Ausgabe 
(23.2.1935) Nr. 54
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Nr. 54 / z. Jahrgang

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Sonnabend, 23. Februar

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Die Gowjetregierung will den englischen Außenminister nach Moskau einladen

Simons Berliner Reiseplane

England setzt seine Vermittlungsbemühungen fort / Entsendung

eines Fragebogens an Deutschland

London, 22. Febr.

Wie der diplomatische Reuterberichterstatter er­fährt, steht die britische Regierung durch Ver­mittlung der diplomatischen Vertreter in stän­diger Verbindung mit den Regierungen von Deutschland, Italien, der Sowjet-Union sowie Frankreich. Die Möglichkeit eines Besuches Sir John Simons in Berlin und Moskau wird weiter mit großer Aufmerksamkeit erörtert.

Zurzeit ist man damit beschäftigt, einen Rah­men für die Verhandlungen zu finden, die Außen­minister Simon mit dem deutschen Reichskanzler führen könnte. Simon würde wahrscheinlich noch von einem anderen Minister begleitet werden. Die zurzeit bestehende Schwierigkeit wegen des Abschlusses eines Ostpaktes liege in der Frage der Militärgarantien, auf denen Polen, die Tschecho­slowakei und die Sowjet-Union bestehen, während Deutschland Bedenken geäußert habe. Das Be­streben der europäischen Mächte gehe gegenwärtig dahin, eine Kompromißformel zu finden.

DieTimes" meldet: Die Beratungen zwischen der britischen und der französischen Regierung über die-Vorschläge des Londoner Kommuniques vom 8. Februar und die deutsche Antwort nehmen ihren Fortgang. Hinsichtlich' der Pakte zur Siche­

rung gegenseitigen Beistandes in Osteuropa gehe die britische Auffassung dahin, daß bereits eine er­hebliche Vorarbeit geleistet sei, insofern, als ein Nichtangriffspakt zwischen Deutschland und Polen und ein solcher zwischen Polen und der Sowjet­union wie auch die jkrgänzungsverträge von Lo- carno beständen. Da die deutsche Regierung ihre Bereitwilligkeit zum Abschluß von Nichtangriffs- verträgen mit allen Nachbarn Deutschlands aus­gedrückt hab«, erwäge man, daß Deutschland solche Pakte mit Litauen und der Tschechoslowakei ab­schließe.

Der diplomatische Korrespondent desDaily Herald" erwartet, daß die Sowjetregierung in den nächsten Tagen eine offizielle Einladung an Simon zu einem Besuch in Moskau richten werde, die angenommen werden würde. In diesem Fall würde Simon wahrscheinlich nach seinen Ber­liner Besprechungen nach Moskau gehen und in Warschau und vielleicht auch Prag auf der Hin­oder Rückreise haltmachen. Dies würde das erste Mal sein. daß ein britischer Minister seit Gründung der Sowjetrepublik im Jahre 1917 Rußland besuche. Simon werde nach einer Grund­lage suchen müssen, die für Deutschland und Polen annehmbar und .für Sowjetrußland und die Kleine Entente bsfriehigend, sei. Die Notwendigkeit eines

Vermittlungsschrittes sei dringend. In einem Leitaufsatz bemerktDaily Herald", das Problem der östlichen Sicherheit müsse durch den Bau einer Brücke zwischen Moskau und Berlin gelöst werden.

Paris, 22. Februar.

Der diplomatische Meinungsaustausch, den Außenminister Laval mit den Botschaftern ver­schiedener Mächte hatte, wird von der Presse stark beachtet.Petit Perisien" nimmt an, daß Laval und der italienische Botschafter sich über alle. Einzelheiten des zweiten Berhandlungsab- schnittes, der wahrscheinlich zur Entsendung eines Fragebogens an die Reichsre­gierung führen werde, unterhalten hätten. Der Donau-Pakt, der Italien besonders angehe, sei eingehend zwischen Laval und dem italieni­schen Botschafter erörtert worden. Die Bespre­chung des Außenministers mit dem polnischen Botschafter habe sich hauptsächlich auf den Nord­ostpakt bezögen, der einen wesentlichen Teil des Londoner Protokolls bilde. Das Blatt sucht dann den Inhalt der Unterredung Lavals mit dem deutschen Botschafter zu ergründen. Dieser Be­such sei besonders .bezeichnend. Die Dinge schei­nen sich günstig ^entwickeln,- ^ s.,

Aufwärtsentwicklung im Verkehrswesen

Lockerung der Grvtzkonzerne / Llmorganifatlon der Grotzschiffahrt abgeschlossen

Berlin, 22. Februar

Unter dem Vorsitz des Reichsverkehrsministers fand im Reichsverkehrsministerium die fünfte Sitzung des Reichsverkehrsrats statt. Der Staats­sekretär des Reichsverkehrsministeriums, Kö­nig, gab einen lleberblick über die Verkehrs­entwicklung in den letzten Monaten. In allen Zweigen zeigt sich im Jahre 1934 eine erfreuliche Aufwärtsentwicklung, wenn auch der Verkehrsumfang des Jahres 1929 noch nicht wie­der erreicht ist. Bei weitem am stärksten ist die Zunahme der Kraftwagen; im letzten Viertel­jahr 1934 sind gegenüber dem gleichen Zeitraum des Vorjahres fast 83 v. H. mehr Personenwagen und sogar 118 v. H. mehr Lastwagen und Omni­busse zugelassen worden. Zurückgegangen ist in- solge der steuerlichen Erleichterungen allein das Aufkommen an Kraftfahrzeugsteuern.

Der Staatssekretär berichtete dann über die Arbeiten des Ministeriums seit der letzten Ta­gung des Reichsoerkehrsrats. Ein weiterer Schritt zur Vereinheitlichung der Ver­kehrspolitik sei mit der Uebernahme der preußischen Verkehrsangelegenheiten im Januar des Jahres in den Geschäftsbereich des Reichsver­kehrsministeriums getan. Zu den in Ausführung

begriffenen großen Bauten der Reichswasser- straßenverwaltung trete neu hinzu der Bau der Saale-Talsperre bei Hohenwarte. Durch dieses Millionenobjekt werden wieder eine stattliche Anzahl von Volksgenossen für mehrere Jahre Arbeit und Brot finden.

Zur Frage der Auflockerung der Erotzkonzerne in der Seeschiffahrt, die in der Öffentlichkeit eine gewisse Beunruhigung hervorgerufen habe,

Akademische Ehrung für Senator Dr. von Hoff

Bremen, 22. Februar.

Jin Rahmen der Festsitzung der Bremer Wissen­schaftlichen Gesellschaft zur Feier ihres zehnjäh­rigen Bestehens nahm der Vorsitzende des Bremer Naturwissenschaftlichen Vereins akademische Ehrungen vor, zu deren Beginn Senator Dr. von Hofs eine Urkunde mit der Ernennung zum Ehrenmitglied der Bremer Wissenschaftlichen Ge­sellschaft überreicht wurde. Neben dieser Ehrung

unterstrich der Staatssekretär, daß niemand daran denke, die Hamburg-Amerika Linie oder den Norddeutschen Lloyd zu zerschlagen. Die Zusam­menfassung des Süd-Amerika- und Afrika- Dienstes bei der Hamburg-Süd und den Afrika- Linien sei durchgeführt, wegen der Gründung einer neuen Levante-Linie schwebten Verhand­lungen. Eine weitere Ausgliederung von Linien- Diensten aus der Hapag-Lloqd-llnion sei nicht beabsichtigt.

wurde eine Reihe von führenden Wissenschaftlern, die in geistiger und blutsmäßiger Verbundenheit mit der Hansestadt Bremen ihrer Forschung im Dienste der Volksgemeinschaft obliegen, zu kor­respondierenden Mitgliedern der Gesellschaft er­nannt. Aus den Verlaus der Feier, zu der Bre­mens Regierung, zahlreiche Rektoren und Pro­fessoren deutscher Universitäten und Abordnungen der Wehrmacht und öffentlicher Körperschaften erschienen waren, werden wir noch ausführlich zurückkommen.

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Kameraden, dieNotstont erschaffen

Zur sünMrigen Viederkeljk des lodestages üorst wessels

Ilx. Bremen, 23. Februar

In die Hast des vorwärtsdrängenden Lebens, das täglich und stündlich neue Anforderungen an das Können jedes einzelnen stellt, schwingt sich Achtung fordernd und mahnend der Gedanke an bäs'Mrgangene. das stärker noch als der Augen­blick der Gegenwart in unserer stillen Einkehr Kraft und Willen spendet. f,ür das Zukünftige. Wenn heute vor fünf Jahren, der vhn Hess Küge.lK.; eines sittlich verkommenen und politisch durch den Marxismus verhetzten Mörders, getroffene Horst Wessel körperlich von uns schied, so wird durch das vorbildliche Leben dieses natio­nalsozialistischen Vorkämpfers um Deutschlands Wiedererwachen und seinen Opfertod uns Leben­den eine heilige Verpflichtung auferlegt: Nie­mals zu rasten in unserem Einsatz für Volk und Vaterland.

Höher denn je schlugen 1929 die Wogen der politischen Leidenschaften, als mit dem kraftvollen Widerstand des Nationalsozialismus gegen das Inkrafttreten des Poungplans zugleich der ent­scheidende Kampf gegen das System einsetzte. Während die bürgerliche Mitte in ohnmächtiger Schwäche mit kleinlichen Verboten und Schikanen dem Vorwärtsdrang der jungen Generation Ein? halt zu gebieten suchte, erhob sich mit immer ver­zerrteren Zügen die . Fratze des roten Untermen­schentums: Millionen an sich ehrlicher und fried­liebender Arbeiter und Bürger wurden durch aufpeitschende Massenkundgebungen der roten Front irregeleitet und aufgestachelt zu sinnlosem Bruderkampf.

Unerhört waren die Opfer dieser Zeit, in.der! kein Mittel unversucht gelassen wurde, die'junge Bewegung in ihrer. Entwicklung aufzuhalten. .In diesem Triumph der Unvernunft und der mahn-, witzigen Verhetzung war es Horst Wessel, der mit'

der ganzen Größe jugendlicher Einsatzbereitschaft im Mittelpunkt des politischen Hexenkessels, im Bezirk Friedrichsheim in Berlin, sich mit seinem Trupp 34 dem roten Bollwerk entg'egenstemmte und Lücke auf Lücke riß in die Mauern der marxistischen Reihen. Als wahrer Nationalsozialist opferte er Zukunft und Gesundheit im täglichen Kleinkainpf für seine Weltanschauung. Sein Leben As" Km- 'KssM-^seiWN' ZfsM .'ürMptHsn,. gab Horst-Wessel-seine Akad'emikerlaüfb'ahn'auf, wurhs . Taxichauffeur, zuletzt einfacher Erdarbeiter, um im steten Umgang mit dem zum Proletarier her- .abgesunkenen deutschen Arbeiter zu- leben, seine Nöte bis in die letzten Tiefen zu erkennen und aus diesem Gemeinschaftsgeist für Deutschlands Zu­kunft zu schaffen, Als deutscher Arbeiter in seinem Berufsleben als SA.-Führer. und politischer Red­ner stritt er für das Erwachen und die Befreiung seines Vaterlandes : Wenn seine glühenden Worte den Versammlungsteilnehmern in die Herzen drangen und einer nach. dem anderen sich- den braunen Reihen anschloß, so machte Horst Wessel dem Marxismus auf der. anderen' Seit« auch-das Recht auf die Straße strittig. Unter fast unvorstell­baren Opfern schuf er seinem Sturm 8 die heute in ganz Deutschland bekannte Schalmeienkapelle. In unzähligen Propagandamärschen setzte erIich mutig mit' seinem Sturm für die Idee Adolf Hitlers ein. -

Mit dem Anwachsen - seiner Gefolgschaft 'jedoch wuchs, in gleichem Maße'der Haß der Kommunisten gegen den jugendlichen- Streiter.- Als endlich ' gär durch Horst Wessel dem. Nationalsozialismus das Lied gegeben war, das mit seinen von glühender -'Liebe zu Deutschland getragenen Klängen die auf­peitschenden Takte" der Internationale i übertönte, zourde im Karl-Liebknecht-Aäüs Las: Todesurteil über den - - jungen -Stür-mführer gesprochen. Horst

Professor v. Dr. Hans Joachim ilyoser

Georg Friedrich Händel

Wenn man Beethoven fragte, wen er für den größten aller Komponisten hielte, so nannte er ohne Besinnen Händel. Das muß doch zu denken geben gegenüber der Tatsache, daß heute im öffentlichen Musikleben dieser Meister aus Halle, dessen Geburtstag sich am 23. Februar zum 289. Male jährt, gegenüber Bach und Mozart, von jüngeren Meistern zu schweigen, stark zurück­steht. Wer Händel wirklich kennt, wird ihn uns Beethoven mindestens mit in die allererste Reihe der Musikheroen stellen, wobei der Begriff Heros, also Held. ganz wörtlich gemeint sein soll. Denn selten ist die angeborene Kämpfernatur eines großen Künstlers so vorbildlich klär hervorge­treten wie in Leben und Kunst dieses deutschen Tonsetzers. Hinter das Prädikatdeutsch" bei Händel könnte man zwar zunächst vielleicht ern Fragezeichen setzen denn ist uns dieser Mann nicht über italienische Lehrjahre dauernd^ an England verloren gegangen? Solche Aufsagung bliebe jedoch nur beim äußerlichsten Anschein stehen. Gewiß, Händel hat seit 1712 bis zu seinem Tode 1789 fast dauernd in London ge­lebt aber am dortigen deutschen Königshof des Hauses Hannover, und er hat sich an allen en - scheidenden Punkten seiner Lebensbahn auch in der Fremde als treugebliebener Sohn seiner deu - schen Heimat bewiesen. Das ergeben nicht nur lebensgeschichtliche Einzelheiten von starker Ein­dringlichkeit - sondern es bestimmte dieser deutsche Erundzuz vor allem auch seinen Schaf- sensftil und sichert so seinen herrlichen Werkn thr dauerndes Heimatrecht in Deutschland.

Denn ob Händel sich in vierzig Opernparti- turen unter dem geschichtlichen Gebot seiner Zeit der italienischen Sprache und italienischer Form­treu bedienen mußte allenthalben zeigt doch seine Art der Menschenzeichnung und seine Natur­seligkeit, daß dies nur ein Deutscher hat schreiben können. Und wenn wir den Wunderwald seiner Oratorien durchschreiten, die gegenüber dem damaligen italienischen Vühnentyp dieser Gattung den Schauplatz sehr germanisch allein in die mit- schaffende Fantasie der Hörer verlegen auch hier wird unter dem Gewand des englischen Textes allüberall das Klopfen eines deutschen Herzens spürbar bald im Liederstil, bald in einem deutschen Choralzitat, vor allem aber in der Innigkeit seines protestantischen Frommseins. In diesen gewaltigen Werken, deren höchste Kunst in ihrer unvergleichlichen Schlichtheit und monumentalen Frömmigkeit beruht, liegen sozu­sagen dreierlei Bewußtseinsschichten übereinan­der. Einmal die meist alttestamentlichen Stoffe der englischen Puritaner-Reformierten; dann deren Deutung seitens des barocken England als Staatsgleichung desauserwähljen Volkes" auf das siegreich in der Welt vordringende Albion drittens aber und vor allem Händels eigentlich­stes: Die Zeichnung des Heldenhaften und des Religiösen ganz allgemein und in der Wurzel alles Menschlichen so sind es eben im Kern doch deutscher Werke geworden.

Seit 1784 in Deutschland erstmals derMessias" aufgeführt worden ist, bildeten Händels Oratorien das Hauptrückgrat des deutschen volkstümlichen Chorwesens am Judas Makkabäus, Josua, Israel in Aegypten, Salomo, Herakles entlang

hat unsere Romantik der Musikfeste das Deutsche Neichzusammengeturnt und zusammengesungen". Die urgesunden Sonaten, Trios, Oovesrti gross! sind dazugetreten, und in den Jahren der atona­len Auflösung haben die von Eöttingen aus neu in die Welt getretenen Opern des Meisters den Sinn für seelische Größe und klare Formen- straffung am allermeister auf bessere Zeiten der Kunstgesinnung hindurchgerettet,

So bedeutet Händels 289. Geburtstag keines­wegs die elegische Rückerinnerung an eine nur noch geschichtliche Größe, sondern mahnt uns zu­gleich. einen der edelsten Herolde deutschen We­sens recht zu nutzen, dessen Botschaft urlebendig und blutooll vor uns aufragt wir brauchen nur zuzugreifen und uns ihm freudigen Herzens auszuschließen.

Händel und Bach

Ein Veitrag zum Gedenkjahr / Von Wtie See

Händel und Bach. Wie oft nennen wir die Namen der beiden Künstler zusammen, ver­gleichen ihre Kunst, vergleichen ihr Können, fühlen Ähnlichkeiten in ihren Kompositionen. Wir wissen: Beide stammen aus Mitteldeutsch­land, wissen auch, daß sie im gleichen Jahr ge­boren sind, ja, daß der Altersunterschied nur 27 Tage betragen hat, wissen, daß sie in den ersten zwei Jahrzehnten ihres Lebens oftmals ähnliche Wegs gegangen sind und daß sie in der letzten Spanne des Lebens beide von dem gleichen Leiden dem Verlieren des Augenlichts be­troffen wurden.

Merkwürdig sind die vielen Parallelen im Leben der beiden Musiker. Da stehen die Ge­burtshäuser wenig mehr als 109 Kilometer aus­einander, da zieht einer wie der andere zu dem ehrwürdigen Organisten Buxtehude nach Lübeck, um von dessen Kunst zu profitieren, jedem von beiden wird dessen Posten angeboten, jedem die, Bedingung gestellt, die ältliche Tochter als Ehe­frau mit in Kauf zu nehmen. Aber keiner von beiden will diesen Handel abschließen. Parallelen überall, die aber endlos parallel lausen und nie­mals einen Treffpunkt haben können. Denn zwi­schen den äußeren, zufällig zusammentreffenden Geschehnissen, stehen zwei Charaktere, deren Ein­stellung zur Umwelt kaum verschiedenartiger sein konnte. Dennoch sind sowohl Bach als auch Hän­del höchste Würdenträger deutscher Kultur ge­wesen, dazu berufen und auserkoren, dem Ueber- greifen italienischer und französischer Musik Ein­halt zu gebieten. Nur war als Kriegsschauplatz für Händel Großbritannien ausersehen, während Bach innerhalb von Deutschland, dessen Grenzen er niemals überschritten hat, ein Bollwerk auf­

richtete, das in musikalischer Beziehung- unbe­zwingbar war.

Es ist, als habe Gott selbst einem jeden der beiden seinen Posten angewiesen und Händel gleichsam für den Außendienst und das Gebiet der Oper bestimmt, Bach dasjenige der reinen Kirchenmusik überlassen. Händels Hauptbetäti­gungsfeld war ja trotzdem ihm seine Oratorien Unsterblichkeit verliehen haben und seine Kunst auf der Orgel meisterhaft war dasjenige der Oper. Mehr als vierzig Opernkompositionen sind uns erhalten geblieben. Erst in reiferen Jahren verlangte seine Seele wohl nach stärkerem als nach reiner Unterhaltungsmusik. Vorher war er ein Theaterfachmann von Rang, der wußte, was er wollte und womit er ein Publikum unterhalten konnte. Seine umfassende Bildung kam ihm dabei sehr zu statten, nicht weniger seine gründlichen Kenntnisse der deutschen, italienischen, französi­schen und englischen Opernverhältnisse und nicht zuletzt seine urgesunde Denkungsart, die . sich niemals auf Kompromisse einließ; die wohl manchmal herrschsllchtig anmutete, im Grunde genommen aber seinem Schaffen und damit der Um- und Nachwelt zum Segen gereichte. Händel war bereits zu seinen Lebzeiten, obgleich auch für ihn Jahre des Kampfes und des Leides nicht ausblieben, ein hochberühmter Mann. Daß er sich trotzdem ein weiches, mildtätiges Herz be­wahrte, geht aus vielen seiner Maßnahmen her­vor, die von großer Güte Zeugnis ablegen.

Wenig verständlich ist es für uns, die wir das Leben und Schaffen unserer beiden größten Musiker des 18. Jahrhunderts von einer höheren Warte aus betrachten, daß der Hallenser niemals das Bedürfnis hatte, den späteren Thomaskantor kennenzulernen. Die einzige Erklärung ist eben