Ausgabe 
(17.10.1934) Nr. 287
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Nr. 28 ? / 4. Vierteljahr

Mittwoch. 17. Oktober

Einzelpreis 12 Nps.

Frankreich wird stärkste Seemacht im Aermelkanal?

Die LLske ÄMt^rce

Flottenmächte am Vechandlungötisch

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Für den Kriegsfall: Vorbereitungen zur Landung farbiger Truppen an der atlantischen Küste Frankreichs

London, 16. Oktober.

Die unter Leitung von Norman Davis stehende amerikanische Abordnung für die Londoner Vor­besprechungen über die Flottenkonserenz von 1835 ist in Plymouth eingetroffen.

Die Ankunft der Abordnungen zar Fortsetzung der in London unterbrochenen Vorbesprechungen über die Flottenkonserenz von 1935 wird in der ganzen Presse eifrig erörtert. Den Blättern zu­folge wird erwartet, daß die Besprechungen vor­läufig zweiseitig sein sollen.

Zwischen den japanischen und britischen Ver­tretern ist eine baldige Zusammenkunft vor­gesehen, wobei Ministerpräsident Macdonald den Vorsitz führen wird. Der japanische Haupt- oertreter Konteradmiral Pamamoto war im Sommer nicht in London, als Macdonald die Frage der Flottenkonserenz mit Norman Davis erörterte; deshalb soll Macdonald den Wunsch haben, möglichst bald mit ihm zusammenzutreffen. Es gilt als wahrscheinlich, daß französische und italienische Vertreter erst später zur Teilnahme an den Besprechungen nach London kommen wer­den. Wenn auch die Verhandlungen zunächst zwei­seitigen Charakter haben werden, so werden doch alle fünf Mächte eingehend auf dem laufenden gehalten.

Bisher ist noch nicht darüber entschieden, ob und wann die Konferenz von 1935 abgehalten werden soll. Als Zeitpunkt werde April vor­geschlagen und als Konferenzort London, Paris, Rom, Haag und Lausanne genannt. Die britische Regierung macht kein Hehl aus ihrem Wunsch, die Konferenz nach London einzuladen. Doch wer­den natürlich die interessierten Mächte vorher noch um ihre Meinung befragt werden.

Der diplomatische Mitarbeiter der „Morning- poft" erörtert in einem Aufsatz die Aussichten der vorbereitenden Besprechungen für die Flottenkon- ferenz 1935 und sagt, sie werden sowohl den Washingtoner wie den Londoner Flot­te nv ertrag zu erörtern haben. Aus politi­schen und finanziellen Gründen wende sich das Hauptinteresse dem Vertrage von Washington zu. Japans Forderung nach Gleichheit und die Weige­rung Amerikas, die Tonnage der einzelnen Schiffs­arten herabzusetzen, mache die Aufgabe der Kon­ferenz ungeheuer schwierig. Die einzige Hoffnung auf eine Lösung bestehe darin, jeder Partei nahe­zulegen, ihre Ansprüche abzuändern. Wenn z. B. Japan eine Gesamttonnage annehmen würde, die gegenüber seinem jetzigen Kontingent etwas höher, aber gegenüber dem größten etwas niedri­ger sei, und wenn Amerika zu einer leichten Her­absetzung der Tonnage der großen Kampfschiffe bereit sei, würde ein Kompromiß eben noch denk­bar sein. Die Erfolgsaussichten seien nicht rosig. Aber die einzige andere Möglichkeit sei in politi­scher und finanzieller Richtung so erschreckend, daß es wahrscheinlich keine Nation mutwillig darauf ankommen lasten würde. Eine Vereinbarung zwi­schen den drei stärksten Seemächten würde natür­lich nur den Anfang bedeuten.

Landesverrat des Danziger Zentrums

Verhaftung eines hohen Beamten . Danzig.16. Oktober.

Ein führendes Mitglied der Danziger Zen­trumspartei, Oberregierungs- und Schulrat Behrendt, ist wegen dringenden Verdachts des schweren Vergehens im Amte verhaftet und dem Untersuchungsrichter übergeben worden. Behrendt wird auf Grund des vorliegenden er­drückenden Belastungsmaterials beschuldigt, sein amtliches Misten über dienstliche Vorgänge, das er sich durch seine Vertrauensstellung im Danziger Schuldienst erworben hat, dem Vertreter einer benachbarten Macht pflichtwidrig mitgeteilt zu haben. Behrendt» der in früheren Jahren preußi­scher Landtagsavgeordneter der Zentrumspartei war, ist vom Danziger Zentrum in wichtige Aem­ter und Körperschaften entsandt worden.

Empörung über diese Vorgänge ist um so als auch sonst das Treiben führender Zen- ceise in Danzig in zunehmendem Maße zu nnerpolitischen und auhenpolttlschen Be- rung geworden ist. Unter dem Deckmantel hutzes der Danziger Verfassung betrieben ireise offen und versteckt eme staats- lickie Hebe gegen die von der Abgeord- ehrheit des Danziger Parlaments gewählte rlsozialistische Regierung. Dabei ist die Verbindung dieser Kreise zum Saarsepa-

us und n> anderen weseiisuerwandten Stel.

^ deutschen G> nzgebiet langst offenkundig.

„Daily Telegraph" veröffentlicht einen Aufsatz seines Marinemitarbeiters. Es heißt darin, Nach­richten über die Neuordnung der französischen Seestreitkräfte im Aermelkanal zeigten, daß Frankreich eine neue und außerordentlich stark aktive Flotte zum Schutz seiner Küste im Aermel­kanal und am Atlantische» Ozean schaffe. Nach Durchführung des Programms, also wahrschein­lich im nächsten Sommer, würden die aus Brest und Cherbourg gestützten Seestreitkräfte um­fassen: 5 Schlachtschiffe, 6 Kreuzer, 8 Flottillen-

sührer, die tatsächlich leichte Kreuzer seien, 11 Zerstörer, 36 U-Voote sowie 36 äußerst schnelle Torpedoboote und ll-Voot-Jäger. Zahlenmäßig werde diese Flotte der britischen Heimatflotte überlegen und ihr an allgemeiner Kampfkraft, wenn überhaupt, nur wenig unterlegen sein.

Inzwischen sei vom französischen Admiralstab eine wichtige Aenderung des Planes vorgenom­men worden, der im Kriegsfalle durchgeführt werden solle. Früher galt es als ausgemacht, daß bei einer Mobilmachung die weißen und farbi­

gen Truppen in Nordafrika über das Mittel­meer nach Marseille oder andere französische Mittelmeerhäfen befördert werden würden. Dem neuen Plan zufolge solle ein großer Teil dieser Truppen statt dessen nach Casablanca eingeschifft und nach den atlantischen Häfen Frankreichs befördert werden. Hierdurch würde die gefähr­liche Reise über das Mittelmeer vermiede» wer­den. Dank der jetzigen Neuordnung werde Frank­reich im Aermelkanal stärker dastehen» als es jemals seit Abschluß der Latente vorämle vor 36 Jahren gewesen sei.

Beschlüsse der Reichsregierung

Vereidigung der Reichsminister auf den Führer / Vereinfachung des Gteuerrechts

Berlin, 16. Oktober.

In der heutigen Sitzung des Reichskabinetts wurde zunächst ein Gesetz über den Eid der Reichs­minister und der Mitglieder der Landesregierun­gen angenommen. Danach erhält der 8 3, Abs. 1, des Gesetzes über die Rechtsverhältnisse des Reichskanzlers und der Reichsminister (Reichs­ministergesetz) vom 27. März 1930 in der Fassung des Gesetzes vom 17. Oktober 1933 folgende Fassung:

„Die Reichsminister leisten Lei Uebernahme ihres Amtes vor dem Führer und Reichskanzler folgenden Eid: „Ich schwöre, ich werde dem Füh­rer des Deutschen Reiches und Volkes, Adolf Hitler, treu und gehorsam sein, meine Kraft dem Wohl des deutschen Volkes einsetzen, die Ge­setze wahren, die mir obliegenden Pflichten ge­wissenhaft erfüllen und meine Geschäfte unpartei­isch und gerecht gegen jedermann führen, so wahr mir Gott helfe."

Die Mitglieder der Landesregierungen, soweit sie nicht gleichzeitig Reichsminister sind, leisten bei Uebernahme ihres Amtes vor dem Reichsstatthal­ter, in Preußen vor dem Führer und Reichskanz­ler, denselben Eid. Die im Dienst befindlichen Reichsminister, Reichsstatthalter und Mitglieder der Landesregierungen sind unverzüglich gemäß diesem Gesetz zu vereidigen."

Im Anschluß hieran nahm der Führer und Reichskanzler die Vereidigung der Reichsminister vor.

Das Reichskabinett verabschiedete sodann eine Reihe neuer Steuergesetze. Bei diesen ist beson­ders aus eine Vereinfachung des Steuer­rechts und ei,:e Entlastung der Verwaltung sowie auf eine starke Berücksichtigung der kinder­reichen Familien Wert gelegt worden. Bei diese» Verbesserungen der bestehenden Steuervorschriften auf den verschiedensten Gebieten handelt es sich noch nicht um die geplante großzügige Steuer­reform, die erst im Zusammenhang mit der gro­ßen Reichsfinanzreform durchgeführt werden kann.

Angenommen wurde ein Gesetz über das Ver­steigerergewerbe, durch das gewisse Mißstände be­seitigt werden und die Grundlage für die Säu­berung dieses Gewerbes von unzuverlässigen Per­sonen durchgeführt werden kann.

Das Gesetz zur Aenderung des Eenossenschaftsge- setzes bringt die seit langem geplante Reform der genossenschaftlichen Prüfung.

Ein Gesetz zur Aenderung von Vorschriften über die Zwangsvollstreckung bereinigt einige gesetz­geberische Fragen des Vollstreckungsrechtes, die nicht bis zur Eesamtreform zurückgestellt werden konnten. Insbesondere enthält das Gesetz auch eine Aenderung der Vorschriften über die Pfän­dung von Gehalts-, Lohn- und ähnlichen An­sprüchen.

Das Gesetz zur Aenderung des Militärstrafgesetz­buches und der Militärstrafgerichtsordnung bringt

eine Anpassung des Militärstrafrechtes an die inzwischen erlassenen Gesetze auf dem Gebiete des allgemeinen Strafrechtes.

Angenommen wurde ein Gesetz üver die Lösung von Verlagsverträgen öffentlich-rechtlicher Kör­perschaften, wonach Verträge des Reiches, der Länder oder anderer Körperschaften des öffent­lichen Rechtes aus der Zeit vor dem 30. Januar 1933 über amtliche oder halbamtliche Veröffent­lichungen sowie über die Herausgabe von Zei­tungen zur Aufnahme derartiger Veröffentlichun­gen unter Einhaltung einer Frist von sechs Wochen zum Schluß eines Kalendervierteljahres, späte­stens jedoch zum 31. März 1935, gelöst werden können.

Ein Gesetz über die Förderung der Getreidebe­wegung gibt der Reichsstelle für Getreide, Futter- Mittel und sonstige landwirtschaftliche Erzeugnisse (R. f. G.) die Möglichkeit, die Aufnahme von Ge­treide-durch die R. f. E. auch bei der verminderten Ernte sicherzustellen.

Schließlich wurde ein Gesetz über die Errichtung einer deutschen Verrechnungskasse angenommen, das zur Durchführung von Abkommen mit auslän­dischen Regierungen, Zentralnotenbanken oder im Auslande amtlicherseits zugelassenen Verrech­nungsstellen, welche den Zahlungsverkehr ganz oder teilweise auf der Grundlage der Verrechnung regeln, notwendig geworden war.

Göring reist nach Belgrad

Berlin, 16. Oktober.

Der Führer und Reichskanzler hat in seiner Eigenschaft als Oberster Befehlshaber der Wehr­macht den preußischen Ministerpräsidenten Gene­ral Göring als Sonderbevollmächtigte« zu der Tranerfeier anläßlich der Beisetzung des Königs Alexander von Jugoslawien nach Belgrad ent­sandt.

In der Begleitung des Ministerpräsidenten Göring befinden sich als weitere Vertreter der Wehrmacht der Generalleutnant Blaskowitz und der Kapitän zur See Freiherr v. Hars- dorf. Ministerpräsident Göring wird mit seiner Begleitung am Mittwoch früh mit dem Flug­zeug nach Belgrad starten.

Der Führer und Oberbefehlshaber der deutschen Wehrmacht bringt mit der Uebertragung der ehrenvollen Mission an einen seiner nächsten Mit­arbeiter die besondere Verehrung und Hochach­tung zum Ausdruck, die der deutsche Soldat für den verewigten König empfindet.

Aufgaben werden von verschiedenen Dienststellen der Reichsleitung übernommen.

Die bisher dem Reichsgeschäftsführer unter­stehende Abteilung NS.-Auskunft unter Amts­leiter Dr. Achim Gercke wird in „Amt für Sip­penforschung" umbenannt und bis auf weiteres meinem Vertrauensmann Dr. Gerhard Wagner unterstellt.

Der Stab, der dem Parteigenossen Reichsleiter Bouhler als meinem Beauftragten für Kultur­fragen zur Seite stand, wird aufgelöst. Die Kom­mission zur Prüfung des NS.-Schrifttums bleibt auch weiterhin dem Parteigenossen Reichsleiter Bouhler unterstellt.

Reichsleiter Bouhler gibt bekannt:

Im Anschluß an die Verfügung des Stellvertre­ters des Führers vom 15. Oktober 1934 gebe ich bekannt, daß das Arbeitsgebiet des bisherigen Reichsgeschäftsführers der NSDAP. nunmehr wie folgt verwaltet wird:

Es gehören zum Arbeitsbereich:

1. des Reichsschatzmeisters Posteinlaufamt, Post­auslaufamt, Telephonzentrale, Hausdruckerei, Vergebung von Druckaufträgen, alle Angelegen­heiten, die die mißbräuchliche Verwendung von offiziellen Abzeichen der NSDAP. und ihrer Untergliederungen betreffen, sowie der allgemeine Schriftwechsel;

2. des Beauftragten zur besonderen Verwen­

dung im Stäbe des Stellvertreters des Führers, Parteigenosse Schulte-Strathaus: die

Begutachtung von Büsten und Plaketten des Führers;

3. des Beauftragten für alle Fragen der Volks­gesundheit, Parteigenosse Dr. med. Gerhard Wagner : das Amt für Sippenforschung, Leiter Dr. Achim Gercke (bisher NS.-Auskunft):

4. der Reichspressestelle die Schriftleitung des Verordnungsblattes der Reichsleituna der NSDAP.

Der Begriff „Führer" ist einmalig

General Göring wird im Auftrage des Führers einen Kranz niederlegen mit der Inschrift: „Ihrem einstigen heroischen Gegner in schmerz­licher Ergriffenheit die deutsche Wehrmacht."

Versonalveränderungen

Eine Bekanntmachung des Stellvertreters des Führers

Berlin, 16. Oktober.

Der Stellvertreter des Führers hat folgende Bekanntmachung erlassen:

Zur Erledigung besonderer Aufgaben hat der Führer den Parteigenossen Reichsleiter Bouh­ler nach Berlin berufen. Damit kommt die Dienststelle eines Reichsgeschäftsführers der NSDAP. bis aus weiteres in Fortfall. Ihre

Eine Anordnung des

Der Stabsleiter der Obersten Leitung der PO., Dr. Ley, hat die folgende Anordnung erlassen:

Die Bezeichnung „DerFLhrer" war für uns Nationalsozialisten immer ein unantastbarer Be­griff. Heute ist der Führer der NSDAP. der Füh­rer des gesamten Volkes und damit ist dieser Be­griff staats- und weltpolitisch eindeutig festgelegt.

Ich ordne daher für die Oberste Leitung der PO. an, daß kein Politischer Leiter, ganz gleich, in welcher Stellung innerhalb der Partei oder einer der angeschlossenen Organisationen er tätig ist, das Wort „Führer", auch nicht in Ver­bindung mit einem anderen Wort, für sich verwenden darf.

Gtabsleiters der VO.

Für die Deutsche Arbeitsfront ordne ich an, daß ab sofort für meine Person die Bezeichnung „Führer der Deutschen Arbeitsfront" nicht mehr gebraucht werden darf. Meine Dienstbezeichnung ist „Stabsleiter der PO."

Auch in organisatorischer Hinsicht ist eine be­sondere Bezeichnung nicht nötig, da meine Tätig­keit für die DAF. lediglich eine Fortsetzung der Arbeit für die NSDAP. ist. Das gleiche gilt für die Leiter der anderen Gliederungen der Partei und aller weiteren Organisationen.

Heil Hitler! gez.: Dr. R. Ley.

Am 15. Oktober 1844 wurde in dem Pfarr­haus zu Röcken bei Leipzig der Philosoph Friedrich Nietzsche geboren, dessen Lebens­werk die vernichtendste Kritik an der geistigen Welt des Liberalismus, die je geschrieben wurde, darstellt.

Jahrzehnte liegen zurück, seit ein einsamer Mann, einsam manchmal bis zur Verzweiflung, unverstanden selbst von den Besten seiner Zeit, erkannt in seiner ganzen Tiefe nur von seinem Freunde Peter Gast, in den Bergen des Engadin» in Sils Maria, ein Werk der Vernichtung schrieb. Denn zerstören wollte er mit seinen Büchern, weil er sah, wie krank diese Zeit war, in der er lebte, wie sehr Zerfall. Es war die erste prelle Fanfare des Kampfes gegen Liberalismus und Dekadenz.

Seine Einsamkeit machte ihn hart und stolz, auch wenn sie ihn schmerzte. Sein Urteil wurde nur noch klarer und kälter in ihm, so wie die Bergluft, in der er lebte. Diese Einsamkeit zeigte, wie groß der Vorstoß war, den sein Werk zu neuem Denken, zu neuem Leben darstellt.

Ein einzelner übersprang seine Zeit. Hart und unnachsichtlich war sein Urteil, wenn er Lüge Lüge nannte, wenn er dem Demokratismus Gleichmacherei und Mangel an großer Gesinnung zum Vorwurf machte, wenn er der „guten Gesell­schaft", die ihm verächtig war, ihre Maske vom Gesicht riß und ihre Heuchelei brandmarkte. Hart und unnachsichtig war sein Urteil, wenn er als erster die Wesensverwandtschaft zwischen bürger­licher „Moral" und Nihilismus und Marxismus kennzeichnete. Hart und unbestechlich deckte er die Linie des Verfalls und der Kräfte, die dazu führten, auf.

Seine Wissenschaft, seine Philosophie war ihm kein abstraktes System, kein verschachteltes Gsdankengebäude. Sie war Angriff, Bekenntnis, Glaube; sie sollte Beziehung zum Leben haben. Er lehnte es ab, sie mit dem Schein einer falschen Objektivität zu umgeben. Seine Wahrheiten waren lachend und hart. Seine Sätze waren klar und deutlich. Er führte eine neue, unerhörte Sprache in die Philosophie, in die Wissenschaft ein, einen neuen Stil, dichterisch und kühn, wo man bisher nur ein ausgeklügeltes, un­verständliches Satzgebäude gekannt hatte.

Friedrich Nietzsche überwand die aufklärerische Vernunft in der Philosophie und setzte an ihre Stelle eine Lehre der Vitalität. Er bekannte sich zu seiner Leiblichkeit und seinen Instinkten, in denen er die lebenserhaltende Kraft sah. Natur und Moral wieder in Einklang zu bringen war sein Ziel, der allgemeinen Verweichlichung stellte er das Ideal der männlichen Härte entgegen. So kalt er zerstörte, er vernichtete nur, um etwas Neues zu bauen. Sein Wille war schöpferisch. Er sah immer die Zukunft, das Ziel, das Erbe. Ein Bild schuf er, das Bild eines neuen Menschen, voller Willenslust und Lebensenergien, von einer freien Moral und einer härteren Pflicht, der frei sein wollte, um des Zieles und der Verantwortung willen.

Es ist nicht zu leugnen, daß manches an seiner Lehre zeitgebunden war, daß der Einsame den tiefsten Sinn der Gemeinschaft nie erlebte und nie erdenken konnte; aber er baute vorwärts. Er kannte den Wert des Blutes, der Rasse. Wertvoll ist für ihn nur, was lebens- und artfördernd, artzüchtend ist. Er will Zucht und Züchtung, weil er Werte will. Und so findet man Gedanken, praktische Vorschläge in seinen Aphorismen, die erst heute zur Geltung, zur Verwirklichung kommen.

Jahrzehnte liegen zurück, ein halbes Jahr- hundert, seit in der Einsamkeit des Engadin diese Werke entstanden, da die erste Fanfare zu einem Angriff ertönte, der erst in einem neuen Jahr­hundert zum Siege gebracht wurde. Ein einzelner übersprang seine Zeit, um in die Ferne, in die Jahrhunderte zu wirken und die Kraft eines ein­samen Geistes zu offenbaren.

Wir suchen den Typ eines neuen Wissenschaft­lers zu formen, erfüllt von tiefem, klarem Wissen und der Kraft eines großen, neuen Glaubens. Wir wissen, daß er nur langsam entstehen wird; wir wissen aber, daß er Züge haben wird, die diese Weise von Sils Maria bereits in sich trug.

Dr. Osrbarä Urügsr.

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Der Völkerbund soll zusammentreten Die Marseiller Bluttat Verhaftungen in der Tschechoslowakei Sitzung des Preußischen Ministerrates