Ausgabe 
(28.11.1934) Nr. 329
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Üas amtliche straan des SenaLs

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NS.-Eauverlag Weser-Ems E. m. b. H

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Nr. 329 / 4. Vierteljahr

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Mittwoch, 28. November

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Anzeigen - Grundpreise: Tie S2-mm.Zeile im Anzeigenteil 12 Rps.. die 7a-mm.Zeile im Texttell 7b Rps. Ermäßigte Grundpreise (für kleine Anzeigen, Familienanzeigen u a,» sowie.sonstige Bedingungen laut Preisliste I, (Nachlaßstafsel 0.» Für Anzeigen durch Fernsprecher kerne, Gewahr, Annahmsschlutz lk Uhr.

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Einzelpreis 13 Nps.

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Saarverhandlungen in Berlin

Berlin. 27. Nov.

In Berlin begannen heute zwischen der Reichsregierung und Vertretern der Regie­rungskommission des Saargebietes Verhand­lungen, die die Frage der Regelung der Ver­hältnisse der Beamtenschaft bei der Rück­gliederung des Saargebietes an das deutsche Reich zum Gegenstand haben.

Lügen über die Reichswehr

Berlin, 27. November.

In den letzten Tagen werden in der Auslands­preise Lllgenmeldungen über die Reichswehr ver­breitet. die ganz offensichtlich den Zweck verfolgen, im deutschen Volke Beunruhigung hervorzurufen und dem Ansehen der Reichsregierung zu schaden,

, Es kann kein Zweifel bestehen, daß dieser neue Lügenfeldzug von einer bestimmten Stelle aus ganz methodisch verbreitet und geführt worden ist. Von zuständiger Stelle wird mitgeteilt, daß alle diese Nachrichten, die sich mit dem Reichswehr­minister, Generaloberst von Blomberg,-dem Chef der Heeresleitung, General von Fritsch, und deren Verhältnis zu anderen Regierungsmitgliedern be­schäftigen, glatt erfunden und nichts anderes als böswillige Verleumdungen sind. Der Reichs- ' wehrminister, Generaloberst von Blomberg, ist am Sonntag von seinem Krankheitsurlaub zurückge­kehrt und hat seine Amtsgeschäfte wieder Über­nommen.

Eine Denkschrift des Generals von Fritsch, die in diesen Lügennachrichten eine besonder« Rolle spielt, gibt es überhaupt nicht. Infolge dessen konnte sie auch nicht dem Führer und Reichs­kanzler überreicht werden. Von einem beabsich­tigten Rücktritt des Generals von Fritsch kann keine Rede fein- Ebenso unwahr sind alle Nach­richten, die sich aus eine angebliche Tätigkeit des Generalmajors von Reichenau in diesem Zusam­menhang beziehen. Frei erfunden sind schließlich auch die verleumderischen Bemerkungen der Aus­landspresse über angeblich« Unstimmigkeiten zwischen der Reichswehr und dem Reichspropa­gandaminister Dr. Goebbels. Es sei festgestellt, daß das Verhältnis von Dr. Goebbels zur Reichs­wehr und umgekehrt sowohl sachlich als auch per­sönlich nach wie vor das denkbar beste ist und daß Differenzen nie bestanden haben. Es steht somit fest, daß alle diese Meldungen über die Reichs­wehr und die daran geknüpften Kombinationen gemeine Lügen sind, die hiermit auf das schärfste zurückgewiesen werden.

Annäherung Paris-Moskau

Erneuerung des Wirtschaftsabkommens

Paris, 27. November.

Handelsminister Marchandean wird vor­aussichtlich am Sonnabend oder Sonntag nach Moskau abreisen, um dort über die Erneuerung des sowjetrussisch-französischen Wirtschaftsabkom­mens zu verhandeln.

Bilanz eines.Kraft durch Freuöe"-Zahres

Festliche und begeisternde Äubiläumötagung der deutschen NG.-Gemeinschast im Betriebe der Berliner / Dr. Leg, Dr. Goebbels und Rudolf Heß sprachen / „Wir haben keine „Geschenke" versprochen, sondern wir find fleißig gewesen"

Berlin, 27. November.

2n der großen Maschinenhalle eines deutschen Unternehmens von Weltruf, der AEG. im Ber­liner Norden, inmitten taufender schaffender Kräfte der Faust und der Stirn, feierte die NS.- Eemeinschaft „Kraft durch Freude" in einer aus bestem nationalsozialistischem Geist beseelten Feierstunde in Anwesenheit des Stellvertreters des Führers, Rudolf Heß, des Reichspropa- gandaministers Dr. Goebbelsund Reichsorga­nisationsleiters Dr. Ley und zahlreicher Ehren­gäste ihr einjähriges Bestehen,

Die gewaltige Montagehalle, die außer dem Hakenkreuzbanner, den Fahnen der Deutschen Arbeitsfront und der NS,-Kulturgemeinde keiner­lei Schmuck trug, konnte natürlich nur einen Teil der 46 000 Köpfe zählenden Belegschaft fassen, die übrigen erlebten die Feierstunde in zwei ande­ren riesigen Hallen, wohin die Kund­gebung übertragen wurde.

Die Feier, von Liedern des Männerchors der BVG, Sprechchören des Arbeitsdienstes und musi­kalischen Vortrügen des Mnsikkorps des Flotten- flaggschiffes„Schleswig-Holstein" umrahmt, wurde von dem Vertrauensmann der Vetriebsgemein- schaft der AEE.-Werke eröffnet. Dr. Goebbels hob die Bedeutung, die das bereits im ersten Jahr so beispiellos gewaltige Werk „Kraft durch Freude" für die Verwirklichung des national­sozialistischen Gedankens gehabt habe, hervor. Rudolf Heß überbrachte die Grüße des Führers, der es bedauerte, an diesem Abend nicht bei den Arbeitern, bei denen er am liebsten weile, ver­bringen zu können.

Der Thor der Berliner Verkehrsgesellschaft sang das von seinem Leiter komponierte Lied „Ar­

beit ist Glück". Der Sprechchor des Arbeits­dienstes brachte wundervoll eindringlich zwei Re­flationen zum Vortrag. Dann gab Ministerial- rat Dreßler-Andreß des Reichsorganisa­tionsleiter Dr. Ley das Wort zu seinem großen Rechenschaftsbericht, der mit einem Ausblick auf die Arbeit der kommenden Jahre abschloß und ankündigte, daß die Organisation „Kraft durch Freude", die heute schon beispiellos in der Welt dasteht, im kommenden Jahr ihr Aufgabengebiet noch vervielfältigen wird, um allen ihren Kame­raden neue Kräfte zu sammeln, die der Gesamt­heit und damit dem deutschen Volk wieder dienst­bar werden.

Dr. Ley führte etwa folgendes aus:

Vor nunmehr einem Jahr verkündete ich im ehemaligen preußischen Herrenhaus den Beginn eines neuen Werkes, das die kaum aus der Taufe gehobene Arbeitsfront gewillt sei, in Angriff zu nehmen: „Die Neugestaltung des Feier­abends, die Sicherung einer wah­ren Erholung für den deutschen Ar­beite r".

Der Führer war es, der auch hier, wie immer, richtunggebend war. Er sagte:

„Ich will, daß dem Arbeiter ein ausreichender Urlaub gewährt wird und daß alles geschieht, um ihm diesen Urlaub, sowie seine übrige Freizeit zu einer wahren Erholung werden zu lassen. Ich wünsche das, weil ich ein nervenstarkes Volk will, denn nur allein mit einem Volk, das seine Nerven behält, kann man wahrhaft große Politik machen."

Dieser Wille des Führers war uns heiliger Befehl. Der Führer zeigte uns auch sozialpoli­tisch einen neuen Weg! Das Leben ist nicht allein eine nackte Magenfrage, ein Lohn- oder gar Divi­dendenproblem, sondern wir haben gelernt und das Volk hat es begriffen:

Zum Leben gehört eine Summe von anderen Dingen, die anständige Gesinnung, die Teilnahme an der Kultur, das Schauen der Schönheiten unseres Vaterlandes, die Gestaltung des Arbeits­platzes, die Erhaltung der Spannkraft des Kör­pers, die Erweckung eines neuen Volks- und Brauchtums und vieles andere mehr.

So ist denn heute nach noch nicht zwei Jahren der große Wurf gelun­gen. „Die Arbeitsfront ist der Exer­zierplatz, auf dem täglich die Ge­meinschaft geübt wird und „Krast durch Freude" ist das Reglement, nach dem wir exerzieren."

Dr. Ley zählte sodann einen Teil der Erfolge des ersten Jahres „Kraft durch Freude" kurz auf. Er bezeichnete als das Prachtstück das Amtfür „Reisen und W ander n" Hier zeige sich der ungeheure Erfolg von „Kraft durch Freude". Ins­gesamt 2168 032 Arbeiter wurden auf Reisen ge­schickt, davon 15L Millionen auf Urlaubsreifen von sieben bis zehn Tagen.

Von der Größenordnung der Arbeit könne man sich erst einen Begriff machen, wenn man be­denke, daß für die Beförderung dieser Volks­genossen rund 36 006 Eisenbahnwagen erforderlich,

Ausfuhrsteigerung tut not!

Eine amerikanische Protestnote an die Reichsregierung — und was zu ihr zu sagen ist

Washington, 27 November.

Die Washingtoner Regierung veröffentlicht eine Note an die Reichsregierung, in der erneut gegen die angebliche Diskriminierung amerika­nischer Privatgläubiger und Inhaber deutscher Wertpapiere Protest erhoben wird. In der Note wird behauptet, die Ansicht Deutschlands, daß Schulden nur durch den Erlös der Aus­fuhr nach dem Eläubigerland bezahlt werden könnten, sei gefährlich und unannehmbar. Diese Ansicht verlagere das Verhältnis zwischen Gläu­biger und Schuldner und versuche, einen neuen Grundsatz aufzustellen, nach dem ein Schuldner seine ganzen Auslandsschulden eigenmächtig strei­chen und den Gläubiger aus dem Clearingver­fahren abdrängen dürfe, ihn also zwingen könne, Waren zur Bezahlung der Schuld anzunehmen. Hiervon abgesehen, stehe jedoch fest, daß das Reich die amerikanischen Gläubiger schlechter behandele

als die anderer Länder. Die amerikanische Re­gierung könne den Glauben nicht aufgeben, daß die Reichsregierung diese Politik durch gerechtere Maßnahmen ersetzen werde.

Die vorstehend wiedergegeben« Argumen­tation der amerikanischen Note geht an dem Problem vorbei. Es handelt sich nicht darum, daß die Beziehung zwischen Gläubigern und Schuldnern durch die Frage nach dem Ver­hältnis des Warenaustausches zwischen Deutschland und den einzelnen Gläubiger­ländern verlagert wird, sondern um die rein praktische Frage, wie die von den deutschen Schuldnern in Mark aufgebrachten Zins­beträge transferiert werden können. Wenn Deutschland in seiner gegenwärtigen Lage die hierfür erforderlichen Devisen nicht aus­

bringen kann, so ist eben das einzige Mittel, den Transfer zu ermöglichen, eine Steige­rung der deutschen Ausfuhr. Alle bisherigen Versuche der deutschen Regierung, zu Ver­handlungen hierüber mit der Regierung der Vereinigten Staaten zu gelangen, sind jedoch vergeblich gewesen. Im übrigen ist die Schuldenfrage durchaus nicht ein rein deut­sches Problem. Gerade die Vereinigten Staa­ten haben Forderungen an zahlreiche Län­der, die ebensowenig wie Deutschland in der Lage sind, ihre Zinsverpflichtungen an Amerika in Devisen zu erfüllen. Das beweist schon die Tatsache, daß die -amerikanische Regierung es für notwendig erachtet hat, an die Regierungen aller Schuldnerländer gleichlautende Zahlungsaufforderungen zu richten.

waren. Reiht man diese Waggons aneinander, so ergibt sich ein riesiger KdF.-Sonderzug, bei dem die Lokomotive in Berlin und der letzte Wagen in Breslau stehen würde. Der am letzten Wagen stehende Fahrdienstleiter würde vier bis fünf Stunden in , D-Zug-Eeschwindigkeit zurücklegen müssen, um dem Lokomotivführer das Fahrzeichen geben zu können. Die Gesamtzahl der von den KdF.-Urlauberzügen gefahrenen Kilometer ergibt eine Strecke, die etwa den neunzehnfachen Erd­umfang ausmacht.

Die wirtschaftliche Bedeutung der Fahrten ergebe sich aus der Tatsache, daß bei sämtlichen Urlauberzügen rund 10 Millio­nen Mark umgesetzt wurden. Davon er­hielt die Reichsbahn allein eine zusätzliche Ein­nahme von sieben Millionen Reichsmark. Durch eine vorzügliche Organisation seien die Kosten der einzelnen Fahrten sensationell niedrig gehalten worden.

Einer besonders großen. Beliebtheit erfreuten sich die Urlaubsreifen zur See. Nicht weniger als rund 80 000 Volksgenossen.aus allen Teilen Deutschlands fuhren auf eigenen Dampfern zu den norwegischen Fjorden oder an die englische Küste.

Rehen den Land- und Seereisen sei auch ,4.rz besonders das deutsche Wandern ge " ^jt worden. Die nächstjährigen Pläne des Reisen, Wandern und Urlaub beabsichtigten'os.re Verdoppelung und Verdreifachung des diesjähri­gen Programms.

Nicht weniger als 3 bis 1 Millionen Urlaubern solle ein Urlaubs- oder Wochenendanfenthalt er­möglicht werden. Dabei sollten in erster Linie die landschaftlich besonders schönen Notstands- und Grenzgebiete Berücksichtigung finden.

Auch die Hochseefahrten würden wesent­lich verstärkt werden. Neben den Lloyddampfern „Der Deutsche" und „Eordobä" in Bremerhaven würden in Hamburg vier großeDamp- fer in Dienst gestellt werden. Zur Bewältigung dieses Verkehrs müßten die Hafenanlagen in Hamburg ausgebaut und erweitert werden.

Die Hochseefahrten würden im kommenden Frühjahr eine sehr interessante Bereicherung da­durch erfahren, daß einzelne Schiffe in den Vor- srühlingszeiten Fahrten nach den südlichen Zonen unternehmen würden, z. V. nach Portugal, Madeira und denAzoren. An diesen Fahr­ten würden auch die Familienangehöri­gen teilnehmen.

Als zweites Amt mit geradezu sensationellen Erfolgen nannte Dr. Ley das Sportamt. Ge­rade der Sport sei es, der mit wenigen Hilfs­mitteln in wenigen Stunden „Kraft durch Freude" hervorrufen könne. Von sämtlichen Sportämtern wurden bisher 8800 Sportkurse durchgeführt und etwa 70 000 Unterrichtsstunden abgehalten, an denen insgesamt 130 000 Besucher teilgenommen haben.

Als nächstes werde im örtlichen Bereich eines jeden Sportamtes eine sportärztliche und eine all-

Ueber Mythos und Landschaft

Line Betrachtung von Dr. Ernst Wschler

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In der Dichtung aller Völker erscheint zu Be­ginn das mythische Element in enger Verbindung mit dem landschaftlichen. So ist es bei den Grie­chen, den Indern, den Japanern; auch bei den Germanen. Warum nicht bei den Deutschen? Die Antwort muß lauten: weil die Uebernahme einer fremden, aus dem Morgenlande stammenden Re­ligion den natürlichen Zusammenhang zwischen Mythos und Landschaft zerschnitten hat. Unsere höfische wie unsere Vokksepik kennt ihn nicht, nur Reste ragen hinein, wie die Donaunixen, die zu Hagen sprechen. Der christliche wie der iranische Mythos — z. B. in der Eralsdichtung — ist überpflanzt. Weder Hans Sachs noch die neue­ren — Lessing und Wieland, Goethe und Schiller, Hebbel, Kleist, Erillparzer, Otto Ludwig- drängen zum heimischen Mythos in ibr-

samtheit vor. Die Versuche in dieser Richtung blieben auf gelehrte Kenner wie Uhland, Sim- rock, Jordan, Hertz, Dahn, Kralik beschränkt, die sich, gleichsam als Redaktoren, um Bewahrung und Erneuerung der alten Stoffwelt höchste Ve^ dienste erwarben, wie viel Schönes ihnen auch dichterisch im einzelnen gelang.

Vielleicht zum ersten Male in unserer Geschichte scheint jetzt die Wiederherstellung des uralten Zu­sammenhanges zwischen Mythos und Landschaft möglich. Denn der Ausgang des Weltkrieges, der Zwangsfriede, die Feindseligkeit und Verständnis- losigkeit der anderen europäischen Völker, die sich gegen uns geistig absperrten, hat — man muß es sich gestehen — die seit dem Mittelalter gegebene Gemeinschaft der Christenheit, aus der sich schon Sowjet-Rußland ausgesondert hat, ernstlich ge­fährdet und uns zur 'Selbstbesinnung gezwungen,

um in jeder Hinsicht selbständig zu werden. Dazu gehört aber die Kenntnis unserer Vorgeschichte, unserer Vorzeit, unserer Altertümer. Wir wol­len wissen, wie wir aus Blut und Boden ein Volk geworden sind. Und so versenken wir uns in die heimische Landschaft, ihre Geschichte, ihren Mythos, um aus der Berührung mit der mütter­lichen Erde, gleich dem Riesen Antäus, neue Kraft zu gewinnen. Begreift ein ganzes Ge­schlecht von Dichtern und Künstlern diese Lage als eine gänzlich neue: so ist mit dieser Erkennt­nis die Voraussetzung für eine neue Dichtung und Kunst gegeben, die über den Klassizismus, die Romantik, den Naturalismus hinausführt und, wenn hohe Begabungen auftreten, Epoche machen

kann. . ^

Die Vorläufer einer solchen Literatur sind da. Schon 1911 erschien Roman", der die Bedeu­tung des Teutoburger Waldes von der mythischen Seite aus erfaßte. Nach dem Kriege trat Ju­liane Karwath mit der meisterhaften Erzählung vom ,Ritt des wilden Jägers"" hervor. 1929 ist der Roman „Frau Perchtas Auszug""" von Friedrich Alfred Schmid-Noerr herausgekommen. Auch er behandelt den Untergang der alten heimischen Eötterwelt. Was dies für unser Volk bedeutet, wird uns jetzt erst klar, da, ausgelöst durch den staatlichen Umbruch, mn neuer Kampf um den Glauben eingesetzt hat. Schmid-Noerr, als ein tiefgrübelnder Gelehrter und feinsinniger Kenner unseres Volksglaubens, unserer Brästche hat hier den Versuch gemacht, den Mythos aus der Oberdeutschen Land,chaft - der des Bayernlandes - herauswachsen zu las­sen' Gestalten und Begebnisse: und man muß sagen, daß es ihm in erstaunlichem Mage. ohne

die Trockenheit der Historie oder der Altertümelei, gelungen ist. Hier ist Leben — Seele — Geist der Heimat und der Vorzeit wach geworden. Sagen­hafte und märchenhafte Bestandteile sind glücklich verschmolzen, so daß, im großen und ganzen, eine Stil-Einheit erreicht ist, die einen künstlerischen Eindruck nicht verfehlt. Altertümliche Strophen wie neue Verse sind in die Prosa-Erzählung mit Glück eingesprengt; wie sich der Autor auch nicht gescheut hat, durch eine Reihe Geschichten der Frau Perchta ihren Fluh in der Mitte zu unter­brechen. Das Motiv von der falschen Braut — das freilich etwas kolportagehaft anmutet, und, als geschichtlicher Vorgang unmöglich, nicht mit psychologischem Maßstab gemessen werden darf — dient zum Aufbau des ersten Teils; hernach im zweiten bildet die Geschichte der in den Wald verbannten Mutter Kaiser Karls, der Frau Vertha, die schon Uhlands Ballade behandelt, den Inhalt; es sind eigentlich zwei Fabeln, die durch die gleiche Hauptgestalt der Göttin verbunden sind. Die Verwicklung und Verknotung der Er­eignisse ist weniger Sache dieses Dichters, als die Kraft seiner Visionen, die — bei Luremun, Ky- refen, der Drude, der Perchta selbst — als unge- mein berührt. Hier, wie bei Juliane Karwath, ist die heimische Mythe mit feinstem Gefühl wei- tergestaltet. Das Genie Richard Wagners darf in diesem Zusammenhang außer Betracht bleiben. Ueber manches Schwächere im Vortrag der Er­zählung muß man sich, wie bei Dahn, hinweg­setzen; denn im Grunde ist das Problem der Göttin als der irdischen Mutter Karls unlösbar. Mit der Verbannung Perchtas und dem Auszug der Heimchen schließt das Werk, das doch mehr als ein Erbauungsbuch für die reifere Jugend und jedenfalls als eine ungewöhnliche Leistung anzusprechen ist, auch wenn das Letzte der künst­lerischen Geschlossenheit nicht erreicht wirü. Dies wird aber auf diesem Gebiet wohl nur der Vers- Lichtung hohen Stils vorbehalten bleiben.

Aber in all diesen Büchern lebt das deutsche Heidentum wieder auf und erscheint, wie als ob Jahrhunderte ausgelöscht seien, gegenwartsnahe. So groß ist die Gewalt des heimischen Mythos, die unwillkürlich groß und klein in ihren Bann schlägt. Indem wir die seelische Verbundenheit des ganzen Volkes zu erreichen versuchen durch eine neue Volksgemeinschaft, haben wir vielleicht jetzt eher Verständnis für die Welt, die uns die Dichter neu zu erschließen bemüht sind. Noch

scheint dieser Weg durch eine Wildnis zu führen. Aber der Durchgang durch sie ist wohl notwendig, wenn wir zu uns selbst und in das Land unserer Zukunft — in das Land unserer Verheißung kommen wollen.

* Osning (Leipzig-Stötteritz, Verlag Moritz Ruhl geb. RM. 5.—).

** Breslau. Ostdeutsche Berlagsanstali.

*** Leipzig, Verlag Paul List. geb. RM. 4,80.

A. F. Lehman«

Der nationale Vorkämpfer und Verleger siebzig Fahre alt

Am 28. November begeht der bekannte Mün­chener Verleger I. F. Lehmann seinen 70. Ge­burtstag. Als Sohn eines Pfälzers 18ers in Zürich geboren, kam er 1890 nach München, wo er zunächst eine medizinische Buchhandlung mit Verlag gründete. Die „Münchener Medizinische Wochenschrift" und Lehmanns medizinische Atlan­ten sind Zeugen seiner Tätigkeit als medizinischer Verleger.

Wichtiger noch ist Lehmanns Tätigkeit als politischer Verleger. Seit Bismarcks Entlassung bekämpfte er mit Mut und Leidenschaft den neuen Kurs. Er stellte seinen Verlag in den Dienst des Alldeutschen Verbandes, der Werbung für die deutsche Flotte und die Kolonien und er hatte im Kriege als Verleger der Schriften des Frhrn. von Liebig wesentlichen Anteil an dem Sturz Vethmann Hollwegs. Nach dem Zusammenbrach stand er in den Reihen der Münchener Einwoh­nerwehr und wurde als Geisel der Roten durch alle Münchener Gefängnisse geschleppt. Bei der Befreiung Münchens von der roten Herrschaft,

wie bei dem ersten Versuch einer deutschen Er­hebung 1923 stellte er mutig und entschlossen seinen Mann. Inst in der Zeit der übelsten Judenherrschaft gab er die Anregung zu Hans Günthers rassenkundlichen Werken, dem Spott und den Warnungen mancher Wissenschaftler und Politiker zum Trotz. Um Günthers Rassenkunde und den „Baur-Fischer-Lenz", das rassenhygie- nische Grundwert, hat Lehmann einen ganzen raffen- und vererbungskundlichen Verlag er­richtet, der weithin zielweisend geworden ist.

Furchtlosigkeit und Zivilcourage bewährte er dann wieder als Verleger der „Gefesselten Ju­stiz" von Gottfried Zarnow, die mit zum Sturz der roten Herrschaft in Preußen beitrug. Treue zu seinem Deutschtum, nimmermüde Arbeitskraft, leidenschaftlicher Kampfwille und schöpferisches Denken haben zusammengewirkt, aus I. F. Leh­mann das Urbild eines rechten deutschen Ver­legers zu machen: EinenVorkämpsernnd Hüter der geistigen Güter seines Volks.