Ausgabe 
(22.11.1934) Nr. 323
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Nr. 323 / 4. Vierteljahr

Donnerstag. 22. November

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Die Brotversorgung ist gesichert!

Befnsösgknöe Entwicklung der Getresöevorräte

Die soeben von der Marktberichtstelle beim Reichsnährstand und vom Statistischen Reichsamt veröffentlichten Ergebnisse ihrer Erhebungen über die am 31. Oktober 1934 bei der Landwirtschaft und in Mühlen und Lagerhäusern vorhandenen Eetreidevorräte ergeben ein durchaus befrie­digendes Bild über die Entwicklung der Vor­ratslage während des letzten Monats.

Die Abnahme der Estreidebestände bei der Landwirtschaft hat durchaus den Erwartungen entsprochen und bringt trotz der unleugbar teil­weise vorhandenen Verknappung in der Futterversorgung keinerlei Ueberraschun- gen, die irgendwelche Besorgnisse erwecken könnten.

Dies gilt im besonderen auch für die Ent­wicklung der R o g g e n bestände. Diese haben im Verlaufe des Oktober um rund 10 Prozent der Eesamternte abgenommen und beliefen sich am 31. Oktober 1934 auf 64 Prozent der Gesamtwerte. Diese Abnahme entspricht, bezogen auf die amt­liche Ernteschätzung, einer Verringerung um etwas über 780 000 Tonnen. In dieser Verringe­rung ist ein erheblicher Teil des Wintersaatgut­bedarfes enthalten, soweit Winterroggen im Ver­laufe des Oktober noch bestellt wurde, und außer­dem zum größten Teile die vom Statistischen Reichsamt ermittelte Bermahlungsmenge der Mühlen von drei Tonnen aufwärts in Höhe von rund 280 000 Tonnen. Auch für die Vermahlung der Mühlen unter drei Tonnen, die vom Stati­stischen Reichsamt nicht besonders festgestellt wor­den ist, mutz noch eine nicht unbeträchtliche Menge in Anschlag gebracht werden.

Daraus ergibt sich, daß die Verfütterung von Roggen im eigenen Betriebe im Verlauf des Oktober sich durchaus in den Grenzen gehal­ten hat, die durch die der Verfütterung unbedingt vorangehende Ablieferung von Roggen zum Zwecke der Brotversorgung gezogen sind. Das wurde der Landwirtschaft ohne Frage durch die lange Dauer des Weideganges und durch die sonst in dieser Zeit zur Verfügung stehenden wirtschaftseigenen Futtermittel erleichtert.

Aber auch in Zukunft muh die Ablieferung der für die Brotversorgung benötigten Rog­genmengen unbedingt an erster Stelle stehen, und es darf unter keinen Umständen Roggen ver­füttert werden, solange die dafür jeweils in den bestimmten Zeitabschnitten benötigten Mengen bereitgestellt sind.

Das Verhalten der Bauern im bisherigen Ver­laufe des Wirtschaftsjahres zeigt deutlich, daß sie sich dieser im Vordergründe stehenden unabweis­baren Verpflichtung in vollem Umfange bewußt sind.

Die Roggenbestände beliefen sich am 31. Okto­ber auf rund 4,7 Millionen Tonnen bei den Landwirten und auf rund 1 Million Tonnen in den Mühlen und Lagerhäusern. Hieraus ergibt sich, daß die Brotversorgung der Bevölkerung bis zum Ende des Wirtschaftsjahres völlig gesichert ist, und daß darüber hinaus auch noch ein ge­wisser, wenn auch ein nicht sehr großer, Rest­betrag für die Verfütterung zur Verfügung steht. Dabei muß aber, wie schon gesagt, die Erfüllung des Ablieferungssolles für sie menschliche Ernäh­rung unter allen Umständen eingehalten werden.

Beim Weizen ergab sich eine Verringerung der Bestände im Verlauf des Oktober beim Win­terweizen um 13 Prozent auf 59 Prozent der Ee­samternte und beim Sommerweizen um 9 Prozent auf 73 Prozent. Hier ist unter Zugrundelegung der amtlichen Schätzung eine Ecsamtabnahme um rund 520 000 Tonnen festzustellen, in welcher ebenfalls eine nicht unbeträchtliche Menge für Wintersaat- gutzwecke enthalten ist. Der Rest ist so gut wie völlig an die Mühlen gegangen, um den Bedarf für die laufende Vermahlung zu befriedigen Die Weizen b e st ä n d e bei der Landwirtschaft beliefen sich noch auf rund 2,6 Mill. Tonnen, die in den Mühlen und Lagerhäusern unverändert gegenüber dem Vormonat auf 1,6 Mill. Tonnen. Insgesamt waren also am 31. 10 1934 4,2 Mill. Tonnen Wei­zen vorhanden, eine Menge, die für die Deckung des Vermahlungsbedarfes in vollem Umfange ausreicht und noch eine gewisse Reserve zum Ende des Wirtschaftsjahres übrigläßt. Auch hier ist selbstverständlich die Erfüllung des Ablie­ferungssolles in der vorgesehenen Höhe eine unbedingte, aber auch unschwer zu erfüllende Nor­mend! gleit. Beim Weizen war bisher schon die Ablieferung etwas reichlicher als beim Roggen, so daß nunmehr

eine gewisse Zurückhaltung bei der Weizen-

ablieferung zugunsten der Roggcnabliese- rung durchaus erwünscht

ist. Diese Entwicklung dürste durch die Begrenzung der Ablieferungsmenge von Weizen bis zum 31. Dezember auf 50 Prozent des Ablieferungs- solles gefördert werden.

Die Vorratsentwicklung beim Futterge­treide zeigt deutlich die Einwirkung der an sich knappen Futterversorgungslage auf die Verwen­dung der Futtermittel. Weder bei der Gerste noch beim Hafer ist die Abnahme der Vorräte so groß gewesen, wie man sie vielleicht hätte erwarten können. Sie betrug bei der Wintergerste 14 Prozent der Eesamternte — rund 90 000 Tonnen, bei der Sommergerste 10 Prozent — rund 240 000 Tonnen uno beim Hafer 8 Prozent — rund 430 000 Tonnen. Diese nicht besonders starke Abnahme der Futtergetreidebestände ist unter den obwaltenden

Umständen ein Beweis dafür, in welchem Aus­maße sich unter dem Zwang der Verhältnisse be­reits jetzt die sparsamste Bewirtschaftung der wirtschaftseigenen Futtermittel im Betriebe des Bauern durchgesetzt Hai.

In diesem Zusammenhange sei daran erinnert, daß in Jahren einer knappen Ernte durch die sparsamere Verwendung von Futtergetreide gegenüber der weniger achtsamen Verfütterung in Jahren einer reichlichen Ernte schätzungsweise eine Menge von rund 1 Mill. Tonnen Getreide ins­gesamt eingespart werden kann. Die Wintergerste- bestände beliefen sich noch auf rund 250 000 Ton­nen, die Sommergerstcbestände noch auf rund 1,7 Mill Tonnen, die Haferbestände noch auf rund 4,3 Mill. Tonnen. Diese Bestände sind um 1,7 Mill Tonnen geringer als die des Vorjahres', die Gerste- und Haserernte zusammen war aber um rund 2 Mill. Tonnen geringer als die vor­jährige. Auch dieser Vergleich bestätigt das Be­streben zu sparsamster Bewirtschaftung des Fut­tergetreides.

Außer Getreide hat die Marktberichtstelle beim Reichsnährstand auch die Bestände an Spät- kartoffeln bei ihren Berichterstattern erfragt. Diese haben auf 76 Prozent der Eesamternte ab­genommen, was einem noch vorhandenen Vorrat von rund 32 Mill. Tonnen entspricht. Dieser Vor­rat dürfte sogar etwas größer sein, als um die gleiche Zeit des Vorjahres. Soweit hier und da die Haltbarkeit der Spätkartosseln zu wünschen übrigläßt, ist es zweckmäßig, durch Einsäuern und Trocknung, soweit es die Verhältnisse des einzelnen Betriebes ermöglichen, Vorsorge für die Winterfütterung zu treffen, und dadurch die Verluste durch Verderb nach Möglichkeit zu beschränken.

Zusammenfassend ist noch einmal folgendes fest­zustellen :

Die Versorgung kann naturgemäß in diesem Jahre einer knapperen Ernte nicht so günstig und nicht so reichlich sein wie aus Grund der vorjähri­gen Rekordernte. Wie die bisherige Entwicklung der Versorgungslage aber zeigt, ist die Brot- versorgung der Bevölkerung aus den noch vorhandenen Beständen ohne weiteres gedeckt.

Bezüglich der Futterverforgung zeigt sich erfreu­licherweise ein starkes Bestreben der Landwirt­schaft durch sparsamste Bewirtschaftung das ihre zur Erleichterung beizutragen, in dem Bewußt­sein, daß die für die menschliche Ernährung be­nötigten Mengen an Weizen und Roggen unter allen Umständen abgeliefert werden müssen.

Ueber eine halbe Million Abstimmungsberechtigte

Ein neuer Bericht der Saar-Abstimmungs- kommission

Genf, 21. November

' Die Abstimmungskommission für das Saargebiet hat dem Völkerbundssekretariat einen ausführ­lichen Bericht über ihre Tätigkeit im September und Oktober zugehen lassen. Darin wird u. a. mitgeteilt, daß die Gesamtzahl der in die Wähler­listen eingetragenen Personen am Stichtag des 26. September 532 740 betrug, von denen 5 5 7 9 4 außerhalb des Gebietes wohnen.

Eingehend und mit deutlicher Kritik erörtert der Bericht die M a s s e n e i n s p r ü ch e, die von den beiden separatistischen Organisationen „Ein­heitsfront" und „Arbeitsgemeinschaft" gegen die Eintragungen in die Wählerlisten erhoben wor­den sind. Außerdem wird erklärt, die Abstim- mungskommissiön habe bei verschiedenen Gelegen­heiten feststellen können, daß. die örtlichen Be­hörden zwar in ihrer Mehrzahl offenkundig Sympathien für die Deutsche Front hätten, daß ihre, Arbeit in technischer Hinsicht nichsdestoweni- ger aber korrekt und gewissenhaft ge­wesen fei. Es müsse auch festgestellt werden, daß dort, wo mehrfache Eintragungen derselben Per­sonen vorgekommen seien, diese Personen selbst in vielen Fällen die Berichtigung der Listen ver­langt hätten.

Hinsichtlich des Ganges des Abstimmungsfeld­zuges wird u. a. erwähnt, daß wiederholt der Wunsch an die Abstimmungskommifsion herange­bracht worden sei, das Recht zum öffentlichen Auf­treten in Wahlversammlungen auf die Abstim­mungsberechtigten zu beschränken. Die Abstim­mungskommission habe nicht geglaubt, diesem Wunsche entsprechen zu können, schon aus dem for­malen Grunde, da nach den Bestimmungen der Abstimmungsordnung die Abstimmungsberechti­gung jedes einzelnen erst am 17. Dezember end­gültig feststehe. Auch habe die Kommission die Tatsache berücksichtigen wollen, daß eine derartige Beschränkung die Redefreiheit zahlreicher Perso­nen beeinträchtigen würde, die zwar nicht ab­stimmten, aber doch sehr wichtige Interessen an der Zukunft des Saargebietes hätten.

In einem Ergänzungsbericht wird die bereits bekannte Aufstellung über die zahlenmäßige Be­deutung und die Art der Erledigung der Ein­sprüche gegen die Abstimmungslisten mitgeteilt. Es geht daraus insbesondere hervor, daß von den über 46 000 Einsprüchen gegen die Eintra­gung von Stimmberechtigten nur 7200 begründet waren.

FürVerfassungsreform inZapan

Tokio, 21. November.

Durch die Erklärung der japanischen Parteien, daß sie gegen das Kabinett Okada ein Miß­trauensvotum einbringen würden, hat sich die Lage des japanischen Kabiüetts außerordent­lich verschlechtert. Der Vorsitzende des Geheimen Rates, Saiondst, hat zu Donnerstag eine Sitzung des Geheimen Rates einberufen, die sich mit der innen- und außenpolitischen Lage beschäftigen soll, ferner mit der Haltung der Parteien gegen­über dem Kabinett Okada und gegenüber den Militärkreisen, die besonders von den Parteien bekämpft werden.

Die Zeitung Kokumin behauptet, daß nach den bisherigen Besprechungen zwischen Ministerpräsi­dent Okada, dem Kriegsminister Hayaschi und dem Marineminister Odzumi der japanische Mi­nisterpräsident den Parteien vorschlagen werde, wegen der gegenwärtigen außenpolitischen Ver­handlungen das japanische Parlament bis Mitte

Newyork, 21. November.

. Die „Evening Post" hat Berichte über einen an­geblichen Putschplan veröffentlicht, die hier un­geheures Aufsehen erregt haben. Nach den Ent­hüllungen des genannten Blattes handelt es sich im nicht mehr und nicht mrniger als einen Militärputsch, der zur Errichtung einer Diktatur in Washington führen sollte. Danach soll der Mitinhaber einer bekannten Newyorker Maklerfirma Gerald MacTuire im Auftrage einiger reicher Wallstreet-Bankiers an den frü­heren Oberbefehlshaber des Marinckorps, Ge- neral Butler, herangetreten sein, und versucht haben, den General zur Uebernahme der Leitung des Putsches zu veranlassen.

Butler sollte nach dem Plan mit einem Heer non Kriegsveteranen nach Washington marschie­ren, die Regierung zum' Rücktritt zwingen und eine fas-istische Militärdiktatur errichten.

General Butler hat, da er die Pläne ablehnte, sofort die zuständigen Behörden ver­ständigt. Die Untersuchungskommission ist darauf bereits am Mittwoch zusammengetreten U!td hat sich eingeh-nd mit der Angelegenheit be- ssöftiot. Eener'al Butler hal in zweistündigen Anchiihrungcn über den Putschplan berichtet und dabei u. a. erklärt, daß man ihm 3 Millionen Dollar versprochen habe, falls er den Marsch auf Washington durchführen würde. Der stellvertre- ^nde Vorsitzende der Untersuchungskommission, Eckstein , kündigte an, daß in den weiteren

Januar nächsten Jahres zu vertagen. Sollten die Parteien diesen Vorschlag nicht annehmen, so würde Ministerpräsident Okada dem Kaiser das Dekret zur Auflösung des Parla­ments unterbreiten. In diesem Falle würden Neuwahlen ausgeschrieben werden, die aber erst im nächsten Jahre stattfinden könnten. Die japa­nische Regierung werde sich in der Zwischenzeit mit der Reorganisation der japanischen Verfassung beschäftigen, die nach der Auffassung japanischer politischer Kreise versagt habe.

Verhandlungen, die ab Montag öffentlich sein würden, noch viel bekanntere Namen als der Butlers im Zusammenhang mit dem Putsch ge­nannt werden würden.

Gerald McEuire bestreitet im übrigen auf das energischste, an Butler mit dem genannten Bor­schlag herangetreten zu sein

Emigrant Kalbfleisch hetzt

Stockholm, 21. November.

Der schwedischen Kriminalpolizei fiel bei einer Razzia der aus Deutschland geflüchtet« Jude Hein Kalbfleisch in die Hände, der sich als ein besonders rühriger kommunistischer Agent entpuppte. Aus den beschlagnahmten Papieren geht hervor, daß sich Kalbfleisch in be­sonderem Auftrage der kommunistischen Inter­nationale seit einigen Wochen in Stockholm auf­hält, ohne sich polizeilich angemeldet zu haben. Es wurden bei ihm ferner genaue Anweisungen und Pläne für die Durchführung der sogenannten rcten Hilfsorganisation in ganz Schweden ge­funden. Desgleichen besaß er weitgehende Voll­machten in bezug aus die Organisation der kom­munistischen Panei in Schweden.

Nach Ansicht der schwedischen Polizei hat Kalb­fleisch durch seine kommunistische Propaganda­tätigkeit im Lande das Asylrecht ver­wirkt.

Diplomatisches aus Rom

Paris, 21. November.

Der römische Sonderberichterstatter des Petit Parisien bericht«! seinem Blatte über die Unter­redung, die der französische Botschafter in Rom, de Chambrun, am Dienstag mit Mussolini hatte und die sehr lange gedauert haben soll. Der fran­zösische Botschafter habe dem Duce die letzten An­weisungen mitgeteilt, die er bei seinem Pariser Aufenthalt von seiner Regierung erhalten hat. Anschließend an diese Unterredung sei de Cham­brun mit dem österreichischen Bundeskanzler Schuschnigg zusammengetroffen, mit dem er sich äiber die französisch-österreichischen Beziehungen und die Lage in Oesterreich unterhalten habe.

»

Der österreichische Bundeskanzler Schuschnigg und Außenminister Berger-Waldenegg haben Rom in den späten Abendstunden des Dienstag wieder verlassen. Am Bahnhof verabschiedete sich Muüolini von den österreichischen Gästen.

Rumänische

Einfuhrbewilligungen

Bukarest, 21. November.

Die Schwierigkeiten, die sich bei der Neuregelung der Einfuhr ergeben, haben die zuständigen rumä­nischen Stellen bewogen, die Gültigkeit der vom 15. August bis 15. November erteilten Einfuhrbe­willigungen bis zum 15. Februar 1935 zu vertäu- gern. Die für Deutschland, die Tschechoslowa­kei und die Vereinigten Staaten bis zum 1. No­vember erteilten Einfuhrbewilligungen werden also voll ausgenutzt werden kön­nen. Kompensationsbcwilligungen auf der Grund­lage vorher erfolgte! Ausfuhr sind unabhängig vom Zeitpunkt ihrer Ausstellung bis zum 15. Februar nächsten Jahres gültig. Die Gültig­keit der Kompensationsangebote aus Deutschland und den Verc-rügten Staaten, die unter dem frühe­ren Einfuhrregime übernommen worden waren, erlischt, falls die Kcmpensationsausfuhr nicht bis zum 1 November erfolgt war. Eine bedeutende Erleichterung ist dadurch geschaffen, daß die An­wendung der Bestimmungen betreffend Sichtver merke der Frachtdokumente durch die Nationalbank oder die durch diese bevollmächtigten Banken bis zum 27. November hinausgeschoben wird.

Professor Dr. Franz Ludwig Hörth, Oberspiel­leiter der Berliner Staatsoper und Professor an der Hochsule für Mvnk, ist am Dienstagabend ge­storben.

Schuschnigg und Perntcr in Venedig. Der öster­reichische Bundeskanzler Schuschnigg traf am Mittwochmorgen in Begleitung des Unterstaats­sekretärs Pernter von Rom kommend in Ve­nedig ein und begab sich am Nachmittag im FlugzeugnachWien.

Am heutigen Donnerstag!

Überreichung der südslawischen Denkschrift Genf, 21. November.

Wie verlautet, ist Sei den Besprechungen zwi­schen der Kleinen Entente und Lava! erörtert worden, die südslawische Denkschrift zum Marseiller Mord am heutigen Donnerstag dem Völkerbund zu überreichen. Südflawien wird beantragen, die Frage der „politischen Verantwort­lichkeit" des Anschlages auf die Tagesordnung einer der nächsten Tagungen des Völkerbunds­rates zu setzen.

Diesem Antrag muß nach den Völkerbunds­satzungen ohne weiteres, insbesondere ohne vor­herige Aussprache, stattgegeben werden. Eine Er­örterung der ganzen Angelegenheit ist daher erst für Januar nächsten Jahres zu erwarten. Der Wortlaut der südslawischen Denkschrift soll in einigen Tagen veröffentlicht werden.

Das Kabarett Erika Mann

Die „Neue Basier Zeitung" fordert Maßnahmen gegen die Emigrantenhetze Genf, 21, November.

Die „Neue Basier Zeitung" nimmt die Züricher Tumultszenen im Kabarett von Erika Mann zum Anlaß, um die Frage der Emigrantenumtriebe in der Schweiz zur Sprache zu bringen.

Man begreife ohne weiteres, schreibt das Blatt, daß die nationolbewegte Jugend gegen diese in ein künstlerisches Gewand geklei­dete und von unseren Behörden ge­duldete Hetze der Emigranten gegen ihr einstiges Vaterland demonstrieren. Das Ka­barett treibe immer unverhüllter politische Agi­tation gegen das nationalsoziali­stische Deutschland und gebe den Haß- gefühlen der deutschen Emigranten immer hem­mungsloser im schweizerischen Gastland Ausdruck.

Es wäre nunmehr an der Zeit, so verlangt die Zeitung, daß die Vundesbehörden der agitatori­schen Tätigkeit der deutschen Emigranten, die immer fühlbarer werde, rhre Aufmerksamkeit schenken würden Die Schweiz dürfe nicht zum Schauplatz von Kundgebungen weder für noch gegen das nationalsozialistische Deutschland wer­den Die Züricher Zwischenfälle haben gezeigt, wie gefährlich es ist, wenn die Behörden die deut­schen Emigranten Unruhe und Unfrieden im Lande verbreiten lassen. Die von den sozialistischen Be­hörden der Schweiz geschützten Emigranten, welcher Nationalität sie auch sein mögen, dürften das ihnen gewährte Asylrecht nicht weiter zur Vergiftung der schweizerischen Beziehungen zu den Nachbarstaaten mißbrauchen

Revolte in St. Quentin

Das Rathaus von Arbeitslosen besetzt

Paris, 20. November

In St, Quentin rotteten sich Arbeitslose vor dem Rathaus zusammen und drangen trotz heftiger Gegenwehr der Ortspolizei in das Gebäude ein, in denen die Stadtväter tagten. Sie schlugen ver­schiedene Türen und Fenster ein, besetzten sämt­liche Räume und weigerten sich, eher abzuziehen, bis gewisse Kürzungen der Arbeitslosenunter­stützung aufgehoben seien. Die Stadtväter sind gewissermaßen die Gefangenen der Ar­beitslosen. Ein Eingreifen der bewaffneten Macht ist nur mit Genehmigung des Präfekten möglich, die bis zum späten Abend noch nicht ein­getroffen war.

Deutschlands „Anwesenheit" in Genf

Interessante pariser Pressestimmen zu den Besprechungen Lavals

Paris, 21. November. erstatterin des „Oeuvre", die u. a. erklärt, man

Die Pariser Morgenpresse veröffentlicht lange Berichte ihrer Genfer Berichterstatter über den Verlauf der Besprechungen Lavals mit den Mini­stern der Kleinen Entente. Man zeigt sich im großen und ganzen zufrieden mit den bisherigen Ergebnissen, die nach Ansicht hiesiger Blätter dar­auf hinauslaufen, daß Südflawien von der Forde­rung der sofortigen Beratung seiner Denkschrift absieht und sich auf ihre Veröffentlichung be­schränkt, während die Beratungen erst auf der nächsten Sitzung im Januar stattfinden sollen. Ein endgültiger Beschluß in dieser Richtung soll nach Ansicht des Vertreters des Journal aber eist im Laufe einer neuen Unterredung gefaßt werden, die Laval mit den Ministern der Kleinen Entente haben wird,

Pertinax erklärt im „Echo de Paris", der süd­slawische Außenminister habe nicht die Absicht, die Debatte zu erweitern. Die Aussprache über den Marseiller Anschlag werde sich ausschließlich auf Ungarn beschränken: eine andere Macht werde in die Angelegenheit nicht hineingezogen werden.

Der Genfer Sonderberichterstatter des „Mattn", Philippe Barres, stellt im Zusammenhang mit dem Marseiller Anschlag und den Genfer Ver­handlungen darüber fest, daß sich die deutsch­südslawischen Beziehungen in keiner Weile verschlechrert hätten. Sie hätten sich dank den Bemühungen des Führers von Monat zu Monat verbessert.

Der gleichen Ansicht ist auch die Sonderbericht-

habe noch nie die unsichtbare Anwesen­heit Deutschlands in Gens so gespürt wie gerade jetzt. Diese Anwesenheit sei Tagesgespräch in allen Genfer Kreisen. Die Vertreter der ver­schiedenen Mächte seien der Auffassung, daß Deutschland heute schon in der Lage sei. Gewalt- lösungen hervorzurufen, wenn es das wünsche. In­folgedessen versuchten die Mitglieder des Völker­bundes, Deutschland zur Mitarbeit an einem europäischen Sicherheitssystem heranzuziehen. In derSaarfra g e sei man allgemeiner Ansicht, daß die Volksabstimmung zu keinerlei Zwischen- fällen Anlaß geben werde. Das „Oeuvre" befaßt sich weiterhin mit den Ausführungen des italieni­schen Vertreters im Abrüstungsbüro und erklärt in diesem Zusammenhang, daß die italienische Unterstützung der deutschen Gleichberechtigungs­these stark aufgefallen sei. Man habe darin den Beweis erblickt, daß man nicht mit einer italieni­schen Opposition gegen Deutschland rechnen dürfe. *

Der Präsident von Paraguay erklärte dem Havasvertreter in Asuncion, die Vorschläge des Ehaco-Ausschusses beruhten auf falschen Voraus­setzungen. Es sei unmöglich, die Truppen um 50 Kilometer zurückzuziehen, denn sie müßten da ckehen bleiben, wo sich Möglichkeiten für ihre Vsr- iorgung mit Lebensrnitteln und besonders mit Wasser befänden. Paraguay habe deshalb auch die Forderungen des Völkerbundes abgelehnt und seinem Vertreter in Genf entsprechende Anwei­sungen gegeben.

Marsch auf Washington war geplant

Aufsehenerregende Enthüllungen über angebliche Putschpläne