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Nr. 323 / 4. Vierteljahr
Donnerstag. 22. November
Einzelpreis is Rpf.
Die Brotversorgung ist gesichert!
Befnsösgknöe Entwicklung der Getresöevorräte
Die soeben von der Marktberichtstelle beim Reichsnährstand und vom Statistischen Reichsamt veröffentlichten Ergebnisse ihrer Erhebungen über die am 31. Oktober 1934 bei der Landwirtschaft und in Mühlen und Lagerhäusern vorhandenen Eetreidevorräte ergeben ein durchaus befriedigendes Bild über die Entwicklung der Vorratslage während des letzten Monats.
Die Abnahme der Estreidebestände bei der Landwirtschaft hat durchaus den Erwartungen entsprochen und bringt trotz der unleugbar teilweise vorhandenen Verknappung in der Futterversorgung keinerlei Ueberraschun- gen, die irgendwelche Besorgnisse erwecken könnten.
Dies gilt im besonderen auch für die Entwicklung der R o g g e n bestände. Diese haben im Verlaufe des Oktober um rund 10 Prozent der Eesamternte abgenommen und beliefen sich am 31. Oktober 1934 auf 64 Prozent der Gesamtwerte. Diese Abnahme entspricht, bezogen auf die amtliche Ernteschätzung, einer Verringerung um etwas über 780 000 Tonnen. In dieser Verringerung ist ein erheblicher Teil des Wintersaatgutbedarfes enthalten, soweit Winterroggen im Verlaufe des Oktober noch bestellt wurde, und außerdem zum größten Teile die vom Statistischen Reichsamt ermittelte Bermahlungsmenge der Mühlen von drei Tonnen aufwärts in Höhe von rund 280 000 Tonnen. Auch für die Vermahlung der Mühlen unter drei Tonnen, die vom Statistischen Reichsamt nicht besonders festgestellt worden ist, mutz noch eine nicht unbeträchtliche Menge in Anschlag gebracht werden.
Daraus ergibt sich, daß die Verfütterung von Roggen im eigenen Betriebe im Verlauf des Oktober sich durchaus in den Grenzen gehalten hat, die durch die der Verfütterung unbedingt vorangehende Ablieferung von Roggen zum Zwecke der Brotversorgung gezogen sind. Das wurde der Landwirtschaft ohne Frage durch die lange Dauer des Weideganges und durch die sonst in dieser Zeit zur Verfügung stehenden wirtschaftseigenen Futtermittel erleichtert.
Aber auch in Zukunft muh die Ablieferung der für die Brotversorgung benötigten Roggenmengen unbedingt an erster Stelle stehen, und es darf unter keinen Umständen Roggen verfüttert werden, solange die dafür jeweils in den bestimmten Zeitabschnitten benötigten Mengen bereitgestellt sind.
Das Verhalten der Bauern im bisherigen Verlaufe des Wirtschaftsjahres zeigt deutlich, daß sie sich dieser im Vordergründe stehenden unabweisbaren Verpflichtung in vollem Umfange bewußt sind.
Die Roggenbestände beliefen sich am 31. Oktober auf rund 4,7 Millionen Tonnen bei den Landwirten und auf rund 1 Million Tonnen in den Mühlen und Lagerhäusern. Hieraus ergibt sich, daß die Brotversorgung der Bevölkerung bis zum Ende des Wirtschaftsjahres völlig gesichert ist, und daß darüber hinaus auch noch ein gewisser, wenn auch ein nicht sehr großer, Restbetrag für die Verfütterung zur Verfügung steht. Dabei muß aber, wie schon gesagt, die Erfüllung des Ablieferungssolles für sie menschliche Ernährung unter allen Umständen eingehalten werden.
Beim Weizen ergab sich eine Verringerung der Bestände im Verlauf des Oktober beim Winterweizen um 13 Prozent auf 59 Prozent der Eesamternte und beim Sommerweizen um 9 Prozent auf 73 Prozent. Hier ist unter Zugrundelegung der amtlichen Schätzung eine Ecsamtabnahme um rund 520 000 Tonnen festzustellen, in welcher ebenfalls eine nicht unbeträchtliche Menge für Wintersaat- gutzwecke enthalten ist. Der Rest ist so gut wie völlig an die Mühlen gegangen, um den Bedarf für die laufende Vermahlung zu befriedigen Die Weizen b e st ä n d e bei der Landwirtschaft beliefen sich noch auf rund 2,6 Mill. Tonnen, die in den Mühlen und Lagerhäusern unverändert gegenüber dem Vormonat auf 1,6 Mill. Tonnen. Insgesamt waren also am 31. 10 1934 4,2 Mill. Tonnen Weizen vorhanden, eine Menge, die für die Deckung des Vermahlungsbedarfes in vollem Umfange ausreicht und noch eine gewisse Reserve zum Ende des Wirtschaftsjahres übrigläßt. Auch hier ist selbstverständlich die Erfüllung des Ablieferungssolles in der vorgesehenen Höhe eine unbedingte, aber auch unschwer zu erfüllende Normend! gleit. Beim Weizen war bisher schon die Ablieferung etwas reichlicher als beim Roggen, so daß nunmehr
eine gewisse Zurückhaltung bei der Weizen-
ablieferung zugunsten der Roggcnabliese- rung durchaus erwünscht
ist. Diese Entwicklung dürste durch die Begrenzung der Ablieferungsmenge von Weizen bis zum 31. Dezember auf 50 Prozent des Ablieferungs- solles gefördert werden.
Die Vorratsentwicklung beim Futtergetreide zeigt deutlich die Einwirkung der an sich knappen Futterversorgungslage auf die Verwendung der Futtermittel. Weder bei der Gerste noch beim Hafer ist die Abnahme der Vorräte so groß gewesen, wie man sie vielleicht hätte erwarten können. Sie betrug bei der Wintergerste 14 Prozent der Eesamternte — rund 90 000 Tonnen, bei der Sommergerste 10 Prozent — rund 240 000 Tonnen uno beim Hafer 8 Prozent — rund 430 000 Tonnen. Diese nicht besonders starke Abnahme der Futtergetreidebestände ist unter den obwaltenden
Umständen ein Beweis dafür, in welchem Ausmaße sich unter dem Zwang der Verhältnisse bereits jetzt die sparsamste Bewirtschaftung der wirtschaftseigenen Futtermittel im Betriebe des Bauern durchgesetzt Hai.
In diesem Zusammenhange sei daran erinnert, daß in Jahren einer knappen Ernte durch die sparsamere Verwendung von Futtergetreide gegenüber der weniger achtsamen Verfütterung in Jahren einer reichlichen Ernte schätzungsweise eine Menge von rund 1 Mill. Tonnen Getreide insgesamt eingespart werden kann. Die Wintergerste- bestände beliefen sich noch auf rund 250 000 Tonnen, die Sommergerstcbestände noch auf rund 1,7 Mill Tonnen, die Haferbestände noch auf rund 4,3 Mill. Tonnen. Diese Bestände sind um 1,7 Mill Tonnen geringer als die des Vorjahres', die Gerste- und Haserernte zusammen war aber um rund 2 Mill. Tonnen geringer als die vorjährige. Auch dieser Vergleich bestätigt das Bestreben zu sparsamster Bewirtschaftung des Futtergetreides.
Außer Getreide hat die Marktberichtstelle beim Reichsnährstand auch die Bestände an Spät- kartoffeln bei ihren Berichterstattern erfragt. Diese haben auf 76 Prozent der Eesamternte abgenommen, was einem noch vorhandenen Vorrat von rund 32 Mill. Tonnen entspricht. Dieser Vorrat dürfte sogar etwas größer sein, als um die gleiche Zeit des Vorjahres. Soweit hier und da die Haltbarkeit der Spätkartosseln zu wünschen übrigläßt, ist es zweckmäßig, durch Einsäuern und Trocknung, soweit es die Verhältnisse des einzelnen Betriebes ermöglichen, Vorsorge für die Winterfütterung zu treffen, und dadurch die Verluste durch Verderb nach Möglichkeit zu beschränken.
Zusammenfassend ist noch einmal folgendes festzustellen :
Die Versorgung kann naturgemäß in diesem Jahre einer knapperen Ernte nicht so günstig und nicht so reichlich sein wie aus Grund der vorjährigen Rekordernte. Wie die bisherige Entwicklung der Versorgungslage aber zeigt, ist die Brot- versorgung der Bevölkerung aus den noch vorhandenen Beständen ohne weiteres gedeckt.
Bezüglich der Futterverforgung zeigt sich erfreulicherweise ein starkes Bestreben der Landwirtschaft durch sparsamste Bewirtschaftung das ihre zur Erleichterung beizutragen, in dem Bewußtsein, daß die für die menschliche Ernährung benötigten Mengen an Weizen und Roggen unter allen Umständen abgeliefert werden müssen.
Ueber eine halbe Million Abstimmungsberechtigte
Ein neuer Bericht der Saar-Abstimmungs- kommission
Genf, 21. November
' Die Abstimmungskommission für das Saargebiet hat dem Völkerbundssekretariat einen ausführlichen Bericht über ihre Tätigkeit im September und Oktober zugehen lassen. Darin wird u. a. mitgeteilt, daß die Gesamtzahl der in die Wählerlisten eingetragenen Personen am Stichtag des 26. September 532 740 betrug, von denen 5 5 7 9 4 außerhalb des Gebietes wohnen.
Eingehend und mit deutlicher Kritik erörtert der Bericht die M a s s e n e i n s p r ü ch e, die von den beiden separatistischen Organisationen „Einheitsfront" und „Arbeitsgemeinschaft" gegen die Eintragungen in die Wählerlisten erhoben worden sind. Außerdem wird erklärt, die Abstim- mungskommissiön habe bei verschiedenen Gelegenheiten feststellen können, daß. die örtlichen Behörden zwar in ihrer Mehrzahl offenkundig Sympathien für die Deutsche Front hätten, daß ihre, Arbeit in technischer Hinsicht nichsdestoweni- ger aber korrekt und gewissenhaft gewesen fei. Es müsse auch festgestellt werden, daß dort, wo mehrfache Eintragungen derselben Personen vorgekommen seien, diese Personen selbst in vielen Fällen die Berichtigung der Listen verlangt hätten.
Hinsichtlich des Ganges des Abstimmungsfeldzuges wird u. a. erwähnt, daß wiederholt der Wunsch an die Abstimmungskommifsion herangebracht worden sei, das Recht zum öffentlichen Auftreten in Wahlversammlungen auf die Abstimmungsberechtigten zu beschränken. Die Abstimmungskommission habe nicht geglaubt, diesem Wunsche entsprechen zu können, schon aus dem formalen Grunde, da nach den Bestimmungen der Abstimmungsordnung die Abstimmungsberechtigung jedes einzelnen erst am 17. Dezember endgültig feststehe. Auch habe die Kommission die Tatsache berücksichtigen wollen, daß eine derartige Beschränkung die Redefreiheit zahlreicher Personen beeinträchtigen würde, die zwar nicht abstimmten, aber doch sehr wichtige Interessen an der Zukunft des Saargebietes hätten.
In einem Ergänzungsbericht wird die bereits bekannte Aufstellung über die zahlenmäßige Bedeutung und die Art der Erledigung der Einsprüche gegen die Abstimmungslisten mitgeteilt. Es geht daraus insbesondere hervor, daß von den über 46 000 Einsprüchen gegen die Eintragung von Stimmberechtigten nur 7200 begründet waren.
FürVerfassungsreform inZapan
Tokio, 21. November.
Durch die Erklärung der japanischen Parteien, daß sie gegen das Kabinett Okada ein Mißtrauensvotum einbringen würden, hat sich die Lage des japanischen Kabiüetts außerordentlich verschlechtert. Der Vorsitzende des Geheimen Rates, Saiondst, hat zu Donnerstag eine Sitzung des Geheimen Rates einberufen, die sich mit der innen- und außenpolitischen Lage beschäftigen soll, ferner mit der Haltung der Parteien gegenüber dem Kabinett Okada und gegenüber den Militärkreisen, die besonders von den Parteien bekämpft werden.
Die Zeitung Kokumin behauptet, daß nach den bisherigen Besprechungen zwischen Ministerpräsident Okada, dem Kriegsminister Hayaschi und dem Marineminister Odzumi der japanische Ministerpräsident den Parteien vorschlagen werde, wegen der gegenwärtigen außenpolitischen Verhandlungen das japanische Parlament bis Mitte
Newyork, 21. November.
. Die „Evening Post" hat Berichte über einen angeblichen Putschplan veröffentlicht, die hier ungeheures Aufsehen erregt haben. Nach den Enthüllungen des genannten Blattes handelt es sich im nicht mehr und nicht mrniger als einen Militärputsch, der zur Errichtung einer Diktatur in Washington führen sollte. Danach soll der Mitinhaber einer bekannten Newyorker Maklerfirma Gerald MacTuire im Auftrage einiger reicher Wallstreet-Bankiers an den früheren Oberbefehlshaber des Marinckorps, Ge- neral Butler, herangetreten sein, und versucht haben, den General zur Uebernahme der Leitung des Putsches zu veranlassen.
Butler sollte nach dem Plan mit einem Heer non Kriegsveteranen nach Washington marschieren, die Regierung zum' Rücktritt zwingen und eine fas-istische Militärdiktatur errichten.
General Butler hat, da er die Pläne ablehnte, sofort die zuständigen Behörden verständigt. Die Untersuchungskommission ist darauf bereits am Mittwoch zusammengetreten U!td hat sich eingeh-nd mit der Angelegenheit be- ssöftiot. Eener'al Butler hal in zweistündigen Anchiihrungcn über den Putschplan berichtet und dabei u. a. erklärt, daß man ihm 3 Millionen Dollar versprochen habe, falls er den Marsch auf Washington durchführen würde. Der stellvertre- ^nde Vorsitzende der Untersuchungskommission, Eckstein , kündigte an, daß in den weiteren
Januar nächsten Jahres zu vertagen. Sollten die Parteien diesen Vorschlag nicht annehmen, so würde Ministerpräsident Okada dem Kaiser das Dekret zur Auflösung des Parlaments unterbreiten. In diesem Falle würden Neuwahlen ausgeschrieben werden, die aber erst im nächsten Jahre stattfinden könnten. Die japanische Regierung werde sich in der Zwischenzeit mit der Reorganisation der japanischen Verfassung beschäftigen, die nach der Auffassung japanischer politischer Kreise versagt habe.
Verhandlungen, die ab Montag öffentlich sein würden, noch viel bekanntere Namen als der Butlers im Zusammenhang mit dem Putsch genannt werden würden.
Gerald McEuire bestreitet im übrigen auf das energischste, an Butler mit dem genannten Borschlag herangetreten zu sein
Emigrant Kalbfleisch hetzt
Stockholm, 21. November.
Der schwedischen Kriminalpolizei fiel bei einer Razzia der aus Deutschland geflüchtet« Jude Hein Kalbfleisch in die Hände, der sich als ein besonders rühriger kommunistischer Agent entpuppte. Aus den beschlagnahmten Papieren geht hervor, daß sich Kalbfleisch in besonderem Auftrage der kommunistischen Internationale seit einigen Wochen in Stockholm aufhält, ohne sich polizeilich angemeldet zu haben. Es wurden bei ihm ferner genaue Anweisungen und Pläne für die Durchführung der sogenannten rcten Hilfsorganisation in ganz Schweden gefunden. Desgleichen besaß er weitgehende Vollmachten in bezug aus die Organisation der kommunistischen Panei in Schweden.
Nach Ansicht der schwedischen Polizei hat Kalbfleisch durch seine kommunistische Propagandatätigkeit im Lande das Asylrecht verwirkt.
Diplomatisches aus Rom
Paris, 21. November.
Der römische Sonderberichterstatter des Petit Parisien bericht«! seinem Blatte über die Unterredung, die der französische Botschafter in Rom, de Chambrun, am Dienstag mit Mussolini hatte und die sehr lange gedauert haben soll. Der französische Botschafter habe dem Duce die letzten Anweisungen mitgeteilt, die er bei seinem Pariser Aufenthalt von seiner Regierung erhalten hat. Anschließend an diese Unterredung sei de Chambrun mit dem österreichischen Bundeskanzler Schuschnigg zusammengetroffen, mit dem er sich äiber die französisch-österreichischen Beziehungen und die Lage in Oesterreich unterhalten habe.
»
Der österreichische Bundeskanzler Schuschnigg und Außenminister Berger-Waldenegg haben Rom in den späten Abendstunden des Dienstag wieder verlassen. Am Bahnhof verabschiedete sich Muüolini von den österreichischen Gästen.
Rumänische
Einfuhrbewilligungen
Bukarest, 21. November.
Die Schwierigkeiten, die sich bei der Neuregelung der Einfuhr ergeben, haben die zuständigen rumänischen Stellen bewogen, die Gültigkeit der vom 15. August bis 15. November erteilten Einfuhrbewilligungen bis zum 15. Februar 1935 zu vertäu- gern. Die für Deutschland, die Tschechoslowakei und die Vereinigten Staaten bis zum 1. November erteilten Einfuhrbewilligungen werden also voll ausgenutzt werden können. Kompensationsbcwilligungen auf der Grundlage vorher erfolgte! Ausfuhr sind unabhängig vom Zeitpunkt ihrer Ausstellung bis zum 15. Februar nächsten Jahres gültig. Die Gültigkeit der Kompensationsangebote aus Deutschland und den Verc-rügten Staaten, die unter dem früheren Einfuhrregime übernommen worden waren, erlischt, falls die Kcmpensationsausfuhr nicht bis zum 1 November erfolgt war. Eine bedeutende Erleichterung ist dadurch geschaffen, daß die Anwendung der Bestimmungen betreffend Sichtver merke der Frachtdokumente durch die Nationalbank oder die durch diese bevollmächtigten Banken bis zum 27. November hinausgeschoben wird.
Professor Dr. Franz Ludwig Hörth, Oberspielleiter der Berliner Staatsoper und Professor an der Hochsule für Mvnk, ist am Dienstagabend gestorben.
Schuschnigg und Perntcr in Venedig. Der österreichische Bundeskanzler Schuschnigg traf am Mittwochmorgen in Begleitung des Unterstaatssekretärs Pernter von Rom kommend in Venedig ein und begab sich am Nachmittag im FlugzeugnachWien.
Am heutigen Donnerstag!
Überreichung der südslawischen Denkschrift Genf, 21. November.
Wie verlautet, ist Sei den Besprechungen zwischen der Kleinen Entente und Lava! erörtert worden, die südslawische Denkschrift zum Marseiller Mord am heutigen Donnerstag dem Völkerbund zu überreichen. Südflawien wird beantragen, die Frage der „politischen Verantwortlichkeit" des Anschlages auf die Tagesordnung einer der nächsten Tagungen des Völkerbundsrates zu setzen.
Diesem Antrag muß nach den Völkerbundssatzungen ohne weiteres, insbesondere ohne vorherige Aussprache, stattgegeben werden. Eine Erörterung der ganzen Angelegenheit ist daher erst für Januar nächsten Jahres zu erwarten. Der Wortlaut der südslawischen Denkschrift soll in einigen Tagen veröffentlicht werden.
Das Kabarett Erika Mann
Die „Neue Basier Zeitung" fordert Maßnahmen gegen die Emigrantenhetze Genf, 21, November.
Die „Neue Basier Zeitung" nimmt die Züricher Tumultszenen im Kabarett von Erika Mann zum Anlaß, um die Frage der Emigrantenumtriebe in der Schweiz zur Sprache zu bringen.
Man begreife ohne weiteres, schreibt das Blatt, daß die nationolbewegte Jugend gegen diese in ein künstlerisches Gewand gekleidete und von unseren Behörden geduldete Hetze der Emigranten gegen ihr einstiges Vaterland demonstrieren. Das Kabarett treibe immer unverhüllter politische Agitation gegen das nationalsozialistische Deutschland und gebe den Haß- gefühlen der deutschen Emigranten immer hemmungsloser im schweizerischen Gastland Ausdruck.
Es wäre nunmehr an der Zeit, so verlangt die Zeitung, daß die Vundesbehörden der agitatorischen Tätigkeit der deutschen Emigranten, die immer fühlbarer werde, rhre Aufmerksamkeit schenken würden Die Schweiz dürfe nicht zum Schauplatz von Kundgebungen weder für noch gegen das nationalsozialistische Deutschland werden Die Züricher Zwischenfälle haben gezeigt, wie gefährlich es ist, wenn die Behörden die deutschen Emigranten Unruhe und Unfrieden im Lande verbreiten lassen. Die von den sozialistischen Behörden der Schweiz geschützten Emigranten, welcher Nationalität sie auch sein mögen, dürften das ihnen gewährte Asylrecht nicht weiter zur Vergiftung der schweizerischen Beziehungen zu den Nachbarstaaten mißbrauchen
Revolte in St. Quentin
Das Rathaus von Arbeitslosen besetzt
Paris, 20. November
In St, Quentin rotteten sich Arbeitslose vor dem Rathaus zusammen und drangen trotz heftiger Gegenwehr der Ortspolizei in das Gebäude ein, in denen die Stadtväter tagten. Sie schlugen verschiedene Türen und Fenster ein, besetzten sämtliche Räume und weigerten sich, eher abzuziehen, bis gewisse Kürzungen der Arbeitslosenunterstützung aufgehoben seien. Die Stadtväter sind gewissermaßen die Gefangenen der Arbeitslosen. Ein Eingreifen der bewaffneten Macht ist nur mit Genehmigung des Präfekten möglich, die bis zum späten Abend noch nicht eingetroffen war.
Deutschlands „Anwesenheit" in Genf
Interessante pariser Pressestimmen zu den Besprechungen Lavals
Paris, 21. November. erstatterin des „Oeuvre", die u. a. erklärt, man
Die Pariser Morgenpresse veröffentlicht lange Berichte ihrer Genfer Berichterstatter über den Verlauf der Besprechungen Lavals mit den Ministern der Kleinen Entente. Man zeigt sich im großen und ganzen zufrieden mit den bisherigen Ergebnissen, die nach Ansicht hiesiger Blätter darauf hinauslaufen, daß Südflawien von der Forderung der sofortigen Beratung seiner Denkschrift absieht und sich auf ihre Veröffentlichung beschränkt, während die Beratungen erst auf der nächsten Sitzung im Januar stattfinden sollen. Ein endgültiger Beschluß in dieser Richtung soll nach Ansicht des Vertreters des Journal aber eist im Laufe einer neuen Unterredung gefaßt werden, die Laval mit den Ministern der Kleinen Entente haben wird,
Pertinax erklärt im „Echo de Paris", der südslawische Außenminister habe nicht die Absicht, die Debatte zu erweitern. Die Aussprache über den Marseiller Anschlag werde sich ausschließlich auf Ungarn beschränken: eine andere Macht werde in die Angelegenheit nicht hineingezogen werden.
Der Genfer Sonderberichterstatter des „Mattn", Philippe Barres, stellt im Zusammenhang mit dem Marseiller Anschlag und den Genfer Verhandlungen darüber fest, daß sich die deutschsüdslawischen Beziehungen in keiner Weile verschlechrert hätten. Sie hätten sich dank den Bemühungen des Führers von Monat zu Monat verbessert.
Der gleichen Ansicht ist auch die Sonderbericht-
habe noch nie die unsichtbare Anwesenheit Deutschlands in Gens so gespürt wie gerade jetzt. Diese Anwesenheit sei Tagesgespräch in allen Genfer Kreisen. Die Vertreter der verschiedenen Mächte seien der Auffassung, daß Deutschland heute schon in der Lage sei. Gewalt- lösungen hervorzurufen, wenn es das wünsche. Infolgedessen versuchten die Mitglieder des Völkerbundes, Deutschland zur Mitarbeit an einem europäischen Sicherheitssystem heranzuziehen. In derSaarfra g e sei man allgemeiner Ansicht, daß die Volksabstimmung zu keinerlei Zwischen- fällen Anlaß geben werde. Das „Oeuvre" befaßt sich weiterhin mit den Ausführungen des italienischen Vertreters im Abrüstungsbüro und erklärt in diesem Zusammenhang, daß die italienische Unterstützung der deutschen Gleichberechtigungsthese stark aufgefallen sei. Man habe darin den Beweis erblickt, daß man nicht mit einer italienischen Opposition gegen Deutschland rechnen dürfe. *
Der Präsident von Paraguay erklärte dem Havasvertreter in Asuncion, die Vorschläge des Ehaco-Ausschusses beruhten auf falschen Voraussetzungen. Es sei unmöglich, die Truppen um 50 Kilometer zurückzuziehen, denn sie müßten da ckehen bleiben, wo sich Möglichkeiten für ihre Vsr- iorgung mit Lebensrnitteln und besonders mit Wasser befänden. Paraguay habe deshalb auch die Forderungen des Völkerbundes abgelehnt und seinem Vertreter in Genf entsprechende Anweisungen gegeben.
Marsch auf Washington war geplant
Aufsehenerregende Enthüllungen über angebliche Putschpläne