Ausgabe 
(22.10.1934) Nr. 292
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Nr. 292 / 4. Vierteljahr

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Montag, 22. Oktober

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Zweimal y. November

Das Gaupresseamt München-Oberbayern der NSDAP. gibt bekannt:

Der S. November 1923 ist dazu ausersehen, für alle Zeiten in die Annalen der Geschichte einzu­gehen. Dieser Tag bedeutet in letzter Konsequenz der Ereignisse die Eeburtsstunde des neuen Deutschland. An ihm entsproß aus dem Blute der an der Feldherrnhalle gefallenen Märtyrer die Saat für die deutsche Befreiung. Für alle Zukunft soll daher die Erinnerung an das heroisch-tragische Geschehen dieses Tages lebendig erhalten bleiben.

In stolzer Trauer beugt sich auch in diesem Jahre die Hauptstadt der Bewegung mit dem übrigen Deutschland vor den ersten Blutzeugen der natio­nalsozialistischen Weltanschauung. Auch Heuer be­geht sie wieder in würdigem Rahmen - wenn auch nicht in so großen Ausmaßen, wie dies anläß­lich des zehnten Jahrestages der Fall war — das Gedenken an jene schicksalsschweren Stunden.

Die Vorarbeiten für die Feiern sind bereits in Angriff genommen.

So wird auch der 9. November 1931 beweisen, daß die erwachte Nation sich der tiefen Dankes- pflicht bewußt ist, die sie den unvergeßlichen Helden des 9. November 1923 schuldet.

Deutscher Dampfer auf See in Brand

Rio de Ianeiro, 21. Oktober.

Von dem etwa 15 VÜÜ To. großen Dampfer „Rio de Ianeiro" sind funkentelegraphische Notrufe aufgefangen worden. Danach ist am Sonntag früh auf dem Schiff Feuer ausge- brochen. Der Dampfer, der von Santos nach Hamburg unterwegs ist, befindet sich etwa 10V Meilen nördlich von Rio de Ianeiro.

Görings Belgrader Eindrücke

„Niemals in meinem Leben habe ich ähnliches gesehen"

Belgrad, 21. Oktober.

Die „Politika" veröffentlicht eine Unterredung mit dem preußischen Ministerpräsidenten General Göring, die dieser einem Mitarbeiter des Blattes vor seiner Abreise gewährte. Der Ministerpräsi­dent befaßte sich besonders mit den außerordent­lichen Eindrücken, die er in der südslawischen Hauptstadt empfangen hatte:

„Niemals in meinem Leben habe ich Aehnliches gesehen", erklärte Göring; „die Art und Weise, wie die Massen des südslawischen Volkes von ihrem König Abschied nahmen, bewegte mich auf das Tiefste. Besonders der Blick aus dem Son- derzuge, der den Leichnam des Königs nach Topola brachte, — der Blick auf die Reihen des weinende« Landvolkes — wird mir mein gan­zes Leben lang im Gedächtnis haf­ten bleiben.

Die aufrichtige Anteilnahme des Volkes ist auch die beste Gewähr für die Herrschaft des neuen jungen Königs; denn ich verstehe etwas von der Eroberung der Massen und ich weiß, was deren Begeisterung bedeutet, und vor allem eine An­teilnahme, wie sie in den letzten Tagen so ge­waltig und ergreifend zum Ausdruck kam. Ich hatte viel erwartet, aber daß das Volk so innig am Schicksal seines Herrschers Anteil nehmen werde, übertraf alle meine Erwartungen!'.

„Und was denken Sie von der südslawischen Polizei und von der Organisation während der Tage der Trauerfeierlichkeiten?", fragte nunmehr der Berichterstatter der „Politika".

„Das Beste was man denken kann", erwiderte Göring; „jeder einzelne hatte seine Pflicht bis in alle Feinheiten erfaßt, die Organi­sation und die Verteilung der Posten bis Topola machte auf mich besonderen Eindruck. Ich sah noch niemals einen so vollendeten und diszipli­nierten Polizeiapparat. Ich bin Fachmann und kann Ihnen als solcher sagen, daß Ihre Polizei ganz ausgezeichnet ist."

Ueber den Charakter des südslawischen Volkes befragt, sagte der Ministerpräsident: „Ein un­gewöhnlich ehrliches und achtbares Volk. Ich hatte bis jetzt keine Gelegenheit, es kennenzulernen, aber nunmehr bin ich von ihm begeistert. Daher habe ich mich entschlossen, schon in kurzer Zeit, vielleicht im Frühling, wieder Südslawien zu besuchen.

Dalmatien, über das ich schon soviel gehört habe, interessiert mich sehr. Seien Sie versichert, daß wir die Freundschaft Südslawiens wünschen. Es ist nicht wahr, daß sich unsere Interessen kreu­zen und' daß das Reich irgendwelche unklaren Ab­sichten am Balkan verfolgt. Das neue Deutschland kennt nur seine Interessen, und der Fall aus dem Jahre 1914, wo das deutsche Volk für andere die Kastanien aus dem Feuer holte, wird sich nie wieder ereignen."

Auf die Frag« des Berichterstatters, welche Eindrücke Göring vom südslawischen Heer habe, erwiderte der Ministerpräsident: „Ausgezeich­nete! Würdige Haltung und Disziplin und praktische Uniformen. Besonders die Gardeinfan-

Das Lustrennen nach Australien

Bisher ohne jeden schweren Anfall / Einige Ausfälle und Notlandungen

Fliegerehepaar MoMson hat Vech

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vor enAlisoüe liönig bot äsn ^.nstralionkliogern Lnrs vor äsm 8tart su äsm groben ^.ustralisn- klugs stattete äsr Ivönig von ünglanä äsm büiogsrlsgsr in Lliläsnball einen Lesneli ab, vo ibn (X) unser Lilä im Oesxräeb mit äsn üiisgsrn ssigt.

Im Wettflug London—Melbourne, der nach den letzten Meldungen des Sonnabend das be­kannte Fliegerehepaar Mollison an der Spitze sah, ist am Sonntagvormittag eine vielleicht schon entscheidende Wendung insofern eingetreten, als die Spitze nicht mehr den Mollisons gehört.

Das Ehepaar Mollison hatte gleich am ersten Tage den Zwangslandeplatz Bagdad erreicht. Es durchflog die etwa 4050 Kilometer lange Strecke von Mildenhall in 12 Stunden und 4V Minuten, legte also stündlich durch­schnittlich über 390 Kilometer zurück, eine Leistung, die ihm wohl kaum ein anderer Bewerber im Luftrennen nachmachen dürfte. Um 4.4S Uhr Greenwicher Zeit am Sonntag ist das Ehepaar Mollison als erste in Karachi gelandet. Die Maschine dürfte aber um etwa 12 Stunden zurückgeworfen werden, da einige Repara­turen am Fahrgestell vorgenommen werden müssen. Mollison war.über diesen unfreiwilligen Aufenthalt in Karachi ziemlich enttäuscht. Er erklärte, er würde jedoch erst am Montagfruy 3 Uhr starten, denn vorher habe es wegen der Dunkelheit wenig Zweck. Er hoffe jedoch, auf jeden Fall die verlorene Zeit später wieder auf­holen zu können.

In den frühen Vormittagsstunden landeten dann die Holländer Parmentier-Mo , die nach kurzem Aufenthalt bereits um 9.10 Uhr weiterflogen. Die anderen Teilnehmer, 16 aa der Zahl, da die Amerikaner Miß Eochran-snnth in Bukarest und die Australier Wood-Bennett m Aleppo aufgegeben haben, sind noch zwischen Karachi und der französischeil Küste verstreut.

Wood und Veunet hatten schon vorher in Athen verschiedene Mängel entdeckt. In Aleppo, das während des Krieges ein wichtiger Stützpunkt unserer Orientarmee war, setzten sie dann so hart aus, daß die Maschine stark beschädigt und Wood leicht verletzt wurde.

Der amerikanische Apparat „Boeing Transport" mit T« rnex und Pangbournan Bord sowie zwei britische Maschinen verließe» am Sonntag­morgen Bagdad. Die beiden Engländer Scott und Campbell haben Alahbad um 10.19 Uhr ver­lassen und liegen jetzt an der Spitze.

Der englische Pilot Shaw hat nach London ein Telegramm gesandt, in dem er mitteilt, daß er an der spanischen Küste, etwa 40 Meilen nord­östlich von Barcelona eine Notlandung habe vornehmen müssen.

Derbisherige Stand öks Rennens

In dem Lustrennen London—Melbourne haben am Sonntag folgende Maschinen die sieben ersten Stellen inne: Die britische von Scott gesteuerte Maschine, die Allahabad um 10,19 Uhr Kreenw. Zeit verließ, der holländische Apparat „Doug­las" der mit Parmentier an Bord in Karachi um 9,10 Uhr startete, das holländische Flugzeug Pander" geführt von Asjes, das Karachi um 10,30 Uhr verließ, die amerikanische Maschine Boeing Transport", die mit Turner am Steuer um 12,55 Uhr in Karachi aufstieg, das von Jones geführte Flugzeug, das Bagdad um 12,24 Uhr verließ, die Neuseeländer Maschine „Miles Hawk",

die mit Mac Gregor an Bord Aleppo um 11,45 Uhr verließ und das Ehepaar Mollison, das um 13 Uhr in Karachi startete. Um 14 Uhr jedoch kehrte das Flugzeug des Ehepaares Mollison nach Karachi zurück.

Der erste Tag

Schon auf dem ersten Teil des langen Weges von London nach Bagdad erhielten die gestar­teten zwanzig Bewerber in dem bisher einzig­artigen Flugzeugrennen von England nach Australien einen Vorgeschmack von den zu über­windenden Schwierigkeiten. Die Amerikaner Eochran-W. Smith landeten in Bukarest und er­klärten, wegen allzu großer Schwierigkeiten, die sie mit ihren Maschinen hätten, aus dem Wett­bewerb auszuscheiden. Aus Frankreich sind die ersten Meldungen von Notlandungen einiger Teilnehmer eingetroffen. Die Engländer Tapi- tain Aack-Turner gingen wegen schlechten Wet­ters in der Nähe der französischen Küste bei Abbe- ville nieder. Da die Maschine Lei der Landung nicht beschädigt wurde, konnten die Piloten mit ihrem „Viceroy" um 14.35 Uhr weiterfliegen. In der Nähe von Boulogne mußten die Neusee­länder Howott-Kay zur LaÄnmg schreiten, da der Motor nicht recht funktionieren wollte. Der Schaden war sehr bald wieder behoben und schon kurz nach 15 Uhr wurde Rom erreicht. Die Eng­länder Miß Lay-H. Brock hatten das gleiche Pech mit ihrer Gipsy-Motte und gingen im Departe­ment Seine-et-Oife nieder.

Die Australier Bennet-Woods auf Lockhead- Vega und Melrose-Bracket mit de Havilland- Motte flogen zwecks Auffüllen der Tanks usw. Marseille an, ebenso die Neuseeländer Malcolm- Walker mit Miles-Hawk, der Däne Lt. Hansen mit Tesoutte-Mark, die Holländer Astes-Geysen- dorfer mit Panders S4 und die Engländer Stodart-Child mit Airspeed Courir. Ihre Lands- leute Eilman-Johnson blieben dort über Nacht, um die Zündung ihres Courtiß-Motors wieder in Ordnung zu bringen. In Rom nahmen außer den Holländern Parmentier-Moll noch die Australier Vemrett-Woods eine Zwischenlandung vor. Die Neuseeländer Hewett-Kay beschlossen, die Nacht über in der italienischen Hauptstadt zu bleiben, da sie bei der geringen Geschwindigkeit ihrer Maschine den nächsten Land'eplatz nicht »or Einbruch der Dunkelheit erreichen würden.

Die Holländer Astes-Geysendorfer setzten bei der Landung in Allahabad so stark auf, daß ihr Pro­peller in die Brüche ging. Glücklicherweise haben die Insassen keine wesentlichen Verletzungen da- »angetragen, so daß sie nach Ausbesserung des Schadens wohl bald wieder weiterfliegen werden. Zwei weitere Ausfälle sind bisher bekanntgewor­den, so daß nunmehr nur noch 15 Flugzeuge im Rennen sind. In Aleppo gaben die Londoner Jones-Waiter auf, während Stack-Turner (Eng­land) in Marseilles aus dem Rennen schiede?.

terie und die Zöglinge der Militärakademie sielen mir auf; sie verdienen, wirklich gelobt zu werden."

Göring schloß seine Ausführungen: „Ich ver­lasse Südslawien mit den besten Eindrücken und mit dem Wunsche, daß sich unsere Völker noch besser kennenlernen und noch enger zusammen­arbeiten mögen."

Komplize öeö Königsmörders?

Paris, 21. Oktober.

In Lüttich ist, wie erst jetzt bekannt wird, am Mittwoch ein Mann verhaftet worden, der im Laufe der Vernehmung am Sonnabend schließlich eingestanden haben soll, der unmittelbare Mit­arbeiter des Dr. Pawelitsch, Perschetz, zu sein. Nach dem „Petit Parisien" soll es aber nicht fest­stehen, daß dieses Geständnis auch der Wahrheit entspricht, denn ver Verhaftete soll nach dieser Lesart nicht Perschetz, soiü>ern ein Rechtsanwalt sein, der mit Pawelitsch in Verbindung gestanden habe.

Im Verlaufe des von einem französischen Poli­zeiinspektors vorgenommenen Verhörs erklärte er, er heiße Nestor Peritsch und sei 1896 in Dalma­tien geboren. Er sei nie in Budapest gewesen. Wie verlautet, hat Peritsch gestanden, ein Mit­arbeiter von Pawelitsch gewesen zu sein und von ihm Geldbeträge zur Organisierung der kroatischen Bewegung erhalten zu haben. Einer Havas-Mel- dung zufolge hat der Verhaftete zugegeben, daß er im Juli in Paris eine Zusammenkunft mit den Terroristen gehabt habe, die der Mittäterschaft an dem Anschlag von Marseille beschuldigt find. Er leugnet aber nachdrücklich seine Beteiligung an dem Anschlag, von dem er nichts gewußt habe. Peritsch habe einen falschen Paß besessen und werde zunächst deswegen zur Ver­antwortung gezogen.

Dänischer Königsbesuch inBerlin

Berlin, 21. Oktober

Am Sonnabend trafen Ihre Majestät die Kö­nigin von Dänemark und Seine Königliche Hoheit der Kronprinz von Dänemark zu einem Besuch auf Schloß Läcilienhof ein.

Im Auftrage des Führers und Reichskanzlers überreichte Legationssekretär von Nostiz von der Protokollabteilung des Auswärtigen Amtes der Königin einen Blumenstrauß bei ihrer Ankunft auf dem Stettiner Bahnhof, wo sie von ihrer Schwester, Kronprinzessin Cäcilie und dem Kö­niglich Dänischen Gesandten, Kammerherrn Zahle und Frau Zahle begrüßt wurde.

Luftverbindung USA.—Sowjetrußland

Moskau, 21. Oktober

Der in Wladiwostok eingetroffen^ amerikanische Botschafter Bullit erklärte der Presse, in Kürze werde in Wladiwostok ein amerikanisches Kon­sulat errichtet werden. In allernächster Zeit werde vielleicht auch die ständige Lustfahrtverbindung zwischen den Vereinigten Staaten und Sowjet- rußland über den Stillen Ozean eingerichtet werden. Er hoffe, der erste Passagier zu sein, der diesen Flug mitmachen werde. Der Botschafter ist am Sonntag nach Japan weitergereist.

Grubenunglück in Herne

Essen, 21. Oktober.

Auf der Zeche Konstantin IV/v ereignete sich am Sonntagmittag bei der Vornahme von Re­paraturarbeiten eine örtliche Schlagwetterexplo­sion. Sieben Bergleute wurden getötet, vier wurden verletzt. Weitere Menschenleben stehen nicht in Gefahr.

Unsere Saar isss

Ausruf für das neue Jahrbuch

Immer näher rückt der große Schicksalstag des deutschen Saarvolkes. Blatt um. Blatt des 100- Tage-Saar-Kalenders fällt. An 750 000 Stellen er­innert er an die entscheidenden Tage des End- kampfes. Dieser 100-Tage-Kalender stellt ein Ee- meinschaftswerk dar, dessen Erlös dem Winter- hilfswerk der Saar zufließt. Er ist restlos ausver­kauft.

Mit dem 13. Januar ist aber der Kampf noch nicht beendet. Erst dann werden die ganzen Probleme aufgerollt. Das ganze nächste Jahr wird noch im Zeichen der Saar stehen. Diesen Kampf auch vom Volke her zu unterstützen, dient das neue Werk, das in diesen Tagen znm Vertrieb kommen wird. Es ist das Jahrbuch „Unsere Saar 19 3 5!"

Erprobte Kämpfer des Saarlandes, Arbeiter, Wirtschaftsfiihrer, Journalisten und Künstler haben es geschaffen. In volkstümlicher Weife wer­den alle Fragen des Saarlandes behandelt, die das ganze Jahr 1935 beherrschen werden. Auch der Erlös dieses Jahrbuches — es kostet eine Mark — fließt dem Winterhilfswerk der Saar zu, das in der Hauptsache mit diesen Mitteln aufgebaut wird.

Darum ergeht heute wieder der Appell an das Volk und alle Parteidienststellen, Behörden und den Buchhandel, mitzuhelfen, daß dieses neue Jahrbuch jeden Volksgenossen an das Schicksals­jahr unserer Saar mahnt und ihn über ihre gro­ßen Aufgaben unterrichtet. Bestellungen werden sofort entgegengenommen. Auch die noch nicht aus­geführten Aufträge für den ausverkauften 100- Tage-Kalender werden mit diesem Jahrbuch be­liefert. Es ist das einzige offiziell zugelassene Jahr­buch der Saar des ganzen Reiches.

Grundsätzliche Erwägungen ...

Die Saarregierung

verbietet Saarbrückener Rundsunkveranstaltung Saarbrücken, 21. Oktober.

Der Verband deutscher Rundfunkteilnehmer an der Saar, der in den wenigen Monaten seines Bestehens bereits wertvolle Pionierarbeit für den Saarrundfunk geleistet hat, hatte den 21. Oktober Zum Tag des deutschen Rundfunks an der Saar bestimmt. Zur Feier dieses Tages waren außer einer Funk- und Bastelschau, die am Sonnabendabend eröffnet wurde, zwei lustige Abende und eine Matinee für Sonntag vormittag vorgesehen. Bei diesen Veranstaltungen sollte eine Reihe Künstler, hauptsächlich Rundfunk­komiker aus Frankfurt, Leipzig, Köln und Mün­chen mitwirken. Nachdem die Polizeiverwaltung vor acht Tagen diese Veranstaltung genehmigt hatte, wurde sie am Sonnabendnachmittag ver­boten und zwar, wie es in dem amtlichen Text heißt, „auf Grund grundsätzlicher Erwägungen".

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Wir wissen nicht, welches die grundsätzlichen Er­wägungen sein mögen, aber man wird nicht fehl­gehen in der Annahme, daß die Regierungs­kommission mit diesem Verbot den deutschen Rundfunk, besonders aber den Reichssender Frank­furt treffen will. Daß man sich dafür das Treffen der Rundfunkkomiker ausersehen hat, gibt der Sache einen besonders lächerlichen Beigeschmack. Ein neuer Beweis für die Rücksichtslosigkeit, mit der die Regierungskommission gerade gegen die deutschen Veranstaltungen vorzugehen pflegt, ist es aber, daß das Verbot wieder einmal in letzter Stunde erfolgte. Wie wir weiter erfahren, wurde einer der Komiker, Karlheinz Schneider vom Reichssender Köln festgenommen. Seine Fest­nahme erfolgte wegen eines Witzes, den der Künstler über die Separatisten gemacht hatte. Schneider wird sich vor dem Abstimmungsgericht zu verantworten haben.

Ministersessel oder Partei?

Austritt eines französischen Ministers aus öer neusoziaWifchen Vartei

Paris, 21. Oktober.

Der Arbeitsminister im Kabinett Doumergue, der neusozialistische Abgeordnete Marquet, der mit den Abgeordneten Renaudel und Montagnon zu den Gründern der Partei gehört, hat Sonn­abend nacht seinen Austritt aus der Partei voll­zogen, nachdem diese ihn vor die Wahl gestellt hatte: entweder Verbleiben im Ministerium oder in der Partei.

Marquet gehörte dem Kabinett Doumergue mit Zustimmung der neusozialistischen Partei an, die ihm diese Genehmigung zweimal ausdrücklich er­teilt hatte allerdings nicht als Parteivertreter, sondern „unter persönlicher Verantwortung". Aus diesem persönlichen Auftrag hat Arbeitsminister Marquet nun für sich oas Recht abgeleitet, selbst über sein Verbleiben oder seinen etwaigen Aus­tritt aus der Regierung zu entscheiden. Andere führende Mitglieder der Partei Renaudcls. Mon­tagnon und der Generalsekretär Dsat, dachten

anders: sie verlangten den Rücktritt Marquets als Minister.

Aus dieser Lage, die am Sonntag in einer Sitzung des Zentralrates der neusozialistischen Partei zur Entscheidung kommen sollte, hat nun Marquet Sonnabend nacht selbst die Schlußfolge­rung gezogen, nachdem er sich mit Staatsminister Herriot beraten hatte. In dem Schreiben, in dem Marquet seinen Austritt der Partei mit­teilt. verwabrt er sich dagegen, angesichts der jetzigen dramatischen, internationalen Lage und der Krise, mit der die arbeitenden Klassen zu kämpfen hätten, von seinem Ministerposten zu­rückzutreten. Er wolle im Gegenteil seine Be­mühungen zur Ueberwindung der Schwierigkeiten fortsetzen.

Nach einer Meldung des „Journal" soll Mini­sterpräsident Doumergue planen, noch vor dem Zusammentritt der französischen Nationalver­sammlung eine Tagesordnung auszuarbei­ten, die als Arbeitsprogramm zur Durchführung der beabsichtigten Verfassungsreform dienen soll.