Ausgabe 
(28.10.1934) Nr. 298
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Nr. 2y8 / 4 . Vierteljahr

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Sonntag, 28 . Oktober

Einzelpreis 12 Rps.

Seme stand dem standwerk!"

der lag der acht Millionen

n. In der Stadt Heinrichs des Löwen, in Braunschweig, versammelt sich am heu­tigen Sonntag das deutsche Handwerk, um in einer machtvollen Kundgebung seine Ein­heit und Geschlossenheit zu demonstrieren. Und der „Tag des Handwerks" wird einen weiteren Beweis dasür erbringen, daß die nationalsozialistische Revolution keine un­vollständige war, denn nach 14jähriger Zer­rissenheit ist das deutsche Volk mit dem so traditionsreichen Handwerkerstand wieder zu neuer Gemeinschaft verbunden worden und der handwerkliche Mittelstand nimmt in unserem Volksganzen wieder eine Stellung ein, die ihn mit dem Bauerntum und der Einheitsfront der Arbeiter der Stirn und der Faust zusammen zu einer der tragenden Säulen, des nationalsozialisti­schen Staates gemacht hat.

Ueber 8 Millionen Menschen gehören dem Reichsstand der Handwerker an und heute werden sich in Braunschweig eineinhalb Mil­lionen deutsche Handwerksmeister und son­stige Angehörige dieses Berufsstandes ver­sammeln, um sich dem Reichshandwerks­meister zu verpflichten und Rechenschaft über das vergangene Jahr abzulegen.

Glanzvolle Zeiten deutscher Geschichte sind auch imstrer gute Zeiten für das deutsche Handwerk gewesen, Zeiten des Niedergan­ges wirkten sich aber auf diesen. Stand in gleichem Maße aus. Gerade in den letzten drei Jahrzehnten hatte man die Bedeutung und die Größe des an Traditionen so reichen und an ihnen festhaltenden deutschen Hand­

werkerstandes bei weitem nicht erkannt. Die Auffassungen des liberalistisch-marxistischen Zeitalters über die Begriffe Staat, Gesell­schaft und Wirtschaft, die Zeit des über Leichen gehenden Strebens nach Gewinn, ließ sich nicht mit der Grundeinstellung des Handwerks in Einklang bringen und so war jede Basis zur Entfaltung der Kräfte ge­nommen. Das Wohl des einzelnen, aber nicht des Volkes stand im Vordergrund.

Die Zeit des schrankenlosen Wettbewerbs und somit des Niederganges des deutschen Mittelstandes wurde durch die Machtüber­nahme durch den Nationalsozialismus besei­tigt und an die Stelle der Auffassung, daß der Beruf nur Mittel zur Selbstbehauptung im freien Wettbewerb aller sei und das eigene Ich in den Vordergrund stände, trat nach dem historischen 30. Januar nunmehr der Grundsatz, daß nicht der einzelne und sein Schicksal, sondern das Wohl des ganzen Volkes maßgebend ist.

Der nationalsozialistische Staat hatte so­fort die Bedeutung des deutschen Handwer­kerstandes erkannt und ging unverzüglich an die Aufbauarbeit. Mit der „Ersten Verord­nung über den vorläufigen Aufbau" wurden die Fundamente des zu errichtenden Neu­baues gelegt und die Grundpfeiler, die dem Handwerk einst zu seiner Blütezeit verholfen haben, wurden wieder gesetzt: Der Führer­gedanke und die Pflichtorganisation erlebten ihre Auferstehung. Pflege des Gemeinschafts­geistes und Wahrung der Standesehre — es

wurde die handwerkliche Ehrengerichtsbar- keit geschaffen — stellen heute die moralische Grundlage des Handwerks dar.

Außer dieser rein organisatorischen Neu­gliederung hat die nationalsozialistische Re­gierung aber auch eine Reihe sehr wichtiger Maßnahmen getroffen, die dem Handwerk zugute gekommen sind. So wurde u. a. ein Verbot zur Errichtung von neuen Emzel- handelsgeschäften erlassen, der Schwarz­arbeit wurde der Kampf angesagt usw. Die wichtigste Maßnahme zur För­derung des Handwerks ist jedoch im Rahmen des Arbeitsbeschaffungspro­gramms der Reichsregierung enthalten. Die Regierung hat ungeheure Summen für die Instandsetzung von Häusern und Wohnungen, für den Bau von Eigenheimen und für die vorstädtische Kleinsiedlung bereitgestellt. Da­durch sind dem Handwerk große Aufträge zugeflossen, so daß sogar noch für einen Teil des Winters Arbeit in ausreichendem Maße vorhanden ist.So hat die nationalsozialistische Regierung in ihrer erst 154jährigen Amts­zeit alles getan, was in ihren Kräften stand, um die Belange des Handwerks-tzu fördern und zu unterstützen.

Die Hebung des deutschen Handwerks- .standes stellt einen kleinen Bruchteil in dem großen Wiederaufbauprogramm unseres Vaterlandes dar. Dieses große Werk kann aber nur gelingen, wenn jeder einzelne seine ganze Kraft einsetzt und bei seinen Forde­rungen einzig und allein das Wohl des Volkes im Auge hat.

Niedersächsische stanüweckskultur

Ver Maler krnsl Müller-Scheeßel weist neue Wege

Das stille, liebe, ein wenig abseits vom großen Verkehr gelegene Scheeßel hat einen Sommer reicher fruchtbarer Arbeit hinter sich. Im Juli ist das Scheeßeler Heimathaus seiner alten Be­stimmung zurückgegeben worden. Man erinnert sich, daß der Scheeßeler Heimatverein hier ein Niedersachsenhaus als Freilichtmuseum eingerich­tet hatte, daß es während des Krieges und der Kriegsnöte beschlagnahmt worden war, um Woh­nungen herzugeben. Nach mehr als einem Jahr­zehnt ist es wieder frei und wieder das alt« Nie­dersachsenhaus geworden. Von womöglich noch unmittelbarer und lebensnaherer Bedeutung ist aber eine Ausstellung geworden, über welche zwar die Zeitungen berichtet haben, die indessen in ihrem Grundgedanken erst noch zur Auswirkung kommen soll und muß. Denn diese Ausstellung in Scheeßel ist, wie die uns jetzt vorgelegte Ab­rechnung zeigt, ein Beispiel,, das Nacheiferung weckt und verdient. *

Wie können wir Künstler, wir Männer der „freien" Künste in Rie­de rsa chsen, dem niedersächsischen Handwerk helfen?

Das war die Frage, die der in Bremen lebende Maler Ernst Müller-Scheeßel eines Tages einigen seiner Freunde vorlegte. Mit der Einsicht, daß wir werben müssen für gutes, gediegenes hand­werkliches Können, ist es nicht getan. Genau be­sehen, hat ja das herrliche Handwerk immer noch den sprichwörtlich „goldenen Boden", solange es den Zusammenhang mit dem Boden hat, dem es entwuchs. Erst in dem Augenblick, da man be­gann, die aus der Zweckmäßigkeit und den ört­lichen Bedürfnissen gewordenen, schlichten und einfachen Formen sozusagen „am laufenden Band" und industriell herzustellen, erst in dem Augenblick, I da man — um ein schlimmes, sehr trauriges Bei­spiel zu nennen! — „Worpsweder Stühle" in Massen und als Maschinenware herstellte, da man Formen, für schwere Eiche geprägt, schematisch in Tanne nachmachte, war es geschehen um die Ver­bindung des Handwerks mit dem „goldenen Boden". Ein echter Niedersachsen-Sorgenstuhl, der durch Einfachheit und großartige Schlichtheit gemütvolles Leben und Schollenverbundenheit ausstrahlt, darf keine Materialechtheit vortäu­schen. Er muß materialecht sein und seine Schnitze­reien müssen die Menschenhand erkennen lassen, die die Ornamente aus dem Material ausgrub. Als im Sommer dieses Jahres die Künstler­kolonie Worpswede auf ihre Gründung vor 80 Jahren durch den jungen Düsseldorfer Maler Mackensen zurückblickte, ist von sehr berufener

Seit« daraus hingewiesen worden, daß mechani­siert« Worpswede-„Kultur" weder etwas mit Worpswede noch mit Kultur zu tun habe. Sie habe der Idee Worpswede geschadet. Wenn das Handwerk aus der Krise heraus will und soll, dann mutz es wieder da anknüpfen, wo der Bruch liegt, der zum Niedergang führte. Handwerk muß wieder Wirken und Werken der Hände werden, ein Tun, das der Geist unserer Zeit und der der Vater beseelt. Wofür es zu werben gilt, das ist dann ganz etwas anderes. Zu werben braucht man dann nur noch die Menschen, die wieder eine echte deutsche Wohnkultur wollen. Es fehlt be­stimmt nicht an ihnen, denn sonst wären die

Worpsweder Möbel ebensowenig eine Konjunktur geworden wie die berühmte» „Herrenzimmer" im nachgemachten „Danziger Barock" mit den „schweren Säulen" und „gedrehten" Tischbeinen.

Der Maler Ernst Müller-Scheeßel hat mit seinen Freunden, den Architekten Kart Schwally, Runge und Scotland, eine Reihe von Entwürfen für Stühle, Schränke, Tische und ganze Zimmer gezeichnet und diese Entwürfe den Handwerks­meistern in Scheeßel vorgelegt. Natürlich waren die Scheeßeler Meister begeistert für die Entwürfe, ja, man wollte sie sogar gern ausführen, man freute sich auf die Arbeit, die Hand und Herz ver­langte, aber man war mißtrauisch, man scheute die großen Ausgaben für deutsches Edelholz.

Wußte man denn, ob sich Ausgaben und Arbeit lohnen würden? Aber Ernst Müller-Scheeßel gelang es, die Meister für seine Ideen zu über­zeugen. Und da zudem die Bremer Künstler in hochherziger Weise ihre Entwürfe kostenfrei zur Verfügung stellten, machten sich die Handwerks­meister an die Arbeit. Die Ergebnisse dieser Ar­beit wurden in einer „Ersten Niedersächsischen Kunstausstellung" gezeigt. Sie fanden Anklang. Der Landeshandwerksmeister in Hannover ist meh­rere Male Besucher der Ausstellung gewesen, ein­mal zusammen mit vierzig Amtswaltern aus Hannover. Und wie die uns jetzt vorliegende Abrechnung ausweist, haben die Handwerks­meister Meyer, H. und W. Schröder, H. Lange und I. Hesse in Scheeßel auch Verkaufserfolge. Ein ausgestelltes Zimmer wurde sogar zweimal verkauft. Der Ausweis verschweigt auch nicht, daß nicht alle Handwerksmeister gleich großes Glück hatten. Aber . . .! Aber . . ., wenn man so eine Ausstellung in großen Städten zeigen würde? Wenn Ernst Müller-Scheeßels Vorbild und Beispiel Nachahmung finden würde? Sollte hier nicht ein Weg zur Erneuerung Niedersäch­sischer Handwerkskultur gezeigt worden sein, für den man dem Künstler Ernst Müller-Scheeßel und seinen Bremer Freunden Dank wissen muß?

Was Müller-Scheeßel hier getan hat, ist im Grundsatz von viel zu großer Bedeutung, als daß man die Ausstellung in Scheeßel wenige Tage nur nach ihrer Schließung vergessen dürfte. Hier wurde ein Beispiel dafür gegeben, daß es einmal zwischen freier Kunst und echtem Handwerk heute noch ebensowenig Grenzen geben darf, wie zu Zeiten Dürers, der ja bekanntlich aus dem Hand­werk hervorgegangen ist. Zum anderen aber hat das Beispiel gezeigt, daß der Künstler wieder mit dem Handwerker zusammen gehen muß. Und wenn wir den Tag erleben, an dem sich der Hand­werker von sich aus an den Künstler wendet mit der Bitte, ihm zu helfen, die neuen Formen zu finden, die alte niedersächsische Handwerksmeister für unsere Zeit geschaffen haben würden, wenn also Künstler und Handwerker aus der Tradition weiter und neu aufbauen in gemeinsamer Arbeit, dann ist der Weg der Erneuerung der Handwerks­kultur beschritten. Freilich, wir verkennen nicht, daß es hier im Anfang der Arbeit wie im Verfolg der Arbeit Schwierigkeiten geben wird — aber das ist eine Sache für sich. Bedenken dürfen an­gesichts einer Kllnstlertat diese Tat nicht ver­ringern, weil künftige Erfolge auf diesem Wege die nächsten Wegstrecken von selbst vorschreiben.

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Zeigt, -aß chr Kameraden seid!

erscheint am Menstag in Sen Kundgebungen der Seutschen flrbeitsfront

Der Führer Adolf Hitler hat die Deutsche Ar­beitsfront als die Organisation der Schaffenden der Stirn und der Faust anerkannt. Aus diesem Grunde veranstaltet die Deutsche Arbeitsfront im ganzen Reiche am Dienstag, 30.. Oktober, große Kundgebungen und Versammlungen, die den Zweck haben, allen deutschen Volksgenossen die Aufgaben und Ziele der DAF. vor Augen zu führen. In Zukunft darf kein deutscher Volks­genosse der DAF. mehr fern bleiben, wenn er nicht Gefahr laufen will, aus der Volksgemein­schaft ausgeschlossen zu werden. Unser Ruf er­geht nicht nur an Mitglieder, sondern vor allen Dingen an diejenigen, die bis heute noch nicht den Weg zu der Gemeinschaft der Schaffenden ge­funden haben.

Wir richten an alle Betriebssichrer und Beleg­schaften, an alle selbständigen Handwerksmeister und Geschäftsleute, an die gesamte werktätige Bevölkerung den Appell, sich am Dienstag, dem 36. Oktober, an den Kundgebungen und Ver­sammlungen der DAF., die in allen Kreisen ab­gehalten werden, zu beteiligen. Wir wollen allen Gelegenheit geben, sich selbst davon zu überzeugen, daß die DAF. die Organisation des deutschen Volkes ist.

Aus Anlaß der Verordnung des Führers ist die Sperre der Mitgliedschaft zur TAF. aufgeho­ben worden. Die Kundgebungen und Versamm­lungen bilden den Auftakt eines groß angelegten Werbefeldzuges, der sich systematisch über alle Städte und Dörfer, Fabriken und Handwerker­betriebe erstrecken wird. Alle Amtswalter der DAF. werden in den kommenden Wochen und Monaten Tag und Nacht um jeden einzelnen deutschen Arbeiter ringen. Die DAF. wird so­lange kämpfen, bis auch der letzte deutsche Arbei­ter sich ihrer Organisation angeschlossen hat, da­mit sie dem Führer Adolf Hitler dereinst melden kann: „Das deutsche schaffende Volk bekennt sich in einmütiger Geschlossenheit zum nationalsozia­listischen Staate, zum Dritten Reich!"

Arbeiter der Stirn und der Faust, Betriebs­sichrer und Belegschaft, Bauern und Landarbeiter, zeigt, daß ihr Kameraden seid und erscheint am kommenden Dienstag geschlossen zu den Kund­gebungen der DAF.

Bruno Dieckelmann, Gauwalter der Deutschen Arbeitsfront des Gaues Weser-Ems.

lerrorfälle im Saargeblet

7mmer wieder separatistische öewalttaten

Saarbrücken, 27. Oktober.

Das Treiben der separatistischen Kreise ist nur von einer Richtlinie beherrscht: Terror und Sabo­tage um jeden Preis, planmäßiger Einspruch auf der einen Seite, lleberfälle und Provokationen gegen politisch Andersdenkende auf der anderen. Diese beiden Grundzüge beherrschen die „Ab­stimmungsvorbereitungen" der Anhänger des Status guo. Gegen derartige Vergehen gibt die Abstimmungsstrafordnung ausdrück­lich eine Handhabe zur Bestrafung. Man erwartet daher mit Recht, daß die Abstimmungsgerichte die vorgesehenen Strafbestimmungen gegen die wirk­lichen Störer der Abstimmungsvorbereitungen anwenden Diese Bestimmungen müssen nach dem Empfinden der Saarbevölkerung weit mehr auf diejenigen Personen angewendet werden, die sich, wie in den nachstehend angeführten Fällen, erwiesenermaßen Straftaten zuschulden kommen

lassen, als daß sie sich nur gegen Personen rich­ten, die, wie der Hausmeister Jäger, auf Grund nur wenig beweisbarer Vorwürfe zu sieben Monaten Gefängnis verurteilt wurde.

So wird aus Ensheim gemeldet, daß eine Zei. tungsträgerin der Deutschen Front bei einem Le- stellgang von einer Propagandistin des Status guo in deren Wohnung nach einem kurzen Wortwechsel die Treppe hinuntergestürzt wurde, wo sie im be­wußtlosen Zustande liegenblieb. Die Verletzte ist Mutter von vier kleinen Kindern. Eine im gleichen Haus befindliche dritte Frau, die sich um die Ver­letzte. bemühte, suchte Hilfe bei den Nachbarn. Während dieser Zeit schloß die Status - guo - An- hängerin die Haustür zu und schleppte die Ohn­mächtige, wahrscheinlich aus Furcht vor ihrer Tat, in ein Zimmer, wo sie, nachdem die Vorletzte wieder zu sich gekommen war, ihr Wein anbot und auch einen Arzt zur Verfügung stellen wollte. Die