Ausgabe 
(6.10.1934) Nr. 276
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Nr. 276 / 4. Vierteljahr

Sonnabend, 6. Oktober

Einzelpreis 12 Rpf.

Reichslettertagung

Der Auftakt des Treffens der 308 dienstältesten politischen Leiter

di8L. Dresden, 5. Oktober.

Das große Treffen der politischen Leiter in Dresden fand am Donnerstag mit einem großen Begrüßungsabend im Dresdener Schauspielhaus einen festlichen Auftakt. Gauleiter Mutsch- mann sprach zu den nach Dresden gekommenen politischen Leitern, an ihrer Spitze dem Stellver­treter des Führers, herzliche Vegrüßungsworte. Dann richtete der Stellvertreter des Führers, Rudolf Heß, an die alten Kämpfer eine immer wieder von begeistertem Beifall unter­brochene Ansprache, in der er einen eindrucks­vollen Rückblick auf die Leistungen warf, mit denen sich die politischen Leiter in den harten Jahren des Kampfes um die Macht einen histo­rischen Platz in der Geschichte des nationalsozia­listischen Deutschland erwarben.

Rudolf Hetz überbrachte die Grüße des Führers und wie er ausdrücklich betonte seinen Dank dafür, daß sie ausgehalten haben, einst, als der Kampf aussichtslos schien, in einer Zeit, als Adolf Hitler noch ein Unbekannter war, als kein Kampfeslohn winkte. Der Stellvertreter des Führers wies besonders darauf hin, daß es der politische Leiter gewesen ist, der sich von vorn­herein bekennen, öffentlich hervortreten und drau­ßen allein den Kampf beginnen mußte.

Ihr begannt den Kampf und ihr seid Sieger geblieben. Euch ist es zu verdanken, daß der Kamps nicht umsonst war. Wenn der Führer vor kurzem die Partei als Orden bezeichnete, dann seid ihr die ersten Ordensbruder!"

Mit einem dreifachen Sieg-Heil auf den Füh­rer, mit dem die alten Kämpfer ein neues be­geistertes Bekenntnis ablegten, schloß Rudolf Heß seine eindrucksvolle Ansprache. Die erste Strophe des Horst-Wessel-Liedes gab seinen Worten einen feierlichen Abschluß. Künstlerische Darbietungen des Ensembles des Dresdener Schauspielhauses gestalteten den Schluß des Abends.

Reichsminister Dr. Goebbels traf Freitag vormittag auf dem Flugplatz Heller ein. Er begab sich sofort nach dem HotelBellevue", um an der Reichsleitertagung teilzunehmen. Vor dem Hotel hatte ein Ehrensturm der SA. Aufstellung ge­nommen. Der Minister wurde überall von der Bevölkerung mit Heil-Rufen begrüßt.

Die 300 ältesten politischen Leiter der NSDAP. traten am Freitagvormittag eine Besichtigungs­fahrt zunächst durch Dresden an- Auf dem Adolf- , Hitler-Platz wurden die herrlichen alten Bauten und besonders der Zwinger besichtigt. Dann ging die Fahrt nach dem Weißen Hirsch. Gegen 14 Uhr traten die nicht an der Tagung teilnehmenden Parteigenossen ihre Sachsenfahrt an.

Förderung des Handwerks

Großer Erfolg der Jnstandsetzungsaktion Berlin, 5. Oktober

Ueber den erfreulichen Erfolg der Reichsaktion zur Förderung von Gebäudsinstandsetzungen und Wohnunasteilungen werden durch eine Veröffent­lichung des Deutschen Handwerksinstituts inter­essante Einzelheiten bekannt. Bon den gesamten Arbeiten seit Beginn der Arbeitsbeschaffung entfielen etwa 20 bis 30 Prozent auf Umbauten und 70 bis 80 Prozent auf Instandsetzungen. Von den Umbauten kamen etwa ein Drittel auf Woh- nungsteilungen mit einem Zuschuß von weniger als 1000 RM. Zurzeit stehen nur noch etwa zwei Prozent der Großwohnungen leer gegenüber vier bis fünf Prozent in den Jahren 1931/32. Die in den Monaten Oktober 1933 bis April 1934 vor­genommenen Instandsetzungen und Erneuerungen übertreffen bei weitem die jährlichen Aufwen­dungen der Vorkriegszeit und der günstigen Nach- krregsjahre. In den Wintermonaten 1933>'34 wurden mindestens drei Viertel Millionen Men­schen durch die bezuschußten Arbeiten beschäftigt. Die Beteiligung der verschiedenen Handwerks­zweige war sehr verschieden. 16 untersuchte Hand­werkszweige haben insgesamt 24,8 Millionen Tagewerke geleistet. Von diesen entfallen allein 46 Prozent auf die Maurer. In weitere 29 Proz. teilen sich die Maler und Tischler etwa zur Hälfte. Maurern, Malern, Tischlern und Installateuren fielen zusammen fünf Sechstel der geleisteten Ta­gewerke zu.

Raubmörder festgenommen

Augsburg, 5. Oktober

Die Gendarmerie in Landsberg an der Lech hat am Donnerstag den flüchtigen Raubmörder He im er festgenommen. Heimer wurde in das Amtsgerichtsgefängnis eingeliefert.

Heimer hatte vor einigen Tagen in Augsburg die Ehefrau Wild, mit deren Familie er bekannt war, durch Messerstiche getötet. Aus einem Schrank hatte er dann u. a. ihre Ersparnisse in Höhe von 250 RM. geraubt.

Grundsätzliche Einigung in der Frage der Ost­bahn. Aus Tokio wird gemeldet: Der sowjet- russische Botschafter Jurcnew hatte am Freitag eine längere Aussprache mit dem japanischen Außenminister Hirota. Es wurde dabei grund­sätzlich eine Einigung in der Frage der Ostbahn erzielt.

Ganz Gpanien erzittert unter Schüssen

Der Ruck nach rechts in Spanien

Generalstreik ausgebrochen / Gefechte zwischen Polizei unö Marxisten / Zahlreiche Tote und Ver­letzte / 2n Madrid herrscht völlige Verkehröruhe / Verhängung des Kriegszustandes über Asturien

Madrid, 5. Oktober.

In der Nacht zum Freitag ist von den marxistischen Gewerkschaften der General­streik erklärt worden als Antwort daraus, daß der Staatspräsident den Weg für eine Entwicklung nach rechts und für eine anti- marxistische Regierung freigemacht hat. Madrid gleicht gegenwärtig einer toten Stadt. Es verkehren weder Autobusse noch Straßenbahnen noch Untergrundbahnen. Man befürchtet, daß die lebenswichtigen Be­triebe ebenfalls stillgelegt werden. Auch die Telephonverbindungen in das Ausland sind außerordentlich erschwert. Ferner ist damit zu rechnen, daß die Zeitungen nicht mehr er­scheinen.

Der Generalstreik hat auf zahlreiche Städte der Provinz übergegriffen. In ganz Katalonien ist der Generalstreik in vollem Gange. Nach bisher noch nicht bestätigten Gerüchten ist es in Sevilla und Barcelona zu schweren Ausschreitungen und Zusammenstößen gekommen. Die telephonischen Verbindungen sind zum größten Teil gestört.

Fast gleichzeitig trafen von verschiedenen Punk­ten der Stadt Meldungen über Schießereien zwischen der Polizei und Marx! st en ein. Die Zusammenstöße haben bisher drei Todesopfer gefordert. Außerdem soll es zahl­reiche Verwundete gegeben haben. Etwa 200 Per­sonen sind verhaftet worden; desgleichen konnten von der Polizei große Bestände an Waffen und Munition beschlagnahmt werden.

Nach einer späteren Meldung kam es auch im Verlauf des Tages in Madrid an mehreren

Stellen zu heftigen Schießereien zwischen Strei­kenden und der Polizei. Die wenigen Straßen­bahnen, die, von der Polizei bewacht, den Ver­kehr aufzunehmen versuchten, wurden von Ar- beitergruppen beschossen und mit Steinen bswor- fen- Bis jetzt sind über 20 Verwundete festge­stellt worden.

Besonders ernste Formen hat der Generalstreik in Asturien angenommen, wo die Grubenarbeiter Gewaltakte verüben. Unter anderem wurden mehrere Aeverfälle von Syndikalisten auf Poli­zeiposten durchgeführt, wobei bis jetzt fünf Po­lizisten als getötet, vier als schwer verwundet gemeldet sind. Mehrere Arbeiter sollen getötet und verwundet sei». In Sevilla und Barcelona ist der Generalstreik ausgerufen worden.

Die Regierung hat, nachdem die ernsten Nach­richten aus Asturien eingetroffen find, den Kriegs­zustand über diese Provinz verhängt. Wie ver­lautet, sollen mehrere Flugzeuggeschwader von Madrid aus dorthin unterwegs sein. In Eibar stürmten die Marxisten eine Wassenfabrik.

Der den Linksbiirgerlichen angehörende Präsi­dent des Staatsgerichtshofs ist aus Protest gegen die neuen Regierung zurückgetreten. Die Lage ist außerordentlich ernst. Man befürchtet, daß sich der Generalstreik zum revolutionären Angriff des Marxismus auf den Staat entwickelt.

In Saragossa sind die Streikenden eben­falls zu Gewalttaten Übergängen. Es kam dort an mehreren Stellen zu Schießereien, die angeblich zahlreiche Opfer gefordert haben. Mehrere Lastkraftwagen wurden in Brand ge­steckt. In Mondragon wurde ein Abgeord­

neter erschossen und in Sän Sebastian ein hoher Beamter der Provinzialverwaltung er­mordet. Gerüchtweise verlautet, daß Militär­abteilungen nach Asturien entsandt worden seien, wo sich die Arbeiterschaft im Minenviertel ver­schanzt habe.

Die Regierung ließ durch Rundfunk in Madrid mitteilen, daß die Einwohner nach 20 Uhr mög­lichst nicht mehr aus der Straße weilen sollten, da die Polizei strenge Anweisungen Habs.

Die Streikleitung der Marxisten hat den Be­fehl ausgegeben, den Streik am Freitagfried­lich" zu führen und nach Mitternacht, falls keine Gcgenorder erfolgt, zumrevolutionären" Generalstreik überzugehen. Hiermit dürfte die von der Regierung veranlaßte Zusammenziehung von Militär in den Madrider Außenbezirken im Zusammenhang stehen. An verschiedenen Stellen der Stadt sind Maschinengewehre in Stellung gebracht. Zahlreiche Patrouillen durchstreifen die Straßen. Der Verkehr liegt still. Während die rechtsstehenden Madrider Abend­blätter, die von Nichtorganisiertem Personal her­gestellt werden, erscheinen konnten, kam die übrige Presse nicht heraus.

Den letzten Meldungen zufolge haben die Minenarbeiter in Micras erneut die Staats­organe angegriffen. Bei den Schießereien sollen dort zehn Arbeiter getötet worden sein. In Eivar haben die Aufständischen auf dem Rat­haus die weiße Flagge gesetzt und sich der Polizei ergeben. Der Eisenbahnverkehr ist teilweise unterbrochen. Im allgemeinen treffen die Züge mit großer Verspätung ein.

Die Regierung ist außerordentlich zuversichtlich und hofft, binnen kurzem die Ruhe und Ordnung im Lande wiederherstellen zu können.

Ausruf Doumergues zur Einigung

Eine neue Rede des französischen Ministerpräsidenten / Gegen Sie kommunistisch- sozialistische Front / Für Stärkung öer Regierungsautorität

Paris, 5. Oktober.

Am Donnerstagabend sprach Ministerpräsident Doumergue erneut im Rundfunk zum fran­zösischen Volk. Er bezeichnete sich eingangs als er­gebenen Verteidiger der freien französischen Insti­tutionen, kündigte jedoch Reformen an, die diese Institutionen durch die Schaffung einer Regie­rung mit genügend Autorität vervollständi­gen sollen, so daß die Regierung gewiß sei, zur Erfüllung ihrer Aufgabe lange genug leben zu können. Die Erfahrung habe bewiesen, daß die französischen Regierungen diese Autorität nicht mehr gehabt hätten. Wenn ein Land so weit ge­kommen sei, dann trete Unordnung ein, und auf sie folge Anarchie. Die Anarchie ziehe unweiger­lich die Diktatur entweder eines Mannes oder einiger Männer oder eines siegreichen Landes nach sich. Er, Doumergue, wolle Frankreich ein solches Schicksal ersparen. Sicherlich müßten in­folge der kleinen Aenderungen, die er für die politische Verfassung vorschlagen werde, die Par­lamente die Initiative ergreifen. Die von ihm geplanten Bestimmungen würden die Institution des Parlaments, die von verschiedenen Seiten sichtlich bedroht sei, festigen.

Seine Absicht gehe dahin, eine Ministerpräsi- dentschaft zu schaffen, die über ein ständiges Büro und ein ausgesuchtes Personal verfüge. Außer dem Statistischen Amt würden der Ministerpräfi- dentschaft das Generalsekretariat des Obersten Rates der Landesverteidigung und der neu zu organisierende Wirtschaftsrat angegliedert «er­den. Dieser Wirtschaftsrat werde aus von der Regierung bestimmten qualifizierten Vertretern der Wirtschaft des Landes zusammengesetzt sein. Er werde nur beratende Befugnisse haben. Zur Verstärkung des nationalen Wirtschaftsrates werde eine Anzahl regionaler Wirtschastsräte geschaffen werden.

Zur Außenpolitik führte er u. a. aus: Die Aufrechterhaltung des Friedens bewegt unsere ganze Außenpolitik. Frankreich hege kein« Rach­sucht gegen ein anderes Land. Es werde sich stets gern zu allen Ententen bereitfinden, deren auf­richtiges Ziel die Aufrechterhaltung des Friedens sein werde, selbstverständlich unter der Bedin­gung, daß keine dieser Ententen Frankreich ver­pflichte, auf etwas zu verzichten, was es für seine Sicherheit als unerläßlich ansehe. Diejenigen, die wirklich den Frieden wollten, seien nicht die, die sich damit begnügen,Frieden zu blöken" und die Arme zu verschränken. Jene beschwörten, wie er gern zugeben wolle, unbewußt eines Tages den Krieg über ihr Land herauf. Die Leute, die diese Gefahr abwenden wollten, hielten ihr Land in dem Zustand einer guten Verteidigung für den Fall, daß es angegriffen werden sollte. Der Bür­

gerkrieg im Februar hätte binnen sehr kurzer Zeit Krieg mit dem Auslande bedeutet. Ein Bürger­krieg morgen wäre Krieg mit dem Auslande bei­nahe unmittelbar darauf, und zwar würde er dann noch sicherer folgen als er im Februar auf einen Bürgerkrieg gefolgt wäre. Deshalb hätte er die Regierungsgewalt behalten, als er gesehen habe, wie sich unter dem NamenGemeinsame Front" die gestern noch feindlichen Brüder ver­einigten, die sich infolge ihrer Programme logi- scherweise unter dem kommunistischen Banner hätten verschmelzen müssen.

Das Programm, das die Gemeinsame Front im Falle ihres Erfolges anwenden würde, wäre: Ab­schaffung der Legalität und der Souveränität des Volkes, Einführung der Diktatur einiger bevor-

rechtigter Führer, Einführung der Gewalt, das heißt Bürgerkrieg und seine Folgen, Beseitigung der Freiheit, vor allem der Meinungsfreiheit, Ve- seitigung des Privateigentums und eines jeden Eigentumsrechtes, ein Recht, das das Jahr 1789 gegeben habe. Doumergue beleuchtete dann die llnaufrichtigkeit und Zweideutigkeit des kommu­nistischen Programms.

Um jede Gefahr einer Diktatur zu vermeiden, müsse man der gemeinsamen kommunistisch-sozia­listischen Front die gemeinsame Front der Frei­heit und des Vaterlandes entgegenstellen. Als­dann widmete Ministerpräsident Doumergue der französischen Jugend einige aufmunternde Worte. Seine Rede klang in einem Ausruf zur Einig­keit aus.

Dr. Goebbels hilft den Armen

Bus Besichtigungsfahrt in seinem Gaugebiet

ckvb. Berlin, 5. Oktober.

Gänzlich unerwartet und unangemeldet besuchte am Donnerstag nachmittag Reichsminister Dr. Goebbels in seiner Eigenschaft als Berliner Gauleiter eine Reihe öffentlicher Einrichtungen und Anstalten der Reichshauptstadt. In seiner Be­gleitung befanden sich der stellvertretende Gau­leiter Görlitzer und Staatskommissar Dr. Lippert, die erst bei Beginn der Jnformationsfahrt über deren Verlauf verständigt wurden, ll. a. stattete der Gauleiter der ehemaligen Wohnung Hör st WesseIs in der Großen Frankfurter Straße 62, in der der nationalsozialistische Heros die tödliche Wunde von kommunistischer Mörderhand empfing, einen Besuch ab. Nach einer eingehenden Besichti­gung der Weihestätte ordnete er an, daß das Zimmer Horst Wessels, das von dem Hauswirt seither pietätvoll nicht mehr vermietet wurde und von der Flurnachbarin Wessels, der alten Partei­genossin Pludau, in rührender Weise betreut wird, in den gleichen Zustand versetzt wird, in dem es sich zu Horst Wessels Lebzeiten befand. Der Gau Berlin wird zu diesem Zweck mit dem Hauswirt einen langjährigen Mietvertrag abschließen; fer­ner ist beabsichtigt, das Haus unter Denkmals­schutz zu stellen.

Die Anwesenheit des Ministers hatte sich in der großen Frankfurterstraße wie ein Lauffeuer her­umgesprochen, so daß Dr. Goebbels und seine Be­gleiter nur mit Mühe ihren Weg fortsetzen konn­ten. Dieser führte in den Arbeitsnachweis sür

Film-Komparsen und Artisten, die sogenannte Filmbörse" in der Kronenstraße.

Nach einem Besuch derFilmbörse", dem Ar­beitsnachweis der Statisten, fuhr Dr. Goebbels mit seiner Begleitung ins städtische Obdachlosen­asyl. Dieser Besuch erregte bei den Aermsten der Armen umso größere Befriedigung, als er auch hier gänzlich unerwartet kam und seit Errichtung dieses Asyls im Jahre 1888 bisher auch in der Systemzeit noch nicht ein Minister dort erschienen war. Einer Reihe von besonders schweren Fällen sozialer Not wurde durch sofortig« Arbeitszuwei­sung abgeholfen. Am Freitag abend suchte der Berliner Eauwalter der NSV. das Asyl auf, um in einer Sofortaktion den besonders Notleidenden das Dringendste an Kleidung und Schuhwerk zu vermitteln.

Dr. Goebbels konnte an Hand objektivster Prü­fungen feststellen, daß die Stadt Berlin ihren alten Ruf in der sozialen Fürsorge über die Kor­ruptionserscheinungen des November-Staates hin­weg im Dritten Reich noch besonders vermehrt und gefestigt hat.

Einwilligung des englischen Königs zur Ver­mählung des Prinzen Georg. Im Buckingham- Palast hat eine besonders feierliche Sitzung des Geheimen Rates stattgefunden, bei der der König seine formelle Einwilligung zur Verehelichung des Prinzen Georg mit Prinzessin Marina gab.'

Fieber. Zwar ist es dem früheren Minister­präsidenten Lerroux nach dem Sturz der Re­gierung Camper in verhältnismäßig kurzer Zeit gelungen, zum erstenmal nach der Wahlniederlage der Marxisten im November vorigen Jahres ein Kabinett der Mitte und Rechten zu bilden, doch steht die Hauptstadt des Landes weit mehr im Zeichen des Generalstreiks als der Lösung des Regierungskonfliktes. Um die dramatischen Vorgänge in Spanien, vor allem den ursächlichen Zusammenhang zwi­schen der Regierungsneubildung und der Aufruhrwelle, verstehen zu können, muß man sich noch einmal die Entwicklung der Krise seit der letzten Volksbefragung vor Augen führen:

Das spanische Volk hatte sich bei den Land­tagswahlen vor einem knappen Jahr in seiner Mehrheit sehr deutlich gegen die Marxisten ausgesprochen. Wenn nicht schon damals in den Cortes eine Mehrheits­bildung zwischen der auf dem äußersten Rechtsflügel stehenden Katholischen Volks­aktion, den (linksbiirgerlichen) Radikalen, den Agrariern und einigen kleineren Mittel- gruppen gelang, so lag der Grund hierfür hauptsächlich darin, daß die früher den Linksrepublikanern zugeneigten Radikalen den Katholiken nicht antimarxistisch genug waren, die Volksaktion den Radikalen da­gegen zu monarchistisch erschien. Besonders der Führer der Katholischen Volksaktion, der ehrgeizige Eil Nobles, hatte während des Wahlkampses hinsichtlich der Frage Monarchie oder Republik?" zu exakt nach der spanischen Lebensregel,sei­nen Willen nur in Ziffern zu verraten", ge­handelt. Das erste Kabinett des Führers der Radikalen Partei Lerroux war von der Gnade der Katholischen Volksaktion Gil Nobles abhängig, eben weil diese sich nicht unmittelbar an der Regierung betei­ligte. Der Rücktritt Lerroux erfolgte indes nicht wegen der Spannungen mit den Ka­tholiken, sondern im Zusammenhang mit einem Amnestie-Konflikt, der ihn in einen unhaltbaren Gegensatz zum Staatspräsiden­ten gebracht hatte. Das Minderheitskabinett Lerroux wurde abgelöst vom ähnlich zusam­mengesetzten Minderheitskabinett Samper, unter dessen Regierung die Marxisten und Anarchisten immer dreister wurden. Dem nicht ins neue Kabinett übernommenen In­nenminister Salazar Alonso gelang es fünf Minuten vor zwölf, den Staatsfeinoen durch Aufdeckung ihrer Gewaltpläne, durch Be­schlagnahme zahlreicher Waffenläger und durch Verhaftung führender Agitatoren das Putsch-Konzept vorerst zu verderben. Ge­rade die teils offen, teils versteckt ins Werk gesetzte Vorbereitung der marxi­stischen Elemente zum Bürger­krieg hatte doch aber auch gezeigt, daß der drohenden Gefahr des Chaos eine vom Ver­trauen des Volkes getragene Regierung ent­gegengestellt werden müsse. Der parlamen­tarische Vorstoß Gil Nobles gegen denRa­dikalen" Samper, den Ministerpräsidenten desUebergangskabinetts", mußte um so schneller den Rücktritt der Regierung zur Folge haben, als Samper auch persönlich sehr scharf angegriffen wurde. Der Staats­präsident Zamorra war für den Gedanken der Parlamentsauflösung nicht zu haben und beauftragte den Radikalen Lerroux erneut mit der Bildung eines ausgesprochen anti- marxistischen Kabinetts.

Der jetzt entbrannte Kampf zwischen den Marxisten und der Polizei kommt nicht über­raschend. Schon bei Beginn der letzten Krise hatten die Linksradikalen für den Fall einer Regierungserweiterung nach rechts mit Ge- E.^fstreik und Terror gedroht. Lerroux und Gu Nobles haben sich ebensowenig wie der Staatspräsident einschüchtern lassen. Sie ?^ri Weg gegangen, den auch die Mehrheit des spanischen Volkes als den richtigen ansieht. Sie haben sich für die Stärkung der Staatsautorität durch Beru­fung eines rechtsgerichteten Kabi­netts, das nicht mehr von Zufallsabstimmun­gen der Cortes abhängig ist, entschieden. Die mit Anarchisten und Separatisten verbünde­ten Marxisten haben zum Gegenschlag aus­geholt. Indem sie die Ausdehnung des Ge­neralstreiks auf das ganze Land betreiben, ia, auf offener Straße zu den Waffen greifen

N^as yM sonst Nettes.«

Auf dem Wege zum Standart-Brot

Das Recht für Hausgehilfen

Warum Barthou seine Romrefss vert> > !

Festnahme eines Kuriers der österreich' schen Marxisten