Ausgabe 
(25.11.1934) Nr. 326
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SvrcKzeit des Verlages werktäglich von 12—13 Uhr. der Schriftleitnng werktäglich von 16—17 Uhr.

Nr. 32S / 4. Vierteljahr

Sonntag, 25. November

Einzelpreis 15 Nps.

„Tag nationaler Solidarität"

Am 8. Dezember Sammelaktion für das Winterhilsswerk

Am Sonnabend, dem 8. Dezember 1834, findet im ganzen Reich eine Sammlung für das Winterhilsswerk statt, die unter Leitung des Reichspropagandaleiters der NSDAP., Dr. Goebbels, steht. Die verantwortliche Leitung der Sammlung in den Gauen liegt bei den Gaupropagandaleitern bezw. bei den Landesstellenleitern, in den Kreisen bei den Kreispropa- gandaleitern und in den Ortsgruppen bei den Ortsgruppenpropagandaleitern.

An der Sammelaktion beteiligen sich sämtliche höhere Beamte und Angestellte des Reichsministeriums für Bolks- aufklärung und Propaganda und der Landesstellen, sowie der dem Reichsministerium und den Landesstellen unterstehenden Behörden und öffentlichen Einrichtungen der Reichskulturkammer, Reichsrundfunkgesellfchast, Reichsverband der Deut­schen Presse, Werberat der Deutschen Wirtschaft, Hochschule sür Politik, Philharmonisches Orchester, Theater, Filmprüf- stelle, Reichsausschuß für Fremdenverkehr. Ebenso beteiligen sich alle Gaupropagandaleiter mit ihren Mitarbeitern, sowie in den Kreisen und Ortsgruppen der NSDAP. die Propagandaleiter und sämtliche in den Gauen befindlichen Redner. Außer­dem werden sich die führenden Persönlichkeiten der Partei und ihrer Untergliederungen sür die Sammelaktion einsetzen. Der Chef des Stabes der SA., der Reichsführer der SS. und der Reichsjugendsührer haben einen entsprechenden Befehl an die ihnen unterstellten- Gliederungen erlassen.

Gesammelt wird von 1K bis 1S.3V Uhr auf den Straßen und von 22 bis 23 Uhr in den Gaststätten. Jeder Sammler erhält eine Sammelbüchse der NSV. mit der Aufschrist: „Tag der nationalen Solidarität". In der Zeit zwischen 20.33 Uhr und 21.30 Uhr finden in allen Orten Kundgebungen statt. In Berlin findet zu gleicher Zeit im Sportpalast eine einstündige Kundgebung aller beteiligten Sammler statt, bei der Dr. Goebbels spricht. Diese Kundgebung wird auf alle deutschen Sender übertragen und aus alle örtlichen Kundgebungen übernommen. Im Anschluß an die Kundgebung im Sportpalast und ihre Uebertragung wird in den Lokalen, Theatern, Kinos usw. gesammelt.

Völkerbund ohne Südslawien?

Varis und Budapest über Belgrader Drohungen / Italien unterstützt Ungarn

Deutschenhetze in pmg

Uebersall auf die Carolinus-Universität Prag, 24. November.

Der Streit um die Auslieferung der alten Jnsignien der deutschen Universität in Prag an die tschechische Universität nimmt immer schärfere Formen an. Sonnabendfrüh besetzten die deut­schen Studenten sämtliche Gebäude der beiden Präger deutschen Hochschulen; der Vorlesungsbe- trieb wurde bis auf weiteres unterbrochen. Gegen Mittag zogen einige hundert tschechische nationa­listische Studenten unter Führung des Prorektors der tschechischen Universität Professor Dr. Domin vor das Rektoratgebäude der Präger deutschen Universität, warfen einige Fenster­scheiben ein und sprengten die Türen zu dem Eebäude. Der Dekan der medizinischen Fakultät der Präger deutschen Universität, Professor Dr. Zoynik, der vor das Gebäude kam und das Ein­schreiten der zahlreich aufgebotenen Polizei ver­langte, wurde schließlich zum Weggehen aufge­fordert und fortgewiefen.

Gegen 14 Uhr setzte ein Sturm auf das Rektorat der deutschen Universität ein, un­mittelbar im Anschluß an eine Rede des Prorek­tors der tschechischen Universität, Dr. Domin, der u. a. die Entfernung der rechtswissenschaftlichen Fakultät aus dem Gebäude des Tarolinums for­derte. Die tschechischen Studenten drangen dar­aufhin bis zum ersten Stockwerk vor und ver­wüsteten die Räumlichkeiten des historischen und slawischen Seminars der deutschen Universität vollkommen. Das ganze Stockwerk bietet ein Bild einer wilden Zerstörung. Durch erbitterten Widerstand der im Eebäude befind­lichen deutschen Studenten wurde das Schlimmste verhindert. Einer der deutschen Studenten wurde rm Flur von den Tschechen niederge­schlagen und trug eine klaffende Kopfwunde davon. Mehrere andere deutsche Studenten wur­den ebenfalls verletzt.

Erst die'immer dringender werdenden Vor­stellungen des deutschen Rektors, Pros. Dr. Grosser, der sich seit seiner Rückkehr von der Vorsprache bei Ministerpräsident Malypetr in seinem Amts­zimmer befand, bewogen die Polizei, die in starken Abteilungen erschienen war, einzugreifen.

Gens, 24. November.

Aus Kreisen des Bölkerbundssekretariats wird mitgeteilt, daß man nach den letzten Nachrichten aus Rom mit dem Zusammentritt des Völker­bundsrats zur Besprechung der Saarfragen nicht mehr vor dem 3. Dezember rechnet. Diese Wendung kommt überraschend, da noch Freitag­abend allgemein Dienstag oder Mittwoch der kommenden Woche als feststehender Zeitpunkt an­gesehen wurde.

In den internationalen Kreisen Genfs glaubt man aus dieser Verschiebung der ^ Ratstagung schließen zu können, daß die Absicht bestehe, in Rom zu einem vollständigen Ergebnis zu kommen und alle wesentlichen Punkte klären zu können. Gleichzeitig hat man aber auch den Eindruck, daß doch noch eine Reihe schwieriger Einzelfragen zu lösen sein werde, deren Bereinigung noch einige

Paris, 24. November.

Die ungarische und nicht zuletzt auch die italienische Haltung gegenüber der südslawischen Note wird in der französischen Presse eifrig besprochen. Die Blätter verkennen nicht die äußerst heikle Lage, in die der Völkerbund durch die Erklärungen des ungarischen Minister- präsidemen und des ungarischen Vertreters in

Zeit in Anspruch nehme. Auch könne man die Vermutung hören, daß eine Verschiebung der Ratstagung noch über den 3. Dezember hinaus stattfinden könnte.

Zu dem Beschluß Veneschs, die außerordentliche Sitzung des Völkerbundsrates, die der Prüfung der Saavfrage gewidmet sein wird, frühestens auf den 3. Dezember einzuberufen, schreibt der Genfer H a v a s-Vertrmer, man habe eingesehen, daß durch eine frühzeitige Einberufung der Sitzung des Völkerbundsrates der Verlauf der in Rom im Rahmen des Dreierausschusses geführten Ver­handlungen vielleicht gestört oder in gewisser Hinsicht beeinflußt werden würde. Die von Baron Aloisi vorliegenden Nachrichten seien nach wie vor günstig. Die Vertagung der Ratssitzung könne also nur als günstiges Anzeichen für eine baldige Regelung der Saar­frage aufgefaßt werden.

Genf geraten ist. Das „Journal" ist der Anficht, daß es vielleicht vorteilhafter wäre, die ganze Angelegenheit nicht auf die lange Bank zu schieben, sondern sofort zu erledigen. Südslawien habe sich zwar damit einverstanden erklärt, keine Sanktionen zu fordern, sondern lediglich eine Verurteilung des Terrorismus durch den Völker­bund anzustreben. Dies hätte erreicht werden können, wenn sich die südslawische Regierung darauf beschränkt, die Behandlung der Angelegen­heit für die Januartagung zu fordern. Die südslawische Anklage habe aber den Charakter einer Anzeige angenom­men. Sie habe Ungarn zu Gegen­maßnahmen herausgefordert. Der Außenpolitiker des „Echo de Paris", Pertinax, fragt sich besorgt, zu welchen Auseinandersetzungen - das führen würde, wenn dem italienischen Wunsch, der dahingeht, daß die gefährlichen Elemente in allen Ländern verfolgt und ausgewiesen werden können, Rechnung getragen würde. Das süd­slawische Verlangen nach Genugtuung werde eben­falls geltend gemacht und der südslawische Außen­minister habe Laval mehrere Male erklärt, Südslawien werde sich vom Völkerbund zurückziehen, wenn es keine Genugtuung erhalte.

Budapest, 24. November.

Die Budapest er Presse wendet sich auch weiterhin in schärfstem Ton gegen das Vorgehen Südslawiens in Genf. Der Widerhall der Note im Ausland wird von allen Blättern in spalten- langen Pressestimmen geschildert. Das Haupt­interesse wendet sich der Haltung der Pariser Re­gierung zu, wobei von einigen Blättern mitge­

teilt wird, die in der ursprünglichen Fassung der südslawischen Note enthaltene Drohung mit einem „Auftreten wie 1914" sei nur auf Einschreiten Lavals fallen gelassen worden.

Rom, 24. November.

In verantwortliche» italienischen Kreisen ver- solgt man mit großer Aufmerksamkeit die Ent­wicklung, die durch die lleberreichung des Anklage- aktes von Jeftitsch und der Kleinen Entente beim Genfer Völkerbund und anderwärts hervorgeru- sen werden kann. In diesen Kreisen erkennt man voll das Recht Ungarns darauf an, eine sofortige Aussprache im Völkerbundsrat über diese Anklagen zu verlangen und dieser ungarische Standpunkt wird von den italienischen Vertre­tern im Völkerbund selbst klar unterstützt werden. Die verantwortlichen italienischen Kreise sind der Ansicht, daß eine Nation nicht unter so schweren Anklagen bleiben kann, wie es die gegen Ungarn erhobenen sind. Die italienischen Kreise halten die geschaffene Lage für heikel, glauben aber nicht, daß sie unmittelbar zu ernsteren Verwicklungen führen kann.

Ungarns Note an Genf

Genf, 24. November.

Der ungarische Delegierte Tibor Eckhardt hat Sonnabendabend dem Generalsekretär des Völker­bundes eine Note überreicht, in der die ungarische Regierung verlangt, daß die von Südslawien auf­geworfene Frage der politischen Verantwortlichkeit sür das Marseille» Attentat aus die Tagesordnung der demnächst zusammentretenden außerordent­lichen Ratstagung gesetzt wird.

Tag der Toten

K. Kill. Schwer und ernst läuten die Glocken den Totensonntag ein. Nicht, als gehörte nur dieser eine Tag unseren Toten — sie lösen sich heute aus ihrer Bindung an unseren en­gen persönlichen Lebenskreis und treten in unübersehbaren Reihen auch vor die Volks­gemeinschaft. Was wir in ihnen verloren haben, ist unwiederbringlich. Mögen die Toten aus Friedhöfen des Heimatlandes oder in ferner kalter Erde ruhen, ihr Leben zwischen Drahtverhauen und Granat­trichtern, im harten Kämpf um das Dritte Reich oder auf vorgeschobenem Arbeits­posten geopfert haben, ja, möge ihr Seilt wie das letzte Flackern einer Kerze von selbst erloschen sein — unsere bittende Stimme wird nie mehr zu ihnen dringen, unser

Flehen nie mehr ihre Seele streifen-für

alle Ewigkeit nicht. Doch sollten die Toten, weil sie uns unerreichbar bleiben, auch von sich a-us den Weg zu uns nicht finden? Sollten sie uns, den Lebenden, nicht doch noch vieles, vieles zu sagen haben, vielleicht weit mehr als in der Mahnung liegt: „Seele, vergiß sie nicht, 'Seele, vergiß nicht die Toten!?"

*

Der Tod war von jeher, seit Menschen über sich selbst und das Leben nachzusinnen begannen, ein Mysterium. Der Glaube an die Unzerstörbarkeit des Lebenden schlecht­hin ist tief in das Herz so vieler Schassenden gesenkt, und doch muß der Mensch täglich, sofern er bis zum Kern der Dinge vordringt, erkennen, „daß Leben und Tod des Ein­zelwesens der Natur gleichgültig sind". Ueberblickt er die Ernte des Todes, so stößt er vor allem auf den schroffen Widerspruch zwischen Ewigkeitsidee und Diesseitsersah- rung. Auch sonst tritt an den Nachdenklichen immer wieder die Frage heran: „Gehst du einmal wirklich in die schwarze, kalte Nacht eines Nichts ein?" Nun, nicht nur biologisch, auch von der Warte einer vieltausendjähri­gen Geschichte aus ist die Vergänglichkeit und damit die Wertlosigkeit des Individuums unwiderlegbar erwiesen. Der Gedanke des späteren Nichtseins aber, einmal bis zur letzten Konsequenz verfolgt, läßt den einzelnen so lange nicht mehr zur Ruhe kommen, bis er den Widerspruch zwischen der Sterblichkeit seines Ichs und der in ihm schlummernden Idee der Ewig­keit gelöst hat. Und nur, wenn er zu den außerhalb seines Ich liegenden unver­gänglichen Werten der Volksgemein­schaft vorgedrungen ist, gewinnt das Wort des griechischen Weisen für ihn einen Sinn: „Der Tod geht uns nichts an; denn wann wir sind, ist nicht der Tod, und wann der Tod ist, sind w i r nicht."

*

Dank des unerbittlichen Kampfes, den der Führer gegen alles Morsche und Ueberlebte zum siegreichen Ende geführt hat, fühlen wir uns heute mehr denn je mit dem verbun­den, was den einzelnen überdauert, was vor uns war und sür alle Zeiten nach uns sein wird: Es ist die Blutsgemeinschaft des Volkes, das unsterbliche Deutsch­land, das allein unserem Leben Sinn und Inhalt gibt. Aus den Tiefen der Nation rauscht der nie versiegende Quell der Ewig-

Gaartagung verschoben

Zusammentritt des Döikerbunöörateö nicht vor dem 3. Dezember

Die DsnkeskerM von Wüllenbach

„Lrmrstice Day" in London

Im Oberbergischen, im Kölner Bezirk, liegt ein kleines Dörfchen, Mllllenbach, kaum vierhun­dert Seelen zählt es, und es gab im Weltkrieg ein Blutopser von 86 Männern.

Uralt ist das Kirchlein der Gemeinde, fast neun Jahrhunderte sah es vorüberziehen. Als die Glocken in den Krieg gingen, um Kanonen zu werden, da holte man auch das Geläut dieses Kirchleins herunter und hing einen Eisenbahn- puffer oben auf, der mit blechernem Klang die Gemeinde zusammenrief, wenn sie beten sollte für ihre Söhne da draußen. In Ehren ist er auf­bewahrt.

Wie nun der Krieg aus war und 86 Männer des Dorfes nicht mehr wiederkamen von den Schlachtfeldern, da wollte man auch hier eine Kriegerehrung errichten, denn die Gemeinde trug schwer an dem Leid, und es war wohl kein Haus, das nicht einen Toten betrauerte.

Es war damals in Mllllenbach ein alter Pfar­rer, ein rechter Seelenhirte, der vierzig Jahre laug Gottes Wort von der Kanzel des Dorfes gepredigt hatte und alle aufwachsen sah, die nun nicht wiedergekommen waren, weil sie ihre Treue Zu Heimat und Vaterland mit dem Tode besie­gelten. Dieser Pfarrer kannte die Seelen,tun- mung seiner kleinen Gemeinde bis zum letzten. Er fühlte, daß ein steinernes Mal nicht hinein­paßte in sein Dörfchen und auch nicht sprechen könne zu allen so, daß es bis ins Herz kam. Darum schlug er etwas anderes vor, etwas ganz besonders Feinsinniges für die Ehrung der Kclegstoten feiner Gemeinde — und wen heute einmal der Wanderweg ins oberbergifche Mullen- bach führt und er geht des Sonntags hinein in die uralte Kirche, wenn sie dort zu Gott beten, der wird ergriffen von der Ehrung, die der

Pfarrer mit seiner Gemeinde den toten Helden erdachte.

Ein mächtiger Kronleuchter hängt vom Decken- gewölbe herab. Drei schwere Ringe trägt er, die in langer Reihe geschmückt sind mit dem Kreuz des Glaubens und dem Kreuz der Tapferkeit. Auf jedem der Ringe stehen Kerzen, 86 an der Zahl, sechsundachtzig, so viele, wie Männer von dort im Kriege blieben. Und zu jedem Gottes­dienst brennen ein oder zwei oder noch mehr dieser Kerzen, je für einen, dessen Todestag sich in dieser Woche jährte. Auf einer Gedenktafel stehen sie alle verzeichnet, ihre Namen, ihre Ge­burtstage und der Tag, an dem sie dem Vater­lands ihr Leben opferten; und von jedem dieser Schildchen führt die Lichtleitung zu einer der Kerzen, so daß jeder weiß, wem sie brennt.

Wenn dann die Predigt vorbei ist, dann läu­ten die neuen Glocken, die nichts vom Kriege mehr wissen, die Orgel spielt leise das Lied vom guten Kameraden, und betend spricht der Geist­liche die schlichten Worte:

„Wir gedenken der im Weltkriege gefallenen Eemeindemitglieder, deren Kerzen heute brennen.

Gott bewahre ihre Seelen zum ewigen Leben! Er setze sie zum bleibenden Vorbild für uns und tröste alle, die um sie trauern." Gibt es wohl ein innigeres Gedenken als oieses? Fernab vom lauten Tag wird hier aller Kriegstoten gedacht und immer wieder des ein­zelnen, in dessen Erinnerung die Angehörigen in dieser Woche besonders beten. Hier wird eine Saat gesäet, die nicht unfruchtbar bleiben kann. eine Saat im Geiste der Toten.

An einem Tage aber brennen alle Lichter des Dankes, am Heldengedenktage. Dann strahlen sie

auf im Danke der Gemeinde und in der heiligen Mahnung, den einen nicht zu vergessen vor dem andern, denn alle trugen dasselbe Ehrenkleid des feldgrauen Soldaten.

Die Dankeskerzen von Mllllenbach, so schlicht und einfach sie sind, sie greifen mehr ans Herz, als mancher große Denkmalsbau. Denn sie sind nicht erkünstelt, nicht fremd dort, wo sie leuchten, jeder weiß von jeder einzelnen, was sie erzählt, und es wird sich die Geschichte jedes einzelnetr dieser Helden Lbererben von Generation zu Ge­neration, wenn Namen, in Stein gehauen, längst verloschen sein würden.

So ist die Kriegerehrung dieses kleinen ober- bergischen Dörfleins, die inzwischen auch in manch anderem Dorfe eingeführt wurde, ein Beispiel der Eemlltstiefe und des wahren innigen Dank­empfindens unseres Volkes. O. k?.

Denn unser sind viele

Wir Toten, wir Toten sind größere Heere Ais ihr auf der Erde, als ihr auf dem Meere l Wir pflügten das feid mit geduldiger Tat,

Ihr schwinget die Sicheln und schneidet die Saat, Und was wir vollendet und was wir begonnen, Das füllt noch dort oben die rauschenden Bronnen, Und all unser Lieben und Gassen und Hadern, Das klopft noch bort oben in sterblichen Ädern, Und was wir an gültigen Sätzen gefunden. Dran bleibt aller irdische Wandel gebunden, Und unsere Töne, Gebilde, Gedichte Erkämpfen den Lorbeer im strahlenden Lichte, Wir suchen noch immer die menschlichen Ziele Drum ehret und opfert! Denn unser sind viele!

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Zum sechzehmen Male hat das englisch« Volk am letzten Sonntag das Gedenken des Waffenstill­stands gefeiert. Längst ist dieser Tag keine „Sie- ges"-Feier mehr — seit einem Jahrzehnt schon gilt die Erinnerung an das glückliche Ende des Krieges nur noch ausschließlich den Toten, der einen Million gefallener britischer Soldaten. Auch der Fremde, der auf der an­dern Seite des flandrischen Schlachtfeldes den tapferen Tommies gegenübergelegen har, kann an dieser Feier teilnehmen und der eigenen Ka­meraden gedenken. Er wird gleich den Hundero­tausenden von Engländern, Schotten und Iren aufs tiefste ergriffen, vom „Cenotaph" in White- hall nach Hause gegangen sein, ohne Bitterkeit gegen den einstigen Feind. Die beste Seite des englischen Nationalcharakters hat sich in diesen Tagen in und um Westminster offenbart, die ge­rade bei uns Teutschen Verständnis und Aner­kennung finden wird.

Schon am Sonnabend, dem Tage zuvor, stand ganz London im Zeichen der roten flandrischen Mohnblume. Mohn, leuchtender roter Mohn wuchs auf den weiten, fruchtbaren Ebenen Flan­derns, die das rote Blut Hunderttausender junger Soldaten färbte. So ist die Mohnblume das Symbol der Erinnerung und der Treue geworden. Diese Treue gilt auch den Verwundeten und Ver­stümmelten, die in Flandern die Kugel i>raf. So hat die „British Legion", der Verband der Kriegs­teilnehmer, eine Fabrik eingerichtet, die das ganze Jahr Hinduich für diesen einen Tag diese roten Mohnblumen herstellt. Nur Kriegsbeschä­digte und -blinde, denen keine andere Arbeit mehr möglich ist, sind darin beschäftigt. Alle Kränze, die am Gefallenen-Gedenktag vor den Denk­

mälern Großbritanniens niedergelegt werden, enthalten diese Mohnblume.

Es hat am Sonntag und am Sonnabend zuvor wohl brum einen Menschen in ganz Großbritan­nien gegeben, der nicht diese rote Blume im Knopfloch getragen hättet Der Arbeiter, der Taxi­chauffeur oder das Ladenmädchen stifteten ihre Pennies. Die Lady, der Geschäftsmann ließen es sich ein paar Guineas kosten. Und die ganz Wohlhabenden befestigten dicke Büschel großer, besonders teurer „Poppies", wie die rote Mohn­blume im Volksmunde heißt, an den Kühler­figuren ihrer Kraftwagen. Eine Extra-„Pension", die das britische Volk an diesem Tage seinen Kriegsbeschädigten und -Hinterbliebenen zugute kommen läßt.

Eine ebenso schlichte, einfache wie imposante Kundgebung fand zur Erinnerung an die Toten des Weltkriegs am Mahnmal des Unbekannten Soldaten, dem „Cenotaph" in Whitehall, am 11. November statt. In der Londoner „Wilhelm­straße" versammelten sich viele Hunderttausende um ihren König, die Spitzen der Regierung, der Kirche, der Armee und Marine, um im Kranz der aufmarschierten Regimenter der Gefallenen zu gedenken und die Erinnerungsblume in Form von Kränzen, Kreuzen und Sträußen am Denk­mal niederzulegen.

Schon viele Stunden zuvor säumen dichte Menschenmassen den Platz. Von Viertelstunde m Viertelstunde wächst die Flut der geduldig War­tenden. Dann ferne Marschmusik und der Tritt herannahender Bataillone. Englands berühmte Eardetruppen in ihren hohen Bärenmützen, die Musikkapellen, geführt von ihren Stabträgern in leuchtender mittelalterlicher Tracht, marschieren zum Viereck auf —, sie komplizierten Griffe, die