Ausgabe 
(27.10.1934) Nr. 297
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Nr. 297 / 4. Vierteljahr

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Sonnabend, 27. Oktober

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Dlmitroff arbeitet auf dem Balkan

Sensationelle Enthüllungen über Zusammenarbeit kroatischer Emigranten mit den Komintern

(Eigener Leriekt 6er

8.1V. Vor einigen Tagen hatte unser Ber- liner Vertreter Gelegenheit, mit Frau Dr. Sizza Karaiskakis, der Thefkorrespondentin einer Anzahl bedeutender griechischer Tageszeitungen, über die politischen Verhältnisse auf dem Balkan zu sprechen, für die Frau Dr. Karaiskakis gewisser­maßen Spezialistin ist.

Die Journalistin beleuchtete zuerst die Person des „gewissen Herrn Doktor Pavelitsch", der bekanntlich kürzlich in Turin verhaftet worden ist und über den so gut wie gar nichts bekannt geworden ist. Man erfährt, daß es sich bei dem Fünfundsechzigjährigen um den fanatischen und skrupellosen Agitator handelt, der schon vor drei Jahrzehnten ein unabhängiges Kroatien propa­gierte, zu einer Zeit, als er als österreichischer Abgeordneter den Gedanken vertrat, Kroatien, Slowenien, Dalmatien, Bosnien und die Herzego­wina seien zu einem Königreich Kroatien zu ver­einen und müßten in dieser Form neben Oester­reich und Ungarn das dritte Stück der Doppel- monarchie bilden.

Nach dem Zusammenbrach Oesterreichs war Dr. Pavelitsch Vizepräsident des kroatischen National- rates und verlangte bei der Gründung Süd- slawiens leidenschaftlich gleiche Rechte für fein Volk. Als er seine Hoffnungen getäuscht sah, in­szenierte er im Jahre 1929 den Kroatenputsch und wurde nach dessen Zusammenbrach Terrorist reinsten Wassers. Sein Weg ist mit politischen Morden gepflastert, die auf das Konto seiner Organisation, der „Ustascha" kommt.

Ueberall hatt« er nebst seinen engsten Mit­arbeitern die Hand im Spiele, wo in Südost­europa Unruhe gestiftet wurde, wo Eisenbahn- attentate, Bombenanschläge, geheimnisvolle Ver­brechen sich ereigneten. Frau Dr. Karaiskakis verfolgt das Treiben der Terroristen bis nach Janka Pußta m Ungarn, wo sie ihre Zentrale, ihr Ausbildungslager besaßen. In Wien befand sich die Vombenfabrik der Verschwörer, von Italien aus wurden die großen Aktionen geleitet.

Die Journalistin schilderte sodann die Fäden, die bereits vor dem Kriege zwischen Trotzli und

An ÄtaNen unmöglich!

Von xwssrsw röwisodon M.-LIitardsitsr Rom, 25. Oktober.

Bekanntlich haben die in Belgrad vor einigen Tagen in einet außergewöhnlichen Sitzung ver­sammelten drei Außenminister der Kiemen Entente Beschlüsse gefaßt, die darauf hinaus­liefen. daß alle Staaten ohne Ausnahme an der restlosen Aufklärung aller dunklen Hintergründe des Anschlags von Marseille Mitwirken und Maßnahmen ergreifen sollen, daß . für die Zukunft derartige Attentate unmöglich gemacht weroen.

Darauf hat nun die italienische Preffe die Ant­wort gegeben. Hinsichtlich der Beteiligung an Ausklärung des Mordplanes will Italien durch die Festnahme der von Paris namhaft gemachten Mitschuldigen Pavelitsch und Kwatermk m Turm bereits diesem Wunsche genügt haben. Was ledoch die Auslieferung an Frankreich betrifft, so könne von einer solchen erst die Rede sein. wenn das Turiner Appellationsgericht nach italienischer Rechtsauffassung die Angeklagten für schuldig er­klärt. Es scheint aber, daß die beiden Verdäch­tigen keinen Grund zur Beunruhigung zu haben brauchen, da Italien sich sogar geweigert hat, sie von einem eigens hierher gekommenen franzö­sischen Justizbeamten verhören zu lassen.

Im übrigen verhehlt man hier nicht, daß in Italien solche Anschläge der Geschichte angehören, weil der italienische Polizeiapparat über em sehr engmaschiges Netz verfügt, durch das niemand durchkommt. Als kürzlich Mussolini anläßlich seines Mailänder Besuches seine bekannte große Rede hielt, hat man alle im Lande verfügbaren Polizeileute nach Mailand beordert. Wenn man den hartnäckigen Gerüchten Glauben schenken darf/ sollen etwa 15 000 verkleidete Polizisten unter den Zuschauern gewesen sein- Aehnlich ist es auch bei der Eröffnung der Leoantemesse m Bari gewesen. Dort hat man wahre Schützlinge in mehrfacher Stasselung um den Duce gebildet obwohl der Zutritt zum Messegelände wahrend dieser Zeit unter strengster Kontrolle stand.

Lfsmer Leitung")

Lunatscharski einerseits und der kroatischen Geheimorganisation andererseits bestan­den, und wies nach, daß auch heute die Kommu­nistische Internationale in engster Verbindung mit den Terroristen steht. Von besonderem Interesse ist der Beweis dasür, daß sich auch der aus dem Reichstagsbrand-Prozeß bekannte Dimitross mit zäher Energie hinter die gärenden Minder-

heitenbestrebungen gesteckt hat und daß er Mit­glied der JMRO., der Parallelorganisation zur ^Ustascha, geworden ist.

Terroristische Handlungen, Attentate, Morde müssen das Ziel sein, denn sie lähmen schließlich den jugoslawischen Staat und erlauben, unsere Brüder vom südslawischen Joch zu befreien," so lautet einer der Leitpunkte in dem Ueberein- kommen der Pavelitsch-Terroristen der „Ustascha" und mit den „JMRO."-Leuten Mihailoffs. Und

die Kommunistische Internationale stellte gleich­zeitig den Grundsatz aus: „Die Arbeiter, werk­tätigen Bauern und unterdrückten Nationen (Mazedonier, Kroaten usw.) sammeln immer mehr ihre Kräfte und verstärken ihren Kampf unter der Führung der Kommunistischen Partei. Wir haben nicht das Recht zuzusehen, wie unsere Brüder in Jugoslawien hingeschlachtet werden."

Soweit Dr. Sizza Karaiskakis. An der Stich­haltigkeit ihres Materials ist nicht zu zweifeln.

Bremische Regierung im Parteihaus

Kreisleiter Blanke und Bürgermeister Heiöer betonen den Willen zur Zusammenarbeit

S.-8. Bremen, 26. Oktober.

Am gestrigen Freitag fand im Parteihaus des Kreises Bremen der NSDAP. eine Zusammen­kunft statt, zu der zum ersten Male Senat, Kreis­amtsleiter und Kreisinspekteure, Vertreter der SA., SS., H2., sowie die Präsidenten der bremi­schen Kammern erschienen waren. So wurde auch hier rein äußerlich zum Ausdruck gebracht, daß der Wunsch unseres Bürgermeisters Pg. Heider, daß sämtliche Gliederungen der Partei mit der bremischen Regierung aufs engste zusammen­arbeiten möchten, in die Tat umgewandelt wurde.

Kreisleiter Pg. Blanke nahm als erster Redner das Wort und führte etwa folgendes aus:

„Seit etwa einem Jahr hat die Bewegung mit all ihren Gliederungen mit Besorgnis einer Ent­wicklung in Bremen zugesehen, die nicht auf die Dauer tragbar war. Durch die Führung unserer Regierung wurde hier ein Kurs angeschlagen, der an den Zielen vorbeiging, die uns der Führer gesetzt hat. Die Folgen zeig­ten sich in verschiedenen kleineren Zwischenfällen und namentlich in dem Ausfall des Volksent­scheids.

Alle Mahnungen Wurden in den Wind ge­schlagen, weil man vergaß, daß man an sührender Stellung im Staate genau so wie in der Be­wegung nicht für seine Person arbeitet, sondern für den Staat.

Es wurde u. a. eine Mahnung ganz außer Acht gelassen, die ich kurz vor dem Volksent­scheid zum Ausdruck brachte. Diese Mahnung war sehr deutlich. Die Streitigkeiten hier in Bremen führten dazu, daß der Staat und Partei nicht mehr zusammenarbeiten konnten.

Es gibt hier in Bremen immer noch einige fanatische Rote, immer noch eine Gruppe liberaler vom Freimaurertum an­gekränkelter Männer, die vergessen haben, daß Deutschland vor zwei Jahren noch 8 Millionen Arbeitslose besaß und daß wir in Deutschland zwei Millionen Kommunisten zählten. Wer unsere Weltanschauung angreifen will, der läuft gegen Granit an. Den Umschwung, den wir hier erleben, charakterisiert die Tatsache, daß wir hier in unseren Räumen die gesamte bremische Regierung begrüßen können. Weiter sind unsere Kreisamtsleiter und Kreisinspekteure, Vertreter der SA., SS. und HJ. sowie die Präsidenten der bremischen Kammern erschienen. Es wird hier ein­deutig veranschaulicht, daß jetzt alle Stellen der Partei und der Regierung eines Willens sind, mit aller Kraft für unsere Bewegung zu

arbeiten. Diese Zusammenarbeit ist jetzt unbe­dingt notwendig. Deshalb haben der Bürger­meister und ich uns auch gestern die Hände ge­reicht, um zu dokumentieren, daß das Neben- einanderarbeiten jetzt endlich auf­gehört hat. Alle 11 Tage werden wir eine Aussprache haben. Als ehrliche Kämpfer Adolf Hitlers werden wir rücksichtslos Kritik üben. Eins muß man hier in Vremen endlich begreifen.

Wenn hier Kreise, oie am Außenhandel in­teressiert sind, durch die Ungunst der Verhältnisse Schaden erlitten haben, so müssen sie genau so hinter dem Führer stehen, wie der arbeitslose Arbeiter.

Bremen ist gewiß eine Seehandelsstadt von besondere Bedeutung, man muß aber auch be­

Weser-lag In Kassel

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greifen und verstehen, daß Bremen immer­hin nur ein kleines Stück Deutsch­lands i st. Die Arbeit unserer politischen Leiter wurde zunichte gemacht durch das Nebeneinander- arbeiten. Kreisleiter Pg. Blanke schloß mit dem Wunsche, daß jetzt endlich in gedeihlicher Zusam­menarbeit mit Partei und Staat die Geschicke Bremens gelenkt werden.

Bürgermeister Pg. Heider ergriff dann das Wort und führte etwa folgendes aus: „Wie der Kreisleiter sagte, ist es erforderlich, daß alle Gliederungen unserer Bewegung eisern zusam­menstehen, denn genau wie früher haben wir noch Gegner zu bekämpfen. Es ist heute die Ge­fahr sogar noch größer als in der Kampfzeit. In der Kampfzeit haben wir unsere Gegner gekannt und gesehen. Heute sitzen sie vielleicht unter uns und wir kennen sie nicht mehr. Jeder, der unsere Arbeit in der Bewegung stört, ist unser schärfster Gögner. Wehe dem, der Zwietracht säen will zwischen den einzelnen Gliederungen der Partei. Die Zeit des Kampfes mit offenen Waffen ist vorbei. Wir müssen uns heute nur noch gegen Verleumdungen schützen. Als ich nach Vremen kam, zählte die Partei 66 Mitglieder und nach den Soptemberwahlen 206. Und trotzdem haben diese 200 die Straße beherrscht, weil sie zu-

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sammenhielten. Was damals möglich war, das muß auch heute möglich sein.

Denken Sie an die Kameraden, die ihr Leben Hingaben. Noch vor nicht langer Zeit mußten wir unsere Kameraden Eossel und Decker zu Grabe tragen. Heute versucht man, uns nicht mehr mit Dolchen niederzumachen, heute will man uns die Ehre abschneiden. Wir gehören zusammen und keine Macht der Welt darf uns auseinander bringen. Wenn wir auch verschiedene Aemter haben, unser Ziel muß immer dasselbe sein. Wenn eine Organisation etwas für sich extra unterneh­men will, ist sie nicht mehr in der Lage, für Deutschland zu kämpfen. Denken Sie daran, daß jeder einzelne verloren ist, wenn wir nicht zusammenhalten. Wir haben den fe­sten Willen, mit allen Organisationen zusammen­zuarbeiten und zu schaffen. Wir wollen nicht, daß die Opfer unserer gefallenen Kameraden umsonst gewesen sind.

Wir mLssen eisern zusammenstehen. Wenn Sie irgendwelche Gerüchte hören, so glauben Sie nicht alles, prüfen Sie dieses Gerücht genau nach, und lassen Sie den Beschuldigten auch zu Worte kom­men. Wir müssen eine Atmosphäre des Ver­trauens schaffen. Wir haben in Bremen schon große Krisen überwunden und können ein offenes Wort vertragen.

Das ganze Volk trügt schwer an der politischen Erbschaft der letzten 100 Jahre. Wir haben die Aufgabe, die schweren Lasten wieder zu beseitigen. Wir machen heute Geschichte, die Geschichte unseres Volkes. Wir haben eine ungeheure Verantwor­tung gegenüber der Geschichte unseres Volkes. Unsere eigene Kritik, die wir an unser Handeln legen müssen, ist die Kritik unserer Kinder. Wir wollen weiter kämpfen, damit unsere Nach­kommen auf freiem deutschen Boden leben können.

Ich habe die feste Absicht, hier in Vremen die Atmosphäre zu reinigen. Die bremische Regierung muß das Vertrauen der Bevölkerung besitzen und sie kann es haben, denn hier sitzen alte National­sozialisten.

Die Zukunft unseres Volkes hängt unbedingt davon ab, daß jeder an seinem Posten seine Pflicht bis zum letzten erfüllt. Ich bitte Sie um ihre Hilfe. Lassen- Sie uns zusammenarbeiten und kämpfen, dann erfüllen wir den Willen unseres Führers."

Anschließend fand noch eine Aussprache statt. Die Zusammenkunft wurde mit einem Sieg-Heil aus unseren Führer geschlossen.

HrcuttA Mc Art

„Der Deutsche mochte seine Dichtung, seine hohe Philosophie und seine große Musik, während die großen Völker des Abendlandes die Erde unter sich austeilten".

(Ernst Krieck)

klü. So hätte also der Deutsche über­haupt nicht dichten, nicht philosophieren und nicht musizieren, sondern alle seine Kräfte bei der Aufteilung der Welt einsetzen sollen? Das Wort des verdienstvollen Staats­philosophen, das wir unseren Ausführungen voranstellen, könnte zu dieser Frage verlei­ten. Die Wandlung, diederBegriffdes Idealismus seit dem Sieg der national­sozialistischen Bewegung durchgemacht hat, läßt jedoch eine so einfache Sinndeutung der „Kritik an der deutschen Geistigkeit" nicht zu. Wir stehen vielmehr vor einer Gewissens­entscheidung, die eine umfassende, vorur­teilsfreie Prüfung unserer weltanschaulichen Grundhaltung voraussetzt. Wir sind, wollen wir nicht in Halbheiten zurückverfallen, auch hier gezwungen, den Dingen auf den Grund zu gehen. Bei diesem Streben nach restloser Klarheit gibt eine kürzlich unter dem Titel „Wissenschaft, Weltanschauung, Hochschul­reform" (im Armanenverlag, Leipzig) her­ausgegebene Sammlung grundlegender Auf­sätze und Vortrüge Ernst Kriecks wertvolle Fingerzeige.

Die Weltanschauung der letzten Jahr­hunderte, die vom Nationalsozialismus zer­trümmert wurde, fußte auf dem Grundsatz der (angeblich) unbeschränkten „Selbstherr­schaft des Verstandes", bewegte sich im ab­strakten „Reich des humanen Geistes" und mündete in ebenso abstrakten „reinen Er­kenntnissen an sich". Jenseits der harten Wirklichkeit, im Reich unbeschwerter Ideen und weltentrückter Vernunftssysteme glaubte der zwischen Sinnenglück und Seelenfrieden schwankende deutsche Mensch nach vergeb­lichem Kampf mit den Mächten des Schick­sals doch noch den wahren Inhalt des Da­seins zu finden. Die ganze Menschheit sollte aus dem Hege der Gewinnung absoluter Er­kenntnisse im Sinne der kritischen Philoso­phie Kants nach und nach in den „Zu­stand reiner Rationalität" versetzt werden. Ernst Krieck betont diese Tatsache mit folgenden Worten: „Die Welt mit allen ihren Hintergründen und Tiefen sollte der Bemeisterung durch den rationalen Begriff, durch Berechenbarkeit, Konstruierbarkeit und Technik unterworfen werden". Neben anderem übersah man hierbei — welch Denkfehler im Zeitalter des Denkens! — daß „Menschheit" und „Welt" im Bereich jener entlarvten Wissenschaftsideologie selbst nur blutleere, abstrakte Gebilde sein konn­ten.

Betätigung der Vernunft wurde, was die Systeme der Geisteswissenschaften betrifft, zum Selbstzweck. Die „Welt"-Anschauungen hatten keine Beziehungen mehr zur völkischen Lebensganzheit der Wirklichkeit. Die Niederlegungder Erkenntnisse erfolgte nicht zur „Förderung der Substanzwerte unseres Volkes". (Dr. Frank). Sie erfolgte zur Vermehrung einer Zweifelhaften, Zeit und Raum entrückten Ideensammlung. Die menschlichen Geistes­kräfte arbeiteten, soweit sie nicht vor den Wagen des materiellen Eigennutzes gespannt waren, gewissermaßen im luftleeren Raum. Dieser Verirrung der Vernunft machte (ge­nauer: macht) der Nationalsozialismus ein Ende. Er ordnet die „Herrin Ratio", wie es Ernst Krieck in dem genannten Werk aus­führlich darlegt, wieder organisch in den Dienst am völkischen Lebensganzen und sei­ner geschichtsbildenden Gesamtausgabe ein. Aus der Herrscherin wird wieder eine Dienerin. Das Werk aber, dem sich die Ver­nunft unterzuordnen, an dem sie mitzuarbei­ten hat, ist die von den Wirklichkeiten Blut und Boden getragene Volksge­meinschaft. Daß die Vernunft hierbei ihre

Freundschaftliche Verbundenheit

Zur Errichtung der Botschaften in Warschau und Berlin

(vraktböriobt unserer llsrliusr SekrMsituuA)

11. IV. Berlin, 26. Oktober.

In Berliner politischen Kreisen beurteilt man die Errichtung der^ Botschaften in Berlin und Warschau als eine starke Unterstreichung der von den beiden Regierungen gewollten Politik der Verständigung und Zusammenarbeit. Man erin­nert an den grundsätzlichen Unterschied im Cha­rakter dieser beiden Vertretungsarten. Während ein Gesandter nur seine Regierung vertritt, ist der Botschafter persönlich Repräsentant des Staatsoberhauptes. Diese, seine Vorrechte, sind für die praktische Arbeit von hohem Nutzen.

Deutschland unterhält insgesamt bislang zehn Botschaften, in London amtiert Herr v. Hoesch, in Paris Dr. Köster, in Rom Herr v. Kassel, beim Heiligen Stuhl Dr. v. Bergen; die Vertretung in Moskau obliegt dem Grafen v. d. Schulenburg,

die in Ankara Dr. v. Rosenberg, während in Wa­shington Dr. Luther, in Tokio Herr v. Dirksen und in Madrid Graf v. Welczek ihres Amtes walten. Zu diesen gesellt sich nun als zehnter Botschafter Herr v. Moltke in Warschau.

In politischen Kreisen der Reichshauptstadt wird darauf hingewiesen, daß sich der deutsche Bot­schafter in Warschau aus einem besonders wichtigen politischen Posten befindet. Das aufstrebende Polen ist zu einem Faktor geworden, mit dem in Fällen internationaler Krisen gerechnet werden muß. In allen osteuropäischen Fragen kommt Warschau eine maßgebliche Rolle zu. Die polniiche Hauptstadt wird mehr und mehr zum Ziele aus­ländischer Staatsbesuche. Die konsequente Durch­führung der deutsch-polnischen Politik ist ein wesentlicher Faktor des europäischen Friedens, zu­mal dadurch gleichzeitig das Sehnen der beiden Völker nach gemeinsamem Aufbau erfüllt wird-