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Donnerstag, 28. Februar
Einzelpreis 15 Rpf.
Letzte Vorbereitungen sür die Saar-Rückgliederung
Morgen eine Minute Berkehrsstiile
Feierliche Hissung der Reichsflaggen im Saargebiet am i. März
Der Memel-Nechtsbruch
Landtag zum siebenten Mal beschlußunfähig Kowno, 27. Februar.
Der memelländische Landtag sollte am Mittwoch wiederum zu einer Sitzung zusammentreten. Es versammelten sich zur festgesetzten Stunde alle 1? zugelassenen Abgeordneten, während die fünf Abgeordneten des litauischen Blocks auch diesmal fehlten.
Der Alterspräsident eröffnete die Sitzung und lieh die Eingabe an das Oberste Tribunal gegen die Mandatsaberkennungen verlesen. Dann verlas der Schriftführer. Riechert einen langen Protest gegen die verschiedenen künstlichen Behinderungen des Landtags. Im Laufe der Verlesung dieses Protokolls wurde im Zuschauerraum die litauische Nationalhymne angestimmt. Den Abgeordneten blieb nichts anderes übrig, als sich die Hymne stehend anzuhören. Dann erschien Polizei, die die Zuschauertribllne räumte. Die Abgeordneten blieben im Saal zurück. Daraufhin wurde der Protest von Riechert weiter verlesen.
Da nur 18 Abgeordnete anwesend waren, mutzte die Feststellung gemacht werden, datz der Landtag wiederum, und zwar zum siebenten Mal, infolge der Mandatsaberkennungen und des Fernbleibens der Litauer beschlußunfähig war.
Die leitenden Versönlichkeiten
Berlin, 27. Februar
Im Reichsgesetzblatt wird die zweite Verordnung zur Durchführung des Gesetzes gegen heimtückische Angriffe auf Staat und Partei und zum Schutze der Parteiuniformen veröffentlicht. Die Verordnung bestimmt, wer als leitende Persönlichkeit im Sinne des Gesetzes anzusehen ist.
Auf Grund des K 2 Absatz 4 des Gesetzes gegen heimtückische Angriffe auf Staat und Partei und zum Schutze der Parteiuniformen vom 20. Dezember 1034 werden als leitende Persönlichkeiten im Sinne des 8 2 Absatz 1 des Gesetzes bestimmt:
I. Der Führer und Reichskanzler, II. Leitende Persönlichkeiten des Staates: 1. Die Reichsminister, die Reichsstatthalter sowie die Vorsitzenden und Mitglieder der Landesregierungen. 2. Die Staatssekretäre des Reiches und der Länder. 3. Die preußischen Oberpräsidenten einschließlich des Staatskommissars der Hauptstadt Berlin. III. Leitende Persönlichkeiten der NSDAP.: 1. Die Reichsleiter. 2. Die Gauleiter.
Englischer Dampfer gesunken
Bremen, 27. Februar.
Von der Unfallstelle des verunglückten Dampfers „Blairgowrie" meldet Schnelldampfer „Europa" des Norddeutschen Lloyd durch Funkspruch, datz die Suche nach dem wahrscheinlich gesunkenen Schiff aIshofs - nungslosaufgegeben werden mutzte. Nach Verständigung mit den übrigen zur Unfallstelle geeilten Dampfern „American Banker" und „Bloomersdqk" setzte die „Europa" die Heimreise nach Bremerhaven fort. Wo sie infolge der durch die beabsichtigte Hilfeleistung hervorgerufenen Verspätung wahrscheinlich erst am Sonnabend, 2. März, vormittags, eintreffen wird. (Weitere Einzelheiten über das Unglück im Innern des Blattes.)
Berlin, 27. Februar.
Reichsinnenminister Dr. Frick wird aus Saarbrücken um 10.1.8 Uhr vor der feierlichen Flaggenhissung über den Rundfunk eine kurze Ansprache an das deutsche Volk richten. Auf das hieraus folgende Kommando „Hitzt Flagge!" erfolgt auch im Reich die allgemeine Beflaggung. In demselben Augenblick wird eine Verkehrsstille von 1 Minute eintreten. In der gleichen Zeit werden in ganz Deutschland die Sirenen aller Fabriken und Schiffe ertönen. Ebenso setzt zu dieser Zeit das ein- stündige Glockengeläut der Kirchen ein.
Saarbrücken, 27. Februar.
Der 27. Februar ist der vorletzte Tag vor der Rückgabe des Saargebietes an Deutschland. Das prägt sich im ganzen Saargebiet auf Schritt und
Berlin, 27. Februar.
Die sechste Vollsitzung der Akademie für deutsches Recht, die am Mittwochmittag im Berliner Rathaus stattfand, bot das gewohnte eindrucksvolle Bild. Der Präsident der Akademie für deutsches Recht, Reichsminister Dr. Frank, konnte in seiner Eröffnungsansprache die Reichsminister Darrö, Dr. Eürtner, von Neurath und Seldte sowie den französischen Botschafter Francois-Poncet und den tschechoslowakischen Gesandten Dr. Mastny begrüßen. Man sah außerdem zahlreiche Länderminister, den Reichspressechef der NSDAP., SS.- Eruppenführer Dietrich, die Staatssekretäre Meißner, Freisler, Schlegelberger, Reinhardt, Krohn, Königs und Backe, Staatskommissar Lippert, der» Korpsführer des NSKK. Hühnlein, Oberbürgermeister Sahm, den Präsidenten des Reichsgerichtes, Vumke sowie zahlreiche Mitglieder des diplomatischen Korps.
Reichsminister Dr. Frank wandte sich an den französischen Gast, Professor de Vabres, mit folgenden Worten: Die Akademie für deutsches Recht tritt an einem Feiertage zusammen; am 27. Februar vor zehn Jahren hat in einer unvergeßlichen Kundgebung in München unser Führer die neue Nationalsozialistische Deutsche Arbeiterpartei wiedergegründet. An diesem Feiertage danken wir Ihnen, Herr Professor, besonders für Ihren Besuch, weil wir deutschen nationalsozialistischen Rechtskllnder durchglüht sind von dem Willen, den deutschen Staat in Freiheit, Ehre und Gleichberechtigung wieder aufzubauen, weil wir in Ihrem Besuch den Gruß einer verständnis-
Tritt aus. lleberall ist man emsig dabei, die Ortschaften zu schmücken für die Feier der Rückgabe, und überall sieht man schon die Zeichen des neuen Deutschland erstehen. Da hämmern auf dem Bahnhof Homburg auf dem Dach einer Lokomo- tiohalle Eisenbahnarbeiter an einem großen Hoheitsabzeichen, an anderen Stellen sind bereits an amtlichen Gebäuden leuchtende Hakenkreuze und Lichtergirlanden angebracht. Fahnenmaste erstehen in ungezählten Mengen, und viele Tausende sind mit diesen Vorbereitungen beschäftigt.
Ministerialrat Haegert und Oberregierungsrat Eutterer vom Propagandaministerium sind dabei, die Anmarschstraßen festzulegen und die einzelnen Kundgebungen vorzubereiten. Es ist eine Eeneralstabsarbeit, 800 000 Menschen in einer Stadt unterzubringen, die nur 130 000 Einwohner hat. Noch schwieriger ist die Arbeit des Quartieramts des Dr. Jven, alle die vielen Gäste in
erfüllten französischen Rechtswelt sehen.
Ihr Besuch ist uns um so wertvoller, als wir wissen, datz im Auslande noch sehr viel irrige Meinungen über die deutsche Rechtspflege, über den Ernst der nationalsozialistischen Führerschaft, den Staat der Rechtssicherheit und Rechtswahrheit aufzubauen, vorherrschen. Wir danken Ihnen besonders, datz Sie durch Ihren Besuch zeige», datz Sie all diesen Meinungen nicht zum Opfer gefallen sind. Wir wollen in Ihrer Anwesenheit darüber hinaus noch eines sehen: So oft stand schon der Tod zwischen unseren Völkern, Herr Professor de Vabres, und nun möge im Interesse des europäischen Wiederaufbaues der Gedanke des Friedens und der Gedanke des Rechts auch zwischen unseren Völkern die freiheitliche Zusammenarbeit ermöglichen. Der stolze Deutsche wird den Stolz eines Franzosen ehren und achten.
Zum ersten Male sprach dann auf einer Vollsitzung der Akademie für deutsches Recht ein französischer Gelehrter, der Dekan der juristischen Fakultät der Sorbonne in Paris, llniversitäts- professor Dr. Donnedieu de Vabres. Er hatte sich für seinen Vertrag das interessante Thema „Die internationale Bekämpfung der Delikte des Völkerrechtes" gestellt.
Der Redner machte den beachtenswerten Vorschlag, der Einrichtung eines internationalen Strafgerichtshofes, der eine universelle Zuständigkeit für alle strafrechtlichen Verstöße gegen das Völkerrecht haben müsse. Unter die Zuständigkeit dieses Gerichtshofes sollten im allgemeinen die
Saarbrücken unterzubringen. Sonderzllge, aus allen Teilen Deutschlands kommend. Als Ehrengäste werden anwesend sein der Stellvertreter des Führers, Reichsminister Hetz, Ministerpräsident GLring, die Reichsminister Dr. Goebbels und Seldte, viele Reichsstatthalier, Reichsleiter der Partei, Gauleiter und Länderminister. Der Führer der Deutschen Arbeitsfront, Reichsorgam- sationsleiter Dr. Ley, der Führer des NSKK., Hühnlein, der Reichsarbeitsfllhrer Hier! und viele andere werden ebenfalls im Saargebiet erwartet.
Es hat den Anschein, als ob die Feier des 1. März die des 18. Januar noch bei weitem übertreffen wird, obwohl es damals schien, datz dieser spontane Jubel, diese spontane Freude eines befreiten Volkes bereits einey Höhepunkt darstellte, über den hinaus es nichts mehr an Freude geben kann. (Siehe auch Seite 2.)
Drillte der Seeräuberei, Falschmünzerei, des Sklaven-, Frauen- und Kinderhande^, Terrorismus, des Rauschgifthandels und der Verbreitung unzüchtiger Literatur fallen. Professor de Vabres schloß sein« Ausführungen, indem er zum Ausdruck brachte, daß die Bekämpfung der Straftaten, die die soziale Ordnung aller Staaten störten, einer großen moralischen und menschlichen Gerechtigkeit entspreche. Die Ausführungen des französischen Gastes wurden von der Versammlung mit lebhaftem Beifall aufgenommen.
Reichsminister Dr. Frank sprach dem französischen Gast im Namen aller Anwesenden herzlichsten Dank für seine Ausführungen aus. Er gab die Versicherung ab, daß die Akademie sich mit den von Professor de Vabres aufgestellten Thesen und Jdeengängen noch eingehend auseinandersetzen werde.
Der Vollsitzung der Akademie für deutsches Recht wohnten außer den schon erwähnten Persönlichkeiten auch der polnische Botschafter Lipski, der Hauptamtsleiter des Amtes für Beamte, Neef, und als Vertreter der Reichsjugendfllhrung Oberge-- bietsführer Axmann bei.
Am Nachmittag wurden die Verhandlungen mit einer Arbeitstagung fortgesetzt. Als erster sprach Reichsernährungsminister Darre über das Thema „Blut und Boden, ein Grundgedanke des Nationalsozialismus". (Diesen Vortrug geben wir im Innern des Blattes wieder. Die Schriftl.)
Den Schlußvortrag hielt Eeheimrat Professor Dr. E. Heymann über „Die Bedeutung der Rechtsvergleichung".
Die neuen Gesetze
Werke vollkommenster Zweckmäßigkeit * Bremen, 27. Februar.
Es ist wieder einmal eine Arbeit von u n - geheurem Ausmaß gewesen, die da mit den jüngsten Beschlüssen des Reichskabinetts vom nationalsozialistischen Staate vollendet wurde. Indem man sie betrachtet, weiß man nicht, was man mehr daran bewundern soll: die S't a a t s w ei s h e i t, die dasGefügedes neuen Gesetzgebungswerkes so schuf, daß es den Notwendigkeiten für unser Bolk auf unabsehbare Zeit Rechnung trägt oder den Geist, der diese Gesetze im Sinne nationalsozialistischer Weltanschauung durchdringt und den toten Buchstaben jene lebendige Kraft verleiht, die aus dem gesunden Rechtsempfinden des deutschen Volkes strömt.
Das Recht ist für das Volk da und nicht um des Rechtes selber willen. Im nationalsozialistischen Staate hat keine Rechtsbestimmung Platz, die spitzfindigen Auslegern ein Uebergewicht über den seines lebendigen Rechtsempfindens wohlbewußten Volksgenossen gibt. Wenn die neue Vergleichsordnung dem Schuldner fortan die leichtherzige Abschüttlung seiner Schulden erschwert, ja, unwürdige Schuldner von der Wohltat des Ausgleichsverfahrens ausschließt, gleichzeitig aber auch Gläubigern, die sich auf fragwürdige Weise Sondervor- teile verschaffen wollen, die Möglichkeit unterbindet, einen Druck auf die übrigen Gläubiger auszuüben, so liegt das im Sinne des redlich denkenden deutschen Menschen, der es nie verstehen konnte, wenn böswillige oder gar verbrecherische Schuldenmacher für ihr schlimmes Tun noch belohnt wurden oder wenn gewissenlose Gläubiger sich durch Versteifung auf den Buchstaben des Gesetzes wider dessen Geist zu versündigen vermochten.
Immer ist die Rechtspflege des nationalsozialistischen Staates bestrebt, jedweder Unmoral und erst recht jener, die im Gewände falsch gedeuteter Rechtsbestimmungen einher- geht, den Boden abzugraben und ihr jeden Stützpunkt, den sie in der erstarrten Form bisheriger Gesetzesmaßnahmen etwa finden könnte oder fand, zu nehmen. In diesem Sinne tritt das Gesetz gegen den unlau- terenWettbewerb jener Art von Ausverkäufen entgegen, die bisher oft ohne innere Berechtigung, nur um einen großen Kundenkreis anzuziehen, veranstaltet wurden, hinter denen weder eine geschäftliche Notwendigkeit noch eine persönliche Berechtigung stand. Den notwendigen Saisonschlutz- und Inventur-Verkäufen ist nach wie vor in dem Gesetze gegen den unlauteren Wettbewerb die Berechtigung zuerteilt; den Ausverkäufen unter falscher Flagge aber ein für allemal der Lebensfaden abgeschnitten. Unwahrhaftiqkeit und unlautere Geschüfts- kniffe werden im nationalsozialistischen Staate einfach nicht geduldet.
Auf dem Wege zur Sicherung eines planmäßigen Arbeitseinsatzes hat die Regierung in zielbewußter Fortsetzung ihrer bewunderungswerten Sozialpolitik das Gesetz für die Einführung des Arbeitsbuches > verabschiedet, das künftig als amtlicher Aus-
Völkerverbindendes Recht
Ein sramöslfcher Gelehrter spricht in der Akademie für deutsches Nechi
Kunst und Rundfunk in Island
Gtn Gespräch mtk dem isländischen Staatsmusikdtrektor Ton Letfs
Harald Spitzer
Ein Fürst und eine Flasche Rum...
Im nordischen Holzhaus eines abgelegenen Vorortes von Berlin wohnt der bedeutendste isländische Komponist und Dirigent Ion Leifs. Er hat die Leitung der musikalischen Abteilung am Staats- radiofon in Reykjavik übertragen bekommen. Das ist bedeutsam für den künstlerischen Austausch zwischen Island und Deutschland, denn Ion Leiss hat hier Musik studiert, seine Werke sind in deutschen Konzertsälen uraufgeführt worden, und Deutschland ist ihm zur zweiten Heimat geworden.
Das Gespräch mit dem jungen Künstler kommt auf seine Pläne und auf die Zusammenarbeit mit Deutschland. Ion Leiss erzählt:
„Die Wurzel unserer Kultur ist die Sprache. Sie wissen, daß wir seit der Wikingerzeit, also seit tausend Jahren, die gleiche Sprache sprechen. Das war nur möglich durch die Abgeschiedenheit in der Island, als Insel, jahrhundertelang geblieben ist. So hat unsere ganze kulturelle Entwicklung sich fern- gehalten von fremden Einflüssen. Meine Landsleute, Bauern wie Sie wissen, lesen abends in ihren Sagas, und in der Edda. Und eben sie lesen sie im Urtext! Wo finden Sie das sonst? Sie könn- ten sich nicht nur mit ihren Vorfahren unterhalten, stiegen die aus ihren Gräbern, nein, viel mehr noch, sie würden die Spanne der Zeit gar nicht merken, die zwischen ihnen liegt. So stark lebt der Isländer in der Tradition unserer alten Kultur.
Aber sehen wir ab von der Sprache allein. Die neuen Dichter wie Gunnarssen, Sigurjenssen, Kambran usw. haben Weltruf erlangt. Eine Ausstellung neuer isländischer Malerei wurde mit Erfolg in Europa gezeigt. Ein großes, schönes Natio- naltheater in Reykjavik ist im Bau. Auch das Schul- und Hochschulwesen ist in Island sehr hoch entwickelt.
Und dann mein eigentliches Gebiet der Musik. Wir haben Bauerngesänge von eigenartig herbem Reiz, alt wie die Edda und noch ganz erhalten. Daneben die moderne isländische Musik, die, wie die Literatur, bewußt auf Altem aufbaut.
Ich glaube, es ist nicht übertrieben zu sagen, daß wir, wohl infolge unserer alten Tradition das bildungsdurstigste Volk sind!"
„Wie weit geht nun der Rundfunk auf das Bildungsinteresse des Isländers ein?"
„Soweit man das. im Radio tun kann, wird es getan. Ein großer Teil der Sendungen sind Vortrüge, und es werden noch immer mehr verlangt. Eher würde der Isländer beim Konzert das Radio abstellen als bei einem Vortrag. Sehen Sie, das ist typisch für meine Landsleute: ehe sie Musik hören, wollen sie vorher alles ganz genau erklärt haben. Sie wollen nicht nur hören, sie wollen vor allem verstehen, was sie hören.
Eine große Rolle im Funk spielt der Nachrichtendienst. Denn für die Bauern im Innern, die nur alle drei bis vier Wochen von der Post aufgesucht werden (die Post ist wegen der schlechten Verkehrsverhältnisse meist drei Wochen unterwegs) ist das Radio die einzige Verbindung mit der Außenwelt. Vier Stunden wird täglich im ganzen gesendet, aber alle drei Stunden Tag und Nacht, der Wetterdienst. Das ist der einzige Programmteil, der außer isländisch auch deutsch und Englisch gesendet wird, der Schiffahrt wegen, die auf diese genauen Auskünfte angewiesen ist. Aber die Musik wird selbstverständlich nicht vernachlässigt. Diesen Sommer habe ich eine Beethovenwoche im Rundfunk veranstaltet, die bei den Hörern großen Beifall
„Welche Pläne haben Sie als Staatsmusikdirektor für Ihre künftige Arbeit?"
„Ich betrachte die Arbeit am Rundfunk nicht als meinen eigentlichsten Beruf. Die Uebertra- gung kann kein eignes Kunstwerk sein, sondern nur versuchen, ein Kunstwerk zu vermitteln. Ich möchte eine Saison — auch außerhalb des Rundfunks — einführen, im Mai und Juni, die auch den Fremdenverkehr heben soll.
Meine Bestrebungen finden weitgehende Unterstützung der Regierung. Sie möchte auch den Rundfunk weiter ausbauen. Zum Beispiel soll die Spannung von 16 Kilowatt auf 100 Kilowatt erhöht werden, so daß man in Zukunft den Isländer Sender überall im Auslande hören wird. Auch ein besonderer Kurzwellensender wird in wenigen Wochen in Betrieb genommen. Man hofft so, den Stamm der Hörer in Island zu vermehren. Bis jetzt besitzt jeder dritte Bauer ein Rundfunkgerät, von denen übrigens ein großer Teil aus Deutschland stammt. Aber noch muß die Regierung einen Zuschuß zum Betrieb des Senders leisten, obwohl die Hörer 30 Kronen (etwa 34,— RM.) jährlich als Abonnement zahlen."
„Wird der isländische Rundfunk auch die Beziehungen gerade zu Deutschland pflegen?"
„Schon früher wurde die deutsche Literatur und Musik, wie ich Ihnen eben schon erzählte, in Island geschätzt und gepflegt. Ich gastierte zum Beispiel 1926 in Reykjavik mit dem Hamburger Philharmonischen Orchester, damals ein seltenes Ereignis. In Zukunft werden bei den geplanten ausländischen Gastspielen die deutschen Künstler besonders stark vertreten sein. — Wir Nordländer wollen an keinen Untergang des Abendlandes glauben. Uns scheint die nordische Kultur noch nicht die eigentliche Reife erlangt zu haben. Vielleicht wird Deutschland einst darüber zu entscheiden haben, ob es gelingt, diese kulturellen Grundlagen ganz zu entfalten . , ,"
Diese Episode gehört zu meinen eigenartigsten Erlebnissen in Abessinien; eine solche Mischung von Stolz, Großzügigkeit Naivität ist wohl nur bei primitiven Menschen möglich.
Gleich, nachdem unser Zelt aufgestellt ist, schicke ich Ephraim, meinen braven schwarzen Dienet (der mich auf der ganzen Reise begleitet) ins „Schloß", um anzufragen, ob mir Ras (Fürst) Ailu Audienz gewähren wolle...
Es bleibt also etwas Zeit, meine Vorbereitungen zu treffen. Der Leinenanzug, der Tropenhelm und die Reitstiefel liegen geputzt vor mir; ich habe mich nur noch umzuziehen. Plötzlich dröhnt vom Hügel her ein dumpfes Getrampel.
Erschreckt springe ich ins Freie: durch ein großes Tor in einem hohen Palisadenzaun marschiert eine Kompagnie schwarzer Soldaten, an ihrer Spitze Ephraim, herunter.
Schleunigst beende ich meine Toilette und trete gleich darauf dem Militär in Haltung entgegen. Es sind vielleicht hundert Mann in Khakiuniform, mit langen Hosen und barfuß. Sie tragen hohe Schildkappen. Jeder hat ein Gewehr geschultert; auch der Offizier. Vor meinem Zelt machen sie halt, und Ephraim teilt mir, stolz grinsend, auf italienisch mit, Ras Ailu freue sich, meine Bekanntschaft zu machen und habe mir seine Leibgarde zum Empfang entgegengeschickt.
Die Schwarzen nehmen mich in die Mitte, und wir steigen den Hügel zum Schloß hinauf. Ein schmuckloser, kasernenhafter Steinwürfel mit hohem Strohdach. Zwei Soldaten führen mich und Ephraim, der als Dolmetsch fungieren soll, durch e- l"naen, weißgetünchten, türlosen
Gang, an dessen fernem Ende ein buntfarbiger Vastvorhang leuchtet.
Dieser führt zu dem „Audienzsaal" des Ras. Hier sieht es wie in einem riesigen Trödlerladen aus; ein europäisch-afrikanisches Tohuwabohu.
Auf einem altmodischen Zahnarztstuhl thront Ras Ailu und reicht mir seine schöngeformte, edelsteinbesetzte Hand. Er ist ganz in Seide gekleidet; ein weißes Hemd, darüber ein prächtiger Ueberwurf lässig gelegt, weiße lange Hosen; an den Füßen sandalenähnliche, dunkelrote Schuhe . . .
Ein Mann in den besten Jahren. Das ausgesprochen schöne, länglich-schwarze Gesicht drückt Würde, Wohlwollen und versteckte Grausamkeit aus; verschlossene stolze, rätselhafte Augen. Der große, kräftige Körperbau erinnert in seiner sehnigen Geschmeidigkeit an ein Tier ...
In einer Ecke des Saales befindet sich eine weißlackierte Eartengarnitur. Ueberall hängen oder stehen mächtige Uhren ältesten Kalibers, einen tüchtigen Lärm erzeugend. Irgendwo schlummert staubbedeckt eine alte, verrostete Nähmaschine. Am Boden liegen herrlich-bunte Teppiche abessinischer Herkunft. Von der ziemlich niederen Zimmerdecke duftet eine große Petroleumlampe anheimelnd herunter. Die Wände sind mit prächtigen Gemälden, Abessinier in vollem Ornat darstellend, verziert.
Ich sitze dem Ras gegenüber, hinter mir steht Ephraim.
Im Laufe des Gespräches läßt mich der Herrscher fragen, ob ich eine der „Zeitkisten" reparieren könne. Die alte Tante steht ganz schief. Nachdem ich ihr zu richtiger Haltung verhelfen und
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