Ausgabe 
(16.2.1935) Nr. 47
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Nr. 47 / 3. Jahrgang

Sonnabend, 16 . Februar

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Deutschlands Antwort auf das Londoner Kommunique

Bereitschaft zu einem Luftabwehrpakt

Einzelbesprechungen zur Klärung von Vorfragen wünschenswert

Auf dem Schlachtfeld des Berufs

Berlin, 15. Februar.

Staatsrat Albert Förster, Gauleiter von Danzig und Leiter der Reichsberufshauptgruppen in der Deutschen Arbeitssront, erläßt zum Reichs- berufswettkampf der deutschen Jugend folgenden Aufruf:

Jungarbeiter der Stirn! Deutschlands schaffende Jugend rüstet sich zum zweiten Reichsberufswett­kampf, der in diesem Jahr ein wahres Bekenntnis zur Leistung werden mutz. Auch ihr seid zu die­ser zweiten Olympiade der deutschen Arbeit auf­gerufen. Ich erwarte von euch, datz alle, die es angeht, zum friedlichen Wettbewerb antreten. Die jungen Kameraden im Einzelhandel eröffnen mit dem Schaufensterwettbewerb am 17. Februar 1935 den Reichsberufswettkampf. Das verpflichtet euch! Nicht einer darf sich ausschließen! Es gilt, durch die Tat unter Beweis zu stellen, datz Deutschland das Land der Arbeit, der Pflichter­füllung und des Friedens ist. Jungarbeiter der Stirn, tretet auf dem Schlachtfeld des Berufs an!

Der Leiter der Reichsgruppe Banken, Dr. Otto Chr. Fischer, erläßt zum Reichsberufswett­kampf folgenden Aufruf:

Die deutsche Jugend folgt dem Aufruf der Reichsregierung, der Deutschen Arbeitsfront und der Reichsjugendführung und tritt zum zweiten Reichsberufswettkampf an. Auch die jugendlichen Angehörigen d>es Bank- und Kreditwesens wer­den sich stellen und den Beweis für ihre'Leistun­gen und ihr Können erbringen. Dieses große Werk, dessen hohes Ziel die berufliche Ertüchti­gung unserer Jugend ist, gilt es, in jeder Weise zu fördern, utn ihm einen vollen Erfolg zu sichern. Ich bitte daher, datz auch aus den Kreisen des Bank- und Kreditwesens sich möglichst viele be- russersahrene Praktiker zur Mitarbeit am Reichsberufswettkampf zur Verfügung stellen. An die Betriebssichrer richte ich die besondere Bitte, die Teilnahme. und . Mitarbeit an den Ver­anstaltungen des Wettkämpfes durch Gewährung der nötigen Freizeit nach Möglichkeit zu fördern.

Trauerseier zu Kohlscheid

Aachen, 15. Februar.

Für die Opfer des Unglücks auf der Grube Laurweg fand Freitag vormittag in der Turn­halle zu Kohlscheid eine Trauerfeier statt. Gene­raldirektor Dr. Becker widmete im Auftrag der Gewerkschaft den toten Kameraden den letzten Gruß. 2m Auftrage der Staats- und Reichsregie­rung sprach Berghauptmann Heyer - Bonn. Die Toten hätten als Deutschlands Heldenföhne aus dem Felde der Arbeit in treuer Pflichterfüllung: für Volk und Vaterland ihr Leben gelassen.

Der Vezirkswalter der DAF. Ohling sprach im 'Auftrag des Reichsorganisationsleiters Dr. Ley und des Gauleiters ErohS das Beileid aus. Es sprachen sodann der katholische und der evan­gelische Pfarrer aus Kohlscheid Trauerworte. In einem riesigen Trauerzug wurden darauf vier. Särge zum Friedhof geleitet, wo sie unter den Klängen des Liedes vom guten Kameraden bei­gesetzt wurden. Zwei weitere Opfer des Gruben­unglücks wurden am Freitag nach Aachen und Laurensberg übergeführt. Der siebente Tote trat seine letzte Fahrt in die westfälische Heimat an.

Berlin, 16. Februar.

Die Antwort auf das Londoner Kommunique, die der Reichsminister des Auswärtigen, Frei­herr von Neu rath, dem englischen Botschafter Sir Eric Phipps und dem französischen Bot­schafter Francois Poncet gegeben hat, hat folgen­den Wortlaut:

Die deutsche Regierung weiß sich mit der königlich-britischen und der französischen Regierung einig in dem aufrichtigen Wunsch, die Siche­rung desFriedens zu fördern, dessen Er­haltung ebenso im Interesse der Sicherheit Deutschlands wie im Interesse der Sicherheit der anderen europäischen Staaten liegt. Die deutsche Regierung begrüßt den Geist vertrau ens- voller Aussprache zwischen einzelnen Regierungen, der in den Mitteilungen der königlich-britischen und der französischen Regie­rung zum Ausdruck kommt. Sie wird den ihr vorgelegten gesamten Komplex, der in dem ersten Teil des Kommuniques von London aufgeworfe­nen europäischen Fragen einer eingehenden Prü­fung unterziehen. Diese wird ebenso vom Geist überzeugten Friedenswillens wie von der Sorge um die Sicherheit des Deutschen Reiches in seiner geographisch besonders exponierten Lage im Her­zen Europas getragen sein.

Die deutsche Regierung wird insbesondere prü­fen, mit welchen Mitteln.künftig die.Gefahr des Wettrüstens vermieden werden kann, die durch den Verzicht der hochgerüsteten Staaten

(Orabtbsriolit äussrer Lsrliusr Lobriktlsltuug) Berlin, 15. Februar.

In außergewöhnlichem Rahmen wurde gestern abend mit einer gewaltigen Kundgebung im Berliner Sportpalast, dessen Seitenhallen, Ränge und Vallusstraden bis auf den letzten Platz besetzt waren, der 2. Reichsberufswettkampf der deut­schen Jugend eröffnet.

Mit erhobener Rechten grüßten 20 000 die Fahnen der Berliner Jugend bei ihrem Ein­marsch, voran die Blutfahne Herbert Norkus. Reichsjugendführer Baldur von Schirach be­grüßte Dr. Goebbels und Dr. Ley und sprach zu den Versammelten: „Ihr habt etwas Gewaltiges und Unvergängliches geschaffen, nun gilt es nicht, auf Lorbeeren auszuruhen, sondern an die Arbeit zu gehen. Ich eröffne den 2. Reichsberufswett­kampf der deutschen Jugend mit jener Parole, die ich Euch in den Jahren Kampfes gab, und der Ihr immer folgtet: „Durch Sozialismus zur

Nation!"

Es sprach dann Dr. Ley über das Erlebnis der alten nationalsozialistischen Kämpfer, ihren

auf die vertraglich, vorgesehene Ab­rüstung entstanden ist. Sie ist überzeugt, daß nur der in dem britisch-französischen KommuniquS zum Ausdruck kommende Geist freier Vereinba­rung zwischen souveränen Staaten zu dauerhaften internationalen Regelungen auf dem Gebiete der Rüstungen führen kann.

Die deutsche Regierung begrüßt den Vor­schlag, die Sicherheit vor plötzlichen Angriffen aus der Luft zu erhöhen durch eine baldmöglichst abzuschließende Konvention, die den un­mittelbaren Einsatz der Luststreitkräste der Un­terzeichner zugunsten des Opfers eines nicht herausgeforderten Luftangriffes vorsieht. Sie ist grundsätzlich bereit, ihre Luststreitkräste als Ab­schreckungsmittel gegen Friedensstörungen einzu­setzen. Sie ist daher geneigt, in freier Ver­einbarung mit den in Frage kommenden Re­gierungen alsbald Mittel und Wege zu finden, mit denen eine solche Konvention verwirklicht werden kann, welche die größtmögliche Sicherheit aller Unterzeichner verbürgt.

Die deutsche Regierung ist der Auffassung, daß Verhandlungen im größeren Kreise, die nicht, genügend vorbereitet sind, erfahrungs- und naturgemäß Reibungen mit sich bringen, die im Interesse des Abschlusses einer solchen, in ihren Auswirkungen yöllig neuartigen Luftkon­vention,, vxrlni'eden werden sollten. , Bevor .die deutsche Regi.e.rüng änj solchen. VsrhLnhkpngen teil­nimmt, hält sie es für wünschenswert, eine Reihe

Weg aus den Schützengräben des Weltkrieges zu Adolf Hitlers Sturmabteilungen, und erinnerte daran, daß der Glaube an das ewige Deutsch­land in all den langen Jahren des Kampfes immer wieder die Herzen emporgerissen und zu neuem Mut entfacht habe. Dr. Ley gedachte auch der anwesenden 800 Saararbeiter und be­zeichnete den Sieg an der Saar als neuen Be­weis für den endgültigen Sieg des National­sozialismus über den Marxismus. „Ich gebe dir deutsche Jugend", so schloß Dr. Ley, „als Parole für den Reichsberufswettkampf die Mahnung: Trete mit einem reinen und hohen Geist in die­sen Wettkampf, mit dem Glauben an Adolf Hitler und an Deutschland!"

Im Anschluß an Dr. Ley hielt der Reichs­minister für Volksaufklärung und Propaganda, Dr. Goebbels, eine Rede, in der er Programm und Sinngebung dieses Wettkämpfes erläuterte.

Dr. Goebbels führte u. a. aus: In den hinter uns liegenden Jahren des Kampfes um die Macht habe sich gerade die Jugend am opferbereitesten und am leidenschaftlichsten hinter die Fahne des

grundsätzlicher Vorfragen in Einzelbespre­chungen mit den beteiligten Regierungen zu klären. Sie würde es deshalb begrüßen, wenn — nach den vorangegangenen französisch-britischen Beratungen — zunächst die königlich-bri­tische Regierung als diejenige Teilnehmerin an den Londoner Besprechungen, die zugleich Ga­rant von Locarno ist, bereit wäre, hierüber in einen unmittelbaren Meinungsaustausch auch mit der deutschen Regierung zu treten.

Die deutsche Regierung ist sich eins. mit der königlich-britischen und der französischen Regie­rung in der Auffassung, daß der Abschluß einer Luftkonvention ein bedeutsamer Schritt auf dem Wege zur Solidarität der euro­päischen Staaten wäre und geeignet sein kann, auch die anderen europäischen Probleme einer alle Staaten befriedigenden Lösung entgegenzusllhren.

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Es stellt sich die deutsche Antwort unzwei­felhaft als ein Dokument von großem prak­tischem Wert dar, das geeignet erscheint, die europäische Politik einer neuen Aera zuzu­führen. Sie enthält Fingerzeige allgemeiner und spezieller Natur, sie weist neue Wege der Berhandlungstechnik und bereitet den Boden für weitere von versöhnlichem und fried­lichem Ge.ist getragene'Besprechungen vor. Das deutsche Volk erwartet von dieser Ant-, Wort eine gute Resonanz in der ganzen Welt.

Nationalsozialismus gestellt und auch nach der Machtergreifung habe sich als geeinte Jugend so gehandelt. Der deutschen Öffentlichkeit gebe unsere Jugend damit ein wunderbares Vorbild.

Mehr noch als in der Vergangenheit ruhe ein Staat' in der Zukunft. Deshalb gelte es, die junge Generation zu einer wirklichen Staats­jugend zu erziehen und ihr Aufgaben zu stellen, an denen sie sich für kommende größere Aufgaben, die im öffentlichen und politischen Leben an sie herantreten, erproben kann. Nur eine solche Ju­gend werde vollenden können, was wir in schwe­rem Kampf begonnen haben. Es sei deshalb ein wunderbarer Gedanke der Reichsjugendführung und der Deutschen Arbeitsfront gewesen, in einem Leistungswettbewerb die Besten und Tüchtigsten aus der arbeitenden deutschen Jugend herauszu­suchen und sie der gesamten Jugend als Beispiel vor Augen zu stellen.

Die hundert besten deutschen Jungarbeiter werden am 1. Mai die Ehre und die Freude haben, aus der Hand des Führers die Glück­wünsche der ganzen Nation in Empfang zu nehmen.

Getarnter Kampf um den Frachtenmarkt

s. L. Bremen, 15. Februar.

Die Londoner Vorkonferenz zu einer, in Aussicht genommenen internationalen Schisf- sahrtskonferenz hat ihre Vertreter und „Be­obachter" mit einem vielseitigen „Plan ent­lassen, zu dem die Reederverbände, der teil­nehmenden Länder einzeln Stellung nehmen sollen. Wir, haben von Anfang an unserer Ueberzeugung Ausdruck gegeben, daß alle Konferenzen über die Frage, wie die Fracht­raten auf eine lohnende Höhe gebracht wer­den können, solange zum Scheitern verur­teilt sind, als nicht, das Kernproblem, näm­lich das der Subventionierung der Handels­flotten, angeschnitten wird und seiner Lö­sung entgegengeführt ist. Auf andere Weise kann die Anpassung des über die Maßen großen Tonnageangebots an die beschränkte Nachfrage, die an der Schrumpfung des Welthandels zu messen ist, niemals erreicht werden. Aus den Vereinigten Staaten lagen vor kurzem Nachrichten vor, nach denen die Handelsflotte unmittelbare Subventionen erhalten soll. Denselben Weg beschieltet jetzt Holland, einer der lebhaftesten Befürworter einer Internationalen Schiffahrtskonferenz, und unterhöhlt damit auch von sich aus die Grundlage, auf der überhaupt eine grund­sätzliche Einigung erfolgen könnte. Zu der Subventionierung kommen die vielen unge­klärten und niemals eindeutig festzulegenden Zweifelsfragen, wie z. B., was ist unter „aufliegender Tonnage" zu verstehen?/ Läßt sich der Begriff „Küstenschiffahrt" für alle Länder auf eine gemeinsame Formel brin­gen? -und andere mehr.

sKin besonderes Licht auf die Aussichten „er m Vorbereitung befindlichen großen Schiffahrtskonferenz scheint uns heute der jetzt geMde.veröffentlichte und angenommene Jahresbericht der Vereinigung Livsrpooler Tampsschiffs-Reederi zu werfen, der insbe­sondere die bekannte .Tatsache, herausstellt, daß dem Welthandel heute rund ,46 Milk Br:-Reg.-To. Schiffsraum zur ! Verfügung stehen, von denen sich 38 Mill. Tonnen in Fahrt befinden, während vor dem Kriege nur 23 Mill. Tonnen vorhanden waren, die mit 22 Mill. Tonnen lohnende Beschäftigung fanden. Mit anderen Worten: Einem in seiner Entwicklung zurückgeworfenen und kranken Welthandel steht also ein Tonnage- angebot gegenüber, das doppelt so groß ist wie vor dem Kriege. Dieses offenbare Miß­verhältnis wirkt noch viel ausgeprägter, wenn das vorhandene Ladungsangebot zu dem verfügbaren Schiffsraum m Beziehung gesetzt wird.. Zu diesen schwerwiegenden Störungsfaktoren des . Frachtenmarktes kommt noch . die unlängst rechtwirksäm ge­wordene „Hilfe" für die britische Tramp­schiffahrt, die sich überdies zwangsläufig auch zu einer heftigen Konkurrenz der eige­nen Linienschifsahrt auswirken wird. Von dem Wettbewerb der Flaggen niedrig valuta- rischer Länder schweigen wir in diesem Zu­sammenhang ganz.

„Abwracken und Bauen" heißt die britische Losung, um aus den Schwierigkeiten her­auszukommen. „Internationale Schiffahrts-

Durch Gozialismus zur Nation

De. Goebbels, Dr. Ley und Baldue von Schirach eröffnen den Reichsberufswettkampf

Um das Erbe der Königin von s>sba

Drei Jahrtausende Politik am Roten Meer / Don Dr. ,31. Rudolf

Der Grenzstreit zwischen Italien und Abessinien um Jtalienisch-Somaliland schien schon fast beigelegt zu sein. Grenzübersälle und Italiens Mobilmachung rücken jetzt aber die Gefahr eines Kolonialkrieges zwischen Italien und Abessinien in unmittelbare Nähe.

(Die Schriflleitung.)

Daß Abessinien einen Anreiz für landbegie- rige Kolonialmächte bildet, ist leicht verständlich. 2n diesem Gebiet, das zweieinhalbmal so groß wie Deutschland ist, entspringt im Tanasee der Blaue Nil, und die lleberschwemmungen Aegyp- tens beziehen von ihm nicht nur die ungeheuren Wassermassen, sondern vor allem auch die Stick­stoffe des Sees, die die Fruchtbarkeit der ägyp­tischen Baumwollpflanzungen bedingen. Die In­teressen Englands an Abessinien, dessen nord- afrikanisches Kolonialreich das Land auf drei Seiten umschließt, sind daher erklärlich. 2n Abessinien mit seinem Wechsel von Hoch- und Tiefland sind die klimatischen Verhältnisse fast aller Zonen zu finden, und es gibt eigentlich keine Frucht, die nicht irgendwo auf dem größ­tenteils fruchtbaren Boden gezogen werden könnte. Kaffee 4 »nd Baumwolle, Weizen, Hafer und Gerste, aber auch Kautschuk wachsen üppig in diesem Wunderland. Die Japaner haben sich nicht umsonst durch Vertrag mit der abessinischen Regierung die Hpnzession für die Baumwollplan- tagen gesichert. — Außerdem ist der Reichtum des Landes an Bodenschätzen noch gar nicht ein­mal voll übersehbar: Gold, Platin, Stein- und

Braunkohlen müssen nach den Ermittlungen vor­handen sein.

Abessiniens Schwäche: Unzulängliche Ver­kehrsmittel

Wenn Abessinien trotz dieser günstigen Vor­bedingungen noch gar keine Industrie kennt, son­dern nur die notwendigsten Handwerker hat, so liegt das teils am Klima. 2n vielen Provinzen herrscht eine so feuchte Hitze, daß die Menschen schlaff und arbeitsunlustig werden. Hauptschuld an der mangelhaften Entwicklung tragen aber die Verkehrsverhältnisse: Abessinien verfügt nur über eine einzige Bahnlinie, die von dem in französischer Hand befindlichen Hafen Djibuti nach der in der Mitte des Reiches gelegenen Hauptstadt Addis Abeba führt und seit ihrer Vollendung im Jahre 1917 den Franzosen einen großen Einflutzvorsprung im Lande sichert. Die Italiener haben es jetzt freilich erreicht, sich von Frankreich an dem Betrieb dieser Bahn betei­ligen zu lassen. — Daneben gibt es noch eine kurze Schiffsverbindung von Westen her, wo in den Monaten Juli bis November der Sobat schiffbar ist. In dieser Zeit können Dampfer aus dem englischen Sudan etwa 200 Kilometer nach Eambela vordringen. Sonst ist der gesamte Vor­kehr des Landes auf Maultiere, Esel und Kamele und die kleinen, aber sehr zähen abessinischen Pferde angewiesen.

Dreitausendjährige Geschichte

Ein Grund für die langsame Wirtschaftsent­wicklung des Landes sind schließlich die politi­schen Verhältnisse, insbesondere die zahllosen Bürgerkriege, die seine Kraft jahrhundertelang

verzehrten. Abessinien hat eine aus den verschie­densten Stämmen und Rassen gemischte Bevölke­rung. Von den schätzungsweise 10 Millionen Ein­wohnern entfällt etwa ein Drittel auf die eigent­lichen Abessinier, die ursprünglich wohl Hamiten waren, aber durch Einwanderung und religiöse Einflüsse semitisiert worden sind. Diese haben einst ein großes Reich gegründet, das. sogar einen Teil Südarabiens umfaßte. Seine ältesten Könige waren Zeitgenossen der Pharaonen. Die Sage weiß zu berichten, daß dieser Großstaat schon zur Zeit Salomos bestand, und daß die Königin von Saba eine abessinische Fürstin gewesen sei. Sie habe auch dem Salomo einen Sohn geboren, der als Menelik l. glückhast über Abessinien herrschte. Die Salomoniden sollen große Züge bis zum Nil unternommen, Arabien erobert und Mekka be­lagert haben.

Seit dem 7. Jahrhundert aber lösten sich die Herrscherhäuser in rascher Folge ab, Religions­kriege verurteilten das Land oft zu äußerer Ohn­macht. Im 18. Jahrhundert gar stritten zahllose Häuptlinge miteinander um die Oberherrschaft, und schließlich wurde der „Negus" selbst seines Scheinkönigtums entsetzt. Endlich in der zweiten Hälfte des vorigen Jahrhunderts fand Abessi­nien wieder starke Herrscherpersönlichkeiten, die seine Einheit herstellten, so vor allem einen Ras Menelik, der unter geschickter Ausnutzung jener Sage von Menelik I. den Thron errang.

Er schon hatte schwere Kämpfe mit den Ita­lienern zu bestehen, die sich unter seinem Vor­gänger an der Küste von Eryth rea fortgesetzt hatten. Als er mit ihnen Frieden schloß, suchten sie diesen Vertrag sogleich im Sinne eines ita­lienischen Protektorates über ganz Abessinien auszulegen, und Menelik mußte abermals zum Schwert greifen Der Kampf endete damals mit einer vollständigen Niederlage der Italiener und dem Frieden von Addis Abeba, in dem sie auf die erworbenen Küstenstriche beschränkt wurden

und die Unabhängigkeit Abessiniens anerkennen mußten.

Spiel der Mächte und Interessen Negus. Menelik der Große brachte seinem Land lange Friedensjahre und trieb auch eine sehr geschickte internationale Politik. Er schloß nicht nur mit den europäischen Staaten Verträge ab, sondern suchte vor allem durch Freundschaft mit Rußland ein Gegengewicht gegen die besonders interessierten direkten Nachbarn England, Frank­reich und Italien zu schaffen, die unter sich, eins dem andern nicht den Raub Abessiniens gönnten. Baute er auf der Unterstützung Rußlands und dem gegenseitigen Neid der Nachbarn seine Un­abhängigkeit auf, so zeigte sein Enkel und Nach­folger Sympathien für Deutschland, mit dem be­reits Menelik 1905 einen Freundschaftsvertrag abgeschlossen hatte. Im Weltkrieg zettelte die Entente deshalb eine Revolte gegen den Herr­scher an, erreichte aber nur, daß eine Tochter Meneliks die Regierung übernahm und die ab­solute Neutralität wahrte.

Mussolini und i

„Eringoire" berichtet über einen amüsanten Fall aus dem Leben Mussolinis, den der Düce selbst Laoal erzählt haben soll.

Zu seiner persönlichen Sicherheit umgibt die Polizei Mussolini mit einem ganzen Stab von Detektiven. Dieser lleberwachung zuweilen über­drüssig, ist der Duce ganz froh, ihr auch mal zu entwischen. Der Duce, der ein großer Verehret des Schwimmsports ist und ihn gern ausübt, hoffte, wenigstens im Wasser seinen Detektiven zu entkommen, die auch dort „unbemerkt" um ihn herum waren. Ein paarmal gelang es ihm

Bei den jetzigen Schwierigkeiten ist das Spiel der europäischen Mächte sehr interessant, und es scheint, als habe Negus Menelik richtig gerechnet: Italien will auch jetzt offenbar nicht mit den schärfsten Waffen vorgehen. Die 1 Million be­waffneter Abessinier — 10 Prozent der Bevölke­rung! —, die die Regierung in Addis Abeba zum vaterländischen Kampf um die Freiheit auf­bieten will, würden zwar Italien kaum zurück­halten, da sie weder Flugzeuge noch Tanks noch überhaupt modernste technische Kriegsmittel be­sitzen. Ein Spaziergang dürfte der Feldzug gegen ein verzweifeltes Volk freilich auch so nicht wer­den. — Den Völkerbund mit der Frage zu be­sassen, erscheint der öffentlichen Meinung in Frankreich nicht zweckmäßig. — England aber hat bereits einen offiziellen Schritt unternommen, um Italien zu direkten Verhandlungen mit der abessinischen Regierung zu veranlassen, bei denen England vielleicht den Vermittler spielen will. Es ist also vielleicht doch Abessiniens Rettung, wenn es sich auf die Interessengegensätze seiner Nachbarn verläßt!

er Geheimagent

auch . tatsächlich, da er ein ausgezeichneter Schwinimer ist, .die Agenten weit hinter sich zu lassen. Doch eines Tages wollte ihm seine ganze Schwimmkunst und Ausdauer nichts nützen. Eine halbe Stunde schon war Mussolini ins Meer hin- ausgeschwommen, aber ein zweiter Schwimmer wich nicht von seiner Seite. Schließlich gab der Duce den Wettkampf auf und schwamm ver­ärgert aus Ufer zurück. Nachher erfuhr er, datz die Polizei, um seine Sicherheit auch im Wasser zu gewährleisten, den besten Schwimmer Italiens als Detektiv engagiert hatte.