Ausgabe 
(2.10.1934) Nr. 272
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Nr. 272 / 4 . Vierteljahr

Hinöenburg-Gpenöe

Berlin, 1. Oktober.

Gemäß der von dem verewigten Herrn Reichs­präsidenten noch zu Lebzeiten getroffenen Ver­fügung hat seine Schöpfung, die Hindenburg- Spende, auch diesjährig zum 2. Oktober wiederum 428 000 Mark an notleidende Kriegsbeschädigte, Krisgshinterbliebene und Veteranen ausgezahlt. 2838 Personen wurden mit durchweg je ISO RM- bedacht, um ihnen den bevorstehenden Winter leichter ertragen zu helfen.

Das Königöti'effen in Sofia

Sofia, 1. Oktober

Ueber die anläßlich des südslawischen Königs­besuches zwischen den bulgarischen und südslawi­schen Ministern geführten Verhandlungen wird folgender amtlicher Bericht ausgegeben: Die von dem bulgarischen Ministerpräsidenten Eeorgieff dem südslawischen Außenminister Jeftitsch und dem bulgarischen Außenminister Batolosf gele­gentlich einer Audienz bei König Alexander und König Boris gepflogenen Besprechungen, in denen alle Fragen einer gemeinsamen Zusammenarbeit berührt wurden, haben in einem Geiste aufrichtigen Vertrauens stattgefunden. Die Minister haben mit besonderer Genugtuung festgestellt, daß der kürzlich abgeschlossene Han­delsvertrag und das Veterinärabkom­me n'ausgezeichnete Ergebnisse gehabt haben und zu der Hoffnung berechtigen, daß noch engere wirtschaftliche Beziehungen zwischen Südslawien und Bulgarien hergestellt werden würden. Um diese wirtschaftlichen Beziehungen "weiter zu ent­wickeln und zu festigen, sind die Minister dahin übereingekommen, in kürzester Zeit neue Durch- gangs stell en an der Grenze, und zwar eine im Norden und zwei im Süden der Linie Zaribrod—Dragoman zu eröffnen. Infolgedessen verpflichten sich beide Teile, alle notwendigen Maßnahmen zu ergreifen, um, jeder auf seinem Gebiet, die hierfür benötigten Eisenbahnlinien in gutem Zustande zu erhalten.

Die drei Minister haben beschlossen, die bereits bestehenden Erleichterungen im Paß­wesen weiter zu entwickeln, um die Verbindun­gen und Beziehungen zwischen den bulgarischen und südslawischen Völkern zu verbessern, die wie­derum zu einer Stärkung der freundschaftlichen und herzlichen Bande führen werden. In der gleichen Absicht haben die Minister beschlossen, ohne Verzug die Frage der Vereinheitlichung der bulgarischen und südslawischen Eisenbahnlinien im Norden und Süden der Linie Zaribrod—Dragoman in finan­zieller und technischer Hinsicht zu prüfen.

Die Minister haben schließlich darauf hingewie­sen, daß es unerläßlich ist, besondere Sorgfalt auf die Festigung der kulturellen Bande zwischen den Leiden Völkern zu verwenden, die einander so nahestehen und die seit einem Jahr un­aufhörlich ihre Gefühle der Brüderlichkeit und Ein­deutigkeit bekundet haben.

Katalanische Regierung gegen Zentralregierung. Aus Madrid wird gemeldet: Die katalanische Regierung hat sich geweigert, den von der Zen­tralregierung zur Aufdeckung des Waffenschmug- gels für das ganze Land eingesetzten Sonderrich- ter Untersuchungen auf katalanischem Gebiet durchführen zu lassen.

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Dienstag, 2. Oktober

Greifen die Memelgaranten ein?

Der Nechtsbruch Litauens ruft Frankreich, England und Italien aus den VIan

(Vrubtberivbt unserer Lerliner LekriktleitunA)

8. "lV. Berlin, 1. Oktober

Man hört, daß die Garanten des Me- melstatuts — also England, Frankreich, Ita­lien und vielleicht auch Japan — im litauischen Außenministerium vorstellig geworden sind, um mitzuteilen, daß sie mit größter Be­sorgnis die litauischen Maßnahmen im Memel- gobiet beobachtet hätten und daß die Vermutung aufgetaucht wäre, daß die Unverletzlichkeit der bestehenden Verträge nicht immer gewahrt worden sei. Man habe einen juristischen Ausschuß ein­gesetzt, der sich mit der kürzlich eingereichten Memelbeschwerde befassen würde; und man würde — falls sich Beanstandungen ergeben sollten — energische Schritte unternehmen, um den ver­traglichen Zustand wieder herzustellen.

Litauen hat sich zu diesen ziemlich unverblüm­ten Vorstellungen noch nicht geäußert. Wie man ferner hört, ist aber der sogenannte Gouverneur des Memellandes, Dr. Novakas, zur Bericht­erstattung nach Kowno gerufen worden. Es han­delt sich nicht nur um die rigorose, völlig unhalt­

bare und zweifellos das Merkmal des Vertrags­bruchs tragende Kündigung aller deutschen Be­amten, nicht nur um die Absetzung des Memeler Oberbürgermeisters und um die Diffamierung aller deutschstämmigen Memeler Bürger, sondern auch um die Entrechtung des Landtags, um die Absetzung des deutschstämmigen Direk­toriums und die Einsetzung des großlitauischen Gouverneurs, der nicht das Vertrauen des Lan­des hinter sich hat, und um zahlreiche weitere Verletzungen des Statuts.

Die Frage, die hier auftaucht, weist nun aller­dings in eine andere Richtung. Haben wir wirk­lich Grund zu der Annahme, daß die Signatar­mächte sich endlich auf ihre völkerrechtlichen Pflich­ten besinnen werden? Wird man Litauen endlich zur Ordnung rufen? Wird man mit dem Rechts­bruch endgültig aufräumen? Wird man dafür sorgen, daß die ungeheuerlichen Zustände ein Ende nehmen?

Es hatte bisher nicht den Anschein, als ob die Garanten des Memelstatuts sehr viel Wert dar­auf gelegt hätten, daß das bestehende Recht auch

als solches respektiert würde. Man glaubte viel­mehr, Anlaß zu der Auffassung zu haben, als ob man am Beispiel der Memelsrage Deutschland dokumentieren wollte, daß der Austritt aus dem Völkerbund auch seine unangenehmen Seiten habe. Man schien mit der eigenen Passivität in dieser Angelegenheit einen Druck auf die deutsche Regierung ausüben zu wollen, wieder nach Genf zurückzukehren. Es wäre aber auch möglich, daß gegenüber der polnischen Min- derheitenerklärung, die man ja in Genf als mit den Verträgen in Widerspruch stehend abgelehnt hat, hier einmal ein Schritt zur Aufrechterhaltung des Rechts getan werden soll.

Vielleicht aber ist auch die Sorge aufgetaucht, daß eines Tages Polen — das ja Litauen gegen­über ausdrücklich alle Bindungen abgelehnt hat — oder Deutschland Anlaß nehmen könnten, auch von sich aus die Vertragsfesseln abzuschütteln.

Sei es, wie es sei: Der Schritt der Mächte er­weckt Hoffnungen. Man darf wohl annehmen, daß die Garanten nicht ihr Prestige aufs Spiel setzen wollen. Kowno wird jedenfalls sehr un­angenehm überrascht sein.

Roosevelis Aufbauprogramm

Eine Rundfunkrede des VräfSdenten der Vereinigten Staaten

Washington, 1. Oktober.

In einer Rundfunkrede bemühte sich Roosevelt, die Wirtschaft darüber zu beruhigen, daß er nicht den llnternehmerstnn abschaffen und den Staats­kapitalismus einführen wolle. Er habe einge­griffen und die meisten Banken, die vor dem Zusammenbruch standen, gerettet, sowie darüber hinaus den Gläubigern und den Schuldnern ge­holfen. Als zweiten Schritt habe er die unge­sunden Verhältnisse am Kapital­markt gründlich gebessert und der wilden Bör­senspekulation einen Riegel vorgeschoben. Der nächste Schritt sei gewesen, der Privatwirtschaft auf dem Wege zur Erholung zu helfen.

Unter der Leitung des Nira-Systems wurde die Kinderarbeit abgeschafft, die Arbeits­zeit verkürzt, wurden Mindestlöhne eingeführt und andere Löhne den steigenden Lebenshaltungs­kosten angeglichen. Vier Millionen Arbeitslose wurden neu eingestellt, und die Arbeitgeber er­freuen sich nach einer Zeit der Geschäftsverluste seit einem Jahre, seit Nira-Beginn, eines sich ständig hebenden Gewinn-Niveaus. Natürlich könne man nicht erwarten, daß in diesem einen Jahr nun alle Arbeiter und Arbeitnehmer voll­kommen befriedigt worden seien. Das könne auch die Regierung allein nicht zustande bringen. Er rechne vielmehr auf die Kräfte, die in der über­lieferten amerikanischen Privatinitiative und in dem Anreiz angemessenen privaten Gewinnes

stecken als wesentliche Hilfsmittel in diesem Kampf.

Der Präsident kündigte alsdann.an, daß die . Verpflichtungen, die laut Nira-Gesetz Ende Juni 1038 aufhören, durch den nächsten Vundeskongreß zu dauernder Einrichtung erhoben werden sollen. Bis zum Januar 1933 werde er die notwendigen Gesetzentwürfe ausarbeiten und dabei diejenigen Punkte ausscheiden, die sich als falsch oder un­praktisch erwiesen haben.

Roosevelt erklärte, wenn auch einige größere Streiks vorgekommen seien, so müsse doch an­erkannt werden, daß die Wucht und die Ausdeh­nung der Erschütterungen viel weniger schwer gewesen seien als früher. Arbeitgeber wie Ar­beitnehmer hätten beide Schuld, wenn sie die Schlichtungsbehörde nicht voll in Anspruch nähmen und stattdessen durch Streiks Verluste er­litten. Er, Roosevelt, werde im Laufe des Ok­tober mit kleinen Gruppen von Vertretern der beiden Seiten verhandeln und sich bemühen, einen Waffenstillstand zu vereinbaren. Wäh­renddessen würden Paragraph 7 und die Schlich­tungsbehörde auf ihre Durchführbarkeit aus­probiert werden.

Dann bchandelte Roosevelt mit besonderer Wärme die Frage der öffentlichen Ar- Leitsbeschaffung. Er rief aus: Kein Land kann sich die Verschwendung menschlicher

Arbeitskraft leisten. Ich stehe oder falle mit meiner Weigerung, eine dauernde Armee von Arbeitslosen als notwendigen Zustand für unsere Zukunft anzunehmen. Wir mjisfen im Gegenteil unsere Wirtschaft so planen, daß wir mit der Arbeitslosigkeit so bald wie möglich aufräumen und die Wiederkehr dieses Zustandes verhindern. Die Leute, die vor dem Sturm Unterschlupf ge­funden haben, kommen jetzt heraus und vergessen, daß es überhaupt stürmisch gewesen ist. S'e zeigen auf England und behaupten, daß England durch die Politik des Nichtstuns aus der Krise herausgekommen sei. Hat England die Dinge einfach treiben lassen? Ist England beim Gold­standard geblieben, als die Reserven in Gefahr waren? Ist England heute zum Goldstandard zurückgekehrt? Nein! England geht seit 1809 in den Fragen der sozialen Fürsorge viel weiter als Amerika. Und da werfen uns manche Leute vor, daß wir die Verfassung verletzen. Das ist re­aktionäres Gerede von Juristen und Po­litikern, die in der Verfassung eine Schranke gegen den Fortschritt anstatt eine breite Bahn zu wahrem Fortschritt sehen.

Präsident Roosevelt schloß mit der Versicherung, daß die Zeit aufgehört habe, in der eine kleine Schar Bevorzugter das ganze amerikanische Volk allmählich immer mehr zu ihren Handlangern Herabdrücken konnte.

vas nsus Institut im Aul- un«I Ausbau

Bremens ehemalige Kunstgewerbeschule Am Wandrahm ist die Stätte des Geistes der neuen Zeit geworden, der sich Gestalt schaffen will und soll in der bildenden Kunst. Viel zu selten ist im Verlaufe des Sommers gerade in Bremen von der Nordischen Kunsthochschule gesprochen worden, von dieser neuen staatlichen Einrichtung der Freien Hansestadt Bremen, die ihre Ent­stehung der organisatorischen Tatkraft des Kultus­senators Dr. von Hoff verdankt und mit einer erhebenden Feier im Festsaal des alten Rat­hauses am 9. April d. I. eröffnet wurde. Doch während sich der Ruf dieses neuen Bremischen Hochschul-Jnstituts in allen Gauen des Vater­landes mehr und mehr Geltung verschaffte, wäh­rend auch im Auslande, in der Schweiz, Italien und Dänemark, begabte junge Künstler sich um Aufnahme als Studierende in dieser Hochschule bemühten, während im Verlaufe des ersten Arbeitshalbjahres, des ersten Semesters, eine Aufbauarbeit geleistet worden ist, von der man sich als Außenstehender in der Tat kaum ein an­nähernd gegenständliches Bild machen kann, wenn man nicht einmal durch die Lehrsäle und Atelierräume der Hochschule ging und sich von dem Leiter der Hochschule, Professor Dr. h. c. Fritz Mackensen, oder von dem Leiter der der Kunsthochschule zugeordneten Höheren Fach­schule für Handwerk, Professor Eroß, führen und unterrichten lassen durfte über den neuen Geist des Hauses, sind in Bremen die Meinungen über die Nordische Kunsthochschule noch sehr wenig zutreffend. Und doch ist dieses Institut eme Gründung, die unserer Vaterstadt zum Ansehen und zur Ehre gereicht.

„Dank der Unterstützung von Senator Dr. von Hoff- — so sagte Professor Mackensen, der Be­gründer der Künstlerkolonie Worpswede, unserem Mitarbeiter — „habe ich hier, in der Nordischen Kunsthochschule, in wenigen Wochen einen Traum,

ein Ideal meines Lebens, verwirklichen können, dem ich schon während meiner Lehrtätigkeit und Erziehungsarbeit in Weimar unter Einsatz aller meiner besten Kräfte zehn Jahre nachgegangen bin . . . vergebens nachging." Die Nordische Kunsthochschule soll schöpfend aus dem Urgrund deutsch-nordischen Volkstums, mitarbeiten am Aufbau arteigener Kultur und aus Blut und Boden heraus zu dem Erlebnis führen, daß die tiefste Wahrheit der sichtbaren Natur zugleich das tiefste Geheimnis der Kunst birgt. Das Kernziel der Nordischen Kunsthochschule ist die „Erziehung zum sichtbaren Wunder des Lebens". „Was nicht erlebt und durchlebt ist, gehört nicht in das Gebiet der Kunst." Wie die Meister der großen Epochen deutscher Kunstgeschichte zuerst Handwerker waren, wie — um ein hervorragen­des Beispiel anzuführen — Albrecht Dürer aus dem Handwerk hervorgegangen ist, — wie so durch das Beispiel erwiesen ist, daß Kunst und Handwerk einander nicht wesensfremd sind, so hat Professor Mackensen in seiner Kunsthochschule die Scheidewand niedergerigen, die man zwischen den freien und den angewandten Künsten auf­gerichtet hatte. Er hat damit ein Beispiel gegeben und der Nordischen Kunsthochschule Bremen einen bisher einzigartigen Charakter aufgeprägt. Und die große praktische Bedeutung der Nordischen Kunsthochschule besteht nun darin, daß der. Wille zu jener „Erziehung zum sichtbaren Wunder" das Handwerk auch tatsächlich befruchtet. Der or­ganische Aufbau der Hochschule bringt unmittel­bar neuen Geist und neues Leben in das Hand­werk. Für wirkliche Werkarbeit stehen außer den Werkstätten der Hochschule die Werkstätten der gewerblichen Schulen an der Weserbahn zur Verfügung: Werkstätten, in denen gearbeitet

wird wie' in jeder Werkstatt, sie sind nicht ver­dorben durch eine Pseudokunst. Die Höhere Fach­schule für das Handwerk untersteht der Ober­

leitung von Professor Groß, einem Meisterschüler Mackensens von Weimar her. Diese Organisation gewährt enge Zusammenarbeit und Zusammen­gehörigkeit von Nordischer Kunsthochschule und Höherer Fachschule für das Handwerk. Wie man bisher miteinander arbeiten konnte am Aufbau dieses Instituts, so wird man auch künftighin Hand in Hand arbeiten können an seinem Ausbau.

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Nächst Professor Groß hat Mackensen bekanntlich den aus Bremen stammenden Bildhauer Ernst Gorsemann, den Schöpfer des Rehbrunnens in der Blumenschule, in das Lehrkollegium der Nordischen Kunsthochschule berufen. Mit dem be­ginnenden Semester tritt Gorsemann sein Lehr­amt an: Er leitet die Abteilung für Keramik, Bronze, Holz- und Steinplastik. Einen Lehr: auftrag hatte ferner Ernst Müller-Schees- s e l, den wir in Bremen als einen der mit Niedersachsen und niedersächsischen Wesen am engsten verbundenen Maler kennen und schätzen. Die Abteilung Architektur ist einem der größten und berühmtesten deutschen Architekten anvertraut worden: dem Erbauer des Chile-Hauses in Ham­burg, Fritz Hoeger. Er unternimmt demnächst im Auftrage der Nordischen Gesellschaft eine Vortragsreise durch Skandinavien, auf der er in erster Linie für die Nordische Kunsthochschule werben wird. Die Abteilung für Graphik wird der Hambuger Graphiker O. Anton über­nehmen. Die Fächer für Farbentechnik, für die Technik der Tafelbildmalerei und für Porträt­kunst sind Professor Larl Horn als Lehrgebiet angeboten worden. Mackensen bezeichnet ihn als den besten Porträtisten unserer Zeit. (Professor Horn ist der Schwiegervater des Reichsministers und Stellvertreters des Führers, Rudolf Hetz). Dem Charakter des deutschen Hochschulwesens entsprechend, herrscht an der Nordischen Kunst­hochschule natürlich Lehrfreiheit. Die einzelnen Meister haben in ihrem Lehrgebiet völlige Frei­heit, selbstverständlich in Uebereinstimmung mit dem Grundideal der Hochschule, wie es oben ge­kennzeichnet wurde.'

Ganz falschen Vorstellungen kann man in Bre­men begegnen über die Studentenschaft der Hoch­schule. Zum ersten Semester haben bereits viel mehr Anmeldungen vorgelegen, als man wohl geglaubt hat. Bei der überaus scharfen Sichtung des „Schlllermaterials", wenn man mal so sagen darf, werden hohe Maßstäbe angelegt und Vor­aussetzungen gestellt, die nur ein Bruchteil der

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ll. K. B re m e n, 2. Oktober 1934.

Wir können durchaus verstehen, wenn der Ausländer neugierig fragt, was denn nun eigentlich die ungeheuren Menschenmassen zu den nationalen Kundgebungen, bei denen der Führer spricht, anlockt. Ist es Sensa­tionsbedürfnis, ist es lediglich Freude am Geselligen oder steckt ein gewisser moralischer Druck dahinter? Diese Frage wird derjenige einwandfrei beantworten können, der mit offenen Augen die verschiedensten Kund­gebungen dieser Art besucht hat. Man kann die Antwort auf eine sehr einfache Formel bringen: Es ist der Gemeinschaftsgeist, der feine höchste Entfaltung darin sieht, einmal für wenige Stunden Volk und Führer ver­einigt zu sehen. Um den Führer dreht sich alles. Alle Umwelt versinkt für den Teil­nehmer der Kundgebung in dem Augenblick, da der Führer erscheint. Eine solche Kund­gebung, und wenn sie noch so groß auf­gezogen wäre und wenn noch so bedeutende Männer der Bewegung sprechen würden, wäre in ihrer Bedeutung herabgemindert, wenn nicht der Führer anwesend ist. Wenn wir dies aussprechen, treiben wir bestimmt keinen Personenkult mit dem Führer, son­dern berichten einfach eine nackte Tatsache. Den Führer einmal im Leben zu sehen, ist für den deutschen Volksgenossen die glück­lichste Stunde und die Erfüllung einer heißen Sehnsucht. Wir glauben deshalb, daß es in der Welt kein zweites Oberhaupt eines Volkes gibt, das so vergöttert wird wie unser Führer.

Jene siebenhunderttausend Menschen, die am Sonntag zum Bückeberg bei Hameln gepilgert sind, hatten in erster Linie das Bedürfnis, den Führer persönlich zu sehen und zu hören. Sie haben um dieses Zieles willen^jede Unbequemlichkeit gern aus sich genommen — und Unbequemlichkeiten gibt es wirklich genug —, sie haben jedes Opfer willig getragen. Wer jene Siebenhunüert- tausend beobachtet hat, wie sie auf dem wei­ten Platz Kopf an Kops in fürchterlicher Enge zusammengedrängt waren, um den Führer zu sehen, wird innerlich ergriffen gewesen sein von dieser ungeheuren Liebe, die da unten aus der Masse dem Führer entgegenschlug. Und wer weiter beobachtet hat, wie die Be­völkerung der Dörfer an den Anfahrts­straßen zum Bückeberg bemüht gewesen war, mit allen erdenklichen Mitteln dem Führer Ehrfurcht und Liebe zu erweisen und sicht­bar zum Ausdruck zu bringen, wird die sichere Empfindung gehabt haben, daß dies alles aus freiem Willen und mit ehrlichstem Herzen geschehen ist.

So war denn auch diesmal die Bückeber- ger Kundgebung ein Erlebnis, aus das man stolz sein kann, dabeigewesen zu sein. Die Rede des Führers und diejenige des Reichs­ernährungsministers Darre werden manchem Kritiker, der sich heute noch unter der Bauernschaft befindet, die Augen geöffnet haben. Es ist durchaus notwendig gewesen, auch der Landwirtschaft einmal offen und ehrlich zu sagen, was sie der nationalsozia­listischen Führung heute schon alles verdankt. Wir wissen, daß der Führer und die Män-

angemeldeten Schüler erfüllt. Außerdem erfolgt die Aufnahme nur probeweise, und zwar zunächst für ein halbes Jahr. Solche Auslese entspricht unseres Wissens voll und ganz den kulturpoliti­schen Richtlinien des Führers, denn unsere deut­schen Hochschulen, die dem Staate viel Geld kosten, sind nicht dazu da, die Mittelmäßigkeit heran- und großzuzüchten. Zudem besteht ja das Glück der Kunst und des künstlerischen Schaffens unter Meisteraufsicht darin, künstleri­sches Wollen zur Tat zu steigern. Künstlerische Tat ist die Steigerung der persönlichen Leistung zur Höchstleistung. Hier weiß sich der national­sozialistische Gedanke eins mit der Gedankenwelt Nietzsches, der als ein scharfsichtiger Kunstpsycho­loge zuerst auf diesen Zusammenhang zwischen Kunst und Willen zur Erfüllung der Persönlich­keit hingewiesen hat. Bei solcher Schüler-Auslese wurden von den zahlreichen Bewerbern, die sich zum ersten Semester angemeldet hatten, nur 27 als Studierende aufgenommen. Sie kamen aus der Provinz Hannover, aus Schleswig-Holstein, Mecklenburg, Pommern, aus dem Rheinland, aus Anhalt, aus der Schweiz, aus Deutsch-Böhmen und Italien (Genua). Die Zahl der Studieren­den wird im bevorstehenden zweiten Semester, das am 13. Oktober beginnt, erheblich größer sein. Zu den Studierenden des ersten Semesters sind aus der Fülle der vorliegenden Neuanmel- dungen bisher 13 weitere Studierende aufge­nommen worden: darunter,Bewerber aus Ost­preußen (Tilsit), Siebenbürgen und Dänemark. Anfragen über Aufnahmemöglichkeiten deutsch­stämmiger französischer Staatsangehöriger liegen aus dem französischen Konsulat in Berlin vor.

Das Ideal der Nordischen Kunsthochschule — das ergibt sich eindeutig aus den gegebenen Daten — gewinnt an Wirkungsbereich. Die Verwirk­lichung der Erziehungsideale darf man den namhaften Meistern und Künstlern überlassen die der Leiter der Hochschule zu seinen Mit­arbeitern berufen hat.

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