Ausgabe 
(30.11.1934) Nr. 331
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RS^Eauverla^Weser-Ems E.m.v.H., ZweigniederlassungBremen, Eeere» 6-8/Fernruf: Roland823.

Nr. 331 / 4. Vierteljahr

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Freitag, 30. November

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Wie der frühere Rundfunk „wirtschaftete"

Gondertantiemen im Reiche Flesch's

Vorschuß zur Abdeckung von Steuerschulden

Aufsichtsamt für das Kreditwesen?

Berlin, 29. November.

Nachdem die Prüfungen des Untersuchungs­ausschusses für das Bankwesen abgeschlossen sind, hat der Vorsitzende des Ausschusses, Reichsbank- prästdent Dr. Schacht, den vom Ausschuß festge­stellten Bericht an den Führer und Reichskanzler geleitet. Dieser Bericht wird als Grundlage für die von der Reichsregierung zu treffenden Maß­nahmen dienen.

In einer elastischen Staatsaufsicht glaubt der Ausschuß insbesondere den programmatischen For­derungen des Nationalsozialismus auf dem Ge­biete des Kreditwesens den gegenwärtig voll­kommensten Ausdruck zu geben.

Es sind erforderlich:

1. Beaufsichtigung aller Kreditinstitutes

2. Unterwerfung aller Kreditinstitute unter einen Eenehmigungszwang;

3. Sicherstellung einer ausreichenden Liquidität; 1. Trennung von Geldmarkt und Kapitalmarkt

und damit Sicherung des Spargeschäftes;

5. Sicherstellung eines geordneten Zahlungs­verkehrs;

S. Ueberwachung des Kreditgeschäftes und weit­gehende Publizität;

7. zweckmäßige Zusammensetzung des Aufsichts­amtes. (Wir kommen auf den Bericht noch zurück. Die Schristltg.)

Die Saar-Beraluno in Rom

Ro«, 29. November.

Der EaarauSschutz des Bölkerbundsrates war zu einer neuen Sitzung zusqmmengetretey. In dieser unterrichtete Aloisi seine Mitarbeiter über einzelne Punkte, über die eine Einigung mit Frankreich und Deutschland erreicht worden ist. Sie betreffen Fragen der Saarabstimmung, die keinen technischen Charakter haben. Weiter be­richtete Aloisi über Unterredungen, die er mit den deutschen und französischen Sachverständigen für Wirtschasts- und finanzielle Fragen hatte.

Ratstagung am s. Dezember-'?

Gens, 28. November. Wie im Bölkerbundsfekretariat verlautet, ist der Völkerbundsrat aus Mittwoch, den 5. Dezember, nachmittags, einberufen worden.

Meuteret

auf einem französischen Minenleger Paris, 29. November.

An Bord eines in Toulon vor Anker liegenden französische» Minenlegers ist nach einer Informa­tion des „Paris Soir* ein« Meuterei ausge- brachen. Ein Teil der Besatzung beklagte sich über das schlechte Essen und verweigerte die Nahrungs­aufnahme. Eine vom Kommandanten eingeleitete Untersuchung hat damit geendet, daß 22 Mann der Besatzung vor das Kriegsgericht gestellt werden.

Berlin, 29. November.

In der heutigen Vormittagssitzung im großen Rundfunk-Prozeß ging der Vorsitzende auf die Einzelheiten der 12 000 RM. Sondertantieme ein, die der Angeklagte Dr. Flesch außer seinen im laufenden Gehalt enthaltenen Tantieme-Bezügen 1931 von der Funkstunde A. G. bekommen hat. Dr. Flesch schilderte in großen Zügen noch ein­mal, wie es zur Sonderzahlung gekommen sei.

Magnus schilderte sehr ausführlich, daß, als er 1925 den Posten im Aufstchtsrat der Funkstunde Berlin übernahm, ein Anstellungsvertrag für Knöpfke bestanden hatte, wonach dieser 18 009 RM. Gehalt und außerdem 5 Prozent Gewinnanteil von den Eesamtüberschüssen der Funkstunde zu bekommen hatte. In Uebereinstimmung mit Vre- dow habe er auf dem Standpunkt gestanden, daß dies zu unerträglichen Zugeständnissen führen würde und er habe darum eine Aenderung des Vertrages mit Knöpfke vereinbart, in die dieser nach einigen Schwierigkeiten eingewilligt habe. Einem Wunsche von Dr. Vredow entsprechend, sei das Gehalt von Knöpfke erheblich erhöht worden, und zwar auf insgesamt 18 000 RM.; dazu wurde Knöpfke eine Tantieme in gleitender Höhe zu­gebilligt.

London, 29. November.

Das konservative Mitglied LordWinter- ton, eines der Mitglieder, die Churchills Ab­änderungsantrag unterstützen, erklärte im Verlauf der Unterhaussitzung, die Hauptbeschwerde Deutsch­lands sei der Versailler Vertrag. Es sei Unsinn, dem Unterhaus vorzureden, daß Abrüstung die einzige Frage sei, die Deutschland verärgert. Zwischen Europa und dem Frieden ständen die im Jahre 1919 nieder­gelegten Bedingungen. „Wir stellen", bemerkte Winterton, „jede Absicht der Feindselig­keit gegenüber Deutschland in Abrede. Wir be­wundern seine Männlichkeit und seine Ent­schlossenheit sowie die Art, in der es während all dieser Jahre der Peinigung weiterhin seinen na­tionalen Geist aufrechterhalten hat. Aber ebenso gut sagen wir, daß wir nicht wünschen, den mäch­tigsten unserer früheren Feinde genau so stark, wie wir es sind, in der Luft zu sehen, solange er vorsätzlich den Völkerbund verlassen und das sogenannte kollektive Friedenssystem beiseite ge­schoben hat."

England stehe der Lage gegenüber, daß man entweder Deutschland in den Völkerbund zurück­bekomme und die Gleichberechtigung, die es ver­lange und schließlich bekommen werde, annehmen müsse, oder England müsse eine Luftstreitmacht haben, die der Deutschlands gleich sei. Aber Frankreich würde heute niemals die Gleichberech­tigung Deutschlands annehmen.

In der weiteren Verhandlung erörterte der Vorsitzsnd« die verschiedenen Aktenstücke der Funkstun'de AG., aus denen die von Dr. Magnus geschilderte Entwicklung der Tantiemezahlungen an Knöpfke und Flesch hervorging. Aus dem ur­sprünglichen Vertrag mit Knöpfke ergab sich, daß für die Tantiemeberechnung die Handelsbilanz der Funkstunde zugrunde gelegt worden war.

Nach einer Berechnung der Staatsanwaltschaft ist es Knöpfke allein in drei Jahren gelungen, mindestens 16 000 Mark Tantieme mehr in unbe­rechtigter Weise zu beziehen.

In der Nachmittagssitzung ging der Vorsitzende auf die Steuerschulden des Angeklagten Dr. Flesch noch seiner llebersiedlung nach Berlin ein, zu deren Abdeckung er außer den Sondertanrieme- zahlungen 7000 Mark Vorschuß erhalten hatte.

Der Angeklagte Dr. Magnus beantwortete eine weitere Frage Dr. Seidenspinners, ob für die Be­willigung des Vorschusses an Flesch im Mai 1931 die Steuerschulden maßgebend gewesen seien, mit Ja. Diese Steuerschulden hätten bezahlt werden müssen, denn eine Zwangsvollstreckung hätte einen Rundfunkskandal hervorgerufen. Durch die Vor­schußbewilligung sei eine doppelte Krise von der Funkstunde ferngehalten worden.

Winterton drang auf eine mehr ins einzelne gehende Information über die /Zahl von deut­schen Frontflugzeugen mit besonderer Bezugnahme auf die Frage, wieviele davon Bombenflugzeuge seien. Winterton fuhr fort: Informationen seien in Frankreich ausgegeben worden, wonach Grund zur Annahme bestehe, daß das deutsche Kurzdienstheer von 300 000 Mann in 21 ziemlich gut ausgerüstete Divisionen eingeteilt sei. Lloyd

Pg. Dr. Völtzer,

Sondertreuhänder für die Seeschiffahrt, spricht über die neue Tarifordnung in der Seeschiffahrt. — Näheres im Han­delsteil.

George irre sich, wenn er denke, daß dies Heer nicht eine große Menge Geschütze, auch 15-Zsnti- meter-Eeschütze, besitze. Winterton schloß:

„Wir werden Deutschland in den Völkerbund nicht zurückbekommen, wenn nicht nur Frankreich, sondern auch die Welt ihre Ansicht im all­gemeinen über Deutschland ändern wird."

Der oppositionelle Arbeiterparteiler Peoan kritisierte lebhaft die Rede Lloyd Georges, die er als eine der gefährlichsten Reden bezeichnete, die jetzt im Unterhaus gehalten worden seien. Lloyd George habe angedeutet, daß die Unterstützung Deutschlands in der gegenwärtigen Zeit der ein­zige Weg sei, um zu verhindern, daß sich die

Anschließend wurden die Mietszuschüsse be­sprochen, die Dr. Flesch von der Funkstunde Ber­lin bekommen hatte. Flesch hatte zunächst Privat- wohnungen gehabt. Als dann seine Familie nach Berlin übergesiedelt war, mietete er Ende 1930 eine Villa in Dahlem, für die er monatlich 1000 Mark Miete zu zahlen hatte. Er erklärte, er habe diese Villa deswegen nehmen müssen, weil sie ein besonders großes Musikzimmer besaß, das er für Rundfunkzwecke benötigte. Er habe sehr häu­fig Schallplatten abhören müssen. Außerdem konnte er das Zimmer auch für künstlerische und musikalische Veranstaltungen benutzen. Da ihm die Miete aber zu hoch war, habe er bei der Funkstunde einen Mietszuschuß beantragt, der ihm im Einvernehmen mit Vredow in Höhe von 250 Mark monatlich bewilligt wurde.

Vorsitzender: Dr. Flesch, Sie haben also allein in dem großen Zimmer gesessen und Schallplatten gehört? Lohnte sich denn für die Funkstunde diese Ausgabe von 250 Mark monatlich?

Dr. Flesch: Jawohl, diese Summe hat sich reich­lich gelohnt.

Der Angeklagte Dr. Vredow erklärte, er habe nach anfänglichen Bedenken der Bewilligung eines Mietszuschusses für Dr. Flesch zugestimmt.

Versailles

Revolution von Rußland nach dem Rhein ausdehne. Nach weiteren Rednern er­klärte der Führer der Opposttions-Ärbeiterpartei, Lansbury, die Arbeiterpartei sei der Ansicht, daß es bei Nichterfüllung der im Friedens­vertrag gemachten Versprechungen früher oder später zu einem furchtbaren Krieg kom­men werde.

Der Staatssekretär des Aeußeren, Sir John Simon, der die Aussprache für die Regierung beendete, beantwortete einige Fragen, die wäh­rend der Erörterungen über einige Punkte in Baldwins Rede gemacht worden waren.

Zur Rede Baldwins bemerkte er, es handle sich nicht um eine einfache Erklärung. Die Regie­rung habe bereits seit einiger Zeit eine besondere Prüfung des Problems vorgenommen. Bevor die Rede gehalten worden sei, sei ihr Inhalt dem deutschen Reichskanzler, Frankreich, Italien und den Vereinigten Staaten mit vollen Erläuterun­gen mitgeteilt worden. Dieses Verfahre» sei ein­geschlagen worden, weil es sich nicht um eine eng­lisch-deutsche Frage, sondern um eine europäische und eine Weltfrage handle. Durch dieses Verfah­ren habe die Regierung geholfen, einen großen Teil des Argwohns und Nebels zu beseitigen.

Der Abänderungsantrag der Arbeiterpartei für Churchills Abänderungsantrag zu der Ant­wortadresse auf die Thronrede wurde mit 276 gegen 35 Stimmen abgelehnt. Churchill zog hierauf seinen ALän- derungsantrag zurück. Die Antwort­adresse selbst wurde daraufhin gebilligt.

Mek:

Raffe

und Weltanschauung

Deutschland ist im Guten und Schlimmen seit bald 2000 Jahren als Volk und Raum gekettet an die Friedensarbeit einer mensch­lichen Entwicklung genau so wie an ihre Ka­tastrophen. Es hat an allem in irgendeiner Form und irgendeinem Umfange teilgenom­men und teilnehmen müssen, und es stand daher auch in der Krise der letzten andert­halb Jahrzehnte fast stets in einem Brenn­punkt des Geschehens. Als im November 1918 der marxistische Stoß auch unser Volk traf, war sein Fall oder feine Standhaftig- keit entscheidend für eine Weltentwicklung von unvorstellbarem Ausmaß. Nur der Un­verstand geistiger Zwerge kann sich einbil­den, daß eine Bolschewifierung Deutschlands für die andere Welt keine andere Bedeu­tung gehabt haben würde, als daß man dann eben statt mit Teutschen mit Kommunisten hätte sein Auskommen finden müssen. So wie sich aber früher schon die Völker- und Rassenstöße aus dem unermeßlichen Osten in Deutschland brachen, so ist auch diesmal unser Volk der Wellenbrecher einer Flut geworden, die Europa, seine Wohlfahrt und seine Kultur unter sich begraben hätte.

Die nationalsozialistische Revolution hat, indem sie dem deutschen Leben arteigenste und damit tragende Grundlagen einerseits und eine sich daraus ableitende logische Form­gestaltung andererseits gab, den Bestand und Verlauf unserer nationalen Existenz für die Zukunft gesichert und die bedrohlichen Er­scheinungen der Vernichtung überwältigt und ausgerottet.

Damit wird zunächst für unser Volk die Epoche der chaotischen Verwirrung abge­schlossen und ein neuer, segensreicher Ausbau eingeleitet.

, Wenn heute, besonders bei der übrigen Welt, so manches am nationalsozialistischen -Sieg und Erfolg unverständlich erscheint, dann nur deshalb, weil viele unlustig und unfähig waren, sich über diese Erscheinungen dauernd zu informieren und auf dem lau­fenden zu halten oder gar in ihre grund­sätzlichen, Ideen einzudringen, und statt dessen ihre Nachrichten von einer Presse bezogen, dienurbedingtForscherin imDien st einer ewigenWahrheit sein will. Es sind nicht Aerzte, die besorgt die Erfolge und Leiden der Menschheit stu­dieren, als vielmehr sensationshungrige Be­richterstatter. Sie bewegte deshalb weniger der innere Kern, das langsame Reifen, die Ethik oder Richtigkeit einer Bewegung, als vielmehr deren äußere Aktionen. Sie wer­den nur durch Krisen angezogen und sind heute da und morgen dort.

Hätte man in gewissenhafter Objektivität seit 15 Jahren Gedanken und Wachstum unserer Bewegung verfolgt, dann würde man heute nicht erstaunt sein über die Er­scheinung eines Wunders, dessen Voraus­setzungen vielen unbekannt, daher allerdings auch unverständlich sind. Nein, was in diesen anderthalb Jahrzehnten in geduldigster Ar­beit aufgebaut wurde, war vom ersten Tage an richtig gesehen und proklamiert und demgemäß ausgeführt worden. Was eben eine außenstehende Welt auch heute noch

Zwischen Europa steht

Lord Winterion in der Llnterhaussitzung / Gir Lohn Simon beendet die Aussprache

UM Ludwig Diehl im Achsuspielhsus

Karl Ludwig Diehl, der so rasch berühmt ge­wordene Bühnen- und Filmdarsteller bedeutsamer Charaktere, ist gegenwärtig mit Proben im Bremer Schauspielhaus beschäftigt: er wird, neben den Kräften des Schauspielhauses und unter der Spielleitung Hermann Schultze- Eriesheims, die Rolle des deutschen Gesandten in Fritz Peter Buchs neuem Schauspiel „Der Vertrag um Karakal" spielen. Das Stück, die 5. große Uraufführung in der Jubiläums­spielzeit des Schauspielhauses, gestaltet mit stärkster Spannung den heroischen Kamps deut­scher Auslandsvertreter um die Geltung ihres Landes in exotischer Welt.

Karl Ludwig Diehl war als kriegsfreiwilliger Gymnasiast ins Feld gezogen. Nach der Heimkehr aus dem Felde im Jahre 1919 ging er aus d,e > Schauspielschule des Berliner Deutschen Theaters, ^ debütierte dann in Wiesbaden als Karl-Heinz in „Alt-Heidelberg" und wurde für vier Jahre an das dortige Staatstheater engagiert, wo er vom Bolz in den „Journalisten" bis zum Fedja im ^ .Lebenden Leichnam" alle in sein Fach ein- , schlagenden Rollen spielte, ebenso später in Mün­chen an den Kammerspielen und am Bayrischen , vraatsschauspiel. In München drehte er bei der Smelka 1928 seine ersten kleineren stummen i Filme. Seine erste größere Filmrolle hatte er . allerdings erst 1929 in dem Stummfilm „Mas- j ken ' unter der Regie von Rudolf Meinert. Es > Hai lange gedauert, bis man herausfand, welchen , Tvv Diehl auf der Leinwand am überzeugend- ^ ärn darstellen könne. Noch im Liebeswalzer, 'einem ersten Tonfilm, wurde er in einer ganz I -oberen Art als später herausgestellt. Aber be- ! -ei-s mit „Roscnmontag" bc"--nn die jetzig? -m ? e c Sann in den g oz u cp.ouags- und

Kriminalfilmen „Geheimdienst", „Schuß im Morgengrauen", „Unsichtbare Front", „Spione am Werk" usw. fortgesetzt wurde. Und nun feiert er seine größten Erfolge als Bonoivant, wie der Film „Abenteuer im Südexpreß" beweist. Die Reihe dieser Erfolge wurde fortgesetzt mit der „Freundin eines großen Mannes" (nach Alfred Möllers im Bremer Schauspielhause uraufgeführ- tem Lustspiel, das über alle deutschen Bühnen

HkL)

gingj un? mit dem großen Heimkehrer-Film „Ein Mann will nach Deutschland."

Aber gerade diese großen Filmerfolge haben in Diehl eine immer stärkere Sehnsucht nach der Sprechbühne geweckt. Nur sie gibt seiner Kunst den starken unmittelbaren Kontakt mit dem Publikum, den der echte Künstler braucht. Diehl ist deshalb mit ganz besonderer Freude der Ein­ladung des Bremer Schauspielhauses gefolgt, da ihm die tragende und anspruchsvolle Rolle in Buchs Schauspiel seinen Wunsch nach gestalte­rischer Vühnenarbeit in besonders schöner Weise erfüllt.

Ministerium kauft Bilder an

Auf der Ausstellung „Junge nieder­sächsische Kunst", die in der Kunstschau der Böttcherstraße noch bis zum 2. Dezember 1931 einschließlich gezeigt wird, wurden vom Ministe­rium für Volksaufklärung und Propaganda fol­gende Bilder angekauft: Bernhard Dörries- Hannover: „Mädchenbildnis". — SchwLeger - Uelzen bei Hannover: „Alte". — Horchler-Kl. Süntel b. Hameln: „Winterlandschaft". — Eil- demeester-Loeck-Bremen: „Stilleben mit

Aepfeln". — Walter V e r t e I s m a n n - Worps- wede: „Kaje und Weser". — Jschi v. König- Hannover: „Heidelandschaft". — Karl Pohle- Hannover: „Schrebergarten". — Hilde­

brand t-Osnabrück: „Dorsstraße". — Nö­the r - Hannover: „Vorstadtwinter". — Riege- Hameln: „Orchester". — Wiederholst- Han­nover: „Ravensberg bei Sachsa". — Schröder- Hannover: „Niedersachsiicher Bauer". — Frieda Witte- Soltau: „Apfelsinen-Stilleben". —

Weber - Hannover: „Flußlanüschast". —

H e n s e l? Einbeck: „Kloster Wiebrechtshausen". Rohkamm - Hannover: „Eeestlandschaft".

Uönigin Christine von Achweden

„Tausend Talente wurden mit ihr geboren und beinahe ebensoviele Schwachheiten."

^ Im Dezember 16?6 (über das genaue Datum sind sich die Gelehrten nicht einig) wurde Christine von Schweden als Tochter Gustav Adolfs und der kurfürstlichen Prinzessin von Brandenburg geboren. Nur des Königs Schwester Katharina fand den Mut, ihm die Geburt eines Mädchens mitzuteilen, da aller Wünsche und Hoffnungen zu­versichtlich auf einen mmnUichen Thronerben ge­richtet gewesen waren, uffo die Astrologen hatten durch ihre Weissagungen noch sehr zu diesem Glauben beigetragen. In seiner großen Fröm­migkeit nahm der König die Enttäuschung — als Katharina ihn trösten wollte — sehr gelassen auf: „Meine Schwester, ich bin zufrieden und bitte Gott, daß er mir dieses Kind erhalte." Und wäh­rend der kurzen Jahre, die er noch am Leben blieb, war er seiner Tochter sehr zärtlich zugetan und diese selbst hing mit leidenschaftlicher Liebe an ihrem bedeutenden Vater, von dem sie nur Güte und wärmstes Interesse erfahren hatte.

Die Mutter aber war untröstlich über eine Tochter überhaupt und noch ganz besonders über dieses häßliche, behaarte Geschöpf, das „schwarz wie ein kleiner Mohr" zur Welt gekommen war.

Christine selbst äußerte sich später sehr zu­frieden, da sie als Frau dem Laster und den man­nigfachen Versuchungen leichter entgehe und viel Zeit und Kraft spare, die sie als Mann vermut­lich mit Mädchen und Wein, mit leichtfertigen Vergnügungen aller Art vergeuden würde, die nun aber ungeteilt dem Studium und der Regie­rung zugute kämen. Im übrigen hegte sie keine vorteilhafte Meinung von ihrem Geschlecht und „sie liebte die Männer, nicht weil sie Männer,

(nicht Greta Garbo)

sondern weil sie keine Weiber seien." Ninon de Lenclos, Leren persönliche Bekanntschaft sie später in Frankreich machte, bildete eine Ausnahme. Zum Verdruß vieler zollte sie dieser Frau einige Achtung. Weibergeschwätz war ihr zeitlebens ein Greuel, so beschäftigte sie sich auch wenig mit ihren Hofdamen und verlangte nie ihre Unter­haltung, „da sie von ihnen doch nichts lernen könne."

Bevor Gustav Adolf nach Deutschland zog, traf er sehr eingehende Bestimmungen über Chri- stinens Erziehung, und zwar mit dem ausdrück­lichen Befehl, daß die Königin sich in keiner Weise daran zu beteiligen habe. Bei der Aus­bildung weiblicher Tugenden legte er den größten Wert auf Sittsamkeit und Bescheidenheit, im übrigen aber sollte die Tochter ganz wie ein Prinz erzogen werden. Mit diesem Wunsch kam er ihren Neigungen auch sehr entgegen, denn sie haßte alles, was Frauen lernen und womit sie sich beschäftigen müssen. Diese Art Arbeiten waren ihr geradezu eine Oual und sie war auf derar­tigen Gebieten ganz unbrauchbar.

Dafür konnte sie bei Jagden zehn Stunden zu Pferde sitzen und gewandt die Waffen führen. Bei allen körperlichen Uebungen und Strapazen war sie jedem jungen Mann gewachsen. Ihr ganzes Gebaren war überhaupt männlich und derb, sie lachte gern und laut und war von einer wunder­vollen Offenheit, die oft genug allerdings auch in Schroffheit ausartete. Aus ihren Briefen er­sehen wir, wie frei und deutlich sie jederzeit ihre Meinungen, ihr Miß- oder Gefallen äußert.

Die materiellen Seiten des Lebens spielten keine Rolle in ihrem Dasein, ebenso wenig die weibliche Eitelkeit. Eine andere Herrscherin hätte