i
?>!>.
uz»,
«in
>>«l
d"
.81,
?^!II
>°ch,
MUtz
h K, «rik Äi
^ iit
nd«,
»>«>!
Ev»!
^!-
-kittd
>ei:
mdi
eudsi
kuch,
>« di,
»U
nti»t
s.
-?»
isch
amsf
0W
uM'
d«>i
«W
, K>
eim«
MIg!>
Au
i>
>MlI. >bigu A »
mj
sack
A.L
l»!
dck
ra«
An>
Au
stl
A«
W
«ich
li reiner
klas amtliche Organ Ses Senais
RM. 2.30 einschlieklick, 30 ' Rvl. ^...^ __
8?
RM. 2,30 einschließlich Uebe^e^sungsgebüh^äussM ^ustellungSgebühr; durch dir -yost
ten, - Postscheck Hamburg 172 72 - Bettiebss^ .?°r BAugspreis ist im voraus zu entrich.
NS.-GauverlagWeser-EmsE m b « kernen Anspruch au, Erstattung oder Ersatz,
u,. m. v. -., Zweigniederlassung Bremen, Eeeren 8-8 / Fernruf: Roland 823.
Nr. 293 / 4 . Vierteljahr
reitung
öer Freien Hansestadt vremen
Anzcigen-Grundpreise: Die 22-mm-Zelle im Anzeigenteil 12 Rps., die tO.mm-geile im Tertteil 7b Rps. Ermäßigte Grundpreise (für kleine Anzeigen, Familienan,eigen u. a.> sowie sonstige Bedingungen laut Preisliste t. (Nachlaßstassel 0., Für Anzeigen durch Fernsprecher keine Gewähr. Annahmeschluß 18 Uhr. Sprechzeit des Verlages werktäglich von 12—13 Uhr, der Schriftleitung werktäglich von 16—17 Uhr.
19 3 4
Dienstag, 23. Oktober
Einzeipreis Rpf.
Wie die spanischen Marxisten wüteten
„Da werden Weiber zu Hyänen . "
Die Greueltaten der Aufruhrbanden in Asturien
Kamps um die Flotten
(Orsbtbsriobt nvssi-si- Ssrlinsr 8ollrittlsiimvg)
H. Berlin, 22, Oktober.
In politischen Kreisen Berlins wird ein Interview ausgiebig besprochen, das ein Mitglied der japanischen, Delegation bei den Flottenvorbespre- chungen in London gegeben hat. Aus diesen Erklärungen geht hervor, daß Japan entschlossen ist, das Flottenabkommen von Washington ohne Berücksichtigung des Verhandlungsverlaufes und des Ausganges der Besprechungen in London zu kündigen.
Japan stellt nach der Auslassung des Delegierten die These auf, daß es vor allem sich Recht auf Sicherheit im Fernen Osten zu wahren habe. Es müsse daher ein ganz neuer Flottenvertrag geschaffen werden, auch, „wenn die Londoner Besprechung im besten Einvernehmen verlaufen sollte."
Man gibt in eingeweihten politischen Berliner Kreisen der Meinung Ausdruck, daß diese Darstellung der Unterredung vielleicht doch allzusehr vom englischen Standpunkt aus gesehen ist. Das gleiche Merkmal tragen englische Pressestimmen, die sich außerordentlich pessimistisch auslasten. Sehr bezeichnend ist in diesem Zusammenhang, daß die englischen Sachverständigen neuerdings wieder das Panzerschiff „Deutschland" als einen völlig neuen Faktor in den Berechnungen von Flottenstärken bezeichnen. Dieses Schiff habe die Möglichkeit, mit seinen 23-Zen- timeter-Eeschützen jeden Kreuzer zu vertreiben; die englische Flotte besäße im ganzen einschließlich ihrer Schlachtschiffe nur drei Schiffe, die als dem „Deutschland"-Typ überlegen angesehen werden könnten — eine Darstellung, die zu oberflächlich ist, als daß ihre Tendenz nicht eindeutig zu erkennen wäre. Man lehnt es hier ab, zu diesem Hin und Her der Meinungen Stellung zu nehmen und vertritt die Ansicht, daß in den Vorbesprechungen zuerst einmal ein lleberblick über die Forderungen der grdßen Seemächte geschaffen werden muß, bevor Deutschland sich äußern kann.
Australien-Flug fordert zwei Tote
London, 22. Oktober.
Während der Australienflug bisher, abgesehen von kleineren Schwierigkeiten, ohne Unfall verlausen ist, hat sich nun ein schwerer Ungliicksfall, der zwei Menschenleben forderte, ereignet. Ein englisches Flugzeug mit den Insassen Gilman und Vaines stürzte am Montagsriih in der Nähe von Palazzo Sän Gervasio (Provinz Potenz«) in Süditalien ab und ging in Flammen aus. Die beiden Insassen, die sich auf dem Fluge von Rom nach Athen befanden, kamen ums Leben.
Die „Deutschland" in Edinburgh
London, 22. Oktober.
Hunderte von Einwohnern Edinburghs besuchten am Sonntag, das im Firth of Forth liegende Panzerschiff „Deutschland", das mehrere Stunden zur Besichtigung freigegeben war. Bei heftigem Winde herrschte hoher Seegang, und die Wellen schaukelten die Pinassen, in denen die Besucher den Meeresarm überquerten, tüchtig hin und her. Trotzdem war der Andrang so groß, daß die Boote noch nach Eintritt der Dunkelheit hin- und herfahren mutzten. Die „Deutschland" tritt jetzt die Heimreise nach Wilhelmshaven an.
Madrid, 22. Oktober.
In Madrid trafen 20 Waisenkinder von Polizeibeamtenfamilien aus Asturien ein. Die Kinder, deren Väter bei der Ausübung ihrer Pflicht von den marxistischen Horden ermordet worden sind und die ihre Mütter zum Teil auf dieselbe Weise verloren haben, sind zum Teil blind, zum Teil am Erblinden. Die Madrider Zeitung „ABC" spricht im Anschluß an die Mitteilung die Vermutung aus, daß die marxistischen Barbaren sich vielleicht nur darum an diesen Unschuldigen vergangen Hütten, um ihnen den Anblick der Schrecknisse der Revolution zu ersparen. 2n der Madrider Presse werden die Bewohner der Hauptstadt aufgefordert, diesen unglücklichen Opfern der marxistischen Revolution eine neue Heimat zu geben.
Aus Asturien nach Madrid gekommene Flüchtlinge erzählen bezeichnende Einzelheiten über die Tage der roten Herrschaft iw und um
Turin, 22. Oktober.
Die wegen ihrer Teilnahme an dem Marseille! Anschlag in Turin verhafteten Pawelitsch und Kwaternik sind von der Turiner Polizeibehörde einem ersten Verhör unterzogen worden. Hierbei erklärte Pawelitsch, daß er mit dem Marseille! Anschlag nicht das geringste zu tun habe, und daß er sich die gegen ihn erhobene Beschuldigung aus der Kenntnis der Methoden der serbischen Polizei erkläre, die hoffe, ihn in eine Angelegenheit zu verwickeln, um seiner auf jeden Fall habhaft zu werden. Pawelitsch belastete im weiteren Verhör niemand und betonte, wenn einer von denen, die in Frankreich festgenommen worden seien, das Gegenteil behauptet hätte, dann lüge er.
In einem zweiten Verhör sagte Pawelitsch, daß er sich am 30. September 1934 nicht in Marseille aufgehalten habe und daß er diese Stadt überhaupt nicht kenne. Er habe sich ein einziges Mal in seinem Leben nach Frankreich begeben, und zwar im Jahre 1927, als er an einem internationalen Kongreß als Vertreter des Komitats Agram teilgenommen habe. lieber seinen Aufenthaltsort befragt, erklärte Pawelitsch, daß er sich in den letzten Wochen nacheinander in Turin, Mailand und Vrescia aufgehalten habe.
Der zweite Verhaftete Kwaternik gab bei seinem ersten Verhör an, im Komitat Agram im Jahre 1910 geboren zu sein. Die gegen ihn erhobenen Beschuldigungen weise er mit Abscheu zurück. Bereits einmal habe ihn die serbische Polizei ungerecht verhaftet, was zum Vorwand
Oviedo. Von verschiedenen Seiten wird bestätigt, daß in den Reihen der Aufständischen Kinder im Alter von 12 und 14 Jahren mit Schußwaffen gekämpft haben. Unter den Anführern der roten Horden befand sich u. a. eine etwa 25jährige Frau, die, bekleidet mit einer roten Bluse, Gamaschen und Ledermantel, mit der Pistole in der Hand auf der Straße Befehle austeilte. Viele Aufständische trugen Lederzeug, das sie den ermordeten Polizisten abgenommen hatten. Als gefangengenommene Einwohner unter Bedeckung bewaffneter Aufständischer abtransportiert werden sollten, durchbrachen einige Frauen mit Messern in der Hand die Sperrkette und stürzten sich mit dem Ruf „Tötet die Faschisten" auf die wehrlosen Gefangenen. Nur mit Mühe konnte der Führer des Transportes die Rasenden von ihrem Vorhaben abbringen.
Eine der Hauptsorgen der Aufständischen war zunächst die „Eroberung" der Lebensmittel
für eine ganze Reihe von Verfolgungen gegen seine Familie gedient habe. Kwaternik weigerte sich, den Namen dessen, der ihm den Aufenthaltsort von Pawelitsch mitteilte, anzugeben und verwahrte sich gegen die Beschuldigungen, als Abgesandter von Pawelitsch aufgetreten zu sein. Er erklärte schließlich, keine einzige der in Frankreich im Gefängnis befindlichen Personen zu kennen; auch habe er niemals den Namen Krämer geführt. In einem zweiten Verhör bestätigte Kwaternik seine ersten Erklärungen und bestritt, jemals in Frankreich gewesen zu sein. Er habe die letzten Wochen Lei einem ihm befreundeten Studenten in Padua zugebracht, besten Namen er jedoch nicht nennen wollte.
Belgrad, 22. Oktober.
Die „Prawda" veröffentlicht eine ausführliche Beschreibung des Lagers der südslawischen ..Aufständischen" in Vorgotaro in Italien und ruft ihren Lesern den ersten Versuch in Erinnerung, König Alexander im Dezember des Vorjahres zu ermorden. Das Blatt führt darüber u. a. aus: Die verbrecherische Tätigkeit der „Aufständischen- organisation" llstascha, deren Sammelpunkt sich in Vorgotaro in Italien befindet, wurde durch
Kabinettskrise in Portugal
Lissabon, 22. Oktober.
Die Regierung Salazar, die seit dem 11. April 1933 im Amte ist, ist am Montag zurückgetreten. Ueber die Gründe des Rücktritts und die Regierungsneubildung ist noch nichts bekannt.
geschäfte. Geschäftsinhaber, die sich den Weisungen der Aufständischen widersetzten, wurden zum Teil gefangengenommen, zum Teil ermordet. Unter ständigen Drohungen waren die Geschäftsinhaber gezwungen, die Lebensmittelvorräte herauszugeben. Als Militärflieger über dem Aufstandsgebiet Flugblätter abwarfen, in denen die Aufständischen aufgefordert wurden, sich zu ergeben, gaben die „Revolutionsausschüsse" ebenfalls Flugblätter heraus, in denen der gesamten Zivilbevölkerung der Tod angedroht wurde.
In dem Prozeß im Zusammenhang mit der Aufdeckung des großen Waffenlagers im Madrider Volkshaus, dem Eewerkschaftshaus des marxistischen Arbeiterverbandes UGT., wurden Gefängnisstrafen bis zu einer Höhe von drei Jahren verhängt Von den dem Verbände angeschlossenen weit über hundert Arbeitervereinen sind 45 aufgelöst worden. Der Gesamtverband der marxistischen UET. bleibt jedoch auch weiterhin bestehen.
die Geständnisse des Täters Peter Oreb enthüllt, der im Dezember des Vorjahres König Alexander ermorden sollte.
Oreb hatte damals von Pawelitsch den Auftrag erhalten, nach Agram zu fahren, um den Anschlag durchzuführen, wofür ihm 500 000 Dinar (etwa 30 000 Mark) versprochen wurden. Oreb erhielt zwei Bomben, zwei Revolver mit 90 Schuß sowie gefälschte Pässe und Ausweise. Er machte sich mit sechs Gefährten auf die Reise und traf auch rechtzeitig in Agram ein, hatte aber beim Einzug des Königs Alexanders nicht den Mut, den Anschlag durchzuführen. Von seinen Gefährten mit Vorwürfen und Drohungen überhäuft, versprach er, den König am nächsten Tage zu töten. Inzwischen hatte aber die Agramer Polizei von seiner Anwesenheit erfahren und drang in den frühen Morgenstunden überraschend in seine Wohnung ein. Zwischen Oreb und den Polizeibeamten kam es zu einem Feuerkampf, bei dem ein Polizeibeamter getötet und ein anderer schwer verletzt wurde. Oreb selbst konnte entfliehen, wurde aber noch am gleichen Abend in der Nähe von Agram verhaftet. Der Gerichtshof zum Schutze des Staates verurteilte ihn am 19. März zum Tode. Im Laufe der Untersuchung hatte Oreb ein umfassendes Geständnis über das Lagerleben von Vorgotaro abgelegt und u. a. erzählt, daß die Zahl der dort versammelten „Aufständischen" bei seiner Abreise 400 betrug. Die Lagerinsassen seien in graue Uniform gekleidet und hätten täglich militärische Uebungen abzuhalten. Sie seien besonders im Vomben- werfen und Revoloerschießen ausgebildet worden.
Ist Ac/feckeit?
K. K4ü. Als sich 1920 die Bolfchewisten in nicht gerade freundlicher Absicht der polnischen Hauptstadt näherten, waren 20000 ungarische Reiter aus eigenem Entschluß bereit, den kämpfenden Polen zu Hilfe zu eilen. Die Präger Regierung verweigerte den Madjaren jedoch den Durchmarsch durch tschechoslowakisches Gebiet, so daß Ungarn seine in lOOOjähriger Geschichte mehrfach bezeugten freundschaftlichen Gefühle für Polen nur in Munitionslieferungen erneut zum Ausdruck bringen konnte. Es ist daher durchaus abwegig, die in vergangenen Jahrhunderten in die Erscheinung getretene ungarisch-polnische Schicksalsge- mein schüft (wie es in einigen französischen Blättern aus Anlaß der Warschauer Reise des ungarischen Ministerpräsidenten Gömbös versucht wurde) als eine nur den Geschichtsschreiber interessierende, für die Nachkriegspolitik aber völlig bedeutungslose historische Erinnerung abzutun. Eine mit der sranzosenfreundlichen Oppositionspresse Polens Hand in Hand arbeitende Pariser Zeitung geht indes bei der Beurteilung des ungarischen Staatsbesuches in Warschau so weit, von einer Kompromittierung Polens an der Seite Ungarns zu sprechen...
Wo die Ursachen für dieses Mißvergnügen Frankreichs liegen? Das „Oeuvre" glaubt, den Stier bei den Hörnern zu packen, indem es „in einem Augenblick ernster internationaler Spannung" Polen warnt, nicht diejenigen zu ermutigen, „die die mitteleuropäische Karte ändern möchten." Nun weiß zwar alle Welt, daß im außenpolitischen Programm Ungarns die Forderung nach Revision des Vertrages von Trianon an der Spitze steht; aber nur politische Nervosität und diplomatische Unsicherheit können dem Aufenthalt Gömbös' in Warschau, der als praktisches Ergebnis lediglich ein polnisch-ungarisches Kulturabkommen zeitigte, unter überraschender Hervorhebung der deutsch-polnischen Verständigung den Sinn eines sriedensstörenden Generalangriffs der Revisionspolitiker geben. Die Erklärungen, die der Budapester Kabinettschefbei seinemEmpfang in Warschau abgegeben hat, waren von dem unbedingten Willen der ungarischen Nation zur Erhaltung und Festigung des europäischen Friedens getragen; die Tatsache, daß Polen den Trianon-Vertrag nicht unterzeichnet hat und auch heute keine Garantie für die tschechische Südgrenze übernehmen will, kann aber schließlich nicht von einem auf polnischem Staatsgebiet geltenden Reiseverbot für ungarische Staatsmänner „ergänzt" werden. Graf Stephan Bethlen, der unermüdliche Verfechter der ungarischen Revisionsthesen, hat vor einiger Zeit in einem Budapester Blatt betont, die zahlreichen Zwischenstaatlichen Vereinbarungen hätten die Möglichkeit einer Revision in die weite Zukunft hinausgeschoben. Wenn trotzdem die sehr vorsichtige Annäherung Ungarns an eine ihm fchicksalsverwandte Nation bereits genügt, an der Seine und an der Moldau die Wogen der Erregung bedenklich hoch schlagen zu lassen, so ist auch dies wieder ein überzeugender Beweis für die Unzulänglichkeit und Sinnwidrigkeit des französischen „Sicherheit"-slies: Bündnis-)Systems.
pawelitsch und Kwaternik
Die Untersuchung der Marfeiller Mordtat / Ergebnisloses Verhör der Turiner Verhafteten Eine Belgrader Erinnerung an Peter Orebs Mordplan
,r
li»
lh!
«M-
>«!««
Äi
«dick
i°>;
n«
l«ld'
i«g°'
zick
„vse 8isger" irn 8ckc»usp!eliic»us
Urouttülirung «iss neuen Trauerspiels von Istrisriricft korster
Ein neues Werk von Friedrich Förster durfte von vornherein der größten Anteilnahme nicht nur in seiner Vaterstadt gewiß sein. Nicht verwunderlich, daß es daher zugleich mit Bremen an einer Reihe deutscher Bühnen, u. a. auch Leipzig und Darmstadt, uraufgeführt wurde. Denn dieser Dichter lebt nicht nur in der Gegenwart, sondern gestaltet auch aus ihr heraus seine Werke. Uns allen noch in stärkster Erinnerung sein letzter großer Wurf „Alle gegen einen — einer für alle", das wie selten ein Schauspiel den Nerv der Zeit traf und daher mit Recht inzwischen über fast alle Bühnen gegangen ist.
Sein neues Bühnenspiel ist nicht von gleichem einheitlichen Guß und hinterließ, um es vorweg zunehmen, in der bremischen Aufführung auch einen zwiespältigen Eindruck, wobei sowohl Werk wie Darstellung die Ursache zu ihren Teilen zu-
ist-
Wittekind im neunten Jahrhundert irl den Großen unterlag, so hat er heute zigsten Jahrhundert in Adolf Hitler ge- -iesem Wort aus seiner Berliner Kampf- fllgte Reichsleiter Rosenberg gerade m agen gelegentlich der Halleschen Reichs- ür deutsche Vorgeschichte die Forderung ionalsozialismus auf eine völlige Neu- und Neuschreibung unserer Geschichte - Also wieder ein Stoff, wie er gegen- her kaum gedacht werden kann, wenn n seinem „Sieger" in zehn teilweise sehr wollen Bildern den Kampf Wldukinds mit uns vorbeiziehen läßt Wieder hat er in ieuesten Werk den Nerv der Zeit da wo er am empfindlichsten ist. sie Hallesche Vorgeschichtstagung erneut hat zweifellos der Nationalsozialismus
ein Recht, deutsche Geschichte neu zu sehen, sie neu geweitet zu wissen. Es ist aber nicht angängig, daß ein Dichter trotz weitherzigster dichterischer Freiheit hinsichtlich der Verwendung oder Außerachtlassung der historischen Geschehnisse, seinen Gestalten diese unsere heutigen Erkenntnisse in den Mund legt; denn er zerstört damit zwangsläufig die innereWahrheit seiner Bühnengestalten. An dieser Stelle ist es notwendig, einmal darauf hinzuweisen,daß dieser Kampf der Sachsen gegen die stammverwandten Franken nur sehr bedingt ein Glaubenskampf war. Die Christianisierung Germaniens wäre auch ohne diese blutigen Mittel möglich gewesen und hätte sich wahrscheinlich trotzdem in derselben Zeitspanne vollzogen. Denn dieser germanische Glaube war ja längst brüchig geworden! Besaß die Ueberzeugung?- und Begeisterungskraft nicht mehr, die schließlich auch den Märtyrertod auf sich nimmt. Warum hat denn Widukind diesen Tod nicht gefunden? Oder warum hat er sich der Taufe nicht einfach entzogen durch Flucht nach dem stammverwandten Norden, wenn ihm fein Glaube unantastbar war! Einen neuen Glauben kann man weder mit Gewalt einführen noch einen alten ausrotten! Dafür dürften die Christenver- solgungen im Rom der Kaiserzeit doch Beispiel genug sein. Sie hätten doch eigentlich ausreichen ' müssen, den christlichen Gedanken schon bei seinem ersten Ausbreitungsversuch im Keim zu ersticken. Nein, was nicht mehr lebensmächtig ist, das läßt sich auch mit Gewalt nicht mehr halten, bedarf aber auch keiner Gewalt, um es zu beseitigen. Das dürfte doch der zehnjährige Kampf der nationalsozialistischen Bewegung eindeutig genug bewiesen haben! — Karl der Große hätte die Sachsenkriege auch dann geführt, wenn er Heide
gewesen wäre. Der Widerstand der Sachsen war einfach begründet in der „Opposition des germanischen Freiheitsprinzips und Selbstbestimmungsrechtes gegen das romanische Autoritätsprinzip und dessen Ilniversalde spotie!" (Scherr,Dt. Kultur- und Sittengeschichte). Und dieser Kampf erscheint nur deswegen mit Elaubensdingen verquickt, weil die aufgezwungene neue Staatsform und Religion noch ein untrennbares Ganzes bildeten.
Dieser gewaltige Stoff scheint uns in diesem Trauerspiel nicht gemeistert. Förster läßt uns und sein Werk im Zwiespalt zurück. Wollte er uns diese Auseinandersetzung zweier ebenbürtiger Gegner als Glaubenskampf oder als Kampf um die Macht, um das Herr sein zeigen? Das Stück läßt eine Entscheidung darüber vermissen und führt weder den einen noch den anderen Gedanken überzeugend zu Ende. Weder dem Zuschauer noch Widukind wird es klar, aus welchen Motiven er eigentlich seinen Kampf führt. Scheint er anfänglich noch ein Eiferer für den Näterglauben, so wird er ziemlich plötzlich darin schwankend, um schließlich den Kampf aus rein politischen Einsichten zu predigen, die allerdings erhebliche Jahrhunderte später erst möglich waren. Und diese zueifelvolle Unsicherheit nach zwanzig Jahren Kampf gegen Karl! Nein dieser Widukind ist weder ein Herr, noch Hermann, noch bezwingt er uns durch die Kraft seines Glaubens! Er tritt uns nur als eifernder Redner, ja gar als Hilfe- flehender und Bittender entgegen, statt daß er durch die Macht seiner Persönlichkeit, durch seinen unbeugsamen Willen Gefolgschaft sich erzwänge. Ihm wird ein Karl gegenübergestellt, dessen philosophische Anmerkungen über Gott, Religion und Kirche einem Friedrich dem Großen zur Ehre gereichen würden. Statt den glaubensstarken Beherrscher des Abendlandes dem glaubensschwachen, schwankenden Widukind (die eine Möglichkeit!)
entgegenzustellen, wird uns eine fast machiavel- listische Fürstengestalt gezeichnet. Zwiespalt über Zwiespalt! Wieviel stärker wäre doch Vorwurf und Wirkung gewesen, wenn dem instinktiv aus unbändigem germanischen Freiheitswillen handelnden Widukind der stammverwandte König Karl, aber als eifernder Vollstrecker einer fremdvölkischen Idee, des noch einmal wieder auflebenden iwxsriuw rowavuw, gegenübergestellt wäre. Ist denn das nicht durch Jahrtausende deutscher Geschichte die ewig-unselige Tragik bis heute gewesen: Deutsche gegen Deutsche — Blut gegen Blut! Statt dessen wird uns ein Karl gezeichnet, der, obwohl er doch erwiesenermaßen deutsche Heldenlieder, deutsches Weistum sammeln läßt, deutsche Monatsnamen einführt, am liebsten deutsch spricht, hier im Schauspiel die Germanen als verfluchte Narren, Bar- baren, Tiere beschimpft! — Dazu ermangelt dieser Bilderfolge die letzte dramatische Wucht, weil es — ob historisch oder nicht — zur zwangsläufigen Gegenüberstellung, zur Begegnung Widu- kinds mit seinem Widersacher, die man erwartet, auf der Bühne gar nicht kommt. Die unglaubhafteste Gestalt des Ganzen bleibt Witu, absolut ein pazifistischer Jdeensprößling unserer Epoche. Nein, diese kampsesfrohen Sachsen waren keine späten Bürger, die um Ruhe, um Frieden um jeden Preis in Verben feilschten, sondern sich wahrscheinlich doch nur durch gleißnerische Versprechungen auf Erhaltung ihres herrschenden Herrentums dorthin locken ließen. Beweis genug, daß der Kampf nach dieser Untat noch Jahre hindurch immer wieder aufbrandete.
Darstellung und Regie trugen leider dazu bei, diesen zwiespältigen Eindruck noch zu vertiefen. Die Regie hätte unbedingt Widukinds Pathos zu Beginn erheblich mildern müssen. Pathos ist nur dann echt, wenn der starke Glaube, die überzeugende Kraft der dahinterstehenden Persönlichkeit Hindurchleuchtet. Sonst wirkt er hohl! Eine Ueber-
steigerung im Ton ohne diesen echten Untergrund löst keine Erschütterung, sondern nur Reflexe des Unbehagens beim Zuschauer aus. — Nicht verdeutlicht wurde der Altersunterschied zwischen dem gereiften Manne Widukind und seinem Sohn Witu. Die beste Gesamtleistung des Abends blieb Hermann Menschels Widukind. Völlig fehl nach Anlage und Besetzung der viel zu aufgeregte und nervöse Karl (Georg Lttmay). Das war nicht die gewaltige Herrschergestalt Karls des Großen, der nach dem Stück 40—45 Jahre zählen muß, sondern eine Etzel- Figur, die aber nicht durch das vorliegende Buch so bedingt ist. Die vielleicht packendste Szene zwischen Karl und dem Bischof (Fritz Saalfeld), der nicht der uralte Priester war, gelangte dadurch nicht auf das Niveau, das möglich und unvorstellbar gewesen wäre. Eine ebenso unmögliche Besetzung der Pius (Ha uns Müller). Er und Widukind sollen Blutsbruder sein!? — Insgesamt wäre bei möglichem anderen Kräfte«insatz eine stärkere Eesamtwirkung erreichbar gewesen.
Bei allen übrigen Darstellern das beste Bemühen die nur schwach gezeichneten Nebenfiguren zu Charakteren zu verdeutlichen. — Die Bühnenbilder wie stets geschmackvoll. Die bildkräftige, stellenweise gesuchte Sprache des Dichters wurde nicht ganz gemeistert, so daß sie häufig abgehackt wirkte.
Aus alledsm konnte Werk die Aufführung nur ein Achtungsbeifall beschieden sein. Zugleich der Dankdes theater- und kunstfreudigen Publikums dafür, daß ihm Gelegenheit gegeben, zum Für und Wider dieses neuesten Werkes Försters. Stellung zu nehmen. Das Theater muß solche Werke bringen, soll es die Stätte geistigen Ringens und der Auseinandersetzung um die kulturellen Ziele der Nation bleiben. L, §.