Ausgabe 
(4.10.1934) Nr. 274
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das amNche Organ -es SenaLs

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der Freien Hansestadt öremen

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Nr. 274 / 4. Viertel,adr

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Donnerstag. 4. Oktober

Einzelpreis 15 Nps.

Endlich!

Der Uebersall auf Bergmann Schulz vor dem Obersten Abstimmungsgericht

Saarbrücken. 3. Oktober.

Nach 14 Tagen völligen Schweigens hat sich die Regiernngskommisfion nunmehr endlich ver- mrlrcht gesehen, auf die zahllosen Anfragen der Presse über den hier vielbesprochenen mysteriösen Polizeiübersall auf den Bergmann Anton Schulz aus Miinchwies zu erklären, bah diese Angelegen­heit dem Obersten Abstimmungsgericht zur wei­teren Behandlung überwiesen worden sei und dessen Entscheidung zunächst abgewartet wc drn müsse. *

Es kann nur außerordentlich begrüßt werden, daß diese Angelegenheit vor dem Forum des neutralen Abstimmungsgerichtes von allen Seiten so beleuchtet wird, wie es der saarländischen Öffentlichkeit im Inter­esse einer restlosen Aufklärung dieses dunk­len Falles schon längst dringend erforderlich schien. Es dürsten keine Zweifel darüber be­stehen. daß das Oberste Abstimmungsgericht einwandfrei feststellen wird, wer für Liesen eigenartigen Widerstand eines einzelnen gegen die durch eine Uebermacht von Polizei­beamten verkörperte Staatsgewalt die Schuld trägt. Den Verhandlungen und dem ^ Urteil des Obersten Abstimmungsgerichtes

wird jedenfalls allseitig mit Ruhe und größ­tem Interesse entgegengesehen.

Wahlen ln Sowjet-Rußland

0. u. Moskau, 3. Oktober.

Die Sowjetunion steht im Zeichen der Wah­len. Diesmal werden die Neuwahlen der Sowjets in einen kürzeren Zeitraum zusammengedrängt als sonst. Im Laufe von 20 Tagen, und zwar vom i. bis 20. November, müssen die Neuwahlen der Dorfsowjets vollzogen sein. Am 20. November beginnen dann die Wahlen der Stadtsowjets und der Bezirks-Sowjetkongresse, die bis zum 10. De­zember durchgeführt sein müssen. Von . diesem Zeitpunkt an wird der große Sowjetkon- gretz im Mittelpunkt des Interesses stehen, der zum 18. Januar nach Moskau einberufen wor­den ist. Die Regeln über die Wahlen der Depu­tierten sind bereits bekanntgegeben worden. An erster Stelle steht das Moskauer Gebiet, das 196 Deputierte zu wählen hat. Die gesamte Wahl­kampagne, beginnend mit der Neuwahl der Dorf­sowjets, wird eine Masse von 90 Millionen Wäh­lern mobil machen.

Der Kreis der Wahlberechtigten ist in­sofern erweitert worden, als gewisse Gruppen des­jenigen Teils der Bauernschaft, der als „kula- kisch" bezeichnet wird, jetzt das Wahlrecht wie- >, dererhalten, das ihnen früher eben wegen der s kulakischen Einstellung aberkannt worden ist. Es handelt sich aber dabei nur um solche Kulaken,' die aus ihren früheren Wohnorten in andere Be­wirke verbannt worden sind und dort „sich durch in jeder Hinsicht ehrenhafte Arbeit und unein­geschränkte Unterstützung der Maßnahmen der Sowjetregierung heroorgetan haben".

Der schrumpfende Völkerbund

Warschau, 3. Oktober.

Die halbamtliche „Gazeta Polska" stellt in einem Rückblick auf die Genfer Tagung u. a. fest, daß sich der Ausgabenkreis des Völkerbundes im Laufe der Zeit immer mehr verengert. Die Fra­gen, die mit der Durchführung der Friedcnsver- träge im Zusammenhang stehen, sind fast ganz von der Tagesordnung verschwunden, so die Dan- ziger Frage. Die Minderheiten- und Grenzfragen würden nach Regelung der Saarfrage endgültig verschwinden. Das Gebiet der internatio­nalen Zusammenarbeit der Völker fei auf der letzten Völkerbundsversammlung nicht mehr berührt worden. Das Blatt sagt: „Die Entwicklung des Völkerbundes führt gegenwärtig i dazu, eine Art von KInb zu werden, in dem man

1 die Möglichkeiten der Stärkung des Weltfriedens

1 prüft. Die Aktivität des Völkerbundes schrumpft.

Er verzichtet auf die Regelung der Beziehungen zwischen den Völkern. Es verringert sich die Möglichkeit eines Eingreifens in innere Ange­legenheiten des Staates."

Bleibt Genem? Weygünd?

Paris, 3. Oktober.

„Petit Parisien" befaßt sich mit der Personen- frage in der Obersten Heeresleitung, die bis zum Januar geklärt sein muß. Der Generalinspektor des französischen Heeres, General Weygand, müßte infolge Erreichung der Altersgrenze aus­scheiden. In allen zuständigen Kreisen soll aber, wie der „Petit Parisien" behauptet, die Auffassung vorherrschen, Laß Weygand wsiterbin im Amte bleiben müsse Man rechne unbedingt mit der Verlängerung seiner Diensttätigkeit. Kriegs­minister Marschall Pötain wäre gegen einen Wechsel in der Heeresleitung. Sollte Weygand » wider Erwarten doch den Wunsch haben, auszu­scheiden. so käme als aussichtsreichster Nachfolger der jetzige E-eneralstabschef General Gamelin F in Frage, der im Generalstab durch das Mitglied

des Obersten Kriegsrates, General Georges, ersetzt werden würde.

Volitifche Bilanz-Sitzungen

Saison der Staatsbesuche

Rumäniens Kabinettskrise und ihre Lehren

(vraktbsriebt unserer Berlin er LobriktlvituuA)

8. Berlin, 3. Oktober

Die Umbildung des rumänischen Kabinetts Tatarescu hat einen tiefen Blick hinter die Ku­lissen der europäischen Politik tun lassen. Es hat nach Ansicht maßgebender politischer Kreise der Reichshauptstadt nicht den Anschein, als ob der taktische Kampf und die persönlichen Gegen­satz L zwischen dem Ministerpräsidenten und seinem einflußreichen Gegenspieler Titulescu einen ernsten politischen Hintergrund hätten. Man be­trachtet auch die von der französischen Presse ein­stimmig ausgesprochenen Sorgen um Titulescus Position und um das Schicksal seiner traditio­nellen franzosenfreundljchen Politik besonders nach der neuesten Entwicklung der Lage als — mit oder ohne Absicht — stark übertrieben. Immerhin kann nicht geleugnet werden, daß die französische Orientierung in Rumänien von ihrer früheren Beliebtheit erheblich eingebüßt hat. Man muß sich aber nach wie vor klar darüber sein, daß die Ausrichtung nach Paris auch heute und in absehbarer Zukunft noch als ein Gebot der Staatsräson angesehen wird.

Wenn überhaupt von einer bevorstehenden Kursänderung in Bukarest gesprochen werden konnte, so führt man das in unterrichteten Krei­sen darauf zurück, daß sich einerseits Rumänien

in seiner Rolle als Vorposten der französischen Politik durch die russisch-französische Annäherung eingeengt fühlt, und daß andererseits die starke Abkühlung zwischen Warschau und Paris eine neue Lage geschaffen hat, die mit den realpoliti­schen Aufgaben des Tages nicht immer in Ein­klang gebracht werden kann.

So wenig aber in Genf ein Schlußstrich unter die Entwicklung der letzten Zeit gesetzt wurde, so wenig ist mit der vollkommenen Umbildung des rumänischen Kabinetts und mit dem Königs­besuch in Sofia die Lage eindeutig geklärt wor­den. Vielmehr darf man annehmen, daß erst die nahe Zukunft die Wandlungen — wenn von sol­chen überhaupt gesprochen werden kann — zutage treten lassen wird. Nach den zahlreichen bedeut­samen Staatsbesuchen der letzten Monate stehen uns noch verschiedene sehr wichtige Zusam­menkünfte bevor, die die angeschnittenen Pro­bleme bis zur letzten Konsequenz aufrollen wer­den, und die man daher als die politischen Vilanzsitzungen einer zwischenzeitlichen Entwick­lung bezeichnen darf. die ungewöhnlich reich an aufsehenerregenden Ereignissen- gewesen ist.

Eine bekannte Persönlichkeit des politischen Le­bens der Reichshauptstadt wies unsere Berliner Schriftleitung darauf hin, daß das Zusammen­treffen und die zeitliche Reihenfolge wichtigster

Besprechungen zwischen den verantwortlichen Ver­tretern verschiedener bedeutender Staaten nicht zufällig sein kann. In den nächsten Tagen wird, wie man weiß, Ministerpräsident Gömbös sei­nen Besuch in Warschau abstatten und dabei grundsätzliche Fragen regeln, die sowohl Polen als auch Ungarn angehen. Fast am gleichen Ta?« wird der jugoslawische König in Paris eintreffen, wo immer noch das Zentralhirn der Kleinen Entente arbeitet. Und dann soll nach allem, was man hört, noch in diesem Monat die Reise Varthous nach Rom stattfinden, von der es allerlei zu erzählen geben dürfte. Denn gerade die Besprechung Mussolinis mit dem französischen Außenminister wird von entscheiden­der Bedeutung für die'Entwicklung der europäi­schen Politik werden.

Bis spätestens zum Abschluß dieser Bilanz- besprechungen werden die Dinge im Fluß bleiben. Es wäre nach der letzten Entwicklung verfrüht, jetzt schon von französischen Mißerfolgen zu reden. Denn das letzte Wort ist bisher noch zu keinem einzigen aktuellen Problem gesprochen worden mit Ausnahme desjenigen, das mit dem Einzug Sow­jetrußlands in den Völkerbund abgeschlossen wurde. (Siehe auch Seite 2.)

Japans Wehrwille

Forderungen des Kriegsministers / Gesetzentwurf über Mandschukuo

Tokio, 3. Oktober.

„Times" meldet aus Tokio, das Kriegsministe­rium hat 16 000 Exemplare einer Flugschrift ver­breitet, deren Inhalt, wie das Blatt „Nitschi- Nitschi" versichert, die persönlichen Ansichten des Kriegsministers, des Generals Hayaschi, wie­dergibt. In der Flugschrift wird eine wirtschaft­liche Reorganisation des Landes gefordert und ein starkes Heer, das der Lage im Fernen Osten ent­spreche. Zurzeit des Zaren sei Rußland im Nieder­gang gewesen. Jetzt habe Japan nicht nur Mandsch >ukuo, d. h- ein Gebiet vom dreifachen Umfange Japans, zu verteidigen, sondern es stehe auch der Sowjet-Union gegenüber, die seit Be­endigung des Fünfjahresplanes ein mächtiger mi­litärischer Staat geworden sei. Japan müsse des­halb seine militärische Macht besonders in der Luft stärken. Mehr als 6000 Flugzeuge seien.in der Lage, Japan anzugreifen, während Japan nur 1000 Flugzeuge besitze. Eine Streitmacht von 3000 Flugzeugen sei notwendig, um Japan davor zu bewahren, in der Luft von einer Anzahl frem­der Mächte geschlagen zu werden.

Die an dem gegenwärtigen Wirtschaftssystem geübte Kritik gründet sich auf dem Grundsatz, daß eine wirksame Landesverteidigung von einer voll­kommenen Vereinheitlichung der geistigen und moralischen Kräfte des Volkes abhänge. Das jetzige kapitalistische System, so wird in der Flugschrift ausgeführt, führt zu einer Bereicherung einer klei­nen Minderzahl und zur Verarmung der großen

Massen, besonders der Bauern und Fischer. Es sollten daher Anstrengungen unternommen wer­den, um zu einem „moralischen Wirt­schaftssystem" zurückzukehren, das von der jetzigen Volkswirtschaft verdrängt worden sei, de­ren Grundlagen die ausländischen Lehren vom Individualismus bilden.

Die Flugschrift kommt auch beiläufig auf die Frage der Seemacht zu sprechen und sagt, das gegenwärtige System des Stärkeverhältnisses zu anderen Mächten sei für einen selbständigen Staat unerträglich. Wenn die Flottenkonferenz von 1938 fehlschlagen sollte, dann werde es eine Krise geben, die nicht nur diplomatische Verhand­lungen, sondern ein Zusammenfassen der ganzen Nation erfordere.

Ministerpräsident Okada, Kriegsminister Hajaschi und Außenminister Hirota haben vereinbart, das folgende Gesetz dem japanischen Kabinett zur Beschlußfassung vorzulegen:

1. Das bisherige System der vereinigten Aem­ter des japanischen. Botschafters in Mandschukuo und des Chefs der japanischen Armee in der Provinz Kwantung wird aufgelöst. Beide Aemter werden in Zukunft getrennt verwaltet.

2. Der außerordentliche diplomatische Vertreter Japans in Mandschukuo vertritt nicht nur Japan auf den diplomatischen Gebieten, sondern über­wacht auch die Tätigkeit der japanischen Zivil­behörden, wie der Polizei und des Gerichtswesens

in Mandschukuo. Die letzte entscheidende Instanz für die japanische Justiz und Polizei ist das japa­nische Außenministerium.

3. Es wird ein besonderer Posten eines Zivil­gouverneurs in der Provinz Kwantung geschaf­fen, der direkt dem japanischen Kabinett unter­stellt ist.

4. Innerhalb des japanischen Kabinetts wird eine besondere Abteilung für mandschurische An­gelegenheiten geschaffen.

K

Die Erklärungen des ehemaligen Chefs der amerikanischen Luftstreitkräfte Generals Mitchell, über einen Krieg der Zukunft zwischen den Ver­einigten Staaten und Japan hat in politischen Kreisen Tokios größtes Aufsehen erregt. Die Be- hauptung Mitchells, Aipan sei als der größte Feind der Vereinigten Staaten anzusehen und seine Forderung, daß die amerikanische Regierung sich zum Kampfe gegen die Japaner durch den ver­mehrten Bau von Flugzeugen vorbereiten müsse, werden in japanischen politischen Kreisen als ein Versuch ausgelegt, sich wegen der Verstärkung der amerikanischen Luftflotte zu rechtfertigen. Die ja­panische Regierung werde deshalb durch ihren Ge­schäftsträger in Washington Schritte unternehmen und darauf hinweisen, daß solche Erklärungen nicht beruhigend für die Beziehungen zwischen Ja­pan und den Vereinigten Staaten wirken könnten.

Barthou feiert Delcasss

Einweihung einer Eedenk-Tafel für den früheren französischen Außenminister

Paris, 3. Oktober

Die Freunde Delcassss haben an einem Hause in Paris, das Delcasss lange Jahre bewohnt hatte, eine Gedenktafel anbringen lassen, die am Mittwoch eingeweiht wurde. Die Denktafel hat folgenden Wortlaut: „Hier hat Delcasss, der im Jahre 1882 geboren wurde und im Jahre 1923 gestorben ist, gewohnt. Seine Politik als fran­zösischer Außenminister war dem Ansehen und der Größe seines Vaterlandes gewidmet".

Die Gedächtnisrede Lei der Einweihung hielt Außenminister Barthou, der mit Del­casss befreundet war. Vor allem, so führte Barthou u. a. aus, habe Delcasss. diplomatische Fähigkeiten besessen. Er habe sich die Frage vor­gelegt, wie Frankreich aus der Isolierung heraus­kommen könne, in die es durch seine Niederlage in der zweiten Hälfte des vergangenen Jabr- hunderts geraten sei. Seine wirklich« Rolle hab« Delcasss in der Zeit gekielt, als er Außenminister gewesen sei. Das außenpolitische Programm Del- -assös lasse sich oahingehend umreißen, daß Del­casss a» der französisch-italienischen Aussöhnung, an der französüch-spanilcheii Zusammenarbeil und an dem französisch-englischen Bündnis habe arbeiten wallen.

Dieser Plan Dclcassi's habe nichts aggressives gegen irgend jemand enthalten. Aber, so schal­tete Barthou hier fragend ein, sei es nicht die Gewohnheit gewisser Länder, anderen Staaten

unter dem Vorwand der Einkreisung die Isolie­rung zuzuschreiben, die nur eine Folge eigener Fehler sei? An der Verwirklichung seiner Poli­tik habe Delcasss sieben Jahre gearbeitet, bis sie durch einen Bruch von außen her unterbrochen worden sei. Delcasss habe, ohne seinen Gefühlen der Bitterkeit öffentlich Ausdruck zu geben, das Schicksal hingenommen, das ihm eine unvorher­gesehene Ungerechtigkeit aufgezwungen hatte. Alle Fragen, die mit diesem politischen Geschick in Zu­sammenhang stünden, seien noch nicht aus dem Bereich der Polemik herausgetreten. Es werde Sache der Geschichte sein, hier die Verantwortlich­keiten festzustellen. Doch habe wohl die Rückkehr Delcassös als Außenminister während des Krie­ges durch den Willen der Regierung und mit ein­stimmiger Billigung der öffentlichen Meinung den Charakter einer Wiedergutmachung ange­nommen. Könne man Delcasss, wenn er sich da­mals vielleicht nicht so gezeigt habe, wie man es von ihm erwartet habe, Fehler vorwerfen, von denen niemand angesichts der ungeheuerlichen Er­eignisse ausgenommen sei? Delcasss sei der Weg­bereiter Joffres gewesen.

Amerikanische«- Flugzeugexport

Washington, 3. Oktober.

Wie das Handelsministerium mitteilt, sind im August 107 Flugzeuge aus den Vereinigten Staa­ten ausgeführt worden, darunter 19 nach Ko­lumbien, 19 nach China, 9 nach Mexiko und je eins nach Italien, Frankreich und der Tschecho­slowakei. Nach Deutschland wurde kein Flugzeug ausgeführt.

„Oesterreich eine Monarchie"

Neue Erörterungen der Habsburger Frage Wien, 3. Oktober.

In einer Versammlung des monarchistischen Reichsbundes der Oesterreich«! am Dienstag teilte Herzog Dr. Max von Hohenberg mit, daß vor we­nigen Tagen mit der österreichischen Regierung Verhandlungen wegen der Rückgabe des Habsburger Vermögens begonnen hät­ten. Der Stellvertreter des Leiters der ostmär- kischen Sturmscharen, Major Killel — der Lei­ter der ostmärkischen Sturmscharen ist bekanntlich der Bundeskanzler Schuschnigg — erklärte, daß die Sturmscharen eins seien mit den Monarchisten. Oesterreich sei eine Monarchie gewesen und bleibe es. — Zum Schluß polemisierte der Führer der österreichischen Lsgitimisten, Gesandter a. D. Wiesner gegen die Kleine Entente. Es sei zu begrüßen, so sagte er, daß Außenminister Verger- Waldenegg das Ansinnen der Kleinen Entente auz eine Verzichterklärung Oesterreichs in der Habsburger Frage abgelehnt habe.

Vizeadmiral a. D. Ritter von Mann gestorben. Am Dienstagmittag starb in Bad Reichen­hall Exzellenz Ernst Ritter von Man», Edler von Tischler, ehemaliger Staatssekretär des Reichsmarineamtes und Vizeadmiral a. D., im Alter von 70 Jahren.

Aufbauwerk der deutschen Äugend

Die strenge Einheitlichkeit im Kamps um den wirtschaftlichen Bestand der Nation be­dingt natürlich trotz der besonderen Pflege­bedürftigkeit der Jugend, trotz ihrer neuen Stellung im politischen Leben der Nation, eine klare Unterordnung auch ihres Arbeits­lebens unter die Lebenserfordernisse der deutschen Wirtschaft. Das klingt hart, ins­besondere. wenn man den traurigen, un­heilvollen Lebensweg der jungen Genera­tion unserer Tage zurückverfolgt. Aber wir leben in einer spartanischen Zeit, in der das Einzelschicksal keine Geltung beanspruchen darf. Und niemand bejaht diese Zeit mehr als die Jugend, die sich politisch formiert hat und die politische Idee hineintrug in ihr Privatleben, in ihre Arbeitsstätten, in die Betriebe.

Wie ausschließlich die arbeitende Jugend heute in ihren besten, politisch regsamen Teilen ihr Berufsleben als Aufgabe und Ar­beit im Dienst des deutschen Volkes und seiner wirtschaftlichen Zukunft betrachtet, beweist sie in diesen Tagen wiederum durch ihre Bestrebungen zur außerbetrieblichen, zusätzlichen Berufsschulung, die am 1. Oktober ds. Is. in Form von Kursen, Arbeitsgemeinschaften usw., im ganzen Reich einsetzten. Der Reichsberufswettkampf der Hitler-Jugend hatte schon im Frühjahr durch seine Eigenart als Kampf um die erfolg­reichste Arbeitsleistung die Aufmerksamkeit aller Kreise, insbesondere aber die Anerken­nung der Wirtschaft selbst und der wirt- schaftsständischen Organisationen gesunden.

Nun kommt der Winter mit seinen lan­gen Abenden und macht naturgemäß in der sozialen Arbeit der Hitler-Jugend, aus der die zusätzliche Berufsschulung nur! einen Ausschnitt darstellt, eine bewußte Umstellung von dem Einsatz in ländlichen Betrieben (Landhilfe, Landdienst usw.) auf die prak­tische und theoretische Berufsschulung in den städtischen Arbeitsräumen notwendig. Die Vorbereitungen sind heute im ganzen Reich gum Abschluß gebracht. Die Arbeit kann be­ginnen. Und sie wird beginnen. Denn sie ist nicht Arbeit und Einsatz für die Jugend selbst, für ihre besonderen Forderungen, sondern sie ist Arbeit für die deutsche Wirt­schaft und den deutschen Staat. Sie. steht ausschließlich unter dem Grundsatz, den der Leiter des Sozialen Amtes der Reichsjugend­führung, Obergebietsführer Axmann, so oft zum Ausdruck gebracht hat, wenn er be­tonte, daß die deutsche Jugend, insbeson­dere die politisch aktive Jugend, ihre Auf­gabe in der Wirtschaft allein in der größt­möglichen Steigerung der beruflichen Lei- stungsbereitschaft und Leistungsfähigkeit zu sehen habe.

Die Hitler-Jugend — soviel läßt sich heute schon aus ihren Bestrebungen folgern — hat den Weg vom revolutionären Sturm auf das alte System zum praktischen, stetigen Ein­satz im Aufbauwerk des Führers, dessen Namen sie trägt, gefunden. Sie konnte das um so mehr, als sie von einer engstirnigen Verfechtung ihrer — vielleicht sehr berech­tigten — Belange abging und zunächst ein­mal ihren tatsächlichen Leistungswillen unter Beweis stellte.

Durch den Reichsberufswettkampf hat sie zunächst die gesamte, ihr zugehörige Arbeits­frontjugend auf ihr gegebenes Aufgaben­gebiet verwiesen und sie somit in die Front des Aufbaues eingereiht, darüber hinaus aber wurde sie Wegbereiterin für den Be­rufsschulungsgedanken im nationalsozialisti­schen «taat. Wenn heute von der Not­wendigkeit einer gewissenhaf­teren Berufsschulung und Be- rufserziehung gesprochen wird, dann verdankn wir es im wesentlichen dieser Aktion. Denn sie hatte ihren Wert nicht in den beruflichen Spitzenleistungen, die ge­zeigt wurden, sondern in den Zeichen einer vernachlässigten und schadhaften Berufs­ausbildung und Berufsmethodik. Wenn Lehrlinge im vierten Jahr nicht in der Lage waren, die Aufgaben des zweiten Jahres zu meistern, und diese Erscheinung wurde betriebs- oder gewerbsweise wiederholt fest­gestellt, dann war ohne weiteres ersichtlich, daß die betreffenden Jugendlichen nicht mit angemessenen Arbeiten beschäftigt oder nicht ordnungsgemäß in ihrem Berufe ausgebil­det wurden.

Auf der anderen Seite hat sich in zahllosen

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