Ausgabe 
(3.10.1934) Nr. 273
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Nr. 273 / 4 . Vierteljahr

Mittwoch, 3. Oktober

Einzelpreis is Rps.

Wallfahrt „Volitik der gepanzerten Faust" und ihre Folgen

nach Tannenberg

Kranzspenden am Grabe des Feldmarschalls Hohenstein, 3. Oktober

Bereits in den frühen Morgenstunden hat am gestrigen Geburtstag des verewigten Reichsprä­sidenten, des Eeneralfeldmarschalls von Hinden- Lurg, ein ungeheurer Menischenstrom, fast so wie am Tage nach der feierlichen Beisetzung zum Tannenberg-Denkmal eingesetzt. Generalmajor von HindenLurg legte als erster am Grabe des toten Feldmarschalls gegen 7 Uhr morgens einen Kranz nieder. Unzählige Scharen harrten bis 8 Uhr vor dem noch verschlossenen Tannenberg- Denkmal. Um 8 Uhr zog die Ehrenwache aus: Zwei Posten vor dem Feldherrnturm,, zwei Posten vor der Gruft und zwei Posten vor dem Auhen- portal. Generalleutnant von Brauchitsch, der Wehrkreiskommandeur des Wehrkreises i, er­schien pünktlich um 11 Uhr und legte einen Kranz des Führers, des Reichswehrministers General­oberst von Vlomberg und der deutschen Wehr­macht nieder.

Aus allen Teilen Ostpreußens erschienen im Laufe des heutigen Vormittags Abordnungen, die Kränze aus den einzelnen Städten, von Ver- bänden usw. überbrachten. Um 12 Uhr traf Lan­deshauptmann Blunk ein, der im Namen des Oberpräsidenten Koch einen Kranz niederlegte, dessen Schleife den Aufdruck trug ..Dem Retter der Heimat namens der dankbaren Provinz Ostpreu- ßen". Oberbürgermeister Dr. Will legte einen Lorbeerkranz nieder, dessen Schleife die Farben der Stadt Königsberg und die Inschrift ..Unserem unvergeßlichen Ehrenbürger die Stadt Königs­berg" trug. Im Auftrage des preußischen Mi­nisterpräsidenten wird Vizepräsident Dr. Bethke einen Kranz niederlegen, der die Ausschickt trägt: „Das dankbare Land Preußen, der Minister­präsident".

Ein sauberer Kommerzienrat

Fünf Jahre, drei Monate Zuchthaus und zehn

Jahre Ehrverlust gegen Falk beantragt Berlin, 2. Oktober

In dem Prozeß wegen der Sachlieferungsschie- Lungen des Kommerzienrats Falk-Düsseldorf hielt der Vertreter der Reichsanwaltschaft am Dienstag die Anklagerede. Nach dreistündiger Begründung beantragte er, den Angeklagten Max Falk wegen fortgesetzter landesverräte- rifcher Untreue im Sinne von 8 2 Ziffer 3 StrEB. und Abgabe einer falschen eidesstattlichen Versicherung zu einer Gesamtstrafe von fünf Jahren und drei Monaten Zuchthaus und zehn Jahren Ehrverlust zu verurteilen.

Die soeben abgeschlossene Verhandlung, so stellte der Anklagevertreter fest. habe gezeigt, was für eine unendliche Gefahr für Volk, Wirtschaft und Staat darin liege, wenn Elemente von so tiefstehender geschäftlicher Moral wie Falk pch dazu hinreißen lassen, mit Hilfe von Ver­tretern ausländischer Staaten das deutsche Volk in noch größere Not zu bringen, als sie ihm durch den Ablauf der Dinge schon be­stimmt war.

Weiter sei das deutsche Ansehen hierdurch auf das schwerste geschädigt worden. Darüber hinaus müssen diese Handlungen aber auch als staats­feindlicher Akt schlimmster Art bezeichnet werden. Es handelt sich dabei um eine groß angelegte Sa- Lotage gegen die von der deutschen Regierung erlassenen Rettungs­maßnahmen für unsere Währung und damit -uqleich um einen Eingriff in den Kampf Deutsch- lmtds gegen seine Auslandstribute. Weiter sei fest­zustellen, daß nicht nur eine Einzelhandlung vor­liegt, sondern csfenbar sogar eins organisierte Ausplünderung des Sachlieserungsfonds durch Verlegung gefälschter Papiere beabsichtigt war. Diejenigen, die diesen verbrecherischen Schleichweg k^iruhten. ö-aben aus persönlicher Gewinnsucht und s^nöder Geldgier gehandelt und dem Grundsatz ..Gemeinnutz geht vor Eigennutz" ins Gesicht ge­schlagen. Bei so schweren Verstößen können mil­dernde Umstände keinLKwrgs zugebilligt werden.

Japans Flvttenfoi'öemngen

Tokio, 2. Oktober.

Bei den bevorstehenden Flottenverhandlungen, die am 17. Oktober beginnen, wird der japanische Abgeordnete, Admiral Pamamoto, im Auftrag der japanischen Regierung folgende Vorschläge unterbreiten:

1 Flotten-Neuriistungen dürfen nur zu Ver- teidigungs- und nicht zu Angrisfszwecken verwandt werden.

2. Die Flottenkonferenz muß spätestens im März 1S35 in London beginnen.

3. Die Konferenz soll einen Beschluß sagen, wonach sämtliche Einheiten der Flotte, die An- grifsszwecken dienen, entweder zerstört oder zah­lenmäßig vermindert werden.

4. Festsetzung der Flottenstärke außerhalb des Rahmens der Abkommen von Washington und London.

Hern» von Papens Besuch in Ungarn

Die französische presse macht sich unnötige Sorgen

8. >V. Berlin, 2. Oktober.

Der Besuch des Sonderbeauftragten des Füh­rers, Herrn von Papen, in der ungarischen Haupt­stadt hat in der französischen Presse ein geradezu erstaunliches Echo hervorgerufen, das in Berliner politischen Kreisen lebhaft besprochen wird. Man ist offenbar der Ansicht, daß diese allerdings un­erwartete Visite nicht ganz geheuer ist, als ob Jntrigen gesponnen würden, die Frankreichs Ab­sichten sehr gegen den Strich gehen könnten- Man bringt dieses diplomatische Ereignis in Zusam­menhang mit den Abbröckelungstenden- zen, die nunmehr — nach der Regierungskrise in Rumänien und nach dem jugoslawischen Königs­besuch in Sofia — auf sämtliche Länder der Klei­nen Entente mit Ausnahme der Tschechoslowakei übergegriffen haben.

Sehr interessant ist zu diesem Thema ein offen­bar von französischer Seite inspirierter Artikel, der

in einer bekannten schweizerischen Tageszeitung zu lesen ist. Der auf Herrn von Papen bezügliche Ab­satz lautet: „Ein wenig Befremden erregt es hier, daß Herr von Papen seinen Rückweg nach Wien, wo er angeblich in einigen Tagen eintreffen soll, über Budapest gewählt hat. Das Deutsche Reich ist in Ungarn durch den Gesandten von Mackensen, den Sohn des Feldmarschalls, vertreten und, wie man meinen möchte, ausreichend vertreten. Wenn nun Herr von Papen dort hochpolitische Gespräche führt, die auch mit Eömbös' Reise nach Warschau in Verbindung stehen sollen, so erscheint er wieder mehr als Hitler- Sonderbeauftragter denn als der regelrechte Gesandte des Reiches in Wien, als der er zugelassen worden ist.

Papens Arbeitsweise ist jedenfalls un­gewöhnlich, und das in dem Augenblick, wo man in Wien die Normalisierung und nichts als das

wünscht." Denn kurz vorher suchte das betreffende Blatt ohne erkennbaren Grund den Nachweis zu führen, daß bessere Beziehungen zwischen Prag und Wien eingetreten seien, ohne sonst näher auf die im Gange befindliche Umgruppierung auf dem Balkan und im Donauraum einzugehen.

Der Papen-Besuch scheint an der Seine und anderswo erhebliche Kopfschmerzen zu bereiten. Das ist eigenartig, wenn man bedenkt, daß noch vor einigen Wochen Herr Barthou auf hohem Pferde paradierte. Und doch sind die jüngsten Be­strebungen in Jugoslawien, Polen. Ungarn und nun auch Rumänien nichts anderes als eine Folge der rücksichtslosen „Politik der gepan­zerten Faust", die Frankreich selbst den ehe­mals treuesten Verbündeten gegenüber betrieben hat, anstatt wirklich dem Frieden und der Ver­ständigung zu dienen.

An die Kameraden der Arbeitsfront

Ausruf Dr. Ley's / Der «Seift in den Betrieben ist anders geworden

Berlin, 2. Oktober.

Der Führer der Deutschen Arbeitsfront, Dr. Ley, veröffentlicht einen Aufruf an die Männer und Frauen der Deutschen Arbeitsfront dem wir fol­gende Stellen entnehmen:

Mit dem heutigen Tage tritt jene Eemsin- schaftsorganisation in Kraft, die für alle Zeiten den Marxismus und Liberalismus aus den Be­trieben Deutschlands beseitigen soll Die nächsten Monate bis Ende des Jahres wollen wir nun benützen, um die Organisation einspielen zu lassen, dort, wo noch Fehler vorhanden sind, sie auszu­merzen und falls sie hier oder da noch unvoll­kommen sein sollte, sie zu ergänzen. Es ist ganz klar. daß bei einer so gewaltigen Umformung sich Mängel ergeben werden, und nur durch das Vertrauen zu den altbewährten Kämpfern der NSVO. und NS.-Hago konnte jene Zuversicht er­wachsen. diese gewaltigen Leistungen zu vollbrin­gen. An dieser Stelle möchte ich jenen Kämpfern in den Betrieben danken, die in jahrelangem Ringen den Nationalsozialismus zum Glaubens­bekenntnis von Millionen schaffender Menschen gemacht haben.

Wenn heute der weit überwiegende Teil der Arbeiterschaft treu zu unserem Führer Adolf Hitler und dem Nationalsozialismus steht, so seid Ihr, meine NSBO.-Kamsraden, und Ihr, Vor­kämpfer in der NS.-Hago, die Apostel gewesen. Ich werde dafür sorgen, daß auch Euch, die An­erkennung der Partei zuteil wird.

Und ein zweites erfüllt mich mit Stolz und Freude. Nicht nur der Arbeiter und Angestellte haben ihr Volk wiedergefunden und sind jetzt zu wahren Sozialisten geworden, sondern auch der Unternehmer hat in diesem Jahr des Aufbaues bewiesen, daß auch er teilhaben will an der Gemeinschaft und damit an der Nation.

Wer hätte es für möglich gehalten, daß Tau­sende und aber Tausende von Unternehmern aus freien Stücken erhöhten Urlaub gewährten, nicht nur die Urlaubszeit bezahlten, sondern auch den Urlaubsreifen der NS.-Gemeinschaft „Kraft- durch Freude" namhafte Beiträge zusteu­erten! Allein auf Anregung hin werden die Werke verschönert, hygienische Einrichtungen ge­baut, die Jugendarbeit unendlich gefördert! Mit einem Wort, wie es mir viele tausend Arbeiter immer wieder bestätigen: Der Geist in den Be­trieben ist ein anderer geworden!

Deshalb kann ich auf einige Anfragen, die Gott sei Dank nur vereinzelt an mich gelangen, fol­gendes antworten:

Wenn in früheren Verfügungen und Anord­nungen der Behörden oder Wirtschaftsführer von betriebsfremden Elementen gesprochen wnrde, so kann sich das nie und niemals aus die politischen Leiter der NSDAP., auf die Amtswalter der Ar­beitsfront oder Amtswarte der NS.-Gemeinschaft „Kraft durch Freude" beziehen. Die NSDAP. und ihre Gliederungen (NSBO., NS.-Hago, Arbeits­front und NS.-Gemeinschaft „Kraft durch Freude") sind Deutschland.

Der Führer sagt: „Die Partei befiehlt dem Staat!" So kann es sich bei ihren Organen, die als ehrliche Makler für die berechtigten Inter­essen aller Schaffenden auftreten wollen, niemals um betriebsfremde Elemente handeln.

Wir kommen nicht als Schnüffler und Spione, als die Vertreter von einzelnen Ständen und Schichte», sondern wir wollen allen helfen."

Wir wollen, daß das, was dem Arbeiter dient, auch dem Unternehmer diene. Und sollten auch Fehler vorhanden sein, so werden wir das nicht zum Anlaß nehmen, unnötige Kritik zu üben oder etwa die Gefolgschaft gegen den Führer des Be­triebes aufzuhetzen, sondern wir werden ver­nünftigerweise Mittel und Wege suchen, um sie mit beiden Teilen gemeinsam abzustellen. Wenn man jedoch den Führerstandpunkt, der in dem Ge­setz zur Ordnung der nationalen Arbeit verankert ist, in einen dünkelhaften Herrsch-srstandpnnkt ver­wandeln will und den Männern der Partei und ihrer Gliederungen die Eingriffe in Fehler und Schäden verweigern will, so soll jeder wissen, daß sich das neue Deutschland einen solchen Standpunkt ^einfach nicht mehr gefallen läßt-

So erwarte ich von allen, die die Ebre und das Glück haben, an der großen Aufgabe des Führers die Gemeinschaft des Volkes zu formen, mitarbei­ten zu dürfen, Einsicht und Vernunft, damit in einem weiteren Jahr aus der Deutschen Arbeits­front jene lebendige Organisation des Volkes wird, in der jeder Deutsche freudig und aus innerem Bedürfnis mitarbeitet und wetteifert im Dienst am Volk und an der Nation.

Ein Vemichtungsfelözug

»gegen die Bauern in Sowjctrußland

Moskau, 2. Oktober.

Durch das neue Dekret derSowjetregierung über eine Sondersteuer für die bäuerlichen Einzelwirt­schaften wird den Einzelbauern ein weiterer schwe­rer Schlag versetzt. In Durchführung der Beschlüsse des 17. Parteikongresses, die bis zum Ende des zweiten Fünfjahresplanes die vollständige Beendi­gung der Kollektivierung der Landwirtschaft vor­sehen, hat die Sowjetregierung bereits im Som­mer dieses Jahres mit einem verschärften wirt­schaftlichen Druck auf die Einzelbauern eingesetzt, indem einerseits die Eetreideabgabe für bestimmte Kategorien von bäuerlichen Einzelwirt­schaften außerordentlich stark erhöht wurde, wäh­rend andererseits die Steuervergünstigungen, die den Einzelbauern bei llcberschreitung der im Saat­plan festgesetzten Getreideanbaufläche eingeräumt waren, stark eingeschränkt wurden. Durch die neue Sondersteuer, deren Sätze außerordentlich hoch sind, wird die auf die Vernichtung der bäuerlichen Einzelwirtschaften gerichtete Agrarpolitik der Sowjetregierung konsequent fortgesetzt. Es ist an­zunehmen, daß mit diesem Steuergesetz der wirt­schaftliche Vernichtungsfeldzug gegen die bäuer­lichen Einzelwirtschaften, deren es noch etwa neun Millionen gibt. noch nicht abgeschlossen ist.

Eisenbahnunglück in Volen

Zwei Schnellzüge in dichtem Nebel aufeinandergefahren

Krakau, 2. Oktober. Die Schnellzüge Wien- Warschau und Edingen—Krakau sind heute mor­gen um 8 Uhr in der Station Krzeszowice in dich­tem Nebel auseinandergefahren. Nach den bis­herigen Feststellungen wurden zehn Personen ge­tötet und 2» schwer verletzt. Eine Untersuchungs- kommission hat sich an den Unfallort begeben.

Zu der Eisenbahnkatastrophe, die sich am Diens­tag früh in der Nähe von Krakau ereignet hat, werden folgende Einzelheiten bekannt: Gegen

8 Uhr früh hielt der Schnellzug Nr. 7 von Gdin- gen nach Lemberg vor der Station Krzeszowice, da das Einfahrtssignal geschlossen war. Um 8.12 Uhr fuhr auf den stehenden Zug in voller Fahrt der Wiener Schnellzug Nr. 107 in dichtem Nebel auf. Die beiden letzten Wagen des Schnellzuges Nr. 7 wurden zertrümmert. Aus den Trümmern wurden nach Eintreffen der ersten Hilfe die Verwundeten herausgezogen und mit einem Rettungszuge in die Krankenhäuser von Krakau gebracht. Die Zahl der Opfer ist im Augenblick nochnichtgenaubekannt; vor­läufig werden zehn Tote und etwa 30 Schwer­verwundete angegeben.

129 Angeklagte

in Kowno ohne Anklageschrift

Kowno, 2. Oktober.

Zeitungsmeldungen zufolge soll nunmehr der Prozeß gegen die 129 Angeklagten in der Ange­legenheit der verbotenen beiden memelländischen Parteien unter Führung von Neumann und Saß am 5. November vor dem Kriegsgericht in Kowno beginnen. Die Gerichtsverhandlung soll durch Rundfunk übertragen werden. Die Anklageschrift ist jedoch bis heute den Angeklagten noch nicht übereicht worden.

Der Ar-eitskampf in Amerika

Die Gewerkschaften fordern die 30 -Gtunden-Woche

Newyork, 2. Oktober.

Der Gewerkschaftsführer Ereen hat am Mon­tag auf der Tagung der Gewerkschaften in Sän Franzisko die Einführung der 30-Stunden-Woche verlangt. Von der Versammlung wurde diese For­derung mit großem Beifall begrüßt. Weiter er­klärte Ereen in seiner Ansprache noch, die Re­gierung Roosevelt habe gewiß viel für die Be­kämpfung der Erwerbslosigkeit ge­tan, immerhin sei sie noch nicht weit genug ge­gangen. Die Zahl der Arbeitslosen betrage auch heute noch immer 10 Millionen. Die großen Aus- stände der letzten Zeit seien nur auf die feind­selige Einstellung der Arbeitgeber zurückzuführen. Man habe versucht, den Arbeitern das Recht auf kollektive Verhandlungen mit den Arbeitgebern streitig zu machen, das ihnen durch die Nira- Eesetzgebung ausdrücklich zugebilligt sei.

Der von Roosevslt in seiner Rundfunkrede am Sonntag gemachte Vorschlag eines Waffenstill­standes zwischen Arbeitgebern und Arbeitnebmern hat in Eewerkschaftskreisen eine günstige Auf­nahme gehabt. Eine bindende Stellungnahme da­zu wird jedoch einstweilen abgelehnt. 2m übri­

gen hat die Rundfunkrede in den GHverk- schaftskreisen Beifall gefunden. Das 'geht aus einer Aeußerung Ereens hervor, der erklärte, es scheine, daß der Präsident dieselbe Sprache spreche wie die Arbeiterschaft.

Inzwischen hat auch der amerikanische Fabri- k anten-V e rb and sich mit dem angeregten Waffenstillstand befaßt. In einer öffentlichen Er­klärung wird der Präsident Roosevelt aufgefor­dert, den Waffenstillstand durch eine Proklamation von sich aus anzuordnen. Voraussetzung sei sllr die Fabrikanten, daß während sies Waffenstillstandes die gegenwärtigen Arbeitsbedingungen unverän­dert fortbestehen. Schließlich werden von den Fabrikanten die Gewerkschaften aufgefordert, den Vorschlag des Präsidenten zu unterstützen. Dazu liegt eine Gegenerklärung Ereens vor, der als Präsident des Eewerkschaftsverbandes die öffent­liche Erklärung des Arbeitgeberverbandes als Aus­flucht bezeichnete. Den Arbeitgebern sei zu empfeh­len, erst einmal öffentlich anzukündigen, daß sie ihrerseits nun endlich sich bereitfinden wollten, die Entscheidungen der eingesetzten Behörden auch zu befolgen.

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k. Nü. Bremen, 3. Oktober.

ÄöL Die neue Regierungskrise in

<7-., « Rumänien hat das Pariser -Utttresctt Außenministerium in helle Aufregung versetzt. Fast scheint es so, als würde man über die Demission des Minister­präsidenten Tatareseu am Quai d'Orsay die Nerven schneller als in Bukarest verlieren. Es ist nicht mehr und nicht weniger als der Bestand des Dreibundes zwischen der Tsche­choslowakei, Slldslawien und Rumänien, um den man bangt; denn mit dem rumänischen Außenminister Tituleseu ist der geistige Füh­rer der Kleinen Entente zurückgetreten. Sein Schritt hat für den westlichen Partner des französisch-rumänischen Freundschaftsvertra­ges eine noch größere politische Bedeutung als die Bukarester Gesamtdemission selbst: ein endgültiger Rückzug des auf alle Fein­heiten der französischen Außenpolitik ein­gespielten Revisionsgegners Tituleseu — die Wendung „Revision bedeutet Krieg" stammt von ihm — könnte Barthou, so meint man, um die besten Früchte seines Bukarester Besuchs bringen. Wenn auch, wie es die letzten Meldungen aus der rumänischen Hauptstadt besagen, die Regierungsneubil­dung wiederum nach den Richtlinien des Führers der (auf Frankreich schwörenden) Liberalen Partei Bratianu erfolgt, so weiß man doch an der Seine nur zu gut, daß sich den auf eine selbständige, deutschfreundliche Politik hinarbeitenden Kräften mit dem Ab­treten Titulescus von der diplomatischen Bühne neue Aktionsmöglichkeiten eröffnen würden. „Mitglieder einer einzigen Familie" hat Barthous rumänischer Kollege Frank­reichs südöstliche Vasallenstaaten einmal ge­nannt — wer sollte im Falle der Nichtwie- derkehr Titulescus die Familien - Zwistig- keiten weiterhin so geschickt und unauf­fällig beilegen? — Es wird nicht das letzte Mal sein, daß der französische Außenminister Barthou die Sicherheit seines Sicherheits­systems gefährdet sehen muß...

Das läciseL- Nach einer Meldung der

, „Times" ist damit zu rech- neu, daß sich in diesem Mo­nat die Mandatskommission des Völkerbundes über die Frage der japanischen Verwaltung des früheren deutschen Südseebesitzes schlüssig (oder nicht schlüssig) werden wird. Japans Austritt aus dem Genfer Bund wird be­kanntlich im März nächsten Jahres endgül­tige Tatsache. Zu diesem Zeitpunkt müßte, da im Mandatssystem nur Mitgliedsstaaten des Völkerbundes mitwirken können, auch der Südsee-Auftrag an Japan sein Ende fin­den. Das Mikado-Reich hat nun aber be­reits mit aller Bestimmtheit erklärt, daß es die Karolinen-, Marionen- und Palau-Inseln nicht zurückgeben werde, seine zeitlich be­grenzten Mandatsrechte also in ewig gültige Eigentumsrechte umwandeln will. Der Gedanke, man möge bei dieser günstigen Ge­legenheit die Rückgabe der in Frage kom­menden Südseekolonien an Deutschland for­dern, wird bei näherer Prüfung zurzeit den deutschen Gesamtinteressen nicht gerecht. Ganz abgesehen davon, daß das Reich seinem Fernbleiben vom politischen Geschehen im konfliktgesättigten Fernen Osten und Süd- osten nur Vorteile zu verdanken hat, kann ihm am allerwenigsten daran liegen, sich in Gegensatz zu Japan zu stellen. Der wirt­schaftliche und kulturelle Kampf in der Süd­see müßte für Deutschland schon deshalb ziemlich aussichtslos sein, weil die japanische Siedlung aus jenen Inseln bereits sehr weit vorgeschritten ist und sich auf eine recht gute Kolonialverwaltung stützen kann. Lbschon hier also für Deutschland kein Anreiz terri­torialer Art vorliegt, ist es doch an einer ge­rechten Lösung jener Mandatsfrage nicht völlig uninteressiert. Nach Artikel 256 des Versailler Vertrages hat nämlich das Reich als früherer Eigentümer der genannten SUd- seeinseln für den Fall der Veräußerung des Besitztums seitens des Völkerbundes ein Recht auf angemessene Entschädigung. Aus diesem Grunde sind wir immerhin berechtigt, die weiteren Ereignisse in der Südsee auf­merksam zu verfolgen...

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7?acEä'ki9e Der Präsident der Ver- -L einigten Staaten eröff- LE „ete in diesen Tagen

mit einer groß angelegten Rundfunkrede den amerikanischen Wahlkampf, dem angesichts der mit zur Beurteilung kommenden auto­ritären Staatsführung Roosevelts eine er­höhte Bedeutung zufällt. Noch steht das ganze amerikanische Volk unter dem Ein­druck der Massenstreiks, deren gefährliche wirtschaftliche und geistige Auswirkungen am wenigsten Präsident Roosevelt unter­schätzen dürfte, auch wenn nach seiner Mei­nung „die Wucht und die Ausdehnung der Erschütterungen viel weniger schwer als sonst" gewesen sind. Die Tatsache, daß üte Drahtzieher gerade der letzten Streiks und Unruhen in Moskau sitzen, gibt den zahl­reichen Gewaltakten der vergangenen

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