Ausgabe 
(3.3.1935) Nr. 62
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Nr. 62 / 3. Jahrgang

Sonntag, 3. März

Einzelpreis 12 Npf.

Nächtliche AetNlerieschtiffe in Athm

Mißglückter putsch in Griechenland

Flugzeuge bombardieren die aufständische Flotte / Die Regierung Herr der Lage

Simon reist Donnerstag nach Berlin

Berlin, 2. März.

Die britische Regierung hat die Reichs- regierung wissen lassen, daß der Besuch des kritischen Staatssekretärs des Auswärtigen in Berlin in der nächsten Woche stattfinden wird. Sir John Simon wird am Donners­tag, 7. März, abends, hier eintreffen. Die beiden folgenden Tage sind für die in Aus­sicht genommenen Besprechungen bestimmt.

Wie verlautet, wird die Entscheidung, ob Lord­siegelbewahrer Eden den Staatssekretär des Aeußeren, Simon, Lei seinem Besuch in Berlin begleiten soll, möglicherweise auf einer Kabinetts­sitzung am Montag fallen. Preß Association be­richtet, datz zwischen Simons Berliner Besuch und seiner Reise nach Moskau vielleicht nur ein Zwi- schenraum von wenigen Tagen liegen wird. In dieser Zeit werde die französische Regierung auf diplomatischem Wege unterrichtet werden.

Und die Ost-Reife?

Warschau, 2. März.

Die halbamtliche „Eazeta Polska" äußert sich in einem Kommentar zu dem Plan eines Besuches englischer Minister in Warschau. Polen, heißt es darin, nehme infolge seiner geographischen Lage im Zentrum Europas zwischen Deutschland im Westen und der Sowjet-Union im Osten eine Schlüsselstellung ein. Aus diesem Erunde halte die britische Regierung einen Besuch in Warschau sür eine wesentliche Ergänzung der Besuche in Berlin und Prag.

Das Blatt meint: Verträge, die lediglich West- europa umfassen, befriedigen offensichtlich die diplomatischen Kreise von Paris und London nicht. Hierin ist hauptsächlich der Grund für die geplante Reise des Vertreters der britischen Re­gierung zu suchen. Die erhebliche Bedeutung einer solchen Reise ist zweifellos, insbesondere ange­sichts des Charakters der britischen Politik, die sich Lurch große Objektivität und Elastizität auszeich­net. Es ist selbstverständlich, daß der Besuch eines britischen Staatsmannes von der polnischen Re­gierung gern gesehen würde.

Urteil im Hoefelö-Orozeß

Vater und Mutter zu je 13 Jahren Zuchthaus verurteilt / Die Tochter freigesprochen Frankfurt, a. M., 2. März.

Nach zweistündiger Beratung wurde Sonnabend abend im Hoefeld-Prozeß das mit außerordent­licher Spannung erwartete Urteil gefällt. Das Schwurgericht verurteilte die Angeklagten Eltern Wilhelm und Minna Hoefeld wegen gemeinsamen Mordversuchs und den Angeklagten Wilhelm Hoe- seld auch wegen fortgesetzter schwerer Kindesmiß­handlung zu je 15 Jahren Zuchthaus, 18 Jahren Ehrverlust und Stellung unter Polizeiaufsicht. Die Mitangeklagte Tochter Mimi Hoefeld wurde freigesprochen.

Athen, 2. März.

Am Freitag unternahmen in Griechenland die Anhänger von Plastiras und Venizelos einen Putsch, der jedoch von der Regierung niedergeschlagen werden konnte.

Den Aufständischen gelang es anfangs, unter Führung von Admiral Demesticha und Vize­admiral Kollialexis die Flotte in ihre Ge­walt zu bringen. In Athen waren die Kadetten­schulen sowie das Garderegiment der Evzonen zu den Revolutionären übergetreten. Die Revo­lutionäre, hatten nach harten Kämpfen das Arsenal eingenommen. Da die meisten Marine­offiziere abwesend waren, konnten die Aufstän­dischen mit der Flotte nach Saloniki und Kreta abdampfen. Die Küstenbatterien erhielten Befehl die Schiffe zu beschießen, falls die Aufständischen sich nicht ergeben würden. Flugzeuge aus Tatoi nahmen die Verfolgung der Aufständischen-Schiffe

Wien, 2. März.

Im Schwurgerichtssaal des Wiener Landesge­richtes 1 begann am Sonnabend vor einem Mi­litärgericht der Hochverratsprozeß gegen den ehe­maligen österreichischen Gesandten in Rom, Dr. Rintelen, dem zur Last gelegt wird, er habe den Anschlag auf das Bundeskanzleramt vom 23. Juli vorigen Jahres gefördert.

Der Staatscmwalt klagte Rintelen wegen V er- brechensdesHochverratesan und begrün­det diese Anklage folgendermaßen: Dr. Rintelen habe im Jahre 1934 und insbesondere im Juli 1934 in Rom und Wien den ihm bekanntgewordenen Plan des Anschlages auf das Bundeskanzleramt vom 2S. Juli 1934 gebilligt und dadurch gefördert, daß er sich den Rädelsführern dieses Anschlages für die Bildung einer revolutionären Regierung zur Verfügung stellte.

Dr. Rintelen sei nach dem Paragraphen 3911 des Strafgesetzbuches zu bestrafen. Der Strafsatz betrage nach dieser Eesetzesstelle zehn bis zwanzig Jahre Kerker; wenn jedoch der Gerichtshof dem hochverräterischen Unternehmen einen besonders gefährlichen Charakter beimesse, sei lebens­längliche Kerker st rase zu verhängen. Schwierig sei die Frage und der Beweis, daß Dr Rintelen mit den Putschisten in Verbindung ge- standen und die im Strafantrag ihm zur Last ge­legten Handlungen begangen habe.

Zum Beweis für die Verbindung Dr. Rinte- lens mit den Aufständischen führt der Staats­anwalt zunächst die Tatsache an, daß seinerzeit

auf und bombardierten diese. Hierbei erlitt der Kreuzer „Aweroff" beträchtlichen Schaden. Die Aufständischen telegraphierten, daß sie ihren Widerstand bis znm äußersten aufrechterhalten würden Italienische Kriegsschiffe, die sich in der Nähe der aufständischen griechischen Schiffe befin­den, haben angefragt, welche Haltung sie ein­nehmen sollten.

In Athen wurden von abends 9 bis nachts 2 Uhr Gewehr- und Artillerieschüsse vernommen. In der Hauptstadt wurde das Kriegsrecht erklärt. Die Führer der Oppositionspartei sind in Schutz- haft genommen worden. Ueber Verluste ist noch nichts bekannt. Die Kadettenschule und die Evzonen haben sich der Regierung ergeben. Der Kommandant soll Selbstmord begangen haben.

Die Lage in der Hauptstadt und im Lande ist, nach einer späteren Meldung, am Sonnabend wieder normal. Der Kriegsminister teilte mit,

die erste Rundfunknachricht lautete: „Die Regierung Dr. Dollfuß ist zurückgetreten. Dr. Rintelen hat die Geschäfte der Regierung übernommen". Die in das Bundeskanzleramt ein- gedrungenen Empörer hätten gleichfalls den Na­men Dr. Rintelen genannt. Auch sei den Beamten des Bundeskanzleramtes eine Proklamation ver­lesen worden, in der es wieder geheißen habe, Dr. Rintelen habe die Geschäfte der Regierung übernommen.

Als weiteres Verdachtsmoment erwähnte der Staatsanwalt die Tatsache, datz Rintelen, als er die Rundfunknachricht mit seinem Namen hörte, nichts getan habe, um Dollfuß seiner Loyalität zu versichern. Auch der Abschiedsbrief Rintelens, den er vor seinem Selbstmordversuch an seine Gattin schrieb, wird als Indiz gegen den Ange­klagten vorgebracht. Wenn er tatsächlich um Vermittlung gebeten worden sei zu einer Zeit, wo sonst noch niemand wußte, datz die Lage im Bun­deskanzleramt schlecht sei, so gehe daraus her­vor, daß er mit den Aufständischen in enger Ver­bindung gestanden habe. Auch der Selbstmord­versuch lasse auf kein reines Gewissen schließen.

Wörtlich sagte dann der Staatsanwalt: „Es sind das die wichtigsten Beweise, die ich gegen Dr. Rintelen vorbringe. Ich gebe zu, datz sie zum größten Teil psychologischer Natur sind: Nach der Sachlage ist es auch kaum zu erwarten, daß sich Dr. Rintelen irgendwelche Mitwisser schaffte, die einen leichten Verrat möglich gemacht hätten. Aber meiner Ansicht nach reicht es aus."

daß außer kleinen Zusammenstößen zwischen Re­gierungstruppen und Aufständischen in Athen die ganze Bevölkerung der Regierung treu geblieben sei. Unter den Truppen habe es einige Todes­opfer gegeben und von den Aufständischen seien etwa zehn getötet worden.

Aus der Provinz sind starke Truppenverstär- kungen in Athen eingetroffen. Die griechische Regierung hat den Belagerungszustand verhängt. Das von den Aufständischen besetzte Arsenal von Salamina ist am Sonnabend früh von den Regierungstruppen eingenommen worden. Zu den Vorgängen teilt Ministerpräsi­dent Tsaldani in einem Aufruf mit, daß die Regierung völlig Herr der Lage sei, und daß das griechische Volk ruhig sein könne. Um die Ordnung und die Ruhe der griechischen Bürger sicherzustellen, sehe sich die Regierung gezwungen, mit aller Schärfe gegen die Aufständischen vorzu­gehen.

Der Verhandlungsleiter stellte an den Ange­klagten die Frage, ob er sich des Hochverrats schuldig bekenne. Der Angeklagte antwortet: „Nein." Der Verhandlungsleiter fragte noch­mals: „In keiner Weise?" — Der Angeklagte wiederholte: „Nein." Auf Antrag des Ange­klagten wurden dann die Verhandlungen unter­brochen.

Nach der Pause wird Dr. Rintelen vernom­men. Er erklärte nachdrücklich, daß seine Ent­sendung nach Rom in vollem Einvernehmen mit Dr. Dollfuß erfolgt sei. Daß er mit dem deutschen Botschafter in Rom besondere Beziehungen unter­halten habe, bestreitet Dr. Rintelen.

Auf die Frage nach der Einstellung zur Re­gierung Dollfuß und zum Nationalsozialismus erwidert Dr. Rintelen, es sei selbstverständliche Loyalitätspslicht gewesen, daß er für die Regie­rung Dollfuß eingestellt gewesen sei. Was den Nationalsozialismus betreffe, so sei er der Mei­nung, man solle trachten, einen Ausgleich zu schaffen, unter voller Wahrung des österreichischen Standpunktes.

Er habe deshalb auch im Einvernehmen mit dem Bundeskanzler Dr. Dollfuß mit den Na­tionalsozialisten verhandelt und wiederholt den Standpunkt vertreten, die Opposition die Verant­wortung teilen zu lassen. Auch habe er sich er­boten, eine Loyalitätserklärung für die Regie­rung Dollfuß abzugeben. Der Prozeß wurde schließlich aus Montag vertagt.

Befriedung Europas

Sir Simons Ausgabe in Berlin

* Bremen, den 3. März.

So steht also nunmehr der Besuch Sir John Simons, des britischen Staatsse­kretärs sür das Aeußere, in Berlin fest! Und festgesetzt sind die Tage, wo die in Aus­sicht genommenen hochpolitischen Bespre­chungen zwischen dem deutschen und dem englischen Außenminister stattfinden werden, jene Besprechungen, die in unmittelbarer Fortsetzung des Gesprächs von London das große Befriedungswerk Europas weiter- treiben und eine Grundlage dafür schaffen sollen, datz Deutschland in voller Gleichbe­rechtigung mit England und Frankreich, in voller Entschluß- und Bewegungsfreiheit über die Größe seiner Rüstungen sich an Friedensgewährs - Abmachungen beteiligen kann.

Es vollzieht sich der Besuch Sir Simons unseres Erachtens zeitlich — vielleicht von un­gefähr — aber bestimmt zu dem bestmög­lichst e n Zeitpunkt, d. h. zu einer Stunde, wo die Voraussetzungen eines Erfolges solcher Besprechungen am günstigsten liegen: wenige Tage nach der endgültigen Bereini­gung der Saarfrage, die bisher — nach den Worten des Führers — als die einzige Ter­ritorialfrage zwischen Frankreich und Deutschland noch offenstand und nach deren für Deutschland befriedigenden Erledigung Deutschland ohne weiteres die äußere For­mulierung des Locarno-Paktes auch innerlich anzuerkennen vermag.

Nachdem es also fortan zwischen Frankreich und Deutschland keine territoriale Streit­frage mehr gibt, erleichtert dies ohne weite­res für Frankreich wie für Deutschland ein Entgegenkommen in der Richtung, daß jede der beiden Großmächte Europas der anderen Gewähr für den gegenwärtigen Besitzstand an der gemeinsamen Grenze bietet und die gegenseitige Anerkennung als voll souve­räne, gleichberechtigte Macht aus- spricht. Einen Glückstag für Europa, so nannte der Führer in feiner Saarbrückener Rede den 1. März, und ein solcher wird es bestimmt gewesen sein, wenn — was wir Deutsche aus voller Seele hoffen und was der Führer wünscht — nunmehr durch den Akt ausgleichender Gerechtigkeit der Saar­rückgabe das deutsch-französische Verhältnis sich so bessert, daß tatsächlich nun zwei große Mächte sich die Hand reichen und in gemein­samer Arbeit den Nöten entgegentreten können, die Europa unter sich zu begraben drohen. Wer wollte zweifeln am guten Willen des jetzt nach Berlin kommenden englischen Unterhändlers, wer wollte nicht glauben, daß er das Seins tut, um in ge­meinsamer Beratung mit dem deutschen Außenminister eine gute Grundlage dafür zu finden, daß sich Deutschlands Hoffnung und des Führers Wunsch erfüllen können?

Noch wissen wir nicht, welche Vorschläge Sir Simon von uns erwartet und welche Opfer allenfalls von Deutschland zu bringen wären. Daß es Opfer sein werden, die Deutschland dem Frieden Europas zuliebe

Des Hochverrats angeklagt

Der Vrozeß gegen den österreichischen Gesandten Dr. von Rintelen

Der Bildhauer August Kraus

Ludwig Roselius macht eine Sedächtms-Äusstellung für seinen verstorbenen freund

Bei Ankäufen von Werken lebender Künstler ist es mir zur geliebten Gewohnheit geworden, den Künstler persönlich kennenzulernen. Ich ge­winne eine bessere Beziehung zu seinem Werk. Die Besichtigung seines Ateliers, seiner Studien, einer Reihe seiner Arbeiten zeigt mir die Linie, die er verfolgt. Mein Urteil über den Wert dessen, was ich zu kaufen wünsche, klärt sich.

Vor etwa 25 Jahren sah ich in der Kunsthalle eine Bronze, die auf mich so überzeugend wirkte, datz ich es nicht für nötig hielt, den Künstler vor dem Kauf kennenzulernen. Seine Bekannt­schaft machte ich kurze Zeit darauf, ohne datz ich wußte, wer er war. — In einer etwas langweili­gen Gesellschaft in Berlin stand an einer Säule ein großer blonder Mann, irgendwie paßte er nicht dahin. Seine athletische Figur, seine gesunde Gesichtsfarbe, die grau-blauen, gütig-blickenden Augen erinnerten mich an einen Deutsih-Amerika- ner, den ich mal in Texas kennengelernt hatte. Ich trat auf ihn zu: „Sie sind wohl fremd hier?" Er antwortete: „Nein, aber was soll ich hier zwischen den vielen Menschen? Ich habe im Gru- newald ein Häuschen und viele Blumen, dorthin zieht es mich."

„Sagen Ihnen auch einzelne Menschen nichts?"

Er musterte mich abwägend: „Sie haben recht mit Ihrer Frage. Einzelne Menschen, wirkliche Menschen, sind mir mehr als Blumen. Sie sind das große Wunder der Natur. — Sehen Sie die Frau dort, wie sie die Hand zum Kopfe hebt. Ich beobachte sie schon seit einer Viertelstunde."

Wir sprachen über Malerei, über deutsch-italie­nische Kunst. Wir fanden uns in dem damals noch umgehenden Meinungsstreit für Hans von Maröes.

Schließlich drückten wir uns auf französisch und dann — ein langer Weg, ein geheimnisvoller

Garten im Mondeslicht, ein verzaubertes Häuschen. Die Schlüssel klirren — Sesam, öffne dich!

Was hatte ich eigentlich erwartet?

Das Haus eines Deutsch-Amerikaners, eines Professors der Kunstgeschichte, eines Ingenieurs, vielleicht sogar eines Malers? Jetzt stand ich im Atelier:

„Sie sind also Bildhauer?"

„Ich heiße August Kraus."

„Da habe ich ja in Bremen eine Bronze von Ihnen erworben!"

„Das Original können Sie morgen sehen. Jetzt schläft der kleine Kerl."

Später bin ich dann auch in den Erunewald gezogen. Wir hielten gute Nachbarschaft.

Nun kam der Krieg. Wir, seine Freunde von Kluck, Graf Reventlow und ich, mußten ihm sitzen. Er wollte die Schädel haben. Und nach dem Kriege?

Nach dem Kriege mußte ich nach Vremen zu­rück, auch von vorne anfangen. Meine Leute kamen aus dem Felde und wollten Arbeit haben. August Kraus besuchte mich. Ich nahm ihn mit in den Garten am Osterdeich:

„Du mußt ihn weihen und mir eine Brunnen figur schaffen. Dein Lochen ist jetzt 13 — schenke sie mir im Abbild, dann sind wir wieder Nach­barn." — So entstand die deutsche Eva, dem Bade entsteigend.

Ueber seinen Lebenslaus und über sein Schaf­fen werde ich ihn selbst sprechen lassen:

„Geboren wurde ich 1868 in Ruhrort a. Rh. das ich in meinem neunten Lebensjahre mit meinen Eltern verließ und nach Baden-Baden übersiedelte. Bis 1883 in Baden-Baden, dann Straßburg im Elsaß. Schon in Ruhrort beschäf-

tigte ich mich viel mit Zeichnen und auch meine ersten kindlichen bildhauerischen Versuche fallen in diese Zeit, indem ich versuchte, Ziegelsteinen die von mir gewünschte Form zu geben. In Baden- Baden Besuch des Gymnasiums, dann praktische Tätigkeit als Steinbildhauer in Baden-Baden und Straßburg. Auch der Abendbesuch einer Zeichen- und Modellierschule in Straßburg. Ab Winter 1887 begannen meine Studien auf der akademischen Hochschule für die bildenden Künste

Loldstbililai-i äer Künstlers

in Berlin. Ich wurde dank Meisterschüler von Reinhold Vegas und bald sein Mitarbeiter an seinen großen Arbeiten, Kaiser Wilhelm, Vis- marck und Siegesalleedenkmäler. Am Kaiser- Wilhelm-Denkmal stammen zwei der Löwen von mir, auch die Hälfte des Pserdes und vieles andere. In der Siegesallee habe ich für Vegas die Statue Kaiser Wilhelms I. geschaffen, nachdem Vegas mit seinem Entwurf Schiffbruch erlitten hatte. Vor meinem fünfjährigen römischen Auf­enthalt, der 1908 mit meinem Siege für den Großen Staatspreis begann und mir endlich die lange ersehnte Freiheit brachte, entstanden außer kleineren Studienarbeiten die vom Staat ange­kaufte Iiinglingsfigur in Schleswig, die Zille­statuette in der National-Galerie (Kronprinzen- Palais), das Jltisdenkmal in Shanghai, die Gruppe Heinrich das Kind in der Siegesallee. Vegleitbüste Wedigo v. Plotho (Zille) und grö­ßere Grabdenkmäler.

2n Rom begann für mich ein völlig neues Leben. Ich schuf dort die Sandalenbinderin (Kunsthalle Düsseldorf), Vacciaspieler (National- Galerie, Berlin), Sabinischer Hirte (Kunsthalle Bremen), Mutter mit Kind (Galerie Arnhold) römischer Kater, Büste meiner Frau usw. Aus meiner nachrömischen Zeit stammen die Kinder­figuren in der National-Galerie und im Städel schen Institut Frankfurt a. M. Die Haarflechten» in der.Staatsgalerie München. Liebermannbüste Krestner-Museum Hannover; kleiner« Arbeiten im Folckwangmuseum Essen. Mu;eum Duisburg Die Löwenvenkmäler in Anklam uns Treuen- brietzen, die leider wenig Menschen sahen und die von prominenten Sachverständigen sehr ge­lobt wurden. Auch der große Kinderbrunnen in Lichtenberg und der kleinere in der Wuhlheide stehen sehr versteckt. In Saarbrücken schuf ich das Dragonerdenkmal, in Mannheim das Hein­rich-Land-Denkmal und die Mausoleen von Lanz und Engelhorn. Neuerdings den Brunnen auf dem Savigny-Platz, von dem aber einstweilen aus Geldmangel nur die beiden Vronzegruppen

(Knaben mit Ziegen) ohne Brunnen aufgestellt wurden.

Der Wasserballspieler ist eine von zwei Figu­ren, die ich für das Stadtbad in der Garten- straße Berlin geschaffen habe. Das Motiv lag nahe, andere hätten vielleicht Neptun und Nixe gewählt. Mir lag das fern, da ich immer nur aus dem mich umgebenden Leben geschöpft habe, der gegebene Raum verlangte schlanke, aufrechte Figuren. Ich war selbst mein ganzes Leben leidenschaftlicher Sportsmann und habe mich be­sonders viel im Wasser herumgetrieben. In Rom hatt« ich eine kleine Wasserriege gegründet, die nur aus vier bis fünf Mann bestand und der auch mit Eifer gelehrt wurde, halte ich für einen haben mit Begeisterung Sommer und Winter täglich im Tiber gebadet und gesprungen. Das erregte in Rom ein gewisses Aufsehen, so daß die Kunde davon auch in Berliner Zeitungen drang.

Zu dem Wasserballspieler habe ich mir nicht etwa ein schönes lebendes Modell genommen und dieses in Ton abkonterfeit. Diesen Weg, der mir auch mit Eifer belehrt wurde, halte ich für einen Irrweg. Die Figur ist zunächst in Größe und Form durch die gegebenen Linien und Maße des für die Aufstellung bestimmten Raumes konstru­iert worden und das Weitere dann durch das, was ich von meiner Wasssrsportumgebung in mich aufgenommen hatte. Wenn ich zu bestimmen häsie, würde ich an den Akademien die Modelle abschaffen, damit die Schüler erst mal schöpferisch gestalten lernen." —

Das neue Deutschland Adolf Hitlers erkannte die großen Verdienste dieses schlichten, großen Mannes und dieses bedeutenden deutschen Bild­hauers voll und ganz an. Er wurde Mitglied und Senator der Preußischen Akademie der Künste, Berlin, stellvertretender Präsident der Preußischen Akademie der Künste, Präsidialrat der Reichskulturkammer, Vizepräsident der Reichs­kammer der bildenden Künste.

Niemals verdiente ein besserer Mann diese Ehrungen.