Ausgabe 
(27.2.1935) Nr. 58
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Nr. 58 / 3. Jahrgang

19 3 5

Mittwoch, 27. Februar

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Arbeit am Merk der nationalsozialistischen Gesetzgebung

Beschlüsse des Reichskabinetts

Reue Vergleichsordnung / Beseitigung der Gerichtsferien / Einführung eines Arbeitsbuches / Gegen unlauteren Wettbewerb / Förderung des Kraftverkehrs

Variier Ministerrat

Laval über Simons Berliner Reise Paris, 26. Februar.

Unter Vorsitz des Präsidenten der Republik, Lebrun, fand am Dienstag ein Ministerrat statt. Dem amtlichen Bericht zufolge hat Außenminister Laval über die laufenden außenpolitischen Ver­handlungen und über die Ergebnisse des Pariser Besuches des östereichischen Bundeskanzler Bericht erstattet. Nach einem Vortrag des Justizministers beschloß der Ministerrat, einen Gesetzentwurf ein­zubringen, der die Veröffentlichung falscher Nach­richten, die geeignet sind, die Disziplin oder die Stimmung des Heeres, der Marine oder des Luftheeres zu erschüttern, unter Strafe stellt. Der Landwirtschaftsminister wurde ermächtigt, einen Gesetzentwurf zur besseren und billigeren Versor­gung der Bevölkerung mit Fleisch und Milch ein­zubringen.

In gut unterrichteten politischen Kreisen wird betont, daß sich der außenpolitische Bericht Lavals vor dem Ministerrat auch auf die kommen­den deutsch-englischen Verhandlun­gen bezogen hat. Die französische und die eng­lische Regierung sind sich darin einig, den Grund­satz der Gleichzeitigkeit der Londoner Vorschläge vom 3. Februar aufrechtzuerhalten. Angesichts der Einstellung der deutschen Regierung sei vor­auszusehen, daß bei den Berliner Verhandlungen Sir John Simon wahrscheinlich den geplanten Lüftpakt an erster Stelle erörtern werde. In Paris halte man aber auch an dem Ostpakt und an der Mehrseitigkeit des gegenseitigen Beistan­des fest.

Unruhen in Algerien

Ora«, 26. Februar.

In MostaganeM bei Oran (Algerien) kam es zu Arbeitslosen-Kundgebungen, die in eine wahr« Straß enschlacht zwischen den Arbeitslosen und den zur Wiederherstellung der Ordnung ein­gesetzten Truppen ausartet«». Die Arbeiter gin­gen mit ihrem Handwerkszeug gegen die Soldaten vor und verletzten mehrere algerische Schützen. Erst nachdem Militär aus Oran eingesetzt worden war, gelang es, die Ruhe wiederherzustellen.

Gmder Dampfes in Seenot

London, 26. Februar.

Einer Lloyd-Meldung zufolge hat der in Emden beheimatete kleine deutsche Dampfer „Europa" (2196 Tonnen), der von Tunis nach Rotterdam unterwegs ist, am Montagabend 18 Meilen von Cap Villano (Nordwestspanien) SOS-Rufe aus- gesandt und um Entsendung von zwei Schlepp­dampfern gebeten. Der spanische Dampfer „Sciudad" meldet, daß er sich längsseits der „Europa" befinde und daß ein Schlepper unterwegs sei.

Nach einem späteren, bei der Atlas-Reederei- Emden von Bord des Dampfers eingegangenen Telegramm, dürfte das Schiff in der Lage sein, Coruna mit eigener Kraft anlaufen zu können. An Bord ist alles wohl.

Einer Meldung des Norddeutschen Lloyd Bre­men zufolge ist der Lloyddampfer „Mosel", der die ganze Nacht hindurch in der Nähe des Damp­fers „Europa" lag, wieder auf seinen Kurs ge­gangen, nachdem die „Europa" der Hilfe der „Mosel" nicht mehr bedurfte.

Berlin, 26. Februar.

Das Reichskabinett genehmigte in seiner Sitzung am Dienstag die vom Reichsminister des Auswärtigen vorgelegte Bekannt­machung über die Vereinbarungen und Er­klärungen aus Anlatz der Rückgliederung des Saarlandes. Es handelt sich hierbei um das bereits im wesentlichen bekannte Ab­kommen von Rom, das insbesondere auch die Uebertragung des Eigentums an den Saargruben, Eisenbahnen usw. und die Re­gelung der Währungs-, Schulden- und Ver- sicherungssragen enthält.

Weiter verabschiedete das Reichskabinett die vom Reichsjustizminister vorgelegte neue Vergleichsordnung, die die Mangel der gel­tenden Vergleichsordnung beseitigt und die ganze Materie einer gründlichen Umgestal­tung unterwirft. Hierdurch werden unwür­dige Schuldner wirksamer als bisher vom Vergleichsverfahren ferngehalten und die Versuche einzelner Gläubiger, sich auf Kosten

der Mitgläubiger Sondervorteile zu ver­schaffen, nachdrücklichst unterbunden.

Angenommen wurde ein Gesetz über die Be­seitigung der Gerichtsferien, ein Ge­setz über den Waffengebrauch der Forst- und Iagd- schutzberechtigten sowie der Fischereibeamten und Fischereiaufseher, weiter ein zweites Gesetz zur Aenderung des Kraftfahrzeugsteuergesetzes, wo­durch eine weitere steuerliche Begünstigung für Personen- und Lastkraftwagen eintritt, insbeson­dere durch eine Bevorzugung der Kraftwagen, die mit nichtsliissigen Treibstoffen betrieben werden.

Verabschiedet wurde ein Gesetz über die Ein­führung eines Arbeitsbuches, durch das ein einheitlicher amtlicher Ausweis über die Berufsausbildung und die beruflich« Entwickelung der Arbeiter und Angestellten geschaffen wird. Das Gesetz zur Aenderung des Gesetzes gegen den unlauteren Wettbewerb schafft die Voraussetzungen für eine wirksamere Bekämpfung des Schwindels bei Ausverkäufen. Ein Gesetz zur Aenderung des Handelsgesetzbuches erleichtert ins-

„Kaleoala oder Kareliens alte Runen aus den Urzeiten des finnischen Volkes"; sie enthielt, auf 32 Runen verteilt, 12 678 Verse und wurde von der Finnischen Literaturgesellschaft 1835 als Band II ihrer Veröffentlichungen herausgegeben. Lönnrot hat unermüdlich weitergesammelt: 1846 konnte die Literaturgesellschaft unter dem Titel „Kanteletar" d. i. Personifikation der Kantele, des finnischen Saiteninstruments, eine Samm­lung der schönsten lyrischen Runen und 1849 die zweite vermehrte Ausgabe des „Kalevala" veröf­fentlichen. Diese letzte Fassung enthielt 86 Runen mit insgesamt 22 795 Versen. Daneben kamen noch umfangreiche Sammlungen von Sprichwörtern, Rätseln?, Zauberrunen heraus. Die zweite Fassung von 1849, die auch in deutscher llebersetzung vor­liegt, ist die wichtigste, wenn auch ihr manche Feinheiten der alten Ausgabe von 1835 verloren­gingen.

Im Mittelpunkt des Kalevala steht der Sampo- Zyklus. Der alte weise Wäinämöinen und der kunstfertige Schmied Jlmarinen freien um die schöne Nordlandjungfrau; Jlmarinen erringt sie, indem er für Nordland das rätselhafte, Glück und Fruchtbarkeit spendende Sampo schmiedet. Später ziehen beide Helden von Kalevala erneut aus, um das Sampo wiederzugewinnen. Sie können ihren Raub jedoch nicht in Sicherheit bringen. Während der Seefahrt werden sie von der Herrin des Nordlandes eingeholt, die sich in einen Adler verwandelt hat und auf ihren Flügeln ihre Man­nen mit sich trägt. Bei dem Kampfe zerbricht das Sampo in Stücke, die dort, wo sie hingelangen, Glück spenden; Wäinämöinen rettet einige Split­ter für seine Heimat. — In diese Hauptbegeben­heiten sind drei Liederzyklen einverwoben: Die Ainolieder berichten von der lieblichen Aino, die beim Liederwettstreit zwischen ihrem Bruder und Wäinämöinen als Preis errungen wird; sie will jedoch ihr junges Leben nicht an den greisen Sän­ger ketten und findet den Tod in den Fluten. --

besondere die Bareinzahlung bei Einlagen durch Zulassung der Ueberweisung auf das Bankkonto.

Das Gesetz zur Befriedigung des Bedarfes der Landwirtschaft an Arbeitskräften schafft für die Zukunft die Möglichkeit, landwirtschaft­liche Arbeitskräfte aus berufsfremder Tätigkeit abzulösen und der Landwirtschaft wieder zuzu­führen.

Durch ein vom Reichswirtschaftsminister vor­gelegtes Gesetz wird der U.e Hergang des Bergwesens auf das Reich eingeleitet. — Durch ein Gesetz über die Gewährleistung für den Dienst von Schuldverschreibungen der Kon- oersionskasse für deutsche Auslandsschulden wird eine Regelung getroffen, durch die diese Schuld­verschreibungen zukünftigen Beschränkungen durch die Devisengesetzgebung nicht unterliegen sollen.

Schließlich verabschiedete das Reichskabinett ein Gesetz zur Aenderung des Finanz­ausgleiches, durch das die Anteile der Länder an der Einkommensteuer, der Körper­schaftssteuer uud der Umsatzsteuer gekürzt werden, wenn diese Steuern gewisse Beträge überschreiten.

In den Runen, die Lemminkäinen gewidmet sind, wird ein fröhlicher Don-2nan-Typ geschildert, der die verwegensten Abenteuer besteht und durch die Liebe seiner Mutter aus der Unterwelt befreit wird. — Die düsteren Kullervo-Runen, die zu den schönsten des Epos gehören, schildern die tragischste Gestalt der finnischen Poesie; alles, was er unter­nimmt, schlägt zum Unheil aus; verzweifelnd stürzt er sich in fein Schwert. — Als Einleitung beginnt das Epos mit dem wundersamen Lied von der Erschaffung der Welt; der Schluß schildert die Meeressahrt des alten Wäinämöinen in die ewige Ferne hinaus.

Ein kostbares Nationalgut ist dem finnischen Volke mit diesen Liedern seiner Vorväter anver­traut worden, ein Erbe, das es wert ist, gehütet und mit sorglichem Geiste an die späteren Gene­rationen weitergeleitet zu werden. So wird mit

Das Hohelied des Parteigenossen

Unterredung mit Reichsschatzmeister Schwarz:

Der Hauptschriftleiter der NSK. hat Reichsschatzmeister Schwarz um eine Unterredung gebeten, dem seit zehn Jah­ren einerseits die Betreuung der wirt­schaftlichen Opfer der Parteigenossen ob­liegt und der andererseits als der Reichs­leiter der gesamten Verwaltung der Par­tei der Mann ist, in dessen Händen die Fäden der gewaltigen verwaltungs­mäßigen Kleinarbeit in der Partei zu­sammenlaufen. Der Hauptschriftleiter der NSK. berichtet über diese Unterredung folgendermaßen:

Reichsschatzmeister Schwarz beginnt mit einer Schilderung des Neubeginns der Par­teiarbeit vor nunmehr zehn Jahren, am 27. Februar 1925:

„Nach seiner Entlassung aus der Festung hat der Führer den Entschluß gefaßt, keine der völkischen Organisationen, die sich im Jahre 1924 unter Berufung aus ihn gebildet hatten, korporativ zu übernehmen. Er hat ganz neu begonnen, um so die Partei wieder aus allerkleinsten Anfängen heraus aufzubauen.

Die Partei mußte ihre Geschäftsstelle pro­visorisch in den Räumen des Eher-Verlages unterbringen. Hier wurden die ersten An­meldungen bearbeitet, die unmittelbar nach der Gründungsoersammlung bereits auch aus den verschiedensten Teilen des Reichs einzu­laufen begannen. Es wurde draußen ver­schiedentlich schon in den ersten Monaten, ohne daß die Partei besondere propagandi­stische Maßnahmen in den einzelnen Ge­bieten damals lsätte treffen können, durch die eigene Initiative von Parteigenossen eine lebhafte Werbetätigkeit entfaltet. Orts­gruppen wurden gegründet. Wir hatten in München in unserer kleinen Geschäftsstelle die Freude, an den Aufnahmescheinen den Erfolg dieser Pionierarbeit draußen un­mittelbar verfolgen zu Könnern Und es ist gut, wenn wir uns heute rückblickend daran erinnern, wieviel Mut, Begeisterung und unermüdlicheArbeit damals mit jedem Aufnahmeschein, der in unsere Hände kam, verbunden waren. Als erstes besonders erfolgreich bearbeitetes Gebiet ist mir das Gebiet des heutigen Gaues Südhannover- Braunschweig in Erinnerung."

Auf die Frage, in welchem Maße die Partei damals wuchs und in welchem Verhältnis dazu der Ausbau der Zentrale in München vorgenommen wurde, antwortete Reichs­schatzmeister Schwarz: „Der erste Grundsatz war damals schon: Niemals über mehr Mittel zu verfügen, als tatsächlich vorhanden sind. Dieser Grundsatz ist heute ebenso das Fun­dament der Verwaltung unserer jetzigen Millionen-Organisation. Nur mit die­sem Grundsatz kann der Opferwille der Parteigenossenschaft zu wirklich fruchtbaren Arbeitserfolgen führen.

Bis zum Herbst 1935 wurde die ganze Organisationsarbeit der Reichsleitung von dem damaligen Reichsgeschäftssührer Pg. Bouhler und mir sowie mit drei Hilfs­kräften bewältigt. Erst im Sommer 1925 hat

Recht der kommende Tag des Gedenkens an Lönn­rot und seine Leistung ein besonderer finnischer Feiertag sein. Wir Deutschen aber sind gerade heute in der glücklichen Lage, die vaterländische Freude über solch kostbaren Volksschatz vollauf nachempfinden zu können, dursten wir doch soeben den 156. Geburtstag eines der besten Söhne un­seres Volkes, Jakob Grimms, begehen, der eben­falls die verborgenen reinen Quellen unseres Volkstums erschloß, der vor hundert Jahren sein Hauptwerk über die deutsche Mythologie vorlegte und der von der „großen Schönheit und Bedeu­tung" der Kalevala-Lieder verlockt als einer der ersten Ausländer 1845 seinem begeisterten und be­geisternden Vortrag über „Das finnische Epos" den unvergleichlichen Reichtum des Kalevala er­kannte und unserem Volke nahegebracht.

ll. «.

Nächste Woche Berliner Neste Simons

Einstimmiger Beschluß des englischen Kabinetts

London, 26. Februar.

Der parlamentarische Mitarbeiter der „Times" schreibt: Die Ankündigung des Staatssekretärs des Aeußeren, daß er Berlin in der nächsten Zeit einen Besuch abstatten werde, war das Ergebnis eines vom Kabinett einstimmig gefaßten Be­schlusses. Die Minister waren übereinstimmend der Meinung, daß die Andeutung der deutschen Regierung, wonach jede in der englisch-französi­schen Erklärung aufgeworfene Frage auf einer Zusammenkunft zwischen britischen und deutschen Ministern geprüft werden solle, sie zur An­nahme der Einladung berechtige. Man erwartet jetzt, daß Simon ungefähr Mitte nächster Woche nach Deutschland abreisen wird. Ob er allein reisen, oder vom Großsiegelbewahrer Eden be­gleitet sein wird, ist noch nicht entschieden. Viel mag davon abhängen, ob auf den Besuch in Ber­lin Besuche in Moskau und Warschau folgen.

Es verlautet, daß der Sowjetbotschafter in London, Maisky, nunmehr der britischen Regie­rung die formelle Einladung zu einem Besuch in Moskau übermittelt hat. Auch diese Ange­legenheit wurde vom Kabinett geprüft, doch soll hierüber erst später entschieden werden. Einige Kabinettsmitglieder sind der Meinung, daß ein Besuch in Sowjetrußland wünschenswert sei, daß

es indessen fraglich sei, ob der Besuch in erster Linie vom Staatssekretär des Aeußeren selbst ab­gestattet werden solle. Sie schlagen als Aus­weg vor, daß Simon nach seinem Berliner Be­such nach London zurückkehren und dem Kabinett Bericht erstatten solle und daß in der Zwischen­zeit ein anderer Minister sowohl Moskau und Warschau zur Erkundung der Haltung der Sow­jet-Regierung und der polnischen Regierung ge­genüber dem Ostpakt besuchen könnte.

„Times" weist in einem Leitaufsatz darauf hin, daß ein offizieller Besuch Simons in Berlin als sicher, ein Besuch in Moskau als beinahe sicher, ein Besuch in Warschau als wahrscheinlich und ein Besuch in Prag als möglich betrachtet werden könne. Eins solche Reihe von Besuchen sei in einem außergewöhnlichen Augenblick der europäi­schen Geschichte leicht zu rechtfertigen. Der Besuch in Berlin gehöre in eine besondere Klasse. Er sei bestimmt überfällig. Seit Uebernahme der auswärtigen Angelegenheiten habe Simon wie­derholt Besuche in Paris abgestattet und hab« Mussolini in Rom aufgesucht. Die Erklärung am Ende des Londoner Kommuniques, daß die fran­zösische und die britische Regierung ihre Beratun­gen sofort nach Eingang der Antworten der an­deren interessierten Mächte wieder aufnehmen

würden, sei in Berlin als ein Versuch ausgelegt worden, die Führung der Verhandlungen auf «ine französisch-britische Grundlage zu stellen. Leider sei es wahr, so sagt die „Times", daß der Gegen­satz zwischen Frankreich und Deutschland der euro­päischen Unruhe zugrunde liege. Daher sei es nicht unnatürlich gewesen, daß die deutsche Regie­rung in ihrer Antwort auf die Vorschläge vom 3. Februar die Anregung gemacht habe, ein briti­scher Minister solle Berlin besuchen, um in beson­deren Verhandlungen ein« Anzahl grundsätzlicher Fragen zu klären.

Ebenso wie mit Mussolini persönlich nur in Rom verhandelt werden könne, so könne mit Hitler nur in Berlin verhandelt werde», und der eine wie der andere seien allein verantwortlich für die Politik ihrer Regierungen. Es sei des­halb natürlich, daß der deutsche Borschlag gemacht worden sei, daß er sofortige Unterstützung in der britischen Presse gesunden habe und daß er jetzt von der britischen Regierung angenommen sei.

Sir John Simon trifft am Donnerstagvormit­tag in der französischen Hauptstadt ein. Sehr wahrscheinlich wird der englische Botschafter am Donnerstagmittag ein Frühstück geben, zu dem auch der französische Außenminister Laval geladen wird.

Das ILalevala-Epos

yur Jahrhundertfeier der Erstausgabe des finnischen Lattonalepos

lm 28. Februar vor hundert Jahren schloß as Lönnrot das Vorwort zu seiner ersten Kale- a-Ausgabe ab. Der Tag ist seit längerer Zeit ährlich als sog. Kalevala-Tag gefeiert worden i wird nun in'diesem Jahre in besonderem me begangen. Denn das Kalevala-Epos be­tet einen wichtigen Markstein in der kultu- en und sprachlichen Entwicklung des finnischen ckes. Sein Erscheinen vermittelte dem Volke Bewußtsein der in ihm verborgen liegenden tischen Kräfte und gab den Anlaß zu einer va- ändischen Forschungsarbeit, die die besten ster auf den Plan rief und auch heute noch t abgeschlossen ist. Will man das Wesen und Bedeutung dieser einzig dastehenden Volks- ersammlung erkennen, muß man einen Blick ihre Entstehung werfen, m Mai des Jahres 1828 wanderte der zunge ldent Elias Lönnrot, mit wenigen mühsam zu- mengesparten Papierrubeln in der Tasche, ch ganz -Mittelfinnland bis an die nordkare- je Grenze, auf der Suche nach den alten An­gefangen seines Volkes. Er war der Sohn es armen Dorfschneiders, war unter großen Gehrungen Student geworden und hatte an Universität Turku (Abo) mit offenem Herzen ! liebevoller Begeisterung die mannigfachen An- ungen zum Einsammeln der alten Volkslieder sich aufgenommen. Man wußte, daß/ich bei Bauerngeschlechtern in den östlichen Einöden ; finnische Runengesänge durch treue muns- e Ueberlieferung in reicher Zahl "halten ten. Ihnen nachzuspüren und sie systematffH zuzeichnen, war die Absicht, mit der Lonnrot ie mühselige Reise antrat. Die Hauptgeblere

des Runengesangs konnte er allerdings vorerst noch nicht erreichen; der Mangel an Mitteln zwang ihn zur Umkehr. Er hatte aber doch einen kostbaren Schatz alter und neuerer Volkslieder aufzeichnen können, die er nach seiner Rückkehr auf eigene Kosten drucken ließ. Es erschienen vier Hefte (1829 bis 31), für das fünfte konnte er die Druckkosten nicht mehr aufbringen. Er wandte sich kurz entschlossen dem medizinischen Studium zu, um eher fertig werden und Mittel zur Aus­führung seiner Pläne verdienen zu können. Nach Abschluß des Doktorexamens ließ er sich als Kreis­arzt in das entlegene Kajaani versetzen, um dem Runengebiete näher zu sein. Inzwischen war von ihm gemeinsam mit einer Schar gleichgesinnter Freunde die Finnische Literaturgesellschaft (1831) gegründet worden, die die Drucklegung der Lieder unterstützen sollte.

Eine Wanderung in die Liedergebiete im Jahre 1833 brachte Lönnrot den ersten großen Erfolg: es gelang ihm, zwei Runensänger zu finden, von denen ihm der eine die umfassendste Zusammen­stellung verschiedener Runenzyklen, der andere den vollständigen Samppzyklus, die umfangreichste epische Liedergruppe vorsingt. Nach der Rückkehr sichtete Lönnrot das Material, gruppierte es um die Gestalt des . alten Sängers Wäinämöinen und legte es der Literaturgesellschaft vor. Von der Veröffentlichung sah er zunächst ab. Er begab sich im folgenden Jahre erneut nach Hinterkarelien und fand dort den „König der Runensänger", den achtzigjährigen Arhippa Perttunen, der ihm drei Tage lang von den Kaleva-Söhnen vorsingt. Lönnrot ordnete hierauf nachmals das Lieder­material und nannte diese Zusammenstellung

Peter Lamm

Die grollende Matrone

In einem kleinen Kino des Berliner Westens hat sich am Ende der vorigen Woche ein höchst merkwürdiger Vorfall begeben. Kaum hatte die Vorstellung begonnen — es liefen gerade die ersten Bilder der Wochenschau —, als eine Be- sucherin des dritten Platzes gänzlich unvermit­telt entsetzt zu schimpfen anfing. Es gelang mit großer Mühe, sie hinauszugeleiten und einiger­maßen zu beruhigen.

Bei Licht besehen war es eine schlichte Frau von bescheidener Rundlichkeit, auf die man', wenn sie nicht so entsetzliche und bedrohliche Ausdrücke gebraucht hätte, gut und gerne den so selten zu vergebenden Ehrentitel einer Matrone hätte an­wenden können. Leise grollend entfernte sie sich.

Bei der zweiten Vorstellung mußte an genau der gleichen Stelle der Ausführung wieder eine

Frau hinausgeleitet und beruhigt werden, dies­mal freilich nicht, weil sie geschimpft, sondern weil sie ganz herzzerbrechend geschluchzt hatte.

Wiederum bei Licht besehen stellte es sich her­aus, daß die schluchzende Frau der zweiten Vor­stellung mit der-entsetzlich schimpfenden Matrone der ersten Aufführung identisch war. Sie hatte sich mit einer neuen Eintrittskarte unbemerkt in die zweite Vorstellung geschlichen und bei genau derselben Stelle, bei der es das erstemal aus ihr zu schimpfen angefangen hatte, hatte es das zweitemal zu schluchzen angefangen.

Die in Frage stehende Szene der Wochenschau war ein nur wenige Meter langer Streifen vom tanzenden Parkett des letzten Reimannballes. Man sah darauf nur einige verlegen grinsende oder gezwungen lächelnde L-mte, die sich offenbar