm spürt und von uns unterdrückt wird.
Mit dem Vorbeimarsch schloß die Veranstaltung.
Der Fall Hoefeld
Verdammt ist jede Schuld schon vor der der Tat. (Statthalter Angela in Shakespeares: „Zweierlei Maß.")
k. HIL. Der in Frankfurt am Main verhandelte Mordfall Hoefeld hat Bilder einer zerrütteten und sittlich verkommenen Familie entrollt, wie sie die lebhafteste Phantasie nicht erschütternder hätte malen können. Vater und Mutter gehen gemeinsam ans Werk, ihr eigenes Kind nach systematischen Mißhandlungen mit vollem Vorsatz und aus nüchterner Berechnung in den Tod zu treiben. Sie bedienen sich bei diesem Vorhaben unter dem schamlosen Vorwand sühnender Strafe eines seelischen Druckes, derdemMord an der Tochter den Schein des Selbstmordes geben soll. Bei der Tat selbst wird eine unheimliche Gefühlsroheit an den Tag gelegt: Während des Diktats der Selbstmorderklä- rung macht die „Mutter" die todgeweihte Hilde Hoefeld darauf aufmerksam, daß sie eine bessere Feder nehmen müsse. Für den Sprung von der Mainbrücke muß die gequälte Tochter „weniger kostbare" Kleider anziehen. Und der „Vater" ruft ihr kurz vor dem Todessprung zu: „Mach schnell, damit kein Aufsehen erregt wird!"
Aus welchem Grunde erfolgten die Mißhandlungen? Welche letzten Absichten leiteten die Eltern, als sie ihr Kind zwangen, das unersetzbare Leben wegzu- wersen? Wer den Verlauf des Prozesses bis ins einzelne verfolgt hat, der blickt bei diesen Fragen in unüberbrückbare Abgründe seelischer Entartung. Gewiß waren Leumund und Lebensführung der Hilde Hoefeld nicht makellos, aber das, was ihr nachzusagen war, stand in keinem Verhältnis zum Grad und zur Art der Züchtigung. Die unmenschliche Mutter hat ihre Tat mit dem angeblichen Schaden zu begründen versucht, der dem Namen Hoefeld, besonders im Hinblick auf ihre etwaige Wiederverheiratung, von ihrer Tochter Hilde bei deren Weiterleben hätte zugefügt werden müssen. Mit Recht nennt das Gericht in seiner Urteilsbegründung dieses Moment so verabscheuungs- würdig, daß man es nicht verstehen kann. Man darf wohl annehmen, daß diese Angaben der Mutter die wirklichen treibenden Kräfte des Verbrechens mehr oder weniger verdecken sollten und daß die Verworfenheit des Mordversuchs vor allem in der kriminellen Veranlagung der Eltern wurzelt.
Das Gericht hat mit seinem Spruch, der beiden Angeklagten je 15 Jahre Zuchthaus Zuerkannte, ein hartes, aber gerechtes Urteil gefällt. Es hat damit sowohl dem gesunden Menschenverstand wie dem Volksempfinden Rechnung getragen, das beidemabgeurteilten scheußlichen Verbrechen mildernde Umstände nicht zu entdecken vermag. Schon gar nicht kann von einer „tragischen Verkettung" des unheilvollen Geschehens die Rede sein. Die Tatsache, daß der Mordversuch nicht zum beabsichtigten Erfolg, dem Tode der Hilde Hoefeld, führte, steht zudem nicht im geringsten Zusammenhang mit der Willensent- scheidung der Verurteilten.
Noch von einem anderen Gesichtspunkt aus muß das Urteil als gerecht bezeichnet werden. Das Gericht stellt in der Begründung seines Spruches fest, das geschilderte Verbrechen sei der wiedererwachten deutschen Volksseele völlig fremd. Die strafbare Handlung wird also nicht isoliert betrachtet, sondern von den Grundlagen der Volksgemeinschaft aus beurteilt. Es liegt ja auch klar auf der Hand: Würde der Geist der moralischen Zersetzung, der die Familie Hoefeld so jäh ins Verbrechen stürzte, sich langsam und versteckt weiter ausbreiten, so wäre das ein Angriff auf die sittlichen Fundamente der Volksgemeinschaft, die Familie überhaupt. Hier mußte es Sache des deutschen Richters sein — und er hat sich dieser Aufgabe nicht entzogen — fest zuzupacken und das Uebel mit Stumpf und Stiel auszurotten. Wie ganz anders hätte hier der sich im Gestrüpp der Paragraphen verirrende Richter der liberalistischen Zeit „Recht" gesprochen. Er hätte alles, was nach seiner Ansicht die Angeklagten vor der Schärfe des Gesetzes schützen könnte, zusammengetragen, wäre bei der Schuldbeurteilung von formal- juristischen Bedenken gehemmt worden, nämlich von der unhaltbaren Anschauung, daß Erzwingung eines Selbstmordes nicht mit Mord gleichzusetzen sei. Nicht im Willen und in der Gesinnung des Rechtsbrechers hätte er den Schwerpunkt der Schuld gesehen, sondern ihn hätte in erster Linie die sichtbare Folge des Verbrechens interessiert, in diesem Falle die Tatsache des nicht tödlichen Teliktausganges. Das Frankfurter Gericht dagegen ist mit voller Absicht zum Wesenskern des Menschen voroestoken "nd hat, obschon es an das noch aeltende G"^tz gebunden war den Versuch, w-ttt-^ ->s prundiatzlich mir der b->abs'-K"->sp >7 m ^ enduno aleick-ipsekt ls-
beralistilch-demokratiscken Etrafreckt inm .nationalsozialistischen Recht des Dritten Reiches ist mit dieser Auffassung unter Beweis gestellt.
Der Weg frei zur Verständigung
Rudolf Heß über die Bedeutung der Rückkehr des Gaarlandes
Paris, 3. März.
Der Stellvertreter des Führers, Rudolf Hetz, hat in Saarbrücken einem Sonderberichterstatter des „Jntransigeant" erklärt, er dürfte sich davon überzeugt haben, daß die politische Linie des Führers in bezug auf Frankreich während der letzten Jahre die gleiche geblieben sei. Nach einem anerkennenden Hinweis auf die Bemühungen der französischen Frontkämpfer um die deutsch-französische Verständigung fuhr der Reichsminister fort: „Ich bin aufrichtig glücklich über das geschichtliche Ereignis der Rückkehr des Saargebietes zu Deutschland, nicht zuletzt, da es dazu beiträgt, die in der Welt unternommenen Bemühungen auf den Frieden zu erleichtern. Die Rückkehr des Saarlandes zu Deutschland ist eines der bedeutsamsten Ereignisse seit Kriegsende, und zwar ein positives. Der Führer selbst hat zur Genüge erklärt, daß die Saarfrage die letzte zwischen Frankreich und Deutschland zu regelnde territoriale Angelegenheit sei. Nachdem dieses Problem gelöst ist, ist der Weg frei zur Verständigung der beiden Nationen." ,
Saarbrücken, 3. März.
Um Mitternacht hatte sich auf dem Bahnhofsplatz der größte Teil der SA.-Formationen und
des Arbeitsdienstes versammelt, um in Sonder- zllgen wieder in die Heimat zurückbefördert zu werden. Zug um Zug rollte aus dem Bahnhof in altgewohnter Disziplin und Ordnung. Jeder einzelne Zug wurde von der Saarbevölkerung, die bis zum letzten Augenblick ausharrte, mit frohen Zurufen aus der Bahnhofshalle geleitet.
Nachdem der argentinische Botschafter Can- tilo schon früher abgereist war, machten die übrigen Mitglieder des Dreierausschusses noch eine ausgedehnte Kraftwagenfahrt durch das Saargebiet, die sie auch nach Trier führte. Von St. Jngbert aus haben sie dann in einem Son- derwagen der Reichsbahn die Reise in die Heimat angetreten.
Der Führer der Leibstandarte Adolf Hitler, Obergruppenführer I o s e f D i e t r i ch, hat Sonntag mit dem gesamten Führerkorps der Leibstandarte am Saarbrücker Ehrenmal für die Gefallenen des Weltkrieges einen Kranz niedergelegt. Dabei widmete er den Gefallenen des Weltkrieges Worte des Gedenkens. Die Kapelle der Leibstandarte gab Sonntag abend vor der Saarbrücker Bevölkerung ihr Abschiedskonzert.
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