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Nr. 325 / 4 . Vierteljahr E
>onnabenö.
24. Novembe
r Einzelpreis 15 Nps.
Llngam protestiert beim Völkerbund
Einberufung einer außerordentlichen Ratstagung wird erwartet
Budapest, 23. November.
In Beantwortung der südslawischen Völkerbundsnote beabsichtigt die ungarische Regierung, wie von gut unterrichteter Seite mitgeteilt wird, unverzüglich auch ihrerseits beim Völkerbund einen Schritt zu unternehmen. Die Regierung will in einer Note eingehend zu den Beschuldigungen der südslawischen Note Stellung nehmen, auf die völlige Haltlosigkeit dieser Beschuldigungen hinweisen und hervorheben, daß durch die Hetze der südslawischen Presse in den letzten Wochen eine ernste, besorgniserregende Atmosphäre geschaffen sei, die sofortige Matznahmen des Völkerbundes im Interesse der Erhaltung des Friedens notwendig mache.
Ueber den Inhalt der bevorstehenden ungarischen Note werden von amtlicher Seite zunächst noch keine Mitteilungen gemacht. Man nimmt an, daß die ungarische Regierung bereits in den allernächsten Tagen durch ihren nach Eenf entsandten Vertreter, Eckhardt, dem Völkerbund die Note überreichen wird. Es wird vermutet, daß die Note in gleicher Weise wie die Südslawiens unter Bezugnahme auf den Artikel 11 Absatz 2 des Völker- bunüsvertrages den Völkerbundsrat auf die durch die südslawische Pressepropaganda gegen Ungarn entstandene ernste Lage und Bedrohung des Friedens aufmerksam machen wird.
Trnndsätzlich besteht auf ungarischer Seite die Absicht, die dringliche Behandlung der Angelegenheit zu verlangen, wie es der ungarische Vertreter Eckhardt bereits angekündigt hat. Das würde bedeuten, daß Ungarn die Einberufung einer außerordentlichen Ratstagung verlangen würde. Diese Tagung würde uach Anficht des Völkerbundssekretariats etwa Mitte Dezember stattfinden. Die Verfahrensfragen find heute vormittag in einer Unterredung zwischen Eckhardt und Avenol besprochen worden.
Llnd Italien?
Budapest, 23. November.
Die Note Südslawiens an den Völkerbund und ihre Unterstützung durch die Regierungen in Prag und Bukarest hat nach Ansicht hiesiger amtlicher Kreise eine neue Lage geschaffen. Es habe sich jetzt die Notwendigkeit einer sofortigen Klärung der schweren, gegen Ungarn erhobenen Anschuldigungen Südslawiens ergeben. Die gesamte hiesige Oeffentlichkeit steht unter dem Eindruck der außerordentlich weitgehenden Beschuldigungen und des ungewöhnlich scharfen Tones der südslawischen Note. Diese wird hier als untragbar empfunden. Allgemein ist aufgefallen,daßindersüdslawischenNote Italien mit keinem Wort erwähnt wird. Man erblickt darin die Beteiligung der beiden anderen Mächte der Kleinen Entente an der Abfassung der Note sowie die deutliche Rücksichtnahme auf die jetzt wieder begonnenen französisch-italienischen Verhandlungen.
Im Vordergrund steht jetzt die Frage, welche Haltung die Großmächte, vor allem England und Frankreich, zu dem südslawischen Schritt einnehmen werden. Man gibt sich der Hoffnung hin, daß die französische Regierung aus naheliegenden Gründen ihren Einfluß in beruhigendem Sinne auf die drei Mächte der Kleinen Entente ausüben werde, da der offene Ausbruch eines Streites im Südosten Europas auch für Frankreich als unerwünscht angesehen werde. Eine gleiche Haltung wird auch von der englischen Regierung erwartet, die, wie verlautet, bereits dahingehende diplomatische Schritte getan haben soll. Die italienische Regierung hat, wie allgemein bemerkt wird, sich zunächst nach außen hin Zurückhaltung auferlegt, soll jedoch, wie gerüchtweise verlautet, bereits mitgeteilt haben, daß selbständige Schritte der südslawischen Regierung gegen Ungarn Italien zu ähnlichen Schritten gegen Südslawien zwingen würden.
Ministerpräsident Gömbös hat einem Mitarbeiter des ungarischen Telegraphen-Korrespon- denzbüros auf dessen Anfrage hin den Standpunkt der ungarischen Regierung zu der südslawischen
Note an den Völkerbund folgendermaßen dargelegt: Die ungarische Regierung wurde durch die im Zusammenhang mit der Marseiller Angelegenheit in Eenf unterbreitete südslawische Note nicht überrascht. Sie sieht in dieser Note nichts anderes als die Fortsetzung des seit einem Monat im Gange befindlichen und auf die Untergrabung der Stellung Ungarns gerichteten Pressefeldzuges. Sie sieht mit Befremden, daß der Ton der Note der gleiche ist wie der der gegen Ungarn hetzenden Presse.
Die ungarische Regierung hat vom ersten Augenblick des Einsetzens des Verleumdungsfeldzuges die Tendenz klar erkannt. Es steht nämlich außer Zweifel, daß das Ziel der Leiter des Feldzuges neben der Diskreditierung der ungarischen Sache auch die Einschüchterung Ungarns war, um unsere friedliche Arbeit für unsere nationale Existenz zu lähmen. Die ungarische Regierung lenkt die Aufmerksamkeit der öffentlichen Meinung der Welt auf die politische Tendenz der südslawischen Note, besonders unter Hinweis darauf, daß sie ihre Beschuldigungen gegen Ungarn ohne ins einzelne gehende Kenntnis der
bestimmt, und wehe dem Leoparden, der sich mit ihm in Raufereien einläßt!
Die Kraft und der Zorn sind zwei besonders ausgeprägte Eigenschaften eines solchen Mantelpavians; Tyrannei gegen die jungen Männchen und sämtliche Affenweiber eine dritte! Dunkle, tiefliegende Augen, die böse funkeln können; ein brutal gestrafftes Kinn, und wenn auch für gewöhnlich der Mund fest verschlossen bleibt, hinter den Lippen verbergen sich Reißzähne, die abenteuerlich scharfe Waffen sind. Es weht starke Le- Lensenergie um die geweiteten, wachsam witternden Nasenlöcher dieses Affentieres.
Ein Schritt nur, nicht einmal ein großer, bringt uns zum Schimpansen, dem menschenähnlichsten unter den Menschenaffen. Ich habe manches Schimpansenkind beobachtet und gepflegt, weiß, daß man dann die besten Erfolge erzielt, wenn man es wie ein Menschenkind behandelt, in gesunden und kranken Tagen. Nur etwas Einfühlungsvermögen ist erforderlich, um aus den unterschiedlichen Lauten, aus Mienenspiel und Armbewegung genau den jeweiligen Zustand zu erkennen. Der Schimpanse ist wahrlich das temperamentvollste, vielleicht sogar —im menschlichen Sinne — klügste Tier, ein Eholeriker, ein Schmeichler auch, fast härte ich gesagt — ein Spekulant. Schade, daß wir ihn immer nur einen Hanswurst in ihm sehen, doppelt schade, daß er häufig in die geschmacklose Verkleidung eines Dandys gesteckt wird, einer griinberockten Tiro- lerin.
Der Mensch sollte nicht immer unterstreichen und übertreiben, wenn es gilt, Tiere für uns verständlich zu machen. Weil das Krokodil, wie alle Reptilien ein starres, fast unbewegliches Auge hat, weil solch ein in Tropenwassern lebender Alligator wirklich stundenlang den Rachen aufsperrt und die Doppelreihe spitzer Zähne zeigt, deshalb müßen wir noch lange nicht den Ausbund von List und Tücke, abscheulicher Gemeinheit in
Sache und unter Berufung auf die angeblich zur Verfügung stehenden, bisher nicht nachprüfbaren Beweise stützen will.
Die ungarisch« Regierung als Vertreterin einer tausendjährigen Nation, deren Geschichte den politischen Mord niemals als Mittel zur Eeltend- machung der Wahrheit der Nation anerkannt hat, protestiert feierlich gegen das Vorgehen der südslawischen Regierung und weist die Beschuldigung der Teilnahme am Mord zurück. Da die ungarische Regierung durch das Vorgehen der südslawischen Regierung den europäischen Frieden als gefährdet ansieht, hält sie es auch ihrerseits für wünschenswert, daß der Völkerbund behufs dringender und objektiver Klärung der Sache jeden Schritt unverzüglich unternehme. Sie wünscht dies um so mehr — und lenkt die Aufmerksamkeit der europäischen öffentlichen Meinung besonders hierauf — weil es den Anschein hat, daß Südslawien und seine Freunde im Bewußtsein ihrer im Sinne der Friedcnsverträge ihnen einseitig zugestandenen überlegenen militärischen Kraft den heiligen Gedanken des europäischen Friedens gefährden.
Marseille
— eine politische Frage?
(Dxabtbsriobt unserer Berliner Lobrlktlsituvg),
N. Berlin, 23. November.
Die scharfe jugoslawische Note hat den Völkerbund vor eine Aufgabe gestellt, der er nach einheitlicher deutscher Auffassung nicht gewachsen sein dürfte. Er ist nach dem Willen derer, die ihn schufen, dazu da, den Frieden zu sichern und dafür zu sorgen, üatz der Friede erhalten bleibt. Die jugoslawische Note birgt in Form und Inhalt die Möglichkeit in sich, die bereits bestehende politische Hochspannung zu verstärken, die Diskussion zuzuspitzen.
Es erhebt sich die schwerwiegende Frage, ob der Belgrader Schritt zweckmäßig ist. Deutschland steht weder mittelbar noch unmittelbar mit der Angelegenheit im Zu- ämmenhang, die augenblicklich zur Debatte steht. Wir möchten auch nicht das geringste lamit zu tun haben. Wenn unser starkes Mitgefühl für die Trauer der jugoslawischen Nation uns auch ein Verständnis dafür abnötigt, daß der Schmerz des Landes groß und daß die Erbitterung tief ist, so wirkt sich diese Anteilnahme doch in erster Linie in dem Wunsche aus, daß alle diejenigen einer harten und gerechten Strafe zugeführt werden, die direkt oder indirekt an dem Verbrechen wirklich beteiligt waren. In diesem Verlangen fühlen wir uns einig mit dem jugoslawischen Volk und mit allen denjenigen, die gleich uns Sühne und Vergeltung wollen und die gleich uns wünschen, daß derartige Verbrechen für alle Zukunft unmöglich gemacht werden. Die Aufdeckung der Hintergründe des Marseiller Attentats aber ist keine politische, sondern eine kriminalistische Frage, eine Ausgabe für die Polizei. Es hat den Anschein, als ob die mit dem Mord befaßten Polizeiorgane alles getan haben, was menschenmöglich ist. In zahlreichen Ländern hahen umfassende Erhebungen polizeilicher Natur stattgefunden.
In diesem Zusammenhang würde zu den vorbeugenden Maßnahmen vor allem eine Nachprüfung des Asylrechts gehören, dessen Handhabung schon feit langer Zeit als die Wurzel vieler internationaler Verbrechen erkannt worden ist. Gegen den Mißbrauch des Asylrechts müßten sich vor allem die Schutzmaßnahmen der beteiligten Länder richten. In maßgebenden politischen Kreisen Berlins verweist man darauf, daß ausbaufähige Einrichtungen dieser Art bereits vor dem Weltkriege vorhanden waren. Im Jahre 1904 wurde in St. Petersburg ein Abkommen getroffen, durch das eine internationale Zusammenarbeit zur Unterdrückung anarchistischer Verbrechen und Attentate gewährleistet wurde. Dieses Protokoll hatte neben Deutschland, Rußland und einer Reihe anderer Staaten auch das damalige Serbien unterzeichnet. Auch auf kri- minalpolizeilichem Gebiete hat sich, ohne daß es dazu besonderer internationaler Vereinbarungen bedurft hätte, ein weitgehender unmittelbarer Verkehr zwischen den Polizeiverwaltungen der verschiedenen Staaten, insbesondere auf dem Gebiete des Fahn- dungswesens, herausgebildet. Tiefe Zusammenarbeit wurde in der Nachkriegszeit we-
Frankreichs Mstungsfieber
Der neue Heereshaushalt vor der Kammer / Verstärkung der Ostbesestigungen
Paris, 23. November.
Freitag vormittag setzte die Kammer die Aussprache über den Haushalt des Kriegsministeriums, die bereits am Donnerstag in einer Nacht- sitzung begonnen hatte, ohne daß jedoch mehr als leere Reden gewechselt worden waren, fort. Der Berichterstatter Archimbaud ergriff die Gelegenheit, seine schriftlich zusammengefaßten Behauptungen über die deutschen Rüstungen erneut von der Rednertribüne aus zu entwickeln. Man würde der Sache des Friedens schlecht dienen, wenn man die Auffassung zulassen würde, daß Hitler die Bestimmungen des Versailler Vertrages genau einhalte. Sowjetrußland habe Frankreich als erstes darauf aufmerksam gemacht. Nur eine Union zwischen Frankreich und Rußland werde den Frieden festigen.
Zu den einzelnen Fragen des Kriegshaushalts erklärte der Berichterstatter u. a., die Raüikal- sozialisten zögen es vor, Kredite sür Kriegsmaterial zu bewilligen als für eine Politik der Effektivstärken. Mit einem einzigen Jahrgang unter den Waffen wäre es schwer gewesen, die Ostgrenze von der Nordsee bis zum Mittelmeer zu verteidigen, wenn nicht die berühmte Linie aus Beton errichtet worden wäre. Die einjährige Dienstzeit reiche aus, aber man müsse das beste Kriegsmaterial besitzen. Der Berichterstatter bemängelte daher die Kürzung der Kredite für neues Kriegsmaterial um 400 Millionen. Zu der neuen 800-Millionen-Vor- lage der Regierung übergehend, verlangte Archimbaud einige Aufklärungen vom Finanzminister.
Germain-Martin betonte, daß er den Haushaltsplan nicht hab« überlasten wollen. Der Finanzminister habe die Pflicht, dafür zu sorgen, daß das Schatzamt in den ersten Monaten des Jahres 1938 geschmeidig bleibe. Er habe dem Kriegsminister erklärt, daß er ihm nicht 800 Millionen an zusätzlichen Krediten bewilligen könne, aber Marschall Pstain hab« ihm geantwortet, daß er eine Beibehaltung der einjährigen Dienstzeit sicherstellen wolle und die zweijährige Dienstzeit
nicht vorzubereiten wünsche.
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Der Kriegsmin
ter
ist sslkslänelig
(hjäbsrss im iianäslstsil)
habe ihm erklärt, daß er die Berichte über die deutschen Rüstungen sehr genau verfolge. Er werde 800 Millionen an zusätzlichen Krediten anfordern, die für die Motorisierung und Modernisierung der Armee bestimmt seien. Der Finanzminister erklärte, daß er sich daher bereitgefunden habe, die Kredite in einer Sondervorlage aufzunehmen.
Der Vorsitzende des Heeresausschusses, Oberst Fabry, folgte Archimbaud mit Enthüllungen über die angebliche deutsche Aufrüstung. Nicht uninteressant war die Feststellung Oberst Fabrys, daß die Nachrichten über die angeblichen deutschen
Rüstungen vor allem aus Sowjetrußland stammen. Frankreich habe in Eenf alles getan, um eine Herabsetzung der Rüstungen zu ermöglichen. Die französische Organisation entspreche nicht mehr dem Deutschland, das man jetzt vor sich habe.
In der Nachmittagssitzung verabschiedete die Kammer den Haushalt des Kriegsministermms. Da einige Kritiker die Ausgaben für die Militärattaches als übermäßig hoch kritisiert hatten, bot sich dem Kriegsminister Maurin Gelegenheit, die riesigen Verdienste des französischen Militärattaches in Moskau um die Annäherung zwischen der französischen und der russischen Armee hervorzuheben. Derartige Verdienste könnten nie hoch genug bezahlt werden.
Man habe Befürchtungen darüber geäußert, daß die außerhalb des Haushaltplanes angeforderten 800 Millionen Franken nicht ausgegeben werden könnten. Der Kriegsminister versicherte aber, daß er sie im Jahre 1930 verwenden würde. Jedenfalls werde er alles tun, um Nachlässigkeiten oder Störungen auszuschalten und eine abträgliche Propaganda im Heer zu verhindern. Zu der wei- teren Frage der Dienstzeit bekräftigte der Kriegsminister aufs neue, daß er an dem Gesetz über die einjährige Dienstzeit festhalten wolle, falls nicht außergewöhnliche Umstände eintreten. Wenn man ihn aber frage, ob die Jahrgänge, die im April oder Mai einberufen werden sollen, früher einberufen werden würden, könne er darauf noch nichts antworten. Die Antwort hänge nicht von Frankreich ab.
fäUl. kisisikir-
es Tier hat seinen, nur ihm eigenen, ganz liehen Ausdruck, und es ist — meine ich — eoüachtungsmangel von unserer Menschenwenn wir zuweilen sagen: dumm und lang- wie ein Kuhkopf! Oder wenn wir Lern, ein Schaf sehe aus wie das andere.
^ sollen auch nicht in den anderen Fehler len, in jene Sucht, das Tier zum Zerrspiegel ilicher Individuen zu machen, im Marabu nachdenklichen Philosophen, im Karpfen dicken, uns nicht genehmen Nachbarn, in der rge des Teufels Großmutter, im Fuchs einen zten Gegner und im Esel den spottwürdigen : zu sehen. Tiere sind Lebewesen mit einem uch auf selbständige Wertung: sie gelten für ragen ihr eigenes Sein und oft auch ihr al in den Runen des Kopfes, brauchen nicht ntlehnten Symbolen verbrämt zu werden, steht eine weiße Katze, anmutig, mit schön atem, zierlich rundem Schädel, der uns die >eit, die Befähigung, das Leben zu meistern, ^verständlich offenbart. Es ist ja ein tier, trotz aller Domestizierung, ein wehr- > Geschöpf, und glauben Sie mir, verehrter die Katze weiß das. Selbstbewußtsein t aus dem Treiviertelprofil; spielerisch kraft- Energie sträubt selbst die Schnurrhaare des gen Bartes keck und unternehmungslustig oben. Die Bezeichnung „Schmeichelkätzchen"
: doch eine recht einseitige Charakterisierung gewiß auch niedlichen, darüber jedoch sehr igten Persönlichkeit.
er Tiere König ist der Löwe"! Blickt man nähnenumwallte Haupt eines vollerwachenen n an, wird man zu dieser Begrisssbestim- ! durchaus hingelenkt: ein hoheitsvoller Ernst
spricht aus den scharf geprägten llmrißlinien; bernsteingelb und in weite Fernen sehend, strahlen die beiden großen Augen; ihr Blick reizt manche Menschen gar zu einer abfälligen Bemerkung über „das Dünkelhafte dieser stolzen Bestie".
Wie falsch ist das alles! Die Mähne trägt der Löwe keineswegs als königliche Zier; sie ist «in elastischer Panzer im Vrunstkampf mit dem Rivalen, ein Schutz beim Durchkriechen von Gebüsch, Felsspalten und dornigen Hecken. Der Löwe lebt zumeist im Flachland, muß seine Nahrung aus großer Entfernng erspähen; daher sind die Augen weit gestellt. 'Wer hat nicht schon beobachtet, daß Seeleute und Lokomotivführer ähnlich unnahbar über uns hinwegblicken oder an uns vorbei?
Aber daß der ausgereifte Löwe kein übersprudelndes, nervös hastiges Temperament besitzt, im Wissen um die Kraft seiner Muskeln, seiner Zähne und seiner Pranken die Dinge der Umwelt mit Ruhe an sich herankommen läßt, das lese auch ich von seinem Angesichts ab. Allerdings, starr und unverständlich ist solch ein Ausdruck keineswegs. Ich weiß von wutgereizten Löwen, die eher mit Teufeln, denn mit Königen zu vergleichen wären, und ich könnte manch schier unglaubliche Geschichte erzählen, deren Held ein großer Löwe mit pechschwarzer Kopf- und Vauchmähn« ist, Freund eines Menschen, der ihn großzog und mit liebevoller Sorgfalt täglich betreut. Dieser „Tierkönig" wird zum übermütig verspielten „Kätzchen", sobald der Freund zu ihm tritt, leise sprechend, ohne Revolverschüsse und Peitschenknall.
Solch ein Gefühl kann und darf man vom Ha- madryas nicht verlangen, von dem großen Felsenaffen mit der silbergraucn Schultermähne. Er ist von der Statur zum Schutzherrn seiner Herde
diesem Tier sehen. Mit ebenso wenig Recht, wie wir das Kamel zum Symbol der Dummheit gestempelt haben.
Hier allerdings, bin ich nicht objektiv; denn ich liebe das Kamel, liebe seinen langgestreckten Kopf, die großen Augen mit den laugbewimperten schönen Lidern. Für mich ist der Anblick eines Kamels ein ganz anderes Symbol: die endlose, schicksalsschwere Weite der Steppen und Sandwüsten in ihrer Einsamkeit, ihre Melancholie fühle ich widergespiegelt in diesem Tier, dessen
Gang gemessen und zugleich wiegend ist, ein Schreiten nach dem Rhythmus, der jenseits unserer Stundenzählung liegt.
Gewiß, der Fachmann wird mir sagen, das Kamel sei ein störrisches, schwer umgängliches Tier, das zuweilen auch boshaft sein könne. Die Menschen haben ja einen Lastenträger aus ihm gemacht und nähren seine Anspruchslosigkeit — mit Prügeln. Wer aber die Tiere liebt, in ihnen Geschöpfe Gottes verehrt, der sieht auch das Kamel mit anderen Augen an.
Un«I «lis Vögsl ...
„Der Winter kommt, und rings schweigt die Natur." So kann man in manchen Büchern lesen. Aber in Wirklichkeit ist es so schlimm gar nicht. Zwar unsere munteren Sänger in Busch und Baum sind zum größten Teil nach wärmeren Gefilden gezogen; aber, wer Ohren hat, zu hören, der vernimmt auch jetzt noch viel lebendige Stimmen und Stimmchen, draußen in Wald und Feld, und drinnen in Straßen und Gärten unserer Stadt.
Sogar richtige Vogelgesänge gibt es noch zu studieren. Seine kleine Majestät, der etwa acht Gramm schwere Zaunkönig, schmettert seine helle Hymne noch jetzt in die kalte Luft hinaus, so rein und klar wie ein sonniger Wintertag, und die sanfte Flötenmelodie des dunkeläugigen Rotkehlchens läßt uns noch einen Nachklang des großen Sommerorchesters verspüren.
Das freche Spatzenvolk treibt sich schilpend und schreiend auf allen Straßen und Plätzen herum und labt sich in Ermangelung seiner immer mehr versiegenden Nahrungsquelle, des haferspendenden Pferdes, an den übriggebliebenen Beeren des Flieders und der Ebereschen.
Auch die Schwarzdrossel oder Amsel, de Überhandnehmen wir an unseren Obstbäui unangenehm bestätigen konnten, lockt und warn den Gärten.
Nachts klingt der rauhe Ruf der Wildgi aus dem Dunkel des Himmels herunter, „gaj und „gaggak", Saat- und Graugänse, und Jäger rüstet sich, die kalte und windige, o schwierige und deshalb lockende Jagd auf d klügsten aller Vögel zu beginnen. Erauam: und Haubenlerchen nähern sich bewohnten ! schaften, und ihr „zick" und „tireli" belebt Stille der Felder. Graues Krähengesindel kam i Osten und verdrängte unsere schwarzröckigen S mergäste.
Auf die milden Spenden der Bremer - trauend, sind viele Finken hiergeblieben; mit i bunten Schwärm der Meisen suchen sie die Fut stellen auf, und im Bürgerpark nehmen sie Gaben aus der Hand der gutherzigen Spaz ganger. Die Kohlmeisen lassen an sonnigen Ta sogar ihr „pink, pink, pang" fröhlich erschal und der oben blau, unten orangefarben gekleii Kleiber klettert kopfüber, kopfunter am Ba