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Nr. 330 / 4. Vierteljahr I
»onnerstag, 2y. Novembe
r Einzelpreis 15 Rpf.
Sechs Jahrhunderte deutsches Kulturgut in der Tschechoslowakei ...
Protest gegen die Präger Hetze
Demonstration der Berliner und Frankfurter Studenten vor der tschechischen Gesandtschaft
Berlin, 28. November.
Die Studierenden der Technischen Hochschule Berlin-Charlottenburg versammelten sich heute mittag im Lichthof ihrer Anstalt zu einer Protestkundgebung gegen die Präger Ausschreitungen. Aus allen Hörsälen und Seminaren strömten Studenten, Professoren und Hochschulbeamte in den riesigen Lichthof. Sprechchöre gaben unter dem stürmischen Beifall der Studierenden ihrer Empörung über die Präger Vorfälle Ausdruck.
Der Studentenschaftsführer der TH. wies in einer Ansprache darauf hin, daß seit sechs Jahrhunderten deutsches Kulturgut und deutsche Wissenschaft in der Tschechoslowakei verkündet werden und hervorragende deutsche Wissenschaftler an der deutschen Universität Prag arbeiten. Heute können es sich kleinliche Elemente nicht verkneifen, alle Regungen des deutschen Geistes abzudrosseln. Mit großem Beifall wurde der Rektor der Technischen Hochschule, SA.-Oberfllhrer Professor von Ar- nim begrüßt, der die Studentenschaft zur Disziplin ermähnte und unter stürmischen Beifallskunb- gebungen verkündete, daß zum Protest gegen die Präger Vorfälle die Vorlesungen an diesem Tage ausfielen.
In mustergültiger Ordnung formierten sich darauf die Studenten, um durch den Tieiganen zur tschechischen Gesandtschaft zu ziehen. Als, die «Spitze vor dem Gesandtfchafts- gedäude in'der R'auchstraße eintraf, war der Zug auf mehrere taufend Studenren angewachsen,
denen sich eine unübersehbare Menschenmenge angeschlossen hatte. Nationalsozialistische Kampflieder und Sprechchöre begleiteten den Marsch. Auf mitgefühlten Transparenten sah man zahlreiche Inschriften und Kampfrufe, die der Empörung der Berliner Studentenschaft Ausdruck gaben. Ein Student nahm das Wort und geißelte unter stürmischen Pfuirufen die Präger Vorgänge, die das ganze Deutschtum angingen. Die deutsche Studentenschaft lehne es ab, so wie die tschechischen Studenten mit Gewalt vorzugehen. Geordnet und diszipliniert marschiere sie wieder nach Hause. In das ganze deutsche
Aus Elfen und Holz
Die Präger deutschen Studenten stiften neue Insignien
Prag, 28. November.
In Kreisen der Präger deutschen Studenten wurde die Absicht laut, der ihrer Insignien beraubten deutschen Universität neue Jnsig- nien zu widmen. Um den Ernst und der Not der Zeit Ausdruck zu verleihen, soll eine Rektorkette aus Eisen und ein Szepter aus Eichenholz angefertigt werden, die das Datum des 26. November 1934 tragen. Die Mittel werden die deutschen Studenten ausschließlich in-ihren Reihen aufbringen. ....
zur Verfügung gestellt werden könnten. Eden antwortete: Die Körperschaft, die mit der Verantwortlichkeit betraut ist, die Ordnung im Saargebiet aufrechtzuerhalten, ist die Regierungskommission. Was das Recht der Regierungskommission betrifft, in der Ausübung dieser Aufgabe Unterstützung von außerhalb anzufordern, so habe ich der Erklärung, die vom Staatssekretär des Aeußeren am 5. November in Beantwortung einer Anfrage Lansburys abgegeben worden ist, nichts hinzuzufügen.
Ein Mitglied verlangte Auskunft über die Zahl unterirdischer bombensicherer Flug- zeugschuppen in Deutschland und in Eng- land. Unterstaatssekretär für Flugwesen, Sassoon, erwiderte darauf, es würde nicht im öffentlichen Interesse liegen, irgendwelche Mitteilungen in dieser Frage zu geben.
Der Sekretär des lleberseehandelsamtes, Col- ville, teilte mit, daß das englisch-deutsche Transferabkommen vom 4. Juli befriedigend arbeitete. Das konservative Mitglied Oberst Moore fragte hierauf, ob Colville bekannt sei, daß augenblicklich eine sogenannte internationale Konferenz in London tage, um einen Feldzug einzu-
Volk werde sie den Willen hineintragen, der sie hierher geführt hab«. Es dürfe nicht einen Menschen mehr geben, der nicht wisse, in welchem Kampf das Deutschtum in Prag stehe.
Nachdem mit entblößten Häuptern das alre deutsche Schutz- und Trutzlied „Der Gott, der Eisen wachsen ließ" gesungen worden war, marschierte der Zug in mustergültiger Ordnung ab. Während der Kundgebung waren im Erdgeschoß und im ersten Stock der tschechoslowakischen Gesandtschaft die eisernen Vorhänge heruntergelassen worden.
Frankfurt a. M., 28. November.
Durch den Gewaltakt an der deutschen Universität in Prag aufs heftigste erbittert, veranstalteten die Frankfurter Studenten nach Beendigung der Vormittagsvorlesungen am Mittwoch eine machtvolle Protestkundgebung. Ueber 2006 Studenten und Studentinnen hatten vor der Universität Aufstellung genommen, wo der Führer der Frankfurter Studentenschaft, Kon rat, zu seinen Kameraden sprach. Anschließend zogen die Studenten in geordneten Reihen mit den Rufen: „Das Deutschtum frei in der Tschechei!" und „W ir fordernSchutz der deutschen Rechte in Prag!" vor das tschechische Konsulatsgebäude. Nach dem Absingen des Deutschland- und des Horst-Wessel-Liedes zogen sie wieder in vollster Ruhe und Ordnung mach der Universität zurück.
leiten, der einen wirtschaftlichen BoykotL gegen Deutschland zum Ziele habe.
Colville erwiderte, daß die erwähnte Boykott- konferenz vollkommen nichtamtlich sei; jede Stellungnahme von feiten der Regierung würde zum Ausdruck bringen, daß der Tätigkeit dieser Konferenz zuviel Wichtigkeit beigemesfen werde. — Nachdem Eden die Zahl der während der am 31. Oktober zu Ende gegangenen zehn Monate aus England nach Deutschland eingeführten Flugzeugmotoren mit 96 angegeben hatte, begann Churchill unter der größten Spannung des Hauses die große Rede zur Begründung seines Antrages.
Churchill begann seine Darlegungen mit der Feststellung, daß er einen Krieg nicht für unmittelbar bevorstehen- oder unvermeidlich erachte. Aber es scheine ihm sehr schwierig, die Schlußfolgerung zu umgehen, daß Großbritannien unverzüglich für seine Sicherheit sorgen müsse, weil dies bald außer seiner Macht liegen würde.
Die große neue Tatsache, die die Aufmerksamkeit jedes Landes in Europa und der Welt in Anspruch nehme, sei, daß Deutschland wieder aufrüste. Diese Tatsache dränge fast alles andere in den Hintergrund. Die Fabriken Deutschlands
arbeiteten eigentlich unter Kriegsumständen. Deutschland rüste auf zu Land, in gewissem Maße zur See, und was Großbritannien am meisten berühre, in der Luft. Die furchtbarste Art des Luftangriffes sei die Brandbombe. Eine Woche oder zehn Tage nachhaltiger Bombenangriffe auf London würden 30- oder 40 000 Menschen töten oder verstümmeln.
Churchill behandelte im einzelnen die Fra- gendesAngrisfes und wandte sich dann der Frage der Abhilfe zu. Er bemerkte, jeder Teil des Landes befinde sich fast innerhalb Reichweite eines Luftangriffes. Es sei so gut wie zwecklos, wenn man plane, die britischen Arsenale und Fabriken nach der Westküste zu verlegen. Man müsse dieser Gefahr dort wo man stehe gegenübertreten und könne sich nicht von ihr wegbewegen. Er hoffe, daß die Regierung nicht die wissenschaftliche Seite des Schutzes der Bevölkerung vernachlässigen werde.
Die einzig« praktische und sichere Verteidigung sei, dem Feind ebensoviel Schaden zuzufügen, wie er England zufügen könne. Dieses Verfahren
II. bin. In welchem Erdteil nimmt die Bevölkerung am meisten zu? Welche Länder weisen die günstigste Bilanz der natürlichen Bevölkerungsbewegung auf? Den Antworten auf diese und ähnliche Fragen kommt heute eine erhöhte weltpolüische Bedeutung zu. Es ist deshalb sehr zu begrüßen, daß die ausgezeichnet redigierte „Zeitschrift für Geopolitik" (herausgegeben von Dr. Karl Haushvser) mit dem Abdruck «ine Reihe ausführlicher aktueller Tabellen aus dem Reich der Vevölkerungswissen- schaft eine auswertende erdumfassende Sicht über die Ergebnisse der letzren Volkszählungen ermöglicht. Was die Eesamtbeoölkerung der Welt betrifft, so ist die Endziffer aller statistisch erfaßbaren Erdbewohner von 1 Milliarde 811 Millionen im Jahre 1920 auf 2 Milliarden 68 Millionen zu Beginn des Jahres 1934 gestiegen, d. h., an die Stelle von 100 Menschen sind innerhalb von vierzehn Jahren 114 getreten. Geht man vom Jahre des Weltkriegsbeginns aus, so liegt Europa mit einem ziffernmäßigen Anwachsen der Bevölkerung von 471 Millionen aus 622 Millionen um vier Prozenr unter dem Durchschnitt der entsprechenden Ziffern aller Erdteile. An der Spitze stehen Australien und Amerika, die eine Zunahme der Bevölkerung von 32 bzw. 29 Prozent ausweisen.
Aufschlußreich und interessant sind vor allem die Indizes für die einzelnen Länder In drei Staaten — Uruguay, Mandschukuo und Argentinien — haben sich bis Ansang 1934 die Einwohnerziffern um mehr als die Hälfte ihres Standes von 1914 erhöht. Den Rekord hält seit 1920 Uruguay mit einer von 1 Million 316 Tausend auf 2 Millionen 200 Tausend ansteigenden Bevölkerungskurve. In Europa ist es Griechenland, das in dem erwähnten Zeitraum neben Bulgarien und den Niederlanden eine Zunahme der Einwohnerschaft um rund verzeichnet. Das Deutsche Reich folgt mit 8 Prozent Zunahme hinter Japan (27 Prozent). USA. (27), Norwegen (16), Italien (13), Jugoslawien
könne in der Praxis völligen Schutz bieten. Wenn dies erreicht werden könne, was bedeuten dem gegenüber 60 oder 100 Millionen Sterling, die durch Ablösung oder eine Anleihe ausgebracht werden. Großbritannien mühte jetzt beschließen, koste was es wolle, in den nächsten zehn Jahren eine Luftstreitmacht zu unterhalten, die wesentlich stärker sei als die Deutschlands. Es würde ein großes Verbrechen gegen den Staat sein, wenn irgendein« britische Regierung es zulassen würde, daß die Stärke der britischen Luft- ftreitkräfte unter die der deurschen falle.
Churchill streifte dann die Frage, ob es nützlich sei, durch den Völkerbund die Schaffung von Schutzvorposten auf dem Kontinent zu betreiben und fuhr fort, es bestehe kein Grund zu der Annahme, daß Deutschland Großbritannien angreifen würde.
Das deutsche Volk habe sehr freundschaftliche Gefühle gegenüber England, und es bestehe kein Grund zu der Annahme, daß Deutschland England angreifen würde. Aber es könnte bald in der Macht der deutschen Regierung liegen, dies zu tun.
(12), dem Rätebund, Polen, Ungarn, Schweden und der Schweiz (je 10 Prozent). Ein« 8prozen- tige Bevölkerungszunahme weisen die statistischen Erhebungen auch für Großbritannien nach, während Belgien, Litauen, die Tschechoslowakei und Frankreich für ihren Bereich ein Ansteigen der entsprechenden Kopfzahlen um weniger als 8 Prozent feststellten. Zu berücksichtigen ist hierbei allerdings, daß im Jahre 1920 Belgien einen Be- vö'lkerungs s ch w u n d gegenüber 1914 von 4 Prozent, Frankreich von 7 Prozent und Deutschland von 2 Prozent errechneten. Im europäischen Gebiet der Türkei kennzeichnet eine fallende Kurve die Tendenz der Entwicklung' zählte man dort Mitte 1914 noch 1700 000 Staatsangehörige, so Anfang 1934 nur noch 1050 000. Oesterreich hat mit 6 765 000 Einwohnern nahezu den Stand von 1914 erreicht.
Wollte man aus der Tatsache, daß Uruguay für sich die prozentual weitaus stärkste Bevölkerungszunahme verbuchen kann, den Schluß ziehen, daß dieses Land auch die höchsten Geburten- bzw. Eeburtenüberschußzahlen hat, so wäre dies ein Trugschluß, denn neben der natürlichen Bevölkerungsbewegung spielt bekanntlich auch die Wanderungsbewegung eine erhebliche Rolle. In der Tat ist nicht Uruguay, sondern Mexiko der Staat mit den relativ meisten Geburten: auf tausend Einwohner kamen dort 1930 49,6 Geburten (Uruguay 21,4, Deutsches Reich 1933: 14,7). Auf der untersten Stufe steht hier Schweden mit 13,7 Geburten Promille der Bevölkerung. Verhältnismäßig hohe Geburtenziffern weisen auch Guatemala, Salvador, Kostarika und Aegyp- ten auf.
Und die Sterb e.fälle? Am größten ist die Sterblichkeit in Chile, wo im Jahre 1933 von tausend Staatsangehörigen 26,8 verschieden. Chile dicht auf dem Fuße folgen Mexiko (26,6) und die Provinzen Britisch-Jndiens (26). Deutschland hat ebenso wie Schweden eine verhältnismäßig günstige Sterbeziffer: 11,2, doch stehen sich noch besser die Vereinigten Staaten von Amerika (11,1), Norwegen (10,2), Uruguay (10,1), Ka-
Churchill über Englands Rüstung
Die Wehrdebatte im englischen Unterhaus
London, 28. November.
Das Unterhaus war am Mittwoch in Erwartung r großen Aussprache über Churchills An- !ag auf Erhöhung der britischen üstungen, insbesondere der Luftfahrtstreit- äfte dicht besetzt. Daß sich das Kabinett mit der -gültigen Fassung beschäftigt hatte, die den eben Baldwins und Sir John Simons gegeben urde, war bald in den Wandelgängen des Parla- mts bekannt. Bevor Churchill seinen Antrag rbringen konnte, mußten noch die üblichen klei- n Anfragen erledigt werden.
Eden wiederholte in Beantwortung einer solar Anfrage, die Haltung der britischen Regie- ng zur Frage der Anerkennung des augenblick- hen Regimes in der Mandschurei sei üterhin durch die Grundsätze beherrscht, die in c diesbezüglichen Völkerbundsentschlietzung thalten sind.
Auch über die Saarfrage mußte Eden eine ifrage beantworten. Der Liberale Mander >llte wissen, ob die britische Regierung eine nantwortlichkeit anerkenne, moralisch oder ysisch die französischen Truppen zu unterstützen,
: für eine etwaige Polizeiaktion an der Saar
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Maestro Giuseppe puccini
tzum 10. Todestag am 2y. Hovember von Theodor Henker
ind nur sehr wenige Komponisten, vor rnter denen der Neuzeit, deren Tönereich Volk hineinwuchs und dort eine feste Hei- nd, um von ihm in allen seinen Teilen sichten immer wieder neu empfunden und zu werden und mit seinen vielen Meiste Völker der Erde zu durchwandern. Ein Tondichter war Eiacomo Puccini, der Liste Hervorragende der italenischen Opern- n deren Mittelpunkt von je der schöne Ee- das „Belcanto", stand. Er besang der ,'n unsterbliche Gefühle in ihrem verschie- igen Reichtum — und die Menschen san- d singen aus ihrem inneren Gefühl und denartigen Erlebnis feine klangvoll sie er- :n Lieder.
Puccini vor 10 Jahren, erst 66 Jahre Brüssel starb (er hatte sich zur Operation imtückischen Kehlkopfkrebses dorthin be- war er schon lange ein weit über die r seines Vaterlandes hinaus beliebter und ter Meister, als Opernkönig bis nach a hinüber in einem Maße gefeiert, wie selten einem Komponisten zuteil gewor- Der einfache, unverbildete Mensch der aller Herren Länder sang und pfiff seine , — spielte sie auf allen erdenklichen Mu- rumenten, wie sie im Volke beheimatet lind die schönste Ehrung des italienischen s ist die, daß diese Welt-Liebe zu seinen überall noch in gleichstarken Maße lebt ls .nun aufgewachsene und aufwachsende cht auch Leben und Erlebnis in seinen findet - so, wie Puccini es schaffend >etan und gewollt hat.
Er wurde am 22. Juni 1858 in Lucca, einem Städtchen westlich von Florenz, geboren und hatte als Sproß einer Musikerfamilie seit zwei Jahrhunderten echt italienische Musikliebe und schöpferische Habe mit auf den Weg bekommen, die sich ihrer inneren Art nach ausschließlich der Opern- kunst zuwandten. Ein sehr armer Jüngling war er, als er (zusammen u. a. mit Pietro Mascagni) in Mailand das Konservatorium besuchte, wo er vor allem bei dem seinerzeit berühmten Opern- komponisten Amilcare Ponchielli eifrig studierte, wo er das ursprüngliche und eigenartige Kunst- und Künstlerleben kennenlernte, dessen Hochsitz Mailand war. Aus dem Studenten wurde bald der schöpferische Künstler, der dann mit raschen Schritten die Erfolgs- und Ruhmesbahn emporstieg, daß es ihm bald an nichts mehr mangeln sollte und das liebe, elende Geld wirklich keine Rolle mehr spielte, das ihm einst so sehr fehlte, sich satt zu essen und für die Ereignisse der „Sta- gione", in erster Linie an der Scala, den stets ersehnten Platz zu kaufen!
Nach Verdi stieg Puccini zum Nationalkom- ponisten Italiens empor, und seine Kunst muß auch — fast mehr noch als die Verdi'sche — als echt Italienische geweitet und verstanden werden, in der vor allem das weiche und empfin- dungsreiche südliche Urwesen meisterhaften Ausdruck fand. Puccini war in erster Linie Lyriker, dem die Dramatik in theatralischem Sinne zu Gebote stand, die die italienischen Gemüter in Begeisterung versetzen, aber z. B uns Deutschen mit unserem nordischen Empfinden, nicht zuletzt durch Richard Wagner sehr verwöhnt, nicht viel geben kann und oft hohl und oberflächlich erscheint. Als
Tragiker, als Lyriker hat Puccini den endgültigen Sieg errungen: seine „Boheme" und „Madame Vutterfly" stellen das unter den deutlichsten Beweis; und in der beliebten „Tosca" (als Musikdrama bezeichnet) liegen für uns doch wohl die künstlerischen Höhepunkte in den lyrischen Stücken und weniger im theatralischen Handlungsverlauf mit seinen musikdramatischen Aeußerungen und Gestaltungen. — Seine anderen Schöpfungen mußten vor diesen drei Werken zurücktreten und werden nur vereinzelt, sicher aber noch in Italien selbst, gespielt.
Der Urgrund des echten Italieners hat sich auch in Maestro Puccini offenbart: das lyrische und gefühlsmäßige Empfinden und Gestalten, die letzten Endes im „Belcanto" artgemäßen Niederschlag und Ausdruck finden und wohl gerade deshalb auch von italienischen Sängern am innigsten und leidenschaftlichsten, am echtesten nachempfunden und verkörpert werden können. Der gleichsinnig begleitende, „schwelgende" Orchesterklang ist im Begriff des Belcanto als Selbstverständlichkeit eingeschlossen und gerade bei Puccini erfüllende Meisterschaft. — Das, was seine schlichten und doch zauberhaften Melodien, seine ganze Kunst, bei uns zum Klingen und Schwingen bringen, das hat Puccini gemäß seiner Eigenart, die darin hohen künstlerischen Ausdruck fand, selbst, einmal mit dem gesagt, womit er den Ursprung seiner schöpferischen Arbeit, seines Mensch- und Künstlertumes kennzeichnete: „Ich bin nicht geschaffen für heroische Gesten. Ich liebe die Seelen, die wie wir fühlen, aus Hoffnung und Illusion bestehen, die blitzende Freude und tränende Wehmut empfinden." — Seele und Herz, Gemüt und Gefühl spricht er an und leiht ihren innerlichen und stillen Erlebnissen die empfindsamen Töne und Weisen, deren Leben in jedes Menschen Brust, — wenn oft auch sehr verborgen, — irgendwie atmet und wirkt. Der Menschen, unsere unendlichen Freuden und Leiden, alltägliches
Sehnen und Hoffen im großen wie im kleinen hat der Meister uns tönend gemalt, vertieft oft in Einzelzügen, fein und zart, aber fern aller unkünstlerischen Gefühlsduselei; mit oft weicher, aber echter, lebenswahrer Innigkeit, in der das Blut edlen und hohen Menschtumes immer rin-
Der bekannte Verfasser von „Armee hinter Stacheldraht", „Zwischen Weiß und Rot" u. a. Romanen, liest am kommenden Sonnabend, 1. Dezember, in Bremen aus seinen Werken.
Ich bin in Kiel geboren, an Wind und Wasser aufgewachsen, väterlicherseits Schleswigholsteiner, müiterlicherseits russischen Blutes. In der Schule glänzte ich nicht durch Fleiß, sondern als Sänger und Tierpfleger. Alle Terrarien und Aquarien standen unter meiner Obhut, auch zu Hause wimmelte es von Hunden und Eidechsen. Mathematische Arbeiten ersetzte ich schon damals durch „dichten", ein Erbteil meiner herrlichen Mutter, die eine große Sängerin und heimliche Dichterin war.
Als der Krieg kam, lief ich von der Schule, um als Kriegsfreiwilliger mitzukämpfen. Aber meine 16 Jahre machten Schwierigkeiten, bis «Mich ein Dragonerregiment Erbarmen hatt« Das große Abenteuer währte nicht lange, schon im Sominer 1915 wurde ich schwer zerschossen gefangen Es ging durch manches Höllenlager bis nach Ostsibirien, fast alle meine Kameraden rafften Seuchen dahin. Ich führte Tagebuch, das hielt mich aufrecht, ich wurde ihr Chronist, das gab mir Widerstand. Im Jahre 1918 floh ich aus der
gend fließt und sich jedem Hörenden und Erlebenden beglückend und erfüllend offenbart.
Das hat ihn als Künstler groß und weltberühmt gemacht, — das wird auch seine Meisteropern für viele Geschlechterfolgen im Herzen der Menschen, des Volkes, halten.
Mongolei, gerier in den Hexenkessel zwischen Weiß und Rot, wurde wieder gefangen, floh von neuem.
Als ich die Heimat wiedersah, war ich jung und alt, man gab mir noch zwei Lebensjahre. Da verkroch ich mich in den Allgäuer Bergen, erwarb 1921 ein kleines Gut, wurde mein eigener Knecht. Wider Erwarten gesundete ich seelisch und körperlich, begann zum dritten Mal zu schreiben, diesmal mit ernstem, künstlerischem Willen. Nach vier Jahren erschien mein erstes Buch „Korsakofs", einige Jahre später „Die 12 Räuber", Schicksale schwer betroffener Menschen, die um den Sinn ihres Lebens ringen. In diesem Zusammenhange entstand auch „Das letzte Opfer", die Geschichte eines deutschen Offiziers, der in der Liede zur Scholle den Glaulnn an das Leben wiederfindet. Im Jahre 1929 schien mir die Zeit gekommen, meine sibirischen Tagebücher herauszugeben. Im gleichen Herbst erschien „Die Armee hinter Stacheldraht", im Herbst darauf der II. Teil „Zwischen Weiß und Rot". Der abschließend« Band der sibirischen Trilogie „Wir rufen Deutschland" umfaßt die Zeit deutscher Ohnmacht und Selbstzerfleischung 1921—1924 und enthält die Erlebnisse der Heiingekehrien die im Sinne des Vermächtnisses ihrer toten Kameraden um den Aufbau eines neuen aufrechten Dentschlands kämpfen.
Edwin Erich Dwinger über sich selbst