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Nr. 264 / 4. Vierteljahr
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Sonntag, 14. Oktober
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Laval Außenminister
Die Umbildung des fcanzösischen Kabinetts bereits vollzogen
Paris, 13. Oktober.
Im Ministerrat am Sonnabendabend wurde die Umbildung der französischen Regierung vollzogen. Außenminister wurde an Stelle des dem Marseiller Anschlag zum Opfer gefallenen bisherigen Außenministers Barthou der bisherige Kolonialminister Laval. An Stelle des zurückgetretenen Innenministers Sarraut tritt der bisherige Bürgermeister von Reims Marcandeau. »
k. ölü. Die Nachricht von der Umbildung der französischen Regierung kommt insofern überraschend, als man nach den Pariser Verhandlungen der letzten Tage erst für die nächste Woche, wenn auch die Ergebnisse der Stichwahlen zu den Generalräten vorliegen werden, mit der Neubesetzung der Leiden wichtigsten Ministerien rechnete. Es war ferner inzwischen bekannt geworden, daß sowohl Hsrriot, der Führer der Radikalsozialisten, wie Tardieu, der frühere erste Mitarbeiter Clemenceaus, sehr gern in das Außenministerium am Quai d'Orsay übersiedeln wollten. Wenn sich Ministerpräsident Doumergue entschlossen hat, keinen von diesen beiden Ministern ohne Portefeuille, das umstrittene Erbe Barthous antreten zu lassen, so mag es nicht zuletzt deshalb geschehen sein, weil er das jetzt doppelt notwendige innere Gleichgewicht des Burgfriedenskabinetts nicht stören wollte. Die Kombination, Herriot zum Außenminister zu ernennen und Tardieu mit der Leitung des Innenministeriums zu betrauen, wäre jedenfalls am heftigen Widerstand der Radikalsozialisten gegen die schroffe Rechtspolitik Tardieüs gescheitert.
Mit Laval übernimmt eine Persönlichkeit die Leitung der französischen Außenpolitik, die bereits vor drei Jahren eine bestimmende Rolle in der europäischen Politik spielte und Deutschland gegenüber, was das Wesentlichste ist, die Einkreisungspolitik ihres Vorgängers zu mindesten nicht mit der gleichen Intensität fortsetzen dürfte. Laval war es, der Ende September 1931 als französischer Ministerpräsident zusammen mit Außenminister Briand die Reichsregierung in Berlin besuchte und in einer Beiner Rundfunkansprache seine Verständigungsbereitschaft betonte. 1883 in einem Städtchen der Auvergne geboren gehört er nicht jener Generation französischer Staatsmänner an, die in der Revanchepolitik und den Kriegsbündnissen den Weg zur Befriedigung ihres Ehrgeizes sahen. Er war 1914 sozialistischer Abgeordneter, trat aber später aus der Partei aus und gehörte auch zuletzt im Senat keiner politischen Gruppe an. Nachdem er in mehreren Kabinetten nacheinander Unterstaatssekretär, Justiz- minister (unter Briand) und Arbeitsminister (unter Tardieu) war, löste er 1931 als Ministerpräsident das Kabinett Steeg ab. Unter seiner Ministerpräsidentschaft nahm Frankreich zum Hooverplan Stellung und erfolgten außer der Reise nach Berlin die Staatsbesuche in London und Washington. Nach seinem Sturz als Ministerpräsident ist er erst wieder hervorgetreten, als ihm im Anschluß an die Februar-Unruhen dieses Jahres Doumergue im Kabinett des Waffenstillstandes und der nationalen Einigung das Kolonialministerium übertrug. — Wir haben den Wunsch, daß Laval die noch immer ausgestreckte Hand Adolf Hitlers ergreifen möge.
Bei uns herrscht Ordnung!
Wehe dem, der sich an diesen GtaaL vergreifen will / Dr. Goebbels
auf dem Berliner Gauiag
Berlin, 13. Oktober.
Dr. Goebbels befaßte sich, wie die NSK. berichtet, zu Beginn seiner zweieinhalbstündigen Rede am Freitagabend im Sportpalast in großen Zügen mit den Hauptkennzeichen der weltpolitischen Entwicklung nach dem Kriege, die sich heute noch bei vielen anderen Völkern in immer neuen Krisen ausdrücke, während in Deutschland die allgemeine Not uns die Urquellen unserer Kraft habe finden lassen. Heute gebe es kaum ein Volk, vor dem eine so große Zukunft liege, wie vor dem unsrigen. „Wir tun gut daran, niemals zu vergessen, daß es der Nationalsozialismus war, der Deutschland vom Abgrund zurückriß. Wie er allein die Kraft gehabt hat, Ordnung zu schaffen, so hat auch er allein die Kraft, diese Ordnung zu erhalten."
Dr. Goebbels sehte sich dann mit den Meckerern und Miesmachern auseinander, die man fragen müßte, warum sie nicht beizeiten das getan hätten, was der Nationalsozialismus vollbracht hat.
Denn dazu war damals jedermann die gleiche Möglichkeit gegeben. Aber anscheinend seien diese Leute ehedem dafür noch nicht ausgereift gewesen. (Heiterkeit.) Der Erfolg allein sei es, der beweise, ob einer recht habe. Und deshalb iollte, so fuhr Dr. Goebbels fort, jedermann heute wissen, der mit Ideen von Anarchie, Revolte oder Aufstand liebäugele: „B e i u n s h e r r s ch t Ordnn n g ! (Starker Beifall.)
Wehe dem, der sich an diesem Staat vergreifen will! Wir warnen Neugierige! (Große Heiterkeit.) Die Meckerer vermissen Wunder, die wir nach ihrer Meinung einst versprachen. Wir haben überhaupt nie materielle Versprechungen gemacht! Wir forderten wieder und immer wieder nur Opfer und Hingabe. Ein Paradies auf Erden konnten nur die Toren erwarten, die nicht von uns betrogen worden sind, sondern sich selbst betrogen haben. Wir können nur die Kräfte richtig ansehen, die man uns zur Verfügung stellt. Das haben wir getan! Alle Parteigenossen taten an ihrer Stelle ihre Pflicht, und aus der Summe dieser Pflichterfüllung ist unser Reich erstanden. Wir haben nicht Phrasen über
Sozialisinus gedroschen, sondern den Sozialismus in die Wirklichkeit übersetzt. Wir nahmen uns der früheren Gegner an und vergaßen, was zurückliegt, allerdings nicht, ohne das Volk vor seinen einstigen anarchistischen Führern zu sichern. Wir sind auch über die Kritikaster hinweg zur Tagesordnung geschritten und an die Arbeit gegangen. Dabei haben wir uns zunächst naturgemäß mit den dringendsten Problemen beschäftigen müssen, mit der Beseitigung des Terrors und des Unwesens der Parteien. Eine straffe, zentrale und autoritäre Führung wurde geschaffen.
Wenn wir wirklich Devisen- und andere Schwierigkeiten haben, so sind wir trotzdem stärker als die anderen, weil wir eine Führung haben. Die Boykotthetze» sollen nur nicht glauben, daß Deutschland etwa der Devisen- schwierigkeiten wegen beigeben würde, welche Schwierigkeiten auch immer noch auftauchen mögen — wir werden sie zu überwinden wissen, denn das deutsche Volk ist reich genug, die Wahrheit zu hören.
(Fortsetzung auf Seite 2.)
Feierliche Beisetzung Barthous
Gedenkrede Doumergues nn der Bahre seines toten Außenministers
Paris, 13. Oktober.
Unter. dem bewölkten Himmel eines trüben Oktobermittags fand die Ueberführung der sterblichen Hülle Barthous vom Außenministerium in, den Invalidendom statt. Bei den Klängen eines Trauermarsches bewegte sich der Leichenzug vorn Quai d'Orsay zur Esplanade des Invalides. Der Sarg stand auf einer Geschützlafette, die von sechs Pferden gezogen wurde. Hinter zwei Reihen von Offizieren folgten die Angehörigen des Verstorbenen und das offizielle, vom Präsidenten der Republik, Lebrun, geführt« Trauergefolge.
Schon seit Stunden hatte sich eine riesig« Menschenmenge eingefunden. Schweigend standen die Massen hinter den spalierbildenden Soldaten. Matt winkten die mit Trauerflor umgebenen und auf halbmast gesetzten Fahnen- Es verging über eine halbe Stunde, bis die in- und ausländischen Würdenträger, die Vertreter der Behörden und Verbände, die Fahnenabordnungen, Kriegsteilnehmergruppen, Abordnungen von Universitäten und Akademien vorbeigezogen waren, um an dem Katafalk Aufstellung zu nehmen.
Dann ergriff Ministerpräsident Doumergue das Wort, um im Namen der Regierung das Gedächtnis des Verstorbenen zu ehren. Alle seine Taten, so führte er M. a. aus, seien von seiner leidenschaftlichen Vaterlandsliebe bestimmt gewesen. Er habe einer Generation angehört, die die Niederlage miterlebt und ihren Schmerz mitempfunden habe, aber das Vertrauen in die Zukunft behalten und auf die berechtigte Wiedergutmachung einer Gerechtigkeit gehofft habe, in der das Recht die Ueberhand über die Gewalt gewinne. Die Männer dieses Zeitabschnitts hätten während ihrer Laufbahn von verschiedener Ansicht sein und verschiedenen Dingen dienen können, aber sie seien immer wieder einig
gewesen, sobald die Größe Frankreichs auf dem Spiele gestanden habe. Als Frankreich Gefahr drohte, habe Barthou als Ministerpräsident nicht gezögert, den unentschlossenen.Kampiern heroische Maßnahmen vorzuschlagen und sie durch seine Tatkraft durchzudrücken. Die Vaterlandsliebe, von der Barthou in schweren Stunden beseelt war, könne den jungen Generationen als Beispiel hingestellt werden. Denn sie sei weder herausfordernd noch lärmend, sondern wachsam und einfach gewesen.
Es sei für Frankreich eine unerläßliche Notwendigkeit, bereit und stark zu sein. Mit allen seinen Kräften habe Barthou den Frieden sicherstellen wollen durch seine Politik der Annäherung, die loyal geführt worden sei und an der mitzuarbeiten Frankreich alle Völker guten Glaubens auffordere, die ein gemeinsames Ideal der Zivilisation, der Gerechtigkeit und des Fortschrittes hätten.
In diesem Zusammenhange betonte der französische Ministerpräsident, daß die tragischen Ereignisse von Marseille die Freundschaft der beiden betroffenen Völker nur noch enger gestalten werden, und gedachte des verstorbenen Königs, seines Sohnes und seiner Gemahlin. Zuni Schluß wies Doumergue auf den Gedanken Barthous hin, den der Verstorbene mit ihm empfunden habe, daß nämlich jede Voraussetzung für internationale Arbeit die Arbeit im Innern sei und daß diese Arbeit nur durch Einigkeit geleistet werden könne. Uneinige Völker seien schwach und eine Beute der Gefahr.
Nach der Rede des Ministerpräsidenten fand der Vorbeimarsch der Truppen statt. Durch ein Spalier von Fahnen, gelangte der Sarg um 16 Uhr in den Ehrenhof, um von dort in die Kirche des Heiligen Ludwig überführt zu werden.
Südslawische Vorstellungen in Rom
Gegen unrichtige und tendenziöse Nundfunkmeldungen
London, 18. Oktober.
Wie Reuter aus Belgrad meldet, hat sich die südslawische Regierung zu Vorstellungen in Rom gezwungen gesehen, da angeblich über einen Rundfunksender von der „unhaltbaren Lage" in Süd- slawien gesprochen worden ist. Auch sollen Bemerkungen über eine bevorstehende Auflösung des Staates gefallen sein. Angesichts der völligen Unrichtigkeit dieser Behauptungen sei der südslawische Gesandte in Rom angewiesen worden, bei dem italienischen Außenministerium Vorstellungen zu erheben und um die Zusicherung zu ersuchen, daß die italienischen Sender künftig solche unfreundlichen Aeußerungen über die südslawische Lage Unterlasten. Eine italienische Antwort sei noch nicht eingetroffen. Doch hoffe man zuversichtlich auf eine befriedigende Beilegung des Zwischensalles.
Außerdem seien, wie Reuter weiter meldet, in amtlichen Kreisen Berichte eingetroffen, daß die italienische Garnison in Zara während der beiden letzten Tage beträchtlich ver
stärkt worden sei. Die amtlichen Kreise fänden keinen Grund für ein solches Verhalten. Sie betrachteten es als überflüssig und nicht geeignet für eine Besserung der italienisch-südslawischen Beziehungen. Man sei auch fest überzeugt, daß kroatische Revolutionäre italienische Unterstützung erhalten hätten. Es werde versichert, daß es eine Geldwährung gebe, die „Ruma" heiße, den Wert einer Lira habe und unter den kroatischen Flüchtlingen nicht nur in Ungarn, sondern auch in Zara gültig sei. Die Geldscheine sollen von kroatischen revolutionären Organisationen gedruckt worden sein.
Reuter fügt hinzu: Es ist zu beachten, daß nicht ein Wort von diesen Anschuldigungen in der südslawischen Presse veröffentlicht wird, die der Regierungszensur vollkommen untersteht und kein Wort druckt, das nicht vorher vom amtlichen Pressebüro gebilligt worden ist. Die Öffentlichkeit weiß auch nichts von italienfeind- lichen Kundgebungen in mehreren Städten. Die Veröffentlichung dieser Nachricht ist anscheinend auf Anregung des italienischen Gesandten unterdrückt worden. Sogar die Nachrichten von der Ermordung des Königs Alexander wurden der Öffentlichkeit 12 Stunden lang vorenthalten.
Es durfte keine Sonderausgabe gedruckt werden. Erst um 4 Ilhr morgens am Tage nach der Mordtat wurde die Veröffentlichung erlaubt, während Rundfunkhörer schon am Abend zuvor durch die Mitteilungen auswärtiger Sender Kenntnis hatten.
Budapest, 13. Oktober.
Die Budapester Polizei hat festgestellt, daß der Attentäter von Marseille einen gefälschten Paß der Frau Johanna Majerti (manche Zeitungen schreiben auch den Namen Majorski), der am 5. Oktober 1932 von der Budapester tschechoslowakischen Gesandtschaft mit der Nummer 185 744 ausgestellt worden war, bei sich hatte. Die Paß- nummer war nach Meldungen aus Marseille in 479 275 abgeändert worden. Die Untersuchung ergab, daß in den Jahren 1932/33 eine Erzieherin dieses Namens, die tschechoslowakischer Staatsangehörigkeit war, in Budapest bei einem Rechtsanwalt beschäftigt war. Die Erzieherin soll nach ihren Erklärungen ihren Paß auf eine geheimnisvolle Weise verloren haben. Jemand, den sie nicht kenne, habe ihr den Patz weggenommen. Wie das Verschwinden des Passes mit der jetzt aufgedeckten Fälschung des Passes des Täters von Marseille in Verbindung steht, konnte bis jetzt noch nicht festgestellt werden.
Als der TrFllerzug die Kirche betrat, spielte das Orchester den Trauermarsch aus der Erotca von Beethoven. Der Eoadjutor des Kardinalerzbischofs von Paris erteilte die Absolution am Katafalk, worauf der Chor das Allegretto der Sinfonie in K-Tur von Beethoven anstimmte, das eines der Lieblingsstllcke Barthous war.
Die sterblichen Ueberrfte des Außenministers wurden dann auf dem Pariser Friedhof Psre Lachaise überführt, wo die Beisetzung im Beisein der nächsten Angehörigen und Freunde in der Familiengruft stattfand.
Berlin, 13. Oktober.
Der Führer und Reichskanzler hat auf sein Beileidstelegramm aus Anlaß der Ermordung des Außenministers Barthou vom Präsidenten der französischen Republik folgendes Antwort-Telegramm erhalten: „Für die sehr wohltuende Teilnahme, die Ew. Exzellenz mir im Namen des deutschen Volkes anläßlich des tragischen Trauerfalles zum Ausdruck gebracht haben, der Frankreich betroffen hat, sage ich Ihnen aufrichtigen Dank."
Deutsch - Amerikanischer Handelsvertrag gekündigt
Berlin, 13. Oktober.
Der deutsche Botschafter in Washington hat am Sonnabend der Regierung der Vereinigten Staaten gemäß Artikel 31 Absatz 2 des deutsch-amerikanischen Handelsvertrages vom 8. Dezember 1923 mitgeteilt, daß die deutsche Regierung beabsichtigt, eine Aenderung der Bestimmungen des Artikels 7 des genannten Vertrages herbeizuführen. Auf Grund dieser Mitteilung endigt der am 14. Oktober 1925 in Kraft getretene Vertrag gemäß seinem Artikel 31 mit dem 13. Oktober 1935: Der deutsche Botschafter hat gleichzeitig der Regierung der Vereinigten Staaten mitgeteilt, daß die deutsche Regierung, wie dies der Regierung der Vereinigten Staaten bereits wiederholt erklärt worden ist, zu Verhandlungen über die künftige Gestaltung der deutsch-amerikanischen Handelsbeziehungen jederzeit bereit ist.
l?. L. Bremen, 14. Oktober 1934.
Äst i)lk Also heute gibt es wieder Ein - Hausfrau ! topfgericht. Freuen Sie sich darauf? Bits, ein ganz bestimmtes Ja oder ein kategorisches Nein. So ein Wenn und Aber paßt nicht zur Sache. Entweder ist man mit dem Herzen dabei, denn wird das Eintopfgericht dem Magen munden oder man macht gezwungen mit, „weil es Vorschrift ist" und dann verdirbt der kleine Aerger die schönste Kochkunst. Wenn ich raten darf, nehmen Sie das erste Rezept. Kochen Sie heute das Eintopfgericht mit Liebe, mit jener Liebe, die Sie beim Kochen überhaupt aufbringen können, wenn es gilt, Ihren ganzen Hausfrauenstolz und Ihr Hausfrauenkönnen unter Beweis zu stellen. Machen Sie heute aus diesem 14. Oktober einen Festtag besonderer Art. Verraten Sie niemanden, was in Ihrem Eintopf schmort und kocht. Schmücken Sie den Mittagstisch mit Blumen, holen Sie die besten Teller aus Ihrem Schrank heraus, lassen Sie die ganze Familie in bestem Sonntagsstaat zur Mahlzeit aufmarschieren. Sie sollen sehen, das einfachste Gericht wird zum vollendesten Diner. Und überdies das dumme Wort „Zwang". Wer zwingt Sie denn? Der Staat? Gott bewahre! Das bilden Sie sich nur ein. Wer Ihnen sagt, daß es heute eine sittliche Pflicht sei, den Eintopf in Tätigkeit treten zu lassen, ist nur Ihr Gewissen. Und eine deutsche Frau ist ja gewissenhaft. Können Sie sich noch an die Steckrübenzeit erinnern? Da werden Sie manchmal geflucht haben über den „Fraß", den Sie auf den Tisch bringen mußten. Immer und immer wieder dasselbe. Das war Zwang. Eiserner Zwang sogar, weil die Not auch über Ihre Schwelle getreten war, weil ein ganzes Volk nach dem Willen rachsüchtiger Gegner ausgehungert werden sollte. Ach Gott, was haben wir heute dagegen für goldene Zeiten! Das merken Sie als Hausfrau doch ganz besonders. Natürlich müssen Sie auch heute noch sparsam sein, aber das ist kein Grund auf die Verhältnisse schimpfen zu müssen. Schauen Sie nicht immer nach oben, schauen Sie viel mehr nach unten! Wissen Sie, daß heute noch Millionen von Familien täglich von Eintopfgericht leben? Leben müssen sogar. Und wie schön ist das Gefühl, wenigstens einmal im Monat mit diesen Millionen im Geiste an einem §a- milientisch sitzen zu können. Pfennige sind es, die Sie an jenem Eintopftag aus ihrem Wirtschaftsgeld für diejenigen opfern, die heute noch tagtäglich fast immer ein- und dasselbe essen müssen. Aber das wäre noch das Wenigste. Die Hauptfrage bleibt bei diesen Millionen, wird für den nächsten Tag das Geld zu dem einfachsten Essen noch reichen? Sehen Sie, liebe glückliche Hausfrau, mit Ihren paar Pfennigen vom Eintopfsonntag werden diese Millionen von ihrer schweren Sorge um den nächsten Tag befreit. Werden Sie durch die paar Pfennige ärmer? Bestimmt nicht! Werden jene Millionen reicher? Auch das kann man nicht behaupten. Aber stark im Glauben an ihr Vaterland werden sie. Früher gab man den Armen der Aerm- sten statt Brot Steine, d. h. der Staat warf ihnen einige Hungergroschen hin, die zum Leben zu wenig und zum Sterben zu viel waren. Da konnten dieser Armen mit Recht aus den Staat schimpfen. Der Staat war ihr Feind geworden und mit ihm alle jene Volksgenossen, denen das Schicksal in materieller Beziehung günstiger gesinnt gewesen ist. Diese Feindschaft ist heute überwunden. Dazu haben auch Sie, verehrte Hausfrau, in hervorragenderweise im vorigen Jahre beigetragen und Sie werden in diesem Jahre mit berechtigtem Stolz an der inneren Befriedung im Volke weiter arbeiten. So unscheinbar das Eintopfgericht auch sein mag, in ihm steckt soviel politische Macht und soviel sozialistisches Handeln, daß man es als Zeichen unserer deutschen Volksverbundenheit nicht mehr missen möchte.
Also liebe deutsche Hausfrau! Heran mit Begeisterung und Liebe heute an den Koch-
Woche des Deutschen Buches
Ein Ausruf Dr. Goebbel s
Der Rsichsminister für Volksaufklärung und Propaganda veröffentlicht zur kommenden „Woche des Deutschen Buches" folgenden Aufruf: Vom 4. bis 11. November findet die diesjährige „Woche des Deutschen Buches" statt. Veranstalterin ist die Reichsschristtumskam- mer mit den ihr angegliederten Verbänden.
Der Nationalsozialismus hat es stets als seine besondere Ausgabe angesehen, die Kulturgüter der Nation zum wirklichen Besitz des Volkes zu machen und in den Dienst dieser großen Ausgabe stellt sich die „Woche des Deutschen Buches".
Es ist Ehrenpflicht, Sorge dafür zu tragen, daß der Ruf, der an alle ergeht, nicht un-
gehört verhallt. Ich bitte daher alle amtlichen Stellen und Institutionen, alle politischen und wirtschaftlichen Organisationen und insbesondere alle Kulturverbände, an der Vorarbeit und Durchführung der „Woche des Deutschen Buches" teilzunehmen und deren Erfolg durch gemeinsames Zusammenwirken zu sichern.
Wir sind als Volk arm geworden an materiellen Gütern, aber wir sind reich an unerschöpflichen Schätzen deutschen Geistes. Machen wir uns diesen Reichtum zu eigen. Bücher sind noch immer gute Kamps- und Weggenossen gewesen. Darum:
Haltet fest am deutschen Buch!
Dr. Goebbels