Ausgabe 
(7.10.1934) Nr. 277
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Nr. 277/4. Vierteljahr

Sonntag, 7 . Oktober

Einzelpreis 15 Rps.

„Nationale Solidarität des ganzen deutschen Volles"

Gegen Hunger und Kälte

Die Eröffnung des Winterhilfswerks 1934/35

Arbeitsdienst

unerläßliche Voraussetzung

Berlin, 6. Oktober.

Zwischen dem Reichsführer des Nationalsozia­listischen Arbeitsdienstes, Staatssekretär Hierl, und dem Stabsleiter der PO. und Führer der Teutschen Arbeitsfront, Reichsleiter Dr. Ley, ist eine Vereinbarung getroffen worden, deren wesent­lichsten Inhalt wir folgend wiedergeben:

1. Der gesamte Führernachwuchs der PO. und der DAF. mutz zukünftig durch die Schule des Ar­beitsdienstes gehen. Für alle nach dem 31. Dezem­ber 1911 geborenen Führeranwärter der PO. und der DAF. ist der Arbeitsdienstpatz die unerläßliche Voraussetzung für die Zulassung zur Führerlauf- bahn.

Für die in der Zeit vom 1. Januar 1911 bis 31. Dezember 1911 geborenen Führeranwärter ist die Arbeitsdienstzeit nachzuholen, soweit die Auf­nahmefähigkeit der Organisation des Arbeits­dienstes dieses ermöglicht.

2. Die Arbeitsdienstzeit beträgt künftig aus­nahmslos ein Jahr, für die vor dem 1. Januar 1915 Geborenen ein halbes Jahr.

3. Die Einstellung erfolgt erstmals zum 1. No­vember 1931 auf Grund der von der Reichsleitung dos Arbeitsdienstes dem Stabsleiter der PO. und Führer der DAF. eingereichten Bedarfsanzeige.

Ueber das Cinberusungsverfahren erfolgen Aus­führungsbestimmungen.

1. Die aus dem Arbeitsdienst ausscheidenden Ftzhxerampärter erhalten eine eingehende abschlie-

Madrid, 6. Oktober.

Die Agentur Fabra teilt mit: „Der General­streik ist am Sonnabend in Madrid und einigen anderen Städten der Provinz ausgebrochen. Die Geschäfte und Fabriken haben geöffnet. Der Be­trieb auf den Verkehrsmitteln ist normal. Auch alle übrigen öffentlichen Einrichtungen sind in Tätigkeit. Im Erubengebiet von Asturien, wo der Streik revolutionäre Formen angenommen hat, ist die Gewalt im Laufe des Tages wieder überall in die Hände der Polizei gelangt. In den Ge­bieten an der Biscaya und in der Gegend von Eibar hat die öffentliche Eewalt die Bewegung erstickt. Auf der übrigen Halbinsel und besonders in Andalusien ist die Lage durchaus normal und hat keineswegs zu irgendwelcher Beunruhigung Anlaß gegeben. Der Ministerpräsident hat um Mitternacht erklärt, die Regierung betrachte die Lage durchaus optistimisch."

In Madrid ist auch am Sonnabend nur die Rechtspresse erschienen. Sie berichtet ausführlich über die Vorgänge vom Freitag. Im allgemeinen wird der Meinung Ausdruck gegeben, daß der Generalstreik der Sozialdemokraten zusammen­gebrochen sei. Man müsse anerkennen, daß die Regierung Herr der Lage sei und daß die ge­samte bewaffnete Macht des Staates treu zur Regierung stehe. Nach Meldungen aus Barce­lona ruhe dort die Arbeit vollkommen. Die kata­lanische Regierung halte die Ordnung aufrecht. Dem separatistischen Drängen ihrer Anhänger gegenüber habe sie erklärt, daß sie unter keinen Umständen Gewaltakte dulden werde. Sie werde je nach Lage der Dinge walten, und zwar immer unter dem Leitspruch': Kataloniens Freiheit und Republik.

Wie aus einer Meldung des Madrider „ALE" hervorgeht, haben Militärflugzeuge auf Ansamm­lungen von Aufständischen im Kohlenbecken von Asturien Bomben geworfen. Meldungen über die Zahl der Verluste an Menschenleben sind nicht eingegangen. Die Art der Kriegführung,

Berlin, 8. Oktober.

Mit der Eröffnung des Winterhilfswerkes 1934/35, die durch den Führer und Reichs­kanzler und durch Reichsminister Dr. Goeb­bels am Dienstag, 9. Oktober, 12 Uhr mit­tags, im Rahmen einer Arbeitssitzung des Reichsbeirates des Winterhilfswerkes er­folgt, beginnt der diesjährige Kampf gegen Hunger und Kälte. Nutzer den Mitgliedern des Beirates sind zu dieser Versammlung im Reichstagssitzungssaal fast ausnahmslos diejenigen Volkskreise durch Delegationen geladen worden, die in unmittelbarer Be­ziehung zum Winterhilfswsrk stehen. Es werden also autzer sämtlichen Gauamtswal­tern der NSV. mit ihren engsten Mitarbei­tern aus dem ganzen Reich zu einer ersten

schreibt das Blatt, erinnert in jenen Gebieten an die Kämpfe in Marokko. In mehreren Dörfern sei der Kommunismus ausgerufen worden. Mehrere Polizeibeamte seien überfallen worden; vier Be­amte sollen getötet worden sein.

Wie man hört, soll der größte Teil der Arbeiter­schaft in Madrid die marxistischen Kostproben satt haben. Trotzdem aber sollen zahlreiche Leute es nicht wagen, den Drahtziehern Widerstand zu leisten, da das Nichtbefolgen ihrer Befehle den Kampfesmiiden meistens das Leben kostet. Auch die Briefträger seien von ihren Organisationen unter Druck gesetzt worden, deshalb werde keine Post ausgetragen. Ein Teil des aufgestapelten Postgutes soll zerstört worden sein.

Während die Zwischenfälle in der Hauptstadt am Tage von geringer Bedeutung blieben, häuf­ten sie sich nach Einbruch der Dunkelheit. An einer Weichenkreuzung der Straßenbahn stellten die Aufständischen die Weichen so ein, daß drei Straßenbahnen aus verschiedener Richtung in- einanderfuhren, wobei es eine Reihe von Ver­letzten gab. An anderen Stellen der Stadt wur­den Sprengstoffanschläge verübt, bei denen einige Personen verletzt wurden. Die Strei­kenden steckten ferner eine Kraftdroschke in Brand, deren Fahrer den Streikbruch gewagt hatte. Der Fahrer wurde schwer verwundet. Dir Polizei ist im übrigen Herr der Lage. Zahl­reiche Streifen zu Fuß und zu Pferde durchziehen die Stadt, ferner sieht man häufig Polizeikrast- wagen mit Ucberfallkommandos und Maschinen­gewehren. Zur besseren Urberwachung der Um­gebung der Polizeidirektion wurden aus dem Dach dieses Gebäudes starke Scheinwerfer eingebaut. Bis jetzt sind insgesamt 363 Verhaftungen vorge­nommen worden.

Die Brotoersorgung der Hauptstadt wird von Soldaten, wenn auch in eingeschränktem Umfange, durchgHührt. Bor den Bäckereien stehen

Besprechung über das Winterhilsswerk 1934- 35 zusammentreten, zahlreiche freiwillige Hel­fer und Sammler aus den Berliner Orts­gruppen geladen. Auch aus den Kreisen der vom Winterhilsswerk betreuten Arbeits­losen, Kleinrentner und sonstigen Unter­stützungsbedürftigen, werden aus jeder Orts­gruppe einige Vertreter hinzugezogen. Schließlich werden auch die Bsamten, An­gestellten und Arbeiter, die durch ihre Spen­den zum Gelingen des Winterhilfswerkes erheblich beitragen, durch Delegationen ver­treten sein.

Die Eröffnung des Winterhilfswerkes 1834/35 ist keine Feier und keine Festlichkeit, sondern eine ernste Arbeitstagung. Denn noch viel mehr als im letzten Jahr mutz

die Menschen Schlange. Auch die Mehrzahl der Restaurants ist noch geschlossen.

Zur Niederwerfung des revolutionären Aus­standes der Minenarbeiter im asturischen Kohlen­gebiet wurden von Valladolid, Astorga und Leon Artillerie-Abteilungen und Maschinengewehr- Kompagnien in Marsch gesetzt.

Einer späteren Meldung aus Madrid zu­folge sind die Verbindungen der Hauptstadt mit den Provinzen noch immer nicht wiederher­gestellt. Nach den letzten Berichten sollen in ganz Spanien 2000 Verhaftungen vorgenom­men worden sein. In der Stadt Astorga ist es den Regierungstruppen gelungen, die Aufstän­dischen, die mit den modernsten Maschinen- gewahren ausgerüstet waren, einzuschließen. Im Bericht der Militärbehörde von Oviedo heißt es, daß die Truppen von den Aufständischen heftig angegriffen worden seien. Es sei jedoch in kurzer Zeit damit zu rechnen, daß der Aufstand voll­kommen unterdrückt werde. In dem gleichen Be­richt wird betont, daß die Rebellen Scheußlich­keiten und Anschläge aller Art verübten. Im Bergbaubezirk von Oviedo unterstützen die katholischen Arbeiter die Truppen.

Paris, 6. Oktober.

Wie der „Matin" berichtet, ist die französisch­spanische Grenze geschlossen worden. Nach den aus Spanien einlaufenden Meldungen haben sechs Militärflugzeuge die Stellungen der Auf­ständischen in Mieres überflogen. Die Aufständischen haben sich sofort zerstreut, da sie Angst hatten, beschossen zu werden. Die Stel­lungen der Aufständischen wurden von Militär besetzt. Ferner wurden Carballino und Sama de Langreo von Soldaten besetzt. Der katholische Eewerkschaftsverband in Moreda hat sich auf die Seite der Gendarmerie geschlagen, die die Lage vollständig b Harr scht.

in den schweren bevorstehenden Monaten das Winterhilsswerk zur tiefempfundenen Her­zenssache des ganzen Volkes werden. Nicht durch Druck oder Zwang, nicht aus lästiger Verpflichtung soll geopfert werden. Vielmehr wird der vom Führer ausgesprochene Ge­danke der nationalen Solidarität des ganzen deutschen Volkes, durch den der klassenkämpferische Begriff der sogenannten internationalen Solidarität des Proletariats ersetzt worden ist, zum Leitgedanken des neuen Winterhilfswerkes gemacht werden. Der tiefe Gehalt und Sinn dieser richtig ver­standenen oder erlebten nationalen Solida­rität mutz jedem Volksgenossen im Lause der Wintermonate in Fleisch und Blut übergehen. Dann braucht uns um das Winterhilsswerk 1934/35 nicht bange zu sein.

des Karst, von Mazedonien und von Bliguy ver­gossen hat, das sür den gemeinsamen Sieg über 630 330 Tote opfert«, wobei dieser Sieg gemein­sam erst im Juni an den Ufern des Piavs er­fochten würd«.

Immerhin können wir, die wir uns stark fühlen und es auch sind, nochmals die Möglichkeit einer Verständigung bieten, für die be­stimmte Voraussetzungen bestehen. Wir haben die Unabhängigkeit der österreichi­schen Republik verteidigt und werden sie weiter verteidigen, eine Unabhängigkeit, die durch das Blut eines Bundeskanzlers geweiht worden ist, der klein von Gestalt aber groß im Charakter uird im Herzen war. Wer behauptet, daß Italien Eroberungsabsichten hegt, oder der Republik eine Art Protektorat auferlegen werde, ist entweder über die Tatsachen nicht auf dem laufenden oder er lügt wissentlich.

Das gibt mir Gelegenheit, zu betonen, daß die Entwicklung der europäischen Geschichte ohne Deutschland nicht denkbar ist, aber daß es not­wendig ist, daß einige deutsche Strömungen nicht den Eindruck erwecken, daß es Deutschland ist, welches sich dem Lauf der europäischen Geschichte entziehen will. (? Die Schriftlt.)

Unsere Beziehungen mit der Schweiz sind ausgezeichnet und werden so bleiben, nicht nur für zehn Jahre, sondern für eine viel längere Zeit. Wir wollen nur, daß der italienische Cha­rakter des Kantons Tessin bewahrt und gestärkt werde, und das nicht nur in unserem Interesse, sondern vor allem im Interesse und für die Zu­kunft der schweizerischen Republik.

Es besteht kein Zweifel, daß seit wenigstens einem Jahre unsere Beziehungen zu Frankreich erheblich gebessert sind. Und wenn wir durch Ab­kommen erreichen, was wir wünschen, wird das sehr nützlich und fruchtbringend sein sowohl sür die beiden Länder, als. auch im allgemeinen In­teresse Europas. Alles das wird sich zwischen Ende Oktober und Anfang November zeigen.

Die Verbesserung der Beziehungen zwischen den Völkern Europas ist umso nützlicher, als die Ab­rüstungskonferenz gescheitert ist. Es besteht kein Zweifel, daß es Henderson, der als richtiger Eng­länder zähe ist, in keiner Weise gelingen wird, den Lazarus der Abrüstungskonferenz wieder auszuer- wecken. Der unter der Last der Panzer und Ge­schütze begraben liegt. Nachdem die Dinge so stehen, werde ich nicht überrascht sein, daß wir heute entschlossen aus der vollständigen militäri­schen Ausbildung des Volkes bestehen.

Das ist die andere Seite des Korporativ- systems. Damit die Stimmung der Arbeitermassen gehoben sei, haben wir die Forderung einer höherensozialenGerechtigkeit für das italienische Volk verkündet. Denn ein Volk, das im Innern nicht zeitgemäße Verhältniße besitzt, wird in der Stunde des Ernstes nicht die erfor­derliche Leistungsfähigkeit aufbringen. Die Zu­kunft kann nicht wie ein Stundenplan oder ein Fahrplan festgesetzt werden. Man darf nicht zu langfristige Hypotheken aufnehmen.

Was die sichere oder unsichere Zukunft betrifft, so steht eine Tatsache unerschütterlich fest, nämlich unsere Leidenschaft, unser Glaube und unser Wille. Wenn sie den wahren Frieden bringt und den ersprießlichen Frieden, der von Gerechtigkeit be­gleitet sein mutz, werden wir unsere,Ge­wehr laufe mit Oelzweigen schmücken können. Aber wenn das nicht zutrifft, so könnt ihr sicher sein, daß wir als Männer, die im Zeichen des Liktorenbündels stehen, notfalls die Spitzen unserer Bajonette mit den Lorbeeren und Eichenblättern aller, Siege schmücken werden."

(Siehe auch unsere. Berliner Drahtmeldung auf

Se i t, z )

ßende Beurteilung mit besonderer Würdigung ihrer voraussichtlichen Führereignung.

3. Der Führer der Arbeitsfront trifft Anord­nungen, daß die nach beendigter Arbeitsdienstzeit ausscheidenden Führer und Arbeitsmänner des Arbeitsdienstes möglichst sofort Arbeits­plätze in der Wirtschaft erhalten.

»

Im ganzen genommen, ist dieser Akt ein Schritt vorwärts zur allgemeinen Arbeits­dienstpflicht, die aus dem Volke heraus sich zu gestalten beginnt, so daß die Schaffung ihrer gesetzlichen Grundlage nur noch eine Frage ab­sehbarer Zeit ist, ein Schritt vorwärts zum Keil und Segen des nationalsozialistischen Aufbaues und des deutschen Volkes, ein Schritt, zu dem man die beiden Männer, Reichsleiter Dr. Ley und Reichsarbeitsfiihrer Hierl, nur aufrichtig beglück­wünschen kann.

Bedeutsame Rede Mussolinis

Die Entwicklung der europäischen Geschichte ohne Deutschland nicht denkbar

Mailand, 6. Oktober

Auf dem Domplatz und den umliegenden Stra­ßen und Plätzen hörten am SonnabendnachKttag etwa eine halbe Million Personen die Rede Mussolinis an. Mussolini wies zunächst auf die reichen Erntegaben hin, die gelegentlich seines dreitägigen Besuches in Mailand von Bauern gestiftet wurden, Vor fünf Jahren fei die likera- listrsche Wirtschaft zusammengebrochen. Fetzt komme die Wirtschaft, die nicht mehr auf den Ein- zelgewinn Nachdruck lege, sondern sich um das Gemeinwohl kümmere. Angesichts dieses unab­wendbaren Niederganges gebe es nur zwei Lö­sungen zur notwendigen Regelung der Pro­duktion. Die erste würde in der Verstaatli­chung der ganzen Wirtschaft der Nation bestehen. „Diese Lösung lehnen wir", so erklärte Mussolini, „ab, weil wir die schon große Zahl der Staats­beamten nicht verzehnfachen wollen. Die andere Lösung ist durch die Lenkung der Dinge und die Entwicklung der Geschichte geboten, nämlich die korporative und faschistische Lösung der Selbst­disziplin der Erzeugung durch die Erzeuger, wo­mit ich nicht nur die Industriellen, sondern auch die Arbeiter meine.

Ich bestätige, daß der Faschismus auf wirt­schaftlichem Gebiet eine höhere soziale Gerechtig­keit anstrebt, und werde diese Verpflichtung er­füllen. Sie bedeutet sichere Arbeit, geiAhten Lohn und ein würdiges Heim, d. h. die Möglichkeit einer allgemeinen Besserstellung. Wenn das letzte Jahrhundert jenes der Macht des Kapitals war, so wird das 23. jenes der Macht und des Ruhmes der Arbeit sein.

Mussolini gab dann einen „Rundblick" auf die Länder, die an Italien grenzen und denen gegen­über es eine Haltung einnehmen müsse, die nicht Gleichgültigkeit sein könne, sondern entweder Feindschaft oder Freundschaft. „Beginnen wir mit dem Osten. Es ist offensichtlich, daß keine großen Möglichkeiten bestehen, unsere Beziehungen zu den Nachbarn jenseits der Jstrischen Alpen und der Adria (Südslawien) zu verbessern, wenn sie fortfahren, in ihren Zeitungen tobende Polemiken zu bringen, die uns im Innersten verletzen. Die erste Bedingung einer Politik der Freundschaft, die nicht in diplomatischen Proto­kollen erstarkt, sondern die in das Herz derer Menschen eindringt, ist, daß man die Tapferkeit des italienischen Heeres nicht im geringsten be­zweifelt, daß sein Blut in den Schützengräben

Massenverhastungen in Spanien

Die Regierung nach heftigen Kämpfen mit öen Marxisten Herr der Lage

Attitnecrcöeit

lv K. B r e m e n, 7. Oktober 1934.

In diesen Tagen und Wochen beginnt überall in Deutschland emsigste Arbeit auf kulturpolitischem Gebiete. Hohe künstlerische Veranstaltungen stehen in Vorbereitung. Wir in Bremen erleben heute das Bach­fest, zu dem die Verehrer des großen Mei­sters aus dem In- und Auslande erschienen sind. Das Wachsest wird das große musika­lische Ereignis dieses Winters in unserer alten Hansestadt sein und dürfte sich würdig an die wertvollen kulturpolitischen Veran­staltungen anschließen, die wir hier seit dem nationalen Aufbruch erleben konnten.

Noch stecken wir in den Kinderschuhen nationalsozialistischer Kulturarbeit. Das, was uns unter nationalsozialistischer Kultur vorschwebt, mutz in zäher, selbstloser und opferwilliger Arbeit erst erreicht werden. Man glaube nicht, daß die Zahl der künstle­risch vollendeten Veranstaltungen auf allen Gebieten genüge, von einer nationalsozia­listischen Kultur sprechen zu Können. Kultur ist heute im neuen Deutschland ein weiter Begriff geworden. Kultur umfaßt nicht nur rein geistige Gebiete, sondern greift auch auf wirtschaftliche Fragen über. Wie der deutsche Kaufmann seine Waren behandelt, wie er seine Geschäfte tätigt, wird in Zukunft nicht mehr nur eine Frage rein kaufmännischen Geistes sein, sondern wird zu einer deut­schen Kulturfrage werden. Ob wir ferner bestimmte Industriezweige, die aus der Eigenart, dem Kunstsinn und einer vielhun­dertjährigen traditionellen Ueberlieferung aus dem Volke heraus entstanden sind, ihrem Schicksal überlassen wollen (wir den­ken an die Musikinstrumentenindustrie, an die Spitzenklöppelei, an die Spielwaren- Industrie, Schwarzwälder Uhrenfabrikation usw.) ist nicht eine wirtschaftliche Frage, die vom Zufall oder von der Konjunktur be­stimmt wird, sondern eine wichtige deutsche Kulturfrage, um die sich die Allgemeinheit mit aller Betonung kümmern muß. Ob unser Export sich hebt oder nicht, ist letzten Endes auch nicht nur eine Frage des Geldbeutels, sondern mit dem Ausbau des Exportes ver­knüpft sich ebenso stark die Anerkennung deutscher Kultur in der Welt überhaupt. Jede politische Maßnahme der Regierung ist schließlich eine solche zur Förderung deut­scher Kultur, und deutsche Kultur heißt nationalsozialistische Kultur. Unsere gesamte Bevölkerungspolitik ist eine einzige Frage deutscher Kultur, denn es kann uns nicht gleich sein, ob wir die Minderwertigen auf­päppeln und die Erbgesunden vernachlässi­gen. In der gleichen Linie deutscher Kultur liegen alle Maßnahmen, die den Arbeits­dienst, die Berufsausbildung unserer Jugend­lichen, das Hausfrauenjahr, die Kinderver- fchickung, den Staatsjugenotag usw. betref­fen. Das Gesicht der deutschen Presse und ihr Charakter, die Ausgestaltung des Rund­funks in volkstümlicher und künstlerischer Hinsicht, das Herausheben des Films aus seiner ihm noch anhaftenden Oberflächlich­keit, lediglich etwas zur Unterhaltung zu bieten, zu einem wichtigen Faktor deutscher Kunst zu gestalten, die Beschäftigung deut­scher Künstler aus allen Gebieten, die Pflege deutscher Wissenschaft — all' dieses umfaßt der Begriff Kultur. Wie der deutsche Mensch von heute und morgen lebt, wie er sich kör­perlich betätigt, wie er sich kleidet, wie er wohnt, wird den Stempel einer einheit­lichen nationalsozialistischen Kulturauffassung tragen.

Aus dieser kurzen Aufzählung der ver­schiedensten Gebiete, die. so bunt durchein- andergewürfelt sie auch sein mögen, alle unter einen Hut zu bringen sind, mag man ersehen, welche gewaltige Arbeit dem Natio­nalsozialismus auf kulturpolitischem Ge­biete vorbehalten ist. Kultur, das ist das Gesicht des Volkes, und die deutsche Kultur von heute und morgen empfängt ihr Leben und Blut vom Nationalsozialismus. Es gab und gibt heute noch Leute, die da behaup­ten, man könne von einer reinen deutschen

Deutsch-polnische Abmachung

Warschau, 6. Oktober.

Die seit längerer Zeit in Warschau geführten und nach den Ferien jetzt wieder aufgenommenen deutsch-polnischen Verhandlungen über den Ab­schluß einer Teil-Kontingents-Ab- machung, die Kompensationscharakter hat, nähern sich dem Abschluß. Schon in den nächsten Tagen soll die Paraphierung des Vertrages er­folgen. Auf polnischer Seite legt man Wett auf die Ausfuhr einer Reihe von landwirtschaftlichen Erzeugnissen, deutscherseits auf die Ausfuhr von Jndustrieerzeugnissen, sowie einer bestimmten An­zahl von landwirtschaftlichen Erzeugnissen nach Polen. Zu gleicher Zeit wird die Frage der Zah­lungen für den im genannten Vertrag angeführ­ten Warenaustausch geregelt.