Ausgabe 
(5.10.1934) Nr. 275
Seite
1
 
Einzelbild herunterladen

remer

öas amtliche Organ des Senats

's—

ZMn

Ser Serien SanfestM vremen

««»^

in«

iMK._ ,?Er ist im rorsnr zu entrich-

1

9

3

4

Nuzeigei>-8ru>>»preise: kie LZ-mm-grile iw Anzeigenteil 12 Apk- die tv-nuo-tzeile tm kertiril 75 Kp>. Ermäßigte Grundpreise (sür kleine Anzeigen. Kimilirnanzeigen u a-1 Unoie sonstige Bedingungen laut Preisliste t sRnchloMollel Vl flür Anzeigen durch Fernsprecher keine Gewöhn Annohmrichlutz iti Uhr. Sprechzeit des Verlages werktäglich von lS—13 Uhr. der SLriktleitung werktäglich oo» lk—17 Uhr.

Nr. 275 / 4 . Vierteljahr

Freitag,

5. Oktober

Gmzewreis is Kps.

D« Inhokt des österreichischen Braunbuches

Taktloser Schritt in Wien

Sonderbarer Erscheinungötermin der Broschüre zur Zuli-Nevolte

<L»»d«d«rrndt »»sann» L«rlj»»n 8akriI1l«!1nnx)

«. M. V-E». 4. ONnLer.

„Mr M«mLWmL«: WvrjMiir Heck Nicht dem Zweck, Lös EMNMMMMN E TltMÄtfiM «M LMUiM Er- eWviM, Us Wckw umis Lszrin, «m Hrrr MSP AWNrm M» M LrlsDr«. Mr HvrALSWbr rHMzt »MMHir WU KmiÄd diw GrNMMLA, dsiß i»« Ziele ÄWl MAWLaÄiMlAU MiWs DÄuMchei Isrim Lim» «ÜL KldwchM^ MU Nsftm WÄchMiU r»1schei«sn- ÄSM WmMnl LMrL drr MMweichiMr Wchrichrtts- TolmimMwr RMM Udwm Nr prbeL eHchienr«: MÄ Mt LmMM wLMWmÄlzD SchtM »A der MnMchM üMWichWeD MiPM«iiz Smr Bsr- NMNUL MW LrM LL. ZNli Urfts Jschrrs er«.

SMluÄMlMvMiss wchMA Mrr dir HrrNNszaLe Las WWimLMtzrs WMÄE » dr« ALWeMlich i« Lr» AMI MM PaqMtz, Lar 'SMliMWrs«Mr DLLtMmicks im Wirw, Na HMWiWM Las BM-drMmiÄss Mieder LÄiiM, Mw. M«r WrwPWMLftr wLMiWGwe«. Es WL jWr !Dma^ M M«»Leiii. dwß NrM Erschri- LllMsMMMML iHan i-ÄL Spitze MULL DmHiMMM MMÄW WMÄVtl Mu M. GrLLdr LMrrA AÄW» hat M Ml MWnLÜchM MrWUjr Mpd MMtd>M»jrrÄrL zsr Gamwzr LimidWLwii, Lach er Hllcht d»LNL LwM, dir

SLchLM -ÄMtö» M LeMckeAvL, MÄ> sbMjsmMMW LMM MMMltilÄ AWÄSM, Lach <ÄWM L« J«GM des MWMÄmchrs MML MZM«« DmHirWLUg der »iick- Lchrm WmwMiM: wrmwWrllL «Mir, Bischer lirgL Dwwr dir WrwWLM ftMst » DLLiffHI!s»d »ach wi-M «ÄST Mich nUrim, WAS Bischer beRswut gewar-

ÄLL W, ist die Tendenz gLNz m^)»eÄeMg dLiliuf UenMei, DemtWamL mit Lei alleinigen Schull» wL I»L» ALWimL Les 22. JE ZL betasten. Das einzige, »as diese Schrift nom n»e» Draniibnche nErscheidei, das nar einem Jahre in London znm ReichstaIsdrand erschien, ist der Umstand, Latz sie niM dem oMziellen Titel eines Drmmbnches trägt.

A»s Mt nnterrichtsten politischen Kreisen er­fahrt unsere Berliner Schrrirleitnng. dah Las Dnch LAt Seiten sowie «ine Bilderbeilage umsatzt. Der erste der drei Teile enthält die Lntwicklnnzs- geWchte des RatiomalsWmlismns in Oesterreich. Da«, folgt die Bejsprechnng der answärtigrn Hilfe fi»r die SsterreiMzchen Ratioaalsttziolisten, «id MisWch wird ei« Darstellung der Bor- MAUe des ZS. JE in* Wien und draußen im Lande gegeben.

Roch Anficht bestiniormieete, politischer Per­sönlichkeiten der ReichshrnptstE ergibt sich aos der SerWentlich,^. daß offenbar die vo« Führ« »«L Reichskanzler angekündigte Mission des Herr» ,sn Papen in Wien nicht so gewertet wird, »ie »mr es »eohl Wtte erwarte» dnrsen. Die Wahl des Erfcheinnngstermins lägt nach SbEinstimiMender Anffaffnng durchaus auf einen SrbÄage«rsnch fchlietzen.

Anders kann «an den Mangel an Taktgefühl nicht nennen, -er aus dem FauUchkkg auf den TM zu dieser Zeit spricht. Vielleicht kann man

der österreichischen Regierung zwei Umstände „zu­gute" halten, die mit dazu beigetragen herben Kirnten, die Veröffentlichung überhaupt und vor allen Dingen zu diesem Zeitpunkt vorzunehmen. Man ist nämlich der Anficht, datz Wien von dem Genfer SckiMruch schwer enttäuscht ist und datz man das Bedürfnis empfindet, von sich aus neuer­dings Aktivität zu entfalten — ganz abgesehen von der lleberlegnng. inwiefern vielleicht fremde Einflüsse sich bei der Herausgabe gel­tend gemacht haben könnten.

Außerdem wurde gerade während der Genfer Tagung eine Broschüre in Völkerbundskreisen verbreitet, die wegen des Namens ihres Ver­fassers — es ist der ehemalige belgische Außen­minister van der Beide — berechtigtes und höchst peinliches Anflehen erregt hat. Denn jenes Buch brachte eingehende Schilderungen von allen in Oesterreich durchgeführten Hinrichtungen, von Quälereien in Gefängnissen und Konzentrations­lagern und dergleichen mehr. Vielleicht will man durch das Brannbnch die Aufmerksamkeit der Welt von diesem Thema etwas ablenken.

Mau ist bestrebt, -ie Greuelakte des Juli als berechtigte Notwehr erscheine» z» laßen an­bringt Material, das — sei es wahr oder unwahr — i» jedem Falle geeignet ist. die so oft beton­te« griamtdenrsche» Interesse» den sich überschnei­denden ausländischen Einflusses gegenüber a»ss neue z» gefährden. Aus diese Weise wird eine Annäherung zwischen des beides deutsche» Staa­ten wirklich nicht gefördert.

mit einer Erklärung über die Rüstungspolitik der britischen Regierung. Er sagt« u- a.: Grog- britannien habe auf dem Gebiets der Abrüstung ein Beispiel gegeben. Während der letzten Jahre sei auf dem Gebiete der Abrüstung keinerlei nen­nenswerter Fortschritt gemacht worden, und mit der Pflicht der Regierung sei es unvereinbar. Las BerteLigungsweien des Landes auf dem gegen- wältige» Stande zu belassen. Die Regierung sei sich der Gefahren der Lage durchaus bewußt; sie sei vollauf entschlossen, ihnen M begegnen. Die Re­gierung habe sich viele Monate lang mit der Prü­

fung der gesamten Lage und mit dem Entwerfen angemessener Pläne befaßt. Sie habe Sie Einzel­heiten dieser Pläne noch nicht bekanntgegeben, weil sie in der einen oder anderen Richtung möglicherweise noch abgeändert werden mutzten.

Lord Lloyd hat eine Entschließung eingebracht. Zu ihrer Begründung wies er darauf hin. wie stark gefährdet England gegenwärtig sei und wie sehr ss einem Angriff zur See und zur Luft aus­gesetzt sei. Diese Entschließung wurde von der Kon­ferenz mit geringfügigen Abänderungen einstim­mig angenommen.

L-r Areis

DecäcHerLe Aett,r6e6eer, ^roMscKe At^SLÜLktLMe LÜttHe

fVon unserem stLvlllgvn Lnrissr Lll.-Zkttnrdeiterl

Das neue Verkehrsrecht

Bm i. Oktober in Kraft getreten / Neuregelung des Dorfahrtrechts

Berti», L LWM-r.

MmMsALlMiiMM: Dr. M«ÄLNLWrs

MM^werSehrsmi»SMWLM fpinch m»r WertrEn« -M PerM Wrr Ne «1, OLsLer » Krsft Mtrr- linme MÄWiMtzsMDerLchiAmLLw »«Lei er L. «.

MSchHirLNEmwLMHrssrdmLMV P anr 1. Ok- LoLer MM « Kr«ft MitrAtem, Mr daM gehärig» Wi8WchiMm^L«sMnWM»Mil erscheineL i« Reichs- DÄl L WM MmHere MiSUaMchiMg der NuMHrMWÄeWMMMiML N»r leider nicht müMch, SchwierizMle« Md feit de» L. Oktober Mcht MWBweLew, Je «srdeD Kch »ch i« deL »e«i- WM TaMm LLs z«r MrwUeMichmiU rächt -rMe,^ Lw Ns MSKBWMMwLMHrseMWLUz «wf dr» Ge- Metie der MAelmM des Mrketzrs «rf der Strotze Mwe DWMMlichLL WeLerLMe« LrinK. Re» ist die WorfchrSU. d-ch der EimschoM W LM« Mich, dach er bereit M sich Wer- holem M L-Mm; disjst MpMNAlmg A «Ser schon öm Sei MeichHtichsMSLickch^ se»st enthal­ten!,, «Ho M M«ü d. I. LeL-mmit, Re» ist ferner die MsSeLmmA des Borfohrtrechts. die aber «Ht Lim L. IMM-r «8 -» Kraft tritt. Im den MWKm L-Wem MÄ eins Mrordm«« erschein«, die Mis reim AchchtechmscheM Krmode» die Ks- tzeMe WkWlMW des MAfaHitrechtss Noch bis z»m A. MMimLer MM «ftecht erMt ES«so liegt es Mit de» WMmhleM. Amch zwr diese bleibt der MschsriKk Mchtd>-MÄ> «ch bis M« Z1. DeM»ber LE Mr aWe WrSgem VmUÄWS i« Verkehr gel­tem SWeKsgem Mgslm MWeriMÄert «Liter, die seit Zachrem Mmm MÄehrsteSL«ehmei iw Fleisch «md Mft WeWLWWM Md. So »LtdeT ?e, s«weit sie «M miMMiich tzv die Rei-^WMM-erLkhrsord- mmW WeMMMmem Md, dnwch die KrwmdirgLl des K W der ÄN«. Mdsckt, -welche Nochmals -wieder- ML H-S- «Jeder TeilNehmer am MeMlich« Ber- LHr hat M ft> M VS-chM«, dch er keimem a«ds- «x>x WWW Mer mehr als »ich dem AmMs-ds« MiWKWsMsr Lchftldert dder SelMjft".

Wm dmchemMM KchimmMUem der Reichs- M«MWsr!^SÄ«ÄMKK, «elche «« M». inter- eWrem -wsHL «sm msWem die MA-mm»««« Wer dem M«t»S>rief «M Wer Ns tsch»We Bs- WmMmhM der MHrpMM. Das Verfahr« mtt Gen» MMSrßef P bereits i» eimer im Sommer suMMWemMMS«« Ver«hmmg geregelt Ja NeBchMK tritt «Ho mit dem l. Mobei M«e M»rsMl«W ei» Ds tritt mmr die An««- Sm«« Äks WBs-re-ns «roch ««f Klei»krafträdsr

ÄeMLW der ^SW« «»f-chem««« Mt Ä- KchMW tWM-, MWt Ach^»ck- eMM die MWsMche«»krrehrs»rd»«NS MK Äie sMiM«Ae»»« Beftim-

MWM», Der MWErlshrsmiNWer Hatte Wo» im der serMM«« Zeft ft»

«MHVMW, Äch bereits «« dem IskWE«

«EM Mk-mms-M« Pt »erWre» ftt Dm «Wer. -MWK Mch has «e«e Aech« h-«t aM beretts ftatt-

' T -,W E,HK« M«MtW «r-rch-

lest Äe <jkrlis»K««K des KSHrsrsch«t»s.

Kicher mMte der PrWli«« msch Keßehe« d-r PMriW »ch M-iW Zeit mrrt«, ehe er «Mich

sichren durste, erst nämlich wußte der prüfende Sachverständige an die BehSrde das Ergebnis der Prüfung berichten. Dann entschloß sich die Be­hörde zur Erteilung des Führerscheins, und nun bmnte sich der zukünftige Automobilist den Füh­rerschein abhole». Das dauerte unter Umständen eine Woche oder wehr. Nunmehr «hält er nach Bchch» der Prüfung den schon von der Behörde vorbereitet« Führerschein sofort »»« Sach­verständige« ausgehändigt.

Die Reichsftratzen-BerkehrAndnung atmet einen neu« Geist wie er auch in den Veröffentli­chung« des Reichsjuinzwinisters über die künf­tige Stiafgesetzgebnng des Reiches als charakte­ristisch für die nationaliozialrstiiche Auffassung gekennzeichnet worden ist Man wird es nicht dem Richter überlassen, grundsätzlich neues Recht selbst M schaffen, wird ihn aber kreier stellen als bisher, iichs» man ihn von der miübersehbaren Zahl ka­suistischer Elnzelvorschristen frei fstllt n«d in der Gesetzgebung mehr und mehr den Weg vernünf­tiger Eeneralksimfeln geht.

-b

Hierzu drahtet unsere Berliner Schristleitnng: Z« Anschlug an die Rede von Ministerialdirektor Brandenburg äußerte sich dieser aus Anfrage noch zu verschieden« interessanten Einzelheiten. Das Recht der Landes- und OrtsbehSrden auf Erlaß von serkehrsregelnden Gesetzen ist durch d« K Zt der neuen ReichsStratzenoerkehrs- srdnung so weitgehend eingeschränkt, daß ein­schneidende Eingriffe nicht mehr ohne Zustim­mung der Landräte oder ihnen gleichgeordneter Behörden und Lei bedeutsameren Anlässen nicht ohne Zustimmung übergeordneter Instanz« mög­lich ist

Weiter wies der Referent darauf hin, daß die Außerkraftsetzung der Anordnung, «ach der künf­tig auch die Straßenbahnen mit Win­ker» ausgerüstet sei« mutzt«, nicht etwa ein« Verzicht auf das Anzeigen der Fahrtrichtung be­deute. Es bestehe ja auch bei Automobil« kein Zwang zur Anbringung von Winkern. Es sei durchrus möglich, auf anderem als mechanischem Wege eine Aenderung der Fahrtrichtung anzuzei­gen. Man habe daher die Straßenbahnen nicht z» den erheblich« Ausgab« zwing« wollen, die ihn» bei Durchführung der Anordnung erwachs« wär« »nd die manche Stratzmbahmmternehm« finanziell nicht hab« bewältig« tönn«.

Es bleibe aber «ach wie vor uneingeschränkt bei der Regek, -aß jeder Verkehrsbefliffene, mit Aus­nahme des „Fußgängers auf einem Fußsteige", sei« Fahrtrichtung anzuzeigen habe. Die vorge­schriebene Keuntlichmachnug der Bereitschaft, ein« nachfolgend« Passant« vorbeifahren zu lass«, brauche nicht unbedingt mit der Hand zu erfolg«; anch klares Rechtshakt« kann als Aufforderung z«tt Barbeisahr« gelt«.

Nach Angabe des Redners hat man ferner auch gute erzieherische Erfahrung« mit der Line- Mark-Strafe bei kleiner« Berkehrsverstöhen gemacht. Die Pflicht zur Anbringung vo« Rück- strahier« an Kraftwagen hat «an erst zum !. Januar eingeführt, weil die deutsche Industrie

die andernfalls eintretende Häufung von Riesen- ansträg« schwerlich hätte bewältig« können. Die Rücksicht hierauf sei auch einer der Gründe dafür, d«ch die Ausführungsbestimmungen, die schon im Drucke find, hatt« aus sich warten lassen.

Ministerialdirektor Brandenburg wiederholte M» Schluß noch einmal den Grundsatz, daß es nicht auf allzu ängstliche Asklammernsg an den Knchstab« des Gesetzes, sondern aus die Erfüllung des Geistes der neuen Reichs-Straßenoerkehrsord- »nng ankomme.

Englands Konservative tagen

Reville Ehamberlai« über die Verteidigung des britisch« Reiches

London, 4. Oktober.

Die Tagung der konservativ« Partei ist in An­wesenheit von etwa 2MV Person« in Bristol er­öffnet worden. Gleich vo» Beginn an waren die Erörterung« der Konservativ« praktischer Art. Man befaßte sich vor allem mit der Frage der Verteidigung des britischen Reichs. Die Opposition unter Führung von Lord Lloyd ging gegen die „ungenügenden" Rüstungsmatznah- men der Regierung vor. Diesen Angriff beant­wortete Schatzkanzler Neoille Chambertain

Paris, Anfang Oktober.

Die Zeit der groß« „rentier" hat in Paris be- gonnen. Die „rentier", die „Wiederkehr" bedeutet in Frankreich einen Zeitabschnitt von ganz be­sonderer Eigentümlichkeit. Zunächst wird damit gesagt, daß die Sommerurlauber in die Stadt zu- rüLehren. Die Züge sind überfüllt. In d« Zei­tung« «scheinen Bilder von den Mass« der Heimkehrer. Denn jeder, der etwas auf sich hält. war fort. Aber das Wörtchen „reutröe" hat -roch eins viel weiter reichende Bedeutung. Es drückt die Rückkehr, den Wich-ereintritt des gesamten Paris« Lebens aus. Es gibt eine „renlrse" für das kleine Volk: am 1. Oktober haben die Schul« wieder be­gonnen. Es gibt eine „rentrse" für Richter, Rechts­anwälte und Verbrecher: seit dem 2. Oktober Lage» die Gerichte mied«. Für die Theaterweli besagt die „rentree". daß die etwa W Pariser Bühnen jetzt mit ihren Saison-Premier« herauskommen. Die „rentree" der Politik erfolgt mit den Wahl« zu den Eemsinderät«. die in ganz Frankreich am 7- und 14. Oktober stattfinden. Der radikalsitzial« Parteitag in Nantes vorn 2s. bis W. Oktober gibt dann den Auftakt zu der „rentree" des Parlamentes, die unmittelbar an­schließend stattzufinden pflegt. Auch außenpolitisch beginnt das alte Spiel von Staatsbesuchen und Propagandareflen von neuem, «nd auf dem Quai d'Orsay kehrt man zu der jahrhurchertealten, Richetieu'schen Politik zurück.

Indessen scheinen die Ferien diesmal trotz des schon« Wetters nicht recht erholsam gewesen zu sei«. Die Schatten der wirtschaftlichen Krise, der politisch« llngellärtheit und der Polizeiskandate hab« sich offenbar bis in die entferntesten Winkel des Landes ausgebreitet und d« Urlaubern den Aufenthalt vergällt. Jedenfalls find sie ziemlich gereizter Stimmung nach Paris zurückgekehrt. Eine ganze Reihe von Zwischen- föllen, noch ehe die Arbeit wieder recht begon­nen hat, legt davon Zeugnis ab. Kaum würd« die erst« Plakate für die Kantonalwahl« au die Mauern d« Stadt geklebt, als es zwischen Royalisten der „Front national" und Kommu­nist« der „Front commun" mitten auf der Straße zn Schießerei« kam. die, ehe die verblüffte Poli­zei noch recht begriff« hatte, worum es sich han­

delte. eine Reihe von Opfer» fordert« Der frü­here Staatssekretär Daladiers, Gny de la Cham» brs, erhielt, als er nichtsahsend in seinem Auto saß und ein« Augenblick auf freie Fahrt war- t« mutzte, plötzlich von einem politisch rechts- stehend« Pariser Anwalt die Handschuhe — wie ritterlich — ins Gesicht geworfen. Es folgte ein Säbelduell, — unter starker Beteiligung von Pressephotograph« Der Gekränkte verletzte den Herausforderer am Unterarm, wie die Linkspresse schreibt, schwer, »ach den Beteuerung« der Rechtspresse: nur leicht. Trotzdem, das Protokoll schließt mit den unheilsschwaugsren Wort«: „Dir beiden Gegner trennten sich unversöhnt!" Aber was d« Politikern recht ist, ist den Jurist« bil­lig. Roch war die feierliche „rentree" der Ge> richtssession nicht vollzogen, als i« Paris« Pa­lais Le Justice auch schon die erste ordentliche Prügelei der Saison stattgefunden hatte. Ei» eifriger Tugendwächter hatte sich wut«tbrannt aus ein« Berufskollegen gestürzt, der sich ehe­dem als Rechtsberater eines Stawisky-Komplic« betätigt hatte. Es ist derselbe, der damals in die

Schwerer Taifun

auf der Philippinen-Jniel S»p»s

Ran'la, 4 Oktober

Ein Taifun suchte den Nordteil der Insel Luzon Heim. Der Sturm richtete großen Sachschaden an. Telegraphen-, Fsrnsprech- und Bahnverbindung« sind unterbrich« Ob Verluste an Menschenleben zu beklagen find, ist noch unbekannt.

Das spanische Kabinett gebildet

Madrid, 4. Oktober.

Der mit der Neubildung der Regierung beauf­tragte Führ« der Radikalen Partei, Lerroux, legte dem Staatspräsident« eine neue Minium- liste vor. Das kommende Kabinett würde sich nach dies« Liste wie folgt zusammensetzen: Mi­nisterpräsident Lerroux (Radikal), Augenmini­sterium Samper (Radikal), Justizministerium Aizpun (Katholische Volksaktion), Marinemini­sterium Rocha (Radikal), Finanzministerium Marraco (Radikal-, Innenministerium Sa - tazar Alonsv (Radikal), Unterrichtsministeri­um Villalobos (Libero Idemokrat), Arbeits­ministerium Anguero de Soja (Katholische Bolksaktion), Verkehrsministerium Elci Ba- quero (Radikal), Landwirtschaftsministerium Jimenez Fernande; (Katholische Bolks­aktion), Oeffentliche Arbeit« Euerra del Rio (Radikal), Industrie und Handel Lid (Agrarier), Minist« ohne Portefeuille Mar­tine; de Velasco (Agrarier), und Pita Romero (Unabhängig).

Eine spätere Meldung besagt: Im Kabinett Lerroux ist im letzt« Augenblick noch eine Aende­rung gegenüber der vorläufigen Liste vorgenom­men worden. Znm Minister für öffentliche Ar­beite» wurde der Agrarier C i L berufen. Da in der vorläufig« Lifte einem Radikalen dieser Posten zugeschrieben worden war, haben somit

die Agrarier zwei Vertreter und die Radikalen neben dem Ministerpräsidenten sieb« Vertreter in der Regierung.

Besonders bemerkenswert Lei der Zusammen­setzung der neuen Regierung ist. daß der Katho­lisch« Bolksaktion dreisitzige Ministe­rien zugeteilt wurden, und zwar das Arbsits-, das Justiz- und das Landwirtschaftsministerium, die für die Durchführung der von der Katholische« Volksaktion angestrebt« sozialpolitisch« Maß­nahm« sehr bedeutend sind.

Am Donnerstagabend wurde die endgültige Liste des neuen Kabinetts Lerroux bekannt­gegeben.

Das Kriegsministerium «hielt Hidalgo (Radikal); das Innenministerium Eloy Ba- guero (Radikal); das Verkehrsministerium Jalon (Radikal) und das Jndusttie- und Han­delsministerium Orozco (Radikal). Somit sind die Radikal« mit dem Ministerpräsidenten und acht Ministern, die Katholisch« Bolksaktion (Leda) mit drei Ministern, die Liberaldemo- kraten, die Agrarier und die Unabhängig« mit je einem Minister vertreten. Der Staatspräsident hat die Minifterliste genehmigt.

Seine gesprungen war, aber wieder gerettet wer­den konnte. Auch diesmal kam « mit einem buch­stäblich blau« Auge das«

Bevor noch mir den Kantonalwahl« der Wie­derbeginn des politisch« Lebens anhebt, hat die Nachwahl von Laon ein bezeichnendes Licht aus die innenpolitisch« Strömungen in Frankreich geworfen. Bei den Frühjahr-wahlen 1832 hatte der Rechtspartei!« (Richtung Doumergue-Tar- dieu) im ersten Wahlgang 8338 Stimm« auf sich vereinigt und war dann im zweiten Wahlgang mit 8382 Stimm« gewählt worden. Diesmal schaffte der Kandidat derselben politisch« Richtung (der Bürgermeister von Laon, Lenain) es im ersten Mahlgang nur aus 4541 Stimmen und blieb im zweit« Wahlgang mit 6874 Stimmen knapper Sieger, da Radikaffoftale und Sozialiften ge­trennt marschiert« Der Rabikalsoziale. der es 1932 mit d« verbündet« Sozialist« auf 8885 Stimm« gebracht hatte, mußte sich diesmal mit 2748 begnüg« Dagegen vermehrte der Sozialist seine Stimmenzahl von 3423 (1932) auf 6488. Es geht daraus hervor, daß die Regierung Doumrrgue mit ihrer reaktionär« Politik durchaus nicht die Zustimmung des Volkes findet. Daß die Sozia­listen als stärkste Oppositionspartei den meisten Zulauf hab«, und daß die Radikaliozialisten Ge­fahr lauf«, zwischen Leu beiden „Fronten" zer­rieb« zu werden, wenn sie sich nicht in Nantes Zn entscheidend« Entschlüssen aufraffen.

Die kommenden Funksendungen

Kamps den Heiratsschwindlern

Landsahrjugend kommt in Arbett

Barthou will mit Deutschland über den Ostpakt verhandeln

Z