1. Beilage K Nr. 273
Bremer Zeitung
Mittwoch, den 3. Oktober 1934
Jede Zeit hat auphre besondere Devise. In der Aufklärungsepoöerschien das als das Wichtigste, sich über das ssein und seine Formen mit Vernunftgesetzen klast werden. Die Romantiker stellten eine Lebenssüllung voran, die durch Eefühlsoertiefung dt Leben Werte abzuringen trachtete. In der m< auf Aeußerlichkeit gerichteten späteren Zeit n es darauf an, aus der Umwelt so viel wichöglich sachliche Güter in Besitz zu bringen. Ä unser Zeit hat sich auch ihre Gesetze geschaff, und ist noch am Werke, sie auszubilden.
Es lassen sich, übeickt man größere Zeitabschnitte, zwei voneirder völlig abweichende Bestrebungen erkenne die dazu dienen, den Lebensforderungen gerezu werden. Die eine geht bedachtsam zu WerkeLßt mehr dem Alter die rk, die andere stützt sich lund weist ihr nicht nur
Erwägung und das mehr auf die Jugen
Scheidung zu. Beides unvollkommen, wie ei
das Vollbringen, sonn auch schon die Ent-
so vollkommen und so Menschentun ist. Denn
kommt das bedächtig! Schreiten oft nur allzu langsam vom Fleck m zuweilen nicht über die Erwägungen und Ved m hinaus, so kann stürmisches jugendliches Ingen ebenso zu einem Handeln führen, das nächste Augenblick mit Bedauern belädt und eschehen machen möchte. Entscheidung, was besspder nicht besser ist, be-
Jeder Bremer! seine Theater durch die NS.Plturgemeinde!
deutet jedoch, sich am lauglichen Objekt versuchen. Denn die Lemorm ganzer Epochen kommt aus Zwangsläumten und widersetzt sich meist allen anderen Etntnissen.
Indessen — eines ist!glich, aus den Erfahrungen des eigenen Jchstgerungen zu ziehen. Unsere eigene tatfrohe gend steht vor uns. Mit der ganzen Schwur rft unserer nicht von Zweifeln und Bedenken immten Jugend haben wir uns der Aufgaben lgenommen, die uns zugeteilt wurden und ern Neigungen entsprachen. Gewiß wird iches Uebereilte und Unreife darin sein; abaas Gute darin war weit und groß gedacht unewollt.
Wenn wir aber wissenst selbst bei reiflicher /Erwägung noch genug ler unterlaufen, so kann es schließlich nicht gto schlimm sein, was bei unreifer Ueberlegun» Fehlern geschieht, wenn der Wille gut untpß ist.
Ost genug ist es gar ntzo wichtig, was geschieht, sondern wichtig iwr, daß etwas geschieht, und so manche Ä des Handelns ist gering gegen die Sünde «lnterlassens.
Winter-Vrogray igz^/zZ
der „lluiou" (Kaufmstcher Verein)
Die „Union" (Kaufm. V^) hat es sich angelegen sein lassen, auch > den kommenden Winter wie alljährlich ein ßhaltiges und zugleich abwechslungsreiches ^ramm vorzubereiten: Die VeranstaltungeHden am 10. Oktober 1931 durch einen Liedeirien- und Duett- Abend von Maria Cebotari spran) und Hans Reinmar (Bariton der Stauer Berlin) eröffnet werden. Ferner sind ablisten verpflichtet: Miliza Korjus (Kolor-Sopran), Marianne Krasmann (Klavievuth Meister (Violine), Sibylla PlateMt), Julius Patzak Tenor), Wilfried k? (Violine), Karl Maria Schwamwer (Viola da Lamba). Außerdem siMse Huhn- Jrmschler (Sopran) und NEebhardt (Klavier) für ein gemeinsameinzert gewonnen worden, zwei junge Künftig aus'einem vor kurzem ausgetragenen tbewerb der Reichsmusikerschaft „Vorwärts H Leistung" als Sieger hervorgegangen sinisse drei vorgesehenen Kammermufik-Abenderdeir ausgeführt vom Bremer KammerorchesLj^ Leitung von Kapellmeister Eduard Mari^am Riele- Queling-Quartett und vom SGiack-Streich- quartett. Die musikalischen Unterslungen, die Neue Liedertafel und der JnsHntalverein,
werden je ein Konzert geben, wovon das der Neuen Liedertafel als Jubiläumskonzert anläßlich der Wiederkehr des 75jährigen Eründungs- tages der Abteilung gedacht ist. Ein weiteres gemeinsames Konzert für Chor und Orchester werden beide Abteilungen veranstalten.
Die stets sehr beliebten drei Theater-Abende werden wiederum von der Dramatischen Abteilung in gewohnter künstlerischer Form herausgebracht, und zwar gelangen ein lustiger Schwank, ein ernstes, zeitgemäßes Stück und ein heiteres Lustspiel zur Aufführung. Besonderen Wert hat
man auf die Auswahl allgemein interessierender und zeitgemäßer Vortrüge gelegt.
Die Handelswissenschaftliche Abteilung plant einige größere Vortrüge, über die sie Näheres noch bekanntgegeben wird. Die schnell beliebt gewordenen „Geselligen Unions-Abende" werden in diesem Winter besonders gepflegt werden; sie tragen wesentlich zum Zusammengehörigkeitsgefühl der Unionsmitglieder bei. — Alles in allem dürfte also den Mitgliedern ein abwechse- lungsreicher, belehrender und unterhaltender Winter bevorstehen.
Der Bücherwurm
Nachdenkliches aus dem Neich der Druckerschwärze
Vergebens fragt sich der durch das ABT. erleuchtete Mensch, ob die Druckerschwärze aus der Büchse der Pandora geflossen ist oder ob sie, solange der Blätterwald rauscht, Herold des Lebens bedeutet. Denn sie ist beides und noch viel mehr als das! Kreuz und quer, in allen Höhen und Tiefen geistert sie durch unser Leben, Gewohnheit und Zufall, Glück und Not, Tugend und Laster, Jugend und Alter, alles Zappeln des aus vielerlei Stoff zusammengebrauten Menschleins blickt dir irgendwie aus den schwarzen Lettern entgegen, hier zur Lehre und Mahnung, dort zur Freude, hier ein Spiegel des reinen Menschentums, dort ein Zerrbild aller Verworfenheit, hier Ausblicke in das unermeßliche Reich des Gedankens, dort Versinken in die Kleinheit des Alltags. Die Unrast wie die Dauer, das Vergängliche wie das Ewige ist eingefangen durch das Wort, das wir schwarz auf weiß nach Hause tragen. Und hier sitzt der Haken, an dem wir jenes kuriose Menschenkind aus dem brausenden Tanze um die Druckerschwärze herausangeln wollen, das dieses Nachhausetragen anders und auf rührend-verbissene Weise betreibt.
Nicht etwa, daß diese Sorte von Zeitgenossen nach äußerlichen Merkmalen, nach Alter, Beruf und Bildung festzulegen wäre. Man hat sie „Bücherwürmer", getauft, um damit anzudeuten, daß sie Lettern in sich hineinfressen, unablässig wiederkäuen und nie verdauen. Man hat ihnen aber oft damit unrecht getan. Leute, die immer hübsch an der Oberfläche bleiben und dort munter und /sorglos-einfältig herum- plätschern, die natürlich über alle Zeitgenossen ihr abschließendes Urteil fix und fertig in der Tasche haben, die sich der Druckerschwärze nur be». dienen, soweit sie Geld oder Vergnügen ein-^ bringt, diese Leute, die auch im Zeitunglosen nur so eine appetit- und launenanregende Nebenbeschäftigung beim Frühstück sehen, diese Leute ahnen nicht, da der Bücherwurm erstens ein Mensch höherer geistiger Wünsche sein kann, zweitens im Buche, wenn auch oft nur in dumpfer llnbewußtheit, die Schönheit sucht, die ihm das Leben vielleicht tragischerweise versagte, oder in ihm den Menschen flieht, weil er ihn zu gut erkannt hat, und drittens, daß es mehr Bücherwürmer gibt, als man glaubt!
Es soll dem alten liebenswürdigen Spitzweg verziehen sein, daß er nur eine stark fossile Abart des Bücherwurms, allerdings in echt romantischer Verklärung, auf die Leinwand brachte. Denn in Wirklichkeit hat er tausenderlei Gestalt. Blicke um dich, und — es kann nicht schaden — auch einmal in dich, und du hast ihn leibhaftig! Schon die Stupsnase wühlt mehr in bedrucktem Papier herum, als ihr gut tut. Der Backfisch, der zum 101. Male die 67. Fortsetzung eines Bandes aus einer unendlichen Reihe von „Romanperlen" verschlingt, der Theaterprogramme sammelt oder alle erreichbaren Geschichten ausschneidet und aufbewahrt, in den von „scharfgeschnittenen Erafen- antlitzen" und „in der Taufrische einem Maienmorgen ähnelnden Komtessen" die Rede ist, ist ebenso, wenn auch ein frisches Vücherwürmchen, zur Familie der Druckerschwärzesüchtigen gehörig wie der Jüngling, der, sei es aus unzähmbarem, wahllos schweifendem Wissensdurst oder aus jungenhaftem Geltungstrieb, Stapel von Schwarten um sich versammelt, und sich, leider oft mit Erfolg, an ihnen die Augen zu verderben versucht. Da haben wir gleich noch einen, der Bücherwurm ist, wenn er auch nie in sie hineinschaut. Er zerfällt in zwei Hauptarten. Einmal der Vildungs- protz, der sich 30 Meter Bibliothek bestellt und seine Gäste grundsätzlich nur in seinem „Eeräte- saal für Geistesathleten" empfängt, und dann, übrigens ein besserer Mensch, der schönheitsdur-
stige Wurm, der über einem garantiert schon im 16. Jahrhundert vom Bohrwurm angefressenen Pergamentband oder einem goldgepretzten Einband aus dem Fell der seligen Jolanthe ganz vergißt, wie die Kostbarkeit innen ausschaut. Er ist den „Bibliophilen" zuzurechnen, die übrigens aber zu 80 Prozent wirklich zu den edlen Geistern gehören, die eine Kostbarkeit des Geistes im edlen Gewände mehr schätzen als in asketischer Broschüre.
Glaube niemand, daß wir Vollständigkeit erstreben, wenn wir noch einige weitere Wurmarten aus diesem nach Druckerschwärze, Leim und Moder duftenden Terrarium herausziehen. Da ist so eine Sorte, die durch Habsucht oder Gedankenlosigkeit zu einer Bibliothek kommen. Blutenden Herzens gibt mancher Bücherfreund seine Lieblinge „leihweise" aus der Hand. Nur nach hartem Kampf, bei dem viele Vermißte, viele Beschädigte und viele Austauschgefangene zu verzeichnen sind, kehrt das Buch zu seinem Herrn zurück. Die Verlustliste des einen wird aber die Siegerliste des andern. „Bücher kaufen? Wozu? Meine Freunde rechnen es sich zur Ehre an, wenn ich bei ihnen ein Buch entleihe!" Das ist nun nicht mehr der Bücherwurm, dem versöhnliche und harmlose Züge eigen sind und der trotz seiner eulenhaften Ver-
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bohrtheit irgendwie Gutes tut. Das ist der böse Feind! Verächtlicher noch als der Unglückliche, der aus krankhaftem Trieb, ein Narr und Sklave des Buches, dem er nachspürt, mit allen erlaubten und unerlaubten Mstieln, Scharteken hamstert und wie ein Drache auf seinen oft Plunderhaften Schätzen sitzt. Die Geschichte kennt Menschen, die um eines Buches' willen zum Mörder wurden. Hier wird der Wurm zur unersättlichen Hydra. Eottseidank brauchen wir nicht damit abzuschließen, daß Druckerschwärze ein Menschheitsfluch geworden ist.
Es gibt heitere Bilder voll Lebenswärme und Menschlichkeit genug, wenn auch gerade der Bücherwurm der Allerweltsmeinung nach in das Mumienreich gehört. So ist der im selbstlosen Dienst an der Schrift ergraute Mensch, der ,,zerstreute Professor", der im stillen Gehäuse Lese- früchte sammelt und vielleicht schon Zehntausende von Büchern zur Strecke gebracht hat, nicht nur ein „fressender Wurm", der wegen seiner chronischen Abkehr vom Alltag Zielscheibe billigen Spottes ist, sondern auch, und, darum muß ihm vieles verziehen werden, der Mensch, der in die Uferlosigkeit der Druckerschwärze System und Klarheit bringt.
Jedenfalls darf für geistige Nahrung unser Hunger nie groß genug sein! vz-.
KLEdl VOdI XälRldl HOll/ldlv
(21. Fortsetzung) i
Der mit Stefan Angeredete stieß »st durch die Nase. „Eifersüchtig? Lamilla verstz wundervoll, einem die Eifersucht abzugäxu. Du lieber Himmel, mir sollte alles einerlch wenn ich sie nur erst wieder hier hätte, liebsten nähme ich ein Schlafmittel und wartet Dämmerzustand, bis sie wieder vor mir stck „Vogel Strauß", sagte der andere. > zum Glück kannst du dir das nicht leisten.^ ^ir keine Sorgen. Sie P immer wiedeHwen. Außerdem skennt sie ja jetzt die Streckt „Das alles ist kein Grund. Ich kenn^ milla. Sie kommt mit dem Hochgefühl folges dahergeflogen und wird leichtsiNmxil alles bisher gut abgelaufen ist " s
Der andere schüttelt« den Kopf. „Die Dummheiten." ^
„Das sagst du! Wie war das im Herbster Nordsee!?" ^
,Es gibt Situationen, in denen man i^uo
sein kann-" s
„Höre, Stefan, du darfst dich nicht gehHu wird noch eine ganze Weile dauern,
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hier sitzen und den Erfolg gemeinsam könnt," Er lachte. „Sie kann trinken Mann und verachtet einen guten Tropfen „Ich habe ein böses Vorgefühl!"
„Damit könntest du dir Zeit lassen. Du an, hysterisch zu werden. Ich werde dich will dieser Tage unter meine Fittiche nehmen."
Jetzt lächelte auch der mit Stefan Angers „Da liegt der Hase im Pfeffer. Das ist Garn ganze Stärke, sie versteht es ausgezeichnet, s warten zu lassen, bis man am Ende seiner -0 ist. — Zahlen! Na, wie man sich bettet, so l man."
Marie-Agnes wagte nicht, Matthressen anzusehen, der eine Zigarette an der anderen ansteckte. Die Leiden Freunde gingen. Marie-Agnes hörte deutlich das Ticken der Uhr, die über der Bar hing. Endlich hob sie den Kopf und sah Matthiessen mit einem prüfenden, kühlen, fast harten Blick an. Er schien es nicht zu merken. Sie sagte mit einer leisen Schärpe:
„Ich bin müde, ich möchte nach Hause. Bitte!"
„Du darfst nicht traurig sein, Agnes, es wäre
mir schrecklich, dich zu verletzen. Siehst du--"
und er machte Miene, das Gespräch da fortzusetzen, wo er beim Eintritt der beiden Gäste aufgehört hatte.
„Ich möchte nach Hause, Kai. Ich bin vollkommen überzeugt, daß ich dich nicht halten kann. Wie sollte es mir gelingen, dich zu halten, wenn du selbst der Frau zuliebe nicht dableibst, die du liebst."
Er sagt« ihr nicht, daß Gamilla sich nicht ängstigen würde, obwohl er es in diesem Falle wünschte, oder vielmehr gewünscht hätte.
Draußen sagte sie: „Ich nehme mir ein Taxi. Ich möchte allein sein, du mutzt es verstehen. Gute Nacht."
Er sah dem davongleitenden Auto nach.
Fünf Wochen war es her, daß Lamilla in das graue Schneetreiben eines Dezembermorgens aufgestiegen war, und sie hatte ihm nicht ein einziges Mal einen Gruß gesandt. Wer war dieser junge Mann, der sie liebte? Das Verhältnis dieser beiden Menschen schien klar zu sein. Es hatte keinen Zweck, sich nachträglich einen Narren zu schelten. Er hatte recht gehabt: man mußte von Gefühlen unabhängig sein. Also Schlußstrich — koste es, was es wolle.
Und es kostete viel. Er bedachte nicht, daß der Zufall die Welt oft hart und grausam regiert.
Dieser Zufall hatte irgendwo die Postmaschine mit einem langen herrlichen Brief von Lamilla zwischen Bagdad und Berlin in Flammen aufgehen lassen. Ein unwichtiges Ereignis im Vergleich zu dem Unfall des Piloten, der schwer verletzt im Krankenhaus lag.
In zehn Tagen ist der erste März, dachte Lamilla, als sie in Delhi ihren Namen auf den An- meldezettel des Hotels schrieb. In zehn Tagen —
-sie ließ die Feder sinken und starrte auf den
Kalender, der über dem Schreibpult hing. Noch fünf Tage, und die Arbeit war beendet. Wenn alles gut ging, traf sie programmgemäß in den ersten Märztagen wieder in Berlin ein. Sie zweifelte nicht daran, daß auch diesmal das Glück sein Füllhorn gnadenvoll über ihren Flug ausgießen würde. Aber seit den letzten Tagen in Bombay und die ganze Woche über in Kalkutta saß da so ein komisches kleines Gefühl zwischen Herz und Magen, und das würgte.
Ich bin überanstrengt, sagte sich Lamilla und schrieb energisch Esburts- und Heimatsort auf den zartblauen Schein. Ich bin etwas nervös, das ist begreiflich. Heut« abend habe ich im Aeroklub zu sprechen, es geht alles vorüber. Aber sie war unruhig, als sie an Kai dachte. Sie merkte es am Abend, als sie vor ihrem Publikum stand. Sie versprach sich einige Male. Vielleicht war es falsch gewesen, nur diesen einen Brief zu schreiben. Aber sie hatte eine schriftliche Entwicklung dieser delikaten Dinge nicht gewünscht. Wenn sie wiederkam, sollte ihre Liebesgeschichte dort ihren Fortlauf nehmen, wo sie vor gut zwei Monaten so beglückend aufgehört hatte.
Kai. Eine plötzliche Angst erfaßte sie, sprang sie an wie ein heimtückisches Tier, das, die ganze Zeit über in den Käfig der Beherrschung eingesperrt, nur darauf gelauert zu haben schien, über sie herzufallen und ihr die scharfen schmerzenden Krallen ins Fleisch zu schlagen.
Hatt« er ihr nicht versprochen, auf sie zu warten?
Sie nahm sich vor: Ich werde depeschieren, sobald ich wieder im Hotel bin. Plötzlich kam ihr eine herrliche, irrsinnige Idee. Absagen, das
„Sendung aus dem Flugzeug"
Ein Fallschirmpttot weicht während des Abspeunges zu den Hörern
Der Reichssender Hamburg teilt mit:
Der Deutschlandsender bereitet für Sonnabend, «. Oktober, 2V.1V Uhr, eine in ihrer Form völlig neuartige Sendung vor, die von den Reichssendern Hamburg und Köln übernommen wird. Hier wird nicht, wie es bereits mehrfach erfolgreich durchgeführt wurde, von der Erde aus mit einem Flugzeug gesprochen; die Sendung geht vielmehr vom Flugzeug selbst aus, das zu Beginn der Sendung in Köln startet und am Schluß im Flughafen Tempelhof landet. Der Funkbericht«», der sich in der Maschine befindet und mit dem Kopfhörer aus dem Funkhause neben seinem eigenen Bericht auch den Sprecher im Sendesaal hört, so daß die Möglichkeit eines Eegensprechens besteht, tritt während des Fluges durch eine Kurzwellenstation mit vier Punkten auf der Flugstrecke — in Liidenscheid, Marburg, aus dem Brocken und in Brandenburg — und von dort weiter über Kabel mit dem Funkhaus in Verbindung.
Der Hörer wird also ein lebendiges Bild vom Verlauf des Fluges erhalten, diesen unmittelbar miterleben, ja, sich selbst als „Fluggast" fühlen. Die Pausen zwischen den Funkberichten werden durch Szenen ausgefüllt, die aus dem Funkhaus in die Sendung eingeblendet werden und einen Querschnitt durch die Geschichte der Luftfahrt geben.
Der bekannte Fallschirmpilot Maximilian Sku- pinwird während eines Absprunges aus tausend Meter Höhe mit Hilfe eines kleinen, für diesen Zweck besonders konstruierten Kurzwellensenders zu den Hörern sprechen. 2m Rahmen der Sendung sollen auch die Stimmen unserer toten Flieger, die auf Schallplatten festgehalten sind, ertönen.
in ckrei LälTSn
Den Tod auf der Straße fand gestern abend ein 72jähriger alter Herr beim Ueüerschrei- ten der Sögestraße, als er einem Radfahrer ausweichen wollte. Nachdem ihm dieses mit einiger Mühe gelungen war und er einige Schritte weiter gegangen war, erlitt der alte Herr einen Herzschlag und sank tot zu Boden.
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Riesenradieschen züchtete der Kleingärtner Müller auf seiner Parzelle am Stadtwerder. Verschiedene dieser Exemplare wogen über Pfund. Diese außerordentliche Größe hatte keinerlei Einfluß auf Geschmack und Festigkeit. Im Gegenteil wurde besonders die Schmackhaftigkeit gerühmt.
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Eins beträchtliche Schar Neugieriger hatte sich gestern vormittag in der Obern- straßo versammelt. Ein Radfahrer, der einer älteren Dame ausweichen wollte, kam dabei zu Fall. Zwecks Namenfeststellung begaben sich beide Parteien zum Polizeibeamten, gefolgt von einer immer stärker anschwellenden Zuschauermenge.
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Ein nicht alltägliches Tierschauspiel erlebten die Bürgerparkbesucher Sonntagvormittag am Hollersee. Plötzlich stießen drei noch nicht ausgewachsene graue Schwäne aus der Luft und versuchten bei der mehrköpfigen Schwanen- familie Anschluß zu suchen. Nach anfänglicher Duldung setzte sich dann das Elternpaar in Positur, um die drei Eindringlinge zu töten. Es gelang jedoch den drei, wahrscheinlich wilden Schwänen, noch rechtzeitig zu entkommen.
AnderKnochenhauerstraße kurz hinter der Ecke Sögestraße wurde ein neues Radio- Geschäft eingerichtet. Die Schaufensterdekoration fand in ihrer geschmackvollen Farbenzusammen- stellung beim Publikum größte Beachtung- »
Landau (enthalt für Stadtkinder. Die Kinder aus Achterberg treffen am 5. 10. um 13.13 Uhr in Bremen auf dem Hauptbahnhof ein. Die Kinder aus Rönnebeck treffen am 6. 10. mit dem Dampfer gegen 15 Uhr in Bremen an der Adolf-Hitlerbrücke ein. Die Eltern werden gebeten, die Kinder rechtzeitig abzuholen.
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Der Katapult-Flugpostdienst 1931, der gemeinsam mit der Deutschen Reichspost und der Deutschen Luft-Hansa von Bord der Schnelldampfer „Bremen" und „Europa" betrieben wird, findet im Oktober seinen diesjährigen Abschluß. Die letzten Flüge dieses Jahres finden auf den Rundreisen der Schnelldampfer „Bremen" und ..Europa" statt. Die letzten Katapult-Flugpost- ankünfte sind von Dampfer „Bremen" am 3. Oktober und von Dampfer „Europa" am 16. Oktober.
An Bord des Lloyd-Schnelldamp- fers „ Vremen ", der am 5. Oktober in Vre- merhaven erwartet wird, befindet sich der deutsche
Schaufliegen in Delhi, morgen einfach losfliegen, in einem durch von Delhi nach Berlin, ihn überraschen, einfach da sein in der Wohnung am Neuen Ufer, die sie nicht kannte. Die Vorstellung, ihn wiederzusehen, überwältigte sie. Die Phantasie zauberte ihr «in unbeschreibliches Glück vor die sehnsüchtigen Augen. Nicht denken, handeln!
„Ich habe eine Depesche erhalten", sagte sie etwas später zu den Herren des Aeroklubs, „Man braucht mich dringend in Berlin. Es tut mir von Herzen leid. Ich bin Ihnen unendlich dankbar für die große Liebenswürdigkeit, die man mir allenthalben entgegengebracht hat. aber die Nachrichten machen es mir unmöglich, auch nur eine Nacht länger zu bleiben."
Man fand herzliche Worte des Bedauerns über den unerwarteten Abbruch ihres Hiereins. Man gab ihr zu bedenken, daß gerade für die letzten Tage Festlichkeiten angesetzt waren, daß die führenden diplomatischen Kreise, um die ausländischen Flieger zu ehren, ein Diner angesetzt hatten, bei dem man sie als die einzige Frau am allerwenigsten vermissen mochte.
Lamilla. die Hände auf dem Rücken ineinander verschlungen, wie ein kleines Schulmädchen vor den Herren des Aeroklubs, blieb fest-
„Bitte, machen Sie kein Aufhebens davon."
Am nächsten Morgen gab man ihr doch noch das Ehrengeleit zum Flugfeld hinaus.
Michael, dachte sie, als die Maschine sich vom Boden hob und die letzten Abschiedsrunden flog, eigentlich brauchst du eine Pause, nicht wahr, alter Kerl? Aber wir müssen in vier Tagen in Bagdad sein. In Berlin — das verspreche ich dir — werde ich alles für dich tun, was du nur haben willst Sie flog mit verbissener Leidenschaft. Sie hätte sich sonst selber sagen müssen, daß hier Versprechungen nicht halfen und daß die Maschine zu wenig Pflege bekam: die Anstrengungen der indischen Flüge waren auch an ihrem Körper nicht spurlos vorübergegangen. Sie aß kaum, tankte gerade und nahm Oel und schlief so wenig wie möglich. Da die Wetterlage über dem Mittelländischen Meer überaus ungünstig war, entschloß sie
Flieger und Chefingenieur der Bremer Focke- Wulf-Werke Gerd Achgel is auf der Rückreise nach Deutschland.
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Dampfer „Leander" der Deutschen Dampfschiffahrtsgesellschaft Neptun,Bremen, unterwegs nach Spanien, sandte folgendes Telegramm: „Beobachteten heute 10 Uhr vormittags Flugzeugabsturz v. 8. 81 südlich von Folkestone, bargen Leichen und Trümmer zusammen mit herbeigerufenem Postdampfer „Diarritz", welcher Leichen in Folkestone landete." Nach Angabe der Lufthansa handelt es sich um kein deutsches Flugzeug.
Verloren wurde in der Zeit vom 17. 8. bis 22. 9. d. I. ein Etui, enthaltend eine Platinhalskette mit einem großen 0,60 Kt. und einem kleinen 0,02 Kt. Brillanten, zwei Plantinringe, davon einer mit einem großen 0,87 und einem kleinen 0,05 Kt. Brillanten besetzt. Für die Wiedererlangung hat der Verlierer eine hohe Belohnung ausgesetzt. Vor Ankauf wird gewarnt. Sachdienliche Angaben nehmen sämtliche Polizeiwachen und die Kriminalpolizei im Polizeihaus, Zimmer 109, entgegen.
Ein rücksichtsloser Radfahrer fuhr am 15. 9. 31, gegen 7.55 Uhr, Ecke Hörner- und Humboldtstraße ein Kind an, das zu Boden fiel. Nach Angabe des Zeugen soll das Kind verletzt worden sein. Da der Name des Kindes nicht bekannt ist, werden die Eltern des Kindes ersucht, ihre Anschrift der nächsten Polizeiwache oder dem Unfall-Dezernat, Polizeihaus, Zimmer 106, mitzuteilen.
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Ein schwerer Derkehrsunfitl! ereignete sich in den späten Abendstunden des 1. Oktober an der Ecke Steffensweg/Elisabethstraße zwischen zwei Personenkraftwagen. Ein den Steffens- wsg befahrender Personenkraftwagen fuhr auf der Straßenkreuzung einen, aus der Elisabethstraße kommenden Personenkraftwagen seitlich an und schleifte ihn einige Meter in den Steffensweg hinein. Als die Fahrzeuge frei kamen, überschlug sich der eine Wagen und blieb, mit den Rädern nach oben, liegen. Die Insassen des Wagens wurden herausgeschleudert und verletzt, 1 Personen, die zum Teil schwer verletzt sind, mußten dem Diakonissenhause zugeführt werden.
Beim Ueber schreiten der Fahrbahn, Kreuzung Dabben-Sielwall, wurde eine Fußgängerin von einem aus Richtung Steintor kommenden und ohne Zsichengabe in den Dobben einbiegenden Radfahrer angefahren und zu Fall gebracht. Die Fußgängerin erlitt Hüftverletzungen.
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Mit dem Kopf in die Windschutz- scheibegeriet ein Mann, der im Fahren einer Vlitzkarre angelernt wurde. Er erlitt Kopfverletzungen und mußte auf Anordnung des Arztes dem Willehadhaus zugeführt werden.
sich, dem Lauf des Tigris nachzufliegen und über Rußland, wo sie ein Hoch erwarten konnte, heimzukehren. Man riet ihr ab. Die Wetterlage im Norden sei keineswegs stabil, und bei dem Flug über das wilde Bergland von Kurdestan sei sie jedem Zufall preisgegeben.
Sie saß schon wieder in der Maschine, als der Leiter der Flugwetterwarte den letzten Versuch machte, sie von ihrem wilden Plan abzubringen. Sie lächelte freundlich, aber sie hörte nicht.
Bei diesem Flug über die grenzenlose Einsamkeit winterlicher Berge wurde sie von heftigen Böen geschaukelt, eiskalte Winde rissen sie oft in die schwarzen Schluchten hinunter, die von 1000 Meter hohen Felswänden flankiert waren. Sie mußte höhergehen, um wenigstens den schlimmsten Böen und den immer höher aufsteigenden Eipftln auszuweichen. Aber in 2000 Meter Höhe bezeugte Michael keine große Lust mehr für die unbekannte Endlosigkeit. Lamilla zog die Maschine, drückte, zog sie wieder, jedoch — Michael wollte nicht. Er benahm sich wie ein Pferd, das den Reiter nicht mehr tragen mag, wenn es müde ist. Sie versuchte es mit zärtlichen Schmeicheleien, aber Michaels Flügel schwankten. Irgend etwas am Motor schien in Unordnung zu sein.
Lamilla lauscht« aufgeregt dem Gesang der Maschine. Kai. O Kai! Sie überflog die Grate oft nur 10 oder 50 Meter über den drohenden unbarmherzigen Felstürmen, sie blickte in Abgründe, in denen der Tod auf sie lauerte. Sie mußte kurven und kreisen, um zwischen zwei Gipfeln durch- zukommen, deren Äeberfliegen Michael nicht gestattete. Immer häufiger wurde sie gezwungen, auf den Zufall zu vertrauen, etwa auf einen Aufwind, der sie über eine Wand trug und ihr sehr deutlich das Risiko präsentierte von einem heimtückischen Fallwind auf ein Schneefeld geschleudert zu werden.
Der Motor verlor gleichmäßig an Tourenzahl und ebenso gleichmäßig verlor Lamilla, ihm machtlos ausgeliefert, an Höhe. Irgendwann mußte der Augenblick kommen, Ler sie mit mathematischer Genauigkeit gegen eine Bergkuppe schleuderte, (Fortsetzung folgt.)