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Nr. so / 3 . Jahrgang
Dienstag, iy. Februar
Einzelpreis 13 Nps.
Kommt der Fünf-Mächte-Lukwertrag?
Kür deutsch-englische Verhandlungen
Neichsaußenminister v. Neurath soll nach London eingeladen werden
Gaarabkommen
unterzeichnet
Rom, 18. Februar.
Die Unterzeichnung der Abkommen über die Rückgliederung -es Saargebietes an das Reich hat in Neapel in Gegenwart des Vorsitzenden des Dreier-Ausschusses, Baron Aloisi, stattgefunden. —
Baron Aloisi dankte den beteiligten Delegationen für die geleistete Arbeit. Er dankte auch den Vertreter der Regierungskommission des Saargebietes, Präsident Knox, und den Mitgliedern des Finanzausschusses des Völkerbundes. Botschafter von Hassell stattete gleichfalls den wärmsten Dank für die Mitarbeit der italienischen Vertreter ab. Seinen Ausführungen schloß sich der französische Botschafter Chambrun an. Nach der feierlichen Unterzeichnung der Schlußvereinbarungen begaben sich die Botschafter Deutschlands und Frankreichs in Begleitung der beiden Delegationen und der Mitglieder des Dreierkomitees auf Einladung des Vorsitzenden Baron Aloisi nach Tapri zu einem gemeinsamen Frühstück.
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Mit Äsn Beschlüssen von Rom ist für das Saarland' endgültig ein Regierungs-System zu Grabe getragen — dem Tode überliefert wurde es bereits am Tage der Saarabstimmung — das seit der ersten Stunde seines Bestehens eine scharfe Anklage gegen den Versailler „Friedens"-Vertrag war. Das einzig Erfreuliche ist, daß die juristische Vorbereitung der Rückgliederung des Saargebiets nunmehr einwandfreie klare Verhältnisse geschaffen und eine wirkliche Einigung zwischen den drei beteiligten Regierungen herbeigeführt hat.
Deutsche Neichöpoftlm Saarland
Berlin, 18. Februar
Zur Rückgliederung des Post- und Fernmelde- wesens des Saarlandes in die Deutsche Reichspost vom 1. Mäitz an hat der Reichspostminister eine Verordnung erlassen. Die jetzt schon bestehende Oberpostdirektion Saarbrücken wird in eine Reichspo st direktion umgewandelt, die vorhandenen Verkehrsanstalten bleiben bestehen.
Präsidentenwahl in Portugal
Carmona mit großer Mehrheit wiedergewählt Lissabon, 18. Februar.
Der bisherige Staatspräsident von Portugal, Carmona, ist bei den Neuwahlen am Sonntag mit einer Mehrheit von 88 v. H. aller abgegebenen Stimmen wiederum zum Präsidenten der Republik gewählt worden.
General Carmona hatte im Jahre 1926 den damaligen demokratischen Ministerpräsidenten da Costa gestürzt und sich an die CpiM einer Militärdiktatur gestellt. Carmona hat an dem Neuaufbau Portugals nach den langjährigen revolutionären Erschütterungen größtes Verdienst. Durch seine mutige und ritterliche Art hat er sich beim portugiesischen Volk große Sympathien erworben. Nachdem er bereits vor zwei Jahren wiedergewählt worden war, war auch diesmal seine Wiederwahl so gut wie sicher. Carmona steht heute im 66. Lebensjahr.
London, 18. Februar.
Die britische Regierung hat dem diplomatischen Mitarbeiter der „Daily Mail" zufolge beschlossen, unverzüglich mit der deutschen Regierung über den vorgeschlagenen Fünf - Mächte - Luftvertrag und andere die Rüstungsbegrenzung und Deutschlands Rückkehr in den Völkerbund berührende Fragen zu behandeln. Als Ergebnis der Besprechungen, die während des Wochenendes zwischen den Mitgliedern des englischen Kabinetts geführt wurden, werde vermutlich Freiherr von Neurath in absehbarer Zeit nach London eingeladen werden.
Die britische Regierung arbeite an endgültige» Vorschlägen, die sie anfangs dieser Woche der französischen Regierung unterbreiten werde. Dies entspreche den mit den französischen Staatsmännern Flandin und Laval bei ihrem Londoner Besuch getroffenen Abmachungen. Die britischen
Minister seien zwar enttäuscht darüber, daß die deutsche Antwort aus die englisch-französische Erklärung mit Ausnahme des Lustpaktes nur in sehr unbestimmter Form eingehe. Sie glaubten aber, daß im Laufe der Verhandlungen der Umkreis der Besprechungen genügend erweitert werden könne, um eine freimütige Prüfung der Fragen der Gleichheit und der Rückkehr Deutschland in den Völkerbund einzuschließen
Die französische Regierung wird, wie verlautet, keinen Einwand gegen unmittelbare englisch- deutsche Besprechungen über den vorgeschlagenen Luftpakt erheben. Sie wünscht aufrichtig, eine umfassende Vereinbarung mit Deutschland zustande zu bringen. Die Form der Besprechungen ist noch nicht festgesetzt. Man glaubt, daß ein Besuch des britischen oder französischen Außenministers in Berlin sich natürlicher ergeben werde, wenn die deutsche Regierung Zeit gehabt hob«, die Prüfung des gesamten Inhaltes der Londoner Erklärung zu beendigen.
Im übrigen glaubt „Daily Telegraph" melden zu können, daß in London der Besuch eines deutschen Regierungsmitgliedes für zweckmäßiger gehalten werde. Der diplomatisch« Korrespondent des „Daily Herold" führt aus: es liege auf der Hand, daß englisch-deutsche Besprechungen «ine ebenso angemessene Methode' seien, wie englisch- französische Besprechungen, Der Grundgedanke sei ja, daß Deutschland mit den anderen Mächten auf völlig gleichem Fuße stehe.
„News Ehronicle" nennt es in einem Leitauf- satz befriedigend, daß die französische Regierung gegenüber der deutschen Antwort mehr Vertrauen und größere Vernunft zeige als die Mehrheit der Pariser Zeitungen. Die französische Regierung sei anscheinend bereit, die englisch-deutschen Besprechungen nach Absenoung einer Antwort auf die deutsche Erwiderung als wünschenswert anzuerkennen. Der wesentliche Inhalt dieser Antwort würde vermutlich in einem Ersuchen um größere Klarheit hinsichtlich Deutschlands Haltung in einigen Punkten bestehen.
Nationalsoz. Staat zerbricht Landesverrat
Urteil des Volksgerichtshofes in Sachen Sosnowski und Genossen
änb. Berlin, 18. Febr. Der Volksgerichtshof des Deutschen Reiches hat durch Urteil vom 18. Februar 1833 wegen Verrats militärischer Geheimnisse die geschiedene Venita von Falle nhayn, geb. von Zollikofer-Altenklingen, und die Renate von Natzmer, beide aus Berlin, zum Tode verurteilt. Außerdem wurde wegen des gleichen Verbrechens gegen den polnischen Staatsangehörigen Georg von Sosnowski und die Irene von Jena aus lebenslängliches Zuchthaus erkannt.
Das Urteil gegen von Falkenhaqn und von Natzmer ist, nachdem der Führer und Reichskanzler von seinem Begnadigungsrecht leinen Gebrauch gemacht hat, gestern früh vollstreckt worden.
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Das Schwert des nationalsozialistischen Staates ist scharf. Es trifft schwer diejenigen, die sich gegen ihn vergehen; am schwersten solche, welche des Reiches Sicherheit gefährden. Geschieht es bewußt, so gibt es dafür nur eine Strafe, den Tod. Eine mildere Beurteilung des verruchten Verbrechens des Landesverrates kann sich der nationalsozialistische Slaat nicht erlauben.
Benita von Falkenhayn und Renate von Naßmer, obwohl Trägerinnen von Namen, die in der Geschichte Deutschlands einen guten Klang haben, verrieten ihr Volk an den Feind, dafür mußten sie gestern die Strafe erleiden, die sie für ihr landesverrä- terisches Treiben in vollem Ausmaße traf. Es haben diese Frauen den Tod vollauf verdient; nicht allein, weil sie sich des Verrats militärischer Geheimnisse in höchstem Maße schuldig machten, sondern vor allem auch noch, weil sie es um schnöden Geldes willen taten.
Um schnöden Geldes willen verrieten diese Frauen die Sicherheit ihres Landes; verrieten ihr Volk an einen fremden Staat, obwohl sie wußten, daß dieser mit Emsigkeit und Fleiß alles über Deutschland sammelt, was chn im Kriegsfall in die Lage versetzt, die deutsche Abwehr zu lähmen und Deutschland zu verderben. Man wende ja nicht ein, daß es sich hier um „Fraue n" handele, die dem Scharfrichter übergeben wurden. Gerade weil es Frauen sind, die nicht anstanden, mit ihrem Landesverrat das Leben ungezählter Volksgenossen zu gefährden und der möglichen Vernichtung preiszugeben, macht stählern mitleidlos gegen diese „Zartbesaiteten", die um so weniger eines einzigen Funken von Gnade würdig waren, als ihre Stellung und wirtschaftliche Lage sie in jeder Weise davor bewahrte, auch nur irgendwie auf unredlichen Gelderwerb ausgehen zu müssen. Schnöde Genußsucht und übertriebenes Luxusbedürfnis allein waren es, was diese Frauen zu ihrem fluchwürdigen Verbrechen führte, und da ihnen Luxus und Genuß höher als die Sicherheit ihres"Volkes
Der Aufbau der Kraftverkehrswirtschast
Dr. Schacht vor dem Neichsverband der deutschen AuwmobMndustrie
Berlin, 18. Februar. '
Der Reichsverband . der deutschen Automobil-, industrie veranstaltete im Zoo aus Anlaß der Automobilausstellung einen traditionellen Festabend.
In seiner Eröffnungsansprache gedachte Präsident Allmers der hohen Verdienste des Führers, der besonders für die Automobilindustrie und für die Motorisierung des Deutschen Reiches so Ungeheures geleistet hat.
Eine aufschlußreiche Ansprache hielt sodann Reichsbankpräsident und Reichswirtschaftsminister Dr. Schacht, der zunächst auf die Ausstellung hinwies, die ein beredtes Zeugnis von der Aufbauarbeit und dem Aufbauwillen aller Beteiligten ablege. Wenn der Führer bei dieser Gelegenheit eindringlich die Erfolge der letzten zwei Jahre auf diesem Gebiet herausgestellt und Worte der Anerkennung für das Geleistete gesunden.habe, so werde gerade die Kraftverkehrswirtschast dankbar anerkennen müssen, was sie der Förderung durch den Führer verdanke. Der Wiederaufbau dieses Wirtschaftsabschnittes sei sein ureigenstes Werk; er habt die Pläne entworfen und die Wege gewiesen, die diese Ergebnisse ermöglicht hätten. Und er habe durch seine unermüdliche Erziehungsarbeit an dem ganzen deutschen Volk der Kraftverkehrswirtschaft den festen Boden geschaffen, auf dem sie neu habe bauen können.
Dr. Schacht ging dann auf die wirtschaftlichen Probleme ein. Zu allen Zeiten hat Deutschland ein verhältnismäßig hohes Lohnniveau
'gehabt, weil es einen verhältnismäßig hohen Lebens st andard besaß. Wollte das deutsche Volk auf die von der. Allgemeinheit, getragenen i Einrichtungen einer hochstehenden Kultur verzichten, so würde es sich selbst aufgeben. Und da wir uns selbst nicht aufgeben wollen und da wir wissen, daß wir mit diesen kulturellen Einrichtungen nicht nur unserer eigenen, sondern auch der ausländischen Jugend vorbildliche Ziele und Ideale aufstellen, so müssen wir alle jene Ratschläge ablehnen, die darauf hinauslaufen, durch Herabsetzung unserer Lebenshaltung eine billigere Konkurrenz auszuüben.
Neben der Kostenfrage, so führte Dr. Schacht weiter aus, spielt heute die Rohstoffrage auch für die Automobilindustrie eine wesentliche Rolle. Das Amt des Wirtschaftsministers und nicht minder das des Reichsbankpräsidenten zwingt zu der Notwendigkeit, mit beiden Füßen auf dem Boden der Tatsachen zu bleiben. Wir brauchen den Außenhandel und wünschen ihn schon deshalb.
Dieser allgemeine volkswirtschaftliche Grundsatz hat im Laufe der Geschichte an seiner inneren Kraft nichts verloren, aber seine praktische Anwendung ist zu einem erheblichen Teil unmöglich geworden durch die sinnlose politische Verschuldung, die der Krieg und die Frie- densdiktate gebracht haben. Man wollte zwar den Schuldendienst in Devisen bezahlt erhalten, aber keine Ware von Deutschland kaufen, ja, im Gegenteil noch überdies Ware nach Deutschland ver
kaufen. Es kann deshalb gar nicht oft genug wiederholt worden, daß Deutschland willens ist, die eingegangenen Schuldverpflichtungen zu zahlen, dieses aber nur mit Warenabsatz tun kann, ebenso wie es willens ist, Rohstoffe vom Auslande gegen seine Fertigfabrikate zu erwerben, daß es aber ohne Absatz nicht zahlen und nicht kaufen kann.
In diesem Bemühen, deutsche Ware im Aus- lande abzusetzen, um den Rohstofserwerb und die Leistung des Schuldendienstes zu ermöglichen, spielt die deutsche Automobilindustrie eine wesentliche Rolle. Ich kann nicht eindringlich genug, auch vor Ihnen, meine Herren, darauf hinweisen, daß Sie Ihren Export steigern müssen, wenn Sie eine ungestörte Weiterentwicklung Ihrer Industrie gewährleistet haben wollen.
Amerikanischer Protest in Tokio. Im Zusammenhang mit der Verhaftung amerikanischer Bürger in Osaka legte der Botschafter der Vereinigten Staaten in Tokio Beschwerde wegen angeblicher Mißhandlung des einen Amerikaners durch japanische Polizeibeamte ein.
Der sowjetrussische Botschafter bei Hirota. Der sowjetrussische Botschafter in Tokio, Jurenew, stattete am Montag dem japanischen Außenminister Hirota einen Besuch ab, in dessen Verlauf über den Ostbahnvertrag sowie über die künftigen Verhandlungen gesprochen wurde.
Der Mann- der ein Gebirge schenkte
fium 70. Geburtstage Sven Hedins am 1y. februar / Don Dr. Ä. Weinberg
Er brachte es zwar nicht wie der Pelzemärtel im großen Sack mit und leerte ihn vor den Augen der erstaunten Wissenschaft aus. Aber er überquerte den Transhimalaja im ganzen achtmal auf Pässen von über 5000 m Höhe und stellte so fest, daß sich da, wo alle Atlanten vor 1800 das peinigende Wort „Unerforscht" auswiesen, nämlich nördlich des Himalaja, ein Gebirgszug befand, der allen Anforderungen, die man billigerweise an ein Hochgebirge stellen darf, genügte. Die Gipfelhöhen blieben zwar mit durchschnittlich „nur" 7000 m hinter denen des Himalaja zurück, aber die Paßhöhen übertrafen ihn.
Das liest sich alles am stillen Herd zur Winterszeit wunderschön. Und befriedigt ein im Herzen von Kulturmenschen tiefempfundenes Bedürfnis nach dem Besitz genauer Kenntnis über d,e kosmische Wohnstube. Sogar, worüber wir uns nicht gerade im Augenblick zu unterhalten brauchen, sogar praktischen Wert besitzt diese neugewonnene Erkenntnis. Ohne Sven Hedins Forschungen zum Beispiel stünde unsere ganze Wettervorhersage auf viel. viel schwächeren Füßen. Aber — alles das sind Selbstverständlichkeiten für uns. Und kein Mensch kümmert sich einen Deut darum, wie alle dre>e Schätze gesammelt wurden. So sind wir nun einmal! Würde Sven Hedin nicht am 13. «zebruar seinen 70. Geburtstag feiern — kluge Zeitgenossen berechnen aus dieser Tatsache seinen Eintritt m diese schöne Welt auf den 13. 2. 1865 — dann wurden wir bei der Verfolgung der Himalaia-Expe- ditionen gar nicht daran denken, was dieser Madn aus Schwedenstahl alles für uns getan hat. Und was er alles lernen und arbeiten mußte, ehe er die Lösungen der geographischen Jnnerasien- probleme finden konnte.
Wir Deutsche haben noch besondere Ursache, ihm besonders dankbar zu sein! War er doch in den schweren Kriegsjahren 1311/18 und in den scheußlichen Zeiten hernach, einer von den ganz wenigen Männern, die nicht müde wurden, der Welt immer und immer wieder zu sagen, in die Ohren zu schreien, in den Döskopp zu hämmern: „Verachtet mir die Deutschen nicht! Der Deutsche hat der Welt viel gegeben, behandelt den Deutschen menschenwürdig, denn er wird ihr noch viel mehr erarbeiten!" Er scherte sich den Deubel drum, daß ihn die Russen, Franzosen, Engländer, die alle auch seine guten Freunde gewesen waren, aus den Listen ihrer geographischen Gesellschaften strichen, weil er — ja, weil er den Mut hatte, dem Hunnengeschwätz, dem Bochesfimmel, dem Propagandahaß- und Lllgengemäre entgegenzutreten. Als in der Welt alle, alle über Deutschland herfielen, da stellte er sich dem Neid und der Verleumdung, der Wut und dem Schlamm entgegen. Er suchte, indem er die deutschen Fronten bereiste, und in verschiedenen Werken beschrieb — „Ein Volk in Waffen". „Nach Osten", „Jerusalem", „Bagdad", Babylon, Niniveh" — den Krieg zu erleben uuo der Welt zu zeigen, daß das deutsche Volk mit aller Ritterlichkeit um sein Daseinsrecht kämpfte, fernab aller ihm angedichteten Greuel.
Und er verzweifelte nicht an Deutschlands Sendung, als es im Jahr« 1318 zusammenbrach. Er. der Mann aus dem Norden, glaubte an die nordische Kraft des deutschen Volkes auch damals, als alle Quellen dieser Kraft verschüttet schienen unter Wust und Unrat der Nachkriegszeit
Das war Sven Hedins kulturelle Großtat! Vielleicht wird ihn die Weltgeschichte um dessent- ivillen mit goldenen Lettern in ihr Buch ein
tragen. Denn Deutschlands Kraft, Deutschlands Willen und Deutschlands Fähigkeiten werden noch einmal für Europas Kultur mehr zu bedeuten haben als sich die Zeitgenossen in Europas außenpolitischen Aemtern heute träumen lassen. Sven Hedin konnte diese Mahnung an die Völker Europas mit bestem Rechte aussprechen. Kennt er doch wie keiner Zentralasien und seine Landschaften, seine Völker.
Mühselig erwarb er dieses Wissen, keine lebens- bedrohend« Gefahr von der Qual bitterlichen
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Durstes in flammender Wüst« bis zum lähmenden ' Schneesturm bei vierzig Grad unter Null ist ihm erspart geblieben auf seinen vielen Reisen (1886, 1830/31, 1833/37, 1839/1902, 1905/09, 1916,
1923/24, 1930/33). Er spricht mit dem Perser persisch, mit dem Türken türkisch, mit dem Mongolen mongolisch oder chinesisch. Er machte seine meteorologischen Beobachtungen, seine geologischen Feststellungen, seine kartographischen Aufnahmen mit peinlicher Genauigkeit alle selbst. Er zeichnete die Karten der von ihm erforschten Gebiete selbst und ergänzte diese Landausnahmen durch eigenhändig aquarellierte Panoramen der Gegenden und prachtvolle Skizzen der Menschen und Tiere, die sie bewohnen. Und nicht zuletzt: Seine populären wie seine wissenschaftlichen Werke („Zu Land nach Indien", „Im Herzen Asiens", „Transhimalaja", „Von Peking nach Moskau", „Grand Canon", „Mount Everest", „Johel" — Scientikte llesulrs krom s journev in 5outkern
Tibet — hieses allein neun Texte und drei Kar- tenbände) sind ebenso wie seine zahlreichen Aufsätze für wissenschaftliche Zeitschriften Meisterwerke der Darstellung und der Sprache, ganz gleichgültig, ob sie in seiner Muttersprache, oder in Teutsch, Englisch oder Französisch abgefaßt sind. Sogar die Jugend vergaß er nicht: Sein dreibändiges Reisewerk „Von Pol zu Pol" ist eine Reisebelchreibung, die unbestechlich« Wahrheit um zahlreiche Abenteuer rankt — Lederstrumpf und Karl May in einem — aber besser!
Die Kraftquellen, die den außerordentlichen Mann so Außerordentliches leisten ließen? Ererbt: Nordisches Wesen in vielen Generationen; von einer gütigen Fee in die Wiege gelegt: Keine Reichtümer, aber ein Elternhaus, in dem gediegen« Bildung verbunden mit echter Religiosität und starkem Familiensinn auf den Knaben ausstrahlten und dessen Mittel auch ihm die Möglichkeit zu umfassenden Studien boten. Aus sich selbst: Unheimlicher Fleiß, starker Wissenstrieb,
rastloser Arbeitseifer, stählerner Wille und das brennende Verlangen, für sein Volk und die Wissenschaft aller Kulturvölker Hervorragendes zu leisten.
So wurde Sven Hedin der Mann, der unsere Verehrung und insbesondere den Dank des deutschen Volkes verdiente. Einmal als Wissenchaster — Transhimalaja, Lop nor, Johel, Quellen des Indus, Sadletsch, Brahmaputra — und zum anderen als leuchtendes Vorbild vollen Menschentums, zum Dritten aber als Mann ausgeprägter Ritterlichkeit, der ohne Furcht vor dem Tadel der Welt für Deutschlands Ehre eintrat. Ein ganzes Gebirge hat er der Welt aus Asien mitgebracht, das war viel! Einem ganzen Volk hals er seine Ehre wieder gewinnen: Taq ist mehr!!
HU multos annos!
Reichsmlnlfter Ruft an swen Hedin
Reichsminister Rüst hat an Sven Hedin folgendes Telegramm gerichtet:
An Ihrem heutigen 70. Geburtstag gedenkt die deutsche Wissenschaft Ihrer unvergleichlichen Leistungen als Forscher, gedenkt die deutsche Jugend Ihres kühnen Entdeckermutes, gedenkt das ganze deutsche Volk des Mannes, der den Wiederaufstieg Deutschlands seherisch voraussah.
(gez.) Rüst.
Keues Mitglied des Präsidiairstes
der Reichskammer der bildenden Künste Reichsminister Dr. Goebbels hat den Bildhauer Pg. Kurt Schmid-Ehmen in München zum Mitglied des Präsidialrates der Reichskammer der bildenden Künste ernannt.