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das amtliche Vraan Ses Senats
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der Sreien HanfestM vremen
Nr. 290 / 4. Vierteljahr
Anzeigen-Grundpreise: Die 22-mm-Aeile im Anzeigenteil ,2 Rpj.. die IV-mm-geile im Tertterl 7L Rps. Ermäßigte Grundpreise (für kleine Anzeigen. Familienanzetgen u. a., sowie sonstige Bedingungen laut Preisliste I. (Nachlaßstassel 0., Wr Anzeigen durch Fernsprecher keine Gewähr. Annahmeschlutz 18 Uhr.
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Sonnabend, 20 . Oktober
Einzelpreis 15 Rpf.
SA. und Winterhilfe
Ein Befehl Lutzes
Berlin, 19. Oktober.
Der Chef des Stabes der SA. hat folgenden Befehl erlassen:
Der Führer hat das ganz« deutsche Volk nun Winterhilfswerk 1984/38 zum Kampf gegen Hunger und Kälte, zur Unterstützung der armen deutschen Volksgenossen aufgerufen. Älle Reichs- und Staatsbehörden, die Gliederungen der Partei wirken Lei der Durchführung der Hilfsmaßnahmen mit. Es ist selbstverständliche Pflicht, wenn der Führer ruft, daß seine SA. zum Gelingen dieses Hilfswerkes beiträgt und mitarbeitet. — Daher verfüge ich:
Der Einsatz der SA. erfolgt im Benehmen und mit Aufforderung des Reichs-, der Gau-, der Kreis- und Ortsbeauftragten des WHW. Die Fürsorgereferenten bei den einzelnen Einheiten der SA. nehmen als Derbindungsfllhrer der SA. mit den Gau-, Kreis- und Ortsbeauftragten des WHW. die Mithilfe der SA. auf. Diese Verbindungsführer haben zugleich die Aufgabe, dafür zu sorgen, daß vor allen Dingen alle notleidenden, arbeitslosen und bedürftigen SA.-Männer, Rentenempfänger der SA. sowie deren Angehörige Lei der Zuteilung von Spenden berücksichtigt werden.
Zm übrigen erstreckt sich die Mithilfe der SA. für das WHW. auf folgende Gebiete:
1. Die SZ. und MZ. der SA. haben sich auf Wunsch der einzelnen örtlichen Beauftragten des WHW. in gleicher Weise wie Reichswehr, Schutzpolizei usw. zum kostenlosen Spielen von Stadt- musiken und sonstigen Veranstaltungen des WHW. zur Verfügung zu stellen.
2. Auf Aufforderung der Beauftragten des WHW. sollen SA.-Männner als Sammler für das WHW. zur Verfügung gestellt werden, jedoch müssen die Sammler in Zivil auftreten. Ich verbiete ausdrücklich jedes Sammeln im SA.-Dienstanzug. Lediglich soweit Reichswehr und Schutzpolizei als Begleiter von Fahrzeugen Kleider und Lebensmittelspenden zusammenholt, können SA.-Männer im Dienstanzug als Fahrzeugbegleiter teilnehmen.
3. Arbeitslose SA.-Männer sollen auf Anforderung zur Verladung und Entladung von Lebens- mittelspendon, Getreide, Kartoffeln usw. in Stadt und Land abgestellt werden. Für solche Dienstleistung wird Fahrgeld und Verpflegung vom WHW. vergütet.
4. Bei Werbeumzügen des WHW. können SA.- Abordnungen in geschlossener Formation teilnehmen.
Im übrigen sind die mit der Durchführung des WHW. Beauftragten durch die SA. weitest- gehend zu unterstützen. Die Verbindungsführer der SA. bei den Beauftragten des WHW. regeln mit den Führern der Dienststellen der SA. die Abstellung angeforderter SA.-Männer. Diese Verfügung ist beschleunigt durch alle SA.-Dienst- stellen den SA.-Männern bekanntzugeben.
Der Chef des Stabes Lutze.
^teue Uniform für Luftpollzei
Durch Erlaß des Herrn Reichsministers der Luftfahrt ist für die Beamten der Luftaufsicht (Luftpolizei) eine besondere Uniform eingeführt worden. Diese lehnt sich in Farbe, Schnitt, Abzeichen usw. an die graublaue Bekleidung des DLV. an, jedoch hat die Luftaufsicht hellgrüne Kragenspiegel. -
Gömbös in Warschau
Der ungarische Ministerpräsident zur Untersuchung des Marfeiller Anschlages
Budapest, 19. Oktober.
Ministerpräsident Gömbös reiste Freitag früh in Begleitung des Leiters der Presseabteilung des Außenministeriums. ü'egationsrat Mcngele und des Ministerialsclrceürs Petnehazy nach Warschau.
Auf die Frage des Mitarbeiters des Ungarischen Telegrafen-Korrespondenz-Bllros, ob er die nach demMarseillerAnschlag entstandene Lage so ruhig beurteile, daß er das Land verlassen könne, antwortete der Ministerpräsident wie folgt: Ich beurteile die Lage absolut ruhig und habe auch keinen Grund zur Unruhe. Obgleich der internationale Verleumdungsfeldzug, den ein Teil der Presse gewisser Staaten gegen Ungarn führt, und der Ungarn als den Sündenbock in der Marfeiller Tragödie hinstellen will, gerade jetzt am heftigsten wütet, verlasse ich ruhig Ungarn auf einige Tage, um meinen lange geplanten Besuch
bei der befreundeten polnischen Nation zu verwirklichen. Ich weiß nämlich, daß die europäische öffentliche Meinung die Wahrheit und nur die Wahrheit sucht, und Ungarn hat dabei nichts zu fürchten, sondern es muß im Gegenteil auch seinerseits mit größter Energie Aufklärung verlangen.
Wenn erst die volle Wahrheit ermittelt ist, wird Ungarn rein und klar vor aller Welt dastehen,' denn es wird sich unzweifelhaft herausstellen, daß nicht nur die ungarische Regierung oder irgendwelche Regierungsstellen und amtlichen Organe nichts mit dem schändlichen Verbrechen zu tun haben, sondern auch keine ungarischen Staatsbürger. Dies kann um so weniger der Fall sein, als der Geist und die Mentalität, die das ungarische Volk immer charakterisiert haben und die im Laufe der Geschichte niemals den Mord als Mittel der Politik anerkannten,
es vollkommen ausschließen, daß irgendwelche öffentlichen oder privaten ungarischen Faktoren sich an diesem Berbrechen beteiligt hätten. Dies ist die Lage, und die ungarische öffentliche Meinung kann mit voller Ruhe die Aufklärung des wahren Sachverhalts des Verbrechens und alle weiteren sich ergebenden Entwicklungen abwarten.
Die ungarische Regierung verfolgt sowohl die Machenschaften des gegen Ungarn gerichteten ausländischen Verleumdungsfeldzuges als auch die Entwicklungen der in verschiedenen Staaten eingeleiteten Erhebungen nicht untätig. Sie hat im Gegenteil auch ihrerseits die nötigen Schritte getan, um diesen unwürdigen und tendenziösen Verlcumdungsfeldzug zurückzuweisen und die Erhebungen in der Angelegenheit des Marfeiller Verbrechens auch in Ungarn mit größter Energie durchzuführen. (Siehe auch nächste Seite).
Neue Arbeit für 300000 Menschen
Staatssekretär Reinhardt Wer die Finanzierung der BrheitsbesGaffung
Berlin, 19. Oktober
In der Verwaltungsakademie Berlin machte Staatssekretär Reinhardt interessante Ausführungen über die Finanzierung der Arbeitsbeschaffung. Er führte u. a. aus:
Das Aufkommen an Lohnsteuer hat im September 1934 67,6 Millionen RM. betragen gegenüber 88,7 Millionen RM. im September 1933, also im September um 18 v. H. mehr. Daraus ergibt sich, daß auch das Arbeitseinkommen im September 1934 um 18 v. H. größer gewesen ist als im September 1933. Ein solches vermehrtes Arbeitseinkommen wird zwangsläufig zu erhöhtem Verbrauch und zu weiterer Belebung der Berbrauchsgüterindustrien führen. Aus dem Mehr an Umsatzsteuer in der ersten Hälfte des Rechnungsjahres 1934 ergibt sich, daß die steuerpflichtigen Umsätze in den sechs Monaten von März bis August um rund acht Milliarden Reichsmark größer geworden sind als im gleichen Zeitraum des Vorjahres.
Durch das Papenprogramm, das Sofortprogramm und das Reinhardt-Programm sind insgesamt 1992 Millionen Reichsmark zur Verfügung gestellt worden. Davon sind bis Ende September 1934 1816,7 Millionen RM. bewilligt und 1390,4 Millionen RM. ausgezahlt gewesen. Das Arbeitsbeschaffungsprogramm der Eisenbahn beträgt für 1933/34 630 Millionen RM. Davon sind 276 Millionen RM. für die Monate November bis März vorgesehen.
Die Auszahlungen, die auf die 809 Millionen Reichsmark zur Förderung von Instandsetzungs- und Ergänznngsarbeiten an Gebäuden bis heute erfolgt sind, betragen erst rund 390 Millionen Reichsmark. Der Rest von 110 Millionen RM. bedeutet, daß Arbeiten in ansehnlichem Betrag noch im Gang, teilweise vielleicht noch gar nicht Angriff genommen sind und daß aus dem Gebäu-
deinstandsehungsgesetz noch ein Arbeitsvorrat für den bevorstehenden Winter besteht.
Ein wichtiges Mittel im Kampfe um die Verminderung der Arbeitslosigkeit ist auch die Erundförderung durch die Reichsanstalt für Arbeitsvermittlung und Arbeitslosenversicherung. Hier handelt es sich darum, daß die Reichsanstalt bestimmte öffentliche Arbeiten dadurch fördert, daß sie aus ihren Mitteln einen Zuschuß zu den Kosten der Arbeit gewährt, soweit dabei unterstützungsbedürftige Arbeitslose verwendet werden.
Der Erundförderungssatz ist wieder auf drei Reichsmark pro Mann und pro Tag erhöht worden. 2n Fällen, in denen mit einem geringeren Förderungssatz ausgekommen werden kann, dürfen jedoch die Präsidenten der Landesarbeitsämter nur den geringeren Satz bewilligen. In den Fällen, in denen eine Arbeit, die mit 2,30 Mark
pro Tagewerk bereits begonnen ist, während der Wintermonate besonders intensiv fortgesetzt wird und dadurch Mehrkosten entstehen, soll eine Erhöhung des bewilligten Förderungssatzes innerhalb der neuen Höchstgrenze für die in den Monaten Oktober 1934 bis März 1933 abgeleisteten Tagewerke nicht ausgeschlossen sein, wenn sie unbedingt erforderlich ist.
Es mutz und wird gelingen, in Anwendung der neuen Bestimmungen über die Gewährung von Erundförderung in den nächsten Wochen und Monaten mindestens 300 008 Mann in entsprechende Arbeit zu bringen. Die Mehrbeschäftigung dieser 300 000 Mann wird zwangsläufig zu einer Belebung in den verschiedensten Zweigen der deutschen Volkswirtschaft und zu einer Mehrbeschäftigung von etwa weiteren 100 000 Mann in den verschiedensten Zweigen der deutschen Volkswirtschaft führen.
Das Giedlungswerk
Staatssekretär Feöer vor den Spitzen öes Reiches
Berlin, 19. Oktober.
Staatssekretär Feder, der Reichskommissar für das Siedlungswesen, hatte die Vertreter der Länderregierungen, die preußischen Oberpräsidenteu und Regierungspräsidenten am Donnerstag zu einer Besprechung nach Berlin geladen, um ihnen den Aufgabenkreis des deutschen Siedlungswerkes im einzelnen darzulegen. Einleitend umriß er Begriff und Bedeutung des Wortes „Siedeln" im nationalsozialistischen Sinne; Siedeln bedeute ansässig machen in staatspolitischem und rassenpoliti- schem Sinne. Die Verstädterung seit dem libera- listischen Wirtschastsaufstieg habe dazu geführt,
Lavals Außenpolitik
Lkltt er In die Fußstapsen Barthous? / Romreise im November / Die Annäherung an Rußland
Paris, 1S. Oktober.
In gut unterrichtete« politische« Kreisen und in der Pariser Presse wird noch einmal mit besonderem Nachdruck darauf hingewiesen, datz die von Barthou eingeleitete politische Orientierung Frankreichs unter dem neuen Außenminister Laval keine Aenderung erfahren werde. Man unter- streicht in diesem Zusammenhang die Ab,,cht Lavals, sich nach Rom zu begebe», um dort über eine französisch-italienische «nd eine itaUeni>ch- siidslawische Annäherung z« verhandeln. Wie bereits mitgeteilt wurde, wird diese Reise aber nicht vor Ende November stattfinden können, weil val be anderen Wert daraus legt, persönlich nach Eens zu gehen, um an den Völkerbundsbesprechun- gen über die Saarabstimmung teilzunehmen. In gut unterrichteten Kreisen betont man in d.e,em Zusammenhang, datz gerade d,e Saarsrage den neuen französischen Außenminister ,n besonderem Matze interessiere und datz er sichln den letzten Tagen sehr eingehend damit beschäftigt habe.
London, 19. Oktober..
Der diplomatische Korrespondent des „Daily Telegraph" schreibt, es seien neuerdmgs immer deutlichere Anzeichen dafür ausgetauch, a» Mussolini den Abschluß einer Vereinbarung zwischen Italien und Frankreich dringend wünsche. Es heißt, datz der Duce persoiüich ein Wiederaufleben der Feindseligkeiten zwischen den
italienischen und südslawischen Zeitungen und Rundfunkstationen nach dem Marfeiller Mord verhindert habe. Entsprechend einer kürzlich zwischen Unterstaatssekretär Suvich und dem südslawischen Gesandten in London geführten Unterhaltung soll Suvich von neuem hervorgehoben haben, datz Mussolini persönlich entschlossen sei, freundschaftliche Beziehungen mit Südslawien herzustellen. D'e italienische Regierung hätte wahrscheinlich gewünscht, daß Laval sobald wie möglich nach Rom komme. Aber ein kleiner Aufschub dürfte unvermeidlich sein, da sich der neue Außenminister Frankreichs erst in die laufenden Geschäfte einarbeiten müsse.
Der Pariser Korrespondent der „Times" sagt, das Ziel der französischen Politik, die Besserung der Beziehungen zwischen Italien und Südslawien als Vorbedingung einer französisch-italienischen Annäherung bleibe unverändert. Glücklicherweise habe Mussolini guten Willen gezeigt. Die Kleine Entente bild« jetzt eines der Haupthindernisse aui dem Wege Deutschlands nach Südosteuropa Bei- schiedene Versuche, sie zu zerstören, seien mißlungen. Ihre Zukunft werd« aber unsicher sein. bis befriedigendere Beziehungen mit Italien erreich: seien.
In einer anderen Richtung sei die französische Politik nicht besonders klar. Eine Annäherung an Deutschland, die der wirkliche Schlüssel des europäischen Friedens bleibe, hab«
bei der jetzigen Lage aufgegeben werden müssen. Polen, das früher einmal einer der hervorragendsten Verbündeten Frankreichs war, habe anderwärts Unterstützung gesucht. Nachdem es ohne Frankreichs Hilfe eine Vereinbarung mit Deutschland geschlossen habe, sei Polen imstande, oas Bündnis mit Frankreich für weniger wertvoll zu halten, als es zu sein schien. Eine genaue Prüfung der deutsch-polnischen Vereinbarung rufe den Eindruck hervor, daß sie für jeden der beiden Partner etwas anderes bedeute. (?) Aber auf jeden Fall sei die polnische Politik Frankreichs offenbar zusammengebrochen.
Moskau, 19. Oktober
Dem Pariser Berichterstatter der offiziösen .,Is- westija" hat der neue französische Außenminister Laval in einem Interview über die französisch-russischen Beziehungen folgendes erklärt: er sei fest entschlossen, an der Erhaltung
> des Friedens weiter zu arbeiten, wie das Varthou in den letzten acht Monaten mit so großem Erfolge
^ getan hätte. Die freundschaftlichen Beziehungen ; zur Sowjetunion werde er weiterhin pflegen. Nach
> Herriot und Barthou werde auch er mit der ! gleichen Aufrichtkeit ganz besonders im Sinn?
einer französisch-russischen Annäherung tätig sein. Der Tod Barthous werd« also keine Aenderung der Außenpolitik mit sich bringen.
daß mehr als 60 v. H. der deutschen Bevölkerung in Städten untergebracht waren, gegenüber 27 v. H. vor dem Jahre 1870. Die Gegenbewegung habe zwar bereits vor der Machtübernahme in der Form von Kleineigenheimen und in der als Entwicklungsphase zwar notwendigen, psychologisch und wirtschaftlich jedoch falschen Erwerbslosen- Stadtrandstedlung eingesetzt. Völlig neue Politik auf diesem Gebiete habe erst der Führer mit der Machtübernahme durch Gründung des „Siedlungswerks" gebracht.
Die seitdem in Angriff genommene systematische Arbeit baue sich auf der Reichswirtschaftsplanung auf, die die sogenannten Eeneralstabs- pläne für die deutsche Wirtschaft liefere mit dem Ziele der Verteilung der Menschenmassen in Gebiete geringerer Bevölkerungsdichte. Die praktische Auswirkung der Reichswirtschaftsplanung vollziehe sich in der Jndustrieverlagerung. Eingehend behandelte der Reichssiedlungskommissar auch die Altstadtsanierung, zu deren Durchführung Reichsmittel bereits gegeben worden seien und voraussichtlich auch weiter gegeben würden. Auf die Eesetzesgrundlagen des „Siedlungswerks" eingehend, kündigte Staatssekretär Feder an, daß das im Siedlungswerk so sehr notwendige Reichsplanungsgesetz (Landesplanungsgesetz) sowie das Reichsbaugesetz mit den wichtigsten baupolizeilichen Bestimmungen im Sinne der Neuordnung des deutschen Siedlungswesens bereits in Arbeit seien. Zur Beseitigung bzw. Hintanhaltung von Vodenwucher sei auch ein Enteignungsgesetz in Vorbereitung.
Die Finanzierung des Siedlungswesens, so führte der Reichssiedlungskommissar weiter aus, bereite Schwierigkeiten, weil voraussichtlich Reichsgelder im nennenswerten Umfange nicht mehr zur Verfügung gestellt werden könnten. Man werde gezwungen sein, für eine gewisse Uebergangszeit die Hilfsaktion des Reiches in Anspruch zu nehmen. Diese Hilfsaktion bestehe in der Errichtung der zweitsielligen Hypothekar-Institute, bei dem es sich im wesentlichen um die Zusammenfassung und einheitliche Betreuung der Rückflüsse aus den Hauszinssteuermitteln früherer Jahre handele.
Eine besondere Förderung erfahre das deutsche Siedlungswesen finanziell dadurch, daß die Grenze für erststellige Hypotheken von 40 v. H. auf 30 v. H. hinausgesetzt sei und daß weiterhin die Reichsbürgschaft bis 78 v. H. des Bauwertes gelt,.
VscgeLeckke
Die schwierigen Verhandlungen der Flottenmächte in London*)
k. blü. Um hier sofort einem Irrtum vorzubeugen: Die große Flottenkonferenz des kommenden Jahres, zur Verhinderung des mit Ablauf der beiden Flottenabkommen von Washington und London drohenden vertrag- losen Zustandes vorgesehen, wird keine Abrüstungskonferenz sein. Sie wird, entgegen dem ursprünglichen Sinn der Verständigung zwischen den Seemächten Amerika, England und Japan, im günstigsten Fall dem Wettrüsten Grenzen ziehen, möglicherweise aber „nur" zu festen Vereinbarungen für das Wettrüsten führen. Daß man jetzt in London nach der ersten Fühlungnahme zwischen der amerikanischen, der britischen und der japanischen Flottendelegation sogar die Vorbesprechungen wieder um fast eine Woche vertagen mußte, wirst ein grelles Licht namentlich auf die bekanntgewordenen Gegensätze zwischen Japan und Amerika. Zu ihnen gesellen sich noch ernste Meinungsverschiedenheiten zwischen den britischen und japanischen Vertretern einerseits und den britischen und amerikanischen Delegierten andererseits.
Im Mittelpunkt der Vorkonferenz wird die Paritätsforderung des Mikado r e i ch s stehen. Der 1930 in London verlängerte Vertrag von Washington (1922) hat für die Tonnageziffern der drei Hauptseemächte England, Amerika und Japan bekanntlich das Verhältnis 5:5:3 festgesetzt. Nach übereinstimmenden Erklärungen des japanischen Premierministers Admiral Okada, seines Marineministers Osumi und des Führers der japanischen Delegation in London Pamamoto sieht das fernöstliche Inselreich in der Beseitigung jener Abstufung und in der völligen Gleichstellung mst den Vereinigten Staaten und England nicht nur eine marine- politische Notwendigkeit, sondern auch ein dringendes Erfordernis seiner nationalen Ehre. Aus der schon nach Abschluß des Londoner Vertrages geäußerten Befürchtung maßgebender Marinekreise in USA. und Britannien, Japan könne eines Tages die ihm für den Fernen Osten zugestandene Seeherrschaft auch auf den Indischen Ozean und die amerikanische Westküste ausdehnen, kann man die Stärke des Widerstandes ermessen, den die japanischen Sachverständigen mit ihrer Hauptforderung in London finden. Wenn hier auch mehr eine zweiseitige Schwierigkeit besteht, nämlich der amerikanisch-japanische Interessenwiderstreit im Pazifik, so steht doch in diesem Punkt die bewährte Vermittlungsfähigkeit des Londoner Regierungschefs Macdonald schon deshalb vor einer unlösbaren Aufgabe, weil sich England seine Seeherrschaft nun nicht auch noch von einem dritten Partner schmälern lassen will.
Ein anderer Gegensatz, der in London sehr bald eine große Rolle spielen wird, ergibt sich aus den verschiedenartigen Forderungen hinsichtlich der eigentlichen Tonnage- begrenzung. Während England und Amerika das bisherige stabile System der Schifsseinheiten beibehalten wollen, tritt Japan energisch für das labile Globalsystem ein, das jeder Seemacht zwar eine genau bezifferte Gesamttonnage zuweisen, ihr aber für die Verteilung des bewilligten Raumes auf die einzelnen Schifssklassen freie Hand lassen will. Es scheint indes, daß die japanische Delegation nach ihrer Aussprache mit dem Londoner japanischen Botschafter Mat- sudeira in der Vertretung dieser Forderung nicht bis zum äußersten gehen wird.
In den' verschiedenen Schiffsklassen gehen die Ansprüche der Verhandlungspartner gleichfalls sehr weit auseinander. Nur ein paar Beispiele: Japan trägt sich mit dem Gedanken, die Abschaffung der Großkamps- schiffe zu beantragen, unter keinen Umständen will es für die Tonnage des Schlachtschiffes eine höhere Grenze als 25 000 festsetzen lassen; Amerika fordert 35 000 als Höchstgrenze, wobei es unter anderem auf den beschlossenen Bau von zwei 35 000-To.- Schlachtschiffen Italiens hinweisen kann. Für die Kreuzer sieht Amerika die 9000-To.- Mindestgrenze als gerade noch diskutierbar an (Admiral Standley, der Chef der Opera-
*) Siehe auch den Leitartikel in Nr. 189 der „B.-Z.": „Rivalen der See."
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Weihe der Kultstätte „Stedingsehre" Rosenberg und Himmler in Bremen Die Bürgersteuer für 1S35 2. Minensuch-Halbslottille in Bremen Großreportage: Die endlose Straße