Ausgabe 
(12.10.1934) Nr. 282
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Nr. 282 / 4. Vierteljahr

Freitag, 12 . Oktober

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Wehrmacht und Winterhilsswerk

' Berlin, 11. Oktober.

Reichswehrmiirister Generaloberst von Blom- berg hat für die Teilnahme- der Wehrmacht am Winterhilssroerk des deutschen Volkes eingehende Richtlinien erlassen. Einleitend heißt es darin: ,^ver kommende Winter stellt die Wehrmacht er­neut vor die Aufgabe, durch Beteiligung an der Winterhilfe nach Kräften zur Linderung der all­gemeinen Not beizutragen. Darüber hinaus ist es selbstverständliche Pflicht jedes Soldaten, auch in diesem Winter zum Zeichen seiner Volksver­bundenheit für den notleidenden Teil seiner Volksgenossen persönliche Opfer auf sich zu nehmen."

In den Richtlinien wird u. a. bestimmt:

1. Vetätigung für das Winterhilsswerk ist Dienst. Die Truppe hat sich in den Dienst des Winterhilfswerks zu stellen, soweit die Ausbil- dungsbelange dies irgendwie zulassen.

2. Alle Fahrzeuge, Kraftfahrzeuge, Feldküchen, Kochkessel und personelle Kräfte sind zu Trans­porten, Sammlungen, Speisungen und sonstigen Hilsarbeiten für das Winterhilsswerk zur Ver­fügung zu stellen.

3. Musik- und Trompeterkorps sind im Be­nehmen mit den zuständigen örtlichen Führern des Winterhilfswerks dienstlich für die Winter­hilfe zu gestellen, Dies geschieht entweder durch die Teilnahme an amtlichen Veranstaltungen der NS.-Volkswohlfahrt oder durch Abhalten von Wohltätigkeitskonzerten, deren Eesamterlös dem Winterhilsswerk zufließt.

1. Die Wehrmacht beteiligt sich an der Durch­führung einesEinheitsessens". Mannschafts­küchen, Offiziersheime und Messen geben an sol­chen Tagen ein Eintopfgericht aus- Gleiches wird von allen privaten Haushaltungen der Wehr­machtangehörigen erwartet.

Tag des Handwerks

Am 28. Oktober wird im ganzen Reich der Tag des deutschen Handwerks" durchgeführt. Er soll die Verbundenheit zwischen Volk und Hand­werk zum Ausdruck bringen und vertiefen.

Der Reichsstand des Deutschen Handwerks ver­anstaltet am Vormittag eine Führertagung in Vraunschweig, die auf alle deutschen Sender über­tragen und von örtlichen Jnnungsversammlungen im ganzen Reiche abgehört wird. Am Nachmittag und Abend veranstaltet die NS.-Hago zusammen mit der Reichsbetriebsgemeinschaft 18 (Handwerks der Deutschen Arbeitsfront überall große öffent­liche Kundgebungen, an denen sich das ganze Handwerk beteiligt. Als Ort für seine Führer­tagung hat der Reichsstand die Burg Dankwarde- rode in Vraunschweig gewählt. Dort werden um )412 llhr die Ehrengäste, die Landeshand­werksführer, die Präsidenten der Handwerks- und Eewerbekammern und die Führer der handwerk­lichen Reichsfachverbände zusammentreten.

Zunächst spricht Reichsbankpräsident Dr. Schacht als Stellvertreter der Reichswirtschaftsminister, dann der Stabsleiter der PO. und Führer der Deutschen Arbeitsfront Dr. Robert Ley. Reichs­handwerksführer Schmidt wird in seiner Ansprache sämtliche Kreishandwerksführer, Obermeister und Jnnungswarte im ganzen Reiche feierlich auf ihre Aemter verpflichten; es handelt sich dabei um Handwerkssührer, die auf Grund der Ersten Verordnung über den vorläufigen Aufbau des deutschen Handwerks ernannt worden sind. Etwa 1)4 Millionen Handwerksmeister und sonstige handwerkliche Betriebssichrer werden in Jn- nungsversammlungen im ganzen Reiche die Vraunschweiger Feierstunde durch den Rundfunk miterleben. Die Gesellen, Lehrlinge und Fa­milienangehörigen des Handwerks, das mehr als acht Millionen Menschen umfaßt, werden außer­halb der geschlossenen Jnnungsversammlungen die Sendung aus Braunschweig abhören.

Am gleichen Sonntag übergibt der Oberbürger­meister von Vraunschweig Dr. Hesse dem Reichs­handwerksführer die Schlüssel des Gebäudes, das die Stadt Braunschweig dem Reichsstand des deutschen Handwerks für seine erste FUHrerschule zur Verfügung gestellt hat.

Wehrpflicht in Oesterreich?

Der zweite Vizebürgermeister von Wien, Kresse, erklärte in einer Mittwoch abend gehaltenen Rede, daß nach seinen Informationen die Ein­führung der allgemeinen Wehrpflicht in Oester­reich unmittelbar bevorstehe. Es werde dann nötig sein, die gesamte Jugend Oester­reichs zum Militär zu bringen, wo sie gegen ein kleines Handgeld längere Zeit dienen werde.

Die deutsch-polnische Wirtschastsverembarung unterzeichnet. Die deutsch-polnische Wirtschafts- vereinbarung, die am 6. ds. Mts. in Warschau paraphiert worden war, ist Donnerstag abend im Warschauer Außenministerium durch den deutschen Gesandten von Moltke und den Untcrstaats- sekretär des polnischen Autzenministeriums, Graf Szembek, unterzeichnet worden. Ihre Bestim­mungen werden ab 15. Okt. angewendet werden.

Dunkle Geschäfte mit dem Marseille? Attentat

Die Saarlüge

Rekord der Greuelpropaganda

Ungeheuerliche Verdächtigungen Deutschlands durch französische Zeitungen

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V. Vk. Berlin, 11. Oktober.

Mit Abscheu verzeichnet man in politischen Kreisen der Reichshauptstadt geradezu ekelhafte Versuche französischer Sensationsblütter, aus dunklen Umwegen Deutschland als mitschuldig an den Morden von Marseille zu stempeln. Es fehlt nicht an versteckten Andeutungen, ja, an offenen Angriffen, in denen zumindest von einer geistige« Urheberschaft des Dritten Reiches gesprochen wird. Wenn man auch bereits seit langem allerlei in dieser Richtung gewöhnt ist, so setzt doch ein solches Gebaren angesichts der vorhandenen Tatbestände den politischen Jntrigen die Krone aus.

Sogar in Blättern, die dem Quai d'Orsay nahe­stehen, werden Andeutungen vorgebracht, in denen gemutmaßt wird, daßdie Verteidiger des euro­päischen Friedens in der letzten Zeit auffallend leicht aus dem Leben scheiden"; und dabei wird von Anschlägen dunkler Kräfte gesprochen, die

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seit einem Jahre in regelmäßigen Abständen in Europa Bluttaten verüben lassen." Wenn auch wohl durch solche, vorerst noch undeutlichen Hin­weise vor allem die Aufmerksamkeit des franzö­sischen Volkes von den unerhörten Unter­lassungssünden der französischen Po­lizei in Marseille abgelenkt werden soll, so macht doch die Taktik der bekannten Zeitung Journal des DSbats" stutzig, die ganz unverblümt von der Schuld Deutschlands zu sprechen wagt und in diesem Zusammenhang eine Kette angeblicher deutscher Morde von Du ras über Doll fuß zu Barthou" konstruiert, wobei allerdings Kö­nig Alexander ganz vergessen worden ist.

Wie immer, so sind auch in diesem Falle die separatistischen und kommunistischen Landesverräter an der Saar bei der Hetze gegen Deutschland an der Spitze. Sie haben sogar als erste die Idee ausgeheckt, Paris ein Stich­wort dieser Art zu geben. Und skrupellos, wie ge­

wisse französische Zeitungen und Politiker nun einmal sind, hat man an der Seine mit Begeiste­rung von diesem billigen Mittel Gebrauch ge­macht, einen neuen Akzent in die Debatte zu bringen. Ein Land, das in der akuten Gefahr lebt, das Opfer von kommunistischen Ideen und von Schiebern des Schlages Stavisky zu werden, sollte doch wirklich etwas anderes zu tun haben, als sich mit dem Fluche der Lächerlichkeit zu be­laden.

Man ist in Berliner politischen Kreisen der Meinung, daß die Aufdeckung der Hintergründe dieses Attentats vielleicht Momente zutage för­dern könnte, die den größten Schreiern in gewissen Ländern den Mund zu stopfen geeignet wären. Deutschland aber auch nur im Entferntesten mit dieser Bluttat in Zusammenhang zu bringen, die auf französischem Boden, unter den Augen der französischen Polizei von jugoslawischer Mörder­hand verübt worden ist, das zeugt von einer Skrupellosigkeit, die in der Praxis der Greuel­propaganda der Nachkriegszeit einzig dasteht.

Auf -er Suche nach den Helfershelfern

Gin Marseilles Mittäter in Fontainebleau entkommen, mehrere Verdächtige

an der Grenze festgenommen

Paris, 11. Oktober.

Havas meldet aus Annemasse, etwa 8 Kilometer östlich von Genf, an der Grenze auf französischem Gebiet, daß von der dortigen Sicherheitspolizei zwei Personen festgenommen worden find, die in dem dringenden Verdacht stehen, die Helfershelfer des Marseiller Attentäters zu sein.

Aus dem Verhör geht hervor, daß die Verhaf­teten ebenso wie der Haupttäter einer Terro­ristenbande angehören und im übrigen nicht die einzigen Mithelfer seien. Sie sollen erklärt haben, daß sie im Falle des Mißlingens des Mar­seiller Anschlages den Auftrag hatten, in Paris einen neuenAnschlag gegen König Alexander zu unternehmen. Das Verhör wird fortgesetzt.

Ein Helfershelfer oder Mitwisser des Marseiller Mörders soll in einer Villa in Fontainebleau Unterschlupf gesucht haben. Als sich Donnerstag früh Polizei in der Villa einfand, flüchtete ein Unbekannter. Er konnte trotz vieler von den Po­lizisten abgegebener Revolverschüsse in den Wald von Fontainebleau entkommen. Die Verfolgung ist ausgenommen worden. Wie derJntransie- geant" behauptet, handelt es sich um jenen unter

dem Namen Chalny in einem Pariser Hotel ein­getragenen Begleiter des Mörders, der am 3V. September in Paris eingetroffen war.

WiePetit Journal" berichtet, zeigt der Film, den ein Kino-Operateur während des Anschlages in Marseille drehen konnte, die Einzelheiten des Vorganges nicht besonders klar. Nach einer Mel­dung des gleichen Blattes aus CheÄourg sollen an Bord eines Dampfers, der Cherbourg mit Be- stimmung Newyork verlassen hat, kurz vor der Abfahrt auf Weisung von Paris sieben Filmstrei­fen beschlagnahmt worden sein, die den Verlauf des Attentats zeigen und nach den Vereinigten Staaten übermittelt werden sollten.

Das Befinden des bei dem Marseiller An­schlag schwer verletzten Generals Georges soll, wie aus Paris gemeldet wird, zufrieden­stellend sein, obwohl die Aerzte sich erst in zwei bis drei Tagen endgültig werden äußern können, da immer noch mit einer plötzlichen inneren Blutung gerechnet werden mutz. Der General hat einen Lungenschuß erhalten. Außerdem sind ihm Leide Arme von einer Kugel durchschlagen worden. Auch eine Rippe ist durch einen Streif­

schuß verletzt. Das in der Lunge befindliche Geschoß hat noch nicht entfernt werden können.

Donnerstag ist in Paris der Sonderzug mit der Leiche Varthous eingetroffen. Mit demselben Zuge kamen Königin Maria von Süd- slawien und der Präsident der Republik, Lebrun, mit seinem Gefolge in der französischen Hauptstadt an. Am Bahnhof hatte sich eine gewaltige Menschenmenge eingefunden. Die polizeilichen Sicherheitsmaßnahmen waren so streng, daß der Vahnhofsplatz in weitem Bogen abgesperrt und das Betreten des Bahnhofs­gebäudes selbst den Vertretern der Presse unter­sagt war. Auf dem Bahnsteig warteten die Königinmutter Maria von Rumänien und viele französische und südslawische Würdenträger auf die Ankunft des Zuges. Das diplomatische Korps, darunter der deutsche Geschäftsträger, Botschafts­rat Förster, war vollzählig versammelt. Der Sarg mit der sterblichen Hülle Varthous wird nach dem Außenministerium am Quai d'Orsay übergeführt und dort im llhrensaal, der in eine Trauerkapelle umgewandelt worden ist, aufgebahrt.

(Weitere Meldungen im Innern des Blattes.)

Thronbesteigung Peters n.

Feierliche Vereidigung des südslawischen Regentschaftsrates

Belgrad, 11. Oktober.

Der Senat und die Skupschtina traten am Donnerstagvormittag zu einer gemeinsamen Sitzung zusammen, um den durch die Verfassung vorgeschriebenen Eid auf den König Peter II. ab­zulegen. Der Sitzungssaal der Skupschtina sowie die Vorhalle waren mit schwarzem Tuch aus- geschlagen Sämtliche Senatoren und Abgeordnete sowie das Diplomatische Korps waren anwesend. Die Galerien waren bis auf den letzten Platz gefüllt.

Der Präsident des Senats, Tomaschitsch, er­öffnete die Sitzung mit einer kurzen Trauer­rede für den ermordeten König Alexander, dessen außerordentliche Taten im Kriege und im Frieden er feiert«. Bei der Er­wähnung des neuen Königs Peter II. bereitete die Versammlung diesem stürmische Huldigungen. Tomaschitsch verlas sodann den Abgeordneten und Senatoren die Eidesformel, die diese stehend und mit zum Schwur erhobenem rechten Arm nach­sprachen.

Nach der Vereidigung der Parlamentsmitglieder wurde Prinz Paul feierlich in den Saal geleitet. Er und die beiden anderen Mitglieder des Regent- schastsrates, sowie die drei Stellvertreter begaben sich zum Präsidium und legten in die Hände des Senatspräsidenten den verfassungsmäßigen Eid ab, demzufolge sie dem König die Treue halten und auf Grund der Verfassung und der Straf­gesetze herrschen würden. Nach der Vereidigung sprach Prinz Paul einige Dankesworte für das Lkrtrauen, das man ihm entgegenbringe. Als er darauf das Gebäude der Skupschtina verließ, be­reitete ihm die auf der Straß« harrende Menge Huldigungen.

Die Nationalversammlung hat in außerordentlicher Sitzung beschlossen, dem toten König den TitelAlexander I., Einziger und Held" zu geben.

Die Marseiller Presse erläßt eine Aufforderung an die Bevölkerung der Stadt, eine Sammlung für die Errichtung eines Denkmals zur Er­innerung an das Verbrechen zu veranstalten, dem König Alexander von Sildslawien zum Opfer fiel. Das aus Granit oder Marmor auszuführende Denkmal soll an der Stelle, an der der königliche Gast unter den Kugeln des Mörders fiel, seinen Platz finden.

Paris, 11. Oktober.

König Peter II. war auf seiner Durchreise durch Frankreich in Begleitung seiner Großmutter, der Königin-Mutter Maria von Rumänien, am Mitt­wochabend in Paris eingetroffen. Schon bei der Landung des aus England kommenden Dampfers in Calais waren umfangreiche polizeiliche Schutz­maßnahmen getroffen worden. Dasselbe geschah auch auf dem Bahnhof in Paris. Um ganz sicher zu gehen, ließ man sogar den D-Zug, an den ein Salonwagen für den jungen König angehängt worden war, 15 Kilometer von Paris entfernt in der Ortschaft Gonesse halten. König Peter II. und seine Großmutter verließen hier den Zug und legten den Weg bis Paris im Kraftwagen zu­rück.

Ztalienseinöliche Kundgebungen

London, 11. Oktober.

Nach einer Reuter-Meldung aus der süd­slawischen Stadt Laibach ist es dort zuitalien - feindlichen Kundgebungen gekommen. Die Menge hatte versucht, das italienische Kon­sulat anzugreifen, doch sei sofort Polizei ein­geschritten und habe Uebergriffe verhindert. Die Kundgebungen, berichtet Reuter weiter, ereigneten sich nach einer Protestversammlung, in der die Redner behaupteten, daß sämtliche Anschläge gegen das Leben des Königs Alexander, auch derjenige vom letzten März in Agram, von Italien finanziert und vorbereitet worden seien. Wahrscheinlich, so folgerten die Redner, sei auch der Mörder Kalenem von derselben Seite angestiftet worden.

Evening Standard" berichtet in größter Auf­machung, daß in Agram, Serajewo und meh­reren anderen Städten ziemlich ernste italienfeind- liche Ausschreitungen zu verzeichnen seien.

Garraut zurückgetreten

Der französische Innenminister Sarrant, der von der französischen Presse dafür verantwortlich gemacht wurde, daß der Anschlag auf den süd­slawischen König und den französischen Außen­minister gelinge« konnte, ist zurückgeterten.

Der Generaldirektor -ex Sicherheitspolizei, Verthoin, wurde seines Postens enthoben, ebenso der Präfett des Departements Bouches-d«-Rhone, Jonhannaud.

Friedensangebot O'Duffus

Dublin, 11. Oktober.

Es wird immer deutlicher, daß die Spaltung unter den Gegnern de Valeras weit ernster ist, als die Blätter der vereinigten Jrlandpartei glauben machen wollen, der abgesetzte Führer der Blauhemden, General O'Duffy, scheint seiner Sache sehr sicher zu sein, er hat nämlich dem neu­ernannten Vlauhemdenführer Oberst Lronin vorgeschlagen, keine Versammlungen abzuhalten und das Hauptquartier solange zu schließen, bis ein Konvent der Blauhemden-Vereinigung einberufen worden sei. In diesem Falle würde er, O'Duffy, nicht nur Frieden halten, sondern sich auch ver­pflichten, die Entscheidung des Konvents unbedingt anzunehmen. Bisher ist noch nichts über die Antwort des Obersten Cronin bekannt.

Korsischer Bandit erschossen. Der korsische Bandit Pästdini, der im August nach der Ermordung eines Landsmannes in die Berge geflohen war und seither die Gegend von Caldane terrorisierte, ist am Donnerstag von der Gendarmerie, die mit seiner Verfolgung beauftragt war, erschossen worden. Der Bandit hatte Schutz in einem Schaf- stall gesucht, wo ihn die Beamten stellten. Er gab mehrere Schüsse ab, die aber ihr Ziel verfehlten und wurde dann selbst tödlich verletzt.

Deutsche Gesandten beim Führer. Der Führer und Reichskanzler empfing am Mittwoch den deutschen Gesandten in Athen, Dr. Ellenlohr, den deutschen Gesandten in Belgrad, von Heeren, und den deutschen Gesandten für Mittelamerika, Kraske, zum Vortrag.

Wie Llemenceau Wilso» betrog Von

?ro1. Dr. k'rivärlod Urlmw

Nachstehenden Abschnitt entnehmen wir dem soeben in der Hanseatischen Verlags­anstalt Hamburg erschienenen neuen Werk des bekannten Essener Rechtsanwalts Prof. Dr. Friedrich Grimm:Frankreich am der Saar".

Am 28. März 1919 kam es zu der ersten großen Auseinandersetzung über die Frage des Saargebietes während der Friedens­konferenz von Versailles. In dem Hotel des Präsidenten Wilson in Paris fand an diesem Tage jene denkwürdige Sitzung derGroßen Drei" statt, in der die Meinun­gen aufeinanderplatzten. Tardieu und Lou- cheur waren von Clemenceau zu der Be­ratung hinzugezogen, die Männer, in deren Person die Forderungen der historischen Rheinlandpolitik Frankreichs mit den Be­strebungen des modernen Wirtschafts­imperialismus des comitä ctes karges sich so unselig vereinten. Wilson saß da mitdem fragenden Lächeln, das die Einwendungen ankündigte". Tardieu trug seine Denkschrift vor und machte sich damit zum Anwalt der historischen" undwirtschaftlichen" An­sprüche Frankreichs. Lloyd George wollte den französischen Anspruch auf das Eigentum an den Gruben anerkennen. Aber auch er wandte sich gegen die Grenzen von 1814. Er wollte keinneues Elsaß-Lothringen" schaf­fen. Wilson hatte lange schweigend zuge­hört. Dann ergriff er das Wort. Die Szene wurde von dramatischer Spannung.

Der Präsident lehnte alle Ansprüche Frank­reichs ab, die historischen und die wirtschaft­lichen. Er erklärte sich damit einverstanden, daß Frankreich so viel Kohlen erhielte, als seinem Kriegsverlust an Kohlenerzeugung entsprach. Er weigerte sich aber, Frankreich das Eigentum an den Laargruben zuzugestehen. Er lehnte die Grenzen von 1814 ab. Er widersetzte sich auch der Bildung irgendeines Staatswesens mit autonomer Verfassung.Frankreich selbst", so sagte er, hat sich bereit erklärt, die Grenzen von 1870 als Grundlage des Friedens anzu­nehmen; von den Grenzen von 1814 war keine Rede. Diese Grundlagen binden die Verbündeten."

Deutlich trat da die Rechtsgrundlage her­vor, die die Gegnermächte verpflichtete. In der Saarfrage gab es kein Verhandeln mehr. Die Saarfrage war in der allseitigen An­nahme des Programms der vierzehn Punkte festgelegt worden. Wilson fuhr fort:Die Grenze von 1814 entspricht übrigens keiner wirtschaftlichen Realität. Sie würde den Ruin des Saargebietes bedeuten." Ruin des Saargebietes! So sprach der ame­rikanische Präsident 1918. Heute aber erhebt sich eine neue Propaganda und möchte den Saarländern den status quo aus wirtschaft­lichen Gründen schmackhaft machen.

Der Präsident beschwor die Franzosen. Er wuchs einen Augenblick über sich selbst hin­aus zu einer bei ihm ungewöhnlichen Größe. Er fühlte sich als Anwalt des Rechts, als Ver­treter des Weltgewissens. Er sah die Ge­fahren, die sich da aufrichteten, das Gespenst Richelieus, des Begründers der französischen Rheinpolitik, neu erstanden in der Person des alten Tigers, der da vor ihm saß: kalt, undurchdringlich, der Vertreter einer alten Welt, einer Welt des Unverstandes, der Selbstsucht und der Gewalt. Wilson appellierte an die Einsicht Frankreichs:Es gibt keine intelligentere Nation als dre fran­zösische. Ich lege ihr freimütig meinen Stand­punkt auseinander. Ich fürchte ihr Urteil nicht. Ich habe eine so hohe Auffassung von dem Geist der französischen Nation, daß ich glaube, sie wird stets einen Grundsatz an­nehmen, der auf die Gerechtigkeit gegründet ist und mit Billigkeit durchgeführt werden wird." Wilson wollte, daß das deutsche Land den Deutschen ver­bliebe. Er kämpfte gegen eine Verblen­dung, von der Clemenceau in einer merk­würdigen Selbstverurteilung gesagt hat, daß es dieBesessenheit eines Volkes gewesen sei, das der Sieg außer Rand und Band ge­bracht" hübe.Ich bin bereit", so fuhr Wil­son fort,Frankreich die Nutzung der Gruben für eine bestimmte Zeit zuzugestehen. Ich bedauere, diese Einwendungen erheben zu müssen. Ich bitte um Entschuldigung. Es ist

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Aufruf des Reichsbauernsührers

Beamte werden entschuldet

Französische Polizei im Kreuzfeuer der Kritik

Weitere Erfolge der spanischen Regie­rungstruppen